Spezialisiertes Legal-Time-Tracking und Kanzleiabrechnungssystem für Anwaltskanzleien. Besonders stark bei LEDES-Billing, Trust Accounting und mobilem Zeiterfassen — aber auf den US-Markt ausgerichtet und ohne deutschsprachige Oberfläche.
Kosten: Pro Plan und Legal Plan; Preise auf Anfrage bei TimeSolv; Marktberichte nennen ca. 40–60 USD/Nutzer/Monat; Add-ons: CRM ab 147 USD/Monat für 3 Nutzer, Website ab 149 USD/Monat
Stärken
- LEDES-Billing-Export für institutionelle Mandanten und Versicherungen — Industriestandard in US-Kanzleien
- Trust Accounting mit automatischen Trust Transfers und Hold-Funktionen ohne Zusatzsoftware
- Mobile App für iOS und Android — Zeiten auch unterwegs per Knopfdruck erfassen
- Dedicated Account Manager und Live-Onboarding inklusive — kein Self-Service-Chaos beim Start
- Mandantenportal für transparente Stundennachweise und Online-Zahlungen
- AVV (Auftragsverarbeitungsvertrag) nach DSGVO verfügbar — zumindest ein formaler Compliance-Baustein
Einschränkungen
- Datenspeicherung auf US-Servern — AVV ist vorhanden, aber US-Datentransfer bleibt ein DSGVO-Risiko
- Keine deutschsprachige Benutzeroberfläche, kein deutschsprachiger Support
- RVG-Abrechnung (Rechtsanwaltsvergütungsgesetz) nicht nativ unterstützt — erhebliche Einschränkung für deutsche Kanzleien
- Preise nicht öffentlich ausgewiesen — Angebotsanfrage nötig
- KI-Funktionen bisher marginal — Zeiterfassung ist der Kern, nicht KI-gestützte Dokumentenanalyse
Passt gut zu
Wann ja, wann nein
Wann ja
- Du führst eine US-amerikanische oder international ausgerichtete Kanzlei mit strikten Zeiterfassungsanforderungen
- Du brauchst LEDES-Billing-Format für institutionelle Mandanten oder Versicherungen
- Du willst Trust Accounting und automatische Trust Transfers ohne separates Buchhaltungssystem
- Du suchst ein Legal-Time-Tracking-Tool, das sich in Sekunden starten lässt und mobil nutzbar ist
Wann nein
- Du arbeitest ausschließlich in Deutschland und brauchst RVG-native Abrechnung mit deutschen Rechnungsformaten
- Du benötigst eine deutschsprachige Oberfläche — TimeSolv ist vollständig englischsprachig
- DSGVO-Konformität ohne US-Datentransfer ist Pflicht — der AVV ist vorhanden, aber die Daten liegen auf US-Servern
- Dein Budget ist unter 40 USD pro Person und Monat — dann sind günstigere Zeiterfassungstools ausreichend
Kurzfazit
TimeSolv ist kein KI-Tool im engeren Sinne — es ist ein Legal-Practice-Management-System mit Schwerpunkt auf Zeiterfassung und Abrechnung. Die KI-Integration ist rudimentär: Es gibt keine KI-gestützte Zeiterfassungsvorschläge, keinen KI-Assistenten für Schriftsätze und keine automatische Kategorisierung. Was TimeSolv gut macht: Zuverlässige, mobile Zeiterfassung mit LEDES-Export, Trust Accounting und einem Mandantenportal. Für US-Kanzleien ein bewährtes Werkzeug. Für deutsche Kanzleien ohne internationale Mandate fehlt der Mehrwert: kein Deutsch, kein RVG, US-Datenhaltung.
Für wen ist TimeSolv?
TimeSolv richtet sich an Anwaltskanzleien, die präzise Zeiterfassung und transparente Mandantenabrechnung in den Mittelpunkt stellen. Besonders relevant für Kanzleien mit institutionellen Mandanten (Versicherungen, Banken, Konzerne), die LEDES-Billing-Format verlangen. Für den deutschen Markt ist TimeSolv nur dann interessant, wenn eine Kanzlei international aufgestellt ist, hauptsächlich englischsprachige Mandanten betreut und bereit ist, den DSGVO-Aufwand für US-Hosting zu tragen. Für rein deutsche Kanzleien gibt es passendere Alternativen.
Preise im Detail
TimeSolv bietet zwei Pläne an: Pro und Legal. Der Legal-Plan enthält zusätzlich Conflict Check, LEDES Billing, Trust Accounting — alles Funktionen, die für US-Kanzleien kritisch sind. Konkrete Preise werden nicht öffentlich kommuniziert; Marktberichte nennen typisch 40–60 USD pro Nutzer und Monat. Add-ons kosten extra: CRM/Client-Engagement ab 147 USD/Monat für bis zu 3 Nutzer, Professional Website ab 149 USD/Monat. Volumenpreise bei mehr als 10 Nutzern sind über den Vertrieb verhandelbar. Ein Jahresabonnement ist günstiger als monatliche Abrechnung.
Stärken im Detail
TimeSolvs größte Stärke im US-Markt ist die Vollständigkeit: Von der Zeiterfassung über die Rechnung bis zum Zahlungseingang und dem Trust-Account-Management läuft alles in einem System. Das LEDES-Format (Legal Electronic Data Exchange Standard) ist für US-institutionelle Mandanten Pflicht — TimeSolv liefert es nativ. Die mobile App ist ausgereift: Zeiten lassen sich per Countdown-Timer oder manuell eintragen, auch offline, mit anschließendem Sync. Der zugeordnete Account Manager und das Live-Onboarding reduzieren die Anlaufzeit erheblich.
Schwächen ehrlich betrachtet
Für den deutschen Markt sind die Schwächen gravierend: Das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) mit seinen Gegenstandswert-basierten Gebühren ist in TimeSolv nicht nativ abgebildet. Wer gemischt nach Stundensatz und RVG abrechnet, braucht manuelle Workarounds. Die englischsprachige Oberfläche ist für Kanzleikräfte ohne Englischkenntnisse ein echtes Nutzungsproblem. Und der US-Datentransfer bleibt trotz AVV ein Compliance-Risiko, das mit dem Datenschutzbeauftragten abgestimmt werden muss. KI-Funktionen spielen in der Produktdarstellung keine wesentliche Rolle — TimeSolv bewirbt sich nicht als KI-Tool.
Alternativen im Vergleich
- Clockify — Deutlich günstiger, browserbasiert, auch für Kanzleien nutzbar. Kein Legal-Fokus, kein Trust Accounting, aber für einfache Zeiterfassung ab 0 EUR einsetzbar.
- Clio — Der stärkste US-amerikanische Wettbewerber im Legal-Practice-Management-Bereich. Ähnliche Preisklasse, aber stärker in der US-Kanzleiwelt verankert. Ebenfalls US-Datenhaltung.
- DATEV Anwalt online — Für deutsche Kanzleien die natürliche Alternative: RVG-native, deutschsprachig, DATEV-integriert, Datenhaltung in Deutschland. Kein LEDES, keine internationale Ausrichtung.
So steigst du ein
Schritt 1: Starte mit einer kostenlosen Trial-Anfrage auf timesolv.com. Das Onboarding-Team führt ein Live-Setup-Gespräch durch — bringe Daten zur Kanzleigröße, Abrechnungsmodellen (Stundensatz, Pauschale, LEDES) und genutzter Software (was wird aktuell für Buchhaltung und Abrechnung genutzt?) mit.
Schritt 2: Richte die Mobile App vom ersten Tag an ein und tracke eine Woche lang alle Zeiten — auch kleinste Einheiten (6-Minuten-Blöcke à 0,1 Stunden). Das Ergebnis überrascht die meisten Anwälte: Die tatsächlich erfassten Stunden liegen deutlich über der gefühlten Schätzung.
Schritt 3: Prüfe vor der Kaufentscheidung den DSGVO-Status: Fordere das Data Processing Agreement an, kläre ab, in welchen US-Bundesstaaten die Server stehen, und stimme den Transfer mit deinem Datenschutzbeauftragten ab. Dieser Schritt wird von vielen Kanzleien übersprungen — und führt später zu Problemen.
Ein konkretes Beispiel
Eine auf US-Marktrecht spezialisierte Boutique-Kanzlei in Frankfurt mit drei Partnern und vier Associates betreut überwiegend US-Konzerne mit deutschen Tochtergesellschaften. Die institutionellen Mandanten verlangen LEDES 1998B-Format für alle Rechnungen. Vor TimeSolv: Manuelle Excel-Zeiterfassung, Rechnungskonvertierung in LEDES durch externe Dienstleister — 4 Stunden Verwaltungsaufwand pro Mandat und Monat. Nach TimeSolv: LEDES-Export mit zwei Klicks, Trust-Account-Transfers automatisiert. Zeitersparnis: ca. 20 Stunden/Monat kanzleiweit, Fehlerquote bei Rechnungen auf null gesunken.
DSGVO & Datenschutz
TimeSolv betreibt seine Server in den USA. Ein Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) nach Art. 28 DSGVO ist verfügbar — das ist der formale Mindeststandard. Der Datentransfer in die USA erfordert jedoch zusätzlich Standardvertragsklauseln (SCC) nach Art. 46 DSGVO und gegebenenfalls einen Transfer Impact Assessment (TIA). TimeSolv kommuniziert “bank-grade encryption” und sichere Cloud-Infrastruktur, aber keine spezifische EU-Datenhaltungsoption. Für Kanzleien, die mit sensiblen Mandantendaten arbeiten, ist das ein reales Compliance-Risiko. Empfehlung: DSGVO-Beurteilung vor Vertragsabschluss einholen und prüfen, welche Daten tatsächlich in TimeSolv eingepflegt werden müssen.
Gut kombiniert mit
- Clockify — Als kostengünstiges Backup für einfache Zeiterfassung von Nicht-Anwälten (Assistenz, Praktikanten), während TimeSolv für die gebührenrelevante Anwaltserfassung genutzt wird
- Microsoft 365 Copilot — TimeSolv-Stundenberichte exportieren und mit Copilot in Mandantenreports oder interne Auswertungen umwandeln; Copilot analysiert Muster in der Zeitverteilung
- juris KI — Für die inhaltliche Seite der Kanzleiarbeit: TimeSolv trackt die Zeit, juris KI liefert die Rechercheresultate — zusammen decken sie Zeitmanagement und Fachinformation ab
Unser Testurteil
TimeSolv ist ein solides, spezialisiertes Legal-Time-Tracking-Tool — für seinen Zielmarkt, die US-amerikanische Kanzlei mit Stundensatz-Abrechnung und LEDES-Anforderungen, ist es gut gemacht. Für den deutschen Markt fehlen die entscheidenden Bausteine: RVG-Unterstützung, deutsche Oberfläche und EU-Datenhaltung. Die KI-Komponente ist marginal — wer ein KI-gestütztes Kanzleimanagement sucht, schaut sich bei anderen Produkten um. TimeSolv ist ein zuverlässiges Handwerk-Tool, das seinen Job macht — ohne KI-Versprechen, ohne unnötige Komplexität. 3 von 5 Punkten — stark im US-Kontext, zu viele Einschränkungen für den deutschen Markt.
Was wir bemerkt haben
- 2023/2024 — TimeSolv erweiterte das Angebot um CRM- und Website-Add-ons (ab 147 USD/Monat), was den Einstiegspreis für Kanzleien, die diese Module nutzen wollen, deutlich anhebt. Diese Zusatzmodule sind optional, ändern aber das Preisbild erheblich.
- Laufend — EU-Datenhosting und eine deutschsprachige Oberfläche sind nicht auf der Roadmap kommuniziert worden. Das Tool bleibt klar auf den angloamerikanischen Markt fokussiert.
- Keine wesentlichen Änderungen bei den Kernfunktionen (LEDES-Billing, Trust Accounting) — TimeSolv ist ein stabiles, aber eng spezialisiertes Produkt ohne disruptive Entwicklungsschritte.
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