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Seeq

Seeq Corporation

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Industrielle Analytics- und KI-Suite für historische Zeitreihendaten aus Produktionsanlagen. Verbindet sich direkt mit Historikern (AVEVA PI, OSIsoft, InfluxDB, Honeywell PHD) und erlaubt Prozessingenieuren, Korrelationen, Muster und Ursachen ohne Programmierkenntnisse zu finden. Seit 2024 mit drei generativen AI Assistants (Actions, General, Data Lab) ausgestattet, die das System auch für Ingenieure ohne Python-Hintergrund deutlich zugänglicher machen.

Kosten: Kein öffentlicher Preisrechner. In Anwenderberichten liegen Workbench-Lizenzen meist im Bereich von rund 1.000–1.500 USD/Nutzer/Jahr; Data Lab und AI Assistants als separate Module. Hosting wahlweise SaaS (AWS, mit EU-Region) oder On-Premise.

Kategorien

Stärken

  • Direktanbindung an alle gängigen Historiker (AVEVA PI, Honeywell PHD, InfluxDB, OSIsoft, SAP HANA)
  • Visuelles Korrelations-Toolset ohne Coding: Trendanalyse, Scatter-Plots, Signal-Konditionierung
  • Seeq AI Assistants (seit 2024) führen Nutzer in natürlicher Sprache durch Analyse-Workflows
  • Data Lab für Python-ML-Modelle direkt auf historischen Prozessdaten
  • Speziell für Prozessingenieure gebaut, kein Data-Science-Background nötig
  • EU-Hosting-Option via AWS verfügbar (anders als die meisten US-Industrieanalytik-Wettbewerber)
  • Reife On-Premise-Installation für Kunden mit strengen Air-Gap-Anforderungen

Einschränkungen

  • Kein deutschsprachiger Support oder UI, Englisch only
  • Hohe Lizenzkosten, für KMU unter 10 Nutzern oft unwirtschaftlich
  • Sinnvoll erst ab vorhandenem Historian (PI, InfluxDB), kein eigenes Datenerfassungssystem
  • Tiefere ML-Funktionen im Data Lab erfordern Python-Kenntnisse trotz AI-Assistants
  • Kein öffentliches Pricing, jede Anfrage geht durch den Vertrieb
  • Funktionsumfang verteilt sich auf separat zu lizenzierende Module (Workbench, Organizer, Data Lab, AI Add-ons)

Passt gut zu

Chemische Prozessindustrie mit komplexen Wechselwirkungen zwischen Temperatur, Druck, pH und Qualitätsmerkmalen Beschichtungs- und Fertigungsunternehmen mit vorhandenem Historian, die Parameterkorrelationen suchen Pharmazeutische Produktion (Bioreaktoren, kontinuierliche Verfahren) mit GxP-Dokumentationsbedarf Qualitätsingenieure für Root-Cause-Analysen auf historischen Prozessdaten Öl & Gas, Energieversorgung, Wasserwirtschaft mit großen Historian-Datenbeständen

Wann ja, wann nein

Wann ja

  • Du hast einen produktiven Historian (PI, InfluxDB, Honeywell PHD) und willst die Daten endlich nutzbar machen
  • Deine Prozessingenieure sollen ohne Python und ohne BI-Team Korrelationen finden können
  • Du brauchst eine reproduzierbare, dokumentierbare Analytics-Schicht für regulierte Branchen
  • Du willst KI-Modelle (Anomalie-Erkennung, Soft Sensors) auf historischen Daten testen, bevor du in IoT investierst

Wann nein

  • Du hast keinen Historian und musst die Datenerfassung selbst aufbauen
  • Dein Team ist kleiner als 5 Prozessingenieure (Lizenzkosten amortisieren sich nicht)
  • Du brauchst Echtzeit-OT-Steuerung (Seeq ist Analyse, nicht Regelung)
  • Du brauchst ein vollständig deutschsprachiges Produkt und Support

Kurzfazit

Seeq ist die Referenz für Prozessanalytik auf historischen Zeitreihendaten. Wo SAP, Power BI und klassische BI-Tools an der Eigenart industrieller Sensordaten scheitern (unregelmäßige Abtastraten, fehlende Werte, Signalkonditionierung), ist Seeq nativ darauf gebaut, und für Prozessingenieure ohne Data-Science-Background bedienbar. Mit den 2024 eingeführten AI Assistants hat sich Seeq vom reinen Analyse- zum echten KI-Tool entwickelt: Nutzer beschreiben Analyse-Ziele in natürlicher Sprache, das System schlägt Visualisierungen, Berechnungen und ML-Modelle vor. Die Schwächen, hoher Preis, kein Deutsch, kein eigener Datenkollektor, bleiben bestehen. Wer aber einen produktiven Historian betreibt und ernsthaft mit den Daten arbeiten will, findet kein vergleichbares Werkzeug am Markt.

Für wen ist Seeq?

Prozessingenieure in der chemischen Industrie: Komplexe Verfahren mit Dutzenden gekoppelter Parameter (Temperatur, Druck, pH, Durchfluss, Konzentration) sind das Heimatterrain von Seeq. Wo statistische Prozessregelung (SPC) an einzelnen Grenzwerten scheitert, deckt Seeq multivariate Wechselwirkungen auf, die in klassischen Charts unsichtbar bleiben.

Pharmazeutische Produktion und Bioreaktor-Betrieb: Kontinuierliche Verfahren, GxP-Dokumentationspflicht und die Notwendigkeit, jede Abweichung nachweislich zu untersuchen, Seeq passt strukturell. Audit-Trails, reproduzierbare Berechnungen und Versionierung sind eingebaut, nicht nachträglich angeschraubt.

Energieversorger und Wasserwirtschaft: Große, alte Historian-Bestände (oft 10 Jahre+ in PI) werden mit Seeq erstmals systematisch auswertbar. Trendanalysen über Jahre, Lastprognosen, Erkennung schleichender Effizienzverluste, alles ohne den klassischen “Datenkeller-Konsultation”-Workflow.

Beschichtungs-, Lack- und Oberflächenfertigung: Klassisches Anwendungsfeld für Parameter-Kombinationsanalyse (Temperatur × Luftfeuchtigkeit × Substrat × Linienoptionen). Lohnbeschichter und Lackierereien finden mit Seeq Ursachen für Reklamationsmuster, die in keinem SPC-Chart auftauchen.

Öl, Gas, Mining: Verfahrenstechnik mit langlebigen Anlagen und sehr großen Historian-Datenbeständen. Seeq ist in diesen Branchen seit Jahren etabliert und hat dort vermutlich seinen größten Installed-Base-Block.

Weniger geeignet für: Diskrete Fertigung ohne Historian-Datenbestand, kleine Werkstätten ohne Sensorik, reine Echtzeit-Steuerungsaufgaben (dafür sind SCADA/DCS-Systeme zuständig), Unternehmen, die zwingend auf deutsches UI und deutschsprachigen Premium-Support angewiesen sind.

Preise im Detail

Plan / ModulPreis (USD, Anhaltswert)Was du bekommst
Workbenchca. 1.000–1.500 / Nutzer / JahrHauptmodul für Trend- und Korrelationsanalyse, Signal-Konditionierung, Asset-Hierarchie
Organizerim Workbench-Bundle oder separatDashboards und Reports für Wiederverwendung und Verteilung
Data LabseparatJupyter-basiertes Notebook-Umfeld mit Python, Pandas, scikit-learn auf den Seeq-Daten
AI Assistantsals Add-on oder Bestandteil neuerer PaketeActions Agent, General Agent, Data Lab Agent (siehe Stärken)
Server / Hostingim SaaS-Preis enthalten oder On-Premise lizenziertAWS-SaaS mit EU-Region oder On-Premise-Installation

Einordnung: Seeq publiziert kein öffentliches Pricing, jede Lizenz geht durch den Vertrieb. In der Praxis liegen Workbench-Lizenzen meist bei rund 1.000–1.500 USD pro Nutzer und Jahr; die Gesamtkosten skalieren mit Modulen (Data Lab, AI Assistants), Hosting-Wahl und der Anzahl angebundener Datenquellen. Für ein Pilotprojekt mit 5 Nutzern in der chemischen Produktion solltest du mit einer Jahresinvestition im fünfstelligen Bereich rechnen, sobald Data Lab dazukommt. Das positioniert Seeq deutlich oberhalb generischer BI-Tools, und unterhalb der großen IIoT-Plattformen (PI System Vision, OSIsoft Cloud, AVEVA Insight), zu denen Seeq oft als Analytics-Schicht komplementär eingesetzt wird. Für KMU unter 10 Nutzern lohnt sich Seeq selten; das eigentliche Einsatzgebiet ist der gehobene Mittelstand und Konzern.

Stärken im Detail

Native Zeitreihenlogik. Seeq ist von Grund auf für industrielle Sensordaten gebaut, unregelmäßige Abtastraten, fehlende Werte, Einheiten-Konversionen, Signal-Konditionierung. Was in Power BI oder Excel mühsame Vorverarbeitung wäre, ist in Seeq ein Klick. Für jede Person, die schon einmal versucht hat, einen PI-Export sauber in Excel zu bekommen, ist das ein erheblicher Produktivitätssprung.

Direktanbindung an alle relevanten Historiker. Konnektoren existieren für AVEVA PI (ehemals OSIsoft), Honeywell PHD, InfluxDB, Wonderware, Aspen IP.21, SAP HANA, GE Proficy und weitere. Das ist die zentrale Eintrittshürde im Markt, und Seeq hat sie über Jahre konsequent ausgebaut. Eine Verbindung ist meist in wenigen Stunden eingerichtet, nicht in Wochen.

Seeq AI Assistants (seit 2024) als echter Generationswechsel. Drei Agenten, Actions, General, Data Lab, bringen generative KI in den Workflow. Der General Agent beantwortet Bedienfragen und schlägt Analyse-Schritte vor. Der Actions Agent automatisiert wiederkehrende Aufgaben wie Report-Generierung. Der Data Lab Agent schlägt Python-Code für ML-Modelle vor und hilft beim Feature Engineering. Damit wird das Produkt auch für Ingenieure ohne Python-Hintergrund deutlich zugänglicher, bisher die größte Lernkurve bei Seeq.

Multivariate Analyse ohne Coding. Scatter-Plots, Korrelationsmatrizen, Conditions (Definition von Betriebszuständen über logische Ausdrücke), Capsules (zeitlich begrenzte Ereignisse), alles über die UI zusammenklickbar. Für klassische Root-Cause-Analysen oder Muster-Suche nach Reklamationsereignissen ist das der schnellste Weg von Daten zur Hypothese.

Reproduzierbare, dokumentierbare Analytics. Jede Berechnung in Seeq ist eine eindeutige Formel mit Versionierung. Für GxP-pflichtige Branchen (Pharma, Lebensmittel) ist das ein echter Compliance-Vorteil gegenüber Excel-Tabellen mit handgemalten Trendlinien. Auch die Übergabe zwischen Schichten und Standorten wird belastbarer.

EU-Hosting via AWS verfügbar. Anders als die meisten US-Industrieanalytik-Wettbewerber bietet Seeq die SaaS-Variante in der EU-Region. Für europäische Industriekunden, die zwar in die Cloud gehen wollen, aber Datensouveränität brauchen, ist das ein entscheidender Vorteil, und der Grund, warum Seeq in Deutschland, Frankreich und Skandinavien in den letzten Jahren stark zugelegt hat.

On-Premise als Vollalternative. Wer Air-Gap-Anforderungen hat oder Cloud aus Compliance-Gründen ausschließt, bekommt Seeq als komplette On-Premise-Installation auf eigener Hardware. Das ist im modernen SaaS-Markt eher selten geworden und für streng regulierte Kunden oft das einzige machbare Modell.

Schwächen ehrlich betrachtet

Keine deutschsprachige UI oder Support. Seeq ist Englisch, komplett. Für Werks- und Schichtingenieure ohne fließendes Englisch ist das eine reale Hürde, gerade bei der Adoption über die Pioniernutzer hinaus. Lokale Wettbewerber (z. B. trendminer) sind in deutschsprachiger Bedienung weiter, haben aber funktional Aufholbedarf.

Hohe Lizenzkosten und intransparentes Pricing. Ohne öffentlichen Preisrechner ist jede Evaluation ein Vertriebsprozess. In der Praxis ist Seeq für KMU unter 10 Nutzern wirtschaftlich kaum zu rechtfertigen; der eigentliche Sweetspot beginnt bei mittleren Industriebetrieben mit dedizierter Engineering-Mannschaft. Auch die Modulstruktur (Workbench + Organizer + Data Lab + AI Add-ons) macht die Gesamtkostenrechnung unübersichtlich.

Kein eigener Datenkollektor. Seeq ist eine Analytics-Schicht, kein Datenerfassungssystem. Wer keinen Historian betreibt, muss zuerst PI, InfluxDB, Aspen IP.21 oder eine andere Datenbasis aufbauen, und das ist ein eigenes, oft mehrjähriges Projekt. Wer auf der Wiese steht, fängt mit Seeq nicht an.

Data Lab verlangt weiterhin Python-Können. Die AI Assistants senken die Lernkurve, ersetzen aber kein Python-Verständnis für anspruchsvolle Modelle. Wer Gradient Boosting, neuronale Netze oder Soft Sensors aufbauen will, kommt um Python-Kenntnisse nicht herum, die KI hilft, ersetzt sie nicht.

Modulstruktur kann frustrieren. “Funktion X ist im Workbench, aber das Schreiben in den Historian braucht Data Lab, und die AI Assistants sind ein separates Add-on”, solche Aussagen sind im Vertriebsprozess häufig. Im Vergleich zu Plattformen mit einheitlichem Preis (z. B. AVEVA Insight) fühlt sich das eher wie ein Werkzeugkasten als wie ein Produkt an.

Marktposition zunehmend unter Druck. AVEVA (jetzt Schneider-Electric-Tochter) bündelt eigene Analytics-Funktionen direkt in PI System Vision; Microsoft schiebt Fabric/Real-Time Intelligence in den industriellen Bereich; IIoT-Plattformen (Tulip, Cognite, AVEVA Insight) bauen Analytics als integrierten Bestandteil ein. Seeq bleibt das spezialisierteste Werkzeug, muss aber die “Standalone Analytics”-Positionierung gegenüber zunehmender Bundling-Konkurrenz verteidigen.

Alternativen im Vergleich

Wenn du……nimm stattdessen
Eine vollintegrierte IIoT-Plattform statt Standalone-Analytics willstTulip oder andere IIoT-Suiten (Cognite Data Fusion, AVEVA Insight)
Vibrations-/Sensorik-basierte Predictive Maintenance brauchstAugury
Geringere Anschaffungskosten und einfacheres Tooling willstPower BI mit Time-Series-Plugin
Eine CMMS-/Wartungs-Lösung statt Analytics suchstMaintainX oder UpKeep

Erwähnenswert ohne eigene Tool-Seite: TrendMiner (Software AG, deutschsprachiger Wettbewerber mit ähnlichem Konzept), Aspen Mtell (predictive maintenance, AspenTech), Falkonry (industrielle Time-Series-ML), Element Unify (Industrial DataOps). Seeq bleibt für die Kombination aus Prozessingenieur-Bedienbarkeit, Historian-Anbindung und reifer Analytics-Tiefe schwer zu schlagen, der Vergleich lohnt sich vor allem mit TrendMiner für DACH-Kunden, denen das deutsche UI wichtig ist.

So steigst du ein

Schritt 1: Vereinbare mit dem Seeq-Vertrieb (oder einem Partner wie ATS, Cognizant Industries, ZIB Industries für DACH) eine technische Demo mit eigenen Daten. Seeq ist ein Tool, das man nur ehrlich beurteilen kann, wenn man die eigene Historian-Datenbasis im Tool sieht, generische Demos sagen wenig. Plane für die Verbindung deines Historians 1–2 Tage Vorbereitung und einen Workshop ein.

Schritt 2: Starte mit einem klar abgegrenzten Pilotprojekt, typisch eine Anlage, ein konkretes Qualitätsproblem oder eine Reklamationsmuster-Analyse, und 3–5 Nutzer. Definiere eine messbare Erfolgsmetrik (Anzahl identifizierter Ursachen, Reduktion der Reklamationsquote, Zeit für Wurzelursachenanalyse). 3 Monate sind ein realistischer Zeitrahmen für ein erstes Ergebnis.

Schritt 3: Bevor du Data Lab und AI Assistants dazu nimmst, sollte Workbench im Pilot-Team produktiv sein. Erst wenn die Engineering-Mannschaft die Grundkonzepte (Conditions, Capsules, Signals) beherrscht, lohnen sich die ML-Module, sonst sind das schöne Add-ons ohne Anwender. AI Assistants beschleunigen die Lernkurve, ersetzen aber nicht das fachliche Verständnis.

Ein konkretes Beispiel

Ein mittelständischer Lohnbeschichter aus Sachsen-Anhalt mit 3 Beschichtungslinien betreibt seit 2018 einen AVEVA-PI-Historian. In den vergangenen 18 Monaten hat das Unternehmen 47 Haftungsreklamationen erfasst, aber keiner der SPC-Charts zeigte auffällige Grenzwertüberschreitungen. Der Qualitätsingenieur richtet in Seeq eine Verbindung zum PI-Server ein (4 Stunden) und lädt die Reklamationszeitpunkte aus dem QMS als Annotation-Datei. Im Seeq-Scatter-Plot überlagert er die Reklamationen mit Substrat-Eingangstemperatur, Luftfeuchtigkeit und Bahngeschwindigkeit der jeweils vorangegangenen Schicht. Das Muster wird sichtbar: Reklamationen häufen sich bei Substrat-Eingangstemperatur unter 12 °C UND Luftfeuchtigkeit über 68 %, beide Parameter lagen je für sich innerhalb der Toleranz, daher kein einzelner SPC-Chart-Alarm. Auf Basis dieser Erkenntnis wird ein zusätzlicher Wartebereich mit kontrollierter Klimatisierung eingerichtet (Investition: 38.000 EUR). Die Reklamationsquote sinkt im folgenden Quartal um 71 %. Pilotkosten Seeq: 5 Nutzer × Workbench × 1 Jahr, amortisiert binnen sechs Monaten.

DSGVO & Datenschutz

  • Datenhosting SaaS: AWS, EU-Region verfügbar (z. B. eu-central-1 Frankfurt). Wahlweise auch US-Regionen, die Region wird beim Setup vertraglich festgelegt.
  • Datenhosting On-Premise: Vollständige Installation auf eigener Hardware möglich. Für Air-Gap-Umgebungen das saubere Modell.
  • Datennutzung: Anbieter verarbeitet Kundendaten ausschließlich im Auftrag, keine Nutzung für generische KI-Trainings. Die AI Assistants arbeiten auf der jeweiligen Kundendatenbasis. Detaillierte Aussagen zur Architektur (welches Foundation Model im Hintergrund, welche Daten in welcher Form an externe Modell-Provider gehen) gehören in jede Datenschutz-Folgenabschätzung.
  • Auftragsverarbeitung (AVV): Standard-AVV ist Vertragsbestandteil. Deutschsprachige Fassung üblicherweise verhandelbar.
  • Zertifizierungen: SOC 2 Type II; weitere Zertifizierungen branchenspezifisch über Partner und Implementierer.
  • Empfehlung für regulierte Branchen: Pharma, Lebensmittel, Chemie: On-Premise oder EU-SaaS mit klarer Trennung zwischen Standard-Analytics und AI-Assistant-Datenflüssen. Für jede AI-Assistant-Nutzung sollte geklärt sein, ob Prompts oder Modellausgaben über externe Foundation-Model-Provider laufen, und wenn ja, mit welchem Datenfluss.

Gut kombiniert mit

  • Power BI, Seeq macht die tiefe Prozessanalyse, Power BI verteilt aggregierte Ergebnisse an Management und Schichtleitung. Seeq-Berechnungen lassen sich als KPI-Strom an Power BI weitergeben.
  • MaintainX, Seeq erkennt Anomalien in Prozessdaten, MaintainX organisiert die Wartungsaufträge, die daraus entstehen. Klassische Analytics-CMMS-Kombination, wenn Anomalien in konkrete Werkstattaktionen übersetzt werden sollen.
  • ChatGPT, für die Übersetzung technischer Seeq-Befunde in laienverständliche Berichte für Geschäftsführung, Audit oder Kunden. Ingenieur formuliert Befund stichpunktartig, ChatGPT bereitet auf.

Unser Testurteil

Seeq verdient 4 von 5 Sternen. In der Kategorie “Prozessanalytik auf historischen Zeitreihendaten” ist es weiterhin das reifste Werkzeug am Markt, kein anderes Produkt verbindet Historian-Anbindung, native Zeitreihenlogik und Ingenieur-Bedienbarkeit so konsequent. Die 2024 eingeführten AI Assistants sind kein Marketing-Stunt, sondern eine substanzielle Erweiterung, die das Tool für eine breitere Nutzerschicht öffnet. Den fünften Stern kostet das Fehlen einer deutschen UI, das intransparente Pricing, die Modulzersplitterung und die Tatsache, dass die Mindesteinstiegskosten viele KMU außen vor lassen. Für mittlere und große Industriebetriebe mit produktivem Historian ist Seeq trotzdem nahe an der Pflichtevaluation. Für KMU ohne Historian ist es die falsche Antwort auf die richtige Frage.

Was wir bemerkt haben

  • 2024, Einführung der Seeq AI Assistants (Actions, General, Data Lab Agent), ausgezeichnet als Produkt des Jahres 2024 in der Kategorie Industrial Analytics. Damit wechselt Seeq von “Werkzeug für Profi-Ingenieure” zu “Werkzeug, das man auch als Newcomer in Wochen produktiv nutzen kann”, ein nicht zu unterschätzender strategischer Schritt.
  • 2024–2025, AVEVA (Schneider-Electric-Tochter, seit 2023 vollständig privatisiert) hat eigene Analytics-Funktionen in PI System Vision deutlich ausgebaut. Damit erodiert die historische Komplementärbeziehung zwischen Seeq und PI, Seeq muss sich zunehmend gegen die eigene Datenquellen-Plattform behaupten.
  • 2025, Microsoft Fabric / Real-Time Intelligence dringt in den industriellen Time-Series-Markt vor, mit aggressivem Pricing und tiefer Azure-Integration. Für Seeq-Bestandskunden mit Microsoft-Strategie zunehmend eine reale Vergleichsoption.
  • 2025–2026, EU-Region für SaaS-Hosting wurde weiter ausgebaut. Damit ist Seeq für europäische Industriekunden, die in die Cloud wollen, eine der wenigen ernsthaften Optionen ohne US-Datenfluss, ein Unterscheidungsmerkmal, das im aktuellen Compliance-Umfeld (Schrems II, US Cloud Act) immer wichtiger wird.
  • Mai 2026, Eine deutschsprachige UI oder ein deutschsprachiger Premium-Support ist weiterhin nicht angekündigt. Für DACH-Industriekunden bleibt das die größte funktionale Lücke gegenüber TrendMiner und lokalen Anbietern.

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