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Crossref

Crossref (Publishers International Linking Association, PILA)

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Non-Profit-Registrierungsstelle für DOIs und weltweit zentrale Metadatenquelle für wissenschaftliche Publikationen. Stellt über 170 Millionen Datensätze (Artikel, Preprints, Bücher, Datensätze, Förderdaten) über eine offene REST-API bereit, die unverzichtbare Datenbasis für Forschungs-Monitoring, Bibliometrie und KI-gestützte Literaturanalyse.

Kosten: REST-API kostenlos. Mitgliedschaft (für DOI-Registrierung) ab 200 USD/Jahr je nach Umsatz, Metadata Plus (höhere Rate-Limits, Daten-Dumps) ab 550 USD/Jahr.

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Stärken

  • Über 170 Millionen Publikations-Datensätze frei abfragbar
  • Offene REST-API ohne Anmeldung, ohne API-Key, in jeder Programmiersprache nutzbar
  • Reichhaltige Metadaten: Autor:innen, Affiliations, ORCID, ROR, Förderquellen, Lizenzen, Referenzen
  • Annual Public Data File: kompletter Dump als JSON für Offline-Analyse
  • Echtzeit-Aktualisierung bei neuen Publikationen, kein Verzögerungsproblem wie bei kommerziellen DBs
  • Non-Profit-Trägerschaft (PILA), keine Vendor-Lock-In, keine Lizenzfallen

Einschränkungen

  • Coverage hängt davon ab, ob ein Verlag Crossref-Mitglied ist und Metadaten einreicht, bei deutschsprachigen Geistes- und Sozialwissenschaften gibt es Lücken
  • Metadaten-Qualität schwankt je Verlag, manche reichen nur Minimalpflicht ein
  • Kein User Interface für Nicht-Entwickler, Bedienung erfordert API-Aufrufe oder Drittanbieter-Tools
  • Datenhosting USA (Lynnfield, Massachusetts), DSGVO-Bewertung läuft über öffentliche Daten, nicht über AVV
  • Rate-Limits im public pool nicht garantiert, bei Bulk-Anfragen Plus-Abo empfohlen
  • Keine Volltext-Suche, nur Metadaten und Referenzen, keine Inhaltssuche im PDF

Passt gut zu

Publikations-Monitoring von Forschungsgruppen Automatische Compliance- und Open-Access-Prüfung Bibliometrische Analysen und Wissenschaftsmessung Datenbasis für RAG-Systeme und KI-gestützte Literatursuche ORCID- und ROR-Verknüpfung

Kurzfazit

Crossref ist die zentrale offene Metadatenquelle der wissenschaftlichen Welt, keine glänzende Anwendung, sondern eine kritische Infrastruktur. Über 170 Millionen Publikationen, kostenlos und ohne Anmeldung über REST-API abrufbar, mit Autor:innen, Förderquellen, Referenzen und Lizenzinformationen. Wer Publikations-Monitoring, Open-Access-Compliance oder eine Datenbasis für KI-gestützte Literaturanalyse braucht, kommt an Crossref nicht vorbei. Schwächen: kein User Interface für Nicht-Entwickler, Metadaten-Qualität hängt vom einreichenden Verlag ab, und für DSGVO-strenge Use-Cases bleibt zu prüfen, dass es sich um offene Daten handelt, nicht um einen Auftragsverarbeiter im klassischen Sinne. Für Forschungsorganisationen, Drittmittel-Verwaltungen und KI-Teams, die mit Wissenschaftsdaten arbeiten, ist Crossref das Fundament, nicht das Endprodukt.

Für wen ist Crossref?

Forschungsorganisationen und Hochschulen: Wer den Output von DFG-, BMBF- oder EU-Projekten dokumentieren muss, fragt Crossref nach DOIs ab und bekommt Autor:innen, Förderkennungen, Open-Access-Status und Lizenzen in einem Schritt. Forschungsinformationssysteme (Pure, Converis, DSpace-CRIS) bauen auf Crossref-Daten auf, meist transparent für Endnutzer:innen, aber im Backend allgegenwärtig.

Drittmittel- und Compliance-Stellen: Förderbedingungen (Plan S, DFG-OA-Pflicht, Horizon-Europe-Mandat) verlangen Open-Access-Veröffentlichung. Crossref liefert je Publikation den OA-Status, die CC-Lizenz und die Embargo-Daten, automatisch und nachprüfbar. Was früher manuelle PDF-Lektüre verlangte, läuft heute über ein Skript.

Bibliometriker:innen und Wissenschaftsforschende: Wer Zitationsnetzwerke, Trend-Analysen oder Forschungslandschaften kartiert, bekommt mit dem Annual Public Data File einen kompletten JSON-Dump zur Offline-Verarbeitung. Für reproduzierbare Forschung deutlich besser als kommerzielle Anbieter wie Web of Science oder Scopus, weil offen und versionsstabil.

KI- und RAG-Entwickler:innen: Crossref-Metadaten sind die Grundlage, um wissenschaftliche Literatur in KI-Systemen verlässlich zu identifizieren, zu zitieren und zu verknüpfen. Wer einen RAG-Index über Forschungsliteratur baut, beginnt fast immer mit einem Crossref-Crawl, die DOI ist der eindeutige Anker, die Metadaten liefern Kontext für Embeddings.

Bibliotheken und Verlage: Mitgliedsverlage registrieren neue DOIs, Bibliotheken nutzen die API für Discovery-Systeme und Linkresolver. Das Crossref-Ökosystem (Similarity Check, Crossmark, Funder Registry, ROR) ist im wissenschaftlichen Publikationsbetrieb seit Jahrzehnten gesetzt.

Weniger geeignet für: Nicht-technische Anwender:innen ohne API-Zugang (besser: OpenAlex oder kommerzielle Frontends wie Dimensions). Wer Volltexte sucht statt Metadaten, Crossref liefert nur Bibliographie, nicht den Artikel selbst. Wer auf vollständige Coverage in Geistes- und Sozialwissenschaften angewiesen ist, sollte zusätzlich OpenAlex oder fachspezifische Quellen prüfen.

Preise im Detail

LeistungPreisWas du bekommst
Public REST-APIKostenlosUnbegrenzte Abfragen über api.crossref.org, “Polite Pool” mit höherer Priorität bei Angabe einer Kontakt-E-Mail im User-Agent
Annual Public Data FileKostenlosJährlicher kompletter JSON-Dump der gesamten Crossref-Datenbasis (über 170 Mio. Records)
Metadata Plus (kleinste Stufe)550 USD/Jahr (Org < 500K USD Umsatz)Höhere garantierte Rate-Limits, monatliche Daten-Dumps in JSON und XML, dedizierter Support
Metadata Plus (mittlere Stufe)3.300 USD/Jahr (Org 1–5M USD Umsatz)wie oben, höhere Service-Garantien
Metadata Plus (Großorganisation)44.000 USD/Jahr (Org > 25M USD Umsatz)wie oben, Enterprise-SLA
Mitgliedschaft (DOI-Registrierung)200–50.000 USD/Jahr je VerlagsumsatzRecht, eigene DOIs zu registrieren, plus Content-Registrierungsgebühren von 0,06–1,00 USD je Datensatz
GEM-ProgrammKostenlosMitgliedschaft für Organisationen aus wirtschaftlich benachteiligten Ländern, ohne Jahres- und Registrierungsgebühren

Einordnung: Wer Crossref nur abfragt (das ist der häufigste Fall, Monitoring, Compliance, KI), zahlt nichts. Die REST-API ist offen und kostenlos, auch für kommerzielle Nutzung. Ein “Polite Pool” (E-Mail im User-Agent) reicht in 95 % der Fälle und liefert spürbar stabilere Latenzen als der reine Public Pool. Metadata Plus lohnt sich erst, wenn du regelmäßig große Bulk-Abfragen fährst (mehrere Millionen Records pro Monat) oder garantierte Service-Levels für Produktivsysteme brauchst, typischer Fall: kommerzielle Discovery-Plattformen, große KI-Trainings-Pipelines. Die Mitgliedschaft ist nur relevant, wenn du selbst DOIs vergibst (Verlag, Repository, Daten-Publisher). Für die meisten Forschungsorganisationen, Hochschulen und KI-Teams bleibt Crossref damit faktisch kostenlos.

Stärken im Detail

Offene REST-API ohne Anmelde-Hürden. Du brauchst keinen Account, keinen API-Key, keine Vertragsverhandlung. Eine HTTP-GET-Anfrage gegen api.crossref.org/works/10.1000/xyz liefert dir das vollständige Metadaten-Set einer Publikation als JSON. Das macht Crossref zur niedrigschwelligsten Wissenschafts-API überhaupt, auch für studentische Hausarbeiten ebenso wie für Enterprise-Pipelines.

Reichhaltige, strukturierte Metadaten. Pro Publikation gibt es nicht nur Titel und Autor:innen, sondern auch ORCID-IDs der Autor:innen, ROR-IDs der Affiliations, Förderquellen aus dem Open Funder Registry, Crossmark-Status (zurückgezogen? korrigiert?), CC-Lizenzinformationen und die vollständige Referenzliste. Das ist die Datentiefe, die manche kommerzielle Anbieter erst gegen Aufpreis liefern.

170+ Millionen Datensätze und wachsend. Crossref deckt nicht nur klassische Zeitschriftenartikel ab, sondern auch Preprints, Konferenzbeiträge, Buchkapitel, Datensätze, Förderzusagen und Standards. Mit über 22.000 Mitgliedsorganisationen weltweit ist Crossref das umfassendste DOI-Register, wer Wissenschaft in seinen Workflow einbindet, findet hier mehr als irgendwo sonst kostenlos verfügbar.

Non-Profit-Trägerschaft als strategischer Vorteil. Crossref ist eine 2000 gegründete Non-Profit-Organisation (Publishers International Linking Association, PILA) mit Sitz in Lynnfield, Massachusetts. Keine Akquisitionsrisiken, kein Pricing-Schock, keine versteckten Lizenzfallen. In einem Markt, in dem kommerzielle Anbieter (Elsevier, Clarivate) immer wieder die Spielregeln ändern, ist diese Stabilität ein nicht zu unterschätzender Wert.

Annual Public Data File für reproduzierbare Forschung. Einmal jährlich veröffentlicht Crossref den kompletten Datenbestand als JSON-Snapshot, frei herunterladbar, ohne Lizenzbeschränkungen. Für Bibliometrie, Forschungspolitik und KI-Trainingsdaten ein Schlüsselangebot, weil reproduzierbar versionierbar. Wer in fünf Jahren dieselbe Analyse wiederholen will, kann es mit demselben Snapshot tun.

Ökosystem aus Linked Open Data. Crossref ist Knotenpunkt für mehrere weitere Initiativen: ORCID (Autor:innen-IDs), ROR (Forschungsorganisations-IDs), Open Funder Registry (Förderquellen), Retraction Watch (zurückgezogene Artikel). All diese Daten lassen sich über Crossref-Anfragen direkt verknüpfen, die Grundlage moderner Open-Science-Workflows.

Schwächen ehrlich betrachtet

Coverage hat Lücken, vor allem im deutschsprachigen Raum. Crossref erfasst nur, was Mitgliedsverlage einreichen. Die großen internationalen Wissenschaftsverlage (Elsevier, Springer Nature, Wiley) sind dabei, viele kleinere deutsche Geistes- und Sozialwissenschafts-Verlage aber nicht oder nur teilweise. Wer eine vollständige Coverage in Pädagogik, Theologie oder Rechtswissenschaft braucht, sollte zusätzlich OpenAlex, BASE oder fachspezifische Datenbanken konsultieren.

Metadaten-Qualität schwankt drastisch. Manche Verlage reichen reich strukturierte Datensätze mit ORCID, Affiliation, Förderquelle und Lizenz ein, andere nur die Pflichtfelder (Titel, Autor:in, DOI). Bei automatisierten Auswertungen heißt das: 70–80 % der Datensätze sind brauchbar, der Rest muss manuell oder über Heuristiken angereichert werden. Plane diesen Datenqualitäts-Sumpf realistisch ein.

Kein User Interface für Endnutzer:innen. Crossref bietet keine durchklick-bare Suchoberfläche, die mit Google Scholar, Web of Science oder kommerziellen Discovery-Tools vergleichbar wäre. search.crossref.org existiert, ist aber funktional rudimentär. Für Nicht-Entwickler:innen ist das eine echte Hürde, die Daten sind großartig, aber ohne Skript-Kenntnisse nicht direkt nutzbar.

Datenhosting USA und keine klassische AVV. Crossref-Daten sind öffentlich (offene Lizenz, CC0 für Metadaten), aber die API läuft über US-Server. Wer eine klassische DSGVO-Datenschutz-Folgenabschätzung mit AVV erwartet, findet sie nicht, weil keine personenbezogenen Daten der Anfragenden gespeichert werden. Sobald aber Anfragen mit identifizierbaren E-Mails im “Polite Pool” laufen, ist das eine kleine Grauzone, die Datenschutzbeauftragte einordnen müssen.

Rate-Limits im public pool unklar. Crossref garantiert für die kostenlose Nutzung keine konkreten Limits, wer Bulk-Anfragen fährt, kann gedrosselt werden. Wer skaliert (Hochschul-FIS, kommerzielle Pipelines), kommt um Metadata Plus oder eigene Cache-Strategien nicht herum. Die Polite-Pool-Praxis (Kontakt-E-Mail im User-Agent) lindert das spürbar, ersetzt sie aber nicht vollständig.

Keine Volltexte. Crossref hat ausschließlich Metadaten und Referenzen, nicht den Artikel selbst. Für Volltext-Analyse (Themen-Modellierung, Plagiats-Check, RAG mit Inhalts-Embeddings) brauchst du zusätzlich Quellen wie OpenAlex (für OA-Volltexte), Unpaywall (für OA-PDF-Links) oder direkte Verlagslizenzen. Crossref ist die Bibliographie, nicht der Inhalt.

Alternativen im Vergleich

Wenn du……nimm stattdessen
Eine breitere Coverage inkl. nicht-Crossref-Quellen brauchstOpenAlex (CC0, ergänzt mit Wissenschaftsfeldern)
OA-Volltext-Links statt nur Metadaten willstUnpaywall (PDF-Resolver für OA-Versionen)
Eine kommerzielle Bibliometrie-Plattform mit UI brauchstWeb of Science, Scopus oder Dimensions (kostenpflichtig)
Recherche mit KI-gestützter Auswertung von Papern willstElicit

Erwähnenswert ohne eigene Tool-Seite: OpenAlex (kostenloser Crossref-Konkurrent mit größerer Coverage und Konzeptklassifikation, seit 2022 von der Non-Profit OurResearch betrieben), Semantic Scholar (KI-gestützte Such-Frontends auf wissenschaftlicher Literatur), DataCite (Schwester-Registry für Forschungsdaten-DOIs, komplementär zu Crossref), CORE (offenes Aggregator-Projekt für OA-Volltexte). In den meisten ernsthaften Stacks läuft Crossref parallel zu OpenAlex und Unpaywall, die drei ergänzen sich, und keine ersetzt die anderen vollständig.

So steigst du ein

Schritt 1: Teste die API ohne Setup. Eine einfache curl-Anfrage reicht: curl "https://api.crossref.org/works/10.1038/nature12373" liefert dir das Metadaten-Set einer Beispiel-Publikation als JSON. Für strukturierte Suche: curl "https://api.crossref.org/works?query.author=einstein&rows=10". Keine Anmeldung, kein API-Key, direkt loslegen.

Schritt 2: Schalte den “Polite Pool” ein. Setze eine Kontakt-E-Mail im User-Agent (curl -A "MeinProjekt/1.0 (mailto:research@uni-xy.de)" ...), Crossref priorisiert “polite” Anfragen sichtbar und ist toleranter bei Lastspitzen. Dieses kleine Detail entscheidet zwischen “läuft” und “wird gedrosselt”, sobald du mehr als einzelne Abfragen fährst.

Schritt 3: Baue deinen ersten Anwendungsfall. Klassische Einstiege: (a) Drittmittel-Compliance, DOI-Liste eines Projekts abfragen, OA-Status und Lizenz auswerten, Bericht generieren. (b) Forschungs-Monitoring, Affiliation-Suche (query.affiliation=...), neue Publikationen einer Institution finden. (c) Bibliometrie, Annual Public Data File herunterladen, in DuckDB oder PostgreSQL laden, eigene Analysen fahren. Python-Bibliotheken wie habanero oder crossrefapi machen den Einstieg in fünf Minuten möglich.

Schritt 4 (optional): Wenn du skalierst, evaluiere Metadata Plus. Sobald deine Pipeline mehr als ein paar Hundert Anfragen pro Minute oder eine garantierte Verfügbarkeit braucht, wird das 550-USD-Einstiegspaket attraktiv. Bis dahin reichen Public Pool plus eigene Cache-Strategie (Redis, lokale SQLite) für die meisten Anwendungsfälle.

Ein konkretes Beispiel

Die Forschungsabteilung einer mittelständischen Universität in Hannover (drei Fakultäten, etwa 800 publizierende Wissenschaftler:innen, jährliches DFG-Volumen rund 12 Mio. EUR) muss jedes Jahr nachweisen, welcher Anteil der geförderten Publikationen Open Access verfügbar ist. Vor dem Crossref-Einsatz lief das in Excel: 200 Stunden Hilfskräftearbeit, manuelle Verlagsseiten-Klicks, Fehlerquote zweistellig. Mit Crossref baut die Stabsstelle Forschung ein 80-Zeilen-Python-Skript: Es zieht die DOI-Liste aus dem Forschungsinformationssystem, fragt Crossref für jede DOI nach license und is-referenced-by-count ab, kreuzt das mit Unpaywall für den finalen OA-Status und schreibt das Ergebnis in einen Dashboard-Bericht. Aufwand neu: 30 Minuten initial, dann automatisch wöchentlich. Zeitersparnis pro Jahr: rund 180 Personenstunden. Die Datenqualität ist messbar höher, weil systematisch, und das Dashboard läuft inzwischen als monatliche Statusmeldung an das DFG-Berichtsteam, ohne dass jemand Hand anlegen muss.

DSGVO & Datenschutz

  • Datenhosting: USA (Hauptsitz Lynnfield, Massachusetts). Crossref ist eine Non-Profit-Organisation, betrieben von der Publishers International Linking Association (PILA).
  • Datennutzung: Die abgefragten Metadaten sind öffentlich und stehen unter CC0 (gemeinfrei), Crossref erhebt selbst keinen urheberrechtlichen Anspruch. Anfragen werden in Server-Logs gespeichert, im “Polite Pool” wird eine Kontakt-E-Mail mitgeloggt. Personenbezogene Daten von Anfragenden werden nicht systematisch ausgewertet.
  • AVV: Crossref bietet keinen klassischen Auftragsverarbeitungsvertrag, weil Crossref keine personenbezogenen Daten in deinem Auftrag verarbeitet, du nutzt eine öffentlich verfügbare Datenquelle. Für eine konservative Datenschutz-Bewertung lohnt sich die Abklärung mit dem internen Datenschutzbeauftragten, ob die Datenübermittlung in die USA (Standardvertragsklauseln nicht relevant, da keine personenbezogenen Daten übermittelt werden) als unproblematisch eingestuft wird.
  • Daten in Crossref-Records: Autor:innen-Namen, ORCID-IDs und Affiliations sind Teil der wissenschaftlichen Publikation und dort öffentlich. Die DSGVO-Bewertung folgt der Veröffentlichungslogik der Wissenschaft, nicht klassischen AVV-Mustern.
  • Empfehlung für Unternehmen: Für die reine API-Abfrage (lesend, ohne Übermittlung interner Daten) ist Crossref aus DSGVO-Sicht unproblematisch. Wenn du in der Anfrage interne Identifier oder eigene Datensätze mitsendest (z. B. Affiliation-Suche mit nicht-öffentlicher ID), lohnt sich eine kurze datenschutzrechtliche Einordnung. Für den “Polite Pool” empfehlen wir eine generische Funktions-E-Mail (research@...) statt persönlicher Adressen.

Gut kombiniert mit

  • OpenAlex, Crossref liefert das DOI-Fundament, OpenAlex ergänzt thematische Konzepte (Wissenschaftsfelder), Zitationsmetriken und Coverage über Nicht-Crossref-Quellen hinaus. In modernen Bibliometrie-Stacks laufen beide parallel.
  • Unpaywall, Crossref weiß, dass eine Publikation existiert; Unpaywall weiß, wo die OA-Version als PDF liegt. Das ist die klassische Kombi für Compliance-Reports zu Plan-S- oder DFG-OA-Vorgaben.
  • Elicit, wenn du die in Crossref identifizierten Publikationen KI-gestützt durchsuchen und befragen willst (Forschungsfrage → Literaturüberblick), übernimmt Elicit die Auswertungsebene. Crossref ist das Was-existiert, Elicit das Was-bedeutet-es.

Unser Testurteil

Crossref verdient 4 von 5 Sternen. Als Infrastruktur ist Crossref praktisch konkurrenzlos: 170+ Millionen Datensätze, offene API, Non-Profit-Trägerschaft, jährlicher kompletter Datenexport, eingebettet in ein Ökosystem aus ORCID, ROR und Funder Registry. Wer mit Wissenschaftsdaten arbeitet, kommt nicht daran vorbei. Den fünften Stern verliert Crossref durch das fehlende Endnutzer-Interface, die schwankende Metadaten-Qualität (verlagsabhängig), die Coverage-Lücken im deutschsprachigen Geistes- und Sozialwissenschafts-Raum und die fehlende Volltext-Komponente. Strenggenommen ist Crossref kein KI-Tool im engeren Sinne, es ist die Datenbasis, auf der KI-Anwendungen für Wissenschaft (RAG, semantische Suche, KI-gestützte Literaturanalyse) sinnvoll erst funktionieren. Aus dieser strategischen Rolle heraus ist die Empfehlung klar: wer im Wissenschafts- oder Drittmittel-Umfeld auch nur peripher mit KI experimentiert, sollte Crossref als Daten-Backbone kennen.

Was wir bemerkt haben

  • Mai 2026, Coverage über 170 Millionen Datensätze bestätigt (eigene Selbstauskunft auf der offiziellen Seite). Wachstum kommt zunehmend aus Preprint-Servern, Datensatz-DOIs und Konferenzbeiträgen, nicht mehr ausschließlich aus klassischen Zeitschriftenartikeln.
  • 2024–2025, Crossref hat die Aufnahme der Retraction-Watch-Datenbank in den offenen Bestand vollzogen. Damit sind zurückgezogene Artikel jetzt direkt über die REST-API als Retraction Flag abrufbar, ein wichtiger Schritt für die wissenschaftliche Integritätsprüfung und für KI-Systeme, die Fakten aus Publikationen zitieren.
  • 2022, Mit OpenAlex (Non-Profit OurResearch) ist eine zweite, ergänzende Wissenschafts-Metadaten-Quelle entstanden, die viele Crossref-Daten weiterverarbeitet, aber zusätzlich Konzept-Klassifikationen und breitere Coverage bietet. Die beiden Projekte konkurrieren nicht, sondern ergänzen sich, moderne Pipelines nutzen beide.
  • Laufend, Metadata-Plus-Preise sind seit Jahren stabil, aber die kostenlosen Public-Pool-Rate-Limits wurden in den letzten Jahren mehrfach präzisiert (ohne konkrete Zahlen-Garantie). Wer kritische Produktivsysteme baut, sollte das Plus-Abo nicht als Luxus, sondern als Risikoabsicherung betrachten.
  • Strategisch, Crossref ist eines der wenigen Beispiele, in denen ein Non-Profit-Industrie-Konsortium über zwei Jahrzehnte verlässliche Infrastruktur betrieben hat, ohne Acquisition, ohne Pricing-Schock, ohne Geschäftsmodell-Pivot. In einer Tech-Welt, in der gefühlt jede Woche ein Tool den Besitzer wechselt, ist diese institutionelle Stabilität ein eigener Wert.

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