NEPLAN
BCP Business Computing Provider AG
Schweizer Standardsoftware für die Planung und Analyse elektrischer Netze. Bei Stadtwerken, Verteilnetzbetreibern und Energieberatern im DACH-Raum etabliert, mit deutschsprachigem Support, Schweizer Hosting und einer wachsenden ML-Schicht für Lastprognose, Smart-Meter-Auswertung und Kontingenzanalyse.
Kosten: NEPLAN 360 / Anywhere ab ca. 3.000 EUR/Jahr (je nach Netzgröße und Modulumfang); NEPLAN Electricity Desktop als Einzellizenz auf Anfrage; Studierenden-Version kostenlos
Stärken
- DACH-Marktstandard auf Verteilnetzebene, Stadtwerke, Schweizer DSOs und Energieberater nutzen NEPLAN seit Jahren produktiv
- Modularer Aufbau: Load Flow, Short Circuit, Optimal Power Flow, Reliability, Harmonic Analysis, Dynamic Simulation einzeln lizenzierbar
- NEPLAN 360 / Anywhere als Cloud-Variante mit REST-API für ML-Workflows und Smart-Meter-Integration
- Deutschsprachiger Support direkt aus Küsnacht-Zürich, ISO 27001 und ISO 9001 zertifiziert
- Hosting in der Schweiz (DSG-konform), für deutsche und österreichische Versorger praktisch wie EU-Hosting
Einschränkungen
- AI/ML wird auf der öffentlichen Website kaum beworben, die Schicht existiert, ist aber nicht der Headline-Pitch wie bei jüngeren Wettbewerbern
- Auf Übertragungsnetzebene weiterhin schwächer positioniert als DIgSILENT PowerFactory oder Siemens PSS®E
- Steile Lernkurve, ohne netzplanerischen Hintergrund (Lastfluss, Kurzschluss, Schutz) nicht produktiv nutzbar
- Preise und Modulkosten nicht öffentlich, jede Evaluation startet mit einem Vertriebsgespräch
- UI wirkt klassisch, kein moderner Webclient für die Desktop-Variante, NEPLAN Anywhere ist die einzige zeitgemäße Oberfläche
Passt gut zu
Wann ja, wann nein
Wann ja
- Du planst, betreibst oder berätst zu Mittel- und Niederspannungsnetzen im DACH-Raum
- Du brauchst deutschsprachigen Support und einen Anbieter in Schweizer/europäischer Jurisdiktion
- Du willst Smart-Meter-Daten oder Messreihen ML-gestützt in deine Netzplanung einbinden
- Du arbeitest bereits mit dem NEPLAN-Datenmodell (.ndb) und willst auf Cloud / API erweitern
Wann nein
- Du planst überwiegend Übertragungsnetze auf 220/380-kV-Ebene mit Großkraftwerksdynamik
- Du brauchst eine vollständig kostenlose Open-Source-Lösung (PandaPower, OpenDSS sind dann näher dran)
- Du suchst eine sofort einsetzbare KI-Plattform ohne Stromnetz-Fachwissen, NEPLAN ist Ingenieurssoftware, kein Co-Pilot
- Du brauchst eine moderne Web-First-UI ohne Desktop-Client
Kurzfazit
NEPLAN ist die Schweizer Standardsoftware für Verteilnetzplanung und im DACH-Raum bei Stadtwerken und kleineren bis mittelgroßen Verteilnetzbetreibern oft die erste Wahl. Die Stärken sind klar: deutschsprachiger Support, Schweizer Hosting, ein modularer Aufbau und ein Datenmodell, das in vielen Versorgerorganisationen seit Jahrzehnten gepflegt wird. Die KI- und ML-Schicht ist da, Lastprognose, Smart-Meter-Auswertung, Kontingenzscreening, aber sie ist nicht der laute Verkaufspitch, sondern eine wachsende Ergänzung. Wer auf Übertragungsnetzebene plant oder eine moderne Web-First-Oberfläche erwartet, schaut besser zu DIgSILENT PowerFactory oder PSS®E.
Für wen ist NEPLAN?
Stadtwerke und kleinere Verteilnetzbetreiber: Der klassische NEPLAN-Kunde plant ein 10/20-kV-Mittelspannungsnetz mit angeschlossener Niederspannung, hat 5 bis 50 Netzplaner und braucht ein Werkzeug, das Lastfluss, Kurzschluss und Schutz beherrscht, ohne den Overhead und Preis von DIgSILENT PowerFactory. Genau dort sitzt NEPLAN seit Jahren.
Schweizer DSOs: In der Schweiz quasi gesetzt, die Lokalnähe (Küsnacht), das DSG-konforme Hosting und der deutsch- bzw. französischsprachige Support sind kaum zu schlagen. Ewz, EKZ, BKW und viele kantonale Versorger arbeiten mit NEPLAN.
Energie- und Netzberatungen: Wer für mehrere Kunden Netzberechnungen macht, schätzt das pragmatische Lizenzmodell und das stabile Datenformat, Modelle lassen sich zwischen Beratung und Versorger sauber austauschen.
Hochschulen und Forschung: Die kostenlose Studierendenversion und akademische Lizenzen machen NEPLAN zur typischen Software in Energietechnik-Studiengängen im DACH-Raum. Wer in Karlsruhe, Aachen, Wien oder Zürich Energietechnik studiert, ist NEPLAN meist begegnet.
Industrieelektrik und Eigenstromversorger: Industriebetriebe mit eigenem Werksnetz (Chemie, Stahl, Automotive) nutzen NEPLAN für Kurzschlussberechnungen, Schutzkoordination und PV-Integration im eigenen Areal.
Weniger geeignet für: Übertragungsnetzbetreiber mit 220/380-kV-Schwerpunkt (PowerFactory oder PSS®E sind dort dominanter), Teams, die eine vollständige Cloud-/Web-Lösung ohne Desktop wollen, und alle, die KI als zentralen Verkaufspunkt erwarten, NEPLAN ist primär Ingenieurssoftware mit ML-Erweiterung, nicht andersherum.
Preise im Detail
| Variante | Preis | Was du bekommst |
|---|---|---|
| Studierendenversion | 0 € | Voller Funktionsumfang für nicht-kommerzielle Lehre und Forschung, begrenzte Netzgröße |
| NEPLAN Electricity (Desktop) | Auf Anfrage (Einzellizenz, einmalig + Wartung) | Modular: Basismodul + zubuchbare Module (Load Flow, Short Circuit, OPF, Reliability, Harmonics, Dynamics, Protection) |
| NEPLAN 360 / Anywhere (Cloud) | ca. 3.000–15.000 EUR/Jahr | Cloud-basierte Netzberechnung, Web-UI, REST-API, Anbindung an Mess- und Smart-Meter-Daten, ML-gestützte Auswertungen |
| Asset-Management-Modul | Auf Anfrage | Budgetplanung, Investitionsoptimierung, Lebensdauerprognose für Betriebsmittel |
| Gas / Wasser / Wärme | Auf Anfrage | Eigene Modulfamilien für Multi-Energy-Netzplanung |
Einordnung: NEPLAN nennt bewusst keine öffentlichen Listenpreise, jede Beschaffung läuft über ein individuelles Angebot, das von Netzgröße, Modulanzahl, Nutzerzahl und Wartungslaufzeit abhängt. Aus Vergleichsangeboten und öffentlich ausgeschriebenen Stadtwerks-Beschaffungen ergibt sich für eine vollständige NEPLAN-360-Konfiguration ein Korridor von etwa 3.000 EUR/Jahr (kleines Netz, wenige Module) bis 15.000 EUR/Jahr und mehr (großer Versorger mit OPF, Reliability und API-Anbindung). Damit ist NEPLAN deutlich günstiger als DIgSILENT PowerFactory oder ETAP, was den Markterfolg bei Stadtwerken erklärt.
Stärken im Detail
DACH-Marktstandard auf Verteilnetzebene. NEPLAN ist in vielen Schweizer und einer großen Zahl deutscher Stadtwerke seit zwei Jahrzehnten produktiv. Das bedeutet: viele Mitarbeitende kennen die Bedienung, gepflegte Modelle existieren bereits, und der Kompetenzaustausch mit Berater:innen und Hochschulen funktioniert reibungslos. Wer als neuer Netzplaner ins Team kommt, hat NEPLAN meist schon im Studium gesehen, die Einarbeitungszeit ist kürzer als bei selten genutzten Werkzeugen.
Modularer Aufbau ohne Zwangspakete. Du kaufst nicht „NEPLAN komplett”, sondern setzt das System aus Bausteinen zusammen: Lastfluss, Kurzschluss, Optimal Power Flow, Zuverlässigkeitsanalyse, Oberschwingungen, dynamische Simulation, Schutzkoordination. Das hält die Einstiegskosten niedrig und erlaubt schrittweisen Ausbau, ein Stadtwerk kann mit Load Flow + Short Circuit starten und Reliability erst einführen, wenn die regulatorische Berichtspflicht es verlangt.
NEPLAN 360 / Anywhere als Cloud-Brücke. Die SaaS-Variante (intern als NEPLAN 360 entwickelt, im aktuellen Marketing als „NEPLAN Anywhere” geführt) bringt das Datenmodell in den Browser und stellt eine REST-API zur Verfügung. Dadurch lassen sich Smart-Meter-Datenströme, Messdaten aus SCADA und Python-/MATLAB-Auswertungen sauber anbinden, die Voraussetzung für ML-gestützte Lastprognose, anomaliebasierte Wartungsplanung und automatisierte N-1-Analysen.
Deutschsprachiger Support, Schweizer Jurisdiktion, ISO-Zertifizierungen. Anfragen gehen direkt an das Team in Küsnacht, auf Deutsch, mit kurzen Reaktionszeiten. Das Hosting der Cloud-Variante liegt in der Schweiz, was rechtlich nicht EU, aber als Drittland mit Angemessenheitsbeschluss DSGVO-konform handhabbar ist. ISO 27001 (Informationssicherheit) und ISO 9001 (Qualitätsmanagement) sind nachgewiesen.
Multi-Energy-Familie. Wer Sektorkopplung plant, Strom + Gas + Fernwärme + Wasser im selben Netzgebiet, bekommt mit NEPLAN eine seltene Kombination: dieselbe Toolfamilie für alle Energieträger, mit konsistenter Datenbasis und Bedienlogik. Das ist im Sinne der kommunalen Energiewende ein echter Vorteil.
Schwächen ehrlich betrachtet
KI-Positionierung ist leise. Auf der öffentlichen Produktseite findest du kaum Hinweise auf „KI”, „AI”, „Machine Learning”. Die Fähigkeiten existieren, Lastprognose, Smart-Meter-Auswertung, optimale Blindleistungskompensation lassen sich über die NEPLAN-Anywhere-API ML-gestützt umsetzen, aber NEPLAN verkauft sich nicht als „KI-Plattform”. Wer auf der Suche nach einem KI-Headline-Produkt ist, wird hier enttäuscht. Wer eine seriöse Netzplanungssoftware mit ML-Erweiterung sucht, ist richtig.
Auf Übertragungsnetzebene zweite Wahl. Für 220/380-kV-Netze, große Wind- und Solarparks im Hochspannungsbereich, dynamische Großstörungssimulationen und Stabilitätsanalysen ist DIgSILENT PowerFactory weiterhin die Referenz. Auch Siemens PSS®E ist dort verbreiteter. NEPLAN deckt diese Anwendungsfälle ab, ist aber selten gesetzt.
Steile Lernkurve. Ohne Vorwissen in Netzberechnung (Symmetrische Komponenten, Newton-Raphson-Lastfluss, Schutzkoordination) wirst du NEPLAN nicht produktiv bedienen. Das ist nicht NEPLAN-spezifisch, sondern liegt in der Natur des Fachgebiets, aber es bedeutet: dieses Tool ist nichts für Quereinsteiger ohne Energietechnik-Hintergrund.
Intransparente Preisgestaltung. Es gibt keine Preisliste, keine Self-Service-Buchung, keinen Online-Konfigurator. Jede Beschaffung beginnt mit einem Vertriebsgespräch, einer Bedarfsanalyse und einem Angebot. Für agile Pilotprojekte oder schnelle Evaluation außerhalb klassischer Beschaffungsprozesse ist das eine Hürde.
Klassische UI im Desktop. Die NEPLAN-Electricity-Oberfläche ist funktional, aber visuell und ergonomisch eindeutig in der Tradition früher 2000er Engineering-Tools. NEPLAN Anywhere ist deutlich moderner, wer dort einsteigt, bekommt eine zeitgemäße Web-UI. Aber viele etablierte Funktionen leben weiterhin im Desktop-Client.
Alternativen im Vergleich
| Wenn du… | …nimm stattdessen |
|---|---|
| Übertragungsnetze auf 220/380 kV mit voller Dynamik planst | DIgSILENT PowerFactory |
| Eine Open-Source-Lösung für Forschung und Prototyping suchst | PandaPower |
| Smart-Meter-Daten primär statistisch und ML-getrieben auswertest, ohne klassische Netzberechnung | Databricks als Datenplattform plus eigene ML-Pipeline |
| Berichte, Präsentationen und Dokumentation rund um die Netzberechnung effizienter erstellen willst | Microsoft 365 Copilot |
Erwähnenswert ohne eigene Tool-Seite (noch): ETAP (industrielle Energiesysteme, Schiffs- und Werksnetze, komplexe Schutztechnik) und Siemens PSS SINCAL (im DACH-Verteilnetzmarkt der direkteste Konkurrent, beide adressieren ähnliche Stadtwerks-Zielgruppen und werden in Beschaffungen oft parallel evaluiert). Auf Übertragungsebene bleibt DIgSILENT PowerFactory die Referenz. NEPLAN ist kein Allrounder über alle Spannungsebenen, sondern der pragmatische DACH-Standard für Verteilnetze, wer dort sitzt, fährt damit selten falsch.
So steigst du ein
Schritt 1: Studierenden- oder Demoversion installieren. Lade die kostenlose Studierendenversion oder eine zeitlich begrenzte Demo direkt von neplan.ch und baue ein einfaches Beispielnetz nach (Trafo, Sammelschiene, Abgänge, Lasten, eine PV-Einspeisung). Spiele Lastfluss und Kurzschluss durch. Damit verstehst du die Bedienlogik, bevor du in einer Vertriebspräsentation sitzt.
Schritt 2: Modulauswahl entlang der Use Cases klären. Liste deine konkreten Aufgaben auf, Netzanschlussbegehren, Schutzkoordination, Zuverlässigkeitsbericht, dynamische Stabilitätsanalyse, OPF für Blindleistungsoptimierung. Pro Aufgabe ist meist genau ein NEPLAN-Modul zuständig. Diese Liste bringst du ins Vertriebsgespräch und vermeidest den Klassiker, Module zu lizenzieren, die du nie nutzt.
Schritt 3: NEPLAN 360 / Anywhere für Datenanbindung evaluieren. Wenn du Smart-Meter-Daten, SCADA-Werte oder Messreihen aus Netzwächtern verarbeiten willst, geh direkt auf die Cloud-Variante. Die REST-API ist der Hebel für ML-gestützte Lastprognose, Anomalieerkennung und automatisierte Berichte, der Desktop-Client allein wird dafür nicht reichen.
Schritt 4: Schulung einplanen. NEPLAN bietet Kompaktkurse direkt an. Eine zweitägige Einführung spart bei einem Team von fünf Netzplanern erfahrungsgemäß mehrere Wochen Selbststudium. Für eine seriöse Kosten-/Nutzen-Rechnung gehört das dazu.
Ein konkretes Beispiel
Ein süddeutsches Stadtwerk mit ca. 60.000 Netzanschlüssen plante für 2025 eine Welle aus PV-Anlagen, Wärmepumpen und Wallboxen ein. Die bisherige statische Lastannahme („Gleichzeitigkeitsfaktor laut DIN”) führte zu einer Überdimensionierung des Mittelspannungsnetzes, und damit zu Investitionen, die bei realistischer Lastsimulation gar nicht nötig gewesen wären. Mit NEPLAN Anywhere wurden über die REST-API ein Jahr Smart-Meter-Daten aus 4.200 Hausanschlüssen eingespeist und mit einem ML-Modell (Random Forest, in Python ausgelagert) clusterbasierte Lastprofile erzeugt. Die Lastflussberechnung in NEPLAN nutzt diese realistischen Profile statt Standardwerten, Ergebnis: drei geplante Kabelverstärkungen wurden zurückgestellt, rund 1,1 Mio. EUR Investitionen wurden um zwei bis drei Jahre verschoben, ohne dass die Versorgungssicherheit gefährdet ist. Der Aufwand für die Erstmodellierung lag bei etwa drei Personenwochen.
DSGVO & Datenschutz
- Datenhosting: NEPLAN 360 / Anywhere wird in der Schweiz gehostet. Die Schweiz gilt im Rahmen des EU-Angemessenheitsbeschlusses als sicheres Drittland, Datentransfers sind ohne Standardvertragsklauseln zulässig.
- Anbieter: BCP Business Computing Provider AG, Küsnacht-Zürich (Schweiz). ISO 27001 (Informationssicherheit) und ISO 9001 (Qualität) zertifiziert.
- Datennutzung: Netzdaten und Messreihen werden ausschließlich für die vom Kunden beauftragte Verarbeitung genutzt. Keine Verwendung für Modelltraining oder Weiterverkauf, explizit vertraglich geregelt.
- Auftragsverarbeitung: AVV / DPA wird für NEPLAN-360-Kunden bereitgestellt; bei Desktop-Lizenzen meist nicht erforderlich, da keine Datenverarbeitung beim Anbieter stattfindet.
- Sensible Daten: Smart-Meter-Daten gelten in Deutschland als personenbeziehbar (BSI-Schutzprofil). Vor dem Upload in die Cloud-Variante ist eine Datenschutz-Folgenabschätzung verpflichtend, ggf. zusätzlich Pseudonymisierung auf Anschlussnummer-Ebene.
- Empfehlung für Versorger: Für rein deutsche Stadtwerke mit BSI-IT-Sicherheitskatalog (§ 11 EnWG) ist die Schweizer Hosting-Option mit dem Datenschutzbeauftragten und der Aufsicht (BNetzA, Kompetenzzentrum Sicheres Smart Metering) abzustimmen. Praxistauglich umsetzbar, aber kein Selbstläufer.
Gut kombiniert mit
- Smallworld GIS oder QGIS, die geografische Netzdokumentation lebt fast immer in einem GIS. Über Standardimporte (CIM/CGMES, Shapefile) lassen sich Trassen, Anschlusspunkte und Betriebsmittel nach NEPLAN überführen, sodass du nicht zwei Datenmodelle parallel pflegen musst.
- Databricks, wenn du Smart-Meter-Daten oder SCADA-Streams im Volumen mehrerer Millionen Datensätze pro Tag verarbeiten willst, übernimmt Databricks die Aggregation, Lastprofilbildung und ML-Modelle. Die fertigen Profile gehen über die NEPLAN-Anywhere-API in die Netzberechnung.
- Microsoft 365 Copilot, für die Berichtserstellung nach der Berechnung: NEPLAN-Output (Tabellen, Diagramme) wird in Word- und PowerPoint-Vorlagen übernommen, Copilot übernimmt Formulierung und Konsistenzprüfung. Das spart bei monatlichen Netzberichten typischerweise einen halben Tag.
Unser Testurteil
NEPLAN verdient 4 von 5 Sternen. In seiner Kerndisziplin, Verteilnetzplanung im DACH-Raum, ist es eine ausgereifte, etablierte und im Vergleich zu DIgSILENT PowerFactory oder ETAP erfreulich pragmatisch bepreiste Lösung. Schweizer Hosting, deutschsprachiger Support und die Modulfreiheit sind echte Argumente, die wir in Stadtwerks-Projekten regelmäßig hören. Den fünften Stern verliert NEPLAN aus drei Gründen: Die KI-/ML-Positionierung ist leise und weniger sichtbar, als es 2026 sein müsste, die Fähigkeiten existieren, der Pitch fehlt. Auf Übertragungsnetzebene bleibt PowerFactory die Referenz. Und die intransparente Preisgestaltung ist in Zeiten, in denen selbst Enterprise-Software zunehmend Preise auf der Website zeigt, ein bewusster, aber kostspieliger Stilbruch. Trotzdem: Für die Zielgruppe Stadtwerke, kantonale Versorger und Energieberatungen ist NEPLAN nahe an der idealen Wahl.
Was wir bemerkt haben
- 2022, NEPLAN hat mit NEPLAN 360 die Cloud-Variante eingeführt und damit erstmals eine Web-UI plus REST-API angeboten. Im aktuellen Marketing tritt die Cloud-Linie zunehmend unter dem Namen „NEPLAN Anywhere” auf, die Produktidentität verschiebt sich, der Funktionskern (browserbasierte Netzberechnung mit API-Anbindung) bleibt.
- Mai 2026, Auf der öffentlichen Produktseite finden sich praktisch keine prominenten KI-/ML-Marketing-Aussagen. Die Fähigkeiten zur Smart-Meter-Auswertung und ML-gestützten Lastprognose existieren über die API und in Kundenprojekten, werden aber nicht als Hauptbotschaft kommuniziert. Das ist im Wettbewerb mit jüngeren, AI-first positionierten Netzanalyse-Startups eine bewusste, aber riskante Zurückhaltung.
- 2024–2025, Die Sektorkopplung (Strom + Gas + Wärme + Wasser im selben Tool) hat in der DACH-Versorgerlandschaft an Relevanz gewonnen. NEPLAN profitiert hier von einer seltenen Position: Multi-Energy-Module aus einer Hand, mit konsistentem Datenmodell. Das ist ein wachsender Vorteil gegenüber Spezialisten, die nur Strom oder nur Gas abdecken.
- Mai 2026, Preise sind weiterhin nicht öffentlich einsehbar. Wer ohne Vertriebsgespräch evaluieren will, ist auf die Studierenden-/Demoversion angewiesen, eine Self-Service-Konfiguration oder transparente Listenpreise gibt es nicht.
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Arthur Atlas
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