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ORCA AVA

RIB Software GmbH (ORCA Software)

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ORCA AVA ist die marktführende deutsche Software für Ausschreibung, Vergabe und Abrechnung (AVA) im Bauwesen. Architekten, Ingenieure und Bauherren erstellen damit Leistungsverzeichnisse (LV), führen Ausschreibungen durch, werten Angebote aus und rechnen Bauleistungen ab — konform mit HOAI, VOB und allen deutschen Normen.

Kosten: ORCA AVA ab ca. 1.200 EUR/Jahr (Einzellizenz), Netzwerklizenzen und Modulpakete auf Anfrage; kostenlose Testversion verfügbar

Stärken

  • Marktführer für AVA in Deutschland — de-facto Standard in deutschen Planungsbüros
  • Vollständig auf deutsche Normen ausgerichtet: HOAI, VOB, StLB-Bau, DIN 276
  • Umfangreiche Datenbank mit Standardleistungsverzeichnissen (STLB-Bau, Heinze)
  • Nahtlose Integration mit CAD-Tools und BIM-Workflows (IFC, Revit, AutoCAD)
  • GAEB-kompatibler Datenaustausch mit allen gängigen Bieter-Systemen

Einschränkungen

  • Ausschließlich für den deutschen und österreichischen Markt relevant
  • Lernkurve für neue Nutzer — komplexe Normenlandschaft erfordert Fachkenntnis
  • Kein modernes Cloud-First-Konzept — primär Desktop-Anwendung
  • Preise nicht öffentlich einsehbar — Angebotsprozess nötig für genaue Kosten

Passt gut zu

Architektur- und Ingenieurbüros in Deutschland Bauherrenvertreter und Projektsteuerer Öffentliche Auftraggeber mit VOB-Ausschreibungspflicht Wohnungsbaugesellschaften und kommunale Bauträger

Wann ja, wann nein

Wann ja

  • Du bist Architekt oder Ingenieur und erstellst regelmäßig Leistungsverzeichnisse nach STLB-Bau
  • Du führst Ausschreibungen nach VOB/A durch und brauchst rechtssichere Vergabedokumentation
  • Du willst GAEB-Dateien von Bietern automatisch einlesen und auswerten
  • Dein Büro rechnet Bauleistungen nach HOAI ab und braucht durchgängige LV-Verwaltung

Wann nein

  • Du arbeitest außerhalb des DACH-Raums oder mit internationalen Vergabeverfahren
  • Du suchst eine leichtgewichtige Cloud-Lösung für einfache Kostenschätzungen
  • Dein Team ist unter 3 Personen und der Projektumsatz rechtfertigt keine Jahreslizenz
  • Du willst eine reine SaaS-Lösung ohne lokale Installation

Kurzfazit

ORCA AVA ist für deutsche Planungsbüros das, was Word für Büroarbeit ist: kaum jemand hat jemals ernsthaft nach einer Alternative gesucht. Die Software deckt den gesamten AVA-Prozess ab — von der ersten Kostenschätzung nach DIN 276 über die STLB-Bau-Leistungsverzeichnisse bis zum GAEB-Angebotsvergleich und der HOAI-konformen Abrechnung. Wer im deutschen Bauwesen tätig ist und AVA-Software sucht, wird um ORCA kaum herumkommen. Die größten Schwächen sind das Desktop-First-Konzept und die für internationale Nutzer irrelevante Normenausrichtung.

Für wen ist ORCA AVA?

Architektur- und Ingenieurbüros: Der Hauptanwendungsfall. Büros jeder Größe nutzen ORCA AVA für die Erstellung von Leistungsverzeichnissen, die Durchführung von Ausschreibungen und die Abrechnung mit Auftraggebern. Die STLB-Bau-Datenbank und HOAI-Integration ersparen viele Stunden manueller Arbeit pro Projekt.

Öffentliche Auftraggeber: Kommunen, Landkreise und Bundesbehörden mit Ausschreibungspflicht nach VOB/A setzen ORCA AVA ein, um rechtssichere Vergabedokumentation zu erzeugen. Die automatische Einhaltung von VOB-Fristen und die strukturierte Bieterauswertung sind hier besonders relevant.

Wohnungsbaugesellschaften und Bauträger: Für Bauherren, die mehrere Instandhaltungs- oder Neubau-Projekte parallel laufen haben, bietet ORCA AVA eine zentrale LV-Verwaltung und die Möglichkeit, Standardpositionen über Projekte hinweg wiederzuverwenden.

Projektsteuerer und Bauherrenvertreter: Wer auf Auftraggeber-Seite die Kostenkontrolle verantwortet, nutzt ORCA AVA für Prüf- und Freigabeprozesse, Nachtragsprüfungen und die Dokumentation aller Vergabeentscheidungen.

Weniger geeignet für: Kleine Freelancer mit nur 1-2 Projekten pro Jahr, bei denen der Lizenzpreis schwer zu rechtfertigen ist. Internationale Teams oder Büros in Österreich außerhalb des ÖNORM-Rahmens. Wer ausschließlich einfache Kostenkalkulationen braucht, ohne die komplexe Ausschreibungswelt, findet mit leichteren Tools mehr Wert.

Preise im Detail

PlanPreisWas du bekommst
Einzellizenzca. 1.200 EUR/JahrVollversion ORCA AVA für einen Arbeitsplatz, inkl. STLB-Bau-Datenbank und Updates
NetzwerklizenzAuf AnfrageMehrere gleichzeitige Nutzer im lokalen Netz, zentraler Datenbankserver
ModulpaketeAuf AnfrageZusatzmodule (z. B. Baupreisindex, Heinze-Datenbank, spezielle Schnittstellen)
TestversionKostenlosVollständige Funktionalität für 30 Tage, Daten können nach Kauf übernommen werden

Einordnung: Die genauen Preise veröffentlicht ORCA nicht offen — du musst ein Angebot anfragen oder den Vertrieb kontaktieren. Für mittelgroße Planungsbüros mit 5-15 Arbeitsplätzen ist ORCA AVA eine signifikante Jahresinvestition, die sich aber bei regelmäßigem Einsatz schnell amortisiert: Schon zwei bis drei eingesparte Arbeitstage pro Projekt können die Lizenzkosten decken. Für Einzelkämpfer unter 3 Projekten pro Jahr lohnt sich der Aufwand eher nicht.

Stärken im Detail

De-facto Standard im deutschen Markt bedeutet maximale Kompatibilität. Wenn du ORCA AVA nutzt, sprechen alle Beteiligten dieselbe Sprache: Bieter erwarten GAEB-Dateien, öffentliche Auftraggeber akzeptieren ORCA-Ausgaben ohne Nachfragen, und Kollegen aus anderen Büros kennen das System. Diese Netzwerkeffekte sind nicht zu unterschätzen — bei Vergaben mit 10 Bietern hat jedes Büro ORCA oder ein GAEB-kompatibles Alternativsystem, was den Datenaustausch reibungslos macht.

Die STLB-Bau-Datenbank spart Stunden pro Leistungsverzeichnis. Statt Positionen von Hand zu formulieren, wählt man aus zigtausend geprüften Standardleistungsbeschreibungen aus. Für Standardgewerke (Rohbau, Trockenbau, Sanitär) sind die meisten Positionen fertig formuliert — rechtssicher, normgerecht, mit korrekten Einheiten. Das ist der größte Zeitvorteil von ORCA gegenüber Excel oder Word.

GAEB-Austausch funktioniert zuverlässig. Das standardisierte GAEB-Format für Leistungsverzeichnisse ist die Grundlage des deutschen Ausschreibungswesens. ORCA AVA liest GAEB-Dateien von Bietern automatisch ein, normalisiert Preise und erzeugt einen strukturierten Preisspiegel — ohne manuelle Dateneingabe. Das eliminiert Übertragungsfehler und verkürzt die Angebotsauswertung von Tagen auf Stunden.

BIM-Integration für modellbasierte Mengenermittlung. Über IFC-Schnittstellen können Bauteile aus Revit oder ArchiCAD direkt mit LV-Positionen verknüpft werden. Ändert sich das Modell, aktualisieren sich Mengen in ORCA automatisch. Das ist für BIM-affine Büros ein großer Vorteil gegenüber klassischer manueller Mengenermittlung — und entspricht dem openBIM-Standard.

Schwächen ehrlich betrachtet

Desktop-First ist ein echtes Komfortproblem. ORCA AVA ist primär eine Windows-Desktop-Anwendung. Remote-Arbeit, Zugriff vom Tablet auf der Baustelle oder kollaboratives Bearbeiten mit Kollegen im Home-Office sind umständlich oder erfordern zusätzliche Infrastruktur (VPN, Terminal Server). Konkurrenten wie California.pro beginnen, cloud-native Alternativen anzubieten — ORCA holt das erst nach.

Lernkurve für Einsteiger ist real. Wer noch nie mit VOB, STLB-Bau und GAEB gearbeitet hat, ist mit ORCA AVA nicht sofort produktiv. Das liegt weniger an der Software selbst, sondern daran, dass sie eine tief normenspezifische Domäne abbildet. ORCA bietet Schulungen und Webinare an — aber das kostet Zeit und Geld zusätzlich zur Lizenz.

Preistransparenz fehlt. Konkrete Listenpreise gibt es auf der Website nicht. Für kleinere Büros oder Existenzgründer, die schnell entscheiden wollen, ist dieser Angebotsprozess ein Hindernis. Wettbewerber im Cloud-Bereich zeigen dagegen alle Preise sofort.

Kein vollständiges Projektmanagement. ORCA AVA ist stark im AVA-Prozess, deckt aber Baustellenmanagement, Mängelmanagement oder Teamkommunikation nicht ab. Wer ein echtes Projektzentrum sucht, muss ORCA mit anderen Tools kombinieren — was Integrationskomplexität bedeutet.

Alternativen im Vergleich

Wenn du……nimm stattdessen
5D-BIM-Kostenmanagement in Großprojekten brauchstRIB iTWO
Baustellenmanagement und Ausführung zentral steuern willstProcore
Mängeldokumentation und Bautagebuch digital führen willstPlanRadar
Eine cloud-native Plattform für alle Baubeteiligten suchstAutodesk BIM 360

ORCA AVA ist kein Projektmanagement-Tool — es ist die Speziallösung für den AVA-Prozess. Für Großprojekte mit komplexem BIM-Workflow ist RIB iTWO die natürliche Ergänzung (beide gehören zur RIB-Gruppe), für die Bauausführung brauchst du ein separates Tool wie Procore oder PlanRadar.

So steigst du ein

Schritt 1: Lade ORCA AVA von orca-software.com herunter und starte die 30-tägige Testversion. Die Standardinstallation dauert unter 15 Minuten. Für neue Nutzer empfiehlt ORCA ein kostenloses Einführungswebinar, das die wichtigsten Workflows erklärt — nimm dieses Angebot wahr, bevor du alleine loslegst.

Schritt 2: Erstelle dein erstes Leistungsverzeichnis mit der STLB-Bau-Datenbank: Wähle das passende Gewerk (z. B. Rohbau, Trockenbau), durchsuche die Standardleistungsbeschreibungen und füge relevante Positionen per Drag & Drop in dein LV ein. Das ist deutlich schneller als von Hand formulieren — und du lernst dabei die Struktur der Datenbank kennen.

Schritt 3: Nutze den integrierten Angebotsvergleich nach der Ausschreibung: ORCA AVA liest GAEB-Dateien von Bietern automatisch ein, normalisiert Einheitspreise und erstellt einen übersichtlichen Preisspiegel nach VOB — inklusive automatischer Plausibilitätsprüfung auf ungewöhnlich günstige oder teure Positionen. Die Vergabeempfehlung inklusive Vergabevermerk ist danach in einer Stunde fertig.

Ein konkretes Beispiel

Ein Architekturbüro in München mit zehn Mitarbeitern wickelt jährlich 15 bis 20 Bauvorhaben über ORCA AVA ab. Für einen Schulneubau mit 340 Positionen wird das Leistungsverzeichnis in zwei Tagen erstellt — früher dauerte es eine Woche. Nach Angebotseingabe von 7 Bietern vergleicht ORCA AVA alle Positionen automatisch und markiert Ausreißer farblich. Die Vergabeempfehlung ist in einer Stunde fertig, inklusive rechtssicherem Vergabevermerk, der direkt ausgedruckt und archiviert wird. Das Büro spart pro Projekt durchschnittlich drei Personentage — bei 18 Projekten im Jahr entspricht das fast einem Vollzeitäquivalent.

DSGVO & Datenschutz

  • Datenhosting: Deutschland — ORCA ist eine deutsche Desktopanwendung, Daten liegen lokal auf deinen eigenen Servern oder Rechnern
  • Cloud-Komponenten: Minimale Cloud-Anbindung (Update-Server, Datenbank-Abonnement); keine Übertragung von Projektdaten in die Cloud
  • Datenhoheit: Vollständig beim Nutzer — Projektdaten verbleiben im eigenen Netzwerk, keine SaaS-Datenspeicherung bei ORCA
  • DSGVO-Relevanz: Da keine personenbezogenen Projektdaten an ORCA übermittelt werden, ist das DSGVO-Risiko minimal
  • Auftragsverarbeitung (AVV): Nicht relevant für Standardbetrieb; bei Cloud-Zusatzdiensten auf Anfrage klären
  • Empfehlung für Unternehmen: Für DSGVO-sensible Auftraggeber (öffentliche Hand, Wohnungswirtschaft) ist ORCA AVA wegen der lokalen Datenhaltung oft die sicherste Wahl gegenüber Cloud-Lösungen

Gut kombiniert mit

  • RIB iTWO — ORCA AVA für schlanke AVA in mittelgroßen Planungsbüros, RIB iTWO für 5D-BIM-Kostenmanagement in Großprojekten; beide Produkte stammen aus der RIB-Gruppe und teilen eine gemeinsame Datenbasis
  • Procore — ORCA-erstellte LVs und Vergabeentscheidungen in Procore für die Bauausführungsphase weiterführen; GAEB-Export ermöglicht sauberen Datentransfer
  • PlanRadar — Mängel auf der Baustelle in PlanRadar dokumentieren und mit ORCA-Abrechnungspositionen verknüpfen; spart doppelte Dateneingabe bei der Schlussrechnung

Unser Testurteil

ORCA AVA verdient 4 von 5 Sternen. In seinem Kernbereich — der Erstellung normgerechter Leistungsverzeichnisse und rechtssicherer Vergabedokumentation für den deutschen Markt — gibt es schlicht keine bessere Lösung. Die STLB-Bau-Integration, der GAEB-Workflow und die tiefe HOAI/VOB-Konformität sind Alleinstellungsmerkmale, die kein ausländischer Wettbewerber bietet. Den fünften Stern verliert ORCA AVA durch das fehlende Cloud-Konzept, die intransparente Preisgestaltung und die steile Lernkurve für Einsteiger. Wer im deutschen Planungswesen tätig ist, kommt kaum darum herum — für alle anderen ist es irrelevant.

Was wir bemerkt haben

  • 2019 — ORCA Software wurde von der RIB Software SE übernommen. Die Marke ORCA und die Produktentwicklung blieben weitgehend unverändert, aber strategisch rückt ORCA näher an das RIB-iTWO-Ökosystem heran. Langfristig ist eine stärkere Integration der beiden Produktlinien zu erwarten.
  • 2022–2024 — Die BIM-Integration wurde schrittweise ausgebaut: Neue IFC-Schnittstellen erlauben eine direktere Verknüpfung mit BIM-Modellen aus Revit und ArchiCAD. Das ist ein klares Zeichen, dass ORCA den Übergang von klassischer 2D-Planung zu modellbasiertem Bauen aktiv mitgestalten will.
  • Laufend — Die Desktop-Architektur bleibt das größte offene Thema. Cloud-native Wettbewerber gewinnen in jüngeren Planungsbüros zunehmend an Bedeutung. ORCA hält mit Web-Viewer-Funktionen dagegen, aber eine vollständige Browser-Lösung ist noch nicht verfügbar.

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