Global Forest Watch
World Resources Institute (WRI)
Weltweite kostenlose Waldmonitoringplattform des World Resources Institute (WRI), gemeinsam betrieben mit Google, NASA, USAID und der University of Maryland. Nutzt Sentinel-2-, Landsat- und kommerzielle Satellitendaten für tägliche bis wöchentliche Waldverlust-Alerts (GLAD-S2, GLAD-L, RADD). Zeigt Waldveränderungen seit 2000 mit 30 m und 10 m Auflösung. Relevant für Sturmschadensübersicht, EUDR-Sorgfaltspflicht und langfristiges Waldmonitoring.
Kosten: Vollständig kostenlos. Anmeldung erforderlich für Alert-Abonnements und GFW Pro-Funktionen. GFW Pro (erweiterte Unternehmenstools für EUDR etc.) kostenlos über Partnership verfügbar.
Stärken
- Vollständig kostenlos — keine Lizenz, keine Subscription
- Integrierte Alerts (GLAD-S2, RADD): schnellste Erstmeldung bei Waldveränderungen weltweit
- Historische Waldverlust-Zeitreihen seit 2000 für jede Forstfläche abrufbar
- GFW Pro kostenlos für Unternehmen mit EUDR-Compliance-Bedarf
- API für Integration in eigene Workflows verfügbar
- Globale Abdeckung mit einheitlicher Methodik — Vergleiche zwischen Ländern direkt möglich
- Starke wissenschaftliche Basis: University of Maryland (GLAD-Lab), Wageningen University (RADD)
Einschränkungen
- Alerts zunächst mit niedriger Konfidenz — erst nach 2–3 Beobachtungen 'high confidence'
- US-Server (AWS) — nicht DSGVO-konform für Verarbeitung personenbezogener Flächendaten
- Plattformsprache Englisch — kein deutschsprachiger Support oder Interface
- 30 m (GLAD-L) und 10 m (GLAD-S2) Auflösung: Sturmschäden unter 0,1–0,5 ha werden nicht zuverlässig erkannt
- Alerts primär auf tropische Entwaldung optimiert — in Mitteleuropa geringere Tuning-Tiefe
- Keine native KI-Klassifizierung von Schadensursache (Sturm vs. Borkenkäfer vs. Rodung)
Passt gut zu
Wann ja, wann nein
Wann ja
- Du brauchst kostenlose globale Waldverlust-Daten mit konsistenter Methodik
- Du musst für EUDR nachweisen, dass eine Fläche nach 2020 nicht gerodet wurde
- Du beobachtest große Flächen (>1 ha) auf Veränderungen seit 2000
- Du arbeitest als NGO, Journalist oder Behörde mit knappem Budget
Wann nein
- Du brauchst eine deutschsprachige Plattform mit Behörden-Schnittstellen
- Du musst Einzelbäume oder kleine Schäden (<0,5 ha) erkennen — die Auflösung reicht nicht
- Du brauchst automatische KI-Unterscheidung von Schadensursachen (Sturm, Käfer, Rodung)
- Du verarbeitest personenbezogene Eigentümerdaten in der gleichen Plattform — US-Server
Kurzfazit
Global Forest Watch ist seit Jahren der De-facto-Standard für kostenloses globales Waldmonitoring und für viele Anwender im Forst- und Holzbereich der erste Schritt jeder Recherche. Das World Resources Institute (WRI) betreibt die Plattform gemeinsam mit Google, NASA, USAID und der University of Maryland — eine Konstellation, die methodische Tiefe und langfristige Stabilität garantiert. Stärken: tägliche Sentinel-2-basierte Alerts (GLAD-S2), RADD-Radar-Alerts unabhängig vom Wetter, historische Waldverlust-Daten seit 2000 und seit 2019 das kostenlose GFW Pro für Unternehmen mit EUDR-Compliance-Bedarf. Schwächen: US-Hosting, englische Oberfläche, Optimierung auf tropische Entwaldung, und die KI-Modelle klassifizieren nicht automatisch, ob ein erkannter Waldverlust durch Sturm, Borkenkäfer oder Rodung verursacht wurde. Für die forstliche Erstrecherche und für den EUDR-Nachweis trotzdem klare Empfehlung.
Für wen ist Global Forest Watch?
Forstbetriebe und Holzhändler mit EUDR-Pflicht: Die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) verlangt seit 2024/25 den Nachweis, dass Holzimporte aus nicht-entwaldeten Flächen stammen. GFW Pro ist eines der wenigen kostenlosen Werkzeuge, mit dem ein Importeur für eine konkrete Herkunftsfläche prüfen kann, ob sie nach Dezember 2020 gerodet wurde. Für mittelständische Holzhändler ohne eigenes GIS-Team ist das Gold wert.
Journalisten und NGOs: Wer über Entwaldung, Sturmschäden oder illegalen Holzeinschlag berichtet, findet hier die belastbarste freie Datenquelle. Karten, Diagramme und nationale Statistiken lassen sich direkt exportieren oder verlinken. Die wissenschaftliche Basis (peer-reviewed Methodik durch University of Maryland und Wageningen) gibt redaktionellen Beiträgen den nötigen Anker.
Behörden und kommunale Verwaltungen: Für überregionale Schadensübersichten nach Stürmen, Vergleiche zwischen Landkreisen oder mehrjährige Veränderungsanalysen ist GFW häufig der schnellste Einstieg. Die meisten Landesforstverwaltungen nutzen zusätzliche eigene Quellen (Landesforst-GIS), aber GFW liefert die international vergleichbare Zweitmeinung.
Klimaforscher und Sustainability-Teams: CO₂-Bilanzen, Lieferketten-Risikoanalysen, Klimaberichte — überall, wo Waldveränderungen quantifiziert werden müssen, ist GFW die einheitliche Referenz. Die Tree-Cover-Loss-Daten von Hansen et al. sind die meistzitierte globale Waldverlust-Quelle in der Klimawissenschaft.
Wald- und Plantagenbesitzer mit großen Flächen: Für Eigentümer mit mehreren hundert Hektar lohnt sich das automatische Alert-Setup über “My GFW”. Bei jeder erkannten Veränderung kommt eine E-Mail — ein einfaches Frühwarnsystem ohne Eigenentwicklung.
Weniger geeignet für: Privatwaldbesitzer mit Kleinstflächen (<1 ha) — die Auflösung reicht für Einzelbäume nicht, Anwender mit DSGVO-Anforderungen auf Eigentümerebene (US-Hosting), Forstdienste, die deutschsprachige Behörden-Schnittstellen brauchen (dafür ist Forst-GIS Bayern oder ein regionales Forst-Portal besser), und alle, die automatische KI-Schadensklassifikation erwarten.
Preise im Detail
| Angebot | Preis | Was du bekommst |
|---|---|---|
| Global Forest Watch (Public) | 0 EUR | Vollständiger Zugang zur Webplattform, Karten, Datenexport, einfache Analysen, E-Mail-Alerts (optional Registrierung) |
| GFW Pro | 0 EUR (nach Partnership-Antrag) | Erweiterte Unternehmens-Tools für Lieferketten-Monitoring, EUDR-Sorgfaltspflicht, Flächen-Portfolios verwalten, Berichte exportieren |
| API-Zugang | 0 EUR (Rate Limits) | Programmgesteuerter Zugriff auf alle GFW-Datensätze, Integration in eigene GIS-Systeme |
| Custom Data Services | Auf Anfrage | Beratung, individuelle Auswertungen, größere Datenexporte — über WRI direkt |
Einordnung: Das wirklich Bemerkenswerte ist: Es kostet nichts. GFW wird über Spenden, Forschungszuwendungen und Partnerorganisationen (Norwegian Ministry of Foreign Affairs, DANIDA, Google.org u.a.) finanziert. GFW Pro für Unternehmen ist ebenfalls kostenlos, erfordert aber einen Partnership-Antrag — WRI prüft den Use Case und schaltet dann frei. Das Modell ist stabil, hat aber den Haken, dass die langfristige Verfügbarkeit von externer Förderung abhängt. Eine schleichende Kommerzialisierung wäre möglich, ist aktuell aber nicht erkennbar. Wer mehr Tiefe braucht (eigene Modelle auf Sentinel-2-Rohdaten, automatisierte Pipelines, große Datenmengen), wechselt typischerweise zu Google Earth Engine oder zum Copernicus Data Space — beide ebenfalls kostenlos, aber mit deutlich höherer Lernkurve.
Stärken im Detail
Wirklich kostenlos und ohne Einschränkungen. Es gibt keinen Premium-Plan, keine Volumen-Limits in der Webplattform, keine Werbung. Wer nur die Webplattform nutzt, bekommt die volle Funktionalität ohne Account. Wer Alerts, GFW Pro oder die API will, registriert sich — auch das kostenlos. Im Markt der Satellitendaten-Plattformen, der ansonsten von teuren Enterprise-Lösungen (Planet Labs, Maxar) dominiert wird, ist das ein Anker.
Drei komplementäre Alert-Systeme. GLAD-L basiert auf Landsat (30 m Auflösung, kontinuierliche Updates), GLAD-S2 auf Sentinel-2 (10 m, tägliche Verfügbarkeit bei wolkenfreiem Wetter), RADD auf Sentinel-1 (Radar, unabhängig von Wolken). Diese Kombination bedeutet: Auch in den Tropen, wo Wolken viele optische Aufnahmen blockieren, gibt es belastbare Daten. Für gemäßigte Breiten ist GLAD-S2 das maßgebliche System.
Historische Waldverlust-Daten seit 2000. Das Hansen-Dataset (benannt nach Matt Hansen, University of Maryland) ist die meistzitierte globale Waldverlust-Quelle in der Klimaforschung. GFW visualisiert diese Daten direkt als Layer — du siehst pro Pixel, in welchem Jahr Tree Cover verloren ging. Für rückblickende Analysen (z. B. EUDR-Stichtag 31. Dezember 2020) ist das die saubere Methodik.
GFW Pro als kostenloses EUDR-Werkzeug. Mit GFW Pro können Unternehmen ihre Lieferketten-Flächen importieren (z. B. Kakao-Farmen, Palm-Öl-Konzessionen, Forstparzellen) und kontinuierlich monitoren. Berichte zur Sorgfaltspflicht lassen sich aus der Plattform exportieren. Für KMU ohne eigenes GIS-Team ist das die niedrigschwelligste Lösung im EUDR-Compliance-Markt — kommerzielle Anbieter wie Satelligence, Ecometrica oder Trase verlangen vierstellige Beträge pro Monat für ähnliche Funktionalität.
Open API für Eigenentwicklung. Wer eigene Anwendungen baut (z. B. ein internes Forst-Dashboard, ein Lieferketten-Risikotool), kann die GFW-API einbinden. Tree-Cover-Loss, Alerts, Biodiversitätsdaten und Carbon-Stock-Daten stehen alle programmgesteuert zur Verfügung. Rate Limits sind moderat — für die meisten Use Cases ausreichend.
Solide wissenschaftliche Basis. Die Methodik wird durch University of Maryland (GLAD-Lab) und Wageningen University (RADD) wissenschaftlich publiziert und kontinuierlich weiterentwickelt. Das ist ein deutlicher Vertrauensvorteil gegenüber proprietären “Black-Box-Modellen” mancher Wettbewerber. Wer eine erkannte Veränderung nachvollziehen will, findet die zugrundeliegende Methodik in peer-reviewed Papern.
Globale Konsistenz. Wer Brasilien mit Indonesien oder Kongo mit Kamerun vergleichen will, bekommt überall denselben Datensatz, dieselbe Methodik, dieselbe Auflösung. Nationale Statistik-Quellen wären unvergleichbar — GFW liefert die Einheitlichkeit, die für internationale Berichte und ESG-Vergleiche unverzichtbar ist.
Schwächen ehrlich betrachtet
Auflösung reicht nicht für Einzelbäume. Die 10-m-Auflösung von GLAD-S2 bedeutet: Eine einzelne gefallene Fichte erzeugt keinen Alert. Erst flächige Schäden ab 0,1–0,5 ha werden zuverlässig detektiert. Für Kleinst-Forste oder Hochauflösungs-Analysen ist GFW das falsche Werkzeug — dafür braucht es kommerzielle Anbieter wie Planet Labs (3 m) oder Maxar (sub-meter), und die kosten echtes Geld.
Optimierung auf tropische Entwaldung. Die Algorithmen wurden primär für tropische Regenwälder entwickelt — dort, wo der CO₂-Hebel am größten ist. In Mitteleuropa, mit sommer-/winterlichem Wechsel und Borkenkäfer-Schäden statt Brandrodung, sind die Modelle weniger fein abgestimmt. False Positives (z. B. saisonale Blattverluste, die als “Loss” interpretiert werden) kommen vor.
Alerts brauchen Konfidenz-Hochstufung. Ein neu erkannter Verlust erscheint zunächst als “low confidence” — erst nach zwei bis drei zusätzlichen Satellitenbeobachtungen wird er auf “high confidence” hochgestuft. Das bedeutet typischerweise ein bis vier Wochen Verzögerung, je nach Wolkendecke. Wer Echtzeitwarnungen braucht (z. B. illegale Rodung in Schutzgebieten), muss mit dieser Verzögerung leben.
Keine automatische Ursachenklassifikation. GFW sagt “hier wurde Wald verloren”. Was die Ursache war (Sturm, Borkenkäfer, gewerbliche Holzernte, illegaler Einschlag, Brand, Infrastrukturbau), klassifiziert das System nicht. Diese Differenzierung muss der Anwender selbst leisten — über Cross-Reference mit Sturmdatenbanken, regionalem Wissen oder Vor-Ort-Inspektion.
US-Hosting (AWS). Die Plattform läuft auf AWS-Servern in den USA. Für die reine Nutzung der öffentlichen Karten ist das datenschutzrechtlich unproblematisch — keine personenbezogenen Daten sind im Spiel. Sobald aber Eigentümer-Daten (Flurstücksnummern, Anschriften, Vertragsdaten) in GFW Pro hochgeladen werden, gilt: Diese Daten verlassen die EU. Für DSGVO-strenge Use Cases ist das ein Showstopper.
Englische Oberfläche und Dokumentation. Keine deutschsprachige Version. Für viele Forst-Anwender in Behörden und KMU ist das eine echte Hürde — gerade ältere Förster sind nicht zwangsläufig englisch-firm. Wer ein deutsches Tool braucht, weicht auf Forst-GIS Bayern, Landesforst-Portale oder spezialisierte Anbieter wie Forstify aus.
Abhängigkeit von externer Förderung. Das gesamte Finanzierungsmodell hängt an Spenden, Forschungsmitteln und Partnerorganisationen. WRI ist eine etablierte NGO, aber wenn die Förderlandschaft sich politisch ändert (z. B. Kürzungen bei USAID), kann das langfristige Verfügbarkeit beeinflussen. Aktuell stabil, aber kein “Anbieter mit Geschäftsmodell”.
Alternativen im Vergleich
| Wenn du… | …nimm stattdessen |
|---|---|
| Eigene Modelle auf Satellitendaten rechnen willst | Google Earth Engine |
| EU-Hosting mit Copernicus-Daten brauchst | Copernicus Data Space |
| Daten lokal in einer Desktop-GIS auswerten willst | QGIS |
| Eine deutschsprachige Forst-GIS-Lösung suchst | Forst-GIS Bayern |
| KI-gestützte Forstanalyse mit deutschen Behördenfunktionen brauchst | Forstify |
Erwähnenswert ohne eigene Tool-Seite: Planet Labs (kommerziell, hochauflösend ab 3 m), Maxar (sub-meter, sehr teuer), Satelligence (kommerzielle EUDR-Plattform), Trase (Lieferketten-Transparenz auf Country-Level), Ecometrica und Earthworm Foundation (NGO-Tools für Lieferketten-Risikoanalyse). GFW ist nicht das beste in jeder Disziplin — aber als kostenloser Allrounder mit globaler Abdeckung, solider Methodik und EUDR-tauglichem Pro-Modul bleibt es 2026 die richtige erste Anlaufstelle.
So steigst du ein
Schritt 1: Öffne globalforestwatch.org und registriere dich kostenlos. Kein technisches Setup nötig. Nutze die Map-Funktion, um deine Waldflächen durch Polygon-Zeichnen oder Flurstück-Import (Shapefile, GeoJSON, KML) einzugrenzen. Für Standardrecherche reicht der Public-Zugang vollständig.
Schritt 2: Aktiviere den Alert-Dienst für deine Flächen. Unter „My GFW” kannst du Gebiete als Watchlist anlegen und E-Mail-Benachrichtigungen für neue Waldverlust-Alerts konfigurieren. Wähle GLAD-S2 für gemäßigte Breiten, RADD für tropische oder bewölkte Regionen. Alerts erscheinen zunächst als „low confidence” und werden nach weiteren Satellitenbeobachtungen auf „high” hochgestuft.
Schritt 3: Für historische Analyse: Stelle im Layer-Panel „Tree Cover Loss” aktiv und wähle das Jahr des Ereignisses. So siehst du, welche deiner Parzellen Kronendachverluste hatten und ob diese mit einem bekannten Sturmereignis zeitlich übereinstimmen — für EUDR-Dokumentation oder Schadensberichte relevant. Exportiere die Karten als hochauflösendes PNG oder das Polygon als Shapefile/GeoJSON.
Schritt 4 (für Unternehmen mit EUDR-Bedarf): Beantrage GFW Pro über das Partnership-Formular. WRI prüft den Use Case (typischerweise innerhalb weniger Wochen). Lade nach Freischaltung dein Flächen-Portfolio hoch und konfiguriere Berichts-Templates für die Sorgfaltspflicht-Dokumentation. Für API-Integration (z. B. Anbindung an dein ERP) brauchst du einen API-Key — ebenfalls über die GFW-Webseite kostenlos beantragbar.
Ein konkretes Beispiel
Ein Holzhändler aus Sachsen muss für die EUDR-Sorgfaltspflichterklärung nachweisen, dass eine angelieferte Fichtenpartie aus dem Sturm Zeynep 2022 stammt und kein illegaler Kahlschlag ist. In GFW prüft der zuständige Compliance-Verantwortliche für die Herkunfts-Koordinaten der Sägewerk-Lieferungen, ob ein Kronendachverlust im Februar 2022 (Sturmzeitraum) verzeichnet ist. GFW zeigt einen Alert mit dem Zeitstempel 18.–24. Februar 2022 — deckungsgleich mit dem Sturmereignis. Dieser Screenshot dient als erster Nachweis für die Sorgfaltspflichterklärung, ergänzt durch behördliche Schadensmeldungen vom Landesforst Sachsen. Für die laufende Lieferketten-Überwachung wird GFW Pro freigeschaltet: Alle aktiven Beschaffungs-Polygone (rund 240 Forstparzellen) werden importiert, monatliche Berichte automatisch generiert. Kosten: 0 EUR. Vergleichbares kommerzielles EUDR-Tool: 2.500–6.000 EUR/Jahr. Die Einsparung amortisiert die Einarbeitungszeit in wenigen Wochen.
DSGVO & Datenschutz
- Datenhosting: AWS US-Region. Die öffentlichen Karten und Tree-Cover-Loss-Daten sind sachbezogen und enthalten keine personenbezogenen Daten — für die Nutzung der Public-Plattform unproblematisch.
- Eigentümer-Daten in GFW Pro: Wer eigene Polygone und Vertragsdaten hochlädt, sollte diese auf das technisch Notwendige beschränken — Flurstücksnummern, Lieferanten-IDs oder Eigentümer-Anschriften gehören in der Regel nicht in eine US-gehostete Plattform. Pseudonymisierte IDs sind die sauberere Lösung.
- AVV: WRI stellt Datenverarbeitungs-Vereinbarungen für GFW Pro auf Anfrage zur Verfügung — Standard-AVV nach EU-Modellklauseln ist verhandelbar.
- Cookies und Tracking: Die Webplattform nutzt Standard-Analytics-Tools. Wer datensparsam unterwegs sein will, kann die Plattform ohne Account nutzen (ohne Alerts und My-GFW-Funktionen).
- Empfehlung für deutsche Unternehmen: Public-Nutzung ist unproblematisch. Bei GFW Pro mit Hochladen sensibler Lieferanten-Daten vorher Datenschutz-Folgenabschätzung durchführen und ggf. Anonymisierungsmaßnahmen vorsehen. Wer DSGVO-streng arbeiten muss, sollte zusätzlich Copernicus Data Space (EU-gehostet) für die operative Datenverarbeitung evaluieren.
Gut kombiniert mit
- Copernicus Data Space — Für DSGVO-konforme operative Auswertung von Sentinel-Rohdaten in der EU-Region. GFW liefert die niedrigschwellige Übersicht, Copernicus die tiefe Datenverarbeitung in europäischer Infrastruktur.
- Google Earth Engine — Wenn die GFW-Standardlayer nicht ausreichen und du eigene Modelle (z. B. NDVI-Zeitreihen, Spektralklassifikation, Random-Forest-Modelle für Borkenkäferdetektion) trainieren willst, ist Earth Engine die richtige Workbench. GFW nutzt selbst Earth Engine im Backend.
- QGIS — Für die lokale Weiterverarbeitung: GFW-Daten exportieren, in QGIS mit eigenen Flurstücks- und Forstbetriebsdaten verschneiden, Berichte erstellen. Klassischer GIS-Workflow ohne Cloud-Abhängigkeit.
Unser Testurteil
Global Forest Watch verdient 4 von 5 Sternen. Die Kombination aus globaler Abdeckung, wissenschaftlich solider Methodik, drei komplementären Alert-Systemen und einem kostenlosen EUDR-Pro-Modul macht GFW zur ersten Anlaufstelle für jeden, der Waldveränderungen verfolgen muss — ob als Holzhändler, Journalist, NGO oder Klimaforscher. Den fünften Stern verliert das Tool durch die englischsprachige Oberfläche, die US-Hostung, die begrenzte Auflösung für Kleinflächen, die geringere Tuning-Tiefe in Mitteleuropa und das Fehlen einer automatischen Schadensursachen-Klassifikation. Für die meisten Anwender ist GFW trotzdem das beste Werkzeug, mit dem man kostenlos beginnen kann — und in 80 % der Use Cases auch bleibt.
Was wir bemerkt haben
- Mai 2026 — Die EUDR-Anwendung (EU-Entwaldungsverordnung) ist nach Verschiebung der Anwendungstermine durch die EU-Kommission weiterhin operatives Compliance-Thema für Holz-, Kakao-, Kaffee-, Palmöl- und Rinderlieferketten. GFW Pro bleibt die niedrigschwelligste kostenlose Option für KMU mit EUDR-Pflicht.
- 2019 — GFW Pro wurde eingeführt — kostenlos für Unternehmen mit Partnership-Antrag. Dass diese Funktionalität bei kommerziellen Wettbewerbern (Satelligence, Ecometrica) vierstellig pro Monat kostet, ist ein bemerkenswerter Marktbeitrag des WRI.
- 2020/21 — Die RADD-Alerts (Radar-basiert, von Wageningen University entwickelt) wurden integriert. Damit lassen sich Waldveränderungen erstmals wetterunabhängig in tropischen Regionen detektieren — ein Durchbruch für die Amazonas- und Kongo-Beobachtung.
- Mai 2026 — Eine native deutsche Oberfläche existiert weiterhin nicht. Wer eine deutschsprachige Plattform für den Forstalltag braucht, weicht auf Landesforst-GIS-Portale oder spezialisierte Anbieter wie Forstify aus. Diese Lücke ist seit Jahren unverändert.
- Finanzierung — Das Modell hängt an externen Mittelgebern (USAID, Norwegian Ministry, DANIDA, Google.org). Kürzungen bei einem dieser Geldgeber könnten Funktionen oder Service-Levels beeinflussen — bislang ist die Plattform stabil, aber strategische Abhängigkeit besteht.
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Offener Datenzugang des Deutschen Wetterdienstes: Wetterstationen, Radar-Niederschlag, Prognosen (ICON, MOSMIX), Klimadaten ab 1881. Amtliche Datenqualität, Hosting in Deutschland, Lizenz CC BY 4.0 — die unverzichtbare Primärquelle für deutsche Wetter- und Klimadaten.
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