KI-gestützte Bauablaufplanung
KI erstellt und aktualisiert Bauzeitenpläne unter Berücksichtigung von Ressourcen, historischen Daten und Risiken, statt optimistischer Annahmen unter Zeitdruck.
- Problem
- Bauprojekte überschreiten Zeit- und Budgetrahmen, weil Terminpläne ohne historische Daten, Ressourcenmodelle und Risikobetrachtung erstellt werden.
- KI-Lösung
- KI-Terminplanung nutzt historische Projektdaten, Subunternehmer-Verfügbarkeiten und Monte-Carlo-Simulation für realistische Pläne mit Frühwarnsystem.
- Typischer Nutzen
- Ressourcenkonflikte und Verzüge werden sichtbar, solange sie noch steuerbar sind. Belastbare Zahlen zur Reduktion der Terminüberschreitung gibt es zu diesem Thema nicht.
- Setup-Zeit
- 4–8 Wochen bis produktiver Pilotbetrieb
- Kosteneinschätzung
- Lizenzen ab 26 €/Nutzer/Monat, Enterprise auf Anfrage
Es ist Freitag, 16:00 Uhr.
Markus ist Projektleiter eines Gewerbebaus, 2.400 Quadratmeter, 18 Monate geplante Bauzeit. Er sitzt vor seinem MS-Project-File. Der Rohbau ist drei Wochen hinter Plan, der Beton hat gefroren, Lieferung verspätet, eine Woche Feiertage, die er beim Erstellen des Plans irgendwie nicht gezählt hat. Jetzt läuft er die Abhängigkeiten durch: Innenausbau-Beginn verschiebt sich, der Elektriker hat einen anderen Auftrag dazwischen gepackt, der Maler kann erst rein, wenn der Trockenbau fertig ist.
Er trägt drei Wochen Verschiebung in den Plan ein. Das Enddatum springt auf sechs Wochen nach Termin. Markus schaut auf die Vertragsstrafe: 0,3 Prozent pro Werktag, maximal 5 Prozent. Sein Auftraggeber wird nicht freundlich reagieren.
Was Markus an diesem Tag nicht weiß: Er hätte die Verzögerung in Woche 3 sehen können. Nicht in Woche 14.
Für Unternehmen
Nicht nur lesen, umsetzen.
Wir setzen Anwendungsfälle wie diesen mit euch um oder trainieren euer Team darauf. Das Erstgespräch kostet nichts.
Das echte Ausmaß des Problems
Die bekannteste Zahl zu diesem Thema stammt vom McKinsey Global Institute: Große Bauprojekte brauchen weltweit im Schnitt rund 20 Prozent länger als geplant („Reinventing Construction: A Route to Higher Productivity”, 2017). Zwei Einschränkungen gehören dazu, und sie werden fast immer weggelassen. Die Zahl ist neun Jahre alt, und sie beschreibt große Projekte weltweit, nicht den deutschen Mittelstand. Eine vergleichbare Erhebung für mittelständische Gewerbebauten in Deutschland haben wir nicht gefunden. Nimm die 20 Prozent deshalb als Größenordnung, nicht als Benchmark für dein Portfolio, und stell ihr die einzige Zahl gegenüber, die wirklich zählt: Wie weit lagen deine letzten fünf Projekte daneben?
Die Ursachen sind meist keine dramatischen Einzelereignisse, es ist das kumulative Versagen kleiner Pufferreserven über Hunderte von Abhängigkeiten hinweg.
Das Problem beginnt beim Plan selbst. Bauablaufpläne werden oft unter Zeitdruck erstellt, mit optimistischen Annahmen, ohne systematische Risikobetrachtung, ohne Auswertung historischer Projektdaten. Der Rohbau läuft drei Wochen über, der Innenausbau beginnt drei Wochen zu spät, die Gewerke stauen sich, die Abnahme verzögert sich, und die Vertragsstrafe greift. Die Rechtsgrundlage dafür ist § 11 VOB/B, Vertragsstrafe, nicht § 5. § 5 VOB/B regelt die Ausführungsfristen, also wann gebaut werden muss, § 11 regelt, was eine Verspätung kostet.
Ein weiteres Problem: Ressourcen werden in der Terminplanung oft nicht berücksichtigt. Dass dieselbe Subunternehmer-Kolonne, die in Woche 14 Estrich legen soll, gleichzeitig auf zwei anderen Baustellen gebunden ist, das steht nicht im Plan. Erst wenn der Koordinationsanruf kommt, ist die Situation klar. KI-gestützte Terminplanung bringt diese Risiken früher ans Licht.
Mit vs. ohne KI, ein ehrlicher Vergleich
| Kennzahl | Plan in MS Project oder Excel | Plan mit Daten, Simulation und Monitoring |
|---|---|---|
| Woher die Gewerk-Dauern kommen | Erfahrung und Bauchgefühl der planenden Person | Soll-Ist-Auswertung abgeschlossener eigener Projekte |
| Ressourcenkonflikte | Fallen beim Koordinationsanruf auf | Fallen beim Erstellen des Plans auf, weil Kapazitäten hinterlegt sind |
| Ergebnis der Planung | Ein Enddatum | Eine Wahrscheinlichkeitsverteilung, etwa „80 Prozent zwischen Woche 72 und 78” |
| Reaktion auf Ist-Meldungen | Manuelles Durchklicken der Abhängigkeiten | Auswirkung auf den kritischen Pfad wird sofort durchgerechnet |
| Vertragsstrafen-Risiko | Im Kopf des Projektleiters | Als Szenario beziffert, vor der Angebotsabgabe |
Was hier steht, sind Funktionsunterschiede, keine Ergebnisversprechen. Zahlen zur Reduktion der Terminüberschreitung nennen wir nicht: Wir haben keine unabhängige Untersuchung gefunden, die Termintreue mit und ohne solche Werkzeuge gemessen hätte, und eigene Projektzahlen haben wir nicht.
Einschätzung auf einen Blick
Zeitersparnis, mittel (3/5) KI-Terminplanung spart beim Erstellen von Plänen und beim Monitoring-Reporting Zeit, aber der eigentliche Aufwand (Fortschritt erfassen, Subunternehmer koordinieren, Frühwarnungen aufarbeiten) bleibt. Das ist kein Tool, das Arbeit abnimmt, sondern eines, das sie besser strukturiert. Der direkte Stunden-Effekt ist kleiner als bei Massenermittlung oder LV-Erstellung.
Kosteneinsparung, hoch (4/5) Der finanzielle Hebel ist erheblich, weil die Vertragsstrafe nach § 11 VOB/B direkt am Verzug hängt. Eine verbreitete Klausel lautet 0,3 Prozent der Auftragssumme je Werktag, gedeckelt bei 5 Prozent. Bei einem 2-Millionen-Euro-Projekt und drei Wochen Verzug, also 15 Werktagen, sind das 90.000 Euro und damit fast schon der Deckel von 100.000 Euro. Dazu kommen Zusatzkosten für gestörte Baustellen, Winterbaumaßnahmen und Subunternehmer-Zeitverluste. Um wie viele Prozentpunkte bessere Planung die Überschreitung senkt, wissen wir nicht. Dass die Größenordnung des Risikos jede Lizenzgebühr überschreitet, steht außer Frage. Prüf im Übrigen deine konkrete Klausel: Höhe und Deckel sind verhandelbar und werden von Gerichten regelmäßig auf Wirksamkeit geprüft.
Schnelle Umsetzung, niedrig (2/5) Um echte Vorteile zu erzielen, braucht KI-Terminplanung historische Projektdaten. Ohne diese Daten ist das System nur so gut wie MS Project mit mehr Optionen. Die Datenbeschaffung und -aufbereitung, Soll-Ist-Vergleiche aus abgeschlossenen Projekten, Subunternehmer-Kapazitätsprofile, Gewerk-Dauern nach Projekttyp, dauert typisch vier bis acht Wochen, bevor der erste produktive Plan sinnvoll erstellt werden kann.
ROI-Sicherheit, niedrig (2/5) Das ist die größte Unsicherheit: Hat das Tool die Verzögerung verhindert, oder waren es gute Wetterbedingungen und zuverlässige Subunternehmer? Der Kausalzusammenhang ist schwer zu isolieren. Im Gegensatz zur Massenermittlung (direkt zählbar) oder BIM-Kollisionsprüfung (Fehler vor/nach Implementierung messbar) ist der Planungseffekt diffus. Ein konservatives ROI-Bild ist realistischer als ein optimistisches.
Skalierbarkeit, niedrig (2/5) Jedes neue Projekt braucht eigenen Daten-Input: Subunternehmer-Verfügbarkeiten, projektspezifische Abhängigkeiten, Materiallieferzeiten. Das ist kein Tool, das man einmal aufsetzt und dann skaliert. Pro Projekt entsteht Setup-Aufwand. Büros mit sehr ähnlichem Projekttyp-Portfolio (z. B. immer Wohnungsbau, ähnliche Größen) profitieren von Vorlagen, alle anderen haben pro Projekt ähnlich hohen Aufwand.
Richtwerte, stark abhängig von Datenverfügbarkeit, Projekttyp und Monitoring-Konsequenz.
Was das System konkret macht
KI-Terminplanung arbeitet auf drei Ebenen: realistischen Plan erstellen, kontinuierliches Monitoring während der Bauausführung, Frühwarnung bei drohenden Verzögerungen.
Schritt 1, Historische Projektdaten als Basisdaten nutzen Das System wird mit abgeschlossenen Projekten gefüttert: Wie lange hat der Rohbau gedauert, aufgeschlüsselt nach Projekttyp und Größe? Welche Gewerke wurden regelmäßig überschritten? Welche Risiken haben zu Verzögerungen geführt? Diese Daten erzeugen realistische Dauer-Benchmarks als Ausgangspunkt für neue Pläne.
Schritt 2, Ressourcenverfügbarkeit und Wetterrisiken integrieren Statt nur Gewerke-Abhängigkeiten zu modellieren, berücksichtigt das System: Welche Subunternehmer sind für welche Perioden reserviert? Welche Lieferzeiten haben kritische Materialien? Welche Wetterperioden (Frost, Hitze) schränken Außenarbeiten ein? Diese Parameter fließen in den Plan und erzeugen realistische Terminpuffer, nicht aus dem Bauch, sondern aus Daten.
Schritt 3, Monte-Carlo-Simulation für Risikoabschätzung Das System simuliert Tausende mögliche Verläufe des Projekts unter verschiedenen Risikoszenarien: Was passiert, wenn der Rohbau 2 Wochen zu spät fertig wird? Welche Gewerke sind im kritischen Pfad? Das Ergebnis ist eine Wahrscheinlichkeitsverteilung: „Mit 80 %-Wahrscheinlichkeit endet das Projekt zwischen Woche 72 und 78.” Das ist keine einzelne Terminzahl, das ist ehrliche Risikoplanung.
Schritt 4, Monitoring und Frühwarnung Während der Ausführung wird der Ist-Fortschritt regelmäßig eingepflegt. Wenn der Rohbau drei Tage hinter Plan liegt, berechnet das System sofort, welche Auswirkungen das auf alle nachgelagerten Gewerke hat und welche Entscheidungen jetzt nötig sind. Frühwarnung statt Überraschung.
Konkrete Werkzeuge, was wann passt
Microsoft Project , das in Deutschland meistgenutzte Terminplanungswerkzeug. Hier sind drei Dinge auseinanderzuhalten, die oft in einen Preis geworfen werden: Project ist eine eigene Lizenz und nicht Teil von Microsoft 365 Business Premium. Der Microsoft-Listenpreis für „Planner and Project Plan 3” liegt bei rund 26 Euro je Nutzer und Monat im Jahresabo, Plan 5 bei rund 48 Euro, die Einmallizenzen Project Standard und Professional 2024 bei 929 beziehungsweise 1.659 Euro. Microsoft 365 Copilot ist noch einmal ein separates Add-on mit eigenem Preis. Und die Copilot-Funktionen für Projektarbeit stecken im neuen Planner, nicht in der klassischen Project-Desktop-Anwendung. Rechne also mit zwei Positionen, nicht mit einer, und prüfe vor dem Kauf im eigenen Mandanten, ob Copilot dort ankommt, wo du planst. Microsoft baut die Project- und Planner-Reihe laufend um.
Primavera P6 (Oracle), der Standard für komplexe Großbauprojekte und Infrastruktur. Sehr mächtig, sehr komplex. Oracle veröffentlicht keine Listenpreise, alle Editionen laufen über den Vertrieb. Für mittelständische Bauunternehmen häufig überdimensioniert.
PlanRadar hat mit dem Bauzeitenplan ein Gantt-Modul, das Ist-Meldungen von der Baustelle in Echtzeit aufnimmt. Das ist die Stärke: Der Plan und die Baustellendokumentation liegen im selben System, der Fortschritt muss nicht abgetippt werden. Was PlanRadar auf seinen Funktionsseiten nicht ausweist, ist eine Ressourcenverwaltung mit Subunternehmer-Kapazitäten, und eine Monte-Carlo-Simulation schon gar nicht. Die Preise gelten je Nutzer und Monat: Basic 26 Euro für genau einen Nutzer, Starter 89 Euro und Pro 129 Euro für bis zu zehn Nutzer, Enterprise auf Anfrage, 30 Tage Test (geprüft am 18.09.2026).
Procore , integrierte Baumanagement-Plattform mit Terminplanungsmodul. Procore nennt keine Listenpreise, die Lizenz wird jährlich nach dem Jahres-Bauvolumen bemessen, dafür sind unbegrenzt Nutzer enthalten. Eine Monatsangabe wäre hier geraten. Zweiter Punkt vor jeder Entscheidung: Procore hostet in den USA und bietet keinen EU-Hosting-Pfad an, bei öffentlichen Auftraggebern ist das oft ein Ausschlusskriterium.
Und die Monte-Carlo-Simulation? Die beschreibt diese Seite weiter oben als eigene Ausbaustufe, und das ist sie auch: Keines der hier genannten Bauwerkzeuge bringt sie im Standardpaket mit. Sie kommt entweder aus einer Risikoerweiterung im Primavera- oder Enterprise-Umfeld oder aus einer eigenen Auswertung. Wer sie braucht, muss gezielt danach fragen und bekommt einen Preis auf Anfrage.
ChatGPT , Für das schnelle Erstellen von Terminplan-Entwürfen auf Basis von Leistungsbeschreibungen. Kein echtes Planungstool, aber nützlich, um schnell eine Grundstruktur zu generieren, die dann in MS Project weiterbearbeitet wird.
Claude , Für die Analyse von Bauzeitenplänen in PDF oder Excel: Wo sind kritische Pfade? Welche Puffer sind unrealistisch? Als Reviewing-Tool für fertige Pläne, nicht als Planungssystem.
Wann welcher Ansatz:
- MS Project bereits im Einsatz → beim eigenen Microsoft-Vertrag prüfen, was Copilot dort kostet und wo er wirkt
- Plan und Baustellendokumentation in einem System, EU-Hosting nötig → PlanRadar
- Unbegrenzte Nutzer je Projekt wichtiger als EU-Hosting → Procore, Angebot einholen
- Komplexe Großprojekte, Infrastruktur → Primavera P6, Preis auf Anfrage
- Schneller Plan-Entwurf als Ausgangspunkt → ChatGPT, dann im Werkzeug weiterbearbeiten
Datenschutz und Datenhaltung
Terminplanungs-Tools verarbeiten Projektdaten und Subunternehmer-Informationen, in der Regel keine personenbezogenen Daten im sensiblen Sinne. Ausnahme: Wenn Kapazitätsprofile von namentlichen Mitarbeitenden oder Subunternehmer-Ansprechpartner:innen gespeichert werden, greift die DSGVO.
PlanRadar ist ein europäischer Anbieter und verarbeitet seine KI-Funktionen nach eigenen Angaben in der AWS-Region Frankfurt. Procore bietet keinen EU-Hosting-Pfad an, die Server stehen in den USA. Für öffentliche Bauprojekte mit Geheimhaltungsanforderungen ist das häufig ein Ausschlusskriterium, prüfe vorab, ob cloudbasierte Terminplanung mit den Vergabebedingungen überhaupt vereinbar ist.
Was es kostet, realistisch gerechnet
Einstieg (Chatmodell als Plan-Review):
- Kosten: rund 20 bis 30 Euro im Monat je Person
- Nutzen: Ein fertiger Plan wird gegengelesen, zu knappe Dauern und riskante Abhängigkeiten werden benannt
- Einschränkungen: kein Monitoring, keine Ressourcen, keine Simulation, kein Datei-Format
Terminplanung im Werkzeug (Microsoft Project):
- Kosten: rund 26 Euro je Nutzer und Monat für Planner and Project Plan 3, Plan 5 rund 48 Euro, Einmallizenzen 929 oder 1.659 Euro
- Microsoft 365 Copilot kommt als separates Add-on obendrauf, nicht im Preis enthalten
- Einschränkungen: keine Monte-Carlo-Simulation, keine automatische Subunternehmer-Ressourcenverfolgung
Plan plus Baustellendokumentation (PlanRadar):
- Kosten: 89 Euro (Starter) oder 129 Euro (Pro) je Nutzer und Monat, bis zehn Nutzer je Paket
- Beispiel: vier Projektleiter im Starter-Paket sind 356 Euro im Monat, nicht 89
- Einrichtungsaufwand: 4–8 Wochen für Vorlagen, Datenbasis und Team-Schulung
Die Rechnung, andersherum aufgezogen. Eine belegte Verbesserung der Termintreue gibt es nicht, deshalb taugt keine Einsparungsrechnung. Was taugt, ist ein Risikovergleich. Vier Lizenzen zu 89 Euro kosten rund 4.300 Euro im Jahr. Eine einzige Vertragsstrafe von drei Wochen auf einem 2-Millionen-Projekt kostet bei der üblichen Klausel 90.000 Euro. Das Verhältnis ist rund 1 zu 20, und dafür muss das Werkzeug nicht jedes Projekt retten, sondern über mehrere Jahre einen einzigen Verzug früh genug sichtbar machen. Ob es das tut, hängt nicht an der Software, sondern daran, ob jemand auf die Frühwarnung reagiert. Genau deshalb steht die ROI-Sicherheit auf dieser Seite bei 2 von 5.
Klingt das nach eurem Alltag? Ob sich dieser Use Case bei euch rechnet, klären wir im Erstgespräch: 30 Minuten, kostenlos.
Erstgespräch anfragenDrei typische Einstiegsfehler
1. Ohne historische Daten starten und trotzdem Wunder erwarten. Ein KI-Terminplanungs-Tool ohne eigene Projekthistorie liefert generische Benchmarks, nicht die spezifischen Gewerk-Dauern deines Unternehmens, deiner Region, deiner Subunternehmer. Das ist besser als nichts, aber der echte Vorteil entsteht erst nach drei bis sechs abgeschlossenen Projekten, bei denen Soll-Ist-Daten erfasst wurden.
2. Zu viel Plan, zu wenig Monitoring. Ein 800-Zeilen-MS-Project-Plan, der in Woche 1 fertiggestellt wird und nie wieder angefasst wird, ist eine Illusion von Kontrolle. KI-Terminplanung schafft Wert nur, wenn der Ist-Fortschritt mindestens wöchentlich eingepflegt wird. Das ist Disziplin, kein Feature.
3. Frühwarnungen ignorieren. Das System zeigt Woche 5 an: „Rohbau 3 Tage hinter Plan, kritischer Pfad tangiert.” Wenn die Reaktion darauf ist „Wir holen das noch auf”, hat das Tool seinen Wert nicht geliefert. Frühwarnungen müssen zu Entscheidungen führen, Subunternehmer-Gespräch, Ressourcenverstärkung, Termin-Eskalation. Ohne Entscheidungskultur ist das Frühwarnsystem wertlos.
Was mit der Einführung wirklich passiert, und was nicht
Die häufigste Erwartung: KI übernimmt die Terminplanung und Projekt-Manager werden zu Überwachern. Was wirklich passiert: Die ersten zwei Projekte brauchen mehr Zeit für das Tool als ohne, weil Daten erfasst, Vorlagen erstellt und Prozesse neu definiert werden müssen. Das ist unvermeidlich.
Was sich nach drei bis sechs Projekten ändert: Das Tool kennt deine typischen Gewerk-Dauern, deine Risikoprofile, deine Subunternehmer-Kapazitäten. Dann werden neue Pläne schneller und realistischer. Der Frühwarneffekt ist erst dann verlässlich, wenn ausreichend Vergleichsdaten vorhanden sind.
Was nicht passiert: Das System löst keine Koordinationsprobleme mit Subunternehmern. Es zeigt sie früher, aber die Lösung erfordert nach wie vor persönliche Kommunikation, Kompromissbereitschaft und manchmal auch einfach Glück.
Realistischer Zeitplan mit Risikohinweisen
| Phase | Dauer | Was passiert | Typisches Risiko |
|---|---|---|---|
| Tool-Auswahl und Pilotprojekt definieren | Woche 1–2 | Welches Tool passt? Ein Projekt als Piloten auswählen | Tool zu mächtig für Pilotprojekt, mit einem mittleren Projekt starten |
| Historische Daten aufbereiten | Woche 2–4 | Abgeschlossene Projekte analysieren: Soll vs. Ist pro Gewerk | Keine historischen Daten verfügbar, rückwirkende Schätzungen erheben |
| Pilotplan erstellen | Woche 3–6 | Neues Projekt mit KI-Unterstützung planen, Ressourcen explizit einplanen | Plan zu detailliert, 500 Zeilen sind nicht besser als 100, wenn Daten fehlen |
| Monitoring einführen | Bau-Monat 1–3 | Ist-Fortschritt wöchentlich erfassen, Frühwarnungen ernst nehmen | Monitoring findet statt, aber Entscheidungen werden nicht getroffen |
| Auf alle Projekte ausweiten | Ab Monat 4 | Template und Workflow auf alle neuen Projekte übertragen | Jedes Projekt wird individuell geplant, kein Lerneffekt aus historischen Daten |
Häufige Einwände, und was dahintersteckt
„Unsere Bauprojekte sind alle individuell, Benchmarks aus der Vergangenheit passen nicht.” Jedes Projekt ist individuell, aber die Gewerke sind es nicht. Rohbau dauert bei vergleichbarer Kubatur immer ähnlich lang, mit ähnlichen Risiken. Was KI-Terminplanung leistet, ist nicht das Erstellen eines perfekten Standardplans, sondern das Aufzeigen, wo der aktuelle Plan von realistischen Erfahrungswerten abweicht und warum das ein Risiko ist.
„Wir haben MS Project, das reicht doch.” MS Project ist ein gutes Werkzeug für die Darstellung eines Plans, aber kein Werkzeug für Risikoanalyse und automatisches Monitoring. Wenn du MS Project nutzt, aber die Ist-Daten nicht systematisch einpflegst, Ressourcen nicht modellierst und keine Frühwarnungen definiert hast, ist es ein schönes Gantt-Diagramm, aber kein aktives Steuerungsinstrument.
Woran du merkst, dass das zu dir passt
- Deine Projekte überschreiten regelmäßig den Zeitrahmen um mehr als 10 %, und du weißt meistens erst spät davon
- Du führst gleichzeitig vier oder mehr Projekte, bei denen sich Subunternehmer und Ressourcen überschneiden
- Vertragsstrafen sind für dich ein bekanntes Risiko, du hast sie schon bezahlt oder siehst sie auf dich zukommen
- Historische Projektdaten existieren, du hast abgeschlossene Projekte, für die Soll-Ist-Vergleiche möglich sind
Wer es (noch) nicht tun sollte: Unternehmen ohne historische Projektdaten und mit weniger als drei parallelen Projekten haben kaum ausreichend Volumen für den Einführungsaufwand. Auch wenn der erste Instinkt ist, das Tool einzukaufen und dann die Daten aufzubauen: Starte lieber damit, Daten zu erfassen und nach sechs bis zwölf Monaten den Tool-Einsatz zu prüfen. KI ohne Daten ist teuer und liefert generische Ergebnisse.
Das kannst du heute noch tun
Nimm deinen letzten abgeschlossenen Terminplan und öffne ihn in MS Project oder Excel. Trag die tatsächlichen Enddaten der wichtigsten fünf Gewerke ein. Dann vergleiche: Welche Gewerke haben systematisch länger gedauert als geplant? Diese Abweichung ist dein erster Daten-Schatz, und der Ausgangspunkt für realistische Benchmark-Werte.
Für eine schnelle erste Risikoanalyse eines neuen Plans nutze diesen Prompt:
Mitarbeiter:in
KI-Assistent
Quellen & Methodik
- 20 Prozent Terminüberschreitung: McKinsey Global Institute, „Reinventing Construction: A Route to Higher Productivity” (Februar 2017). Die Zahl gilt für große Projekte weltweit, nicht für den deutschen Mittelstand, und sie ist von 2017. Eine vergleichbare aktuelle Erhebung für deutsche Gewerbebauten haben wir nicht gefunden.
- Vertragsstrafe: § 11 VOB/B, Vertragsstrafe. § 5 VOB/B regelt die Ausführungsfristen, nicht die Strafe. Höhe und Deckel einer Vertragsstrafenklausel sind vertraglich vereinbart und gerichtlich überprüfbar, die genannten 0,3 Prozent je Werktag und 5 Prozent Obergrenze sind eine verbreitete Klausel, keine gesetzliche Vorgabe.
- PlanRadar, Preise und Funktionsumfang: Basic 26 €, Starter 89 €, Pro 129 €, jeweils „Monatlicher Preis per Nutzer”, 30 Tage Test; Bauzeitenplan als Gantt-Modul ausgewiesen, Ressourcenverwaltung nicht (planradar.com/de/preise und planradar.com/de/funktionen, abgerufen am 18.09.2026).
- Microsoft Project, Preise: Planner and Project Plan 3 ab 26,00 EUR je Nutzer und Monat, Plan 5 ab 47,70 EUR, Project Standard 2024 929 EUR, Project Professional 2024 1.659 EUR einmalig; Microsoft 365 Copilot ist ein separates Add-on. Siehe unser Profil unter /tools/ms-project/.
- Procore, Preise und Hosting: keine Listenpreise, Lizenz jährlich nach Jahres-Bauvolumen, unbegrenzte Nutzer, Server in den USA ohne EU-Hosting-Pfad. Siehe /tools/procore/.
- Primavera P6, Preise: Oracle veröffentlicht für keine Edition Listenpreise, alle laufen über den Vertrieb. Siehe /tools/primavera-p6/.
- Nicht belegbar und deshalb nicht auf dieser Seite: eine Reduktion der Terminüberschreitung von 15–25 auf 7–12 Prozent, ein Vorlauf der Frühwarnung in Wochen und eine Halbierung des Planungsaufwands. Zu keinem dieser Punkte haben wir eine unabhängige Untersuchung gefunden. Eigene Projektzahlen aus KI-Terminplanungen haben wir nicht.
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