ARIS Process Mining
Software AG (jetzt Teil von IBM)
Process-Mining-Komponente der ARIS-Plattform — historisch eines der bekanntesten BPM-Tools im deutschsprachigen Raum. Stärke ist die nahtlose Verbindung von Soll-Prozessmodellierung (BPMN) und Ist-Analyse aus Event-Logs in einer Plattform. Software AG wurde 2024 von IBM übernommen; ARIS wird unter dem ARIS-Markennamen als eigenständiges Produkt fortgeführt.
Kosten: Drei Editionen: Basic (kostenfreier Einstieg über den ARIS-Shop), Advanced (kapazitätsbasierte Lizenz, mittlerer fünfstelliger Euro-Bereich/Jahr typisch), Enterprise (Preis auf Anfrage, deutlich höher); On-Premise und Cloud verfügbar
Stärken
- Tiefe BPMN-Modellierung: Soll-Prozess und Ist-Analyse im selben Tool
- Conformance-Checking auf Einzelfall-Ebene mit klarer Heatmap-Darstellung
- Deutscher Markt seit Jahrzehnten etabliert — Beratungsökosystem dicht und auf Deutsch
- EU-Datenhaltung über Software-AG-Cloud verfügbar; On-Premise weiterhin möglich
Einschränkungen
- Komplexes Lizenzmodell, mehrere ARIS-Editionen mit unterschiedlichem Funktionsumfang
- Roadmap nach IBM-Übernahme noch nicht vollständig öffentlich; Bestandskunden sollten Wartungsvertrag prüfen
- Out-of-the-Box-Konnektoren für SAP weniger ausgereift als bei Celonis oder Signavio
- AI-Features (Root-Cause-Mining, Vorhersagen) werden weniger aggressiv vermarktet als bei US-Wettbewerbern
Passt gut zu
Wann ja, wann nein
Wann ja
- Du betreibst bereits eine ARIS-Modelllandschaft und willst die Soll-Prozesse mit Ist-Daten validieren
- Compliance-Nachweise und Audit-Spuren sind in deinem Geschäft entscheidend
- Du brauchst EU-Datenhaltung oder On-Premise-Betrieb
- Deutschsprachige Beratung und Dokumentation sind wichtig
Wann nein
- Du startest auf der grünen Wiese und willst das modernste AI-getriebene Process-Mining-Tool
- SAP ist deine Hauptdatenquelle und du brauchst sofort einsatzbereite Standard-Konnektoren
- Dein Budget liegt unter rund 30.000 Euro/Jahr für die Plattform
- Du willst leichtgewichtig, projektbasiert mit einem CSV-Export aus einem System arbeiten
Kurzfazit
ARIS Process Mining ist die richtige Wahl, wenn dein Unternehmen ohnehin schon im ARIS-Universum lebt — also Soll-Prozesse als BPMN-Modelle pflegt und jetzt mit Ist-Daten gegenprüfen will. In dieser Konstellation spielt das Tool seine größte Stärke aus: Soll und Ist im selben System, ohne Datenbruch. Auf der grünen Wiese und ohne ARIS-Vorgeschichte gewinnt fast immer Celonis — ausgereiftere Konnektoren, aggressivere AI-Features, dichteres Partnernetz. Die IBM-Übernahme von 2024 ist editorial die wichtigste Variable: Wohin ARIS fünf Jahre nach dem Deal steht, ist ehrlich gesagt offen.
Für wen ist ARIS Process Mining?
Konzerne mit ARIS-Historie: Wenn euer Qualitätsmanagement, eure ISO-Zertifizierung und eure Prozessdokumentation seit Jahren in ARIS liegen, ist Process Mining der natürliche nächste Schritt — der Soll-Ist-Vergleich entsteht ohne Daten-Migration.
Versicherungen und Banken: Audit-Spuren, regulatorische Nachweise und Conformance-Reporting sind in regulierten Branchen Pflicht. ARIS liefert das in einer Form, die deutsche Aufsichtsbehörden seit Langem akzeptieren.
Öffentliche Verwaltung: EU-Hosting und On-Premise-Betrieb sind für Behörden oft nicht verhandelbar. ARIS ist hier seit Jahrzehnten etabliert, das Beschaffungsprozedere kennen die Vergabestellen.
Energieversorger und Industrie: Komplexe interne Prozesslandschaften, viele Schnittstellen, hoher Dokumentationsaufwand — ARIS trifft hier seinen klassischen Sweet Spot.
Weniger geeignet für: Mittelständler ohne BPM-Historie (zu schwergewichtig, zu teuer), reine SAP-Häuser mit Greenfield-Anspruch (Celonis ist hier ehrlich besser), und Teams, die nur einen Prozess einmalig analysieren wollen (Apromore oder Fluxicon Disco sind dafür leichter).
Preise im Detail
| Edition | Preis | Was du bekommst |
|---|---|---|
| Basic | Kostenloser Einstieg über den ARIS-Shop | Process Discovery, einfache Health-Checks, begrenzter Datenumfang — primär zum Ausprobieren |
| Advanced | Kapazitätsbasiert, typisch mittlerer fünfstelliger Euro-Bereich/Jahr | Vollständiger Datenimport, kontinuierliche Prozessdiagnostik, KPI-Tracking, mehrere Nutzer |
| Enterprise | Auf Anfrage, deutlich höher | Conformance-Checking, Process-Landscape-Capture, Lifecycle-Steuerung, vollständige Integration in ARIS-Suite |
Einordnung: ARIS verfolgt das klassische Enterprise-Lizenzmodell — viele Optionen, viele Add-ons, Preis je nach Nutzerzahl, Datenvolumen und gewähltem Modul. Der Listenpreis ist Verhandlungsbasis; reale Vertragssummen variieren stark. Plane für ein produktives Setup eher mit 40.000 bis 150.000 Euro/Jahr inklusive Beratung. Die Basic-Edition ist gut für eine erste Einarbeitung, deckt aber keinen produktiven Einsatz ab.
Stärken im Detail
Soll und Ist in einer Plattform. Das ist das Killer-Argument für ARIS-Bestandskunden. In den meisten anderen Process-Mining-Tools musst du den Soll-Prozess manuell als Vergleichsbasis modellieren. Bei ARIS liegt er schon da — gepflegt, versioniert, freigegeben. Der Conformance-Vergleich entsteht per Knopfdruck auf der Datengrundlage, die ihr ohnehin habt.
Conformance-Checking mit Heatmaps. Die visuelle Darstellung, wo Prozessinstanzen vom Soll-Modell abweichen, ist ausgereift. Du siehst auf Einzelfall-Ebene, welche Schritte übersprungen, hinzugefügt oder in falscher Reihenfolge ausgeführt wurden — wertvoll für Auditoren und Prozessverantwortliche gleichermaßen.
Tiefe deutsche Beratungslandschaft. Niemand hat in Deutschland so viele zertifizierte Berater, Trainer und Implementierungspartner wie ARIS — historisch gewachsen seit den 1990ern. Wenn du in Frankfurt, München oder Hamburg externe Hilfe brauchst, findest du sie auf Deutsch und mit Branchenexpertise.
EU-Hosting und On-Premise sind real. Anders als bei vielen US-Wettbewerbern bekommst du echte EU-Datenhaltung über die Software-AG-Cloud — und wenn ihr es klassisch wollt, läuft ARIS weiterhin On-Premise im eigenen Rechenzentrum. Für regulierte Branchen ist das oft kaufentscheidend.
Schwächen ehrlich betrachtet
Lizenzmodell ist undurchsichtig. Welche Edition deckt welches Feature ab? Was kostet ein zusätzlicher Connector? Wie wird die Datenkapazität gemessen? Antworten kommen meist nur über den Vertrieb oder einen Partner — Listenpreise auf der Webseite gibt es schlicht nicht. Plane Wochen bis Monate für die Vertragsverhandlung ein.
IBM-Übernahme bringt Unsicherheit. Software AG wurde 2024 zerlegt; das ARIS-Geschäft kam zu IBM. Bisher läuft ARIS unter eigener Marke weiter, aber wie tief die Integration in IBM-Cloud-Paks oder watsonx geht, ist 2026 noch nicht final geklärt. Bestandskunden sollten beim nächsten Wartungsvertrag explizit nach Roadmap und Produktgarantien fragen.
SAP-Konnektoren hinken hinterher. Celonis hat hier mit jahrelanger Investition einen Vorsprung, der sich bei jedem konkreten SAP-Ist-Datenextrakt bemerkbar macht. Bei ARIS musst du häufiger eigene Extraktoren bauen oder einen Partner zukaufen. Das ist machbar, aber teurer und langsamer als bei der US-Konkurrenz.
AI-Storytelling fehlt. Während Celonis, UiPath Process Mining und Microsoft Process Mining ihre AI-Features lautstark vermarkten — von Root-Cause-Identifikation bis hin zu generativen Prozess-Empfehlungen — wirkt ARIS in der Außendarstellung konservativer. Die Technik ist da, aber das Produktmarketing ist erkennbar weniger AI-getrieben.
Alternativen im Vergleich
| Wenn du… | …nimm stattdessen |
|---|---|
| Ohne BPM-Historie startest und das beste SAP-Process-Mining willst | Celonis |
| Process Mining eng mit RPA verzahnen willst | UiPath Process Mining |
| Open-Source und günstig für ein Pilotprojekt brauchst | Apromore |
| Schnell, projektbasiert mit CSV-Export arbeiten willst | Fluxicon Disco |
| Schon im Microsoft-365-Ökosystem lebst | Microsoft Process Mining (Power Automate) |
ARIS lohnt sich, wenn der Soll-Prozess in BPMN bereits gepflegt wird — sonst kaufst du dir Komplexität, die du nicht brauchst. Die Liste oben ist nicht „besser oder schlechter”, sondern kontextabhängig: Der Soll-Ist-Vorteil von ARIS ist real, aber er trägt nur, wenn das Soll-Modell tatsächlich existiert und gepflegt wird.
So steigst du ein
Schritt 1: ARIS-Vertrieb kontaktieren und Edition klären (ARIS Basic, Advanced, Enterprise) — der Funktionsumfang unterscheidet sich erheblich, und Process Mining ist nicht in jeder Edition enthalten. Vorher intern klären, ob ARIS-Modelle bereits existieren und in welchem Pflegezustand sie sind.
Schritt 2: Wenn dein Unternehmen bereits ARIS-Modelle pflegt: vorhandene Soll-Prozesse als Referenz für Conformance-Checking nutzen. Der größte Mehrwert entsteht im direkten Soll-Ist-Vergleich, nicht in der reinen Discovery — der unterscheidet ARIS von Tools wie Celonis, die ihren Soll-Prozess erst ableiten müssen.
Schritt 3: Pilotprojekt mit einem klar abgegrenzten Prozess starten (z.B. Schadensbearbeitung in einer Versicherungssparte). ARIS-Beratungspartner unterstützen typisch in vier- bis sechswöchigen Implementierungssprints — plane parallel die IT-seitige Datenanbindung an euer Quellsystem (SAP, Salesforce, eigenes ERP).
Ein konkretes Beispiel
Eine deutsche Versicherung mit etablierter ARIS-Modelllandschaft setzt ARIS Process Mining ein, um die Schadensbearbeitung in der Wohngebäudesparte zu analysieren. Der Soll-Prozess existiert seit Jahren als BPMN-Modell. Der Ist-Vergleich zeigt: 23 Prozent aller Schäden über 10.000 Euro durchlaufen eine nicht dokumentierte Eskalation an die Rechtsabteilung — meist wegen Unklarheiten beim Versicherungsumfang. Die Erkenntnis fließt direkt in eine Anpassung der Antragsformulare zurück. Nach sechs Monaten lässt sich die Quote der Eskalationen auf neun Prozent senken; die Soll-Prozessdokumentation in ARIS wird im selben Zug aktualisiert, sodass die Audit-Spur lückenlos bleibt.
DSGVO & Datenschutz
- Datenhosting: EU-Hosting über Software-AG-Cloud (jetzt IBM-Cloud) verfügbar; On-Premise im eigenen Rechenzentrum bleibt unterstützt
- Datennutzung: Kundendaten werden nicht für Modelltraining verwendet; ARIS verarbeitet Event-Logs ausschließlich im Kundenkontext
- Auftragsverarbeitung: AVV nach DSGVO ist Standard und für alle gewerblichen Editionen verfügbar
- Pseudonymisierung: Personenbezogene Felder in Event-Logs (z.B. Bearbeiter-IDs) lassen sich vor dem Import pseudonymisieren — ARIS unterstützt entsprechende Mapping-Funktionen
- Empfehlung für Unternehmen: In jedem Fall On-Premise oder EU-Cloud wählen — die US-Cloud-Optionen sind für DSGVO-sensible Deployments unnötig riskant. AVV vor Vertragsabschluss durch eigene Datenschutzbeauftragte prüfen lassen
Gut kombiniert mit
- ARIS ergänzt um Celonis ist selten sinnvoll — meistens entscheidet man sich für eines. Wer beide produktiv betreibt, hat typisch eine historische Migration im Gange.
- Power Automate — wenn ARIS die Schwachstellen identifiziert, lassen sich repetitive Prozessschritte mit Microsoft-RPA gezielt automatisieren. Die Kombination ist in deutschen Mittelstandskonzernen verbreitet.
- IBM Maximo — für Industriekunden, die ohnehin im IBM-Ökosystem leben, entsteht durch die Übernahme zunehmend Synergie zwischen ARIS-Prozessmodellen und IBM-Asset-Management. Konkret nutzbar wird das voraussichtlich erst in den nächsten Produktreleases.
Unser Testurteil
ARIS Process Mining verdient drei von fünf Sternen. Der vierte Stern fehlt, weil das Lizenzmodell intransparent ist, die SAP-Konnektoren hinter Celonis zurückbleiben und die IBM-Übernahme die Roadmap mit Fragezeichen versieht. Was die drei Sterne ausdrücklich rechtfertigt: ein erprobtes Werkzeug für Conformance-Checking, EU-Hosting als ernst gemeinte Option und ein deutsches Beratungsökosystem, das in dieser Tiefe einzigartig ist. Wer ohnehin im ARIS-Universum lebt, braucht sich nach Alternativen nicht umsehen — wer neu evaluiert, sollte mindestens Celonis als Vergleich auf den Tisch legen.
Was wir bemerkt haben
- 2024 — Software AG wurde zerlegt; das ARIS-Geschäft (inklusive Process Mining) ging an IBM. Die Marke ARIS bleibt erhalten, das Produkt wird weiterentwickelt — die Frage nach mittelfristiger Roadmap-Sicherheit ist aber legitim.
- 2025 — Erste sichtbare Integrationsschritte mit dem IBM-Portfolio: ARIS taucht in IBM-Vertriebsmaterial neben watsonx und IBM Cloud Paks auf. Bestandskunden berichten bisher von stabilem Betrieb ohne erzwungene Migrationen.
- 2026 — Die Konkurrenz hat beim Thema AI-Storytelling deutlich aufgeholt: Celonis und UiPath positionieren ihre generativen Prozess-Empfehlungen lautstark, während ARIS hier ruhiger auftritt. Inhaltlich ist die Lücke kleiner als die Marketing-Lücke — aber wer beim Vorstand AI-Buzzwords verkaufen muss, findet bei den Wettbewerbern leichter Munition.
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