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Bezahlt Ohne Setup 🇩🇪 Deutschsprachig 🇪🇺 EU-Server Zuletzt geprüft: 10. September 2026

Clara

Intoconvo GmbH

3/5

Redaktionelle Einschätzung auf Basis öffentlich zugänglicher Quellen (Anbieterangaben, Preislisten, unabhängige Bewertungsplattformen), kein Hands-on-Produkttest, sofern nicht ausdrücklich anders angegeben. Die Sternebewertung ist eine Meinung der Redaktion.

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Clara ist ein KI-Agent für deutsche Steuerkanzleien: Er bearbeitet das Kanzleipostfach und legt Dokumente über die DATEV-Schnittstelle im DMS ab. Antwortentwürfe, Fristen-To-dos, Bescheidprüfung und Ablage laufen nur nach Freigabe per Klick. Ab 150 Euro netto pro Nutzer und Monat, mit DMS-Zugriff 250 Euro. Verarbeitung in Frankfurt, Zero Data Retention, AVV mit TOMs. Anbieter ist die junge Intoconvo GmbH aus Potsdam.

Kosten: Agent 150 €/Nutzer/Monat netto, Agent + DMS 250 €/Nutzer/Monat netto, bei Jahreszahlung 120 € bzw. 200 €, Kanzleilösung ab 10 Nutzern auf Anfrage, 14 Tage kostenlos testen ohne Zahlungsdaten

Kategorien

Stärken

  • Legt Dokumente direkt im DATEV DMS ab, mit vorbelegtem Mandant, Ordner, Register, Veranlagungsjahr und Handakte-Kennzeichen
  • Freigabeprinzip: ohne Bestätigung landet nichts in der Akte und geht nichts raus, Sammelablage bis zu 20 Dokumente auf einmal
  • Ungewöhnlich detailliertes Trust Center: Verarbeitung in Frankfurt, Zero Data Retention, §203-Zusatzvereinbarungen für AWS und Google Cloud
  • Preise stehen öffentlich auf der Website, 14 Tage Testphase ohne Zahlungsdaten
  • Automatisierungsregeln lassen sich in normaler Sprache formulieren, ohne Workflow-Editor
  • Bei unklarer Mandantenzuordnung wird nicht abgelegt, sondern mit Begründung übersprungen

Einschränkungen

  • Sehr junger Anbieter mit zwei Geschäftsführern, Anbieterstabilität ist bei berufsgeheimnisrelevanten Prozessen ein echtes Risiko
  • Die Angabe 40+ Kanzleien ist eine reine Anbieterangabe, unabhängige Erfahrungsberichte oder Referenzen fanden wir nicht
  • Die DATEV-Zertifizierung liegt laut Trust Center beim Connector-Dienstleister, nicht bei Clara selbst, unabhängig prüfen konnten wir sie nicht
  • Ablage funktioniert nur mit DATEV, andere Kanzleisoftware wird nicht unterstützt
  • Preis pro Nutzer trifft Kanzleien mit vielen Teilzeitkräften hart, unter 10 Nutzern ist keine Staffelung erkennbar
  • Mit DATEV Dokumentenablage statt DATEV DMS nur eingeschränkt nutzbar, eine Datei pro Dokument, kein Anhängen an bestehende Dokumente
  • Keine eigene ISO-27001- oder SOC-2-Zertifizierung, nur die der Infrastrukturanbieter

Passt gut zu

Steuerkanzleien mit DATEV DMS Kanzleisekretariate mit hohem Ablage- und E-Mail-Volumen Kanzleien in der Digitalisierung des Posteingangs

Wann ja, wann nein

Wann ja

  • Steuerkanzlei mit DATEV DMS und hohem E-Mail-Aufkommen im Kanzleipostfach
  • Kanzlei, die die Dokumentenablage endlich aus dem Sekretariat herausbekommen will
  • Kanzleileitung, die KI nur mit verpflichtender Freigabe durch Menschen einsetzen will
  • Kanzlei, die EU-Verarbeitung und §203-Zusatzvereinbarungen schriftlich braucht

Wann nein

  • Kanzlei ohne DATEV, die Agenda, Addison, Simba oder Lexware einsetzt
  • Einzelkanzlei oder Kleinstkanzlei, für die 150 bis 250 Euro pro Nutzer und Monat zu viel sind
  • Kanzlei, die primär fachliche Steuerrecherche sucht und keine Postfach-Automatisierung
  • Kanzlei mit strikter On-Premises-Politik, die keine Cloud-Verarbeitung von Mandantendaten zulässt

Kurzfazit

Clara ist ein KI-Agent, der ausschließlich für deutsche Steuerkanzleien gebaut ist: Er liest das Kanzleipostfach, schreibt Antwortentwürfe und legt Dokumente über die DATEV-Schnittstelle im DMS ab, jeweils erst nach Freigabe per Klick. Ab 150 Euro netto pro Nutzer und Monat, mit DMS-Zugriff 250 Euro. Verarbeitung in Frankfurt, Zero Data Retention, Zusatzvereinbarungen zum Berufsgeheimnis. Der Anbieter Intoconvo GmbH ist jung, die genannten 40 Kanzleien konnten wir nicht unabhängig prüfen. Wer nur fachliche Recherche sucht, fährt mit Haufe CoPilot Tax günstiger.

Für wen ist Clara?

Mittelgroße DATEV-Kanzleien mit vollem Postfach: Der Kernfall. Eine Kanzlei mit fünf bis dreißig Berufsträgern und Fachangestellten, in der täglich Bescheide, Mandantenrückfragen, Bankunterlagen und Behördenpost im gleichen Postfach landen. Clara ordnet eingehende Mails den Mandanten zu, schlägt Antworten im Kanzleistil vor und bereitet die DMS-Ablage mit vorbelegten Feldern vor. Der Zeitgewinn entsteht nicht beim Formulieren, sondern beim Zuordnen und Ablegen.

Kanzleisekretariate und Backoffice: Wer den Tag mit Sortieren, Ablegen und Nachhalten verbringt, spürt den Unterschied am deutlichsten. Die Sammelablage von bis zu 20 Dokumenten in einem Durchgang und die vorbelegten Metadaten (Mandant, Ordner, Register, Veranlagungsjahr, Dokumentdatum, Bezeichnung) sind genau die Klickarbeit, die im DATEV DMS sonst Minuten pro Dokument kostet.

Kanzleileitungen, die KI nur mit Freigabe zulassen: Clara ist konsequent als Vorschlagssystem gebaut. Laut Anbieter geht ohne Bestätigung weder eine Mail raus noch ein Dokument in die Akte. Für eine Berufsgruppe, die für jede Auskunft haftet, ist dieses Prinzip wichtiger als jede Feature-Liste. Wer im Berufsstand Widerstand gegen KI erwartet, kann damit argumentieren.

Kanzleien mit striktem Datenschutzprozess: Das Trust Center nennt konkrete Regionen (Google Cloud europe-west3 und Amazon Bedrock eu-central-1, beide Frankfurt), konkrete Modelle (Claude Sonnet und Haiku, dazu Google-Cloud-Modelle) und sichert Zero Data Retention vertraglich zu. Diese Detailtiefe ist bei jungen Anbietern selten und macht die Abstimmung mit dem Datenschutzbeauftragten deutlich einfacher.

Weniger geeignet für: Kanzleien ohne DATEV. Die Ablage setzt DATEV voraus, Agenda, Addison, Simba oder Lexware werden nicht bedient. Ebenfalls weniger geeignet: Einzelkanzleien, für die 150 bis 250 Euro pro Kopf und Monat außer Verhältnis stehen, Kanzleien, die primär eine Fachdatenbank suchen, und alle, die Mandantendaten grundsätzlich nicht in eine Cloud geben dürfen oder wollen.

Preise im Detail

PlanPreis (netto, pro Nutzer und Monat)Was du bekommst
Testphase0 € für 14 Tage, ohne ZahlungsdatenZugang zum Testen, laut Anbieter ohne automatische Umwandlung in ein Abo
Agent150 € (120 € bei Jahreszahlung)Chat, Antwortentwürfe, Regeln in natürlicher Sprache, To-do-Liste, Routinemails, Rechtsdatenbank, Bescheidprüfung im Stapel, ohne DATEV-Zugriff
Agent + DMS250 € (200 € bei Jahreszahlung)Alles aus Agent plus DATEV-Aktenzugriff, Ablage per Klick, aktenübergreifende Suche, Bescheidprüfung mit Aktenbezug
KanzleilösungPreis nach Kanzleigröße, ab 10 NutzernAlles aus Agent + DMS plus Onboarding, fester Ansprechpartner, kanzleiweite Einstellungen, Digitalisierungsworkshop

Einordnung: Der DMS-Zugriff kostet 100 Euro Aufpreis pro Nutzer und Monat und ist genau das Feature, wegen dem man Clara überhaupt kauft. Rechne deshalb realistisch mit 250 Euro netto pro Kopf. Eine Kanzlei mit drei Lizenzen zahlt 750 Euro im Monat, also 9.000 Euro im Jahr, bei zehn Lizenzen sind es 30.000 Euro. Bei einer Vollkostenstunde von 50 Euro liegt der Break-even bei etwa fünf gesparten Arbeitsstunden pro Nutzer und Monat, gut eine Stunde pro Woche. Das ist erreichbar, wenn ein Sekretariat viel ablegt, aber nicht selbstverständlich, wenn ein Berufsträger die Lizenz nur gelegentlich nutzt. Das Pro-Nutzer-Modell bestraft Kanzleien mit vielen Teilzeitkräften, eine Staffelung unter zehn Nutzern ist nicht erkennbar. Positiv: Die Preise stehen offen auf der Website, die Testphase verlangt keine Zahlungsdaten, und im Monatsmodell nennt der Anbieter eine Kündigungsfrist von sieben Tagen. Im DATEV-Umfeld, wo Preise sonst gerne hinter “auf Anfrage” verschwinden, ist diese Offenheit ein echter Pluspunkt.

Stärken im Detail

Die Ablage ist der eigentliche Kern, nicht der Chat. Die meisten KI-Werkzeuge für Kanzleien enden beim Textvorschlag. Clara geht den Schritt weiter, der in der Praxis die Zeit frisst: Das Dokument landet mit vorbelegtem Mandanten, Ordner, Register, Veranlagungsjahr, Dokumentdatum und Bezeichnung im bestehenden DATEV DMS, inklusive Kennzeichnung als Handakte. Eine Migration der Struktur ist laut Produktseite nicht nötig, Clara arbeitet in der Ablage, die die Kanzlei ohnehin hat.

Freigabe ist erzwungen, nicht optional. Der Anbieter beschreibt das Prinzip klar: Erst nach Bestätigung wird abgelegt oder gesendet, davor sieht man Vorschau, Ziel und Metadaten auf einer Karte. Bis zu 20 Dokumente lassen sich in einem Zug freigeben. Das ist der berufsrechtlich sinnvolle Weg, weil die Verantwortung beim Berufsträger bleibt und trotzdem der Löwenanteil der Klickarbeit entfällt.

Ehrlicher Umgang mit Zweifelsfällen. Wenn die Mandantenzuordnung nicht eindeutig ist, legt Clara nicht ab, sondern überspringt den Fall mit dokumentierter Begründung. Das klingt nach einer Kleinigkeit, ist aber der Unterschied zwischen einem Werkzeug, dem man vertraut, und einem, das falsch einsortierte Dokumente produziert, die niemand mehr findet.

Datenschutzdokumentation über dem Marktniveau. Das Trust Center nennt Regionen und Modelle beim Namen: Google Cloud europe-west3 und Amazon Bedrock eu-central-1, beide Frankfurt, dazu Claude Sonnet und Claude Haiku. Es sichert Zero Data Retention nach §7 des AVV zu, schließt Modelltraining mit Mandantendaten aus, nennt AES-256 im Ruhezustand und TLS 1.2 aufwärts im Transport und verweist auf Zusatzvereinbarungen zum Berufsgeheimnis mit AWS und Google Cloud. Viele deutlich größere Anbieter liefern diese Informationen erst nach einem Vertriebsgespräch.

Offizielle Schnittstelle statt Screenscraping. Der Anbieter grenzt sich explizit von Werkzeugen ab, die DATEV-Oberflächen automatisiert bedienen. Laut Trust Center läuft die Anbindung über einen technischen Connector der Riecken Webservice Application GmbH, der als DATEV-zertifizierte Schnittstelle beschrieben wird und Daten nur durchreicht. Screenscraping-Lösungen brechen bei jedem DATEV-Update, eine Schnittstellenanbindung tut das nicht.

Regeln ohne Workflow-Editor. Automatisierungen werden in normaler Sprache beschrieben, etwa nach dem Muster “Bankbelege von Mandant X immer in Ordner Y ablegen”. Für Kanzleien ohne IT-Abteilung ist das der Unterschied zwischen einer Automatisierung, die tatsächlich eingerichtet wird, und einer, die im Projektplan stehen bleibt.

Schwächen ehrlich betrachtet

Der Anbieter ist sehr jung und sehr klein. Hinter Clara steht die Intoconvo GmbH aus Potsdam mit zwei Geschäftsführern. Für ein Marketingwerkzeug wäre das egal, für einen Prozess, der unter das Berufsgeheimnis fällt und in der DMS-Ablage die Akte verändert, ist es das nicht. Kläre vor dem Rollout, was passiert, wenn der Anbieter das Produkt einstellt: Die Dokumente liegen dann zwar im DATEV DMS, die Regeln, Zuordnungen und der Verlauf aber nicht mehr.

Die 40 Kanzleien sind eine reine Anbieterangabe. Auf der Startseite steht “40+ Steuerkanzleien vertrauen uns”. Namentliche Referenzen, Fallstudien oder unabhängige Erfahrungsberichte fanden wir bei unserer Prüfung nicht, weder auf der Website noch außerhalb. Das heißt nicht, dass die Zahl falsch ist, aber sie ist nicht überprüfbar. Bitte den Anbieter im Verkaufsgespräch um zwei Referenzkanzleien, mit denen du sprechen darfst.

Die DATEV-Zertifizierung liegt nicht bei Clara. Das Trust Center beschreibt die zertifizierte Schnittstelle als Leistung eines Drittanbieters, der Riecken Webservice Application GmbH. “Offizielle DATEV-Schnittstelle” heißt hier also: Clara nutzt einen zertifizierten Connector, nicht: Clara selbst ist ein DATEV-zertifizierter Partner. Der DATEV-Marktplatz war während unserer Prüfung nicht erreichbar, wir konnten einen Eintrag nicht gegenprüfen. Lass dir die Zertifizierung schriftlich bestätigen, bevor du unterschreibst.

DATEV oder nichts. Die Ablage setzt DATEV voraus. Wer Agenda, Addison, Simba oder Lexware einsetzt, kann Clara bestenfalls als Postfach-Assistenten ohne Aktenanbindung nutzen, und damit fällt genau der Teil weg, der den Aufpreis rechtfertigt. Auch innerhalb der DATEV-Welt gibt es eine Einschränkung: Mit DATEV Dokumentenablage statt DATEV DMS wird nur eine Datei pro Dokument gespeichert, Anhängen an bestehende Dokumente ist nicht möglich.

Der Preis ist ambitioniert. 250 Euro netto pro Nutzer und Monat sind für ein Werkzeug, das eine Teilaufgabe automatisiert, viel Geld. Zum Vergleich: Eine Microsoft-365-Copilot-Lizenz liegt bei rund 30 Euro pro Nutzer und Monat, eine Fachdatenbank kostet je nach Umfang ähnlich viel wie Clara. Wer alle Mitarbeitenden ausstatten will, landet schnell bei fünfstelligen Jahresbeträgen. Rechne vorher aus, wie viele Stunden tatsächlich anfallen, statt der Zeitersparnis aus der Präsentation zu glauben.

Keine eigenen Sicherheitszertifikate. ISO 27001 und SOC 2 werden im Trust Center für die Infrastrukturanbieter genannt, nicht für Intoconvo selbst. Ergebnisse von Penetrationstests sind nicht dokumentiert. Für kleine Anbieter ist das üblich, es bleibt aber eine Lücke, die ein Datenschutzbeauftragter ansprechen wird.

Fachliche Qualität konnten wir nicht prüfen. Rechtsdatenbank, Bescheidprüfung und Antwortentwürfe haben wir nicht in der Praxis geprüft, unsere Bewertung stützt sich auf öffentlich zugängliche Quellen. Gerade die Rechtsdatenbank konkurriert mit über Jahrzehnte gewachsenen Angeboten von Haufe, NWB und Stollfuß. Und die Bescheidprüfung ist berufsrechtlich der heikelste Punkt im ganzen Produkt: Ein übersehener Abweichungspunkt ist ein Haftungsfall, unabhängig davon, welche Software ihn übersehen hat.

Alternativen im Vergleich

Wenn du……nimm stattdessen
Fachliche Steuerrecherche mit Kommentarliteratur und Fundstellen brauchstHaufe CoPilot Tax
Beim DATEV-Standard bleiben und auf die eigenen KI-Funktionen des Anbieters setzen willstDATEV
E-Mail-Entwürfe und Zusammenfassungen für die ganze Kanzlei willst, ohne DATEV-BezugMicrosoft 365 Copilot
Eine DSGVO-konforme KI-Plattform für alle Aufgaben suchst, nicht nur für das PostfachLangdock
Ein Dokumentenmanagement mit KI-Verschlagwortung ohne DATEV-Bindung brauchstd.velop documents

Der Markt für Kanzlei-KI ist gerade in Bewegung, ein Standard hat sich nicht herausgebildet. Neben Clara positionieren sich mehrere junge deutsche Anbieter im gleichen Feld, und DATEV selbst baut KI-Funktionen in die eigenen Programme ein. Wer heute entscheidet, sollte deshalb kurze Vertragslaufzeiten bevorzugen. Clara ist in diesem Umfeld der spezialisierteste Zuschnitt: Kein anderes der oben genannten Werkzeuge verbindet Postfach, Mandantenzuordnung und DMS-Ablage in einem Ablauf.

So steigst du ein

Schritt 1: Testphase mit einem echten Postfach, aber wenigen Mandaten. Der Anbieter bietet 14 Tage kostenlos ohne Zahlungsdaten an. Nutze sie nicht mit Testdaten, sondern mit einem realen, aber überschaubaren Ausschnitt, sonst erfährst du nichts über die Trefferquote bei der Mandantenzuordnung. Kläre vorher die DATEV-Seite: Welche Nutzer bekommen welche Rechte, wie ist die Nutzerzuordnung gesetzt, wer darf ablegen.

Schritt 2: Datenschutz und Berufsrecht vor dem Rollout klären, nicht danach. Fordere den AVV nach Art. 28 DSGVO inklusive TOMs an, dazu die Zusatzvereinbarungen zum Berufsgeheimnis für AWS und Google Cloud. Prüfe die Verarbeitungsregionen und die Zero-Data-Retention-Zusage mit deinem Datenschutzbeauftragten, und ordne die Einbindung berufsrechtlich ein, insbesondere die Vorgaben zur Inanspruchnahme von Dienstleistern nach § 62a StBerG und § 203 StGB. Diese Prüfung ist der Grund, warum viele Kanzleien nach vier Wochen Testphase doch nicht starten, mach sie parallel zum Test.

Schritt 3: In der Reihenfolge Ablage, Entwürfe, Regeln ausrollen. Beginne mit der DMS-Ablage, das ist der messbare Nutzen und der ungefährlichste Einstieg. Danach die Antwortentwürfe, bei denen jede Mail vor dem Versand gelesen wird. Erst wenn beides sitzt, lohnen sich Automatisierungsregeln. Behalte die Freigabepflicht bei und ziehe in den ersten Wochen wöchentlich Stichproben aus der Ablage, um die Trefferquote bei Mandant, Ordner und Veranlagungsjahr zu prüfen.

Schritt 4 (empfohlen): Ausstiegsszenario definieren. Halte schriftlich fest, wie du im Fall einer Anbieterinsolvenz weiterarbeitest und welche Daten du zurückbekommst. Der Anbieter stellt laut Trust Center nach Vertragsende Löschung oder Rückgabe zur Wahl, lass dir das konkret beschreiben.

Ein konkretes Beispiel

Ein Rechenbeispiel, kein Erfahrungsbericht einer Kanzlei: Eine Steuerkanzlei in Münster mit zwei Berufsträgern, fünf Fachangestellten und einem Sekretariat bekommt täglich rund 120 E-Mails im Kanzleipostfach, darunter etwa 40 Dokumente, die ins DATEV DMS gehören. Die Ablage macht bisher das Sekretariat: öffnen, Mandant identifizieren, richtigen Ordner und Register suchen, Veranlagungsjahr und Bezeichnung setzen, speichern. Realistisch sind das 60 bis 90 Sekunden pro Dokument, also gut eine Stunde am Tag. Mit vorbelegten Feldern und Sammelfreigabe schrumpft der Vorgang auf Sichtprüfung und Klick, sagen wir 20 Sekunden pro Dokument. Das sind rund 40 gesparte Minuten täglich, etwa 13 Stunden im Monat. Bei drei Lizenzen für Agent + DMS kostet Clara 750 Euro netto im Monat, die eingesparte Zeit ist bei 50 Euro Vollkosten je Stunde etwa 650 Euro wert. Rechnet sich also erst, wenn zusätzlich Antwortentwürfe, Suche und Fristen-To-dos genutzt werden, und nicht, wenn die Kanzlei nur ablegt. Genau diese Rechnung solltest du mit deinen eigenen Zahlen aufmachen, bevor du unterschreibst.

DSGVO & Datenschutz

  • Anbieter: Intoconvo GmbH, Christophorusweg 13, 14476 Potsdam, HRB 42153 P beim Amtsgericht Potsdam, Geschäftsführer Marc Handschug und Elias Bienek. Deutscher Anbieter, deutschsprachiger Support, deutschsprachige Oberfläche.
  • Verarbeitung: Laut Trust Center Google Cloud in der Region europe-west3 (Frankfurt) und Amazon Bedrock in eu-central-1 (Frankfurt). Vertragspartner sind die europäischen Konzerngesellschaften Google Cloud EMEA Ltd. und Amazon Web Services EMEA SARL, die Muttergesellschaften sitzen in den USA. Für streng ausgelegte Prüfungen bleibt das ein Punkt, den du bewerten musst.
  • Sprachmodelle: Claude Sonnet und Claude Haiku über Amazon Bedrock sowie Google-Cloud-Modelle. Der Anbieter sichert Zero Data Retention nach §7 des AVV zu, es findet also laut Vertrag keine dauerhafte Speicherung beim Modellanbieter statt.
  • Training: Mandanten- und E-Mail-Inhalte fließen laut Anbieter nicht in das Modelltraining.
  • AVV: Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO inklusive technischer und organisatorischer Maßnahmen, laut Anbieter beim Onboarding je Kanzlei geschlossen.
  • Berufsgeheimnis: Der Anbieter beschreibt §203-StGB-konforme Prozesse, verpflichtet Mitarbeitende und Unterauftragnehmer und verweist auf Zusatzvereinbarungen zum Berufsgeheimnis mit AWS und Google Cloud. Lass dir diese Dokumente vor Vertragsschluss aushändigen, sie sind der entscheidende Baustein für die berufsrechtliche Zulässigkeit.
  • Verschlüsselung: AES-256 im Ruhezustand, TLS 1.2 und höher im Transport.
  • Zertifizierungen: ISO 27001 und SOC 2 werden für die Infrastrukturanbieter angeführt, eine eigene Zertifizierung von Intoconvo ist nicht dokumentiert.
  • Nach Vertragsende: Löschung oder Rückgabe der Daten nach Wahl der Kanzlei.
  • Empfehlung für Kanzleien: Datenschutz-Folgenabschätzung durchführen, das Verarbeitungsverzeichnis ergänzen und den Berufshaftpflichtversicherer informieren. Die Verantwortung für jede freigegebene Antwort und jede abgelegte Akte bleibt beim Berufsträger.

Gut kombiniert mit

  • DATEV: Ohne DATEV DMS ergibt Clara keinen Sinn, mit DATEV ist es die Ergänzung, die dem Kanzleiprogramm fehlt. DATEV liefert Akte, Stammdaten und Rechteverwaltung, Clara übernimmt die Vorarbeit im Postfach und schreibt in die bestehende Struktur zurück.
  • Haufe CoPilot Tax: Für die fachliche Tiefe. Clara beantwortet Fragen mit einer eigenen Rechtsdatenbank, für komplexe Fälle mit Kommentarliteratur und BMF-Schreiben bleibt eine etablierte Fachdatenbank die verlässlichere Quelle. Beide Werkzeuge greifen an verschiedenen Stellen des gleichen Falls an.
  • Langdock: Für alles außerhalb des Kanzleipostfachs, etwa Mandantenrundschreiben, interne Dokumentation oder Auswertungen. Clara ist bewusst eng zugeschnitten, eine allgemeine KI-Plattform mit EU-Hosting deckt den Rest ab, ohne dass jemand Mandantendaten in einen privaten ChatGPT-Zugang kopiert.

Häufige Fragen zu Clara

Was kostet Clara für eine Steuerkanzlei? 150 Euro netto pro Nutzer und Monat für den Agenten ohne DATEV-Zugriff, 250 Euro netto mit DMS-Anbindung. Bei Jahreszahlung nennt der Anbieter 20 Prozent Rabatt, also 120 beziehungsweise 200 Euro. Ab zehn Nutzern gibt es eine Kanzleilösung nach Kanzleigröße. Eine 14-tägige Testphase ist ohne Zahlungsdaten möglich.

Ist Clara DATEV-zertifiziert? Der Anbieter spricht von offiziellen DATEV-Schnittstellen und grenzt sich von Screenscraping ab. Laut Trust Center läuft die Anbindung über einen technischen Connector der Riecken Webservice Application GmbH, der als DATEV-zertifizierte Schnittstelle beschrieben wird. Die Zertifizierung liegt damit beim Connector-Dienstleister. Eine unabhängige Bestätigung konnten wir bei unserer Prüfung nicht einholen, frage sie im Vertriebsgespräch schriftlich ab.

Verschickt Clara E-Mails eigenständig? Nein. Laut Anbieter geht ohne Freigabe nichts raus und nichts in die Akte. Entwürfe, Ablagevorschläge und Metadaten werden angezeigt und per Klick bestätigt, bei mehreren Dokumenten auch im Stapel von bis zu 20 Stück.

Wo werden die Daten verarbeitet? In Frankfurt: Google Cloud europe-west3 und Amazon Bedrock eu-central-1. Vertragspartner sind die europäischen Gesellschaften der beiden Anbieter. Der Anbieter sichert Zero Data Retention und den Ausschluss von Modelltraining mit Mandantendaten vertraglich zu.

Funktioniert Clara ohne DATEV? Nur eingeschränkt. Der Agent-Plan ohne DATEV-Zugriff bringt Chat, Antwortentwürfe, Regeln, To-dos und Rechtsdatenbank, die Ablage und die aktenübergreifende Suche setzen DATEV voraus. Für Kanzleien mit Agenda, Addison, Simba oder Lexware fällt damit der wichtigste Teil weg.

Unser Fazit

Clara bekommt 3 von 5 Sternen. Das Produkt ist klug zugeschnitten: Es löst nicht “KI für Kanzleien” im Allgemeinen, sondern die Ablage- und Zuordnungsarbeit im Postfach, also genau die Aufgabe, die im Kanzleialltag Stunden kostet und niemandem Spaß macht. Das erzwungene Freigabeprinzip passt zum Berufsrecht, die Vorbelegung der DMS-Felder ist die eigentliche Leistung, und die Dokumentation im Trust Center ist detaillierter als bei manchem Konzernanbieter. Öffentliche Preise und eine Testphase ohne Zahlungsdaten rechnen wir zusätzlich positiv an.

Sterne kosten drei Punkte: Erstens die Anbieterrisiken. Eine junge GmbH mit zwei Geschäftsführern trägt hier einen Prozess, der unter das Berufsgeheimnis fällt, und die Referenzangabe von 40 Kanzleien ließ sich nicht unabhängig prüfen. Zweitens die Zertifizierungslage: Die DATEV-Anbindung ist über einen Drittanbieter zertifiziert, nicht durch Clara selbst, und eigene Sicherheitszertifikate fehlen. Drittens der Preis, der bei 250 Euro pro Kopf und Monat eine sehr konkrete Zeitersparnis verlangt, damit sich die Rechnung trägt. Für eine DATEV-Kanzlei mit viel Posteingang ist der 14-Tage-Test trotzdem eine der lohnenderen Stunden, die man in KI investieren kann, mit kurzer Laufzeit, schriftlicher Zusicherung zur Zertifizierung und einem definierten Ausstiegsszenario.

Was wir bemerkt haben

  • September 2026, Clara wurde uns vom Anbieter selbst zur Aufnahme vorgeschlagen. Wir haben alle Angaben gegen die Website des Anbieters geprüft, unabhängige Quellen zu Nutzerzahlen, Referenzkanzleien oder Erfahrungsberichten fanden wir nicht. Alles, was in diesem Text mit “laut Anbieter” markiert ist, stammt aus Anbietermaterial und ist nicht unabhängig belegt.
  • September 2026, Die Preise stehen offen auf der Website (150 und 250 Euro netto pro Nutzer und Monat). Das ist im DATEV-Umfeld ungewöhnlich, dort verschwinden Preise meist hinter “auf Anfrage”. Der DMS-Zugriff, also die Kernfunktion, kostet dabei 100 Euro Aufpreis pro Nutzer.
  • September 2026, Der DATEV-Connector läuft laut Trust Center über die Riecken Webservice Application GmbH, die Zertifizierung liegt damit beim Dienstleister und nicht bei Clara. Der DATEV-Marktplatz war während unserer Prüfung nicht erreichbar, wir konnten einen Eintrag nicht gegenprüfen.
  • September 2026, Als Sprachmodelle nennt der Anbieter Claude Sonnet und Claude Haiku über Amazon Bedrock (eu-central-1) sowie Google-Cloud-Modelle in europe-west3. Beide Regionen liegen in Frankfurt, Vertragspartner sind die europäischen Gesellschaften von AWS und Google. Zero Data Retention ist laut Trust Center in §7 des AVV vertraglich zugesichert.
  • September 2026, Die Produktseiten wurden zuletzt Anfang September 2026 aktualisiert, das Produkt ist also in aktiver Entwicklung. Prüfe Preise und Funktionsumfang vor einer Entscheidung erneut, bei einem Anbieter dieser Größe kann sich beides kurzfristig ändern.

Quellen

  1. Clara – Startseite. https://clara-agent.de/ (abgerufen am 2026-09-10). Positionierung als KI-Agent für Steuerkanzleien, Funktionen (Antwortentwürfe im Kanzleistil, To-do-Liste, DMS-Ablage per Klick, Regeln in natürlicher Sprache, E-Mail- und DMS-Suche, Bescheidprüfung, Rechtsdatenbank mit Fundstellen, Routinemails mit DATEV-Anhängen), Anbieterangabe 40+ Steuerkanzleien, Nutzung offizieller DATEV-Schnittstellen ohne Screenscraping.
  2. Clara – Preise. https://clara-agent.de/preise (abgerufen am 2026-09-10). Agent 150 €/Nutzer/Monat netto, Agent + DMS 250 €/Nutzer/Monat netto (DMS-Zugriff 100 € Aufpreis), Kanzleilösung ab 10 Nutzern nach Kanzleigröße, 20 Prozent Rabatt bei Jahreszahlung (120 € bzw. 200 €), 14 Tage kostenlos testen ohne Zahlungsdaten, 7 Tage Kündigungsfrist im Monatsmodell.
  3. Clara – Trust Center. https://clara-agent.de/trust-center (abgerufen am 2026-09-10). Verarbeitung auf Google Cloud europe-west3 (Frankfurt) und Amazon Bedrock eu-central-1 (Frankfurt), Modelle Claude Sonnet und Claude Haiku sowie Google-Cloud-KI-Modelle, Zero Data Retention nach §7 AVV, kein Modelltraining mit Mandantendaten, AVV nach Art. 28 DSGVO inklusive TOMs, §203-StGB-konforme Prozesse mit Zusatzvereinbarungen für AWS und Google Cloud, AES-256 at rest und TLS 1.2+ in transit, ISO 27001 und SOC 2 der Infrastrukturanbieter, DATEV-Connector über Riecken Webservice Application GmbH (DATEV-zertifizierte Schnittstelle).
  4. Clara – DMS-Ablage. https://clara-agent.de/produkt/dms-ablage (abgerufen am 2026-09-10). Ablage in DATEV DMS in die bestehende Ordnerstruktur, vorbelegte Felder (Mandant, Ordner, Register, Veranlagungsjahr, Dokumentdatum, Bezeichnung, Dokumentstatus, Handakte-Kennzeichnung), Freigabe per Klick und Sammelablage von bis zu 20 Dokumenten, ohne Bestätigung wird nichts abgelegt, DATEV Dokumentenablage nur eingeschränkt (eine Datei pro Dokument, kein Anhängen), Ablage setzt DATEV voraus, Rechte über DATEV-Nutzerzuordnung.
  5. Clara – Impressum. https://clara-agent.de/impressum (abgerufen am 2026-09-10). Anbieter Intoconvo GmbH, Christophorusweg 13, 14476 Potsdam, HRB 42153 P Amtsgericht Potsdam, Geschäftsführer Marc Handschug und Elias Bienek, USt-IdNr. DE462510405.

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Arthur Atlas

KI-Analyst

So entsteht diese Bewertung

Diese Seite bewerten wir redaktionell, mit kräftiger Unterstützung von Arthur Atlas, unserem KI-Analysten. Er prüft Bewertungen nach und markiert veraltete Angaben, sobald sich der Markt dreht. Unsere Angaben stammen überwiegend aus öffentlich zugänglichen Quellen wie Anbieter-Website, Doku und Preislisten. Preise und Funktionen können sich ändern.

Hinweis: Diese Angaben können veraltet oder fehlerhaft sein. Prüfe im Zweifel immer direkt auf der Website des Anbieters.

Preise geändert, Feature veraltet oder etwas fehlt?

Wir freuen uns über Hinweise und Ergänzungen.

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