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Architektur & Planung ausschreibungleistungsverzeichnislv

Ausschreibungstexte und Leistungsbeschreibungen automatisieren

KI erstellt Entwürfe für Leistungsbeschreibungen, Ausschreibungstexte und Bieterhinweise aus eigenen Planunterlagen und Musterdokumenten, und spart Stunden pro Gewerk.

Mit KI-Agenten recherchiert und geschrieben, verantwortlich: Redaktion KI-Syndikat. So arbeiten wir Fehler melden

⚡ Auf einen Blick
Problem
Leistungsverzeichnisse und Ausschreibungstexte für LPH 6 und 7 verschlingen enorme Kapazitäten: Texte müssen präzise, normkonform und vollständig sein, und für jedes Projekt neu formuliert werden.
KI-Lösung
Ein LLM (ChatGPT oder Claude) übernimmt eigene Referenz-LVs als Kontext und generiert daraus Textentwürfe für neue Leistungspositionen, die projektspezifisch angepasst werden, die Fachprüfung bleibt beim Architekten.
Typischer Nutzen
30–50 % weniger Schreibaufwand pro Gewerk, konsistentere Formulierungen, weniger Rückfragen von Bietern durch klarere Texte.
Setup-Zeit
In 1–2 Wochen einsetzbar mit Vorlagen
Kosteneinschätzung
20–23 €/Monat, kein Setup-Invest bei vorhandenem Abo
ChatGPT / Claude mit Referenztexten (kein Setup)Prompt-Bibliothek für häufigste Gewerke (1–2 Wochen)Gemini Notebook (ehemals NotebookLM) als durchsuchbares LV-Archiv
Worum geht's?

Es ist Dienstag, 17:15 Uhr.

Kai Mertens sitzt in seinem Hamburger Architekturbüro und tippt Ausschreibungstexte für ein Wohngebäude mit 24 Einheiten. Gewerk Trockenbau: 187 Positionen. Er hat das letzte Projekt mit ähnlichem Trockenbau-Umfang vor anderthalb Jahren abgewickelt, die Texte liegen irgendwo in einer alten Word-Datei, aber er findet die Positionsnummerierung nicht mehr, die Beschreibungen waren auf ein anderes Bausystem zugeschnitten, und die neuen Baupartner wollen ohnehin GAEB-Dateien statt Word-Dokumente.

Kai schätzt: Vier bis fünf Tage für das gesamte Leistungsverzeichnis, wenn er es ordentlich macht. Gleichzeitig hat er nächste Woche Baubeginn auf einer anderen Baustelle und morgen einen Bauherrentermin. Er kürzt die Positionen ab, wo er glaubt, es sei klar genug. Drei Wochen nach der Ausschreibung kommen die ersten Rückfragen: Was genau ist mit “Schallschutz nach Anforderung” gemeint? Welcher Putzträger ist vorgesehen?

Zwei Bietergespräche, nachträgliche Klarstellungen, ein Nachtrag schon vor Baubeginn.

Das ist der Preis unvollständiger Ausschreibungstexte, und er ist höher als die Zeit, die Kai beim Schreiben gespart hat.

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Das echte Ausmaß des Problems

Die Erstellung von Leistungsverzeichnissen ist in deutschen Planungsbüros einer der zeitintensivsten und gleichzeitig ungeliebtesten Arbeitsschritte. Die HOAI bewertet die Leistungsphasen 6 und 7 bei Gebäuden zusammen mit 14 Prozent des Honorars: 10 Prozent für die Vorbereitung der Vergabe, 4 Prozent für die Mitwirkung bei der Vergabe (§ 34 Abs. 3 HOAI). Wie viel Arbeitszeit tatsächlich hineinfließt, hat niemand repräsentativ erhoben. Der Großteil der Arbeit ist Schreibarbeit: Leistungspositionen formulieren, Mengen ermitteln, Bieterhinweise verfassen, GAEB-Dateien erstellen.

Das Paradox: Diese Arbeit ist repetitiv und gleichzeitig haftungsrelevant. Eine schlecht formulierte Leistungsposition führt dazu, dass Bieter unterschiedliche Preise für dasselbe Bauteil kalkulieren, und der günstigste Anbieter die Differenz nachträglich als Nachtrag geltend macht. Geht der Nachtrag auf eine lückenhafte Leistungsbeschreibung zurück, fragt der Bauherr schnell, ob das ein Planungsfehler war.

Standardleistungstexte wie STLB-Bau, die AVA-Programme wie ORCA AVA als Textkatalog einbinden, haben dieses Problem teilweise entschärft, aber die Textkataloge decken Standardgewerke gut ab, während projektspezifische Besonderheiten (ungewöhnliche Konstruktionen, Sondermaterialien, besondere Ausführungsanforderungen) weiterhin individuell formuliert werden müssen. Genau hier setzt die KI an.

Mit vs. ohne KI, ein ehrlicher Vergleich

KennzahlOhne KI-UnterstützungMit KI-Unterstützung
Zeit für Ausschreibungstext Standardgewerk (Trockenbau, Estrich)4–8 Std. manuell2,5–5 Std. mit KI-Entwurf + Prüfung
Konsistenz zwischen GewerkenAbhängig von Erfahrung und ZeitDurch Vorlagen-Kontext einheitlicher
Rückfragen von BieternNicht repräsentativ erhoben, zähl sie je LVWeniger, soweit sie auf unklare Formulierungen zurückgehen
Nachtragspotenzial durch unklare TexteHoch bei ZeitdruckGeringer bei vollständigen Positionsbeschreibungen
Skalierbarkeit LV-Erstellung mit TeamBegrenzt durch Einzelperson-Know-howAuch Berufsanfänger können Entwürfe erstellen

Einschätzung auf einen Blick

Zeitersparnis, hoch (4/5) Nach unserer Annahme sparst du 1,5–3 Stunden pro Gewerk, wenn du bestehende Vorlagentexte als Kontext mitgibst. Bei 10–15 Gewerken pro Projekt summiert sich das auf 15–45 Stunden, einer der größten messbaren Zeitgewinne in LPH 6/7. Nicht der stärkste Use Case in dieser Kategorie (den hält die Entwurfsvisualisierung), aber der konsistenteste: Der Zeitgewinn tritt bei jedem Projekt auf.

Kosteneinsparung, mittel (3/5) Die Kostenersparnis ist indirekt: Das gleiche Team kann mehr Projekte bearbeiten, ohne dass mehr Personal eingestellt wird. Vermiedene Nachträge sparen vor allem dem Bauherrn Geld, dem Büro ersparen sie Ärger und das Risiko, dass ihm die Mehrkosten als Planungsfehler angelastet werden. Reale Kostenersparnis entsteht dort, wo ein Büro durch bessere Kapazität an mehr Aufträgen teilnehmen kann.

Schnelle Umsetzung, hoch (4/5) Einer der einfachsten Einstiege in dieser Kategorie. Du brauchst kein Setup, keine Integration, nur ChatGPT oder Claude und deine eigenen Vorlagentexte. In einer bis zwei Wochen entsteht eine Prompt-Bibliothek, die für deine häufigsten Gewerke funktioniert. Wer bereits ORCA AVA oder eine andere AVA-Software nutzt, kann KI als Ergänzung einsetzen, ohne etwas umzustellen.

ROI-Sicherheit, hoch (4/5) Der ROI ist direkt messbar: Stunden pro Gewerk vorher und nachher. Das ist selten in dieser Kategorie, die meisten Architektur-Use-Cases haben indirekte Nutzen. Wer drei Monate lang sauber Zeiten misst, hat klare Daten. Dieser Use Case eignet sich daher auch als Einstiegsprojekt für Teams, die KI beweisbar machen wollen.

Skalierbarkeit, sehr hoch (5/5) Jedes weitere Projekt profitiert gleich stark. Die Prompt-Bibliothek wächst mit jedem Gewerk, das du einmal gut formuliert hast. Und weil LV-Texte naturgemäß repetitiv sind, Mauerwerk im Wohnungsbau ist immer ähnlich, steigt die Qualität des Outputs mit der Größe der Vorlagenbibliothek.

Richtwerte, stark abhängig von Bürogröße, Projekttypen und Qualität der vorhandenen Vorlagenbibliothek.

Was KI bei Ausschreibungstexten konkret macht

KI kann in der LV-Erstellung in zwei klar unterschiedlichen Bereichen helfen.

Bereich 1: Textentwürfe für Standardpositionen

Du gibst an, welches Bauteil du beschreiben willst, und lädst einen ähnlichen Text aus einem früheren Projekt als Referenz hoch. Die KI generiert einen angepassten Entwurf. Zum Beispiel:

“Erstelle eine Leistungsbeschreibung für die Position ‘Gipskarton-Trennwand, 2-lagig beplankt, Schallschutzwert Rw ≥ 47 dB, Wandhöhe 3,20 m’. Nutze als Referenz die beigefügte Position aus unserem Trockenbau-LV vom Projekt [X].”

Das Ergebnis ist ein präzis formulierter Textentwurf, den du auf Vollständigkeit und Projektspezifik prüfst. Dieser Schritt spart nicht das Fachurteil, er spart das Formulieren des Rohtextes.

Bereich 2: Bieterhinweise und Vertragstexte

Vorbemerkungen, Bieterhinweise und allgemeine Vertragsbedingungen sind hochgradig standardisiert. Hier ist KI am stärksten: Du gibst Projekttyp, Auftraggeber (öffentlich/privat), VOB-Geltung und besondere Anforderungen an, und erhältst einen strukturierten Textentwurf, der die üblichen VOB/B-Klauseln enthält.

Was KI bei LV-Texten definitiv nicht kann:

Mengenermittlung: KI kann keine Pläne lesen und keine Mengen ermitteln. Das bleibt ein manueller oder AVA-gesteuerter Schritt. Ohne Mengenangabe ist kein LV vollständig.

GAEB-Dateierstellung: KI-generierte Texte müssen in dein AVA-System (ORCA AVA, RIB iTWO oder vergleichbar) manuell übertragen werden. Eine direkte GAEB-Ausgabe aus ChatGPT gibt es nicht.

Rechtssichere VOB-Prüfung: KI kann VOB-Standardformulierungen kennen, aber ob eine spezifische Vertragsklausel für deinen Auftraggeber rechtlich standhält, ist kein LLM-Urteil. Für juristisch heikle Positionen braucht es Fachprüfung.

Konkrete Werkzeuge, was wann passt

ChatGPT oder Claude (Chat-Abo) Für die meisten LV-Schreibaufgaben reicht ein generisches LLM mit langem Kontextfenster. Du lädst deine Referenztexte und Pläne (als PDF, soweit textuell) hoch und arbeitest mit strukturierten Prompts. Claude hat mit bis zu 1 Million Tokens das deutlich größere Kontextfenster und eignet sich besser für lange Dokumente; ChatGPT hat ein breiteres Ökosystem für Integrationen und Bild-Upload. ChatGPT Plus kostet 23 € im Monat. Claude Pro kostet 20 € im Monat.

ORCA AVA (Jahresabo ab 828 € netto) als Basis LV-Erstellung mit KI funktioniert am besten als Ergänzung zu einer AVA-Software, nicht als Ersatz. ORCA AVA bleibt das System, in dem Positionen strukturiert und exportiert werden; die Starter-Edition deckt die Leistungsphasen 5 bis 7 ab. KI übernimmt das Formulieren von Textentwürfen, die dann in ORCA übertragen werden. Die Standardleistungstexte, die ORCA über AUSSCHREIBEN.DE und Textkataloge wie STLB-Bau einbindet, decken Standardpositionen ab, KI hilft bei den Sonderformulierungen.

Gemini Notebook (ehemals NotebookLM, kostenlos / mehr Quellen mit Google AI Pro für 21,99 €/Monat) Wenn du eine wachsende Bibliothek eigener LV-Referenztexte aufbauen willst, eignet sich Gemini Notebook als suchbares Archiv: Du lädst alle früheren LVs hoch und kannst gezielt fragen, wie du eine ähnliche Position in Projekt X formuliert hast. Das ist kein LV-Generator, sondern ein RAG-basiertes Nachschlagewerk für eigene Texte.

SituationEmpfehlung
Standardgewerke (Mauerwerk, Trockenbau, Estrich)ChatGPT/Claude mit Referenztexten
VOB-Vorbemerkungen und BieterhinweiseClaude, langer Kontext für vollständige Textblöcke
Sonderformulierungen für ungewöhnliche KonstruktionenChatGPT + eigene Referenz-Prompts
Eigene LV-Bibliothek durchsuchenGemini Notebook als Archiv-Tool

Datenschutz und Datenhaltung

Ausschreibungsunterlagen enthalten in der Regel keine personenbezogenen Daten im DSGVO-Sinne, Planungsinhalte, Bauteil-Spezifikationen und Mengentabellen sind keine Personendaten. Trotzdem gibt es relevante Punkte:

Wettbewerbsschutz: Ausschreibungsunterlagen sind häufig vertraulich, bis sie an die Bieter gehen. Wenn du Leistungsverzeichnis-Inhalte in US-amerikanische Cloud-Tools (ChatGPT, Claude) hochlädst, überträgst du Projektinhalte an US-Server. Das ist kein DSGVO-Problem, aber es kann vertragliche Klauseln mit Auftraggebern berühren, die Datenweitergabe an Dritte einschränken.

Öffentliche Auftraggeber: Bei einer öffentlichen Ausschreibung stehen die Vergabeunterlagen ab der Bekanntmachung für alle Interessenten abrufbar auf der Vergabeplattform. Bis dahin ist der LV-Entwurf vertraulich, ein Informationsvorsprung einzelner Bieter wäre ein Vergabeproblem. Vertraulich bleiben auch nach der Öffnung die Angebote der Bieter. Prüf deine Vertragssituation, bevor du Entwürfe hochlädst.

API-Betrieb für sensible Projekte: Für Projekte mit strengen Vertraulichkeitsklauseln: Nutze die API-Version von OpenAI oder Anthropic mit aktivem AVV. In der API werden Eingabedaten nicht für das Modelltraining verwendet.

Empfehlung: Ersetze in Prompts Projektnamen, Auftraggeber und Adressen durch Platzhalter (“Auftraggeber A”, “Standort X”). Die inhaltliche Formulierungsaufgabe funktioniert auch mit anonymisierten Eingaben.

Was es kostet, realistisch gerechnet

Setup-Aufwand (einmalig):

  • Prompt-Bibliothek für 5–8 häufigste Gewerke entwickeln: 8–12 Stunden
  • Referenz-LVs aus Bestandsprojekten aufbereiten und verschlagworten: 4–6 Stunden
  • Tool-Abonnements: 0 € Startkosten bei vorhandenem ChatGPT/Claude-Abo

Laufende Kosten (monatlich):

  • ChatGPT Plus: 23 €
  • Claude Pro: 20 €
  • Keine Zusatzkosten, wenn ORCA AVA oder vergleichbare AVA-Software ohnehin vorhanden
  • Pflege der Vorlagenbibliothek: 2–3 Stunden im Jahr (siehe Einstiegsfehler 4)

Rechenbeispiel (Büro, das jeden Monat drei Projekte ausschreibt):

  • Je Projekt 5 Gewerke mit je 2 Stunden weniger Schreibarbeit: 3 mal 5 mal 2 Stunden, also 30 Stunden im Monat
  • Was die Stunden wert sind, hängt am Honorarmodell. Nach HOAI sind die Vorbereitung der Vergabe mit 10 Prozent und die Mitwirkung bei der Vergabe mit 4 Prozent des Gebäudehonorars bewertet (§ 34 Abs. 3 HOAI), gleich wie viele Stunden du brauchst. Gesparte Stunden erhöhen dann die Marge des Projekts. Rechnest du LV-Arbeit nach Stunden ab, kostet dich jede gesparte Stunde Umsatz.
  • Mit dem internen Stundensatz von 80–120 € bewertet entsprechen 30 Stunden 2.400–3.600 € im Monat. Das ist Kapazität, kein Kontostand: Zu Geld wird sie erst, wenn die Stunden in weiteres Honorar fließen oder Überstunden und Fremdvergabe entfallen.
  • Vermiedene Nachträge gehören nicht in deine Rechnung. Einen Nachtrag zahlt der Bauherr, und auch der nur zum Teil, denn die vergessene Leistung hätte er mit vollständigem LV ohnehin bezahlt. Bei dir schlägt eine lückenhafte Leistungsbeschreibung erst durch, wenn der Bauherr dir die Mehrkosten als Planungsfehler anlastet.
  • Mehrkosten: faktisch 0 € bei vorhandenem Chat-Abo, dazu die einmalige Einrichtung von 12–18 Stunden

Messbar ist das gut, weil LV-Arbeit in jedem Büro projektweise anfällt: Erfasse die Stunden je Gewerk vorher und nachher.

Klingt das nach eurem Alltag? Ob sich dieser Use Case bei euch rechnet, klären wir im Erstgespräch: 30 Minuten, kostenlos.

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Vier typische Einstiegsfehler

1. KI-generierte Texte ungeprüft in das LV übernehmen. KI-Texte klingen präzise, sind es aber nicht immer. Ein generierter Text kann technisch korrekt klingen und trotzdem eine Ausführungsanforderung weglassen, die für dein spezifisches Bauteil entscheidend ist. Jede KI-generierte Position muss von einem Fachmann gegen den tatsächlichen Planungsstand geprüft werden. Das ist kein Misstrauen gegenüber dem Tool, es ist Sorgfaltspflicht nach HOAI.

2. Den Aufwand für die Vorlagen-Aufbereitung unterschätzen. KI-Texte sind nur so gut wie die Referenztexte, die du mitgibst. Wer veraltete, halbfertige oder projektfremde Vorlagen hochlädt, bekommt mittelmäßige Ergebnisse. Investiere einmalig 4–6 Stunden, um deine besten Referenz-LVs aufzubereiten, strukturiert, vollständig, mit Anmerkungen zu häufigen Sonderfällen. Das ist der einmalige Aufwand, der die Qualität der KI-Ausgaben dauerhaft hebt.

3. KI als Ersatz für ORCA AVA oder die STLB-Bau-Datenbank betrachten. LLMs kennen keine aktuellen STLB-Bau-Texte und können keine GAEB-Dateien erstellen. KI ist Formulierungsassistent, kein AVA-System. Der richtige Einsatz: STLB-Bau für Standardpositionen, KI für Sonderformulierungen und Vorbemerkungen. Das eine ersetzt das andere nicht.

4. Die Prompt-Bibliothek einmal aufbauen und nie wieder anfassen. Ein Büro nutzt seine Trockenbau-Vorlage zwei Jahre lang, bis ein Nachtrag zeigt, dass die Referenzposition noch eine inzwischen ersetzte Normausgabe zitiert. Das KI-System hat korrekt nach Vorlage gearbeitet: Die Vorlage war veraltet. Plane jährlich 2–3 Stunden ein, um Referenztexte gegen aktuelle Normen (Änderungen im GModG, früher GEG, und DIN-Updates) zu prüfen. Eine veraltete Bibliothek produziert zuverlässig veraltete LVs.

Was mit der Einführung wirklich passiert

Der technische Start ist einfach. Das Kulturproblem ist der Satz: “Das brauche ich nicht, ich kann das selbst schreiben.”

Das stimmt. Erfahrene Architekten können LV-Texte selbst schreiben, oft besser als eine KI. Das ist nicht das Problem. Das Problem ist der Zeitdruck: Wenn ein erfahrener Architekt zwischen Bauherrentermin, Baubeginn und LV-Erstellung wählen muss, ist das LV das, was abends unter Müdigkeit entsteht. Genau dann sind Fehler am wahrscheinlichsten.

KI ist kein Ersatz für Fachkenntnis. Es ist ein Puffer gegen Zeitdruckfehler.

Zwei typische Widerstandsmuster:

“Ich muss das sowieso nochmal prüfen, also spart es mir keine Zeit.” Das Gegenargument: Der Unterschied zwischen einem KI-Entwurf verbessern und einen Text von Null schreiben ist erheblich. Einen Entwurf verbessern geht meist schneller, das weiß jeder, der schon mal mit einer Vorlage gearbeitet hat. Ob es bei dir so ist, zeigt die Stundenerfassung je Gewerk.

“Unsere Texte sind zu projektspezifisch.” Das ist bei Sonderformulierungen berechtigt. Aber Vorbemerkungen, Bieterhinweise, allgemeine VOB-Klauseln und die Mehrzahl der Standardpositionen sind nicht projektspezifisch. Wie groß ihr Anteil in deinen LVs ist, siehst du, wenn du die Positionen eines abgeschlossenen LVs durchzählst.

Realistischer Zeitplan mit Risikohinweisen

PhaseDauerWas passiertTypisches Risiko
Referenztexte aufbereitenWoche 1Beste Referenz-LVs aus Bestand auswählen und aufbereitenZu viele veraltete oder halbfertige Texte als Vorlage
Prompt-Bibliothek entwickelnWoche 1–2Prompts für 5 häufigste Gewerke entwickeln und testenErste Prompts zu generisch, Überarbeitung nach erstem Praxistest
Erstes Projekt mit KIWoche 2–3Ein laufendes LV mit KI-Unterstützung erstellen, Zeitersparnis messenPrüfaufwand unterschätzt, zuerst höherer Aufwand als erwartet
Workflow etablierenMonat 2KI als Standardschritt in LPH 6 integrierenRückfall in altes Vorgehen bei Zeitdruck
BibliothekspflegeJährlichReferenztexte gegen aktuelle Normen und Materialien prüfenVeraltete Vorlagen unbemerkt für neue Projekte genutzt

Häufige Einwände, und was dahintersteckt

„KI kennt unsere spezifischen Konstruktionsdetails nicht.” Das stimmt, und deshalb musst du die Details als Kontext mitgeben. KI ist kein Allwisser, sondern ein Formulierungsassistent. Wer die Konstruktionsdetails in den Prompt gibt, bekommt präzise Texte. Wer vage fragt, bekommt vage Antworten. Das ist kein Werkzeugproblem, sondern ein Bedienungsproblem.

„Was passiert, wenn die KI einen technischen Fehler einbaut und der Auftragnehmer darauf besteht?” Das Haftungsrisiko liegt beim Architekten, nicht beim Tool, wie bei jedem anderen Formulierungshilfsmittel auch. Wer ein KI-generiertes LV ungeprüft herausgibt, handelt fahrlässig. Wer es prüft und dann herausgibt, hat den üblichen Sorgfaltsmaßstab eingehalten. Die Fachprüfung ist kein optionaler Schritt.

„Unsere Kunden erwarten, dass wir das selbst machen, nicht eine KI.” Das Ergebnis ist ein Leistungsverzeichnis, das von einem Architekten geprüft, verantwortet und unterschrieben wird. Welches Werkzeug beim Formulieren eingesetzt wurde, ist keine vertragsrelevante Information, genauso wenig wie die Frage, ob eine STLB-Bau-Textdatenbank oder eine selbst formulierte Position verwendet wurde.

Woran du merkst, dass das zu dir passt

  • Du erstellst regelmäßig LVs für 5 oder mehr Gewerke pro Projekt, und du weißt, dass die Qualität der Texte unter Zeitdruck leidet
  • Du hast eine Sammlung guter Referenz-LVs aus Bestandsprojekten, mindestens für die häufigsten 3–5 Gewerke deines Büros
  • Du nutzt bereits AVA-Software (ORCA AVA, RIB iTWO oder vergleichbar), KI ergänzt diesen Workflow, ersetzt ihn nicht
  • Dein Team umfasst auch jüngere Mitarbeitende, die LV-Entwürfe erstellen, die dann geprüft werden, KI verbessert hier die Ausgangsbasis

Wann es sich (noch) nicht lohnt, drei harte Ausschlusskriterien:

  1. Weniger als 3 LV-pflichtige Projekte pro Jahr. Der Aufbau der Prompt-Bibliothek und Referenz-Aufbereitung lohnt sich nicht bei sehr geringem Volumen. Wer selten ausschreibt, braucht dieses System nicht.

  2. Keine AVA-Software im Einsatz. Ohne AVA-System ist der LV-Prozess ohnehin nicht strukturiert genug, um KI sinnvoll zu integrieren. Dann ist die erste Investition eine AVA-Software, und erst danach KI als Ergänzung.

  3. Ausschließlich hochspezialisierte Sonderprojekte ohne Vergleichsobjekte. Wer Museen, Industrieanlagen oder Sonderbauten mit ausschließlich individuellen Konstruktionen plant, profitiert wenig von Referenz-Vorlagen. Dann ist der KI-Anteil gering, weil Standardisierung fehlt.

Das kannst du heute noch tun

Wähle aus deiner Ablage ein gut dokumentiertes abgeschlossenes Projekt aus, das du gut kennst, eines mit mindestens drei Gewerken, für die du LVs erstellt hast. Kopiere die Texte einer Leistungsposition (z. B. das komplette Gewerk Trockenbau) und gib sie in Claude oder ChatGPT mit der Aufgabe ein, eine ähnliche Position für ein fiktives neues Projekt anzupassen.

Das dauert 20 Minuten. Was du danach weißt: Wie gut die KI mit deinen eigenen Texten als Referenz umgeht, und ob die Ausgabe direkt verwertbar ist oder ob du die Prompts weiterentwickeln musst.

Für eine vollständige Gewerk-Vorlage nutze dieses Prompt-Schema:

Gewerk-Leistungsverzeichnis mit Vorbemerkung erstellen
Du bist Architekt und hilfst mir, ein Leistungsverzeichnis für die Ausschreibung zu formulieren. Projektbeschreibung: [PROJEKTTYP: z. B. "Mehrfamilienhaus, 12 WE, Neubau, Hamburg"] Gewerk: [GEWERK: z. B. "Trockenbau, Metallständerwände, Deckenverkleidungen"] Referenztext aus einem ähnlichen abgeschlossenen Projekt: [REFERENZTEXT HIER EINFÜGEN, idealerweise 3–5 Positionen des gleichen Gewerks] Aufgaben: 1. Erstelle eine Vorbemerkung für das Gewerk, die folgende Punkte enthält: - Anwendungsbereich - Geltende Normen und Regelwerke (DIN, VOB) - Allgemeine Ausführungsanforderungen - Mängel- und Gewährleistungsregelungen nach VOB/B 2. Formuliere 3 Muster-Leistungspositionen für: - [POSITION 1: z. B. "GK-Trennwand einfachbeplankt, Schallschutz Rw ≥ 40 dB"] - [POSITION 2: z. B. "GK-Trennwand zweilagig beplankt, Brandschutz F30"] - [POSITION 3: z. B. "GK-Unterdecke auf Tragkonstruktion, Höhe 0,30–0,60 m"] 3. Ergänze je Position die Einheit (m, m², St.). Schätze keine Mengen, die trage ich aus der Mengenermittlung ein. Format: Nummerierte Positionen, Kurzbezeichnung + Langtext, Einheit, Hinweise auf besondere Ausführungsanforderungen.
Funktioniert mit ChatGPT, Claude
Beispiel-Ausgabe

Mitarbeiter:in

Projekttyp: Mehrfamilienhaus 12 WE, Hamburg. Gewerk: Trockenbau. Position 1: GK-Trennwand, zweilagig beplankt, Schallschutz Rw ≥ 47 dB. Position 2: GK-Unterdecke auf Metalltragkonstruktion, Höhe 0,50 m.

KI-Assistent

**Vorbemerkung Gewerk Trockenbau** Anwendungsbereich: Das vorliegende Leistungsverzeichnis gilt für alle Trockenbauleistungen im Gebäude, einschließlich Metallständerwände, GK-Deckenverkleidungen und Brandschutzbekleidungen. Normen und Regelwerke: DIN 18183-1 (Trennwände und Vorsatzschalen aus Gipsplatten mit Metallunterkonstruktionen), DIN 4109 (Schallschutz im Hochbau), DIN 4102 (Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen), VOB/C ATV DIN 18340 (Trockenbauarbeiten). Geltende Ausgaben vor Versand prüfen. Ausführungsanforderungen: Metallprofile nach DIN EN 14195, Gipsplatten nach DIN EN 520, jeweils CE-gekennzeichnet. Anschlüsse an aufgehende Bauteile umlaufend elastisch zu verfugen. Bewegungsfugen des Rohbaus sind in der Bekleidung zu übernehmen. Maßtoleranzen nach DIN 18202. --- **Position 01.10.10**, GK-Trennwand, Metallständer CW 75, beidseitig zweilagig beplankt 12,5 mm, Hohlraum mit 40 mm Mineralwolledämmung, Schallschutz Rw ≥ 47 dB, inkl. umlaufender Anschlusskonstruktion **Einheit:** m² **Leistungsumfang:** Lieferung und Montage Metallständerwerk, Beplankung beidseitig je 2 × 12,5 mm GKB, Dämmeinlage, Anschlüsse an aufgehende Bauteile, Fugenspachteln bis Qualitätsstufe Q2. **Position 01.20.10**, GK-Unterdecke, Metalltragkonstruktion abgehängt, Abhängehöhe 500 mm, einlagige Beplankung 12,5 mm GKB, inkl. Einbauten für Leuchten und Lüftungsauslässe nach Plan **Einheit:** m² **Leistungsumfang:** Lieferung und Montage Tragkonstruktion inkl. Abhänger, Beplankung einlagig, Öffnungen für Einbauteile nach Installationsplan, Fugenspachteln Q2. *Anmerkung: Mengen bewusst nicht geschätzt, bitte aus der Mengenermittlung in der AVA übernehmen.*

Quellen & Methodik

  • Honorargewichtung LPH 6 und 7: § 34 Abs. 3 HOAI, abgerufen am 19.09.2026: Vorbereitung der Vergabe 10 Prozent, Mitwirkung bei der Vergabe 4 Prozent (Gebäude)
  • ORCA AVA Preise und Textkataloge: unsere Toolseite, Stand September 2026: Jahresabo Starter 828 €, Professional 1.788 €, Enterprise 2.388 €, jeweils netto
  • ChatGPT Plus / Claude Pro Preise: unsere Toolseiten, Stand September 2026
  • Zeitersparnis LV-Erstellung mit KI: unsere Annahme, keine unabhängige Messung bekannt; miss die Stunden je Gewerk vorher und nachher

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