Valmet IQ
Valmet
Valmet IQ ist das integrierte Qualitätsmanagementsystem für Zellstoff-, Papier-, Karton- und Tissuemaschinen. Das System kombiniert Querrichtungs-Scanner (Infrarot-Feuchte, Flächengewicht, Dicke, u. a. nicht-nukleare Sensorik), CD-Aktuatoren (Dampfprofilierung, Befeuchter, Induktion) und modellprädiktive Regelung zu einem geschlossenen Regelkreis über die gesamte Bahnbreite.
Kosten: Preis auf Anfrage. Valmet veröffentlicht keine Listenpreise. Das Investitionsvolumen hängt von Bahnbreite, Anzahl der Scanner und CD-Aktuatoren sowie der Integrationstiefe ab und wird pro Projekt individuell kalkuliert.
Kategorien
Stärken
- Breites Profiler-Portfolio: IQ Steam Profiler, IQ Moisturizer, IQ Dilution, IQ Slice, IQ Coat Weight und IQ Induction Profiler für CD-Regelung
- IQ Steam Profiler steuert die Dampfverteilung in der Trockenpartie und verbessert Feuchteprofil und Bahntrockenheit
- Kompatibel mit Valmet DNA, Bedienung über eine web-basierte Oberfläche
- Nicht-nukleare Sensorik (u. a. IQ Fiber) für Flächengewicht und Trockengehalt ohne radioaktive Quellen
- Modellprädiktive Regelung im geschlossenen Regelkreis, inkl. Online-Modell für Papierfestigkeit
Einschränkungen
- Eng mit dem Valmet-Ökosystem verzahnt, Integration in Fremdleitsysteme ist aufwendig
- Hohe Investitionskosten, wirtschaftlich vor allem für Großmaschinen mit hoher Jahrestonnage (Preis auf Anfrage)
- Inbetriebnahme mit Step-Tests und Modellidentifikation bindet über mehrere Wochen Anlagen- und Bedienpersonal
- Modell-Degradation nach Papiersortenumstellung oder Filzwechsel, regelmäßige Rekalibrierung erforderlich
- Kein Self-Service-Einstieg: Projekte werden durch Valmet-Spezialisten begleitet, kein SaaS- oder Cloud-Light-Modell
Passt gut zu
Wann ja, wann nein
Wann ja
- Du betreibst eine große Papier-, Karton- oder Tissuemaschine mit hoher Auslastung
- Du willst CD-Feuchte- und Flächengewichtsprofile messbar verbessern
- Du hast bereits Valmet DNA als DCS im Einsatz
- Du brauchst nachvollziehbare Effizienzgewinne für ein Investitionsbusinessmodell
Wann nein
- Deine Maschine ist klein oder gering ausgelastet, die ROI-Rechnung wird knapp
- Du arbeitest mit ABB-, Honeywell- oder Yokogawa-DCS und willst kein zweites Leitsystem
- Du brauchst ein Self-Service-Tool zum Ausprobieren
- Deine Sortenvielfalt ist so hoch, dass Modelle ständig nachjustiert werden müssten
Kurzfazit
Valmet IQ ist die Referenz für Qualitätsregelung in der Papier-, Karton- und Tissueindustrie, ein integriertes System aus Querrichtungs-Scannern, CD-Aktuatoren und modellprädiktiver Regelung, das die gesamte Bahnbreite im geschlossenen Regelkreis kontrolliert. Wer eine moderne Papiermaschine im Bereich Grafische Papiere, Verpackung oder Tissue betreibt und 2-Sigma-Feuchtevariation als KPI ernst nimmt, kommt an Valmet IQ kaum vorbei. Stärken: vom Hersteller dokumentierte Profilverbesserungen, tiefe Integration in Valmet DNA, etablierte Modelle für Step-Test-Identifikation. Schwächen: hohe Investitionssumme, lange Inbetriebnahme, und ein deutlicher Vendor-Lock-in gegenüber Wettbewerbern wie ABB Ability oder Honeywell Experion PKS.
Zur Einordnung: Valmet IQ ist kein KI-Tool im engeren Sinne. Der Kern ist klassische Mess- und Regelungstechnik (Scanner, Aktuatoren, modellprädiktive Regelung). Wir führen es hier, weil es der zentrale Baustein für den Anwendungsfall Prozess- und Qualitätsoptimierung in der Papierindustrie ist und in modernen Werken zunehmend mit datengetriebenem Performance-Monitoring (Valmet Industrial Internet) verzahnt wird.
Für wen ist Valmet IQ?
Großpapierwerke (Grafische Papiere, Karton): Klassische Zielgruppe. Bei großen Maschinen mit breiter Bahn kann sich das System über Rohstoff- und Energieeinsparungen rechnen (geringere Feuchteüberschreitungen, weniger Reklamationen, höhere Maschinengeschwindigkeit). Die konkrete Amortisation hängt von Maschine, Auslastung und Ausgangslage ab und sollte im Profil-Assessment für den Einzelfall gerechnet werden. Wer bereits Valmet DNA als DCS betreibt, hat den geringsten Integrationsaufwand.
Tissuewerke mit Yankee-Trockner: Der IQ Steam Profiler punktet besonders auf Hochgeschwindigkeits-Tissuemaschinen. Genauere CD-Feuchteregelung steigert die Bahntrockenheit vor dem Yankee, was Geschwindigkeitsreserven freisetzt und den Dampfverbrauch senkt. Das ist einer der stärksten ROI-Hebel in der gesamten Papierindustrie.
Werke mit eingespieltem Valmet-Equipment: Wenn Trockenpartie, Pressen oder Stoffaufläufe ohnehin von Valmet kommen, ist IQ die natürliche Erweiterung. Engineering, Wartung und Servicelogistik liegen in einer Hand, das vereinfacht Verträge, Ersatzteile und Inbetriebnahme erheblich.
Spezialpapier- und Kartonproduzenten mit engen 2-Sigma-Vorgaben: Wer Kunden mit strikten Qualitätszielen beliefert (z. B. Pharmaverpackung, Liner für Lebensmittelverpackung, Etikettenpapier), braucht reproduzierbare Profile. Valmet IQ liefert die Mess- und Regeltiefe, die manuelle Operatoreingriffe systematisch ersetzt.
Modernisierungsprojekte bei Brownfield-Anlagen: Bei Maschinen, die in den 1990ern oder 2000ern gebaut wurden und immer noch alte QCS-Generationen (Measurex, ältere Honeywell-Systeme) betreiben, ist eine IQ-Modernisierung oft Teil eines größeren Retrofits. Die nachweisbaren Effizienzgewinne rechtfertigen die Investition gegenüber dem Vorstand.
Weniger geeignet für: Kleinere oder gering ausgelastete Papiermaschinen, Werke mit etablierten Fremd-DCS-Investitionen (ABB Ability oder Honeywell Forge sind dort meist die bessere Wahl), Pilotmaschinen oder Versuchsanlagen mit ständig wechselnder Sortenvielfalt, und alle, die ein Self-Service-Tool ohne Vendor-Begleitung suchen.
Preise im Detail
| Konfiguration | Preis | Was enthalten ist |
|---|---|---|
| CD-Einzelmodul (z. B. IQ Steam Profiler) | auf Anfrage | Eine Aktuatorreihe + Anbindung an bestehende Scanner + Modellidentifikation |
| Standard-QCS-Set | auf Anfrage | Scanner (Feuchte, Flächengewicht, Dicke) + Leitrechner + Basis-Regelung |
| Komplettsystem | auf Anfrage | Mehrere Scanner, CD-Aktuatoren (u. a. IQ Moisturizer), modellprädiktive Regelung, DNA-Integration |
| Service / Lifecycle | auf Anfrage | Modell-Rekalibrierung, Vor-Ort-Service, Remote-Assistenz und Fleet Management |
Einordnung: Valmet veröffentlicht keine Listenpreise. Die offiziellen Produktseiten verweisen für Spezifikationen und Preise ausdrücklich auf den Kontakt zum Anbieter. Jeder Auftrag wird individuell kalkuliert, die Investitionshöhe treiben vor allem Bahnbreite, Anzahl und Typ der Scanner und CD-Aktuatoren, das Sortenspektrum und die Integrationstiefe (Greenfield, Retrofit, Anbindung an ein Fremdleitsystem). Verlässliche Euro-Beträge lassen sich ohne konkretes Angebot nicht seriös nennen, wir verzichten daher bewusst auf Schätzzahlen. Belastbar ist nur: Ein vollständiges QCS für eine Großmaschine ist eine Investition im mindestens sechsstelligen Bereich, und die laufenden Service- und Lifecycle-Kosten gehören von Anfang an in die Wirtschaftlichkeitsrechnung, weil die Regelqualität ohne regelmäßige Modellpflege mit der Zeit nachlässt.
Stärken im Detail
Dokumentierte CD-Profilverbesserung. Valmet kommuniziert Effizienzgewinne über Kundenreferenzen. Für den IQ Steam Profiler nennt der Hersteller eine Referenz beim Werk Ahlstrom-Munksjö mit 5 % höherer Papiermaschinenproduktion und besseren Profilen nach der Installation. Solche Werte sind Einzelreferenzen, keine garantierten Durchschnittswerte: Die tatsächliche Verbesserung hängt stark von Maschine, Sorte und Ausgangslage ab und sollte im Profil-Assessment vor Ort individuell ermittelt werden. Pauschale Prozentversprechen sind mit Vorsicht zu lesen.
IQ Steam Profiler als Kernkomponente. Der IQ Steam Profiler steuert die Dampfverteilung in der Trockenpartie und verbessert dadurch Feuchteprofil und Bahntrockenheit über die Bahnbreite. Kombiniert mit modellprädiktiver Regelung lassen sich CD-Feuchteprofile gezielter angleichen als mit manuellen Operatoreingriffen. Für rein mechanische CD-Profilierung (etwa Faserorientierung) setzt Valmet daneben den IQ Slice Profiler mit elektromechanischen Aktuatoren ein, das ist ein eigenes Produkt und sollte nicht mit dem dampfbasierten Steam Profiler verwechselt werden.
Volle DNA-Integration. Valmet IQ ist mit Valmet DNA kompatibel und läuft nicht zwingend als separater Inselrechner. Bedient wird über eine web-basierte Oberfläche, Operator-Bedienung, Alarme, Trends und Logbuch lassen sich im gleichen Umfeld führen. Das reduziert einen häufigen Fehlerfall klassischer QCS-Installationen: dass Schichtleiter zwischen zwei Bedienoberflächen wechseln müssen und Alarme dadurch übersehen werden.
Modellprädiktive Regelung (MPC) im Closed-Loop. Valmet IQ setzt modellprädiktive Regelung im geschlossenen Regelkreis ein, inklusive eines Online-Modells für die Papierfestigkeit. Statt allein mit klassischen PID-Reglern zu arbeiten, nutzt das System ein internes Prozessmodell, das Stellaktion, Totzeit und Übertragungsverhalten berücksichtigt. Das ist besonders bei breiten Bahnen mit komplexen CD-Interaktionen relevant, in denen eine Aktuatoraktion durch Wärme- oder Stoffübertragung auch benachbarte Zonen beeinflusst, eine Kopplung, mit der reine PID-Regler schwerer umgehen.
Modellpflege und Rekalibrierung. Filzwechsel, Sortenwechsel und Veränderungen im Auflaufstoff verschieben das Übertragungsverhalten der Aktuatoren. Damit die Regelqualität erhalten bleibt, gehören regelmäßige Step-Tests und Modellpflege zum Betrieb dazu. Valmet bietet dafür Lifecycle-Services an, die diese Aufgabe über die Anlagenlebenszeit begleiten.
Industrial Internet & Remote Service. Valmet bietet Remote-Assistenz und Lifecycle-Support für das QCS an, ergänzt um Virtualisierung und Fleet Management für den Betrieb mehrerer Anlagen. Ein Werk ohne eigenes Process-Engineering-Team kann so auf Spezialisten des Anbieters zurückgreifen, statt jede Modellfrage intern lösen zu müssen. Details zu Servicegraden und Reaktionszeiten regelt der jeweilige Vertrag.
Schwächen ehrlich betrachtet
Vendor-Lock-in ist real. Wer einmal Valmet IQ + Valmet DNA betreibt, kann nicht mal eben einen einzelnen Scanner durch ein Fremdfabrikat ersetzen. Die Modelle, das Engineering und die Service-Verträge sind eng mit dem Valmet-Ökosystem verzahnt. Das ist branchenüblich (Honeywell und ABB sind nicht offener), aber es schränkt die Verhandlungsposition bei Wartungs- und Erweiterungsaufträgen über die Lebenszeit der Anlage spürbar ein.
Inbetriebnahme dauert und bindet Personal. Installation, Step-Test-Kampagne und Modellvalidierung ziehen sich je Maschinenabschnitt über mehrere Wochen. In dieser Zeit läuft die Regelung teils im manuellen Betrieb, der Schichtleiter unterstützt das Engineering-Team, und es wird viel Analyse-Software bedient. Für Werke mit knappem Personal kann diese Phase belastend sein, gute Vorplanung und ein eigener interner Projektleiter sind Pflicht.
Modelle degradieren, Service ist praktisch alternativlos. Die anfänglich gute Regelqualität halten die Prozessmodelle nicht von alleine. Nach Sortenumstellungen, Filzwechseln und über die Zeit driften sie, ohne regelmäßige Rekalibrierung lässt die Performance nach. Wer den Service aus Kostengründen streicht, verliert über die Zeit einen Teil des Nutzens der Investition. Belastbare Zahlen zum Ausmaß der Degradation veröffentlicht Valmet nicht, planbar ist aber, dass Modellpflege ein Dauerthema bleibt.
Hohe Total-Cost-of-Ownership. Die Anschaffung ist nur der Anfang. Service- und Lifecycle-Verträge, Verschleiß- und Ersatzteile der Messköpfe, Erneuerung von Aktuator-Komponenten und Engineering-Stunden für größere Modifikationen summieren sich über die Anlagenlebenszeit spürbar auf. Das ist branchenüblich und nicht Valmet-spezifisch, sollte aber in der Investitionsrechnung von Anfang an stehen. Konkrete Prozentsätze nennt der Anbieter nicht öffentlich, sie sind Verhandlungssache im Angebot.
Kein Self-Service, keine Cloud-Light-Variante. Wer Valmet IQ einsetzen will, geht zwingend den Weg über Valmet Engineering. Es gibt keine reduzierte Cloud-Version, kein SaaS-Modell, keine modulare Mini-Installation für Pilotmaschinen. Das macht das System für kleinere Spezialpapier-Hersteller oder Forschungsanlagen wirtschaftlich kaum interessant, selbst wenn die Regelqualität fachlich attraktiv wäre.
Support-Tiefe kann von der Standortfrage abhängen. Valmet ist ein finnischer Konzern (Hauptsitz Espoo). Die lokale DACH-Vertriebs- und Serviceorganisation deckt das Tagesgeschäft ab, hochspezialisierte Modell- und Applikationsexperten sitzen aber teils in Nordeuropa. Bei komplexen Inbetriebnahmen oder Sondersituationen kann das Remote-Support-Modell zu Verzögerungen führen, wenn der passende Spezialist gerade in einem anderen Projekt gebunden ist. Wie schnell und in welcher Sprache Support geleistet wird, sollte vertraglich festgehalten werden.
Alternativen im Vergleich
| Wenn du… | …nimm stattdessen |
|---|---|
| Bereits ABB-DCS-Plattform betreibst | ABB Ability (mit ABB Quality Control System) |
| Honeywell Experion oder ältere Honeywell-QCS einsetzt | Honeywell Forge (mit Experion PKS QCS) |
| Yokogawa-DCS und Energieoptimierung kombinieren willst | Yokogawa VisualMesa |
| Faserstoff-Aufbereitung gezielt regeln willst | Valmet Fiber Furnish Control |
| Komplette DCS-Plattform inkl. QCS-Frontend brauchst | Valmet DNA |
Erwähnenswert ohne eigene Tool-Seite: Voith OnEfficiency.Strength (Konkurrenzangebot vom deutschen Maschinenbauer Voith, primär für Festigkeit und Faserqualität), BTG MAP (Skandinavisches Sensorik-Spezialhaus für Papier-QCS-Retrofits) und Andritz Metris (Industrial-IoT-Plattform mit QCS-Schnittstellen). Im Foundation-DCS-Markt teilen sich Valmet, ABB und Honeywell den Papierbereich nahezu vollständig, Yokogawa ist stärker in Petrochemie. Die Wahl wird selten anhand der QCS-Technik allein getroffen, sondern fast immer als Folge der gesamten DCS-Plattformentscheidung.
So steigst du ein
Schritt 1: Kontaktiere Valmet Automation über die zuständige regionale Vertriebs- und Serviceorganisation. Bereite für das Erstgespräch vor: Maschinenbreite, aktuelle Feuchte- und Flächengewichtsprofile am Aufroller, Sortenspektrum und aktuelle QCS-Infrastruktur. Valmet bietet Profil-Assessments an, bei denen Spezialisten vorhandene Scannerdaten analysieren und ein erstes Einsparpotenzial abschätzen, wertvoll, weil du ohne Investitionszusage eine erste Standortbestimmung bekommst. Konditionen und Umfang eines solchen Assessments klärst du direkt im Erstkontakt.
Schritt 2: Bewilligung und Vorstudie (Feasibility Study). Valmet erstellt eine maßgeschneiderte Systemkonfiguration: Welche CD-Aktuatoren sind sinnvoll (Dampfprofil, Befeuchter, Induktion)? Welche Scanner-Messköpfe werden benötigt? Wie wird das System in das bestehende Leitsystem (Valmet DNA oder Fremd-DCS) integriert? Vorstudie, Aufwand und Kosten hängen vom Umfang ab und werden im Angebot festgelegt, häufig werden sie bei einem späteren Hauptauftrag verrechnet.
Schritt 3: Installation und Step-Test-Kampagne. Nach der Montage führt Valmet Stufentest-Experimente durch: Jede Aktuatorzone wird definiert angesteuert, während die Scanner-Messköpfe die Bahnreaktion aufzeichnen. Diese Testreihe identifiziert das Prozessmodell (Verstärkung, Totzeit, Wellenbreite) für jede Zonen-Messpunkt-Paarung. Erst nach Modellvalidierung geht das System in den Closed-Loop-Betrieb. Plane für diese Phase mehrere Wochen je Maschinenabschnitt, und stelle einen internen Projektleiter ab, der mit Valmet auf Augenhöhe spricht.
Ein konkretes Beispiel
Stell dir ein mittelgroßes Spezialpapierwerk im Süddeutschen Raum vor, das auf einer Tissuemaschine mit Yankee-Trockner produziert. Die CD-Feuchteregelung läuft noch über eine ältere pneumatische Dampfbox, der Schichtleiter korrigiert Profile teilweise manuell. Nach einer Modernisierung mit IQ Steam Profiler und neuer Modellidentifikation ist das typische Ziel klar: ein gleichmäßigeres Feuchtemuster am Aufroller und eine messbar höhere Trockenheit vor dem Yankee. Schon ein Prozentpunkt mehr Trockenheit setzt Geschwindigkeitsreserven frei, die sich über das Jahr in zusätzlichen Tonnen niederschlagen können, und senkt zugleich den spezifischen Dampfverbrauch. Eine solche Modul-Erweiterung ist eine erhebliche Investition (Preis auf Anfrage) und rechnet sich bei gut ausgelasteter Maschine typischerweise über Mehrproduktion und Energieeinsparung. Die genauen Zahlen liefert das Valmet-Profil-Assessment für die konkrete Maschine. Dieses Szenario ist eine illustrative Modellrechnung, kein Bericht über ein einzelnes benanntes Werk, und enthält bewusst keine erfundenen Euro- oder Prozentzahlen.
DSGVO & Datenschutz
- Anbieter: Valmet ist ein finnischer Konzern mit Hauptsitz in Espoo (Finnland), also ein EU-Anbieter. Die Steuerung läuft ihrer Natur nach maschinenseitig im Werk (on-premise), Prozessdaten verlassen das Werksnetz nur über bewusst konfigurierte Remote-Verbindungen. Den genauen Standort von Cloud- und Remote-Service-Rechenzentren solltest du im konkreten Angebot bestätigen lassen, wir konnten ihn aus öffentlichen Quellen nicht belegen.
- Datennutzung: Remote-Service- und Fleet-Management-Funktionen setzen einen definierten Datenaustausch mit Valmet voraus. Wie Telemetrie genutzt wird und ob aggregierte Daten in Benchmarks einfließen, gehört in den Servicevertrag und sollte vor Aktivierung geklärt werden.
- Auftragsverarbeitung (AVV): Für Service-Angebote mit Cloud- oder Remote-Komponente ist ein AVV vertraglich zu vereinbaren. Ob und in welcher Form Valmet einen Standard-AVV bereitstellt, konnten wir nicht aus öffentlichen Quellen verifizieren, bitte im Angebot einfordern.
- Personenbezogene Daten: Im QCS-Kontext fallen im Wesentlichen Operator-Logins und Engineering-Accounts an, keine kundenseitigen Endnutzerdaten.
- Empfehlung für Unternehmen: Bei Remote-Service-Verträgen die zugelassenen Datenflüsse klar definieren (welche Telemetrie geht raus, welche bleibt lokal). IT-Sicherheits-Review vor Aktivierung der Remote-Anbindung, die Schnittstelle ist ein häufiges Thema in OT-Security-Audits.
Gut kombiniert mit
- Valmet DNA, Das DCS, in dem Valmet IQ als integrierte Engineering-Schicht läuft. Die Kombination ist die natürliche Architektur für Greenfield- oder umfassende Modernisierungsprojekte: ein HMI, ein Engineering-System, eine Wartungslogistik.
- Valmet IQ WIS, Das Web-Inspektions-System ergänzt die Quality-Control-Scanner um optische Bahnfehler-Erkennung (Löcher, Flecken, Streifen). Während IQ die kontinuierlichen Profile regelt, dokumentiert WIS diskrete Defekte. Beide Daten lassen sich in Valmet DNA gemeinsam auswerten.
- Valmet Fiber Furnish Control, Die Faserstoff-Aufbereitung in der Stoffzentrale beeinflusst Festigkeit, Formation und Endfeuchte. Wer Fiber Furnish Control vor und Valmet IQ am Aufroller kombiniert, regelt die Bahn vom Holzstoff bis zur fertigen Rolle in einem konsistenten Stack.
Unser Testurteil
Valmet IQ verdient 4 von 5 Sternen. In den Kerndisziplinen, CD-Profilregelung, MPC-Architektur, Steam-Profiler-Hardware, gehört das System verlässlich zur Weltspitze, gleichauf mit ABB und Honeywell. Die dokumentierten Effizienzgewinne sind belastbar, die Integration in Valmet DNA ist ein klarer Vorteil für Bestandskunden, und die Service-Infrastruktur in der DACH-Region funktioniert. Den fünften Stern verliert es durch drei strukturelle Themen: den harten Vendor-Lock-in (für Werke mit Fremd-DCS faktisch unbenutzbar), die hohe wirtschaftliche Einstiegsschwelle (für kleine oder gering ausgelastete Maschinen selten sinnvoll) und die Abhängigkeit von kostspieligen Service- und Lifecycle-Verträgen, ohne die die Performance über die Zeit abdriftet. Für die Zielgruppe, Großpapiermaschinen mit Valmet-Plattform, bleibt IQ die naheliegende, oft alternativlose Wahl.
Was wir bemerkt haben
- Juli 2026, Faktenprüfung und Entschlackung: Wir haben die Seite gegen vier offizielle Valmet-Produktseiten (QCS, Quality Management, Profilers, Measurements) geprüft und alle nicht belegbaren Euro-Beträge entfernt. Die frühere Preistabelle (150.000 € bis über 700.000 €, Faustregel 5–10 €/Tonne, 8–15 % Service, 10.000–30.000 € Vorstudie) war nicht durch eine Quelle gedeckt. Valmet nennt für Spezifikationen und Preise ausdrücklich nur den Kontakt zum Anbieter, deshalb steht jetzt durchgängig „Preis auf Anfrage”.
- Juli 2026, Korrektur einer Produktverwechslung: Der IQ Steam Profiler ist ein dampfbasierter CD-Aktuator für die Trockenpartie, keine „elektromechanische Dampfbox”. Elektromechanische Aktuatoren gehören zum IQ Slice Profiler, einem separaten Produkt. Die frühere Formulierung und die daran hängende „pneumatisch vs. elektromechanisch”-Marktnotiz haben wir zurückgenommen. Ebenso ist der IQ Moisturizer laut Hersteller ein Feuchteprofil-Regler über Dampf, nicht zwingend ein Wasser-Querbefeuchter „am Aufroller”.
- Juli 2026, Belegbare Referenz: Für den IQ Steam Profiler nennt Valmet eine Kundenreferenz (Ahlstrom-Munksjö) mit 5 % höherer Produktion und besseren Profilen. Das ist eine Einzelreferenz, kein garantierter Durchschnitt, und ersetzt die früheren pauschalen Prozentversprechen.
- Juli 2026, Bestätigter Funktionsumfang: Web Inspection und Web Monitoring System, IQ Fiber (nuklearfreie Flächengewichtsmessung), TSM/Spektrum-Messungen, nicht-nukleare Sensorik, modellprädiktive Regelung mit Online-Festigkeitsmodell, Valmet-DNA-Kompatibilität, web-basierte Bedienung, Virtualisierung und Fleet Management sind auf den offiziellen Seiten belegt.
- Marktbild (Stand 2026), ABB, Honeywell, Yokogawa und Valmet bilden weiterhin das Kernfeld der QCS-Anbieter für Papier und Karton. Das ist unsere redaktionelle Einordnung, keine belegte Marktanteilszahl. Die Eintrittshürden (Sensorik, Modellbibliotheken, Referenzkundenstamm) sind hoch.
- Juli 2026, Einordnung als KI-Relevanz: Valmet IQ ist im Kern Mess- und Regelungstechnik, kein KI-Produkt. Modellprädiktive Regelung ist klassische Regelungstechnik, Machine Vision und virtuelle Sensoren enthalten ML-Bausteine, tragen aber nicht den Kern. Wir listen es daher als „adjacent”, weil es der zentrale Stellhebel für den Anwendungsfall Prozess- und Qualitätsoptimierung in der Papierindustrie ist und in modernen Werken mit datengetriebenem Performance-Monitoring kombiniert wird.
Quellen
- Valmet – Quality Control System (QCS). https://www.valmet.com/automation/quality-management/quality-control-system-qcs/ (abgerufen am 2026-07-18). QCS für Zellstoff, Papier, Karton, Tissue, Nonwoven und Verarbeitung; Scanner, Web Inspection und Web Monitoring System, IQ Fiber und Transmission Spectrum Measurement (TSM); kompatibel mit Valmet DNA; web-basierte Bedienoberfläche; Virtualisierung und Fleet Management; keine Listenpreise veröffentlicht (Preise auf Anfrage, Verweis auf Kontakt für Spezifikationen und Preise).
- Valmet – Quality Management (Übersicht). https://www.valmet.com/automation/quality-management/ (abgerufen am 2026-07-18). IQ Steam Profiler (Kundenreferenz Ahlstrom-Munksjö nennt 5 % höhere Produktion und bessere Profile); IQ Fiber mit nuklearfreier Flächengewichtsmessung; Machine Vision / Web Inspection; modellprädiktive Regelung mit Online-Modell für Papierfestigkeit im geschlossenen Regelkreis.
- Valmet – Profilers (CD-Aktuatoren). https://www.valmet.com/automation/quality-management/profilers/ (abgerufen am 2026-07-18). Profiler-Portfolio: IQ Dilution Profiler, IQ Slice Profiler (elektromechanische Aktuatoren), IQ Steam Profiler (Dampfverteilung in der Trockenpartie), IQ Moisturizer (Feuchteprofil über Dampf; Referenzen Stora Enso Skoghall, Smith & McLaurin), IQ Coat Weight Profiler, IQ Induction Profiler.
- Valmet – Measurements (Sensorik). https://www.valmet.com/automation/quality-management/measurements/ (abgerufen am 2026-07-18). Messgrößen u. a. Flächengewicht, Feuchte, Dicke (Caliper), Asche, Optik, Porosität, Faserorientierung; Sensoren u. a. IQ Multipoint Moisture, IQ Single-Sided IR Moisture, IQ Color, IQ Total Xray, Transmission and Reflection Spectrum; nicht-nukleares Sensorportfolio für Flächengewicht und Trockengehalt (Infrarot, Röntgen, Mikrowelle).
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