Tekla Structures
Trimble Inc.
Tekla Structures ist die führende BIM-Software für Stahlbau, Stahlbetonbau und Holzkonstruktionen. Die Plattform von Trimble ermöglicht hochdetaillierte 3D-Konstruktionsmodelle, die direkt für Fertigung und Montage verwendet werden — von Stahlbauunternehmen und Tragwerksplanern weltweit als Industriestandard eingesetzt.
Kosten: Abonnementbasiert, drei Pakete (monatlich und jährlich); Preise nur über lokalen Trimble-Vertrieb auf Anfrage — keine öffentliche Preisliste
Stärken
- Direkte Verbindung zwischen BIM-Modell und Fertigungssteuerung: CNC-Ausgabe, NC-Dateien (DSTV/KISS) für Stahl
- Hochpräzise Kollisionsprüfung und automatische Stücklisten, die sich bei Modellierungsänderungen sofort aktualisieren
- Offenes API-Ökosystem und umfangreiche Tekla Warehouse-Bibliothek mit Komponenten und Anwendungen
- Tekla Model Sharing für gleichzeitiges kollaboratives Modellieren mehrerer Planer am selben Modell
- Branchenführend bei konstruktiver Detaillierung: Verbindungen, Schweißnähte, Bohrungsmuster direkt im Modell
Einschränkungen
- Hohe Einstiegshürde: komplexe Software mit langer Lernkurve (typisch 6–12 Monate bis Produktivität)
- Keine öffentliche Preisliste — individuelle Angebote über lokalen Vertrieb erschweren Vergleich
- Hauptsächlich für Stahlbau und Beton optimiert — für Hochbauplanung (Architektur) deutlich weniger geeignet als Revit
- Hohe Lizenzkosten im Branchenvergleich — für kleine Büros oft nicht wirtschaftlich
- Datenhosting global (Trimble-Server weltweit) — keine garantierte EU-Datenspeicherung
Passt gut zu
Wann ja, wann nein
Wann ja
- Du bist Stahlbauunternehmen und willst direkt aus dem BIM-Modell in die CNC-Fertigung übergehen
- Du planst komplexe Stahlbeton- oder Verbundkonstruktionen mit Tragwerksplanung auf Industrieniveau
- Du arbeitest auf Großprojekten mit BIM Level 2/3-Anforderungen
- Deine Projekte erfordern detaillierte Stücklisten und Fertigungszeichnungen aus dem 3D-Modell
Wann nein
- Du planst Hochbau-Architektur und brauchst primär Grundrisse, Schnitte und Ansichten (Revit ist besser geeignet)
- Dein Team ist neu in BIM-Software — die Lernkurve ist steil und die Einarbeitung dauert Monate
- Du suchst transparente Preisauskunft online (Tekla gibt keine öffentlichen Preislisten heraus)
- Dein Projekttypus ist reiner Holzbau ohne Stahl- oder Betonkonstruktion
Kurzfazit
Tekla Structures ist der unangefochtene Marktführer für konstruktive BIM-Modellierung im Stahlbau und Stahlbetonbau — und das aus gutem Grund. Die direkte Verknüpfung von 3D-Modell und Fertigungssteuerung (CNC-Ausgabe, NC-Dateien) eliminiert manuelle Übertragungsfehler und ist im Markt einzigartig. Die Kehrseite: Tekla ist keine Software für Architekten, sondern für Tragwerksplaner und Fertigungsbetriebe — die Lernkurve ist steil, die Preise intransparent, und wer primär Grundrisse und Ansichten braucht, ist mit Revit besser bedient. Für den Kernbereich Stahlbau ist es aber alternativlos.
Für wen ist Tekla Structures?
Stahlbauunternehmen: Der Hauptnutzer von Tekla. Das Modell enthält alle Fertigungsinformationen — Bohrungsmuster, Schweißnähte, Verbindungsdetails — und gibt sie direkt als NC-Dateien an CNC-Maschinen aus. Fehler durch manuelle Maßübertragung werden eliminiert. Das ist der entscheidende Produktivitätsvorteil, der Teklas Marktposition im Stahlbau begründet.
Tragwerksplaner: Für die konstruktive Planung komplexer Stahl-, Beton- und Verbundtragwerke ist Tekla die leistungsfähigste Plattform. Stücklisten, Bewehrungsmengen und Bauteilgewichte werden automatisch aus dem Modell berechnet — ohne separate Tabellen.
Generalunternehmer auf Großprojekten: BIM Level 2/3-Anforderungen bei Infrastruktur, Industrie- und Hallenbau. Tekla Model Sharing erlaubt mehreren Büros gleichzeitig am gleichen Modell zu arbeiten — ein kritisches Feature für Großprojekte mit verteilten Teams.
Prüfingenieure und Fachplaner: Die Kollisionsprüfung in Tekla ist branchenführend für den Konstruktionsbereich. Geometrische Konflikte zwischen Stahl, Beton und Bauteilgruppen werden automatisch erkannt.
Weniger geeignet für: Architekten, die primär Grundrisse und Ansichten brauchen (Revit oder ArchiCAD sind besser), kleine Tragwerksplanungsbüros ohne Fertigungsanbindung (Kosten-Nutzen-Verhältnis fraglich), und Projekte im reinen Holzbau ohne Stahl/Beton-Anteil.
Preise im Detail
| Plan | Preis | Was du bekommst |
|---|---|---|
| Tekla Structures (Einstiegspaket) | Auf Anfrage (monatlich/jährlich) | Vollständige 3D-BIM-Modellierung, NC-Ausgabe, IFC-Export, Standard-Komponentenbibliothek |
| Tekla Structures (erweitertes Paket) | Auf Anfrage | Erweiterte Fertigungstools, Tekla Model Sharing (kollaboratives Modellieren), Trimble Connect |
| Tekla Structures (Vollpaket) | Auf Anfrage | Alle Module inkl. Offshore, Plant, erweiterte API-Zugänge, Priority Support |
| Tekla Structural Designer | Separat, Auf Anfrage | Statische Berechnungssoftware (Integration mit Tekla Structures möglich) |
Einordnung: Tekla veröffentlicht keine Preislisten — alle Angebote laufen über den lokalen Trimble-Vertrieb oder Reseller. Das macht Vergleiche schwer und verhandlungsabhängig. Marktberichte schätzen Jahreslizenzen auf 3.000–8.000 EUR pro Arbeitsplatz, abhängig von Paket und Nutzerzahl. Für kleine Büros (1–2 Plätze) ist das wirtschaftlich schwer zu rechtfertigen; ab 5+ Arbeitsplätzen werden Volumenrabatte relevant. Das Abo-Modell schließt Support und Updates ein.
Stärken im Detail
Die Fertigungs-BIM-Verbindung ist einzigartig. Kein anderes BIM-Tool verbindet das Konstruktionsmodell so direkt mit der Fertigungssteuerung. NC-Dateien im DSTV/KISS-Format werden direkt aus dem Modell generiert und gehen ohne manuelle Zwischenschritte an CNC-Sägen, -Bohrmaschinen und -Schweißroboter. In Stahlbaubetrieben mit digitaler Fertigung reduziert das Fehlerquoten und Fertigungszeiten erheblich.
Automatische Stücklisten ohne Fehler. Jede Modellierungsänderung aktualisiert sofort alle abhängigen Listen: Stücklisten, Gewichtsberechnungen, Bewehrungsmengen. Bei Projekten mit Tausenden von Bauteilen ist das ein massiver Zeitvorteil gegenüber manueller oder Excel-basierter Erfassung.
Tekla Warehouse: ein Ökosystem an fertigen Komponenten. Tausende von Stahlbau-Verbindungen, Betonbauteilen und spezialisierten Anwendungen von Drittanbietern stehen kostenlos zur Verfügung. Profil-Kataloge von deutschen und europäischen Stahlproduzenten sind direkt integriert.
Kollaboratives Modellieren über Model Sharing. Mehrere Planer — auch über Bürogrenzen hinweg — können gleichzeitig am gleichen Tekla-Modell arbeiten. Das ist besonders bei Großprojekten mit Fachplanern (TGA, Architektur, Tragwerk) ein erheblicher Vorteil gegenüber Export-Import-Workflows.
Schwächen ehrlich betrachtet
Die Lernkurve ist ein echtes Einarbeitungsprojekt. Tekla ist keine Software, die man in einem Nachmittag lernt. Praxiserfahrene Nutzer berichten von 6–12 Monaten bis zur vollen Produktivität. Schulungen, die Trimble und Reseller anbieten, kosten zusätzlich. Büros müssen den Initialaufwand einplanen — das ist besonders für den Umstieg von 2D-CAD ein erheblicher Schritt.
Preistransparenz existiert nicht. Tekla veröffentlicht keine Preise — alles läuft über Vertriebsgespräche. Das macht Vergleiche und Budgetplanung schwierig. Wer schnell eine Zahl braucht, kommt nicht weiter. Kleinen Büros fällt es schwerer zu verhandeln als großen.
Für Architekturplanung der falsche Ansatz. Tekla ist auf konstruktive Detaillierung optimiert, nicht auf die Plandarstellung nach DIN oder die HOAI-typischen Leistungsphasen 1–5. Für Grundrisse, Schnitte, Ansichten und Flächenberechnungen ist Revit oder ArchiCAD deutlich effizienter. Viele Büros nutzen Tekla deshalb nur für die Ausführungsplanung ab LP5, nicht für frühere Phasen.
Globales Datenhosting ohne EU-Garantie. Trimble betreibt Server weltweit ohne Möglichkeit, die Datenspeicherung auf EU-Rechenzentren zu beschränken. Für öffentliche Auftraggeber oder Projekte mit erhöhten Datenschutzanforderungen ist das eine relevante Einschränkung. Standard Contractual Clauses (SCCs) sind verfügbar, ersetzen aber keine technische EU-Lokalisierung.
Alternativen im Vergleich
| Wenn du… | …nimm stattdessen |
|---|---|
| Hochbauarchitektur und HOAI-Phasenpläne modellieren willst | Revit (Autodesk) oder ArchiCAD (GRAPHISOFT) |
| BIM-Koordination und Clash Detection über alle Gewerke brauchst | Autodesk BIM 360 |
| Primär Holzbau-Tragwerke planst | SEMA oder dietrichs (Holzbau-Spezialtools) |
| Als kleines Büro günstig in BIM einsteigen willst | Revit LT oder ArchiCAD Solo |
Teklas Position ist klar definiert: Es ist das beste Tool für Stahlbau-Fertigungs-BIM, aber es ist kein Allround-BIM für alle Gewerke. Wer das versteht, trifft die richtige Entscheidung.
So steigst du ein
Schritt 1: Lade die 30-Tage-Testversion von tekla.com herunter. Beginne nicht mit einem eigenen Projekt, sondern mit einem der mitgelieferten Beispielprojekte aus der Tekla Warehouse-Bibliothek — dort findest du vollständige Stahlbau-Modelle mit echten Verbindungsdetails. Das gibt dir einen realistischen Eindruck, ohne zuerst eine Modellierungsmethodik erlernen zu müssen.
Schritt 2: Importiere einen bestehenden Strukturplan als DXF/DWG-Hintergrund und modelliere Stützen, Träger und erste Verbindungen im 3D-Modell. Tekla erstellt automatisch Stücklisten und Gewichtsberechnungen — beobachte, wie diese sich bei jeder Änderung aktualisieren. Das ist der zentrale Produktivitätsvorteil, den du früh verstehen und demonstrieren solltest.
Schritt 3: Exportiere einen IFC für die BIM-Koordination und teste die NC-Ausgabe (DSTV/KISS) im Vergleich mit eurer aktuellen Fertigungs-Workflow. Für produktiven Einsatz: Tekla-Schulung über offizielle Reseller oder Tekla Campus Online buchen — das verkürzt die Lernkurve erheblich.
Ein konkretes Beispiel
Ein Stuttgarter Stahlbauunternehmen übernimmt die Fertigung und Montage einer neuen Produktionshalle mit 80 m Spannweite. Das Tekla-Modell enthält 2.400 Bauteile — alle mit exakten Verbindungsdetails, Bohrungsmustern und Schweißnähten modelliert vom Tragwerksplaner. Die NC-Dateien gehen direkt an die CNC-Säge- und Bohranlage, ohne dass ein Mitarbeiter manuell Maße überträgt oder Zeichnungen interpretiert. Seit Einführung von Tekla wurden Fertigungsfehler durch falsch übertragene Maße auf null reduziert. Die Fertigungszeit für die Halle sank um 12 %, weil Rückfragen und Korrekturen wegfielen. Das Modell wird gleichzeitig für die Montageanweisung und die Aufmaßdokumentation genutzt.
DSGVO & Datenschutz
- Datenhosting: Trimble betreibt Server weltweit (“servers located worldwide”) — keine garantierte EU-Datenspeicherung. Projekte werden lokal gespeichert; Cloud-Funktionen (Trimble Connect, Model Sharing) übertragen Daten auf Trimble-Server.
- EU-Datenübertragung: Trimble Europe BV (Niederlande) ist verantwortliche Stelle für EU-Nutzer. Datentransfers außerhalb der EU basieren auf Standard Contractual Clauses (SCCs).
- DSGVO-Rechte: Auskunft, Korrektur, Löschung und Datenportabilität über privacy@trimble.com anfragbar.
- AVV: Auftragsverarbeitungsvertrag (Data Processing Agreement) über den Trimble-Vertrieb verfügbar — wichtig für Behörden und öffentliche Auftraggeber.
- Empfehlung: Für sensible Projekte (z.B. Rüstungsinfrastruktur, kritische Infrastruktur) lokalen Speichermodus nutzen und Cloud-Synchronisation (Trimble Connect) deaktivieren. Vor Einsatz bei öffentlichen Auftraggebern AVV prüfen.
Gut kombiniert mit
- Autodesk BIM 360 — Tekla-IFC-Exporte in BIM 360 für die gewerkeübergreifende BIM-Koordination mit Architektur, TGA und anderen Fachplanern; Tekla übernimmt die konstruktive Detailtiefe, BIM 360 die Projektkommunikation
- Primavera P6 — Fertigungslisten und Montagereihenfolge aus Tekla mit dem Bauablaufplan in Primavera P6 verknüpfen für 4D-BIM-Simulation und Terminsteuerung
- Orca AVA — Stücklisten und Mengen aus Tekla in die AVA-Software übernehmen für die Kostenermittlung und Ausschreibung in deutschen Normformaten (GAEB)
Unser Testurteil
Tekla Structures verdient 4 von 5 Sternen. In seinem Kernsegment — Stahlbau-Fertigungs-BIM und konstruktive Tragwerksplanung — ist es das leistungsfähigste verfügbare Tool, ohne ernsthafte Konkurrenz. Der fehlende fünfte Stern kommt durch intransparente Preisgestaltung, die hohe Lernkurve, die viele kleine Büros abschreckt, und das fehlende EU-Datenhosting. Wer die Stärken wirklich ausschöpfen kann — also Stahlbauer und Tragwerksplaner auf Großprojekten — wird mit einem Tool belohnt, das Fertigungsfehler eliminiert und den BIM-Prozess in der Ausführung auf ein neues Niveau hebt.
Was wir bemerkt haben
- 2016 — Trimble übernahm Tekla (ursprünglich ein finnisches Unternehmen) vollständig. Die Software wurde unter Trimble weiterentwickelt, bleibt aber unter dem Markennamen “Tekla Structures” bekannt. Die finnische Entwicklungskompetenz ist erhalten geblieben.
- 2023–2024 — Tekla hat die Zusammenarbeit mit Trimble Connect vertieft: Cloud-basierte Kollaboration und Datenaustausch werden stärker in Tekla Structures integriert. Das verbessert die Projektkommunikation, erhöht aber auch die Abhängigkeit von Trimble-Cloud-Diensten.
- 2025–2026 — Tekla Structures 2026 betont “Cloud-powered productivity” — ein klares Signal, dass Trimble künftige Entwicklungen stärker auf Cloud-Workflows ausrichtet. Büros, die bisher rein lokal gearbeitet haben, müssen ihre Datenschutzstrategie anpassen.
- Laufend — Die Preistransparenz ist seit Jahren ein Kritikpunkt in der Community. Während Autodesk AEC Collection mit öffentlicher Preisliste (~2.500 USD/Jahr) vergleichbar ist, bleibt Tekla im Verhandlungs-Modus — was Neueinsteiger benachteiligt.
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