Seeq ist eine Prozessanalytik-Plattform speziell für historische Zeitreihendaten aus Produktionsanlagen. Sie verbindet sich direkt mit Historikern (AVEVA PI, OSIsoft, InfluxDB) und ermöglicht Ingenieuren ohne Programmierkenntnisse, Parameterkorrelationen, Muster und Anomalien in Prozessdaten zu erkennen — besonders stark für die nachträgliche Wurzelursachenanalyse.
Kosten: ca. 1.000–1.200 USD/Nutzer/Jahr (Workbench-Lizenz); Data Lab und ML-Module separat erhältlich. Kein öffentlicher Preisrechner — Angebote über Vertrieb.
Stärken
- Direktanbindung an alle gängigen Historiker (AVEVA PI, Honeywell PHD, AVEVA IntelliTags)
- Visuelles Korrelations-Toolset ohne Coding: Trendanalyse, Scatter-Plots, Signal-Konditionierung
- Seeq Data Lab ermöglicht Python-ML-Modelle direkt auf historischen Prozessdaten
- Speziell für Prozessingenieure gebaut — kein Data-Science-Background erforderlich
- EU-Hosting-Option verfügbar
Einschränkungen
- Kein deutschsprachiger Support oder UI
- Hohe Lizenzkosten für KMU unter 10 Nutzern
- Sinnvoll erst ab vorhandenem Historian (AVEVA PI, InfluxDB) — kein eigenes Datenerfassungssystem
- ML-Funktionen (Data Lab) erfordern Python-Kenntnisse für anspruchsvollere Modelle
Passt gut zu
So steigst du ein
Schritt 1: Verbinde Seeq mit deinem vorhandenen Historian (AVEVA PI, InfluxDB, Honeywell PHD) über einen der mitgelieferten Konnektoren. Die Verbindung ist meist in 1–2 Stunden eingerichtet, sofern der Historian im Netz erreichbar ist.
Schritt 2: Definiere eine Qualitätssignal-Gruppe: Lade deine Ausschuss- oder Fehlerdaten (z.B. aus dem QMS oder Labor-LIMS) als Zeitreihe in Seeq, damit das System sie zusammen mit den Prozessparametern visualisiert.
Schritt 3: Nutze die Scatter-Plot- und Korrelations-Funktion, um die stärksten Einzelparameter-Zusammenhänge zu identifizieren. Für multivariate Interaktionen (z.B. Temperatur × Luftfeuchtigkeit) kann Seeq Data Lab (Python) eingesetzt werden, um einfache Gradient-Boosting-Modelle direkt auf den historischen Daten zu trainieren.
Ein konkretes Beispiel
Ein mittelständischer Lohnbeschichter betreibt 3 Beschichtungslinien mit AVEVA PI als Historian. In den vergangenen 18 Monaten hat er 47 Haftungsreklamationen erfasst — aber keiner der SPC-Charts zeigte auffällige Grenzwertüberschreitungen. In Seeq lädt der Qualitätsingenieur die Reklamationszeitpunkte als Annotation-Datei und überlagert sie mit den Prozessparametern der vorangegangenen Schicht. Im Scatter-Plot zeigt sich: Die Reklamationen häufen sich bei Kombinationen von Substrat-Eingangstemperatur unter 12°C und Luftfeuchtigkeit über 68 % — ein Muster, das kein einzelner SPC-Chart erfasst hatte, weil beide Parameter je für sich innerhalb der Toleranz lagen.
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