Voith MillOne
Voith Group
Redaktionelle Einschätzung auf Basis öffentlich zugänglicher Quellen (Anbieterangaben, Preislisten, unabhängige Bewertungsplattformen), kein Hands-on-Produkttest, sofern nicht ausdrücklich anders angegeben. Die Sternebewertung ist eine Meinung der Redaktion.
Tool öffnenVoith MillOne ist das digitale Ökosystem von Voith für die autonome Papierfabrik. Es bündelt Prozesssteuerung, Qualitätsdaten, Visualisierung und KI-Optimierung auf einer Plattform, von der Faseraufbereitung bis zur fertigen Bahn. Die eigentliche KI steckt in den Modulen der OnEfficiency- und OnView-Familie: Sie sollen Bahnabrisse senken sowie Fasern, Stärke und Energie sparen. Voith verweist dazu auf Anwendungsfälle, etwa OnEfficiency.BreakProtect bei Laakirchen Papier AG.
Kosten: Preise ausschließlich auf Anfrage; Enterprise-Plattform für Papierfabriken; Einzelmodule (OnEfficiency, OnView) separat buchbar; Gesamtkosten stark abhängig von Maschinenausstattung und Integrationstiefe
Kategorien
Stärken
- Herstellerbelegte KI-Module: laut Voith senkt OnEfficiency.BreakProtect Bahnabrisse mit einem eigenen KI-Algorithmus (Referenzfall Laakirchen Papier AG), OnEfficiency.Strength reduziert den Faser- und Stärkeeinsatz (Referenzfall DS Smith Witzenhausen)
- Tiefe Maschinenintegration: direkter Zugriff auf Stellgrößen und Sensordaten der Papiermaschine, virtuelle Sensoren und Model Predictive Control im geschlossenen Regelkreis
- Branchenspezifische, auf Papierproduktionsdaten vortrainierte Modelle, kein Aufbau einer KI von Grund auf
- Modularer Aufbau: Einzelmodule (BreakProtect, Strength, DIP, MassBalance, Energy) lassen sich separat einführen und schrittweise ausbauen
- Voith-Service-Ökosystem mit deutschsprachigem Support und lokalem Servicenetz aus Heidenheim
Einschränkungen
- Primär auf Voith-Maschinen und Voith-Leitsysteme optimiert, Anbindung an Fremdmaschinen erfordert Zusatzaufwand
- Keine transparenten Listenpreise, ausschließlich über Voith-Vertrieb und mehrjährige Serviceverträge
- Starke Anbieterabhängigkeit: Modell-Updates, Datenhoheit und Schnittstellen liegen weitgehend bei Voith
- Cloud-/Datenschicht bedeutet potenziellen Datenabfluss aus dem Werk, Hosting-Region vertraglich klären
- Für kleinere Werke mit einer Maschine oft wirtschaftlich schwer darstellbar
Passt gut zu
Wann ja, wann nein
Wann ja
- Du betreibst eine oder mehrere Voith-Papiermaschinen und willst Abrisse, Faser- und Chemikalienverbrauch senken
- Du suchst dokumentierte ROI-Fälle statt KI-Versprechen ohne Belege
- Du willst klein anfangen (ein Pilotmodul) und bei nachgewiesenem Nutzen ausbauen
- Du brauchst einen Anbieter mit deutschsprachigem Service und lokalem Vor-Ort-Netz
Wann nein
- Dein Maschinenpark stammt von Fremdherstellern und du willst keine tiefe Voith-Anbindung
- Du brauchst transparente Listenpreise und kurze, kündbare Verträge
- Dein Werk ist zu klein, um die Investition über Einsparungen zu amortisieren
- Du willst maximale Datenhoheit und keine herstellergebundene Cloud-Komponente
Kurzfazit
Voith MillOne ist kein KI-Chatbot, sondern eine Betriebsplattform für die autonome Papierfabrik: ein digitales Ökosystem, das Prozesssteuerung, Qualitätsdaten, Visualisierung und KI-Optimierung von der Faseraufbereitung bis zur fertigen Bahn zusammenführt. Wichtig zu wissen: MillOne selbst ist die Klammer, die eigentliche KI steckt in den Modulen der OnEfficiency- und OnView-Familie: weniger Bahnabrisse, weniger Faser, weniger Stärke, weniger Energie. Voith untermauert das mit benannten Anwendungsfällen (BreakProtect bei Laakirchen Papier AG, Strength bei DS Smith Witzenhausen) statt reiner Hochglanz-Versprechen, die konkreten Einsparzahlen bleiben aber Voith-eigene Angaben. Die Module sind erprobt, die Marke MillOne dagegen frisch: Voith hat sie erst kürzlich als Dach über die zuvor einzeln vermarkteten Bausteine gestellt. Der Preis dafür: keine transparenten Listenpreise, mehrjährige Serviceverträge und eine spürbare Bindung an Voith bei Schnittstellen, Datenhoheit und Modellpflege.
Für wen ist Voith MillOne?
Betreiber von Voith-Papiermaschinen: Die Kerngruppe. Wer eine oder mehrere Voith-Maschinen fährt, profitiert vom direkten Zugriff auf Stellgrößen und Sensordaten. MillOne sitzt nicht „nebendran”, sondern greift im geschlossenen Regelkreis ein, virtuelle Sensoren liefern Qualitätsparameter, die das Model Predictive Control direkt zur Steuerung nutzt.
Werke mit häufigen Bahnabrissen: Jeder Abriss kostet Produktionszeit und Ausschuss. OnEfficiency.BreakProtect klassifiziert Abrissursachen per KI in Segmente und soll die Abrisshäufigkeit laut Voith spürbar senken. Für eine Maschine, die rund um die Uhr läuft, ist das ein direkter, messbarer Hebel, die konkrete Wirkung solltest du vor Vertragsschluss an deinen eigenen Maschinendaten prüfen lassen.
Werke mit hohen Faser-, Stärke- oder Chemikalienkosten: OnEfficiency.Strength optimiert das Festigkeitsprofil und senkt den Faser- und Stärkeeinsatz (Voith nennt DS Smith Witzenhausen als Referenz); OnView.MassBalance deckt Faserverluste im Stoffkreislauf auf. Laut Voith-Modulportfolio adressieren weitere OnEfficiency-Bausteine (etwa für die Deinking-Anlage) zusätzliche Prozessstufen. Hier liegen die größten Einsparungen, und die belastbarsten ROI-Fälle.
Produzenten auf dem Weg zur autonomen Mühle: MillOne ist als Plattform gedacht, in die sich Module schrittweise einklinken. Wer die Vision „Lights-out-Papierfabrik” verfolgt, aber nicht alles auf einmal umstellen will, kann modulweise vorgehen und den Reifegrad über Jahre steigern.
Weniger geeignet für: Werke mit überwiegend Fremdmaschinen, kleine Ein-Maschinen-Betriebe ohne ausreichendes Einsparvolumen, und Unternehmen, die transparente Preise, kurze Vertragslaufzeiten und volle Datenhoheit verlangen.
Preise im Detail
| Komponente | Preis | Was du bekommst |
|---|---|---|
| MillOne-Plattform | Auf Anfrage | Daten- und Integrationsschicht, Visualisierung, Anbindung ans Leitsystem |
| OnEfficiency-Module | Auf Anfrage | KI-Optimierung pro Anwendungsfall (u. a. BreakProtect, Strength), einzeln buchbar |
| OnView-Module | Auf Anfrage | Monitoring & Analyse (u. a. MassBalance), Transparenz über Stoff- und Energieströme |
| Servicevertrag | Auf Anfrage | Inbetriebnahme, Kalibrierung, laufende Modellpflege, Updates durch Voith-Spezialisten |
Einordnung: Voith veröffentlicht keine Listenpreise, alles läuft über Vertrieb und mehrjährige Serviceverträge. Die Gesamtkosten hängen massiv von Maschinenausstattung, Anzahl der Module und Integrationstiefe ab. Das macht einen Direktvergleich mit Wettbewerbern schwer und verlangt eine eigene Wirtschaftlichkeitsrechnung. Der entscheidende Unterschied zu generischen KI-Tools: Hier zahlst du nicht für ein Abo, sondern für eine Investition mit kalkulierbarem ROI, sofern die Einsparungen (Faser, Stärke, Energie, weniger Abrisse) das Volumen rechtfertigen. Genau deshalb lohnt MillOne wirtschaftlich vor allem in größeren Werken mit hohem Durchsatz. Verlange vor Vertragsschluss eine Werksanalyse mit konkreter Einsparprognose und prüfe, ob sich der ROI an deinen realen Maschinendaten bestätigt, nicht an Referenzfällen anderer Mühlen.
Stärken im Detail
Benannte Referenzmühlen statt anonymer „bis zu”-Zahlen. Das ist der wichtigste Punkt. Voith arbeitet für die KI-Module mit namentlich genannten Werken: OnEfficiency.BreakProtect bei der Laakirchen Papier AG, wo laut Voith der KI-Algorithmus die relevanten Einflussparameter aufzeigt und die Papiermacher zu den kritischen Ereignissen führt (Zitat CEO Dr. Thomas Welt); OnEfficiency.Strength bei DS Smith Witzenhausen, wo Voith Einsparungen bei Fasern, Stärke und Maschinenenergie beschreibt. Wichtig für die Einordnung: Die konkreten Einsparzahlen stammen durchweg aus Voith-eigenen Quellen und sind nicht unabhängig überprüfbar, lass dir die genauen Werte und die Methodik im Vertriebsgespräch schriftlich belegen. Für KI-Optimierung in der Schwerindustrie ist allein die Tatsache, dass Voith mit benannten Referenzmühlen arbeitet, überdurchschnittlich.
Tiefe Maschinenintegration im geschlossenen Regelkreis. MillOne ist kein Dashboard, das nur zuschaut. Laut Voith liefern virtuelle Sensoren Qualitätsparameter in Echtzeit, eine modellbasierte Regelung greift direkt steuernd ein und balanciert Qualität gegen Rohstoffeinsatz. Dieser direkte Durchgriff auf Stellgrößen ist nur möglich, weil Voith Maschine, Leitsystem und KI aus einer Hand liefert, der Vorteil eines vertikal integrierten Anbieters.
Vortrainierte, branchenspezifische Modelle. Die KI startet nicht bei Null. Voith bringt jahrzehntelange Papierproduktionsdaten und domänenspezifische Modelle mit, die auf deine Maschine kalibriert werden, statt sie erst aufwändig anzulernen. Das verkürzt die Zeit bis zum messbaren Nutzen erheblich gegenüber generischen MES- oder Analytics-Plattformen.
Echte Modularität. Du musst nicht die ganze Vision kaufen. Die einzelnen Bausteine, verifiziert sind BreakProtect, Strength und MassBalance, laut Voith kommen weitere hinzu, lassen sich getrennt einführen. Das senkt das Einstiegsrisiko: Ein Pilotmodul beweist (oder widerlegt) den ROI, bevor das nächste folgt. Genau dieser schrittweise Pfad ist für konservative, kapitalintensive Werke realistischer als ein Big-Bang-Umbau.
Voith-Service-Ökosystem in DACH. Inbetriebnahme, Kalibrierung und laufende Modellpflege übernehmen Voith-Spezialisten, mit deutschsprachigem Support und lokalem Servicenetz aus Heidenheim. Für Werke, die KI-Kompetenz nicht selbst aufbauen wollen, ist diese Rundum-Betreuung ein echtes Argument; die Modelle „verrotten” nicht, sondern werden über die Vertragslaufzeit gepflegt.
Schwächen ehrlich betrachtet
Optimiert für die eigene Welt. MillOne entfaltet seine Stärke an Voith-Maschinen mit Voith-Leitsystemen. Die Anbindung an Fremdmaschinen ist technisch möglich (u. a. über OPC-UA), aber mit Zusatzaufwand verbunden, und der tiefe Durchgriff in den Regelkreis, der die belegten Ergebnisse erst ermöglicht, lässt sich an Fremdtechnik selten in gleicher Tiefe herstellen. Wer einen gemischten Maschinenpark fährt, sollte das nüchtern bewerten.
Keine Preistransparenz. Alles läuft über Vertrieb und Servicevertrag. Es gibt keinen Preiskalkulator, keine öffentliche Tier-Liste, keinen schnellen Vergleich. Das ist in der Schwerindustrie üblich, erschwert aber die Budgetierung und macht dich in der Verhandlung abhängig von Voiths Einsparprognose. Hol dir verbindliche Zahlen und definiere Erfolgskriterien schriftlich.
Anbieterabhängigkeit (Lock-in). Modell-Updates, Schnittstellen, Datenhoheit und ein großer Teil des Know-hows liegen bei Voith. Das ist die Kehrseite der Rundum-Betreuung: Ein Wechsel des Anbieters oder ein Insourcing der KI-Kompetenz ist nach Jahren tiefer Integration aufwändig. Kläre vertraglich, was mit Modellen und Daten passiert, wenn der Vertrag endet.
Cloud-Komponente bedeutet Datenabfluss. Teile der Plattform setzen auf eine Cloud-/Datenschicht. Damit verlassen Prozessdaten potenziell das Werk. Für Betriebe mit strikten OT-Security- oder Souveränitätsanforderungen ist die Hosting-Region und der Datenfluss kein Detail, sondern ein zentrales Vertragsthema. Voith legt die konkrete Hosting-Region nicht öffentlich offen, kläre sie vor Vertragsschluss und frage On-Premise-Optionen und EU-Hosting ausdrücklich an.
Wirtschaftlich nur ab einer gewissen Größe. Die Einsparungen skalieren mit Durchsatz und Maschinenzahl. Ein kleines Ein-Maschinen-Werk mit moderaten Faser- und Energiekosten tut sich schwer, die Investition über Einsparungen zu amortisieren. MillOne ist primär ein Werkzeug für mittlere und große Mühlen.
Alternativen im Vergleich
| Wenn du… | …nimm stattdessen |
|---|---|
| In einer Valmet-Welt arbeitest oder den direkten Wettbewerber prüfst | Valmet IQ |
| Speziell Stickies und Verunreinigungen in der Papierproduktion erkennen willst | PTS DOMAS Stickies |
| Maschinendaten und OEE über einen herstellerunabhängigen IoT-Layer auswerten willst | MachineMetrics |
| Den Schwerpunkt auf prädiktive Instandhaltung und Condition Monitoring legst | Tractian |
| Eine offene SCADA- und Prozessvisualisierungsschicht über mehrere Anlagen brauchst | Iconics |
Erwähnenswert ohne eigene Tool-Seite: ABB Ability und Honeywell Forge (breite industrielle Optimierungsplattformen mit Papier-Modulen), Andritz Metris (das Pendant des dritten großen Papiermaschinen-Bauers) sowie generische MES/Analytics-Stacks, die du selbst um eigene Modelle ergänzt. Der ehrlichste Vergleich ist Valmet IQ, Valmet ist Voiths direkter Rivale im Maschinen- und Automatisierungsgeschäft. Die Faustregel lautet meist: Wer Voith-Maschinen fährt, fährt mit MillOne am tiefsten integriert; wer Valmet fährt, ebenso mit IQ. Bei gemischten Parks oder Fremdmaschinen werden herstellerunabhängige Layer wie MachineMetrics oder Tractian interessanter.
So steigst du ein
Schritt 1: Kontaktiere den Voith-Vertrieb über voith.com und fordere eine Werksanalyse an. Voith wertet bestehende Prozessdaten aus, um das Einsparpotenzial zu beziffern. Bereite Unterlagen vor: Maschinentyp, Formatspektrum, aktuelle Abrisshäufigkeit, Faser-, Stärke- und Energiekosten. Lass dir das Potenzial an deinen Daten vorrechnen, nicht an Referenzfällen.
Schritt 2: Starte mit einem einzigen Pilotmodul, typischerweise OnEfficiency.BreakProtect (wenn Abrisse dein Hauptschmerz sind) oder OnEfficiency.Strength (wenn Faser- und Stärkekosten dominieren). Voith integriert das System ans Leitsystem und kalibriert die Modelle auf deine Maschinendaten. Vereinbare vorab messbare Erfolgskriterien und eine Pilotdauer (meist 3–6 Monate).
Schritt 3: Nach validiertem Pilot-ROI entscheide über den Ausbau zu weiteren Modulen (etwa OnView.MassBalance und weiteren OnEfficiency-Bausteinen laut Voith-Portfolio) und den Weg in Richtung autonomer Mühle. Kläre im Servicevertrag laufende Modellpflege, Datenhoheit, Hosting-Region und die Exit-Bedingungen, bevor du dich mehrjährig bindest.
Ein konkretes Beispiel
Das folgende Szenario ist illustrativ und dient nur zur Veranschaulichung des typischen Einführungswegs, die Zahlen sind gerundete Beispielwerte, keine von Voith belegten Ergebnisse. Eine gedachte Wellpappenrohpapier-Fabrik in Süddeutschland mit zwei Voith-Maschinen und 15 bis 20 Formatwechseln pro Woche kämpft mit zu vielen Bahnabrissen und schwankender Festigkeit. Sie startet mit OnEfficiency.BreakProtect: Das KI-Modul klassifiziert die Abrissereignisse automatisch nach gemeinsamen Ursachen und schlägt für jedes Segment gezielte Gegenmaßnahmen vor. Sinkt die Abrisshäufigkeit im ersten Betriebsjahr spürbar und steigt die Produktion leicht, lohnt der nächste Schritt: OnEfficiency.Strength senkt über die Prozessoptimierung den Faser- und Stärkeeinsatz, ohne die Bahnfestigkeit zu gefährden. Entscheidend an diesem Muster ist, dass jedes Modul erst nach validiertem ROI freigegeben wird, und dass die Hosting-Region der Cloud-/Datenschicht vor Vertragsschluss schriftlich geklärt ist. Welche Einsparung und welche Amortisationszeit realistisch sind, lässt sich nur an deinen eigenen Maschinendaten seriös beziffern.
DSGVO & Datenschutz
- Datenhosting: Hybrid, Edge-/On-Premise-Komponenten im Werk, ergänzt um eine Cloud-/Datenschicht. Die konkrete Hosting-Region ist vertraglich zu vereinbaren und vor Vertragsschluss zu klären. Anbieter ist die Voith Group, Heidenheim (Deutschland).
- Datennutzung: Verarbeitet werden überwiegend Maschinen- und Prozessdaten (Sensorwerte, Stellgrößen, Qualitätsparameter), in der Regel keine personenbezogenen Daten. Wie Voith aggregierte Werksdaten zur Verbesserung der Modelle nutzt, sollte im Vertrag explizit geregelt werden.
- Datenhoheit & Exit: Klären, wem die kalibrierten Modelle und die Rohdaten gehören und was bei Vertragsende mit ihnen passiert, angesichts der tiefen Integration ein zentraler Punkt.
- OT-Security: Da die Plattform direkt in den Regelkreis eingreift, sind Netzwerksegmentierung, Zugriffskontrolle und die Absicherung der Cloud-Anbindung sicherheitskritisch, als Teil der Inbetriebnahme behandeln.
- Auftragsverarbeitung (AVV): Bei personenbezogenen Daten (z. B. Bedienerkennungen, Schichtdaten) AVV anfordern. Für reine Maschinendaten greift eher ein klassischer Datennutzungs- und Geheimhaltungsrahmen.
- Empfehlung für Unternehmen: Vor dem Rollout Hosting-Region, Datenflüsse und Exit-Bedingungen schriftlich fixieren. Für Werke mit hohen Souveränitätsanforderungen On-Premise-Optionen und EU-Hosting ausdrücklich verhandeln.
Gut kombiniert mit
- Tractian, während MillOne Prozess und Bahnqualität optimiert, deckt ein herstellerunabhängiges Condition-Monitoring-System wie Tractian die mechanische Zustandsüberwachung von Aggregaten (Motoren, Lager, Pumpen) ab, auch an Peripherie und Fremdanlagen, die MillOne nicht abdeckt.
- PTS DOMAS Stickies, für die spezialisierte optische Erkennung von Stickies und Verunreinigungen in der Stoffaufbereitung. Ergänzt die MillOne-Optimierung auf der Qualitätsseite mit detaillierter Partikelanalytik, besonders in Werken mit hohem Altpapieranteil.
- Iconics, als übergeordnete SCADA- und Visualisierungsschicht, wenn mehrere Anlagen, Werke oder auch die Gebäudetechnik in einem einheitlichen Leitstand gebündelt werden sollen. MillOne liefert die Papier-KI, Iconics den werksübergreifenden Überblick.
Unser Fazit
Voith MillOne verdient 3 von 5 Sternen. Die zugrunde liegenden KI-Module sind stark: OnEfficiency.BreakProtect und OnEfficiency.Strength arbeiten mit einem eigenen KI-Algorithmus, greifen tief in den Regelkreis ein und werden mit benannten Referenzmühlen (Laakirchen Papier AG, DS Smith Witzenhausen) belegt, das hebt sich wohltuend von vagen KI-Versprechen ab. Warum dann nur drei Sterne? Erstens sind die genannten Einsparzahlen durchweg Voith-eigene Angaben, unabhängig ließen sie sich in unserer Recherche nicht bestätigen. Zweitens ist MillOne als Plattform-Marke frisch am Markt und bündelt bekannte Module unter einem neuen Dach, der Plattform-Reifegrad ist also noch offen. Drittens wiegen die strukturellen Nachteile schwer: kein transparenter Preis, ausgeprägter Lock-in an Voith-Maschinen und -Leitsysteme, eine nicht offengelegte Hosting-Region und ein Nutzen, der wirtschaftlich erst ab einer gewissen Werksgröße trägt. Für Betreiber von Voith-Maschinen bleibt MillOne trotzdem einer der ernsthaftesten KI-Ansätze der Papierindustrie, vorausgesetzt, der ROI wird vorab an den eigenen Daten und nicht an fremden Referenzfällen geprüft und alle Vertragsfragen (Preis, Datenhoheit, Hosting, Exit) werden schriftlich fixiert.
Was wir bemerkt haben
- Juli 2026, In der Neuprüfung haben wir mehrere Mühlennamen korrigiert. Die zuvor auf dieser Seite genannten Referenzen „Mondi Ružomberok” und „Saica” ließen sich in unserer Recherche nicht als Voith-MillOne-Referenzen belegen und wurden entfernt. Belegbar sind hingegen: OnEfficiency.BreakProtect bei der Laakirchen Papier AG (mit Zitat von CEO Dr. Thomas Welt) und OnEfficiency.Strength bei DS Smith Witzenhausen. „Lieber Lücke als Lüge.”
- Juli 2026, Wir haben die KI-Einordnung von „kern” auf „features” gesenkt. MillOne ist die Betriebsplattform (Datenschicht, Visualisierung, Integration), die eigentliche KI sitzt in den OnEfficiency-Modulen. Voith beschreibt BreakProtect ausdrücklich als System mit „einem eigenen KI-Algorithmus”. Die Bewertung ging von 4 auf 3 Sterne, wegen fehlender Preistransparenz, ausschließlich herstellerbelegter Einsparzahlen und des frischen Plattform-Status.
- Juli 2026, Voith führt MillOne auf seiner Website als „intelligentes Ökosystem für die autonome Papierfabrik”. Die Marke ist erkennbar neu und bündelt die zuvor einzeln vermarkteten OnEfficiency- und OnView-Module (u. a. BreakProtect, Strength, MassBalance) unter einem Plattform-Dach, ein Signal, dass Voith vom Komponenten- zum Plattformgeschäft übergeht.
- Juli 2026, Konkrete, öffentlich einsehbare Listenpreise gibt es nicht; alles läuft über Vertrieb und Serviceverträge. Auch die Hosting-Region der Cloud-/Datenschicht wird nicht standardmäßig offengelegt, sondern muss vertraglich geklärt werden, ein wiederkehrender Punkt in der Bewertung.
Quellen
- Voith – Autonomous Paper Mill / MillOne. https://www.voith.com/corp-en/industry-solutions/papermaking/autonomous-paper-mill.html (abgerufen am 2026-07-18). MillOne als intelligentes Ökosystem für die autonome Papierfabrik; Module OnEfficiency (BreakProtect, Strength) und OnView (MassBalance); AI-gestützte Automatisierung und datengetriebene Optimierung.
- Voith – OnEfficiency.BreakProtect. https://www.voith.com/corp-en/products-services/automation-digital-solutions/break-protect.html (abgerufen am 2026-07-18). BreakProtect nutzt einen eigenen KI-Algorithmus zur Erkennung von Abrissursachen; Referenzfall Laakirchen Papier AG (Zitat CEO Dr. Thomas Welt).
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