OpenFOAM
OpenCFD Ltd. (Keysight) / OpenFOAM Foundation
Redaktionelle Einschätzung auf Basis öffentlich zugänglicher Quellen (Anbieterangaben, Preislisten, unabhängige Bewertungsplattformen), kein Hands-on-Produkttest, sofern nicht ausdrücklich anders angegeben. Die Sternebewertung ist eine Meinung der Redaktion.
Tool öffnenOpenFOAM ist der weltweit meistgenutzte quelloffene CFD-Solver, eingesetzt in Schiffbau, Automotive, Luftfahrt und Forschung. Der GPL-lizenzierte Code deckt RANS, LES, freie Oberflächen, Mehrphasenströmung und konjugierten Wärmetransport ab. Kostenlos in der Lizenz, aber teuer in der Lernkurve: ohne tiefes CFD-Know-how und HPC-Infrastruktur kommt niemand zu belastbaren Ergebnissen.
Kosten: Quelloffen und kostenlos (GPLv3). Reale Kosten entstehen durch HPC-Hardware, Cloud-Compute (AWS, Azure) und interne CFD-Expertise. Kommerzieller Support und Training laufen über OpenCFD (Keysight), CFD Direct oder spezialisierte Beratungshäuser, Tagessätze liegen typischerweise im vierstelligen Bereich.
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Stärken
- Vollständig kostenlos unter GPLv3, keine Lizenzkosten, keine Seat-Beschränkung
- Maximale Anpassbarkeit: jeder Solver, jedes Turbulenzmodell offen lesbar und erweiterbar
- Breite Forschungs- und Industriegemeinschaft, Benchmarks, Tutorials und Erweiterungen aus 20 Jahren
- Hervorragende Skalierung auf HPC-Clustern und Cloud (AWS, Azure, Google Cloud)
- Direkt scriptbar, perfekt als CFD-Generator für ML-Trainingsdatensätze
- Drei Distributionen (OpenCFD/Keysight, Foundation, FOAM-Extend) mit jeweils eigener Roadmap
Einschränkungen
- Kein grafisches Interface, Konfiguration über Verzeichnisstrukturen und Textdateien
- Steile Lernkurve: solide Netzgenerierung und Solver-Setup brauchen mehrere Jahre Praxis
- Kein kommerzieller First-Level-Support, Hilfe kommt aus Foren oder gegen Tagessätze
- Drei konkurrierende Versionen (ESI/Foundation/Extend) erschweren Reproduzierbarkeit
- Bei manchen Mehrphasen- und kompressiblen Strömungen schwächer als ANSYS Fluent oder Star-CCM+
- Postprocessing (ParaView) ist funktional, aber für Reporting deutlich grobschlächtiger als kommerzielle Suites
Passt gut zu
Wann ja, wann nein
Wann ja
- Du hast erfahrene CFD-Ingenieure im Team oder willst sie aufbauen
- Du brauchst maximale Anpassbarkeit am Solver-Code (eigene Randbedingungen, Modelle)
- Du willst Hunderte oder Tausende Simulationen ohne Lizenzkosten fahren
- Du arbeitest in einem Forschungs- oder Open-Source-getriebenen Umfeld
Wann nein
- Du brauchst eine GUI-getriebene Lösung mit Hersteller-Support
- Dein Team hat kein CFD-Vorwissen und keine Lust auf Linux-Workflows
- Du arbeitest mit hochkomplexen Mehrphasen- oder reagierenden Strömungen, wo Fluent voraus ist
- Du brauchst zertifizierte Validierung für regulatorische Zwecke (z. B. Luftfahrt-Zulassung)
Kurzfazit
OpenFOAM ist das Schweizer Taschenmesser der numerischen Strömungsmechanik, quelloffen, kostenlos und in praktisch jedem CFD-Labor der Welt im Einsatz. Wenn du das nötige Know-how hast, ersetzt OpenFOAM jede kommerzielle CFD-Suite zum Lizenzpreis null. Wenn nicht, verbrennst du Monate an einer Lernkurve, die kein Tutorial verkürzt. Drei konkurrierende Forks (ESI, Foundation, FOAM-Extend), ein textbasiertes Setup ohne Klick-GUI und das fehlende Hersteller-Support-Netz machen OpenFOAM zur Spezialistenwaffe, nicht zum Plug-and-Play-Werkzeug. Für Forschung, ML-Trainingsdatensätze und High-Volume-Simulation ist es konkurrenzlos. Für Industrie-Engineering ohne CFD-Team ist es der falsche Hebel.
Für wen ist OpenFOAM?
Forschungseinrichtungen und Universitäten: Der natürliche Heimatmarkt. Keine Lizenzkosten, voller Solver-Code für Modifikationen und eine globale Community, die jedes Tutorial-Setup schon einmal durchgekaut hat. Praktisch jede deutsche Universität mit Strömungsmechanik-Lehrstuhl arbeitet primär mit OpenFOAM.
Schiffbau- und Marine-Ingenieure: Die freie Oberflächensimulation (interFoam) und spezialisierte Schiffskörper-Erweiterungen aus der Forschung machen OpenFOAM zur verbreiteten Lösung für RANS-basierte Widerstandsberechnung, Wellenwiderstand und Manövriersimulationen. In Kombination mit CAESES für die Geometrievariation entsteht ein vollautomatischer Optimierungs-Workflow.
Automotive-Aerodynamiker: OpenFOAM wird in jedem größeren OEM für Außenaerodynamik, Unterboden und Kühlluftströmung eingesetzt, meist parallel zu kommerziellen Solvern. Der Hauptvorteil: beliebig viele parallele Simulationen ohne Lizenz-Stau.
ML- und Engineering-Teams für Surrogatmodelle: Wer neuronale Netze oder Gaussian-Process-Modelle als CFD-Ersatz trainieren will, braucht Tausende von Simulationen. Mit OpenFOAM kostet das nur Rechenzeit, nicht zusätzlich Lizenzen, der entscheidende Wirtschaftlichkeitshebel.
Beratungshäuser und Cloud-CFD-Anbieter: Cloud-Plattformen wie SimScale setzen OpenFOAM intern ein und liefern es als gemanagtes SaaS mit GUI. Wer eine grafische Oberfläche ohne eigene On-Premise-HPC will, kommt darüber an OpenFOAM heran.
Weniger geeignet für: Mittelständische Engineering-Büros ohne CFD-Expertise (kommerzielle Lösungen wie Autodesk Moldflow oder ANSYS Fluent sind hier ehrlicher), zertifizierungsrelevante Luftfahrt-Anwendungen (wo validierter Hersteller-Support gefordert ist) und Designer, die mit einem Mausklick rechnen wollen.
Preise im Detail
| Komponente | Preis | Was du bekommst |
|---|---|---|
| OpenFOAM Core | 0 EUR (GPLv3) | Vollständiger Solver, alle Module, alle Tutorials, alle Updates |
| HPC-Cluster on-premise | 10.000–500.000 EUR Hardware | Eigener Compute, einmalig, laufende Kosten für Strom, Wartung |
| Cloud-Compute | 0,01–0,30 EUR/Core-Stunde | AWS Batch, Azure CycleCloud oder Google Cloud, pay-as-you-go |
| Kommerzieller Support (OpenCFD/Keysight, CFD Direct, Beratungshäuser) | Tagessätze im vierstelligen Bereich | Setup-Hilfe, Modell-Beratung, Solver-Anpassungen, Training |
| Gemanagte SaaS-Variante (z. B. SimScale) | anbieterabhängig, Monatsabo | OpenFOAM in der Cloud mit GUI, ohne eigene Infrastruktur |
Einordnung: Belegt ist nur der Lizenzpreis von null (GPLv3), alle weiteren Zahlen sind Richtwerte, die je nach Anbieter, Region und Auslastung stark schwanken. Der Lizenzpreis von null ist ohnehin nur die halbe Wahrheit. Die echten Kosten verteilen sich auf Personalaufwand (ein erfahrener CFD-Ingenieur kostet grob 80.000–120.000 EUR/Jahr) und Rechenkapazität. Eine typische Schiffskörper-RANS-Simulation läuft je nach Setup viele Stunden auf Dutzenden CPU-Cores, in der Cloud kostet das pro Lauf einen niedrigen bis mittleren zweistelligen Eurobetrag. Für eine Forschungsserie mit einigen Hundert Simulationen summieren sich die reinen Cloud-Kosten schnell in den vierstelligen Bereich. Verglichen mit kommerziellen CFD-Lizenzen (Site-Lizenzen liegen im fünf- bis sechsstelligen Bereich pro Jahr) ist OpenFOAM bei ausreichendem Volumen unschlagbar günstig. Bei einzelnen, hochkomplexen Projekten kann eine kommerzielle Lizenz mit Hersteller-Support die wirtschaftlichere Entscheidung sein, weil weniger Zeit auf Solver-Tuning verschwendet wird.
Stärken im Detail
Echte Open-Source-Freiheit. Jeder Solver liegt als C++-Quellcode vor und ist erweiterbar. Wer eine eigene Randbedingung, ein eigenes Turbulenzmodell oder einen domänenspezifischen Solver braucht, kann ihn selbst schreiben, ohne ein Lizenzmodell um Erlaubnis zu fragen. Diese Anpassbarkeit ist der Hauptgrund, warum jede ernstzunehmende CFD-Forschung früher oder später bei OpenFOAM landet.
Drei Distributionen mit unterschiedlichen Schwerpunkten. OpenCFD (seit 2004 Entwickler, heute eine Keysight-Tochter) bringt die openfoam.com-Linie halbjährlich im Juni und Dezember mit Datumsnummerierung heraus (zuletzt v2606), CFD Direct verantwortet die Foundation-Linie mit klassischer Versionierung (OpenFOAM v14 am 14. Juli 2026 erschienen), FOAM-Extend wird als Community-Fork weitergeführt und aktualisiert seltener. Die Vielfalt macht den Einstieg verwirrend, sichert aber Robustheit, kein einzelner Anbieter kann den Code monopolisieren oder einstampfen.
HPC-Skalierung als Built-In. OpenFOAM ist von Grund auf für parallele Berechnung gebaut. Domain-Dekomposition, MPI-Kommunikation und Lastverteilung funktionieren auf zehn wie auf zehntausend CPU-Cores. Auf modernen Cloud-Plattformen lässt sich ein 1.000-Core-Cluster in 10 Minuten hochfahren, ein paar Tausend Euro Rechenkosten später wieder herunterfahren, kein anderes CFD-Tool ist so cloud-nativ.
Perfekte Symbiose mit ML-Workflows. Wer KI-Surrogatmodelle für Engineering aufbauen will, braucht groß angelegte Simulationsdatensätze. Mit OpenFOAM lassen sich beliebige Parametervariationen scriptgesteuert durchrechnen (Python, Bash), und jede Simulation kostet nur Strom. Forschungsgruppen produzieren so Datensätze mit Zehntausenden CFD-Läufen, Lizenzkosten wären hier ein No-Go.
Reichhaltige Tutorial- und Benchmark-Bibliothek. Jede OpenFOAM-Installation kommt mit dem tutorials/-Ordner, Hunderte vorkonfigurierter Setups für Standardfälle: Rohrströmung, Mischer, Schiffskörper, Multiphysik. Wer ein neues Problem angeht, findet fast immer ein nahegelegenes Tutorial als Startpunkt. Dazu kommen die Validation Cases der Community (z. B. NASA-Benchmarks, DTC-Schiffskörper).
Saubere Integration in Wissenschaftsstacks. ParaView (Visualisierung), PyFoam (Python-Wrapping), swak4Foam (erweiterte Funktion-Objekte) und PyTorch-Schnittstellen sind alle quelloffen und gut etabliert. Wer eine wissenschaftlich nachvollziehbare CFD-Pipeline aufbauen will, hat alle Bausteine offen verfügbar.
Schwächen ehrlich betrachtet
Die Lernkurve ist brutal. OpenFOAM erwartet, dass du verstehst, was du tust, Netzqualität, Randbedingungen, Turbulenzmodelle, Konvergenzkriterien. Wer einfach nur „Strömung um einen Würfel” rechnen will und nicht weiß, was y+ bedeutet, kommt zu Ergebnissen, die plausibel aussehen und trotzdem komplett falsch sind. Realistischer Aufwand für brauchbare Eigenständigkeit: 6–18 Monate intensive Einarbeitung.
Kein Hersteller-Hotline-Support. Wenn der Solver divergiert oder eine Randbedingung nicht das tut, was sie sollte, bist du auf das CFD-Online-Forum, die jeweilige Distributions-Dokumentation oder bezahlte Berater angewiesen. Es gibt keinen „Premium Support” mit SLA, kein 24/7-Ticket-System. Für Industrie-Workflows mit harten Deadlines kann das ein realer Risikofaktor sein.
Fork-Vielfalt erschwert Reproduzierbarkeit. Ein Tutorial-Setup aus der ESI-Distribution läuft nicht zwingend auf der Foundation-Version (und umgekehrt). Wer wissenschaftliche Arbeiten reproduzieren will, muss die exakte Distribution und Version kennen. In der Praxis ist das ein konstanter Friktionspunkt zwischen Forschungsgruppen.
Bei einigen Spezialdisziplinen unterlegen. Reagierende Strömungen, komplexe Mehrphasenmodelle und manche aeroakustische Anwendungen sind in ANSYS Fluent oder Siemens Star-CCM+ schlicht besser implementiert. Wer in diesen Nischen arbeitet, muss entweder die fehlenden Modelle selbst implementieren (entwicklungsaufwendig) oder zähneknirschend kommerziell lizenzieren.
Postprocessing ist funktional, aber rau. Die ParaView-basierte Visualisierung deckt alles ab, was man braucht, aber nichts davon sieht ohne manuelles Tuning präsentationsfähig aus. Wer in Marketing- oder Geschäftsleitungs-Kontexten Bilder liefern muss, baut sich oft einen zweiten Workflow in Tecplot oder ähnlichen Werkzeugen auf.
Kein deutscher Support, keine deutsche Dokumentation. Die offizielle Dokumentation ist englisch, die Community-Foren überwiegend ebenfalls. CADFEM und einige spezialisierte Beratungshäuser bieten deutschsprachigen Support an, aber niemals als Hersteller-Hotline, immer als bezahlte Dienstleistung.
Alternativen im Vergleich
| Wenn du… | …nimm stattdessen |
|---|---|
| Geometrie-Parametrierung mit OpenFOAM koppeln willst | CAESES |
| Strukturmechanik statt Strömung simulierst | Altair HyperWorks |
| Spritzguss-Simulation für Kunststoffteile brauchst | Autodesk Moldflow |
Erwähnenswert ohne eigene Tool-Seite: ANSYS Fluent (Branchenstandard für kommerzielle CFD, Site-Lizenzen liegen im fünf- bis sechsstelligen Eurobereich pro Jahr, mit Hersteller-Support und sehr starkem Postprocessing), Siemens Star-CCM+ (zweite große kommerzielle CFD-Suite, besonders stark bei Multiphysik und unstrukturierten Netzen), SU2 (alternative Open-Source-CFD-Suite, ursprünglich von der Stanford-Aerospace-Gruppe, fokussierter auf Adjoint-Optimierung als OpenFOAM), SimScale (Cloud-Plattform, die OpenFOAM und CalculiX als Backend nutzt und eine GUI darum baut, gute Brücke für Teams ohne HPC-Infrastruktur). OpenFOAM bleibt für Forschung und High-Volume-Engineering die rationalste Wahl, überall sonst lohnt sich die ehrliche Frage, ob die Lizenzkosten kommerzieller Tools nicht durch eingesparte Einarbeitungszeit kompensiert werden.
So steigst du ein
Schritt 1: Lokale Installation auf Ubuntu. OpenFOAM ist Linux-nativ, installiere die ESI- oder Foundation-Version aus den offiziellen APT-Repositories. Macher mit Windows nutzen WSL2 oder einen Docker-Container. Verbringe die erste Woche ausschließlich mit den mitgelieferten Tutorials in $FOAM_TUTORIALS, beginne mit dem klassischen cavity-Beispiel (laminare Strömung) und arbeite dich zu simpleFoam für stationäre RANS hoch.
Schritt 2: Domänenspezifisches Tutorial auswählen. Für Schiffbau ist tutorials/multiphase/interFoam/RAS/DTCHull der natürliche Startpunkt, ein vollständiger Schiffskörper mit freier Oberfläche. Für Automotive-Außenaerodynamik beginne mit motorBike, für Wärmeübertragung mit buoyantBoussinesqSimpleFoam. Verstehe das Verzeichnislayout (0/, constant/, system/), bevor du etwas änderst, wer hier improvisiert, debuggt tagelang.
Schritt 3: HPC-Pipeline aufbauen. Sobald deine Setups laufen, automatisiere sie mit Python (PyFoam ist nützlich) und richte einen HPC- oder Cloud-Workflow ein. Bei Cloud-Setup empfiehlt sich AWS ParallelCluster oder Azure CycleCloud, beide haben fertige Templates für OpenFOAM. Plane ein Budget für die erste Lernschleife ein: realistisch 2.000–5.000 EUR an Cloud-Compute, bis dein erstes größeres Setup verlässlich konvergiert.
Schritt 4 (optional): Externe Validierung. Wenn die Ergebnisse für Industrie- oder Forschungspublikationen genutzt werden, vergleiche mit Benchmark-Cases aus der Community (NASA Turbulence Modeling Resource, DTC-Schiffskörper, ERCOFTAC-Datenbank). Das ist die einzige seriöse Form der Validierung, die dir ohne kommerziellen Vendor offen steht.
Ein konkretes Beispiel
Ein illustratives Szenario: Ein Schiffbau-Forschungsteam an einer technischen Universität baut ein KI-Surrogatmodell für die Vorab-Optimierung von Fährschiff-Buggeometrien. Der Workflow: CAESES generiert 200 parametrisierte Geometrievariationen einer Bugform, jede wird automatisiert in OpenFOAM (interFoam mit RANS-k-omega-SST) auf dem universitätseigenen HPC-Cluster (512 Cores, AMD EPYC) berechnet. Eine einzelne Simulation läuft ca. 8 Stunden auf 32 Cores; die gesamte Serie ist nach drei Wochen abgeschlossen. Kosten: ausschließlich Strom und Personalzeit, keine Lizenzkosten. Die 200 Ergebnis-Datensätze fließen anschließend als Trainingsmaterial in ein Gaussian-Process-Regressionsmodell, das künftig in Sekunden Bug-Performance-Vorhersagen liefert, ohne dass jede neue Variante simuliert werden muss. Mit ANSYS Fluent wäre allein der Lizenzaufwand für die parallel-Lizenzen über drei Wochen im fünfstelligen Bereich gewesen, bei OpenFOAM null. Dafür hat das Team zwei volle PhD-Jahre in den OpenFOAM-Workflow investiert.
DSGVO & Datenschutz
- Datenhosting: OpenFOAM ist quelloffene Software, die du selbst installierst und ausführst, keine gehostete Plattform. Deshalb gibt es keine Hersteller-Zusage für deutsches Hosting: Wo deine Simulationsdaten liegen, bestimmst ausschließlich du, je nachdem, ob du lokal, on-premise oder in einer selbst gewählten Cloud-Region rechnest (etwa AWS Frankfurt oder Azure Germany West Central). Das ist DSGVO-freundlich, weil die Daten unter deiner Kontrolle bleiben, aber es ist keine vom Anbieter garantierte Datenresidenz. Einen verpflichtenden Anbieter-Cloud-Dienst gibt es nicht; CFD Direct bietet optional ein AWS-basiertes „OpenFOAM in the Cloud” an, dessen Region du selbst wählst. (Hinweis: Der Träger der industriellen openfoam.com-Linie, OpenCFD Ltd., ist eine Tochter des US-Konzerns Keysight, was die Standort-Frage zusätzlich in die Hand des Nutzers legt.)
- Datennutzung: Keine Telemetrie, kein Anbieter sieht deine Simulationsdaten. Das ist eines der zentralen Vorteile gegenüber SaaS-CFD-Anbietern.
- Lizenz: GPLv3, abgeleitete Werke müssen unter derselben Lizenz veröffentlicht werden, wenn sie als Binary verteilt werden. Interne Nutzung ohne Distribution ist uneingeschränkt erlaubt.
- Auftragsverarbeitung (AVV): Nicht zutreffend, weil keine Datenverarbeitung beim Anbieter stattfindet. Wer Cloud-Compute nutzt, schließt den AVV mit dem jeweiligen Cloud-Provider.
- Empfehlung für Unternehmen: Für vertrauliche Geometriedaten (Wettbewerbsfahrzeuge, Schiffskörper, Verteidigungsanwendungen) ist on-premise die sauberste Lösung. Für nicht-kritische Forschung reichen EU-Cloud-Regionen mit Standardvertragsklauseln.
Gut kombiniert mit
- CAESES, der natürliche Geometrie-Generator vor OpenFOAM. CAESES parametrisiert die Geometrie (Schiffskörper, Schaufeln, Tragflächen), OpenFOAM rechnet die Strömungslösung, gemeinsam entsteht ein automatisierter Optimierungs-Workflow ohne Lizenzkosten in der Solver-Phase.
- Altair HyperWorks, wenn neben CFD auch Strukturmechanik gefragt ist. HyperMesh für Netzgenerierung, OptiStruct für FEM, OpenFOAM für Strömung, die Kombination deckt Multiphysik in industrieller Tiefe ab.
- Python und PyTorch, als ML-Layer um OpenFOAM herum. Die Simulationsergebnisse werden zu Trainingsdaten für Surrogatmodelle, die in Echtzeit antworten, der Engineering-Workflow der 2030er.
Unser Fazit
OpenFOAM verdient 3 von 5 Sternen, und das ist ehrlicher als 5. Wer das CFD-Handwerk beherrscht, bekommt mit OpenFOAM ein Werkzeug, das jeder kommerziellen Suite ebenbürtig ist und sie bei reiner Stückzahl deutlich schlägt. Den vollen Sternenkreis verhindern: die brutale Lernkurve, das fehlende Hersteller-Support-Netz, drei konkurrierende Forks ohne klare Standard-Distribution, und die Schwäche im Postprocessing für Business-Kontexte. Es ist kein Werkzeug für KMU ohne CFD-Team, kein Werkzeug für Designer mit Klick-Erwartung, und kein Werkzeug für regulatorische Kontexte, die zertifizierten Hersteller-Support erfordern. Für die Zielgruppe, Forschung, Hochschule, High-Volume-Engineering, ML-Datensätze, gibt es kaum eine wirtschaftlichere Wahl. Für alle anderen ist eine kommerzielle Suite mit Support fast immer die ehrlichere Investition.
Was wir bemerkt haben
- Juli 2026, wir haben das frühere Datenhosting-Kennzeichen „DE” korrigiert. OpenFOAM ist selbst zu installierende, quelloffene Software ohne Anbieter-Cloud, es gibt also keine Hersteller-Zusage für deutsches Hosting. Die Datenresidenz bestimmst allein du über den Installationsort; das Kennzeichen steht nun auf „global” (selbst kontrolliert, DSGVO-freundlich).
- Juli 2026, die OpenFOAM Foundation hat Version 14 veröffentlicht (14. Juli 2026, entwickelt von CFD Direct). Die Foundation-Linie wird also weiter aktiv gepflegt, die Vermutung, sie sei „eingefroren”, ist damit widerlegt.
- Juni 2026, die openfoam.com-Distribution (OpenCFD) hat
v2606ausgeliefert. Der halbjährliche Juni/Dezember-Rhythmus mit Datumsversionierung bleibt der Taktgeber für industrielle Anwender. - 2025/2026, OpenCFD Ltd, Entwickler der openfoam.com-Linie, ist inzwischen eine hundertprozentige Keysight-Tochter (zuvor unter ESI Group). Am offenen GPLv3-Charakter der Software ändert das nichts, die Trägerschaft ist aber neu zugeordnet. Auf openfoam.com wird OpenCFD als „affiliate of Keysight” geführt.
- 2024–2026, der Trend, OpenFOAM als Datengenerator für ML-Surrogatmodelle zu nutzen, hält an. Physics-informierte neuronale Netze (PINNs) und Frameworks wie NVIDIA Modulus werden regelmäßig mit CFD-Solvern gekoppelt. Belastbare, öffentlich dokumentierte Industriezahlen dazu sind allerdings dünn, wir behandeln das als Trend, nicht als gesicherte Marktgröße.
- Laufend, die Foundation weist selbst darauf hin, dass es keine direkte öffentliche Förderung gibt und die jährliche Finanzierung (derzeit rund 250.000 EUR, angestrebt 500.000 EUR) unter dem selbst gesteckten Bedarf liegt. Das ist ein struktureller Risikofaktor für die langfristige Wartung der Foundation-Linie.
Quellen
- OpenFOAM Foundation – Offizielle Website. https://openfoam.org/ (abgerufen am 2026-07-18). OpenFOAM wird von CFD Direct entwickelt und gepflegt, das Copyright liegt bei der OpenFOAM Foundation. Der Code umfasst rund 1,5 Millionen Zeilen C++ und deckt Strömung, Wärmeübertragung, Thermodynamik und Chemie in Fluiden und Festkörpern ab. Es gibt keine direkte öffentliche Förderung; die Foundation finanziert sich über jährliche Kampagnen (derzeit rund 250.000 EUR, Ziel 500.000 EUR)..
- OpenFOAM v14 – Download (OpenFOAM Foundation). https://openfoam.org/download/ (abgerufen am 2026-07-21). OpenFOAM ist frei und quelloffen, ausschließlich unter der GNU General Public Licence v3 verteilt. Version 14 wurde am 14. Juli 2026 veröffentlicht; Installation lokal auf eigener Hardware für Ubuntu, weitere Linux-Distributionen, Windows (WSL) und macOS (Multipass). Nutzer haben volle Kontrolle und betreiben OpenFOAM auf eigener Infrastruktur; optional gibt es über CFD Direct ein AWS-basiertes 'OpenFOAM in the Cloud'. Es existiert kein herstellergebundener Cloud-Dienst mit garantiertem Standort. Damit gibt es keine Hersteller-Zusage für deutsches Hosting; die Datenresidenz hängt allein davon ab, wo der Nutzer die Software installiert..
- OpenFOAM – OpenCFD Ltd (Keysight). https://www.openfoam.com/ (abgerufen am 2026-07-18). Die openfoam.com-Distribution wird primär von OpenCFD Ltd entwickelt (seit 2004), einer hundertprozentigen Keysight-Tochter. Releases erscheinen halbjährlich im Juni und Dezember mit Datumsversionierung (zuletzt v2606). Der Funktionsumfang reicht von Strömungen mit chemischen Reaktionen, Turbulenz und Wärmeübertragung bis zu Akustik, Festkörpermechanik und Elektromagnetik..
- OpenFOAM Governance (OpenCFD / Keysight). https://www.openfoam.com/governance (abgerufen am 2026-07-18). Die openfoam.com-Governance besteht aus einem Steering Committee und Technical Committees; OpenCFD ist ein Keysight-Affiliate..
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