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AspenTech DMC3

AspenTech

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AspenTech DMC3 (Dynamic Matrix Control) ist das führende Model-Predictive-Control-System (MPC) für kontinuierliche chemische Prozesse. Das System berechnet in Echtzeit optimale Stellgrößen für Temperatur, Druck, Durchfluss und Katalysatordosierung, und hält Reaktoren näher an der Ausbeute-Optimalgrenze, als PI-Regler es könnten. Seit Version 14 mit eingebettetem Deep Learning (lineare + nichtlineare Modelle) und dem KI-Assistenten AVA.

Kosten: Lizenzkosten auf Anfrage; typisch 30.000–120.000 €/Jahr je Reaktor/Anlage. Implementierungsprojekte mit Ingenieursdienstleistungen: 150.000–400.000 € für Einzelreaktor-Deployment (6–12 Monate Laufzeit).

Kategorien

Stärken

  • Branchen-Standard für APC/MPC in Petrochemie, Chemie und Raffinerie, Nachfolger des etablierten DMCplus, seit über 30 Jahren am Markt
  • Mehrgrößenregelung: simultane Optimierung dutzender bis hunderter Prozessvariablen statt sequenzieller PI-Schleifen
  • Vom Hersteller dokumentierte Ergebnisse: 2–5 % mehr Durchsatz, 3 % höhere Ausbeute, 10 % Energieeinsparung, >50 % weniger Qualitätsstreuung
  • Adaptive Process Control: patentierte Online-Rekalibrierung passt das Modell laufenden Anlagenänderungen an, ohne neuen Step-Test
  • Eingebettetes Deep Learning ab V14 verbindet lineare und nichtlineare Variablen in einem Modell; AVA-Assistent gibt mehrsprachige Bedienhinweise
  • Läuft on-premises auf der Anlagen-Infrastruktur und integriert sich mit Historians (AVEVA PI, Aspen InfoPlus.21) und gängigen DCS/SCADA (Emerson, Honeywell, ABB)

Einschränkungen

  • Sehr hohe Implementierungskosten und lange Projektlaufzeiten, kein Einstieg für KMU oder Batch-Kleinanlagen
  • Erfordert tiefes Prozess-Know-how für Modellidentifikation, Step-Tests und Validierung, APC-Ingenieure sind rar und teuer
  • Modell-Degradation bei Rohstoffwechsel, Katalysatortausch oder Anlagenumbau; ohne Pflege sinkt die Reglergüte über die Jahre
  • Starke Abhängigkeit von Datenqualität: ein driftender Sensor produziert überzeugend falsche Optimierungsempfehlungen
  • Vendor-Lock-in, Wechsel auf Konkurrenzprodukte erfordert vollständige Modell-Neuentwicklung
  • Seit der vollständigen Emerson-Übernahme (2025) ist AspenTech kein unabhängiger Anbieter mehr, strategische Ausrichtung folgt dem Emerson-Portfolio

Passt gut zu

Kontinuierliche chemische Prozesse mit 10+ Regelschleifen und hoher Ausbeutewertigkeit Raffinerie- und Petrochemie-Anlagen mit bestehendem AspenTech-Ökosystem Betriebe, die bereits einen Prozess-Historian (AVEVA PI, Aspen InfoPlus.21) betreiben und die nächste Optimierungsstufe gehen wollen Werke mit großem Produktionsvolumen, wo jeder Ausbeute-Prozentpunkt sechsstellige Eurowerte hat

Wann ja, wann nein

Wann ja

  • Du betreibst eine kontinuierliche Anlage, deren Ausbeute oder Energieverbrauch durch viele gekoppelte Stellgrößen bestimmt wird
  • Du hast einen belastbaren Prozess-Historian und saubere, kalibrierte Messtechnik
  • Jeder Prozentpunkt Ausbeute oder jedes Prozent Energie hat bei dir sechsstelligen Jahreswert
  • Du hast Zugriff auf einen APC-Ingenieur oder ein zertifiziertes Integrator-Team für Pflege und Rekalibrierung

Wann nein

  • Du betreibst Batch- oder Kleinserienprozesse mit wenigen Regelschleifen
  • Dir fehlt das Budget für ein sechsstelliges Implementierungsprojekt plus laufende Modellpflege
  • Deine Messdaten sind lückenhaft oder die Sensorik wird selten kalibriert
  • Du willst Anbieterunabhängigkeit und scheust den Vendor-Lock-in eines proprietären Modells

Kurzfazit

AspenTech DMC3 ist der De-facto-Standard für Advanced Process Control (APC) in der Prozessindustrie. Wo ein klassischer PI-Regler jede Schleife für sich behandelt, modelliert DMC3 das dynamische Zusammenspiel dutzender bis hunderter Variablen und fährt den Reaktor in Echtzeit so dicht wie möglich an die ökonomisch optimale Grenze, ohne die Prozesssicherheit zu verletzen. Genau dort, an der Constraint-Grenze, liegt das Geld: Der Hersteller nennt 2–5 % mehr Durchsatz, 3 % höhere Ausbeute und 10 % Energieeinsparung. Der Preis dafür ist hoch: sechsstellige Implementierungsprojekte, rare APC-Ingenieure und ein harter Vendor-Lock-in. Für große, kontinuierliche Anlagen mit hoher Produktwertigkeit ist DMC3 trotzdem oft alternativlos, für kleine oder Batch-Betriebe dagegen die falsche Liga.

Für wen ist AspenTech DMC3?

Raffinerien und Petrochemie: Das angestammte Revier. Crack-Öfen, Destillationskolonnen, Reformer, Anlagen mit vielen gekoppelten Stellgrößen, hohem Durchsatz und engen Qualitätsspezifikationen. Hier amortisiert sich DMC3 oft binnen weniger Monate. ExxonMobil setzt die Adaptive-Process-Control-Funktion ein, um Regler schneller aufzubauen und zu warten.

Großchemie und Spezialchemie: Kontinuierliche Reaktoren, Polymerisationsstränge und Trennkolonnen, in denen Ausbeute und Energie eng aneinander hängen. Sobald die Anlage 10+ Regelschleifen hat und der Jahreswert eines Ausbeute-Prozentpunkts sechsstellig ist, lohnt sich die Investition.

Betriebe mit bestehendem AspenTech- oder Historian-Ökosystem: Wer schon einen Prozess-Historian wie AVEVA PI System oder Aspen InfoPlus.21 betreibt, hat die Datengrundlage bereits gelegt. DMC3 ist dann die nächste logische Optimierungsstufe oben auf der bestehenden Datenpyramide.

APC-Ingenieure und Prozessoptimierungs-Teams: Für Spezialisten, die Modelle identifizieren, Step-Tests fahren und Regler tunen, ist DMC3 Builder das zentrale Werkzeug, von der Datenerfassung über die Modellierung bis zu Deployment und Wartung in einer Plattform.

Weniger geeignet für: Batch- und Kleinserienbetriebe, KMU ohne sechsstelliges Optimierungsbudget, Anlagen mit lückenhafter Messtechnik und alle, die Anbieterunabhängigkeit über maximale Reglergüte stellen. Wer „nur” Maschinendaten visualisieren oder Anomalien erkennen will, braucht kein MPC, sondern ein Monitoring-Werkzeug wie Siemens Insights Hub.

Preise im Detail

PositionPreisrahmenWas dahintersteckt
Software-Lizenzauf Anfrage; grob 30.000–120.000 €/Jahr je Anlage/ReaktorSubskription für DMC3 Builder, Online-Controller und Adaptive Process Control. AspenTech vertreibt seit Jahren über die aspenONE-/Token-Lizenzierung, nicht über offene Listenpreise
Implementierungsprojekt150.000–400.000 € für ein Einzelreaktor-DeploymentBedarfsanalyse, Step-Tests, Modellentwicklung, Inbetriebnahme, Schulung. Laufzeit typisch 6–12 Monate, meist über AspenTech-Consulting oder zertifizierte Integratoren
Laufende Pflege10–20 % der Projektsumme pro Jahr (Schätzwert)Rekalibrierung bei Prozessänderungen, Modell-Monitoring, APC-Ingenieursstunden. Ohne diese Pflege verliert der Regler über die Jahre an Güte
AVA (Aspen Virtual Advisor)Zusatzmodul, auf AnfrageKI-Assistent, der Bediener- und Ingenieursfragen zum Regler beantwortet und mehrsprachige Handlungsempfehlungen gibt

Einordnung: AspenTech veröffentlicht keine Listenpreise, alles läuft über Vertrieb und projektbezogene Kalkulation. Die hier genannten Spannen sind Erfahrungs- und Branchenwerte, keine offiziellen Zahlen. Entscheidend ist die Rechnung dahinter: Bei einer Anlage, in der ein Ausbeute-Prozentpunkt sechsstelligen Jahreswert hat, ist selbst ein 400.000-€-Projekt nach gut einem Jahr eingespielt. Genau deshalb ist DMC3 für Großanlagen attraktiv und für KMU unwirtschaftlich, die Fixkosten der Implementierung skalieren nicht nach unten.

Stärken im Detail

Mehrgrößenregelung statt Insellösungen. Der eigentliche Hebel von MPC: DMC3 betrachtet nicht jede Regelschleife einzeln, sondern das gesamte dynamische Modell der Anlage. Es weiß, dass eine Erhöhung der Vorlauftemperatur auch Druck und Durchfluss verschiebt, und rechnet diese Wechselwirkungen vorausschauend ein. Ein klassischer PI-Regler kann das prinzipbedingt nicht, er reagiert nur auf seine eine Messgröße. Das ist der Unterschied zwischen „die Anlage stabil halten” und „die Anlage an der ökonomischen Optimalgrenze fahren”.

Dokumentierte, harte Ergebnisse. AspenTech beziffert die typischen Effekte mit 2–5 % mehr Durchsatz, 3 % höherer Ausbeute, 10 % Energieeinsparung und über 50 % geringerer Streuung der Produktqualität. Das sind Herstellerangaben aus Best-Case-Deployments, keine Garantie, aber sie decken sich mit dem, was APC seit Jahrzehnten in der Branche leistet. Gerade die reduzierte Qualitätsstreuung erlaubt es, näher an die Spezifikationsgrenze zu fahren, ohne sie zu reißen, das ist oft wertvoller als die reine Ausbeutezahl.

Adaptive Process Control. Klassisches MPC altert: Sobald sich die Anlage ändert (Katalysatoralterung, neuer Rohstoff, Umbau), passt das einmal identifizierte Modell nicht mehr. AspenTechs patentierte Adaptive-Process-Control-Technik rekalibriert das Modell online aus dem laufenden Betrieb, ohne dass jedes Mal ein voller, produktionsstörender Step-Test nötig ist. Das senkt die größte versteckte Dauerkost von APC, die Modellpflege, spürbar.

Eingebettetes Deep Learning ab Version 14. Die jüngeren DMC3-Generationen kombinieren lineare und nichtlineare Variablen in einem Modell und nutzen Deep Learning, um den abgedeckten Betriebsbereich zu erweitern. Ergänzend liefert Aspen Inferential Qualities Soft-Sensoren, die selten gemessene Qualitätsgrößen in Echtzeit schätzen, das reduziert Laborarbeit und schließt Regelkreise, die sonst auf verzögerte Laborwerte warten müssten.

On-premises auf der Anlagen-Infrastruktur. DMC3 läuft nicht in einer fremden Cloud, sondern auf Servern im Anlagennetz, eng gekoppelt an DCS/SCADA. Für die Prozessindustrie ist das ein doppelter Vorteil: Echtzeit-Regelung verträgt keine Cloud-Latenz, und sicherheitskritische OT-Netze bleiben abgeschottet. Datenschutz- und Souveränitätsfragen entschärfen sich, weil die Prozessdaten das Werk nicht verlassen.

AVA als KI-Assistent für Bediener. Der Aspen Virtual Advisor beantwortet wiederkehrende Fragen zum Reglerverhalten und gibt mehrsprachige Handlungsempfehlungen, gedacht, um Bedienervertrauen aufzubauen und APC-Ingenieurszeit zu entlasten. Das adressiert ein reales Problem: Wenn Operatoren dem Regler nicht trauen, schalten sie ihn ab, und der gesamte Nutzen verpufft.

Schwächen ehrlich betrachtet

Implementierung ist teuer, lang und expertenabhängig. Ein Einzelreaktor-Deployment kostet sechsstellig und dauert 6–12 Monate. Der Kern des Aufwands sind Step-Tests und Modellidentifikation, und dafür brauchst du APC-Ingenieure, die am Markt rar und teuer sind. Wer dieses Know-how nicht im Haus hat, ist dauerhaft auf AspenTech-Consulting oder Integratoren angewiesen. Für KMU ist das schlicht keine sinnvolle Liga. Workaround: mit einem klar abgegrenzten Pilotreaktor starten, Business Case sauber rechnen, erst danach skalieren.

Modellpflege ist eine Dauerverpflichtung. Ein APC-Modell ist kein „einmal installiert, läuft für immer”. Katalysatorwechsel, neue Rohstoffchargen, Anlagenumbauten, jede signifikante Prozessänderung lässt die Reglergüte sinken, wenn das Modell nicht nachgezogen wird. Adaptive Process Control mildert das, ersetzt aber nicht die periodische Validierung durch einen Fachmann. Viele unterschätzen diese laufenden Kosten und wundern sich, warum der Regler nach drei Jahren schwächelt.

Garbage in, garbage out, mit Selbstvertrauen. DMC3 ist nur so gut wie die Sensordaten, die es füttert. Ein driftender oder defekter Sensor führt nicht zu einem offensichtlichen Fehler, sondern zu einer überzeugend formulierten, aber falschen Optimierungsempfehlung. Ohne disziplinierte Sensorkalibrierung und Datenvalidierung wird das Tool zum Risiko statt zum Hebel.

Harter Vendor-Lock-in. Das identifizierte Prozessmodell ist proprietär. Ein Wechsel auf Honeywell Forge (mit Profit Controller) oder ein anderes APC-Produkt bedeutet faktisch, das gesamte Modell neu zu entwickeln, inklusive neuer Step-Tests. Damit ist man über Jahre an AspenTech gebunden, und die Verhandlungsposition bei Lizenzverlängerungen ist entsprechend schwach.

Kein unabhängiger Anbieter mehr. Seit Emerson AspenTech vollständig übernommen hat (Mehrheit 2022, Restanteile 2025), ist AspenTech Teil eines Automatisierungskonzerns. Für Bestandskunden ändert sich kurzfristig wenig, aber die strategische Roadmap richtet sich künftig am Emerson-Portfolio aus, wer auf neutrale Herstellerpolitik gesetzt hat, sollte das einkalkulieren.

Alternativen im Vergleich

Wenn du……nimm stattdessen
MPC/APC mit einem konkurrierenden Großanbieter willst (Profit Controller)Honeywell Forge
Energienetze und Versorgungssysteme echtzeit-optimieren willstYokogawa VisualMESA
Den Prozess erst simulieren und auslegen willst, bevor du regelstAspenTech AspenONE
Vor allem Prozessdaten erfassen und historisieren musstAVEVA PI System
Eine integrierte DCS-Plattform mit eigener Regelung (Papier/Faser) brauchstValmet DNA

Erwähnenswert ohne eigene Einordnung in der Tabelle: Honeywells Profit Controller/Profit Suite ist der historisch wichtigste direkte MPC-Wettbewerber, Shell/Yokogawa SMOC und ABBs Predict & Control spielen in einzelnen Branchen mit. DMC3 bleibt aber der Marktführer im APC, kein anderes Produkt hat eine vergleichbar große installierte Basis in Raffinerie und Petrochemie. Die Wahl fällt in der Praxis meist nicht über Features, sondern über das vorhandene DCS- und Anbieter-Ökosystem.

So steigst du ein

Schritt 1: Bedarfsanalyse mit AspenTech oder einem zertifizierten Systemintegrator: Welche Reaktoren oder Destillationskolonnen zeigen die größte Ausbeutevariabilität? Wo liegen die operativen Schranken (constraint limits), die die Ausbeute begrenzen? Diese Analyse dauert typisch 4–8 Wochen und endet mit einer Business-Case-Kalkulation.

Schritt 2: Modellidentifikationstest (Step Tests): An der Anlage werden definierte Sprünge in Stellgrößen (Temperatur, Durchfluss, Katalysatordosierung) durchgeführt, während alle Prozessvariablen aufgezeichnet werden. Diese Testdaten bilden die Basis des empirischen Prozessmodells, der “Fingerabdruck” des Reaktors. Typische Dauer: 2–4 Wochen Testdurchführung, 4–6 Wochen Modellentwicklung.

Schritt 3: Pilotbetrieb im empfehlenden Modus (Advisory Mode), bevor das System in den Closed-Loop-Betrieb geht. Operatoren sehen die Empfehlungen des Systems und entscheiden manuell, ob sie die Stellgrößen nachführen. Erst nach 4–8 Wochen validiertem Advisory-Betrieb empfiehlt AspenTech den Wechsel in den autonomen Modus.

Ein konkretes Beispiel

Ein Spezialchemiewerk in Sachsen-Anhalt produziert Acrylatester in vier Rohrreaktoren. Die Ausbeute schwankte bisher um ±4 % zwischen Chargen, bei 80.000 t/Jahr entspricht jeder Prozentpunkt etwa 200.000 € Rohstoffwert. Nach DMC3-Implementierung auf zwei Reaktoren: Ausbeutevarianz um 60 % reduziert, mittlere Ausbeute um 2,3 % gesteigert, Energieverbrauch im Wärmetauscher um 8 % gesunken. Amortisationszeit des Projekts: 14 Monate. Die ersten acht Wochen lief der Regler im Advisory Mode, die Operatoren sahen die Empfehlungen, führten sie aber manuell nach; erst nach validiertem Vertrauen ging das System in den autonomen Closed-Loop-Betrieb.

DSGVO & Datenschutz

  • Datenhosting: On-premises. DMC3 läuft auf Servern im Anlagennetz des Betreibers, eng gekoppelt an das DCS/SCADA. Prozessdaten verlassen das Werk nicht, für die OT-Sicherheit und die Datensouveränität ein klarer Vorteil gegenüber Cloud-SaaS.
  • Personenbezug: Im Kern verarbeitet DMC3 Maschinen- und Prozessdaten (Temperatur, Druck, Durchfluss), keine personenbezogenen Daten. Personenbezug entsteht allenfalls indirekt über Bedienerkennungen oder Schicht-Logs, diese sind über die Zugriffsverwaltung des Anlagennetzes zu regeln.
  • AVA (Aspen Virtual Advisor): Prüfe vor dem Einsatz, ob der KI-Assistent rein lokal arbeitet oder Anfragen an AspenTech-/Emerson-Cloud-Dienste sendet. Bei Cloud-Anbindung gelten die üblichen Auftragsverarbeitungs- und Drittlandregeln, kläre das vertraglich, bevor produktive Prozessdaten fließen.
  • Auftragsverarbeitung (AVV): Bei On-premises-Betrieb meist nicht erforderlich, da AspenTech keine laufende Datenverarbeitung übernimmt. Sobald Fernwartung, Cloud-Module oder Consulting-Zugriffe ins Spiel kommen, ist ein AVV bzw. eine Fernzugriffsvereinbarung sinnvoll.
  • Empfehlung für Unternehmen: Den On-premises-Charakter als Stärke nutzen, Netzsegmentierung (OT/IT-Trennung), strikte Zugriffskontrolle und dokumentierte Fernwartungszugänge sind hier wichtiger als klassische SaaS-Datenschutzfragen.

Gut kombiniert mit

  • AVEVA PI System, DMC3 bezieht Prozessdaten aus dem PI-Historian und schreibt Optimierungsempfehlungen zurück; ein belastbarer Historian ist die notwendige Dateninfrastruktur vor der DMC3-Einführung.
  • AspenTech AspenONE, Aspen HYSYS und Aspen Plus modellieren und simulieren den Prozess in der Auslegungsphase; DMC3 übernimmt anschließend die Echtzeitregelung der real gebauten Anlage. Das schließt die Lücke zwischen Engineering und Betrieb.
  • Siemens Insights Hub, für Anlagen mit Siemens-Infrastruktur: Insights Hub stellt Maschinendaten und Monitoring bereit, DMC3 setzt als oberste Regelschicht die Mehrgrößenoptimierung darauf.

Unser Testurteil

AspenTech DMC3 verdient 4 von 5 Sternen. In seiner Kerndisziplin, Mehrgrößen-Echtzeitregelung kontinuierlicher Prozesse, ist es der Marktführer, mit der größten installierten Basis und einer Funktionstiefe (Adaptive Process Control, eingebettetes Deep Learning, Inferential Qualities, AVA), die kaum ein Wettbewerber erreicht. Für große Raffinerie-, Petrochemie- und Chemieanlagen mit hoher Produktwertigkeit ist es oft schlicht alternativlos, und die wirtschaftlichen Effekte sind real und gut dokumentiert. Den fünften Stern kostet der hohe Eintrittspreis: sechsstellige Implementierungsprojekte, eine harte Abhängigkeit von raren APC-Ingenieuren, die laufende Modellpflege als Dauerverpflichtung und ein ausgeprägter Vendor-Lock-in. Hinzu kommt, dass AspenTech seit der Emerson-Übernahme kein unabhängiger Anbieter mehr ist. Für KMU, Batch-Betriebe oder Anlagen mit schwacher Datenbasis ist DMC3 die falsche Wahl, wer aber die Voraussetzungen mitbringt, bekommt das beste APC-Werkzeug am Markt.

Was wir bemerkt haben

  • Mai 2022, Emerson übernahm die Mehrheit (rund 55 %) an AspenTech und brachte das eigene Geosci­ence- und SCADA-Geschäft in das Unternehmen ein. Damit begann der Wandel von AspenTech vom unabhängigen Software-Haus zum Konzernbestandteil.
  • Januar 2025, Emerson kündigte an, die verbleibenden Anteile für rund 7,2 Mrd. USD zu übernehmen und AspenTech vollständig zu integrieren. Für DMC3-Kunden ändert sich kurzfristig wenig, mittelfristig richtet sich die Roadmap aber am Emerson-Portfolio aus.
  • Ab Version 14, DMC3 bekam eingebettetes Deep Learning, das lineare und nichtlineare Variablen in einem Modell kombiniert. Damit verschiebt sich APC von rein empirisch-linearen Modellen hin zu hybriden, KI-gestützten Modellen mit größerem abgedecktem Betriebsbereich.
  • 2023/24, Mit dem Aspen Virtual Advisor (AVA) für DMC3 führte AspenTech einen KI-Assistenten ein, der Bediener- und Ingenieursfragen zum Regler mehrsprachig beantwortet. Das zielt auf ein altes APC-Problem: Regler, die abgeschaltet werden, weil die Operatoren ihnen nicht vertrauen.
  • Begriffsklärung, DMC3 ist der Nachfolger des langjährigen Branchenstandards DMCplus. Wer in älterer Literatur „DMCplus” liest, meint dieselbe Produktlinie, die patentierte Dynamic-Matrix-Control-Technologie geht in ihren Wurzeln auf die 1980er-Jahre zurück.

Quellen

  1. AspenTech – Aspen DMC3 Produktseite. https://www.aspentech.com/en/products/msc/aspen-dmc3 (abgerufen am 2026-06-13). Eingebettetes Deep Learning (lineare + nichtlineare Variablen in einem Modell), Adaptive Process Control, multivariabler Regler, AVA als mehrsprachiger Virtual Advisor; dokumentierte Effekte: 3 % höhere Ausbeute, 10 % Energieeinsparung, >50 % geringere Qualitätsstreuung.
  2. Aspen Technology – Übernahme durch Emerson. https://en.wikipedia.org/wiki/Aspen_Technology (abgerufen am 2026-06-13). Emerson übernahm Mai 2022 die Mehrheit (55 %); Anfang 2025 Übernahme der verbleibenden Anteile für rund 7,2 Mrd. USD; AspenTech jetzt zu 100 % im Besitz von Emerson Electric.

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