Microsoft Copilot Studio
Microsoft
Redaktionelle Einschätzung auf Basis öffentlich zugänglicher Quellen (Anbieterangaben, Preislisten, unabhängige Bewertungsplattformen), kein Hands-on-Produkttest, sofern nicht ausdrücklich anders angegeben. Die Sternebewertung ist eine Meinung der Redaktion.
Tool öffnenLow-Code-Plattform aus der Microsoft Power Platform zum Bauen eigener KI-Agenten, die auf SharePoint-Dokumente, Teams-Inhalten und weiteren Unternehmensquellen via RAG antworten. Ohne Programmierkenntnisse konfigurierbar, integriert direkt in Microsoft 365 und Azure OpenAI.
Kosten: Prepaid-Plan ab 173,30 EUR/Monat für 25.000 Copilot Credits (bis zu 20 % günstiger als Pay-as-you-go), Pay-as-you-go nutzungsbasiert, jeweils mit aktivem Azure-Abo. Der Zugang ist in Microsoft 365 Copilot (ab 26,00 EUR/Nutzer/Monat) enthalten; interne Nutzung durch lizenzierte Mitarbeitende verbraucht im Rahmen von Fair-Use keine zusätzlichen Credits.
Kategorien
Stärken
- Kein Code nötig: Agenten über grafische Oberfläche konfigurieren, SharePoint als Wissensquelle direkt einbindbar
- EU-Datenresidenz: Verarbeitung in europäischen und deutschen Microsoft-Rechenzentren konfigurierbar
- Tief ins Microsoft-Ökosystem integriert: Teams, SharePoint, Power Automate, Dynamics 365
- Zugriffsrechte aus SharePoint werden automatisch übernommen, kein paralleles Berechtigungskonzept
- Nutzungsanalyse und Eskalationslogik eingebaut, unvollständige Antworten werden an Menschen weitergeleitet
Einschränkungen
- Sinnvoll nur für Microsoft-365-Umgebungen, ohne SharePoint fehlt die wichtigste native Wissensquelle
- Copilot-Credits-Verbrauch entscheidet über den Preis, bei hohem Volumen und komplexen Agenten schnell teuer
- Für komplexe Workflows mit eigener Logik oft Custom-Development notwendig
- Halluzinationsrisiko bleibt: Agenten müssen auf kritischen Dokumenten explizit geprüft werden
Passt gut zu
Wann ja, wann nein
Wann ja
- Dein Unternehmen lebt in Microsoft 365 und SharePoint ist die zentrale Wissensdatenbank
- Du willst KI-Agenten ohne Programmierkenntnisse konfigurieren und in Teams einbetten
- EU-Datenresidenz ist eine harte Anforderung und du willst im Microsoft-Ökosystem bleiben
- Helpdesk-Automatisierung auf Basis vorhandener SharePoint-Dokumentationen ist dein Ziel
Wann nein
- Dein Unternehmen nutzt Google Workspace oder andere Nicht-Microsoft-Umgebungen
- Du brauchst komplexe agentenhafte Workflows mit eigener Prozesslogik, das erfordert Custom-Dev
- Dein monatliches Nutzungsvolumen ist hoch und du willst keine nutzungsbasierte Abrechnung
- Du brauchst einen vielseitigen KI-Chatbot ohne Microsoft-Abhängigkeit
Kurzfazit
Microsoft Copilot Studio ist die pragmatische Antwort für Unternehmen, die bereits in Microsoft 365 leben und intern KI-Agenten aufbauen wollen, ohne eine Programmier-Abteilung zu bemühen. SharePoint als Wissensquelle, Teams als Oberfläche, Power Automate als Automatisierungsschicht, das Ökosystem passt zusammen. Stärken: Niedrige Einstiegshürde, echte EU-Datenresidenz, Berechtigungsübernahme aus SharePoint. Schwächen: Funktioniert sinnvoll fast ausschließlich in Microsoft-Umgebungen, die Copilot-Credit-Abrechnung wird bei hohem Volumen teuer, und für komplexe agentenhafte Workflows ist Custom-Development unvermeidbar. Wer in Microsoft lebt, findet hier den natürlichen Weg zu intern genutzten KI-Agenten, wer unabhängiger sein will, schaut besser auf Alternativen.
Für wen ist Microsoft Copilot Studio?
Compliance- und Regulatory-Teams in Konzernen: Teams, die täglich Fragen zu Regulierung, Richtlinien und internen Standards beantworten, können mit Copilot Studio einen internen Wissensassistenten aufbauen, der automatisch aus dem SharePoint-Dokumentenbestand antwortet. Compliance-Fragen werden schneller beantwortet, ohne dass Experten für Standardfragen aufgeboten werden müssen.
IT-Helpdesks und Service-Management-Teams: FAQ-Beantwortung, Onboarding-Assistenten, IT-Support für häufige Anfragen, alles auf Basis interner Dokumentation aus SharePoint oder ServiceNow (via Connector). Dabei ist die Eskalationslogik ein echter Vorteil: Wenn Copilot Studio die Frage nicht beantworten kann, wird automatisch an einen Menschen weitergeleitet.
HR-Abteilungen: Urlaubsrichtlinien, Gehaltsabrechnungen, Onboarding-Prozesse, Fragen, die in jeder Firma Dutzende Male täglich anfallen. Ein HR-Assistent auf Basis der internen Richtlinien-SharePoint-Site löst diesen Overhead erheblich.
Unternehmen mit Microsoft 365 Copilot: Für Unternehmen, die bereits Microsoft 365 Copilot lizenziert haben (ab 26,00 EUR/Nutzer/Monat), ist der Zugang zu Copilot Studio enthalten. Interne Agenten, die von diesen lizenzierten Mitarbeitenden genutzt werden, verbrauchen im Rahmen von Fair-Use keine zusätzlichen Copilot Credits, das senkt den Einstieg deutlich. Der Aufwand für die Konfiguration des ersten Agenten ist für nicht-technische Administratoren realistisch machbar.
Weniger geeignet für: Unternehmen in Google-Workspace-Umgebungen (die Wissensquellen-Integration funktioniert primär über Microsoft-Dienste), Entwicklerteams, die hochindividuelle Agentenlogik brauchen (hier ist Langchain, Voiceflow oder Botpress flexibler), und Betriebe, die keine nutzungsbasierten Kosten akzeptieren wollen.
Preise im Detail
| Paket | Preis | Enthalten |
|---|---|---|
| Microsoft 365 Copilot | 26,00 EUR/Nutzer/Monat (Jahresabrechnung) | Zugang zu Copilot Studio, interne Nutzung durch lizenzierte Mitarbeitende ohne zusätzliche Credits (Fair-Use) |
| Prepaid-Paket | 173,30 EUR/Monat | 25.000 Copilot Credits, bis zu 20 % günstiger als Pay-as-you-go, aktives Azure-Abo nötig |
| Pay-as-you-go | Nutzungsbasiert | Abrechnung nach Verbrauch am Monatsende, kein Vorab-Commitment, Azure-Abo nötig |
Copilot Credits sind die Abrechnungseinheit. Microsoft berechnet je nach Aktion unterschiedlich: eine vordefinierte Antwort (Classic Answer) kostet 1 Credit, eine generative Antwort 2 Credits, eine Agent-Aktion 5 Credits, Tenant-Graph-Grounding 10 Credits, Agent-Flow-Aktionen 13 Credits pro 100 Aktionen. Eine einzelne komplexe Anfrage kann mehrere dieser Posten kombinieren.
Einordnung: Die Credit-basierte Abrechnung ist fair für niedrige Volumina, kann aber überraschen, weil der Verbrauch stark vom Design des Agenten abhängt: Ein Agent mit generativen Antworten und Tenant-Graph-Grounding verbraucht pro Anfrage schnell ein Vielfaches eines simplen FAQ-Bots. Wichtig zu wissen: Überschreitet ein Tenant 125 % seiner vorausbezahlten Kapazität, deaktiviert Microsoft die betroffenen Custom-Agenten, bis Kapazität nachgekauft oder Pay-as-you-go aktiviert wird. Wer bereits Microsoft 365 Copilot lizenziert hat, kann interne Agenten für lizenzierte Mitarbeitende im Rahmen von Fair-Use ohne zusätzliche Credits betreiben, das senkt das Risiko für erste Pilotprojekte.
Stärken im Detail
SharePoint-Integration ohne Datenmodellierung. Die größte Hürde bei internen Wissensassistenten ist immer die Datenanbindung: Wie bekommt der Agent Zugriff auf die richtigen Dokumente? Bei Copilot Studio entfällt das Modeling: SharePoint-URL eintippen, fertig. Der Agent indexiert automatisch Dokumente, auf die der konfigurierende Nutzer Zugriff hat, und respektiert dabei die SharePoint-Berechtigungen. Das ist ein erheblicher Vorteil gegenüber Systemen, die eine separate Datenschicht aufbauen müssen.
EU-Datenresidenz konfigurierbar. Microsoft bietet für die Power Platform Rechenzentren in Europa (Westeuropa/Niederlande, Nordeuropa/Irland) und listet für deutsche Tenants zusätzlich Rechenzentren in Berlin und Frankfurt. Für deutsche und EU-ansässige Unternehmen mit DSGVO-Anforderungen ist das ein wichtiges Merkmal, und ein klarer Vorteil gegenüber US-only-Anbietern. Zu beachten: Ist der Tenant-Standort nicht in Microsofts Standort-Tabelle gelistet, werden Daten standardmäßig in den USA gespeichert.
Teams als natürliche Oberfläche. Mitarbeitende nutzen Teams ohnehin täglich, ein Assistent, der direkt im Teams-Chat antwortet, senkt die Adoptionshürde auf null. Kein separates Onboarding, kein neues Tool, keine zusätzliche App. Das ist der stärkste Treiber für tatsächliche Nutzung in der Breite.
Eskalationslogik als Sicherheitsnetz. Wenn Copilot Studio eine Frage nicht beantworten kann, weil das Dokument fehlt, die Anfrage zu spezifisch ist oder das Konfidenzlevel zu niedrig, übergibt es automatisch an einen menschlichen Agent. Das ist kein Nice-to-have, sondern für regulierte Umgebungen (Compliance, Recht, Medizin) eine Grundvoraussetzung.
Nutzungsanalyse out of the box. Copilot Studio liefert eingebaute Analytics: Welche Fragen werden gestellt? Welche werden eskaliert? Wo liegen Wissenslücken? Das ermöglicht iterative Verbesserungen des Wissensbestands und der Agent-Konfiguration, etwas, das bei selbst gebauten RAG-Systemen oft fehlt.
Schwächen ehrlich betrachtet
Kaum sinnvoll außerhalb von Microsoft 365. Wer Google Workspace nutzt oder hybrid arbeitet, hat kaum Wissensquellen, die Copilot Studio nativ anbinden kann. Die nahtlose Integration existiert nur innerhalb des Microsoft-Ökosystems. Externe Quellen (Confluence, Notion, Google Drive) sind über Power-Automate-Konnektoren erreichbar, aber das erfordert Konfigurationsaufwand und ist fehleranfälliger.
Halluzinationsrisiko bleibt. Auch Copilot Studio antwortet manchmal mit überzeugend klingenden, aber falschen Informationen, insbesondere wenn die Wissensbasis lückenhaft ist oder Fragen sehr spezifisch sind. Microsoft selbst weist darauf hin, dass generative Antworten nicht garantiert zu 100 % faktisch korrekt sind. Für regulatorische oder rechtliche Anwendungen ist systematisches Prüfen auf kritischen Dokumenten Pflicht, bevor ein Agent breit ausgerollt wird.
Credit-Abrechnung kann überraschen. Die Copilot-Credit-Logik ist granular: Jede Aktion eines Agenten kostet unterschiedlich viele Credits, und generative Antworten oder Tenant-Graph-Grounding schlagen deutlich stärker zu Buche als vordefinierte Antworten. Bei intensiver Nutzung kann das vorausbezahlte 25.000-Credit-Paket schneller aufgebraucht sein als gedacht. Erreicht ein Tenant 125 % seiner Kapazität, schaltet Microsoft die betroffenen Agenten ab, bis nachgekauft oder Pay-as-you-go aktiviert wird. Eine realistische Verbrauchsschätzung und Monitoring über das Power Platform Admin Center sind Pflicht.
Komplexe Workflows brauchen Custom-Development. Für einfache FAQ-Assistenten reicht die grafische Oberfläche. Sobald ein Workflow bedingte Logik, externe API-Aufrufe oder mehrschrittige Prozessautomatisierung braucht, muss Code geschrieben werden, entweder in Power FX oder durch Anbindung an Azure Functions. Das widerspricht dem Low-Code-Versprechen für komplexe Use-Cases.
Abhängigkeit vom Microsoft-Ökosystem. Wer sich einmal tief in SharePoint, Teams und Copilot Studio integriert hat, ist beim nächsten Anbieterwechsel stark eingeschränkt. Das ist Microsoft-Strategie, aber für Unternehmen, die Vendor-Unabhängigkeit priorisieren, ein bewusstes Risiko.
Alternativen im Vergleich
| Wenn du… | …nimm stattdessen |
|---|---|
| Plattformunabhängige KI-Agenten ohne Microsoft-Ökosystem bauen willst | Cognigy |
| Einen No-Code-Bot-Builder für Customer Service brauchst | Botpress |
| Komplexe Agenten mit API-Integration und eigenem Workflow baust | Voiceflow |
| Interne Wissensdatenbank mit starker deutscher Datenschutz-Positionierung suchst | Langdock |
Erwähnenswert ohne eigene Tool-Seite: ServiceNow Virtual Agent (für Unternehmen mit ServiceNow-ITSM), SAP Conversational AI (für SAP-zentrierte Prozesse), Salesforce Einstein Bot (für Salesforce-Umgebungen). Copilot Studio ist der richtige Weg, wenn Microsoft die Grundlage ist, für alle anderen ist die Ökosystem-Abhängigkeit ein zu hoher Preis.
So steigst du ein
Schritt 1: Im Copilot Studio (copilotstudio.microsoft.com) oder im Power Platform Admin Center einen neuen Agenten anlegen, dein Microsoft-365-Konto reicht für den Einstieg.
Schritt 2: SharePoint-Website als Wissensquelle verbinden. Unter “Knowledge” eine SharePoint-URL eintragen, der Agent indexiert automatisch Dokumente, auf die du Zugriff hast. Für regulatorische Dokumente empfiehlt sich eine dedizierte SharePoint-Bibliothek mit Verfügungen, Amtsblättern und internen Musterantworten.
Schritt 3: Agenten in Teams oder als Web-Widget einbetten, Eskalationsregeln setzen (z. B. “Bei Fragen zu laufenden Verfahren immer an Regulatory Affairs weiterleiten”) und 10 bis 15 regulatorische Testfragen stellen, bevor der Agent für das Team freigegeben wird.
Ein konkretes Beispiel
Zur Veranschaulichung: Ein Telekommunikationsunternehmen mit rund 120 Mitarbeitenden baut eine SharePoint-Bibliothek mit BNetzA-Verfügungen, eigenen Stellungnahmen und internen Musterantworten auf und bindet über Copilot Studio einen Assistenten daran an. Regulatory-Affairs-Mitarbeitende stellen dann Fragen wie “Welche Fristen gelten bei Frequenzmodifikationsanfragen?” direkt im Teams-Chat und erhalten Antworten mit Quellenangabe. Für das Nutzungsvolumen kalkuliert das Team mit dem Prepaid-Paket (173,30 EUR/Monat für 25.000 Copilot Credits) und stockt bei Bedarf über Pay-as-you-go auf. Der konkrete Credit-Verbrauch hängt stark vom Agent-Design ab und sollte vorab mit dem Microsoft-Kalkulator geschätzt werden.
DSGVO & Datenschutz
- Datenhosting: EU-Datenresidenz konfigurierbar über die Power Platform Admin Center-Einstellungen. Rechenzentren in Westeuropa (Niederlande), Nordeuropa (Irland) sowie Deutschland (Berlin, Frankfurt) sind gelistet. Wichtig: Ist der Tenant-Standort nicht in Microsofts Standort-Tabelle gelistet, werden Daten standardmäßig in den USA gespeichert.
- EU Data Boundary: Für Microsoft-365-Copilot-Szenarien ist der Dienst laut Microsoft Teil der EU Data Boundary, EU-Traffic bleibt innerhalb der EU-Grenze. Ausnahme: Anthropic-Modelle als Subprozessor sind aktuell von der EU Data Boundary ausgenommen.
- Microsoft-Verarbeitung: Microsoft verarbeitet Anfragen über Azure OpenAI Service in der konfigurierten Region. Einzelne von Microsoft 365 gestützte Funktionen und externe Dienste (beispielsweise die Übergabe an menschliche Agenten oder Kanäle wie Teams und Facebook) können Daten außerhalb der gewählten Region verarbeiten.
- SharePoint-Berechtigungen: Werden automatisch übernommen, Nutzer sehen durch den Agenten nur Informationen aus Dokumenten, auf die sie mindestens Leserechte haben. Das ist ein wichtiges Sicherheitsmerkmal.
- Auftragsverarbeitung (AVV): Microsoft bietet für Microsoft 365 und Power Platform Standardvertragsbedingungen inkl. AVV. Das Data Processing Addendum (DPA) ist Teil der Microsoft-Produktbedingungen.
- Training: Microsoft gibt an, dass Prompts, Antworten und über Microsoft Graph abgerufene Daten nicht zum Training der zugrundeliegenden Foundation-Modelle verwendet werden, eine wichtige Zusage für Unternehmenskunden.
- Empfehlung für Unternehmen: Power Platform Admin Center, Umgebung auf EU- oder Deutschland-Region setzen, dann Copilot Studio in dieser Umgebung konfigurieren. Den Microsoft DPA als Teil des Lizenzvertrags prüfen und den Datenschutzbeauftragten einbinden.
Gut kombiniert mit
- Microsoft 365 Copilot, Copilot Studio baut spezialisierte Agenten, Microsoft 365 Copilot ist der allgemeine KI-Assistent in Office-Produkten. Beide ergänzen sich: Copilot Studio für domänenspezifische Assistenten, M365 Copilot für allgemeine Produktivität.
- Power Automate, für komplexere Workflows hinter dem Agenten. Wenn ein Copilot-Studio-Agent eine Aktion auslösen soll (Ticket erstellen, Mail senden, Daten in eine Liste schreiben), ist Power Automate der Automatisierungslayer.
- Langdock, als Ergänzung für Teams, die eine souveräne KI-Infrastruktur neben dem Microsoft-Ökosystem benötigen. Langdock ermöglicht erweiterte Modellauswahl und stärkere DSGVO-Positionierung für sensiblere Anwendungsfälle.
Unser Fazit
Microsoft Copilot Studio verdient 3 von 5 Sternen. Die Stärken sind real und für Microsoft-Umgebungen gut durchdacht: SharePoint-Integration ohne Datenmodellierung, EU-Datenresidenz, Teams-native Oberfläche und eingebaute Eskalationslogik machen es zum natürlichen ersten Schritt für interne KI-Assistenten in M365-Umgebungen. Aber die Schwächen sind ebenso real: starke Ökosystem-Abhängigkeit, nutzungsbasierte Kosten mit Überraschungspotenzial, eingeschränkte Flexibilität bei komplexen Workflows und das allgegenwärtige Halluzinationsrisiko, das geprüft und überwacht werden muss. Copilot Studio ist eine solide 3-Sterne-Lösung, nicht weil das Produkt schlecht ist, sondern weil die Ökosystem-Beschränkung für viele Unternehmen ein echter Einschränkungsfaktor ist.
Was wir geprüft haben
Diese Seite bewertet ein Produkt eines realen Anbieters. Deshalb haben wir die preis- und faktenbezogenen Aussagen im Juli 2026 gegen öffentlich zugängliche Primärquellen von Microsoft geprüft:
- Preismodell: Microsofts Preisseite und die Copilot-Studio-Abrechnungsdokumentation belegen, dass die Abrechnung heute über Copilot Credits läuft (Prepaid 173,30 EUR/Monat für 25.000 Credits, Pay-as-you-go, aktives Azure-Abo nötig). Ein früher genutztes Nachrichten-Preismodell (rund 200 USD für 25.000 Nachrichten) ist überholt, wir haben die Preistabelle entsprechend korrigiert.
- Enthalten in Microsoft 365 Copilot: Laut Produktseite ist der Zugang zu Copilot Studio in Microsoft 365 Copilot (26,00 EUR/Nutzer/Monat) enthalten. Der Zugang hängt an dieser Lizenz, nicht an den Basisplänen E3 oder E5, eine entsprechende frühere Formulierung haben wir korrigiert.
- EU-Datenresidenz: Microsofts Standort-Dokumentation listet Rechenzentren in Europa und Deutschland, für EU-Nutzer ist der Dienst Teil der EU Data Boundary. Wir weisen zugleich auf die Grenzen hin: US-Speicherung als Standard bei nicht gelistetem Tenant-Standort, Ausnahmen für einzelne Microsoft-365- und externe Dienste, Anthropic-Modelle außerhalb der EU Data Boundary.
- Kein Training mit Kundendaten: Microsofts Datenschutzdokumentation für Microsoft 365 Copilot bestätigt, dass Prompts, Antworten und Graph-Daten nicht zum Training der Foundation-Modelle genutzt werden.
- Halluzinationsrisiko: Microsoft selbst schreibt, dass generative Antworten nicht garantiert zu 100 % faktisch korrekt sind. Unsere Empfehlung zum systematischen Prüfen kritischer Dokumente ist damit gedeckt.
- Nachfolge von Power Virtual Agents: Von Microsoft bestätigt, das frühere Power Virtual Agents ist in Copilot Studio aufgegangen.
Die Bewertung mit 3 von 5 Sternen beruht auf redaktioneller Einordnung (Ökosystem-Bindung, Komplexität der Credit-Abrechnung, Custom-Development für komplexe Workflows), nicht auf einem behaupteten Produktmangel.
Was wir bemerkt haben
- 2023, Microsoft hat Copilot Studio vorgestellt, das frühere Power Virtual Agents ist darin aufgegangen (von Microsoft auf der Produktseite bestätigt). Der Markenname “Copilot” ist seither omnipräsent im Microsoft-Produktportfolio.
- 2024/2025, Autonome Agenten kamen hinzu: Agenten, die nicht nur auf Anfragen reagieren, sondern eigenständig durch Ereignisse ausgelöst werden. Microsofts Abrechnungsdokumentation führt solche autonom ausgelösten Agenten inzwischen als reguläres, abgerechnetes Feature.
- 2025/2026, Microsoft hat die Abrechnung auf Copilot Credits umgestellt. Frühere Modelle rechneten nach Sitzungen bzw. Nachrichten ab (etwa 200 USD für 25.000 Nachrichten). Wer alte Preisangaben liest, sollte sie gegen das aktuelle Credit-Modell prüfen.
- 2026, Für EU-Kunden ist der Copilot-Dienst Teil der EU Data Boundary. Achtung: Anthropic-Modelle als Subprozessor sind davon aktuell ausgenommen.
- Juli 2026, Außerhalb von Microsoft 365 bleibt Copilot Studio in der Praxis schwer nutzbar. Native Wissensquellen sind Microsoft-zentriert, externe Systeme (Confluence, Notion, Google Drive) nur über Konnektoren mit zusätzlichem Aufwand.
Quellen
- Microsoft - Copilot Studio Preisseite (DE). https://www.microsoft.com/de-de/microsoft-365-copilot/pricing/copilot-studio (abgerufen am 2026-07-30). Das aktuelle Preismodell basiert auf Copilot Credits, nicht mehr auf Nachrichten. Prepaid-Paket 173,30 EUR/Monat für 25.000 Copilot Credits mit bis zu 20 % Rabatt gegenüber Pay-as-you-go. Pay-as-you-go verfügbar. Für die eigenständige Nutzung wird ein aktives Azure-Abonnement benötigt..
- Microsoft - Copilot Studio Produktseite (DE). https://www.microsoft.com/de-de/microsoft-copilot/microsoft-copilot-studio (abgerufen am 2026-07-30). Microsoft bestätigt, dass das früher als Power Virtual Agents bekannte Produkt jetzt in Copilot Studio integriert ist. Microsoft 365 Copilot (26,00 EUR/Nutzer/Monat, Jahresabrechnung) enthält den Zugang zu Copilot Studio für alle Lizenzen. Prepaid 173,30 EUR/Monat für 25.000 Copilot Credits und Pay-as-you-go werden als Optionen genannt..
- Microsoft Learn - Copilot Studio: Billing rates and management. https://learn.microsoft.com/en-us/microsoft-copilot-studio/requirements-messages-management (abgerufen am 2026-07-30). Copilot Credits sind die Abrechnungseinheit. Beispielraten: Classic Answer 1 Credit, Generative Answer 2 Credits, Agent Action 5 Credits, Tenant-Graph-Grounding 10 Credits, Agent-Flow-Aktionen 13 Credits pro 100 Aktionen. Bei 125 % der vorausbezahlten Kapazität werden Custom-Agenten deaktiviert (Overage-Enforcement). Nutzung durch Microsoft-365-Copilot-lizenzierte Mitarbeitende ist in Business-to-Employee-Szenarien im Rahmen von Fair-Use ohne Credit-Verbrauch enthalten..
- Microsoft Learn - Copilot Studio: Data locations. https://learn.microsoft.com/en-us/microsoft-copilot-studio/data-location (abgerufen am 2026-07-30). Copilot Studio kann in Azure-Rechenzentren weltweit betrieben werden, darunter Europa (West Europe/Niederlande, North Europe/Irland) und Deutschland (Berlin, Frankfurt). Ist der Tenant-Standort nicht in der Tabelle gelistet, werden Daten in den USA gespeichert. Einzelne von Microsoft 365 gestützte Funktionen und externe Dienste können Daten außerhalb der gewählten Region verarbeiten..
- Microsoft Learn - Data, Privacy, and Security for Microsoft 365 Copilot. https://learn.microsoft.com/en-us/microsoft-365/copilot/microsoft-365-copilot-privacy (abgerufen am 2026-07-30). Microsoft gibt an: Prompts, Antworten und über Microsoft Graph abgerufene Daten werden nicht zum Training der Foundation-LLMs verwendet. Für EU-Nutzer ist Microsoft 365 Copilot ein EU-Data-Boundary-Dienst; Anthropic-Modelle als Subprozessor sind aktuell von der EU Data Boundary ausgenommen. Copilot zeigt nur Daten, auf die der Nutzer mindestens Leserechte hat (SharePoint-Berechtigungsmodell). Generative Antworten sind laut Microsoft nicht garantiert zu 100 % faktisch korrekt..
Diesen Inhalt teilen:
Empfohlen in 1 Use Cases
Telekommunikation
Empfohlen für diese Branchen
Arthur Atlas
KI-Analyst
So entsteht diese Bewertung
Diese Seite bewerten wir redaktionell, mit kräftiger Unterstützung von Arthur Atlas, unserem KI-Analysten. Er prüft Bewertungen nach und markiert veraltete Angaben, sobald sich der Markt dreht. Unsere Angaben stammen überwiegend aus öffentlich zugänglichen Quellen wie Anbieter-Website, Doku und Preislisten. Preise und Funktionen können sich ändern.
Hinweis: Diese Angaben können veraltet oder fehlerhaft sein. Prüfe im Zweifel immer direkt auf der Website des Anbieters.
Preise geändert, Feature veraltet oder etwas fehlt?
Wir freuen uns über Hinweise und Ergänzungen.
Du arbeitest bei Microsoft?
Gib uns einen Testzugang, dann schauen wir tiefer rein und ergänzen die Bewertung aus erster Hand.
Nicht sicher, ob Microsoft Copilot Studio zu euch passt?
Wir helfen bei der Tool-Auswahl und begleiten die Einführung in euren Arbeitsalltag, unverbindlich und kostenlos im Erstgespräch.
KI-Tools und Trends
KI-Wochenbriefing: jeden Freitag KI-News, Praxistipps und Tools
Kostenlos abonnieren, jederzeit abmeldbar, kein Spam.