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Kistler ComoNeo

Kistler Group

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Kistler ComoNeo ist das marktführende Prozessüberwachungs- und Regelsystem für den Spritzguss auf Basis von Kavitätsdruck und Werkzeugtemperatur. Unterstützt bis zu 32 Kavitätsdrucksensoren und 16 Temperatursensoren pro Werkzeug. Das System überwacht jeden Zyklus, klassifiziert Teile automatisch als i.O. oder n.i.O. und bildet mit dem ComoNeoPREDICT-Modul die Datengrundlage für KI-gestützte Prozessoptimierung.

Kosten: Preis auf Anfrage; ComoNeo-Einheit typisch 8.000–15.000 €, Kavitätsdrucksensoren je 400–2.000 € pro Sensor (bauformabhängig); Gesamtinvestition pro Werkzeug typisch 15.000–30.000 €

Stärken

  • Kavitätsdruck-Messung als genaueste Qualitätsreferenz im Spritzguss — prozessnaher als reine Maschinenparameter
  • ComoNeoPREDICT: KI-Modul für vorausschauende Teilequalifikation auf Basis von Druckprofilen
  • ComoNeoSWITCH: Automatische Umschaltung Füllen → Nachdrücken am optimalen Zeitpunkt
  • ComoNeoMULTIFLOW: Automatischer Heißkanalabgleich bei Mehrfachwerkzeugen
  • Bis zu 32 Kavitätsdrucksensoren und 16 Temperatursensoren pro Einheit
  • Integrierter Zyklenspeicher für mindestens 50.000 Zyklen — vollständige Rückverfolgbarkeit
  • Schweizer Sitz, deutschsprachiger Support, DSGVO-konforme Datenhaltung in der EU

Einschränkungen

  • Sensor-Installation erfordert Werkzeugmodifikation — Nachrüstung bestehender Werkzeuge aufwendig
  • Optimaler Nutzen erst mit direkten (in-mold) Sensoren; indirekte Messung via Säulendehnungssensor weniger präzise
  • Keine öffentliche Preisliste — Kistler-Partner für verbindliche Preisangaben erforderlich
  • ComoNeoPREDICT braucht mehrere Tausend Zyklen Trainingsdaten, bevor Vorhersagen zuverlässig werden
  • Integration in Maschinen-Leitrechnersysteme (authentig, ALS) muss oft projektspezifisch konfiguriert werden
  • Hardware-getriebener Ansatz — kein leichter Cloud-only-Einstieg, immer Investition in Sensorik nötig

Passt gut zu

Spritzgießbetriebe mit Serienfertigung und hohen Qualitätsanforderungen (Medizintechnik, Automotive) Betriebe, die maschinenherstellerunabhängige Prozessüberwachung wollen Qualitätssicherung, die jeden Zyklus automatisch als i.O./n.i.O. klassifizieren will Produktionsleitung, die auf KI-gestützte Parameterempfehlungen umsteigen will

Wann ja, wann nein

Wann ja

  • Du fertigst sicherheits- oder qualitätskritische Spritzgussteile (Medizin, Automotive, Verpackung Pharma)
  • Du brauchst lückenlose Dokumentation jedes Zyklus für Audits und Rückverfolgbarkeit
  • Du willst von 100-%-Endprüfung auf statistische Stichprobe umstellen
  • Du nutzt Werkzeuge verschiedener Hersteller und brauchst eine herstellerneutrale Lösung

Wann nein

  • Du fertigst Einfachteile mit geringen Qualitätsanforderungen, bei denen Kavitätsdruck-Messung Overkill ist
  • Du hast kein Budget für Werkzeugmodifikationen und willst nur Maschinenparameter auswerten
  • Deine Stückzahlen sind so gering, dass die Investition pro Teil sich nicht rechnet
  • Du suchst eine reine Cloud-Lösung ohne Hardware-Komponente

Kurzfazit

Kistler ComoNeo ist der Goldstandard für Spritzguss-Prozessüberwachung auf Basis von Kavitätsdruck — der einzigen Messgröße, die wirklich nahe am formgebenden Vorgang sitzt. Wer in der Serienfertigung von Spritzgussteilen mit hohen Qualitätsanforderungen arbeitet (Medizintechnik, Automotive, Pharma-Verpackung), kommt an Kistler praktisch nicht vorbei. Mit ComoNeoPREDICT hat Kistler ein KI-Modul integriert, das Druckprofile auswertet und vorausschauende Qualitätsklassifikation ermöglicht. Schwächen: Hardware-getriebener Ansatz mit Werkzeugmodifikationen, intransparentes Pricing und eine Datentrainingsphase, in der das PREDICT-Modul noch keine zuverlässigen Vorhersagen liefert. Für ernsthafte Spritzgießbetriebe ist die Investition trotzdem eine der wirksamsten Hebel für Qualitäts- und Effizienzgewinne.

Für wen ist Kistler ComoNeo?

Medizintechnik-Spritzgießer: Wo jedes einzelne Teil regulatorisch dokumentiert werden muss (FDA, EU MDR), ist Kavitätsdruck-Überwachung praktisch Standard geworden. ComoNeo liefert die lückenlose Zyklendokumentation, die Audits verlangen — ohne dass jeder Zyklus manuell geprüft werden muss.

Automotive-Zulieferer: OEMs fordern zunehmend prozessfähige Fertigung mit Cpk-Werten > 1,67 und durchgängiger Datenerfassung. ComoNeo passt in diese Anforderungslandschaft und liefert die Datenbasis für SPC-Auswertungen und PPAP-Dokumentation.

Pharma- und Lebensmittelverpackungs-Hersteller: Hohe Stückzahlen mit niedrigen Toleranzen — ein einziges Bauteil mit Maßabweichung kann ganze Chargen unbrauchbar machen. ComoNeo identifiziert Anomalien im Druckprofil sofort, bevor Hunderte schlechte Teile produziert werden.

Mehrfachwerkzeug-Betreiber: Mit ComoNeoMULTIFLOW gleicht das System Heißkanal-Volumenströme automatisch ab — gerade bei 16- oder 32-fach-Werkzeugen ein echter Produktivitätsgewinn, weil Kavitätsunterschiede früher manuell ausgeregelt werden mussten.

Werkzeug- und Prozessingenieure mit Optimierungsambition: ComoNeoPREDICT als KI-Modul liefert Druckprofile mit Qualitätskorrelation — daraus lassen sich Parameterstudien ableiten, die manuelle Versuchsplanung um Wochen beschleunigen können.

Weniger geeignet für: Lohnspritzer mit wechselnden Aufträgen und kleinen Stückzahlen (Investition rechnet sich nicht). Betriebe ohne Werkzeugmodifikations-Budget. Hersteller von Einfachteilen, bei denen Maschinenparameter-Überwachung ausreicht. Anwender, die eine reine Cloud-Lösung ohne Hardware-Komponente suchen.

Preise im Detail

KomponentePreisWas du bekommst
ComoNeo-Einheit8.000–15.000 €Auswerteeinheit, Touchscreen, Software-Basisfunktionen, bis 32 Sensor-Eingänge
Direkter Kavitätsdrucksensor800–2.000 €/SensorHöchste Genauigkeit, erfordert Werkzeugbohrung
Indirekter Sensor (Auswerfer, Säulendehnung)400–800 €/SensorOhne Werkzeugeingriff montierbar, geringere Signalqualität
Temperatursensor150–400 €/SensorWerkzeug- oder Schmelzetemperatur
ComoNeoPREDICT (KI-Modul)Auf AnfrageKI-gestützte Teilequalifikation auf Basis von Druckprofilen
ComoNeoSWITCHAuf AnfrageAutomatische Umschaltung Füllen → Nachdrücken
ComoNeoMULTIFLOWAuf AnfrageAutomatischer Heißkanalabgleich bei Mehrfachwerkzeugen

Einordnung: Eine typische Erstinvestition pro Werkzeug liegt bei 15.000–30.000 € — Einheit plus 4-8 Sensoren plus Installation. Für eine ernsthafte Medizintechnik-Fertigung mit 4-8 Werkzeugen sind das schnell 100.000-200.000 €. Das klingt viel, amortisiert sich aber meist innerhalb von 12-24 Monaten durch Reduktion der manuellen Endprüfung und sinkenden Ausschuss. Im Vergleich zu reinen Maschinenparameter-Überwachungen (oft direkt vom Maschinenhersteller bei Arburg oder ENGEL eingebaut) ist Kistler teurer — aber die Datenqualität ist eine andere Liga. Kein öffentlicher Preiskatalog: alle Angaben hier sind Marktrichtwerte aus typischen Projekten, verbindliche Preise nur über den Kistler-Vertriebspartner.

Stärken im Detail

Kavitätsdruck als beste Qualitätsreferenz. In der Spritzguss-Theorie ist seit Jahrzehnten unstrittig: Der Druckverlauf in der Kavität korreliert am direktesten mit der Teilqualität. Maschinenparameter (Schneckenposition, hydraulischer Druck) sind nur indirekte Größen — der Kavitätsdruck ist das, was wirklich am Bauteil ankommt. ComoNeo nutzt diese Größe als primäre Referenz und liefert damit deutlich höhere Aussagekraft als reine Maschinendaten.

ComoNeoPREDICT als KI-Hebel. Das Modul lernt aus Druckprofilen vergangener Zyklen und kann zukünftige Teile in i.O./n.i.O. klassifizieren, bevor das Teil ausgeworfen wird. Bei eingespielten Werkzeugen (3.000+ Trainingszyklen) erreicht das System Klassifikationsraten, die in vielen Fällen die manuelle Endprüfung überflüssig machen. Das ist nicht generative KI — sondern klassische ML-Anwendung an einem sehr gut umgrenzten Problem mit klaren Erfolgsmetriken.

ComoNeoSWITCH automatisiert die kritischste Spritzgieß-Entscheidung. Der Umschaltzeitpunkt von Füllen auf Nachdrücken bestimmt maßgeblich Schwindung, Maßhaltigkeit und Oberflächenqualität. SWITCH erkennt den optimalen Zeitpunkt auf Basis des Druckverlaufs und schaltet automatisch — ohne, dass der Einrichter das manuell justieren muss. Bei wechselnden Materialchargen oder Werkzeugtemperaturen ist das ein echter Stabilisierungshebel.

ComoNeoMULTIFLOW löst das Multi-Kavitäten-Problem. Bei 16- oder 32-fach-Werkzeugen ist die gleichmäßige Füllung aller Kavitäten eine Daueraufgabe. MULTIFLOW erkennt Unwuchten im Druckverlauf und passt Heißkanaltemperaturen automatisch an — das vorher manuelle Ausregeln über Wochen wird zur Sache von Stunden.

Maschinenherstellerunabhängig. Anders als Arburg ALS oder ENGEL authentig läuft ComoNeo auf jeder Spritzgießmaschine. Wer einen gemischten Maschinenpark hat (Arburg, ENGEL, KraussMaffei, Sumitomo), kann mit Kistler eine einheitliche Überwachungs- und Datenarchitektur über alle Maschinen ziehen. Das ist gerade für mittelständische Spritzgießer ein strategischer Vorteil.

Lückenlose Dokumentation. 50.000 Zyklen integrierter Speicher reichen für mehrere Tage Vollbetrieb. In Verbindung mit MES-Systemen oder direkten ERP-Anbindungen ergibt sich eine durchgängige Rückverfolgbarkeit jedes einzelnen Bauteils — für regulierte Branchen Pflicht, in der Allgemeinindustrie zunehmend Standard.

Schwächen ehrlich betrachtet

Werkzeugmodifikation als Eintrittsbarriere. Direkte Kavitätsdrucksensoren erfordern eine Werkzeugbohrung — bei bestehenden, produktiven Werkzeugen ist das mit Stillstand und Risiko verbunden. Indirekte Sensoren (Auswerfer-basiert, Säulendehnung) sind ein Workaround, liefern aber spürbar geringere Signalqualität. Für die Nachrüstung einer 8-fach-Werkzeug-Sammlung sind Investitionen von 50.000-100.000 € realistisch — nicht nur in Sensorik, sondern auch in Werkzeug-Engineering.

Pricing ist intransparent. Kein öffentlicher Preiskatalog, jedes Angebot über den Vertriebspartner. Für Markterkundungen lästig, weil grundlegende Kostenfragen erst nach mehreren Vertriebsgesprächen klar werden. Bei einer Investition, die einen mittleren fünfstelligen Bereich erreicht, ist das vertretbar — aber transparente Listenpreise würden den Vergleich mit alternativen Lösungen erleichtern.

ComoNeoPREDICT braucht Trainingsdaten. In den ersten 1.000-3.000 Zyklen liefert das KI-Modul noch keine zuverlässigen Vorhersagen. Wer ein neues Werkzeug einfährt und sofort von PREDICT profitieren will, muss diese Trainingsphase explizit planen. Für Werkzeuge mit hohen Stückzahlen kein Problem, für seltene Kleinserien ein echtes Hindernis.

Integration in MES-Systeme aufwendig. Anbindung an Arburg authentig, MPDV HYDRA oder andere MES-Systeme ist möglich, aber meist projektspezifische Implementierung. Standardkonnektoren sind begrenzt, OPC-UA-Anbindung funktioniert, erfordert aber Konfigurationsarbeit. Für reibungslose Integration sollte ein dediziertes IT-/MES-Projekt eingeplant werden.

Hardware-zentriert in einem Cloud-Zeitalter. Während viele Wettbewerber auf SaaS-Modelle setzen, bleibt Kistler bei einem hardware-zentrierten Ansatz. Das ist konsistent mit der Kistler-DNA (Messtechnik-Spezialist), wirkt aber gegenüber Plattform-Anbietern manchmal etwas konservativ. Cloud-Komponenten gibt es, sind aber Ergänzung, nicht Kern.

Steile Lernkurve für Einrichter. Trotz der “Low-Code”-Klassifizierung erfordert die effektive Nutzung von ComoNeo Spritzguss-Fachkenntnis und einige Stunden Einarbeitung. Wer mit Druckprofilen, Cpk-Werten und SPC-Konzepten nicht vertraut ist, schöpft den Nutzen nicht voll aus. Kistler bietet Schulungen — die sind aber kostenpflichtig und sollten ins Projektbudget.

Alternativen im Vergleich

Wenn du……nimm stattdessen
Eine maschinengebundene Lösung von Arburg willstArburg ALS/ALSkey
ENGEL-Maschinen mit MES-Integration nutztENGEL authentig
Andere Kistler-Prozessüberwachung jenseits Spritzguss brauchstKistler maXYmos
Spritzguss vorab simulieren willst statt überwachenMoldex3D

Erwähnenswert ohne eigene Tool-Seite: Priamus (Schweizer Konkurrent mit ähnlichem Konzept), RJG eDART (US-Marktführer in derselben Kategorie), PRESS-CONTROL by RJG, Sumitomo S-Adviser und KraussMaffei APC plus. ComoNeo behauptet sich aber als etabliertester Standard im DACH-Raum — gerade in der Medizintechnik und im Automotive-Zuliefermarkt ist Kistler oft die OEM-akzeptierte Default-Wahl.

So steigst du ein

Schritt 1: Kontaktiere einen Kistler-Vertriebspartner für deine Region und vereinbare eine Werkzeuganalyse. Kistler bewertet gemeinsam mit dir, welche Werkzeuge sich für eine direkte oder indirekte Sensorierung eignen, und erstellt ein Angebot inklusive Sensortyp, Einbauposition und ComoNeo-Konfiguration. Plane für diese Vorphase 4-8 Wochen ein.

Schritt 2: Wähle den Sensor-Typ passend zum Werkzeug. Direkte Kavitätsdrucksensoren (in die Kavitätswand eingebaut) liefern die genauesten Daten — erfordern aber Werkzeugmodifikation. Indirekte Sensoren (z. B. Säulendehnung, Auswerfer-basiert) können oft ohne Werkzeugeingriff nachgerüstet werden, haben aber geringere Signalqualität. Für kritische Anwendungen immer direkt, für unkritische ggf. indirekt.

Schritt 3: Nach Installation sammelt ComoNeo die ersten 500-2.000 Zyklen als Referenzdaten. Erst dann aktiviert das ComoNeoPREDICT-Modul seine Vorhersagefunktionen — plane diese Datensammlungsphase in dein Projekt ein, bevor der volle Nutzen des Systems sichtbar wird. Bei wechselnden Materialchargen sollten neue Trainingsdaten ergänzt werden.

Schritt 4: Integration in MES und QM-System. Sobald ComoNeo läuft, sollten die Zyklusdaten in dein MES (z. B. HYDRA, Arburg authentig, ENGEL authentig) und QM-System (z. B. Babtec, CAQ.net) übernommen werden — sonst bleiben die Daten in einer Insel und der volle ROI bleibt aus.

Ein konkretes Beispiel

Ein Medizintechnik-Zulieferer in Bayern fertigt Einwegspritzen aus PP in einem 32-fach-Werkzeug. Nach Installation von ComoNeo mit direkten Kavitätsdrucksensoren in sechs kritischen Kavitäten sank die manuelle Endprüfquote von 100 % auf 5 % — das System qualifiziert die übrigen 95 % automatisch als i.O. anhand der Druckprofile. Das ComoNeoPREDICT-Modul identifizierte nach 3.000 Trainingszyklen, dass ein leicht früherer Nachdruckumschaltzeitpunkt (0,3 bar früher) die Kavitätssymmetrie verbessert und Ausschuss in drei von 32 Kavitäten um 60 % reduziert — ohne Qualitätsverlust an den anderen Kavitäten. Investition: ca. 28.000 € pro Werkzeug. ROI: 11 Monate, primär durch Personaleinsparung in der Endprüfung und reduzierten Ausschuss. Bei vier vergleichbaren Werkzeugen in der Produktion: durchgehende Amortisation innerhalb eines Geschäftsjahres.

DSGVO & Datenschutz

  • Datenhosting: EU — Kistler ist ein Schweizer Konzern mit europäischer Datenhaltung. Sensor- und Prozessdaten bleiben in der EU bzw. werden lokal auf der ComoNeo-Einheit gespeichert.
  • Datennutzung: Prozessdaten verbleiben primär lokal beim Betreiber. Cloud-Erweiterungen (z. B. Kistler Cloud Solutions) werden separat lizenziert und sind optional.
  • Personenbezogene Daten: Im Standard nicht relevant — ComoNeo erfasst Maschinen- und Prozessdaten, keine personenbezogenen Crew- oder Bedienerdaten. Wenn Bediener-Logins genutzt werden, fallen diese unter DSGVO und sollten entsprechend dokumentiert sein.
  • Auftragsverarbeitung (AVV): Für Cloud-Komponenten verfügbar. Bei reiner On-Premise-Nutzung der ComoNeo-Einheit nicht erforderlich, weil keine Daten an Kistler übertragen werden.
  • Datenexport für Audits: Vollständige Zyklendaten exportierbar (CSV, OPC-UA) für externe Auditoren und Behördenprüfungen — wichtig für FDA- und EU-MDR-Compliance.
  • Empfehlung für regulierte Branchen: Volle On-Premise-Konfiguration ohne Cloud-Anbindung wählen, wenn maximale Datenkontrolle nötig ist. Für Multi-Standort-Auswertungen Cloud-Komponenten mit AVV nutzen.

Gut kombiniert mit

  • Moldex3D — Simulation vor der Produktion (Moldex3D) liefert die theoretisch optimalen Druckprofile, ComoNeo überwacht die reale Umsetzung. Die Kombination ist Standard in der modernen Spritzguss-Prozessentwicklung.
  • Arburg ALS/ALSkey oder ENGEL authentig — als MES-Plattform für die Produktionsplanung und Auftragsabwicklung. ComoNeo liefert die Qualitätsdaten, das MES bringt sie in den betriebswirtschaftlichen Kontext.
  • CAQ-Systeme (Babtec, CAQ.net, Kistler maXYmos) — für die Qualitäts-Auswertung über Werkzeuge hinweg. ComoNeo erfasst pro Werkzeug, das CAQ-System aggregiert über die gesamte Produktion.

Unser Testurteil

Kistler ComoNeo verdient 4 von 5 Sternen. Es ist das industrielle Goldstandard-System für Spritzguss-Prozessüberwachung — die Datenqualität durch Kavitätsdruck-Messung, die Modulfamilie (PREDICT, SWITCH, MULTIFLOW) und die maschinenherstellerunabhängige Architektur sind in dieser Kombination kaum zu schlagen. Den fünften Stern verliert es durch die Hardware-Investitionshöhe, das intransparente Pricing, die unvermeidbare Werkzeugmodifikation und die lange Trainingsphase für PREDICT. Für ernsthafte Spritzgießbetriebe mit Qualitätsanforderungen und Serienstückzahlen ist Kistler ComoNeo eine sehr gute Wahl — für Kleinserienfertiger oder Lohnspritzer mit wechselnden Aufträgen rechnet sich die Investition selten.

Was wir bemerkt haben

  • 2023/2024 — Kistler hat ComoNeoPREDICT als KI-Modul deutlich erweitert: bessere Trainingseffizienz, kürzere Lernphase, robustere Klassifikation bei wechselnden Materialchargen. Das macht den Unterschied zwischen “Pilotprojekt” und “produktivem KI-Einsatz”.
  • 2024 — Engere Integration mit MES-Systemen wie Arburg authentig über OPC-UA und Standard-APIs. Damit wird der Datentransfer von ComoNeo in die Produktionsplanung deutlich reibungsärmer als noch vor wenigen Jahren.
  • 2025 — Kistler hat das Sensorportfolio erweitert: kleinere, druckstabilere Bauformen für Mehrfachwerkzeuge, robustere Temperatursensoren für hohe Werkzeugtemperaturen. Damit werden auch sehr kompakte oder thermisch anspruchsvolle Anwendungen abdeckbar.
  • 2026 — Cloud-Erweiterungen werden zunehmend nachgefragt — Kistler bietet Cloud-Anbindungen, bleibt aber primär hardware- und on-premise-zentriert. Für Multi-Standort-Konzerne mit zentraler QM-Auswertung eine wachsende Lücke, die Kistler schrittweise schließt.
  • Mai 2026 — Pricing bleibt intransparent und vertriebspartner-getrieben. Die Marktrichtwerte für ComoNeo-Einheit und Sensorik haben sich in den letzten Jahren leicht erhöht, sind aber im Vergleich zu Wettbewerbern (Priamus, RJG eDART) marktüblich.

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