Simcenter STAR-CCM+
Siemens Digital Industries Software
Redaktionelle Einschätzung auf Basis öffentlich zugänglicher Quellen (Anbieterangaben, Preislisten, unabhängige Bewertungsplattformen), kein Hands-on-Produkttest, sofern nicht ausdrücklich anders angegeben. Die Sternebewertung ist eine Meinung der Redaktion.
Tool öffnenSimcenter STAR-CCM+ ist der kommerzielle CFD-Solver der Enterprise-Klasse von Siemens Digital Industries Software, Industriestandard im Marine-, Automotive- und Aerospace-Bereich. Es ist Desktop-/HPC-Software, die auf der eigenen Hardware oder dem eigenen Cluster läuft. Seit 2025/26 baut Siemens KI-beschleunigte CFD aus: Mit Release 2602 (Februar 2026) liefert Simcenter Physics AI über Neural Operators (FNO, DeepONet) Vorhersagen in Sekunden statt stundenlanger RANS-Läufe. Kerneinsatz bleibt die robuste Mehrphasen-Simulation (freie Oberfläche, Kavitation, FSI) mit Java-Makro-Automatisierung und PLM-Anbindung an NX und Teamcenter.
Kosten: Kommerzielle Lizenz ausschließlich auf Anfrage, Siemens veröffentlicht keine Listenpreise. Branchenüblich sind fünfstellige Jahresbeträge. Flexible Lizenzmodelle inklusive verbrauchsbasierter Optionen und vergünstigter akademischer Lizenzen.
Kategorien
Stärken
- Industriestandard für komplexe Mehrphasenströmungen, freie Oberfläche, Kavitation, FSI, DEM, reagierende Strömungen
- Simcenter Physics AI (Release 2602, Feb 2026): Neural Operators (FNO, DeepONet) liefern Vorhersagen in Sekunden statt Stunden
- SHERPA-Optimierung und Intelligent Design Exploration für automatisierte DOE-Kampagnen
- Java-Makro-API ermöglicht vollständig automatisierte Simulationskampagnen durchgängig von Anfang bis Ende
- GPU- und CPU-Solver (auch ARM); optionale Simcenter Cloud HPC bucht Rechenleistung ohne eigenes Rechenzentrum zu
- PLM-Integration mit Siemens NX und Teamcenter sowie Kopplung an Parametrik-Werkzeuge wie CAESES
Einschränkungen
- Lizenzkosten im fünfstelligen Bereich pro Jahr, für kleine Werften und Ingenieurbüros oft zu teuer
- Steile Lernkurve für fortgeschrittene Modelle (DFBI, VOF, Verbrennung, Aeroakustik)
- AI-Features sind noch jung und ergänzen den Solver, ersetzen ihn nicht, Trainingsdaten müssen weiterhin per klassischer CFD erzeugt werden
- Kein Open-Source-Kern, volle Abhängigkeit von Siemens-Lizenzen und Support-Vertrag
- Verbrauchsbasierte Abrechnung kann bei großen Kampagnen schwer kalkulierbar werden
Passt gut zu
Kurzfazit
Simcenter STAR-CCM+ ist einer der stärksten kommerziellen CFD-Solver am Markt, die Referenz für komplexe Mehrphasenströmungen, vom Schiffskörper im freien Fahrtversuch bis zum thermischen Management einer Batterie. Für ein KI-Resource interessant macht ihn die seit 2025/26 ausgebaute AI-Accelerated CFD: Neural-Operator-Modelle und ML-Surrogate liefern Vorhersagen in Sekunden, wo ein voller RANS-Lauf Stunden braucht. Das ist kein nachträglich aufgesetztes Buzzword, sondern ein produktiver Hebel für Design-Exploration und Optimierung. Die Kehrseite: STAR-CCM+ ist Enterprise-Software mit Enterprise-Preisen, einer steilen Lernkurve und voller Bindung an Siemens-Lizenzen. Wer die nötige Infrastruktur, das Budget und ein CFD-Team hat, bekommt eines der besten Werkzeuge seiner Klasse, die KI-Schicht ist hier ein Beschleuniger der klassischen Simulation, kein Ersatz.
Für wen ist Simcenter STAR-CCM+?
Schiffbau und maritime Forschung: STAR-CCM+ ist im Schiffbau der De-facto-Standard für vollständige RANS-Simulationen von Schiffskörpern mit freier Oberfläche, Propulsion und Manövrieren. Werften, Schleppversuchsanstalten und Forschungsinstitute nutzen ihn, um Widerstand, Propeller-Rumpf-Wechselwirkung und Seegangsverhalten vorherzusagen, bevor ein Modell ins Becken kommt.
Automotive und Powertrain: Für aerodynamische Außenströmung, Kühlung, thermisches Batterie- und Powertrain-Management und Verbrennung gehört STAR-CCM+ zur ersten Wahl bei OEMs und Zulieferern. Die GPU-Beschleunigung und Cloud-HPC machen große Studienkampagnen praktikabel.
Aerospace und Maschinenbau: Aeroakustik, Vereisung, FSI, Turbomaschinen, überall, wo mehrere physikalische Effekte gleichzeitig wirken, spielt STAR-CCM+ seine Multiphysik-Stärke aus. Die SPH-Methode (meshless) erweitert das Spektrum auf Anwendungen mit stark verformter freier Oberfläche (z. B. Tankschwappen).
Teams mit Design-Exploration und ML-Ambitionen: Wer parametrische Studien automatisiert und daraus Surrogatmodelle bauen will, findet mit Java-Makros, SHERPA-Optimierung und der neuen AI-Prediction-Schicht eine durchgängige Pipeline, von der Geometrievariation bis zum trainierten Vorhersagemodell.
Weniger geeignet für: Kleine Ingenieurbüros und Studierende mit knappem Budget (die Lizenzkosten sind hoch, OpenFOAM ist hier oft realistischer), Teams ohne HPC-Zugang oder CFD-Erfahrung, und alle, die eine reine KI-Surrogat-Lösung ohne eigenen Solver-Unterbau suchen, dafür ist Neural Concept das passendere Werkzeug.
Preise im Detail
| Lizenzmodell | Preis | Was du bekommst |
|---|---|---|
| Jahreslizenz | auf Anfrage | Dauerhafte Nutzung, Pre-/Solving/Post in einer Oberfläche, Physik-Module und Parallelität je nach Vertrag |
| Verbrauchsbasiert | auf Anfrage | Token-/Stundenmodell ohne Jahresvertrag, um Einstieg und Lastspitzen abzufedern |
| Simcenter Cloud HPC | auf Anfrage | Zugebuchte Rechenleistung ohne eigenes Rechenzentrum |
| Akademisch | vergünstigt | Lehre und Forschung an Hochschulen und Instituten |
Einordnung: Siemens veröffentlicht keine offenen Listenpreise, jede Lizenz läuft über den Vertrieb. Das ist keine Schätzlücke unsererseits, sondern die Realität: Die Produktseite verweist ausschließlich auf „Contact us for sales and pricing information”. Wir nennen deshalb bewusst keine konkreten Eurobeträge, jede kursierende Zahl wäre geraten. Klar ist nur die Größenordnung: Für vollwertige kommerzielle CFD-Software dieser Klasse sind branchenüblich fünfstellige Jahresbeträge zu erwarten. Siemens bewirbt flexible Lizenzierung, das umfasst neben der klassischen Jahreslizenz auch verbrauchsbasierte Modelle für den Einstieg ohne Jahresbindung, etwa für Werften, die nur projektweise simulieren. Wer regelmäßig große Kampagnen fährt, ist mit Jahreslizenz und eigenem Cluster meist günstiger unterwegs. Akademische Lizenzen senken die Hürde für Forschung und Lehre. Für belastbare Zahlen führt kein Weg am Vertriebsgespräch vorbei.
Stärken im Detail
Multiphysik in einer Umgebung. STAR-CCM+ vereint Geometrieaufbereitung, automatische Vernetzung (polyedrisch, hexaedrisch, tetraedrisch), Solver und Postprocessing in einer einzigen Oberfläche. Single- und Multiphasenströmung, Wärmeübertragung, reagierende Strömungen, Fluid-Struktur-Interaktion, Aeroakustik, DEM-Partikeldynamik und die meshless SPH-Methode laufen im selben Modell, das erspart das fehleranfällige Hin- und Herexportieren zwischen Spezialwerkzeugen.
AI-Accelerated CFD ist die eigentliche Neuerung. Mit Release 2602 (Februar 2026) hat Siemens „Deliver instant predictions with AI” als sichtbares Top-Feature eingeführt, gebündelt unter dem Namen Simcenter Physics AI. Dahinter stehen Neural-Operator-Ansätze: Siemens nennt explizit Fourier Neural Operators (FNO) und Deep Operator Networks (DeepONet), die ganze Lösungsfelder statt einzelner Skalare vorhersagen und so auf neue Geometrien oder Randbedingungen generalisieren. Aus vorhandenen CFD-Ergebnissen lässt sich direkt im Design Manager ein Surrogat- oder ROM-Modell trainieren, das neue Designpunkte in Sekunden statt Stunden bewertet. Für Design-Exploration, Echtzeit-Was-wäre-wenn-Studien und digitale Zwillinge ist das ein Produktivitätssprung, vorausgesetzt, man hat genug Trainingsdaten erzeugt. Der Solver bleibt die Wahrheitsquelle, die KI ist der Beschleuniger.
Automatisierung über Java-Makros. Praktisch jeder Schritt, Geometrie-Update, Vernetzung, Solver-Lauf, Ergebnis-Export, lässt sich per Java skripten. Das ist die Grundlage jeder DOE-Kampagne und jeder Surrogat-Trainingsdatenerzeugung. Wer 200 Rumpfvarianten vollautomatisch durchrechnen will, baut sich genau diese Pipeline.
SHERPA und Intelligent Design Exploration. Der SHERPA-Algorithmus (aus der HEEDS-Familie) kombiniert mehrere Optimierungsstrategien adaptiv und findet auch in komplexen Entwurfsräumen brauchbare Optima, ohne dass man die Methode von Hand abstimmt. Zusammen mit adjoint-basierter Topologieoptimierung deckt STAR-CCM+ den ganzen Bogen von Parametersweep bis automatischer Formfindung ab.
GPU-Beschleunigung und Cloud-HPC. Der GPU-fähige Solver (neben CPU auch auf ARM) bringt für geeignete Fälle deutliche Geschwindigkeitsgewinne. Über die optionale Simcenter Cloud HPC lassen sich Rechenressourcen ohne eigenes Rechenzentrum zubuchen. Das senkt die Einstiegshürde für rechenintensive Studien spürbar. Welcher Cloud-Anbieter dahintersteht und in welcher Region gerechnet wird, nennt Siemens öffentlich nicht, das ist im Vertrag zu klären (siehe DSGVO-Abschnitt).
PLM- und Parametrik-Integration. Die Anbindung an Siemens NX und Teamcenter hält Simulation und Konstruktion synchron. Über Dateischnittstellen koppelt STAR-CCM+ sauber mit Parametrisierungswerkzeugen wie CAESES, was im Schiffbau der Standard-Workflow für Rumpfoptimierung ist.
Schwächen ehrlich betrachtet
Der Preis ist eine echte Hürde. Fünfstellige Jahreskosten plus Support-Vertrag sind für kleine Werften, Ingenieurbüros oder Start-ups schlicht nicht darstellbar. Erschwerend kommt hinzu, dass Siemens keine Listenpreise veröffentlicht, du kannst die Kosten also nicht vorab abschätzen, sondern musst ins Vertriebsgespräch. Das verbrauchsbasierte Modell mildert die Einstiegshürde, macht die Kosten bei großen Kampagnen aber unübersichtlich, man zahlt nach Nutzung, und ein paar tausend CPU-Stunden summieren sich schnell. Wer regelmäßig rechnet, braucht ein belastbares Budget.
Steile Lernkurve. Die Grundfunktionen sind beherrschbar, aber fortgeschrittene Modelle, DFBI (6-DOF-Bewegung), VOF für freie Oberflächen, Verbrennung, Aeroakustik, verlangen echtes CFD-Fachwissen. Ohne erfahrene Anwender produziert das Werkzeug teure, aber falsche Ergebnisse. Solider Einstieg ist nur über validierte Benchmark-Fälle möglich.
Die KI-Schicht ist noch jung. „Instant predictions with AI” klingt nach Revolution, ist in der Praxis aber an Bedingungen geknüpft: Das Surrogat ist nur so gut wie die Trainingsdaten, und die müssen weiterhin per klassischer CFD erzeugt werden, was wieder Rechenzeit und Lizenz kostet. Innerhalb des trainierten Entwurfsraums sind die Vorhersagen schnell und brauchbar; außerhalb verlieren sie an Verlässlichkeit. Wer die KI-Features als kompletten Ersatz für den Solver erwartet, wird enttäuscht.
Volle Hersteller-Abhängigkeit. Kein Open-Source-Kern bedeutet: Funktionsumfang, Preis und Roadmap bestimmt allein Siemens. Wer maximale Kontrolle, Reproduzierbarkeit ohne Lizenzserver oder freie Modifizierbarkeit braucht, ist mit OpenFOAM besser bedient, auf Kosten von Komfort und Support.
Ressourcenhunger. Realistische Marine- oder Automotive-Modelle brauchen Millionen Zellen und entsprechend HPC. Ohne Cluster oder Cloud-Budget ist der Solver in der Praxis kaum sinnvoll nutzbar, eine einzelne Workstation reicht nur für Lern- und Kleinfälle.
Alternativen im Vergleich
| Wenn du… | …nimm stattdessen |
|---|---|
| Kostenlos und quelloffen rechnen willst | OpenFOAM |
| CFD durch ein KI-Surrogat ersetzen oder beschleunigen willst | Neural Concept |
| Eine breite Multiphysik-CAE-Suite mit Strukturmechanik brauchst | Altair HyperWorks |
Erwähnenswert ohne eigene Tool-Seite: Ansys Fluent und CFX sind die direktesten kommerziellen CFD-Konkurrenten (vergleichbarer Funktionsumfang, andere Lizenzphilosophie mit Core-Limits), COMSOL Multiphysics punktet bei gekoppelter Multiphysik mit FEM-Schwerpunkt, und NUMECA/Cadence ist im Schiffbau und in der Turbomaschinerie eine Spezialalternative. STAR-CCM+ bleibt im maritimen Bereich die Referenz, für allgemeine Industrie-CFD ist die Wahl zwischen STAR-CCM+ und Ansys Fluent oft eine Frage der bestehenden Toolchain und der Lizenzkonditionen, nicht der reinen Leistung.
So steigst du ein
Schritt 1: Kontaktiere Siemens Digital Industries Software für eine Demo- oder eine verbrauchsbasierte Lizenz. Das verbrauchsbasierte Modell ohne Jahresvertrag ist der risikoärmste Einstieg: Du zahlst nach Nutzung und kannst das Werkzeug an einem echten Projekt testen. Hochschulen und Forschungseinrichtungen fragen direkt nach der akademischen Lizenz. Da Siemens keine Listenpreise veröffentlicht, ist das Vertriebsgespräch die einzige Quelle für belastbare Konditionen.
Schritt 2: Starte mit einem validierten Benchmark-Fall, bevor du auf proprietäre Entwurfsdaten umsteigst. Im Schiffbau ist der KCS (KRISO Container Ship) aus den SIMMAN-Workshops der Standard-Validierungsfall, öffentlich verfügbar, gut dokumentiert. So bekommst du Vertrauen in Netz, Turbulenzmodell und Solver-Einstellungen, statt im Blindflug zu rechnen.
Schritt 3: Automatisiere die Simulationsabfolge per Java-Makro, Geometrie-Update aus CAESES, Vernetzung, Solver-Lauf, Ergebnis-Export. Diese Pipeline ist die Grundlage jeder DOE-Kampagne. Erst wenn sie zuverlässig läuft, lohnt der nächste Schritt: aus den Ergebnissen ein ML-Surrogat oder ein AI-Prediction-Modell zu trainieren, das künftige Designpunkte in Sekunden bewertet.
Ein konkretes Beispiel
Ein Schiffbau-Forschungsinstitut in Norddeutschland generiert einen Trainingsdatensatz für ein CFD-Surrogatmodell: 200 RANS-Simulationen von Containerschiff-Bugvarianten, parametrisiert in CAESES, werden vollautomatisch über STAR-CCM+-Java-Makros abgearbeitet. Gesamtrechenzeit: rund 8.000 CPU-Stunden auf einem 256-Kern-Cluster. Aus den Ergebnissen entsteht ein Gaussian-Process-Surrogat, das neue Bugformen in unter zwei Sekunden bewertet, statt acht Stunden pro voller RANS-Simulation. Die Entwurfsabteilung kann damit interaktiv Hunderte Varianten durchspielen und die widerstandsärmste Form vorauswählen, bevor sie nur die fünf besten Kandidaten noch einmal hochaufgelöst nachrechnet. Zeitersparnis in der Entwurfsschleife: von Wochen auf Tage. Die teure CFD-Rechenzeit fällt nur einmal an, für die Surrogat-Trainingsdaten, danach trägt das Modell die Optimierung.
DSGVO & Datenschutz
- Datenhosting (der Regelfall): STAR-CCM+ ist Desktop-/HPC-Software. Sie läuft auf der eigenen Hardware oder dem eigenen HPC-Cluster, die Simulationsdaten verlassen das Haus nicht. Diese DSGVO-Stärke entsteht durch Selbstkontrolle, nicht durch eine Hosting-Zusage des Anbieters. Es gibt bei On-Premise-Nutzung keine Datenübermittlung an Siemens, das ist für den Schutz von Konstruktionsgeheimnissen der sauberste Pfad. Wir führen die Datenhosting-Angabe deshalb als „global”, weil es keine standardmäßige EU-Residenz gibt, die Datenkontrolle liegt bei dir.
- Anbieter und Konzernstruktur (wichtig für den Cloud-Fall): Der Rechtsträger hinter Simcenter STAR-CCM+ ist die Siemens Industry Software Inc mit Hauptsitz in Plano, Texas, USA (Marke: Siemens Digital Industries Software). Die Muttergesellschaft Siemens AG ist deutsch, die Software-Division wird jedoch US-seitig geführt. Für Cloud-Nutzung heißt das: Es kann ein Zugriff nach US-Recht (CLOUD Act) im Raum stehen. „Siemens” bedeutet hier nicht automatisch deutsches oder EU-Hosting.
- Cloud-Nutzung ohne EU-Standardgarantie: Wer die optionale Simcenter Cloud HPC nutzt, verarbeitet Rechenlasten außerhalb des eigenen Hauses. Siemens garantiert keine standardmäßige EU-Datenresidenz und nennt öffentlich weder den Cloud-Anbieter noch die Region. Das Siemens Software Trust Center bietet eine auf EU/UK/Schweiz/Israel begrenzte Bearbeitung ausdrücklich nur für Supportfälle auf Anfrage, nicht für die allgemeine Simulationsdatenverarbeitung. Region, Verschlüsselung und Löschfristen sind daher zwingend vertraglich zu fixieren.
- Datennutzung: Simulationsmodelle und -ergebnisse sind Eigentum des Kunden. Für die Simcenter-Physics-AI-Funktionen werden die Surrogatmodelle aus den eigenen Daten des Kunden trainiert, nicht aus fremden. Die genauen Bedingungen regeln die Siemens Data Privacy Terms (DPT); die DISW-Subprozessorenliste wird im Trust Center referenziert.
- Auftragsverarbeitung (AVV): Bei reiner On-Premise-Nutzung findet keine Datenübermittlung statt, ein AVV ist dort nicht einschlägig. Bei Cloud-Nutzung ist die Auftragsverarbeitung über Siemens und den jeweiligen (nicht öffentlich benannten) Cloud-Anbieter vertraglich zu regeln.
- Empfehlung für Unternehmen: Für IP-kritische Konstruktionsdaten (Schiffsrümpfe, Fahrzeugaerodynamik) die On-Premise-Variante bevorzugen. Wer Cloud-HPC nutzt, sollte EU-Region, Verschlüsselung, Löschfristen und Subprozessoren explizit vertraglich fixieren, die US-Konzernanbindung berücksichtigen und eine Datenschutz-Folgenabschätzung durchführen.
Gut kombiniert mit
- CAESES, die Parametrisierung der Geometrie (z. B. Schiffsrumpf, Bugform) läuft in CAESES, STAR-CCM+ rechnet jede Variante durch. Über Dateischnittstellen entsteht eine geschlossene Optimierungsschleife, der Standard-Workflow für Rumpf- und Formoptimierung im Schiffbau.
- Neural Concept, aus den STAR-CCM+-Ergebnissen lässt sich mit Neural Concept ein Deep-Learning-Surrogat trainieren, das geometrische Vorhersagen in Echtzeit liefert. STAR-CCM+ erzeugt die Wahrheitsdaten, Neural Concept liefert die schnelle KI-Schicht darüber, komplementär statt konkurrierend.
- Altair HyperWorks, für die Strukturseite gekoppelter FSI-Probleme: STAR-CCM+ liefert die Strömungslasten, HyperWorks rechnet die strukturmechanische Antwort. Sinnvoll überall dort, wo Fluid und Struktur sich gegenseitig beeinflussen.
Unser Fazit
Simcenter STAR-CCM+ verdient 4 von 5 Sternen. In seiner Kerndisziplin, robuste Multiphysik-CFD, besonders Mehrphasenströmungen und maritime Anwendungen, gehört es zur absoluten Spitzengruppe und ist im Schiffbau schlicht die Referenz. Die seit 2025/26 ausgebaute AI-Accelerated CFD mit Neural-Operator-Modellen und ML-Surrogaten ist ein echter, kein vorgetäuschter Fortschritt und macht das Werkzeug für datengetriebene Design-Exploration zukunftsfähig. Den fünften Stern kostet vor allem der hohe Preis, der das Werkzeug für kleine Akteure unerreichbar macht, dazu die steile Lernkurve, die volle Abhängigkeit von Siemens-Lizenzen und die Tatsache, dass die KI-Schicht noch jung ist und den klassischen Solver beschleunigt, aber nicht ersetzt. Für Großwerften, OEMs und Forschungsinstitute mit Budget, HPC und CFD-Team ist STAR-CCM+ eine der besten Investitionen im Simulationsmarkt, für alle anderen lohnt der Blick auf OpenFOAM oder reine KI-Surrogate.
Was wir bemerkt haben
- Juli 2026: Faktencheck gegen Siemens’ eigene Quellen. Drei Korrekturen: Erstens ist der Rechtsträger die Siemens Industry Software Inc mit Hauptsitz in Plano, Texas, USA (Marke Siemens Digital Industries Software), also eine US-geführte Division, nicht deutsches Hosting, trotz deutscher Muttergesellschaft Siemens AG. Zweitens haben wir die Datenhosting-Angabe von „eu” auf „global” korrigiert: STAR-CCM+ ist Desktop-/HPC-Software, die DSGVO-Stärke entsteht durch Selbstkontrolle auf eigener Hardware, eine standardmäßige EU-Residenz garantiert Siemens nicht. Drittens haben wir konkrete Euro-Preise entfernt, da Siemens ausschließlich „Contact us for sales and pricing” nennt und keine Listenpreise veröffentlicht.
- Juni 2026: Aktuelles Release ist 2606 (Juni 2026); das im Februar 2026 eingeführte Simcenter Physics AI bleibt der prägende KI-Baustein.
- Februar 2026, Mit Release 2602 hat Siemens „Instant predictions with AI” als sichtbares Top-Feature eingeführt, gebündelt unter dem Namen Simcenter Physics AI. Damit verschiebt sich STAR-CCM+ vom reinen Solver in Richtung KI-beschleunigte Simulationsplattform, der deutlichste strategische Schritt der letzten Releases.
- Februar 2026, Siemens nennt als Technologiebasis der AI-beschleunigten CFD explizit Neural Operators, konkret Fourier Neural Operators (FNO) und Deep Operator Networks (DeepONet). Das sind operator-lernende Netze, die ganze Lösungsfelder vorhersagen und auf neue Geometrien generalisieren, qualitativ eine andere Liga als klassische Response-Surface-Modelle.
- 2025, Siemens Engineering Services begann, KI gezielt für wiederkehrende CFD-Herausforderungen einzusetzen. Das zeigt, dass die ML-Surrogat-Strategie nicht nur Produkt-Feature, sondern Teil des Dienstleistungsgeschäfts ist, ein Indiz, dass Siemens den Ansatz ernst meint.
- Mai 2026, Die offizielle Produkt-URL ist von der alten plm.sw.siemens.com-Domain auf siemens.com/products/simcenter umgezogen. Inhaltlich ändert sich nichts, aber alte Links leiten per 301 um.
- Laufend, Siemens nutzt ein Release-Schema im Format JJMM (z. B. 2510 = Oktober 2025, 2602 = Februar 2026) mit etwa vierteljährlichen Updates. Wer Versionen vergleicht, sollte dieses Schema kennen.
Quellen
- Siemens – Simcenter STAR-CCM+ Produktseite. https://www.siemens.com/en-us/products/simcenter/fluids-thermal-simulation/star-ccm/ (abgerufen am 2026-07-23). Release 2602 mit Feature 'Instant predictions with AI'; Multiphysik (Mehrphasen, Partikeldynamik, reagierende Strömungen, FSI, Aeroakustik, Rheologie, Elektrodynamik); GPU-/CPU-Solver (auch ARM); Releases 2606/2602/2510; Preise nur auf Anfrage (keine Listenpreise); URL leitet per 301 von plm.sw.siemens.com um.
- Siemens Simcenter Blog – AI-Accelerated CFD. https://blogs.sw.siemens.com/simcenter/ai-accelerated-cfd/ (abgerufen am 2026-07-23). Simcenter Physics AI in Release 2602 (Februar 2026); Neural Operators explizit Fourier Neural Operators (FNO), Deep Operator Networks (DeepONet), Physics-Informed Neural Networks (PINNs), Reduced Order Models (ROMs); Training aus vorhandenen Simulationsdaten im Design Manager.
- Wikipedia – Siemens Digital Industries Software. https://en.wikipedia.org/wiki/Siemens_Digital_Industries_Software (abgerufen am 2026-07-23). Rechtsträger Siemens Industry Software Inc mit Hauptsitz in Plano, Texas, USA; Muttergesellschaft Siemens AG (Übernahme UGS 2007 für 3,5 Mrd. USD); frühere Namen United Computing/UGS, Siemens PLM Software; heutiger Name seit 2019.
- Wikipedia – Simcenter STAR-CCM+. https://en.wikipedia.org/wiki/Star-CCM%2B (abgerufen am 2026-07-23). Ursprünglich von CD-adapco entwickelt; 2016 mit dem Kauf von CD-adapco von Siemens Digital Industries Software übernommen; Desktop-/HPC-CFD, Linux und Windows.
- Siemens – Software Trust Center. https://www.siemens.com/en-us/company/software-trust-center/ (abgerufen am 2026-07-23). Keine standardmäßige EU-Datenresidenz garantiert; EU-/UK-/Schweiz-/Israel-Bearbeitung nur für Supportfälle auf Anfrage; GDPR, ISO 27001, Data Privacy Terms (DPT) und DISW-Subprozessorenliste referenziert.
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