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Europe PMC

EMBL-EBI (European Bioinformatics Institute)

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Europäische, vollständig kostenlose Publikationsdatenbank für Life Sciences und Biomedizin. Betrieben vom EMBL-EBI in Hinxton (UK), aggregiert über 48 Mio. Literaturstellen, Preprints und Grants. AI-Komponente: ML-basiertes Text-Mining mit über 1,3 Mrd. Annotationen für Gene, Proteine, Chemikalien und 42 weitere Entitätstypen (SciLite, Lit-OTAR, RRID). Klassisches PubMed-Pendant mit deutlich stärkerem Open-Access- und Forschungsdaten-Fokus.

Kosten: Vollständig kostenlos. Web-Oberfläche, REST-APIs (Articles, Annotations, Grants), OAI, SOAP und Bulk-Downloads sind ohne Login nutzbar, kein Pricing, kein Pro-Plan.

Kategorien

Stärken

  • Komplett kostenlos und offen, kein Pricing, kein Login-Zwang, kein API-Key-Pflichtfeld für Standardnutzung
  • Über 48 Mio. Life-Science-Records inkl. Preprints, Author Manuscripts und reviewed Preprints
  • ML-Annotationen: 1,3 Mrd. Entity-Tags für Gene, Proteine, Chemikalien, Krankheiten, Organismen (42 Konzepttypen)
  • OA-Status und Volltext direkt verlinkt, wichtig für Compliance-Monitoring an Universitäten
  • Eigene Grants-API verknüpft Publikationen mit Förderern (UKRI, Wellcome, ERC u. a.)
  • EU-/UK-gehostet bei EMBL-EBI, kein US-Server-Pfad, kein US-Cloud-Anbieter
  • Offene Lizenzen (CC-BY, CC-BY-NC, CC0) für Bulk-Downloads, anders als PubMed

Einschränkungen

  • Disziplin auf Life Sciences und Biomedizin beschränkt, keine Geistes-, Sozial- oder Ingenieurwissenschaften
  • Keine deutsche Oberfläche, kein deutschsprachiger Support
  • REST-API ohne Authentifizierung, aber mit nicht klar dokumentierten Rate-Limits, Bulk-Aufrufe müssen vorsichtig getaktet werden
  • Bulk-Download nur für Open-Access-Content erlaubt, Closed-Access-Volltexte bleiben hinter Verlagsschranken
  • Kein integrierter LLM-Chat, Annotationen sind strukturiert, aber nicht conversational
  • Annotationsqualität schwankt zwischen Konzepttypen (Gene/Proteine sehr gut, klinische Entitäten lückenhaft)

Passt gut zu

Monitoring von OA-Compliance in Biomedizin Automatische Fulltextlinks zu OA-Versionen Grant-to-Publication-Tracking Text-Mining-Pipelines für Life-Science-Forschung Reproduzierbare Literaturrecherche mit offenen APIs

Kurzfazit

Europe PMC ist die europäische Antwort auf PubMed, kostenlos, offen, mit deutlich stärkerem Open-Access- und Forschungsdaten-Fokus. Betrieben vom European Bioinformatics Institute (EMBL-EBI) in Hinxton, finanziert von einem Konsortium aus Wellcome Trust, UKRI, ERC und weiteren öffentlichen Förderern. Die KI-Komponente ist kein Chat-Frontend, sondern ein industrielles Text-Mining-Backend: über 1,3 Milliarden ML-erzeugte Annotationen für Gene, Proteine, Chemikalien und 42 weitere Entitätstypen, abrufbar per API. Wer Compliance-Monitoring, Grant-Tracking oder strukturierte Literatur-Auswertung in den Life Sciences betreibt, bekommt hier eine seriöse Infrastruktur, kein KI-Assistent, sondern eine Datenquelle, die andere Tools füttert.

Für wen ist Europe PMC?

Bibliothekarinnen und Open-Access-Beauftragte: Wer an einer Universität OA-Compliance überwacht (Wellcome, Plan S, ERC, DFG), bekommt mit Europe PMC die zentrale Datenquelle für „Welche unserer Publikationen sind OA-konform veröffentlicht?”. Die Grants-API verknüpft Publikationen direkt mit Förderern, ideal für Berichtswesen an Forschungsförderer.

Bioinformatiker und Data Scientists in Pharma/Biotech: Die Annotations-API liefert strukturierte Entity-Tags (Genname → Standard-Identifier, Protein → UniProt, Chemikalie → ChEMBL) direkt zum Einbau in eigene Pipelines. Wer ein Knowledge Graph für Drug Discovery oder ein internes Literatur-Monitoring baut, spart sich die NLP-Vorverarbeitung, Europe PMC liefert das Ergebnis fertig.

Forschungsreferentinnen und FIS-Verantwortliche: Forschungsinformationssysteme (FIS) wie Pure, Converis oder VIVO holen sich Publikationsdaten meist über DOI-Lookup. Europe PMC ergänzt das um OA-Status, Volltext-Links und Grant-Verknüpfung in einem einzigen API-Aufruf, eine bessere Datenbasis als reines PubMed-Polling.

Forschende in Biomedizin und Life Sciences: Wer regelmäßig in PubMed sucht, sollte Europe PMC parallel kennen, dieselbe Coverage, oft schnelleres Interface, und für OA-Artikel direkter Zugriff auf den Volltext statt nur auf Abstract. Preprints von bioRxiv und medRxiv sind integriert, reviewed Preprints (eLife) ebenfalls.

Tool- und Plattform-Entwickler: Wer eine Wissenschafts-App, ein Discovery-Tool oder ein internes Dashboard baut, kann auf Europe PMC als europäisch gehostete, lizenzklar nutzbare Datenquelle setzen. Kein Vendor-Lock-in, keine kommerziellen Klauseln, offene Lizenz für OA-Content.

Weniger geeignet für: Wer in Geistes-, Sozial- oder Ingenieurwissenschaften forscht (hier ist Semantic Scholar breiter), wer einen KI-Recherche-Chat mit Quellen will (dafür ist Elicit oder Perplexity geeigneter), und wer eine deutsche Oberfläche braucht, Europe PMC ist konsequent englischsprachig.

Preise im Detail

PlanPreisWas du bekommst
Web-Oberfläche0 EURVollzugriff auf 48+ Mio. Records, OA-Volltexte, Annotationen, Grant-Daten, Bookmarks via Login (optional)
REST-APIs0 EURArticles API, Annotations API, Grants API, OAI-PMH, SOAP, keine Registrierung, keine API-Keys
Bulk-Download0 EUROpen-Access-Volltext-Corpus per FTP (Millionen Artikel mit CC-BY/CC-BY-NC/CC0-Lizenz)
SciLite-Annotationen0 EUR1,3 Mrd. Entity-Tags abrufbar, eigene Annotationen einreichbar (kuratierter Submission-Prozess)

Einordnung: Europe PMC ist eine öffentlich finanzierte Forschungsinfrastruktur, kein Software-Produkt. Es gibt keine Pro-Pläne, keine Premium-APIs, keine Enterprise-Verträge. Das ist gleichzeitig Stärke (kein Vendor-Risiko, keine Kostenexplosion) und Schwäche: Es gibt keinen kommerziellen Support, keine SLA und keine garantierte Ausfallzeit. Wer für kritische Produktionssysteme darauf aufbaut, sollte einen Caching-Layer einplanen und die Antwortzeiten überwachen. Bulk-Aufrufe mit hoher Frequenz ohne Rücksprache können temporär blockiert werden, Europe PMC bittet ausdrücklich darum, bei großen Pipelines vorher Kontakt aufzunehmen.

Stärken im Detail

Komplett kostenlos und offen, ohne Footnotes. Anders als PubMed (NIH-betrieben, US-gehostet) oder Scopus/Web of Science (kommerziell, abonnementpflichtig) ist Europe PMC vollständig kostenfrei. Keine API-Key-Pflicht für die Standardnutzung, keine Quota im Free-Tier, keine versteckte Monetarisierung. Die einzige Auflage: Bulk-Download nur für Open-Access-Content und unter Beachtung der jeweiligen CC-Lizenz.

ML-basiertes Text-Mining im industriellen Maßstab. Die SciLite-Annotationen umfassen über 1,3 Milliarden Entity-Tags in 42 Konzeptklassen, Gene, Proteine, Chemikalien, Krankheiten, Organismen, Zelltypen, anatomische Strukturen, Methoden, Software-Erwähnungen. Die Annotationen werden teilweise intern erzeugt, teilweise von Drittanbietern (Open Targets, ChEMBL, Disease Ontology, RRID) eingespielt und über die Annotations-API abrufbar gemacht. Für Knowledge-Graph- und Drug-Discovery-Anwendungen ist das eine substantielle Vorleistung.

Open-Access-Fokus, der über PubMed hinausgeht. Europe PMC indexiert systematisch den OA-Status jeder Publikation (Gold OA, Green OA, Hybrid, Closed) und verlinkt direkt zur jeweils zugänglichen Volltext-Version. Für Universitätsbibliotheken und Forschungsförderer, die OA-Compliance nachweisen müssen, ist das die zentrale Datenquelle, kein anderes biomedizinisches Discovery-Tool macht das so sauber.

Grants-API als Differenzierungsmerkmal. Die GRIST-Datenbank verknüpft Publikationen mit Förderern (Wellcome Trust, UKRI, ERC, NIH, MRC und weitere). Mit einem API-Call bekommst du: „Welche Publikationen sind aus diesem Grant entstanden? Sind sie OA? Wann wurden sie eingereicht?”, eine Funktionalität, die PubMed und Google Scholar in dieser Tiefe nicht bieten.

EU-/UK-Hosting bei einer intergouvernementalen Organisation. EMBL ist eine intergouvernementale Forschungsorganisation, getragen von über 25 Mitgliedstaaten. Der Standort EMBL-EBI in Hinxton (UK) liegt zwar post-Brexit außerhalb der EU, aber EMBL operiert nach eigenen, EU-orientierten Standards, kein US-Cloud-Anbieter, kein CLOUD-Act-Exposure. Für viele europäische Forschungseinrichtungen ist das die akzeptable Alternative zu US-Diensten.

Lit-OTAR und SoFAIR als Beispiele für aktive AI/ML-Entwicklung. Das Lit-OTAR-Framework (Literature-derived Open Targets Associations) hat über 48 Millionen Drug-Target-Assoziationen aus der Literatur extrahiert, Rohstoff für Pharma-Forschung. Das SoFAIR-Projekt extrahiert systematisch Software-Erwähnungen aus Publikationen, relevant für Reproducible-Research- und Software-Citation-Initiativen. Beide zeigen, dass Europe PMC NLP/ML nicht nur als Service anbietet, sondern aktiv in Forschungsprojekten weiterentwickelt.

Schwächen ehrlich betrachtet

Disziplinär eng, Life Sciences only. Wer in Materialwissenschaft, Maschinenbau, Wirtschaftswissenschaft oder Geisteswissenschaften forscht, findet hier praktisch nichts. Europe PMC ist konsequent biomedizinisch positioniert. Das ist kein Bug, sondern Designentscheidung, wer Cross-Discipline-Suche braucht, kombiniert mit Semantic Scholar oder Google Scholar.

Kein conversational AI-Layer. Europe PMC liefert strukturierte Daten und Annotationen, aber keinen Chat, keine Frage-Antwort-Funktion, keine LLM-gestützte Zusammenfassung im Web-Interface. Wer „Frage stellen, Antwort mit Quellen bekommen” sucht, ist mit Tools wie Elicit oder Perplexity besser bedient, die nutzen Europe PMC teilweise sogar als Datenquelle im Backend.

API ohne klare Rate-Limit-Dokumentation. Die REST-APIs sind ohne Authentifizierung nutzbar, aber die Rate-Limits stehen nicht prominent in der Doku. Wer Pipelines mit hoher Frequenz baut, läuft Gefahr, blockiert zu werden, die Empfehlung ist, bei Bulk-Aufrufen Kontakt aufzunehmen oder den OAI-PMH-Endpoint für inkrementelle Updates zu nutzen.

Annotationsqualität nicht überall gleich. Die ML-Annotationen sind bei häufigen, gut definierten Entitäten (Genen mit HGNC-Symbol, Proteinen mit UniProt-ID) sehr zuverlässig. Bei klinischen Entitäten (Krankheitsbezeichnungen, Phänotypen), seltenen Organismen oder kontextuellen Aussagen („Protein X aktiviert in Zelltyp Y”) sind die Annotationen fragmentiert und oft nicht produktionsreif. Für analytische Pipelines bleibt manuelle Verifikation Pflicht.

Keine deutsche Oberfläche, kein deutscher Support. Englisch only, sowohl UI als auch Dokumentation. Für deutschsprachige Forschungseinrichtungen ist das in der Regel unproblematisch (die wissenschaftliche Sprache der Life Sciences ist ohnehin Englisch), aber für Vermittlung an Studierende oder fachfremde Mitarbeitende ein Punkt.

UK-Standort post-Brexit. EMBL-EBI sitzt in Hinxton (UK). Das ist faktisch nicht EU, auch wenn EMBL als intergouvernementale Organisation eigenen Status hat. Für besonders strenge DSGVO-Auslegungen (etwa bei personenbezogener Forschungsdaten-Verarbeitung) ist das ein Punkt, der mit dem Datenschutzbeauftragten geklärt werden sollte. Für die reine Literatur-Recherche (keine personenbezogenen Daten) ist es kein praktisches Problem.

Closed-Access-Volltexte bleiben hinter Verlagsschranken. Auch Europe PMC kann nicht zaubern, wenn ein Artikel hinter einem Elsevier- oder Springer-Paywall steht, wird der Volltext nicht zugänglich. Bulk-Download ist explizit auf Open-Access-Content beschränkt.

Alternativen im Vergleich

Wenn du……nimm stattdessen
Disziplin-übergreifend suchen willst (nicht nur Biomedizin)Semantic Scholar
AI-gestützte Frage-Antwort mit Paper-Auswertung brauchstElicit
Zitationskontext analysieren willst (unterstützend vs. widersprechend)Scite
Themenfeld visuell explorieren willst (Paper-Graphen)Connected Papers
Mit eigenen heruntergeladenen PDFs arbeiten willstNotebookLM

Erwähnenswert ohne eigene Tool-Seite: PubMed (das US-Pendant, gleiche Coverage, schwächerer OA-Fokus), Lens.org (Patent + Wissenschaft, kostenlos, breit), OpenAlex (offener Wissensgraph mit API, gute Ergänzung für Bibliometrie) und Scopus/Web of Science (kommerziell, breiter, mit Impact-Metriken, aber kostenpflichtig und nicht offen). Europe PMC ist keine Konkurrenz zu KI-Recherche-Tools, sondern oft deren Datenquelle. Wer Tools wie Elicit oder Consensus nutzt, arbeitet indirekt schon mit Europe-PMC-Daten, die APIs sind im Hintergrund weit verbreitet.

So steigst du ein

Schritt 1: Web-Recherche als Sanity Check. Öffne europepmc.org und probiere eine Suche aus deinem Forschungsbereich. Achte auf die Filter rechts: „Has full text”, „Open Access”, „Article Type”, „Publication Date”. Diese Filter sind in OA-Compliance-Kontexten wichtiger als reine Keyword-Trefferzahlen.

Schritt 2: REST-API für Programmierende ausprobieren. Die Articles-API ist ohne Login nutzbar: https://www.ebi.ac.uk/europepmc/webservices/rest/search?query=AUTH:%22Mustermann%20M%22%20AND%20AFF:%22Charite%22&format=json liefert dir alle Publikationen einer Autorin an einer Affiliation als JSON. Für FIS-Anbindung ist das oft der schnellste Weg. Tipp: Im Header User-Agent einen Kontakt-String mitschicken, bei Problemen kann sich Europe PMC dann melden.

Schritt 3: Annotations- und Grants-API für fortgeschrittene Use-Cases. Wer Drug-Target-Pipelines baut oder Grant-Reporting automatisiert, kombiniert Articles-API mit Annotations-API (Entity-Tags pro Artikel) und Grants-API (Förderverknüpfung). Beispiel-Workflow: Liste aller Publikationen → für jede Publikation alle Gene-Annotationen abrufen → mit interner Compound-Datenbank joinen → Hits visualisieren.

Schritt 4: Bulk-Downloads für ML-Vorhaben. Wer eigene Modelle auf biomedizinischer Literatur trainieren will, holt sich den Open-Access-Corpus per FTP. Vor dem ersten Bulk-Aufruf bitte E-Mail an helpdesk@europepmc.org, das ist explizit gewünscht und vermeidet versehentliche Sperren.

Ein konkretes Beispiel

Die Forschungsreferentin einer Medizinischen Fakultät in Heidelberg muss jährlich gegenüber Wellcome Trust und der DFG nachweisen, dass alle aus deren Fördermitteln entstandenen Publikationen Open Access verfügbar sind. Bisher lief das manuell: Mitarbeitende durchsuchten Listen, prüften Verlagswebseiten, dokumentierten in Excel. Aufwand: rund 3 Wochen pro Jahr. Mit einem Python-Skript gegen die Europe-PMC-Grants-API automatisiert sie das jetzt: Eingabe sind die Grant-IDs der Förderer, Ausgabe ist eine CSV mit Titel, DOI, OA-Status, Volltext-URL und Embargo-Datum. Nicht-konforme Publikationen werden monatlich per E-Mail an die Autorinnen gemeldet, mit dem Hinweis, dass eine Green-OA-Hinterlegung möglich ist. Zeitersparnis: 3 Wochen Personalaufwand pro Jahr, eingespart durch ein Skript, das eine Doktorandin in drei Tagen geschrieben hat. Die Kosten: 0 EUR (Europe PMC ist kostenlos). Stichprobenprüfung bleibt sinnvoll, weil OA-Status-Felder in einzelnen Verlags-Metadaten manchmal verspätet aktualisiert werden.

DSGVO & Datenschutz

  • Datenhosting: EMBL-EBI in Hinxton (Cambridgeshire, UK). Post-Brexit technisch außerhalb der EU, aber EMBL ist intergouvernementale Organisation mit eigenständigem Rechtsrahmen, kein US-Cloud-Anbieter beteiligt.
  • Datennutzung: Suchanfragen werden für Statistik und Service-Verbesserung verarbeitet. Keine kommerzielle Datennutzung, keine Weitergabe an Dritte, kein Tracking-Cookie-Pflichtkonsens.
  • Persönlicher Account: Optional für Bookmarks und gespeicherte Suchen. Wird nicht für API-Zugriff benötigt. Account-Löschung über die Profileinstellungen möglich.
  • Auftragsverarbeitung (AVV): Klassischer AVV wie bei kommerziellen Anbietern ist nicht vorgesehen, Europe PMC ist eine öffentlich-rechtliche Forschungsinfrastruktur, kein Auftragsverarbeiter im DSGVO-Sinne. Bei Bedarf direkter Kontakt zu EMBL-EBI über das Helpdesk.
  • Datenschutzerklärung: Europe PMC veröffentlicht eine Privacy Notice unter europepmc.org/Privacy, die Datenarten, Speicherdauer und Rechte (Auskunft, Löschung, Widerspruch) ausweist.
  • Empfehlung für Unternehmen: Für reine Literatur-Recherche und Metadaten-Verarbeitung unkritisch, keine personenbezogenen Daten von Endnutzern werden im Standardfall verarbeitet. Bei Einbindung in interne Tools (z. B. FIS) den UK-Standort im Datenschutzkonzept dokumentieren und mit dem Datenschutzbeauftragten freigeben.

Gut kombiniert mit

  • Semantic Scholar, wenn die Recherche disziplinär über Biomedizin hinausgehen soll. Semantic Scholar deckt Computer Science, Sozialwissenschaften und Ingenieurwesen mit ab; Europe PMC bleibt für die biomedizinische Tiefe das bessere Werkzeug. Kombinierte API-Pipelines lassen sich gut bauen.
  • Elicit, Elicit fragt Literatur conversational ab, Europe PMC liefert die unterliegende Datenbasis und OA-Volltexte. Wer eigene RAG-Pipelines (Retrieval Augmented Generation) baut, nutzt Europe PMC als Quelle und ein LLM-Frontend wie Elicit als Interface.
  • NotebookLM, sobald du eine kuratierte Sammlung von OA-Volltexten aus Europe PMC heruntergeladen hast, lädst du sie in NotebookLM und kannst conversational damit arbeiten, Zusammenfassungen, Vergleiche, Frage-Antwort mit Seitenangaben. Europe PMC liefert die Rohstoffe, NotebookLM macht sie befragbar.

Unser Testurteil

Europe PMC verdient 4 von 5 Sternen. Es ist die seriöseste, offenste und am besten gepflegte biomedizinische Literaturinfrastruktur Europas, kostenlos, EU-/UK-gehostet, mit aktiver ML-Weiterentwicklung. Für Bibliothekarinnen, Forschungsreferentinnen, Bioinformatikerinnen und Pipelines-Bauer ist es ein unverzichtbares Werkzeug. Der fünfte Stern bleibt aus, weil Europe PMC kein KI-Frontend für Endnutzer ist und auch nicht sein will: Es ist Infrastruktur, kein Assistent. Wer einen Chat mit Quellen erwartet, ist hier falsch, und sollte erst recht nicht enttäuscht sein, wenn die Web-Oberfläche nüchtern wirkt. Im Kontext „europäische, offene, AI-fähige Wissenschaftsinfrastruktur” gibt es schlicht nichts Besseres.

Was wir bemerkt haben

  • 2024–2025, Das Lit-OTAR-Framework wurde deutlich ausgebaut: über 48 Mio. Drug-Target-Assoziationen aus der Literatur extrahiert und in Open Targets eingespielt. Damit positioniert sich Europe PMC nicht nur als Suchindex, sondern als aktive Datenquelle für die kommerzielle Drug-Discovery, bemerkenswert für eine öffentlich finanzierte Infrastruktur.
  • 2024, RRID-Integration (Research Resource Identifiers) wurde produktiv geschaltet. Antikörper, Zelllinien und Software-Tools sind jetzt mit Standard-IDs in Annotationen verknüpft, ein wichtiger Schritt für Reproduzierbarkeit und gegen das chronische „Welche Zelllinie war das nochmal?”-Problem.
  • 2024–2025, SoFAIR-Projektteilnahme: automatisierte Extraktion von Software-Erwähnungen aus Publikationen. Ergebnis ist eine sich aufbauende Datenbank, welche Software in welchem Paper genutzt wurde. Für Software-Citation-Bewegung und Reproducible-Research-Initiativen ein substantieller Beitrag.
  • 2025, Indexierung von reviewed Preprints (eLife-Modell) wurde ausgebaut. Damit kommt eine neue Publikationsklasse in die Mainstream-Recherche, die bisher schwer auffindbar war. Forschende, die früh über Preprint-Reviews informiert sein wollen, profitieren direkt.
  • 2026, Die Datenbank ist inzwischen auf über 48 Mio. Life-Science-Records angewachsen. Wachstum pro Jahr liegt bei rund 1,5–2 Mio. neuen Einträgen, Preprints tragen einen wachsenden Anteil bei.
  • Post-Brexit (2021 ff.), EMBL-EBI sitzt weiterhin in Hinxton (UK), wird aber als europäische Infrastruktur weitergeführt. Es gab und gibt keine Anzeichen, dass sich am Hosting-Standort etwas ändert. Für deutsche Datenschutzkonzepte bleibt das eine Position, die einmalig dokumentiert werden sollte, danach läuft die Nutzung unproblematisch.
  • Mai 2026, Kein kommerzieller Premium-Tier, kein Account-Zwang, keine Werbung. Während andere Wissenschafts-Suchmaschinen (Scopus, Web of Science) und auch viele neue AI-Wissenschafts-Tools auf Paid-Modelle umschwenken, bleibt Europe PMC als öffentlich finanzierte Infrastruktur konsequent kostenlos zugänglich. Das ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr.

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