Autodesk Navisworks
Autodesk
Autodesk Navisworks ist die Standardsoftware für BIM-Koordination und Kollisionsprüfung (Clash Detection) in der Baubranche. Planerteams kombinieren Modelle aus Revit, AutoCAD, ArchiCAD und anderen CAD-Tools in einem einzigen Koordinationsmodell und identifizieren Konflikte zwischen Architektur, Tragwerk und TGA — bevor der erste Bagger rollt.
Kosten: Navisworks Manage ca. 3.000 EUR/Jahr (Einzelabo), in der AEC Collection für ca. 3.900 EUR/Jahr enthalten; Navisworks Freedom (Viewer) kostenlos
Stärken
- Branchenstandard für Clash Detection — findet Kollisionen zwischen Gewerken automatisch
- Unterstützt über 60 CAD-Formate — aggregiert Modelle aus allen gängigen Tools
- Timeliner-Funktion für 4D-BIM: Bauablauf visuell simulieren und mit Terminplan verknüpfen
- Teil der Autodesk AEC Collection — von vielen Büros bereits mitlizenziert
- Navisworks Freedom als kostenloser Viewer für alle Projektbeteiligten
Einschränkungen
- Komplex in der Einrichtung — erfordert geschulte BIM-Koordinatoren für produktiven Einsatz
- Datenhaltung bei Autodesk in den USA — cloud-Funktionen über Autodesk Construction Cloud (US-Server)
- Keine offene IFC-Exportfunktion ohne Workarounds — proprietäres NWD/NWC-Format dominiert
- Regelbasierte Qualitätsprüfung nach Normen (z. B. Barrierefreiheit) schwächer als Solibri
Passt gut zu
Wann ja, wann nein
Wann ja
- Du koordinierst Modelle aus verschiedenen CAD-Tools (Revit, AutoCAD, Tekla, ArchiCAD) in einem Projekt
- Du willst Clash Detection und 4D-Bauablaufsimulation in einem Tool kombinieren
- Du nutzt bereits Autodesk-Produkte (Revit, AutoCAD) und hast die AEC Collection lizenziert
- Du brauchst einen kostenfreien Viewer für Projektbeteiligte ohne eigene Lizenz
Wann nein
- Dein Fokus liegt auf tiefer regelbasierter Normenprüfung (Barrierefreiheit, Brandschutz) — dann ist Solibri besser
- Du verarbeitest vertrauliche Projektdaten und brauchst EU-Datenhosting
- Du arbeitest mit kleinen Teams und einfachen Projekten ohne komplexe Multi-Gewerk-Koordination
- Dein Budget lässt keine Autodesk-Jahreslizenzen zu und du brauchst kein 4D-BIM
Kurzfazit
Navisworks ist der Industriestandard für BIM-Koordination und Clash Detection — praktisch jeder deutsche Großbau mit BIM-Anforderungen läuft irgendwann durch Navisworks. Die Stärke liegt in der Breite: Über 60 CAD-Formate zusammenführen, Kollisionen finden, den Bauablauf in 4D simulieren und alles in einem einzigen Koordinationsmodell halten. Den fünften Stern kostet es die US-Datenhosting-Problematik, die fehlende Tiefe bei regelbasierter Normenprüfung und die Abhängigkeit vom Autodesk-Ökosystem. Wer bereits Revit oder AutoCAD nutzt, hat mit der AEC Collection oft bereits eine Lizenz — und damit einen der mächtigsten BIM-Koordinations-Werkzeuge der Branche.
Für wen ist Navisworks?
BIM-Koordinatoren in Generalunternehmen: Die Kernzielgruppe. Wer täglich Fachmodelle von Architektur, Tragwerk und TGA zusammenführt, Clash-Detection-Läufe startet und Koordinationsmeetings mit Viewpoint-Links vorbereitet, nutzt Navisworks als zentrales Arbeitswerkzeug. Die wöchentliche Koordinationsrunde läuft bei den meisten deutschen GUs über Navisworks.
TGA-Planer (HVAC, Elektro, Sanitär): TGA-Modelle sind die häufigste Quelle von Kollisionen mit Architektur und Tragwerk. Navisworks ermöglicht TGA-Planern, ihre AutoCAD MEP-Modelle direkt gegen Revit-Architekturmodelle zu prüfen — ohne auf den BIM-Koordinator warten zu müssen.
Bauherren mit BIM-Anforderungen: Wer als Bauherr BIM als Vertragsanforderung stellt, nutzt Navisworks für die modellbasierte Abnahme von Planungsleistungen. Navisworks Freedom (kostenloser Viewer) erlaubt es, NWD-Koordinationsmodelle zu betrachten und Kommentare zu hinterlassen — ohne eigene Manage-Lizenz.
4D-Bauablaulplaner: Die Timeliner-Funktion ist eine der wenigen echten 4D-BIM-Implementierungen am Markt: Modell-Elemente werden mit Terminplänen (MS Project, Primavera P6) verknüpft und die Bausequenz visuell simuliert. Für Subunternehmer-Koordination und Baulogistik ein echter Mehrwert.
Weniger geeignet für: Kleine Büros mit einfachen Projekten ohne Multi-Gewerk-Koordination. Wer primär Normen- und Qualitätsprüfung nach definierten Regelwerken braucht, ist mit Solibri besser bedient. Und für DSGVO-sensible Projekte mit EU-Hosting-Anforderung ist die US-Datenhaltung ein echtes Problem.
Preise im Detail
| Version | Preis | Was du bekommst |
|---|---|---|
| Freedom | Kostenlos | Reiner Viewer für NWD/NWC-Dateien, kein Clash Detection, kein Export |
| Simulate | ca. 1.700 EUR/Jahr | Modell-Aggregation, Navigation, Rendering, 4D-Simulation (Timeliner), begrenzte Clash Detection |
| Manage | ca. 3.000 EUR/Jahr | Vollständige Clash Detection (Clash Detective), Quantify, alle Koordinations-Features |
| AEC Collection | ca. 3.900 EUR/Jahr | Manage + Revit + AutoCAD + Civil 3D + weitere Autodesk-Tools |
Einordnung: Für echte Clash Detection ist Navisworks Manage die notwendige Stufe — Simulate hat hier Einschränkungen. Die meisten Planungsbüros in Deutschland, die bereits Revit nutzen, haben die AEC Collection und damit Navisworks Manage bereits im Paket. Ein Einzelkauf von Navisworks Manage lohnt sich kaum — der Preisunterschied zur AEC Collection ist gering, und die Collection enthält deutlich mehr Werkzeuge.
Stärken im Detail
60+ CAD-Formate machen Navisworks zur Drehscheibe. Revit, AutoCAD, AutoCAD MEP, Tekla Structures, ArchiCAD (via IFC), Bentley MicroStation, SketchUp — Navisworks liest die Dateiformate der Branche und führt sie in einem Koordinationsmodell zusammen. Das ist der entscheidende Vorteil in realen Projekten, wo kein einheitliches Planungstool durchgesetzt werden kann.
Clash Detective ist ausgereift und praxiserprobt. Die Kollisionserkennung in Navisworks unterscheidet zwischen Hard Clashes (echte Kollisionen), Soft Clashes (Mindestabstandsverletzungen) und Clearance Clashes (Wartungsbereiche). Gefundene Konflikte werden gruppiert, priorisiert und können als Viewpoints für das Koordinationsmeeting vorbereitet werden.
Timeliner macht 4D-BIM greifbar. Die Verknüpfung von Modell-Elementen mit Terminplänen aus MS Project oder Primavera P6 erzeugt eine visuelle Bauablaufsimulation: Man sieht, welche Bauteile in welcher Woche eingebaut werden, und kann Konflikte in der Baulogistik frühzeitig erkennen. Das ist besonders für die Koordination paralleler Gewerke und für Bauherren-Präsentationen wertvoll.
Navisworks Freedom als Multiplayer-Faktor. Der kostenlose Viewer macht es möglich, dass alle Projektbeteiligten — Bauherr, Subunternehmer, Behörden — das Koordinationsmodell öffnen und Kommentare hinterlassen können, ohne selbst eine kostenpflichtige Lizenz zu benötigen. Das senkt die Schwelle für echte BIM-Kollaboration erheblich.
Schwächen ehrlich betrachtet
US-Datenhosting ohne EU-Option. Autodesk Construction Cloud und alle cloud-basierten Features von Navisworks laufen über US-Server. Für öffentliche Auftraggeber, Behörden oder Unternehmen mit strengen DSGVO-Anforderungen ist das ein ernstes Hindernis. Eine EU-Hosting-Option gibt es aktuell nicht — wer darauf angewiesen ist, muss auf rein lokale Desktop-Nutzung ohne Cloud-Sync ausweichen.
Regelbasierte Normenprüfung ist nicht Navisworks’ Stärke. Während Solibri 70+ vordefinierte Prüfregeln für Barrierefreiheit, Brandschutz und DGNB mitbringt, muss man in Navisworks jeden Check manuell konfigurieren. Clash Detection ist mächtig, aber es ist keine Normprüfung. Wer wissen will, ob ein Flurgang DIN 18040-konform ist, braucht Solibri.
Proprietäre Formate als Lock-in. Navisworks speichert aggregierte Modelle im NWD-Format — lesbar nur mit Navisworks oder dem Freedom Viewer. Ein offener IFC-Export des aggregierten Koordinationsmodells ist nicht vorgesehen. Wer zu einem anderen Koordinationswerkzeug wechseln will, verliert die Koordinationshistorie.
Komplexe Einrichtung ohne Vorkenntnisse. Ein produktives Navisworks-Setup — Clash-Regeln konfigurieren, Gruppen für Gewerk-Prüfpaare definieren, Viewpoints strukturiert anlegen — erfordert Einarbeitungszeit und idealerweise eine Navisworks-Schulung. Ohne BIM-Vorkenntnisse führt das schnell zu unkritischen, riesigen Clash-Reports, die niemand abarbeiten kann.
Alternativen im Vergleich
| Wenn du… | …nimm stattdessen |
|---|---|
| Regelbasierte Normen- und Qualitätsprüfung (Barrierefreiheit, Brandschutz) brauchst | Solibri |
| Mängelmanagement und Aufgabenverteilung auf der Baustelle suchst | Planradar |
| Bauabläufe und Projektmanagement integriert planen willst | Primavera P6 |
| Visualisierung und Rendering für Bauherren-Präsentationen brauchst | Lumion |
Navisworks und Solibri ergänzen sich stärker, als sie konkurrieren. Für ernsthafte BIM-Koordination auf Großprojekten setzen viele deutsche Büros beide ein: Navisworks für Clash Detection und 4D-Simulation, Solibri für Normen- und Qualitätsprüfung.
So steigst du ein
Schritt 1: Prüfe zunächst, ob Navisworks bereits in deiner Autodesk AEC Collection enthalten ist — die meisten Büros, die Revit oder AutoCAD nutzen, haben Navisworks Simulate oder Manage bereits lizenziert. Lade die aktuelle Version über den Autodesk Account herunter. Für den Einstieg reicht Navisworks Freedom (kostenlos) zum reinen Betrachten von NWD-Dateien, die dein BIM-Koordinator bereitstellt.
Schritt 2: Aggregiere dein erstes Koordinationsmodell: Hänge Revit-Modelle (Architektur, Tragwerk, TGA) als “Anhängen”-Referenz ein, nicht als “Öffnen” — so bleibt jedes Fachmodell separat aktualisierbar. Führe dann deinen ersten Clash Detective-Lauf durch: Wähle Architektur vs. TGA als Prüfpaar und lass Navisworks alle harten Kollisionen (Hard Clash) aufspüren. Ein typisches Erstmodell zeigt 50–500 Kollisionen.
Schritt 3: Priorisiere mit dem Clash-Report: Navisworks gruppiert Konflikte automatisch, zeigt Schweregrad und beteiligte Elemente. Exportiere den Report als Excel oder PDF für das nächste BIM-Koordinationstreffen. Ergänze den 4D-Bauablauf mit dem Timeliner: Verknüpfe Bauphasen mit Modell-Elementen und simuliere die Bausequenz visuell — hilfreich für die Koordination mit Subunternehmern.
Ein konkretes Beispiel
Ein Generalplaner aus Stuttgart koordiniert ein Bürogebäude mit 15.000 m² BGF. Drei Fachplaner — Architektur (Revit), Tragwerk (Tekla Structures), TGA (AutoCAD MEP) — liefern wöchentlich aktualisierte Modelle. Der BIM-Koordinator fügt alle drei Modelle in Navisworks zusammen und lässt den Clash Detective laufen: In der dritten Koordinationsrunde werden 127 Kollisionen gefunden, davon 23 kritische Hard Clashes zwischen Lüftungskanälen und Betonträgern. Diese werden im Koordinationsmeeting mit Viewpoint-Links direkt im Modell lokalisiert und behoben — 5 Wochen vor Baubeginn. Die 4D-Timeliner-Simulation zeigt außerdem einen Konflikt in der Rohbau-TGA-Abfolge, der ohne Navisworks erst auf der Baustelle aufgefallen wäre.
DSGVO & Datenschutz
- Datenhosting: USA — Autodesk Construction Cloud und alle cloud-basierten Features laufen auf US-Servern (AWS in den USA)
- Desktop-Nutzung: Die lokale Desktop-Anwendung verarbeitet Modelle auf dem eigenen Rechner ohne Cloud-Sync — für DSGVO-sensible Projekte ist das die sichere Option
- Datennutzung: Autodesk erhebt Nutzungsdaten (Telemetrie) und kann Kundendaten gemäß US-Recht behördlichen Anfragen aussetzen
- AVV: Autodesk bietet Datenverarbeitungsverträge für Enterprise-Kunden an — für Standardlizenzen gibt es keinen automatischen AVV
- Empfehlung für Unternehmen: Für öffentliche Auftraggeber und Behörden mit DSGVO-Anforderungen: Navisworks nur in der lokalen Desktop-Variante ohne Cloud-Sync einsetzen. Cloud-Kollaboration via Autodesk Construction Cloud ist für EU-Behördenprojekte kritisch zu prüfen.
Gut kombiniert mit
- Autodesk BIM 360 — BIM 360 für cloudbasiertes Modell-Sharing und Dokumentenmanagement auf der Baustelle; Navisworks für die tiefe Clash-Detection-Analyse im Büro
- Trimble Tekla — Tekla Structures für präzise Stahlbaumodelle, Navisworks für die Koordination des Tekla-Modells mit Architektur und TGA
- Solibri — Solibri für modellbasierte Qualitätssicherung und regelbasierte BIM-Prüfungen (IFC); Navisworks für Clash Detection und 4D-Simulation mit proprietären Formaten
Unser Testurteil
Navisworks verdient 4 von 5 Sternen. Für BIM-Koordination und Clash Detection ist es das ausgereifteste und am breitesten unterstützte Tool am Markt — die Kompatibilität mit 60+ Formaten, die Timeliner-Funktion und der kostenlose Freedom Viewer sind echte Stärken. Den fünften Stern kostet es das US-Datenhosting ohne EU-Option, die fehlende Tiefe bei regelbasierter Normprüfung und die Komplexität der Einrichtung ohne Vorkenntnisse. Wer bereits im Autodesk-Ökosystem arbeitet, sollte Navisworks unbedingt einsetzen — es steckt oft bereits in der AEC Collection und wird zu selten genutzt.
Was wir bemerkt haben
- 2024–2026 — Autodesk treibt die Migration von Navisworks-Workflows auf die Autodesk Construction Cloud voran. Die Desktop-Anwendung wird weiterentwickelt, aber neue Features (z. B. verbesserte Kollaborationsfunktionen) erscheinen zunehmend cloud-first. Das verschärft die DSGVO-Problematik für EU-Kunden.
- 2023 — Autodesk hat die Preise für Einzellizenzen und AEC Collection deutlich erhöht — mehrere Büros berichten von 20–30% Preisanstieg gegenüber Vorjahrespreisen. Navisworks als Einzelkauf ist seitdem im Verhältnis zur AEC Collection weniger attraktiv geworden.
- 2023 — Autodesk hat die Perpetual-Lizenzen (Dauerlizenz) endgültig abgekündigt. Navisworks ist seitdem nur noch als Jahresabo verfügbar. Büros, die bis 2021 Dauerlizenzen erworben hatten, müssen bei Versionswechsel auf Abos umsteigen.
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BIMcollab ist die führende cloudbasierte Plattform für BIM-Clash-Management und BCF-Workflow aus den Niederlanden. Teams erkennen Kollisionen im Koordinationsmodell, weisen Issues direkt an Fachplaner zu und tracken die Behebung bis zur Abnahme — kompatibel mit Navisworks, Solibri, Revit, ArchiCAD, Tekla und 30+ weiteren BIM-Tools via offenem BCF-Standard. Seit 2025/26 ist die Produktstruktur in Nexus (BIM-Koordination), Twin (Dokumentenkontrolle) und Zoom (Modell-Check) umstrukturiert.
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Dänische Bausoftware für Baudokumentation und Mängelmanagement mit starker BIM-Integration. Dalux Field ermöglicht es, Mängel nicht nur auf 2D-Grundrissen, sondern direkt im 3D-BIM-Modell zu verorten — ein Alleinstellungsmerkmal in diesem Preissegment. Der kostenlose Grundplan ist auch für Teams mit mehreren Mitgliedern vollwertig nutzbar.
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RIB iTWO ist eine integrierte 5D-BIM-Software für die Bauwirtschaft aus Stuttgart, die Building Information Modeling (3D) mit Terminplanung (4D) und Kostenmanagement (5D) auf einer einzigen Plattform vereint. RIB Software, seit 2020 Teil des US-Konzerns Trimble, ist in Deutschland als Standard für große Bauunternehmen und Generalunternehmer etabliert — mit Datenhaltung in Deutschland möglich.
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