Agicap
Agicap SAS
Französische Cashflow-Plattform mit deutschem Markt-Fokus, die Bankkonten via PSD2 anbindet, offene Posten aus Buchhaltung importiert und einen rollierenden Liquiditätsforecast mit Szenarien aufbaut. Marktführer im KMU-Segment, aber Pricing ist intransparent und jährliche Erhöhungen sind ein wiederkehrender Kritikpunkt.
Kosten: Custom-Pricing, individuell verhandelt; jährlicher Vertrag, Mindestlaufzeit 12 Monate; berichtete Jahreskosten 3.000–8.000 € für KMU mit mehreren Bankkonten
Stärken
- Automatische Bankanbindung über PSD2 — keine manuelle Datenpflege mehr
- Szenarienplanung (best/worst/base case) auf Knopfdruck
- Deutschsprachiges Onboarding und Support, EU-Datenhaltung
- Integriert sich mit gängigen ERP- und Buchhaltungssystemen (DATEV, Lexware, sevDesk)
Einschränkungen
- Custom-Pricing ohne öffentliche Preisliste — Verhandlung nötig
- Jährliche automatische Preiserhöhungen werden in Capterra-Reviews kritisiert
- Kein günstiger Einsteigertarif für sehr kleine Unternehmen
- Mindestlaufzeit von 12 Monaten — kein monatliches Kündigungsrecht
Passt gut zu
Kurzfazit
Agicap ist die wohl bekannteste Cashflow-Plattform für mittelständische Unternehmen in der EU — französische Wurzeln, deutsche Niederlassung, EU-Hosting und solide PSD2-Bankanbindung. Stark, wenn du mehrere Konten, mehrere Tochtergesellschaften oder eine Gruppe von Buchhaltungssystemen unter einem rollierenden Forecast vereinen willst. Schwach beim Pricing-Modell: Es gibt keine öffentliche Preisliste, der Vertrag bindet zwölf Monate, und die jährlichen Preiserhöhungen sind in Capterra-Reviews ein wiederkehrendes Reizthema. Die KI-Komponente („Agicap AI”) ist real, aber primär eine Augmentation klassischer Forecasting-Logik — kein generativer Assistent, der dir Geschäftsentscheidungen abnimmt.
Für wen ist Agicap?
Mittelständische Unternehmen mit 5–250 Mitarbeitenden: Das Sweet-Spot-Segment. Du hast mehrere Bankkonten, vielleicht eine Tochtergesellschaft, und brauchst einen rollierenden 13-Wochen-Forecast, den du nicht mehr in Excel pflegen willst. Genau dafür ist Agicap gebaut.
Gruppen und Holdings mit mehreren Gesellschaften: Konsolidierte Cashflow-Sicht über mehrere juristische Einheiten ist ein Kernfeature. Wer drei GmbHs unter einem Hut hat, profitiert mehr als ein Single-Entity-Betrieb.
CFOs und Finanzleitungen, die Berichte für Banken und Investoren brauchen: Der Forecast lässt sich als PDF exportieren, Szenarien sind dokumentiert, und das Reporting wirkt professioneller als jede selbstgebaute Excel-Pivot.
Bauunternehmen, Agenturen, Industrieunternehmen mit langen Zahlungszielen: Branchen mit Forderungen, die 30–90 Tage offen stehen, gewinnen am meisten — die Engpasswarnung kommt früher, die Bankgespräche werden vorbereiteter.
Weniger geeignet für: Kleinunternehmen unter 10 Mitarbeitenden (zu teuer im Verhältnis zum Nutzen), Solo-Selbstständige (überdimensioniert — eine Excel reicht), Unternehmen mit nur einem Bankkonto und stabilem Eingang (der Mehrwert ist marginal) und Konzerne ab 500 Mitarbeitenden (dort sind SAP Treasury, Trovata oder Kyriba die richtige Liga).
Preise im Detail
| Tarif / Modell | Preis | Was dabei ist |
|---|---|---|
| Self-Service / Free Trial | nicht öffentlich | 14-Tage-Demo nach Vertriebskontakt |
| Essentials (KMU) | berichtet 3.000–5.000 € / Jahr | 1–3 Bankkonten, Basis-Forecast, ein Nutzer |
| Pro / Growth | berichtet 5.000–8.000 € / Jahr | mehrere Konten, Szenarien, ERP-Anbindung, mehrere Nutzer |
| Enterprise / Group | individuell verhandelt | Konsolidierung mehrerer Gesellschaften, SSO, dedizierter CSM |
Einordnung: Es gibt keine öffentliche Preisliste auf agicap.com — alle Zahlen oben stammen aus Capterra-, OMR- und G2-Reviews sowie Erfahrungsberichten deutscher KMU. Du musst zwingend mit dem Vertrieb sprechen, bekommst eine Demo, dann ein Angebot. Vertragslaufzeit ist standardmäßig zwölf Monate, gekündigt werden muss meist zur Verlängerung. Die häufigste Beschwerde in unabhängigen Reviews: Bei Vertragsverlängerung steigt der Preis um 5–15 %, ohne dass der Funktionsumfang wesentlich gewachsen wäre — verhandeln lohnt sich, idealerweise schon vor der Verlängerung.
Stärken im Detail
Bankanbindung, die wirklich funktioniert. Agicap hat eine eigene PSD2-Lizenz (TPP) und unterstützt zuverlässig deutsche Sparkassen, Volksbanken, HypoVereinsbank, Commerzbank, Deutsche Bank und alle gängigen Geschäftskonten. Das ist nicht selbstverständlich — viele Konkurrenten scheitern an der HBCI/FinTS-Reibung deutscher Genossenschaftsbanken. Wer einmal manuelle Kontoauszug-Importe hinter sich hat, weiß, was diese Stunde pro Woche wert ist.
Szenarienplanung, die der Geschäftsführung gefällt. Du kannst auf Knopfdruck einen Best-, Base- und Worst-Case anlegen — etwa „Was passiert mit unserer Liquidität, wenn unser größter Kunde 60 Tage später zahlt?” Die visuelle Aufbereitung macht solche Diskussionen mit Geschäftsführung oder Bankberater wesentlich konkreter als jede Excel-Tabelle.
Solide deutsche Lokalisierung. UI, Onboarding, Support und Vertragsdokumente sind auf Deutsch. AVV (Auftragsverarbeitungsvertrag) liegt als Standard vor, wird ohne Diskussion unterzeichnet. Das spart in der Einkaufs- und Compliance-Abteilung Wochen — anders als bei manchen US-Konkurrenten, bei denen DSGVO-Themen erst mühsam verhandelt werden müssen.
Integration in DATEV, Lexware und sevDesk. Offene Posten aus der Buchhaltung wandern automatisch in den Forecast. Wer mit einem deutschen Steuerberater arbeitet, der DATEV nutzt, hat hier einen echten Vorteil — der Forecast ist nicht nur „Kontostand minus Plan”, sondern berücksichtigt OP-Listen, Fälligkeiten und Wahrscheinlichkeiten.
Schwächen ehrlich betrachtet
Pricing-Intransparenz ist ein strukturelles Problem. Du weißt nicht, was du bezahlen wirst, bis du eine Demo hinter dir hast. Vergleichbarkeit mit Wettbewerbern wird dadurch künstlich erschwert. Wer ein klar kalkuliertes Tool sucht, ist hier falsch — und wird beim ersten Verhandlungsgespräch oft überrascht, dass der Preis deutlich über den eigenen Erwartungen liegt.
Jährliche Preiserhöhungen ohne Gegenleistung. Capterra- und OMR-Reviews kritisieren wiederholt, dass Bestandskunden bei Vertragsverlängerung 5–15 % Preiserhöhung sehen, ohne dass neue Features dazugekommen wären. Wer nicht aktiv verhandelt, zahlt nach drei Jahren spürbar mehr.
Mindestlaufzeit von zwölf Monaten. Es gibt keinen monatlichen Kündigungstarif. Wer Agicap testen will, geht ein Jahresrisiko ein. Eine 14-Tage-Demo nach Vertriebskontakt ist möglich, ersetzt aber keinen echten Praxistest.
Die KI ist Marketing-stärker als Substanz. „Agicap AI” wird prominent beworben — in der Praxis sind das primär Anomalie-Erkennung in Bankbewegungen, automatische Kategorisierung von Transaktionen und Forecast-Verbesserungen via Pattern-Matching. Solides Handwerk, aber kein generativer KI-Assistent à la Copilot. Wer einen echten LLM-getriebenen Finanz-Assistenten erwartet, der Fragen wie „Warum ist mein DSO im Q1 gestiegen?” beantwortet, wird enttäuscht — das Produkt ist im Kern klassisches Treasury-Software mit ML-Features.
Kein günstiger Einsteigertarif. Wer als kleines Unternehmen mit einem Konto und 5 Mitarbeitenden anfängt, zahlt drauf. Hier sind günstigere Alternativen wie Tidely (deutsche Wurzeln, transparenter im Pricing) oder schlicht eine gepflegte Excel-Vorlage besser geeignet.
Alternativen im Vergleich
| Wenn du … willst | … nimm | Warum |
|---|---|---|
| Deutscher Anbieter, transparenteres Pricing | Tidely | Made in Germany, transparenter im Vertragsmodell, kleinere Zielgruppe |
| Buchhaltung mit Cashflow-Sicht in einem Tool | Lexware Office | Buchhaltungs-Suite mit integriertem Cashflow-Modul, deutlich günstiger |
| Eingangsrechnungen automatisiert verarbeiten | Candis | Spezialisiert auf Rechnungsfreigabe und Buchung — komplementär, kein direkter Wettbewerber |
| Vollständige Buchhaltung statt nur Forecast | sevDesk | Komplette Cloud-Buchhaltung mit Bankanbindung, günstiger Einstiegspreis |
| KI-Buchhaltung mit Belegautomatisierung | Finmatics | Österreichischer Anbieter, KI-getriebene Belegerkennung, eher buchhaltungs- als treasury-fokussiert |
Im internationalen Vergleich bewegen sich Pleo, Spendesk und Qonto im benachbarten, aber anders gelagerten Spend-Management-Segment — sie ersetzen Agicap nicht, sondern ergänzen es. Im Enterprise-Segment sind Trovata, Kyriba und SAP Treasury die ernsthaften Wettbewerber, aber für KMU überdimensioniert.
So steigst du ein
Schritt 1: Termin auf agicap.com buchen — kein Self-Service-Onboarding, der Vertrieb stellt das Tool zunächst in einer Demo vor und erstellt anschließend ein individuelles Angebot. Bereite dich vor: Anzahl Bankkonten, Anzahl Gesellschaften, eingesetzte Buchhaltungssoftware, gewünschte Nutzerzahl. Frag aktiv nach Referenzkunden in deiner Branche und nach der erwarteten jährlichen Preisanpassung — das ist der wichtigste Verhandlungspunkt.
Schritt 2: Nach Vertragsabschluss verbindet ein Onboarding-Manager deine Bankkonten via PSD2 (TPP-Lizenz) und importiert offene Posten aus der Buchhaltung. Das dauert je nach Bankenanzahl und Sauberkeit der Buchhaltungsdaten 1–3 Wochen. Plane Zeit für die Sichtprüfung der Kontensalden und die Kategorisierungsregeln ein — die ersten Forecasts sind nur so gut wie die initiale Datenpflege.
Schritt 3: Erste Forecasts manuell überprüfen, Szenarien anlegen und mit dem Steuerberater oder der Geschäftsführung abstimmen. Etabliere einen monatlichen Rhythmus: Forecast vs. Ist abgleichen, Abweichungen analysieren, Szenarien anpassen. Ohne diese Pflege wird das Tool zur teuren Glaskugel — mit ihr zur belastbaren Entscheidungsgrundlage.
Ein konkretes Beispiel
Ein mittelständisches Bauunternehmen aus Nordrhein-Westfalen (45 Mitarbeitende, 12 Mio. € Umsatz) verbindet seine drei Geschäftskonten (Sparkasse, Volksbank, HypoVereinsbank) sowie die offenen Posten aus der DATEV-Buchhaltung mit Agicap. Der CFO sieht morgens auf einem Dashboard, wie sich der Cashflow über die nächsten 13 Wochen entwickelt — inklusive Engpasswarnung, wenn ein Großkunde um 30 Tage später als üblich zahlt. Eine kritische Liquiditätslücke im Mai wurde sechs Wochen vorher erkannt; das Unternehmen handelte rechtzeitig eine Kontokorrentlinienerweiterung mit der Hausbank aus, statt erst kurzfristig zur Factoring-Alternative greifen zu müssen. Der Jahresvertrag liegt bei rund 6.500 € — gemessen an den vermiedenen Factoring-Gebühren (Faktor 0,8–2 % auf den Forderungsbestand) hat sich das Tool im ersten Jahr amortisiert.
DSGVO & Datenschutz
- Hosting: EU-Rechenzentrum (Frankreich, AWS Europe) — keine Daten verlassen die EU im Regelbetrieb.
- Auftragsverarbeitungsvertrag: Standard-AVV nach Art. 28 DSGVO liegt vor und wird ohne Verhandlung gegengezeichnet.
- PSD2-Lizenz: Agicap verfügt über eine eigene TPP-Lizenz (Third-Party Provider) der französischen Aufsicht ACPR — Bankzugriff erfolgt nicht über umgeschriebene Drittanbieter, sondern direkt reguliert.
- Bankzugang: Read-Only via PSD2 — Agicap kann lesen, aber niemals Überweisungen auslösen oder Daten ändern.
- Datenverarbeitung für KI-Training: Die KI-Modelle werden laut Anbieter ausschließlich auf aggregierten, anonymisierten Daten trainiert; ein Opt-out für Einzelkunden ist nicht prominent dokumentiert — bei sensiblen Mandaten sollte im Vertrag explizit nachgehakt werden.
- TOM-Dokumentation: Auf Anfrage erhältlich, ISO 27001-Zertifizierung vorhanden.
- Empfehlung: Für DACH-Kunden mit normalen Datenschutzanforderungen vollständig nutzbar; für besonders sensible Branchen (Gesundheit, Verteidigung, kritische Infrastruktur) gehört das KI-Trainingsthema vor Vertragsabschluss schriftlich geklärt.
Gut kombiniert mit
DATEV oder Lexware Office für die Buchhaltung: Agicap ist kein Buchhaltungssystem — es konsumiert OP-Listen, erzeugt sie nicht. Die Kombination „DATEV/Lexware bucht, Agicap forecastet” ist die natürliche Arbeitsteilung und der häufigste Einsatzfall im deutschen Mittelstand.
Candis für Eingangsrechnungen: Eingangsrechnungen werden in Candis erfasst, geprüft, freigegeben und an die Buchhaltung übergeben. Von dort fließen sie in Agicap als geplante Ausgänge ein. Der Forecast wird dadurch realistischer, weil auch noch nicht gebuchte, aber bereits genehmigte Rechnungen berücksichtigt werden.
Pleo oder Spendesk für Karten- und Spesenmanagement: Agicap deckt die Liquiditätsplanung ab; die Ausgabensteuerung im Tagesgeschäft (Firmenkarten, Spesen, Lieferantenausgaben) gehört in ein dediziertes Spend-Management-Tool. Die beiden Welten ergänzen sich, ersetzen einander aber nicht.
Unser Testurteil
Agicap bekommt von uns 3 von 5 Sternen. Das Produkt selbst ist solide bis sehr gut — die Bankanbindung funktioniert, die Szenarienplanung ist konkurrenzfähig, die deutsche Lokalisierung ist ehrlich und nicht nur Übersetzungsschicht. Was uns Sterne kostet: das intransparente Pricing-Modell, die zwölfmonatige Mindestlaufzeit ohne echten Testrahmen und die in Reviews dokumentierten jährlichen Preiserhöhungen. Dazu kommt die Marketing-Inflation rund um „Agicap AI” — die KI-Komponente ist real, aber augmentiert ein klassisches Treasury-Tool, sie definiert es nicht neu. Wer einen echten generativen Finanz-Assistenten erwartet, sucht woanders weiter. Wer ein professionelles Cashflow-Tool für ein wachsendes KMU sucht und mit dem Vertragsmodell leben kann, bekommt hier ein Produkt, das im EU-Mittelstand zu Recht Marktführer ist.
Was wir bemerkt haben
- Mai 2026 — „Agicap AI” wird auf der Webseite prominent beworben, ohne dass eine eigene Produktseite (
/de/produkt/agicap-ai/) existiert (404). Die KI-Funktionen sind real, aber als augmentierende Features in das bestehende Forecasting eingebettet — kein eigenständiger Assistent. - 2024 / 2025 — Mehrere unabhängige Reviews auf Capterra, OMR und G2 melden konsistent jährliche Preiserhöhungen von 5–15 % bei Vertragsverlängerung, häufig ohne kommunizierte Mehrleistung. Wer nicht aktiv nachverhandelt, zahlt nach drei Jahren spürbar mehr.
- 2023 — Agicap erweitert das DACH-Vertriebsteam aus München massiv und verschiebt den Fokus stärker auf den deutschen Mittelstand; deutschsprachiger Support seitdem deutlich responsiver als in den frühen Jahren.
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