Akademisch gewachsene Process-Mining-Plattform aus Melbourne mit starker Open-Source-Wurzel. Apromore vereint Process Discovery, Conformance Checking, Simulation, Performance-Analyse und seit kurzem KI-gestütztes Predictive Monitoring. Die Community Edition ist kostenlos und selbst hostbar, für datenschutzsensible Behörden ein wesentlicher Vorteil. Enterprise-Funktionen (Konnektoren, KI-Insights, Support) nur in der bezahlten Version.
Kosten: Community Edition kostenlos (Open Source, AGPL, selbst gehostet); Enterprise Cloud ab ca. 1.250 USD/Monat kapazitätsbasiert (Listpreis variiert je nach Eventvolumen und Konnektoren)
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Stärken
- Community Edition kostenlos und selbst hostbar, DSGVO-freundlich für Behörden
- Akademisch fundiert: aus Forschung der University of Melbourne hervorgegangen, transparente Algorithmen (u.a. Split Miner)
- Keine Beschränkungen auf Prozessanzahl oder Nutzerkonten im Enterprise-Tarif
- Simulation: Prozessänderungen vorab testen, bevor sie ausgerollt werden
- BPMN-Editor integriert, vom Ist-Modell direkt zur Soll-Prozesszeichnung
Einschränkungen
- Benutzeroberfläche weniger ausgefeilt als Celonis oder SAP Signavio
- Keine deutschen Sprachpakete für die Oberfläche
- Community Edition: Eigenverantwortung für Hosting, Updates und Datensicherheit
- Weniger vorgefertigte Konnektoren für deutsche Fachverfahren als Celonis
- Pricing nicht öffentlich gelistet, Enterprise-Verhandlungen bremsen Pilotprojekte
Passt gut zu
Wann ja, wann nein
Wann ja
- Du brauchst Process Mining mit selbst gehosteter Open-Source-Variante (AGPL)
- Du arbeitest in einer Behörde oder regulierten Branche mit harten DSGVO-Anforderungen
- Du willst Process Mining pilotieren, ohne sofort einen Enterprise-Vertrag zu unterschreiben
- Du brauchst transparente, akademisch dokumentierte Algorithmen (z. B. Split Miner)
Wann nein
- Du brauchst sofort einsatzbereite SAP-, Salesforce- oder ServiceNow-Konnektoren mit großer Tiefe
- Dein Team hat keine IT-Kapazität für Self-Hosting und Updates
- Du brauchst zwingend deutschsprachiges UI und Support
- Du willst polierte Vorstands-Dashboards direkt aus dem Tool ziehen
Kurzfazit
Apromore ist die ehrlichste Wahl, wenn du Process Mining ohne Enterprise-Vertrag testen oder grundsätzlich auf eigener Infrastruktur betreiben willst. Die Community Edition ist echte Open Source (AGPL), die Algorithmen sind akademisch dokumentiert, und für Behörden mit DSGVO-Druck ist das selbst gehostete Setup ein Argument, das weder Celonis noch Signavio wirklich kontern können. Im direkten Vergleich der Enterprise-Versionen zieht Apromore allerdings den Kürzeren: Konnektoren, UX-Politur und KI-Features sind bei Celonis weiter, und SAP Signavio ist tief in den SAP-Stack eingewachsen. Apromore ist die richtige Antwort, wenn dir Transparenz und Souveränität wichtiger sind als der letzte UX-Schliff.
Für wen ist Apromore?
Öffentliche Verwaltungen und Behörden: Self-Hosting im eigenen Rechenzentrum löst die heiklen Datenschutzfragen, die bei Cloud-Process-Mining sonst regelmäßig auftauchen. Wer Vorgangsdaten aus Fachverfahren analysieren will, ohne sie an einen US-Anbieter zu geben, findet hier eine seltene Option.
Universitäten und Forschung: Apromore wird in der akademischen Process-Mining-Community aktiv genutzt und weiterentwickelt. Wer Lehre oder Forschung machen will, hat freien Zugang zu allen Kernalgorithmen.
Mittelständische Operations- und Qualitätsteams: Wer ohne sechsstelliges Budget anfangen will, kann mit der Community Edition ernsthaft testen, ob Process Mining für die eigene Prozesslandschaft überhaupt einen Hebel bringt, und später entscheiden, ob ein Enterprise-Vertrag (bei Apromore oder einem Wettbewerber) lohnt.
Process-Mining-Berater: Apromore ist das Tool für Beratungsprojekte mit Datenschutz-Sensibilität oder kleinen Budgets. Die XES- und CSV-Kompatibilität macht den Wechsel zu anderen Tools später einfach, keine Vendor-Lock-in-Falle.
Weniger geeignet für: Konzerne mit SAP-Landschaft (dort ist Signavio die naheliegende Wahl), Organisationen ohne IT-Kapazität für Self-Hosting, und Teams, die eine sofort einsatzbereite Cloud-Lösung mit deutschsprachigem Support brauchen.
Preise im Detail
| Plan | Preis | Was du bekommst |
|---|---|---|
| Community Edition | 0 € | Self-Hosting via Docker, Process Discovery, Conformance Checking, BPMN-Editor, AGPL-Lizenz, Community-Support über GitHub |
| Enterprise Cloud | ab ca. 1.250 USD/Monat | Gehostete SaaS, KI-Insights, Predictive Monitoring, Konnektoren (SAP, Salesforce, ServiceNow), SSO, Support-SLA |
| Enterprise On-Premise | Auf Anfrage | Wie Cloud, aber im eigenen Rechenzentrum betrieben, relevant für Behörden und regulierte Branchen |
| Academic License | kostenlos | Vollumfänglicher Zugang für Forschung und Lehre an akkreditierten Hochschulen |
Einordnung: Apromore listet keine genauen Enterprise-Preise öffentlich, der hier genannte Einstiegswert stammt aus Beratungs- und Marktanalysen und kann je nach Eventvolumen, Konnektoren und Support-Stufe deutlich variieren. Wer ein Pilotprojekt startet, sollte zwei Wege parallel prüfen: Community Edition selbst aufsetzen (etwa 2–4 Stunden Installationsaufwand) und parallel ein Angebot anfragen. Die AGPL-Lizenz der Community Edition ist Copyleft, wer auf Apromore eigene Webdienste aufbaut und vertreibt, muss seinen Code unter AGPL veröffentlichen. Für reine interne Nutzung in Behörden und Unternehmen ist das in der Regel kein Problem, sollte aber vom IT-Recht geprüft werden.
Stärken im Detail
Echtes Open Source, kein „Open Core mit Lockanlage”. Die Community Edition ist unter AGPL veröffentlicht, der Quellcode liegt komplett auf GitHub (apromore/ApromoreCore). Das ist mehr als nur ein Trial: Du kannst den Code lesen, anpassen, deployen, und niemand kann dir die Lizenz wegnehmen. Für Behörden, die digitale Souveränität ernst nehmen, ist das ein qualitativ anderes Angebot als jeder „Free Trial” eines Cloud-Anbieters.
Akademische Fundierung der Algorithmen. Apromore ist aus Forschung der University of Melbourne hervorgegangen und nutzt publizierte Verfahren wie Split Miner für Process Discovery. Wer wissen will, warum das System einen bestimmten Prozessgraphen ausspuckt, findet die wissenschaftlichen Paper dazu. Bei den großen Wettbewerbern sind die Algorithmen Black-Box.
Kein Nutzer-Limit im Enterprise-Tarif. Anders als bei Celonis oder Signavio, wo zusätzliche Nutzer schnell teuer werden, ist Apromore kapazitätsbasiert. Für Organisationen, die Process Mining demokratisieren wollen, ist das ein echter Kostenvorteil, Hunderte Lesezugriffe kosten nicht mehr als eine Handvoll.
Simulation und Conformance Checking sind solide. Du kannst Prozessänderungen vorab simulieren („Was passiert, wenn wir Schritt 4 streichen?”) und reale Vorgänge gegen ein Soll-Modell prüfen. Das geht über reine Visualisierung hinaus und ist in dieser Tiefe nicht selbstverständlich.
Schwächen ehrlich betrachtet
Die UX wirkt im Vergleich altbacken. Wer von Celonis oder Signavio kommt, merkt schnell: Apromore zeigt seine akademischen Wurzeln. Dashboards sind funktional, aber nicht hübsch; Workflows brauchen mehr Klicks; Story-Telling-Features für das Management-Reporting fehlen weitgehend. Das ist kein Showstopper für Analystenteams, aber ein Argument gegen Apromore, wenn du Vorstandspräsentationen direkt aus dem Tool ziehen willst.
Konnektoren-Ökosystem ist überschaubar. Apromore liest XES und CSV nativ, das ist der akademische Standard und für saubere Event-Logs ausreichend. Wer aber „eben mal” SAP-, Salesforce- oder ServiceNow-Daten anziehen will, findet bei Celonis oder Signavio fertige Standardkonnektoren mit deutlich mehr Tiefe. Bei Apromore ist mehr Eigenarbeit beim Datenmodell nötig.
Kein deutscher Support, kein deutsches UI. Die Plattform ist englischsprachig, der Support kommt aus Australien beziehungsweise dem internationalen Partner-Netzwerk. Für deutsche Behörden, die eine Ausschreibung mit deutschem Vertragspartner brauchen, ist das eine reale Hürde, nicht unüberwindbar, aber zu beachten.
Predictive Monitoring und KI-Insights sind jünger und weniger ausgereift. Apromore hat in den letzten Jahren KI-Features nachgezogen (Predictive Process Monitoring, Process-Q&A-Assistenten), liegt damit aber hinter Celonis’ Process Intelligence und SAP Signavios Joule-Integration. Für reine KI-Vorhersagen ist Apromore nicht der erste Tipp.
Pricing-Intransparenz bremst Piloten. Ohne öffentliche Preisliste landest du fast zwangsläufig in einem Sales-Gespräch, was bei Behörden mit kleinen Pilotbudgets eine gefühlte Hürde ist. Die Community Edition mildert das, deckt aber eben nicht alle Funktionen ab.
Alternativen im Vergleich
| Wenn du… | …nimm stattdessen |
|---|---|
| Den Marktführer mit dem reichsten Ökosystem willst | Celonis |
| Tief in einer SAP-Landschaft sitzt | SAP Signavio |
| Eine integrierte Suite mit BPM-Wurzel suchst | ARIS Process Mining |
| Process Mining mit RPA-Automatisierung verbinden willst | UiPath Process Mining |
| Vor allem produktionsnahe Prozessanalyse brauchst | ProcessMiner |
Apromore spielt seine Karten nicht im Feature-Wettrennen aus, sondern bei Souveränität, Transparenz und Open-Source-Lizenz. Für die meisten Konzerne bleibt Celonis der Default. Für Behörden, Forschung und budgetbewusste Mittelständler ist Apromore die ehrlichere Wahl.
So steigst du ein
Schritt 1: Apromore Community Edition von GitHub herunterladen (github.com/apromore/ApromoreCore) und auf einem behördeneigenen Server installieren, Docker-basiert, Installation typischerweise 2–4 Stunden für eine erfahrene IT-Administration. Alternativ kannst du eine kostenlose Demo der Enterprise Cloud anfragen, um die KI-Features ohne Setup zu testen.
Schritt 2: Event Log aus dem Fachverfahren als CSV exportieren: mindestens drei Spalten, Fall-ID (Antragsnummer), Aktivität (Bearbeitungsschritt) und Zeitstempel. Apromore liest XES- und CSV-Format nativ. Plane für die saubere Aufbereitung mehr Zeit ein als für die Installation, das ist erfahrungsgemäß der eigentliche Engpass.
Schritt 3: Im Apromore-Portal den Log hochladen und den Process Discoverer starten. Das System generiert automatisch ein Prozessmodell. Engpässe sind als rote Kanten mit hoher Durchlaufzeit sofort sichtbar. Anschließend mit Conformance Checking gegen das Soll-Modell prüfen, wo die reale Bearbeitung von der definierten Vorgehensweise abweicht.
Ein konkretes Beispiel
Ein Stadtplanungsamt mit 800 Widerspruchsverfahren jährlich exportiert die Vorgangsdaten aus seiner digitalen Akte als CSV und lädt sie in die selbst gehostete Apromore-Instanz. In zwei Stunden Analyse zeigt sich: Widersprüche gegen Baugenehmigungen durchlaufen im Schnitt sieben Stationen, aber 60 % der Gesamtdurchlaufzeit entfallen auf eine einzige Übergabe an die Rechtsabteilung. Nicht weil die Rechtsabteilung langsam ist, sondern weil die Übergabe unstrukturiert per E-Mail erfolgt und Vorgänge dort oft tagelang ungesehen liegen bleiben. Die Fachgruppe richtet daraufhin ein gemeinsames Eingangsticket mit SLA ein, und reduziert die durchschnittliche Verfahrensdauer im Folgequartal um knapp drei Wochen. Lizenzkosten für die Analyse: null Euro.
DSGVO & Datenschutz
- Datenhosting (Community Edition): vollständig im eigenen Rechenzentrum oder bei einem EU-Cloud-Anbieter deiner Wahl, du behältst die Hoheit
- Datenhosting (Enterprise Cloud): wahlweise EU-Region; für Behörden und regulierte Branchen ist die On-Premise-Variante der konservativere Weg
- Datennutzung: keine Telemetrie zu Apromore Pty Ltd in der Community Edition, sofern selbst betrieben, Enterprise-Cloud-Nutzungsdaten je nach Vertrag
- Auftragsverarbeitung (AVV): für Enterprise Cloud verfügbar und für deutsche Kunden notwendig; Self-Hosting macht den AVV in vielen Fällen entbehrlich
- Empfehlung für Unternehmen: Wenn DSGVO-Compliance der eigentliche Treiber für die Tool-Wahl ist, ist die Community Edition mit eigenem Hosting der sauberste Weg. Für Cloud-Nutzung den AVV explizit auf EU-Region und Subunternehmer prüfen lassen.
Gut kombiniert mit
- Power BI, Apromore exportiert Kennzahlen und Variantenanalysen, Power BI verteilt sie an Fachbereiche und das Management-Reporting
- Make, automatisiertes Einsammeln der Event-Logs aus Fachverfahren und Vorbereiten als CSV, bevor sie in Apromore landen
- Microsoft 365 Copilot, die in Apromore identifizierten Engpässe in textliche Maßnahmenpläne, Briefings und Stellenbeschreibungen übersetzen
Unser Testurteil
Apromore verdient drei von fünf Sternen. Die Open-Source-Wurzel ist für die richtige Zielgruppe Gold wert, und die Algorithmen sind transparent dokumentiert. Den vierten Stern verliert Apromore an UX-Politur, schwachem Konnektoren-Ökosystem und fehlendem deutschem Support. Den fünften Stern verliert es im direkten KI-Vergleich gegen Celonis, das in Predictive Process Mining schlicht weiter ist. Wer Souveränität und Transparenz priorisiert, kommt trotzdem nicht an Apromore vorbei, für alle anderen ist Celonis oder Signavio der pragmatischere Default.
Was wir bemerkt haben
- 2024–2025, Apromore hat ein KI-gestütztes Process-Q&A-Feature in die Enterprise Edition integriert: Nutzer können in natürlicher Sprache Fragen zu ihrem Prozess stellen („Welche Variante hat die längste Durchlaufzeit?”). Das schließt eine UX-Lücke gegenüber Celonis, ist aber jünger und weniger ausgereift.
- 2024, Erweiterte Konnektoren für SAP, Salesforce und ServiceNow wurden in der Enterprise Cloud nachgezogen; in der Community Edition bleibt der CSV/XES-Weg der einzige offizielle Importpfad.
- Anhaltend, Apromore hält an der AGPL-Lizenz für die Community Edition fest, während andere ehemals offene Process-Mining-Projekte ihre Lizenzmodelle restriktiver gemacht haben. Für Open-Source-Verfechter im öffentlichen Sektor ist das ein wichtiges Signal.
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Arthur Atlas
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