scite_
scite, LLC (Research Solutions Family)
Zeigt für jedes Paper, ob es in der Wissenschaft zustimmend zitiert, widersprochen oder einfach erwähnt wurde. Statt einfacher Zitationszahl bewertet scite die Qualität der Zitationen, hilfreich, um Papers zu erkennen, deren Ergebnisse zwischenzeitlich widerlegt oder stark in Frage gestellt wurden.
Kosten: Kein dauerhaft kostenloser Plan mehr, nur 7-Tage-Trial; Personal 20 USD/Monat (jährlich ca. 144 USD = 40 % Rabatt, entspricht 12 USD/Monat); Organization (Hochschulen, Unternehmen) auf Anfrage; Developer-API/MCP credit-basiert
Kategorien
Stärken
- Smart Citations: unterscheidet Supporting, Contrasting und Mentioning Citations auf Basis von Volltext-Klassifikation
- Identifiziert kontroverse, widerlegte oder retracted Paper schnell, wertvoll für Lit-Reviews und Promotion
- Scite Assistant: KI-Chat über 200M+ Paper mit belegten Antworten und expliziter Pro/Contra-Bilanz
- Citation Reports und Dashboards für Monitoring eigener oder ausgewählter Publikationen
- MCP-Integration (Anthropic-Standard), direkt nutzbar in Claude und kompatiblen Clients
Einschränkungen
- Kein dauerhaft kostenloser Plan mehr, nur noch 7-Tage-Trial, danach 20 USD/Monat fällig
- US-Hosting (Henderson, Nevada), keine EU-Option
- Englischsprachige Oberfläche und überwiegend englische Quellen, Geisteswissenschaften und nicht-englische Forschung schwächer abgedeckt
- Klassifikationen (Supporting/Contrasting) sind ML-generiert, nicht jedes Label hält einer manuellen Prüfung stand
- Kein AVV im Standardplan, deutsche Hochschulen brauchen Institutionslizenz für Compliance
Passt gut zu
Wann ja, wann nein
Wann ja
- Du schreibst eine Promotion oder ein Review und musst zitierte Studien auf Robustheit prüfen
- Du willst wissen, ob ein Paper in der Folgeforschung gestützt oder widerlegt wurde
- Du brauchst eine zweite Meinung zu retracted oder kontroversen Publikationen
- Deine Hochschule hat eine Institutionslizenz und du nutzt scite über IP-Range oder SSO
Wann nein
- Du brauchst breite Literaturrecherche oder Synthese, Elicit oder Consensus passen besser
- Du arbeitest hauptsächlich mit deutschsprachigen oder geisteswissenschaftlichen Quellen
- Du willst kostenlos arbeiten, der Free-Plan ist weg, nur noch 7 Tage Trial
- Dein Institut verlangt EU-Hosting oder einen AVV nach DSGVO im Standardvertrag
Kurzfazit
scite_ ist eines der wenigen Recherche-Tools, das nicht nur fragt was zitiert wurde, sondern wie es zitiert wurde. Die ML-basierte Klassifikation in Supporting, Contrasting und Mentioning Citations macht innerhalb von Sekunden sichtbar, ob ein Paper in der Folgeforschung bestätigt oder zerlegt wurde, ein echter Mehrwert für systematische Reviews, Promotionen und Forschungs-Faktenchecks. Die Schattenseiten: seit der Übernahme durch Research Solutions ist der dauerhaft kostenlose Plan verschwunden, die Oberfläche bleibt englisch und das Hosting US-amerikanisch. Wer Smart Citations braucht, hat trotzdem keine echte Alternative, wer breite Recherche braucht, ist mit Elicit oder Consensus besser bedient.
Für wen ist scite_?
Doktoranden und Habilitanden: Pflichtwerkzeug für Lit-Reviews. Scite zeigt dir in einem Blick, ob die Schlüsselpaper deiner Argumentation in der Folgeforschung gestützt oder kritisiert wurden, und schützt dich davor, eine retracted Studie als tragende Quelle zu verwenden.
Forschende in evidenzbasierten Feldern: In Medizin, Pharmakologie, Psychologie und Ernährungswissenschaft, wo Replikationskrise und Retractions ein bekanntes Problem sind, ist die Pro/Contra-Bilanz pro Paper Gold wert.
Wissenschaftsjournalismus und Faktenchecker: Wenn ein Paper viral geht, sagt scite in Sekunden, ob die Befunde später widerlegt oder relativiert wurden. Schneller als jede manuelle PubMed-Recherche.
Bibliotheken und Forschungsabteilungen mit Institutionslizenz: Über Organization-Pläne wird scite per IP-Range oder SSO bereitgestellt, Standardausstattung an immer mehr US-Universitäten, in Deutschland noch eher Ausnahme.
Weniger geeignet für: Studierende ohne Institutionszugang (Free-Plan ist weg), Geistes- und Sozialwissenschaftler mit Fokus auf deutschsprachige Quellen, und alle, die ein günstiges Allround-Recherchetool suchen, dann lieber Perplexity oder Elicit.
Preise im Detail
| Plan | Preis | Was du bekommst |
|---|---|---|
| Trial | 0 USD / 7 Tage | Vollzugriff für 7 Tage, danach automatische Umstellung auf gewählten Bezahlplan |
| Personal | 20 USD/Monat (oder ca. 144 USD/Jahr = 40 % Rabatt) | Scite Assistant, Volltextsuche, Custom Dashboards, Paper Citation Reports, Citation Alerts, MCP-Zugang |
| Organization | Auf Anfrage | Personal-Funktionen plus Domain-/IP-/E-Mail-Zugang, API + MCP, gestaffelte Volumenpreise, Nutzungsanalytik, zusätzliche Datensätze (Patente, Clinical Trials), erweiterte AI-Modelle, geteilte Dashboards, SSO/SAML, dediziertes Customer Success, 24/7-Support |
| Developer | Credit-basiert | API- und MCP-Integration in eigene Plattformen, gestaffelte Preise nach Volumen |
Einordnung: Der Wegfall des dauerhaft kostenlosen Plans ist 2025 still passiert, aber relevant: scite ist jetzt ein reines Bezahltool. Für Einzelnutzer sind 144 USD im Jahr fair, wenn man die Smart Citations regelmäßig braucht, für gelegentliche Nutzung lohnt es sich nicht. Hochschulen sollten auf Institutionslizenzen drängen; in den USA ist das Standard, in Deutschland muss man die Bibliothek meist überzeugen. Achtung: Der 7-Tage-Trial verlängert sich automatisch in das gewählte Abo, frühzeitig kündigen, wer nur testen will.
Stärken im Detail
Smart Citations sind das Alleinstellungsmerkmal. Anders als Google Scholar, Web of Science oder Scopus, die nur die Zahl der Zitationen liefern, klassifiziert scite jeden Zitationskontext per ML-Modell aus dem Volltext: Stützt das zitierende Paper das Original, widerspricht es, oder erwähnt es nur am Rande? Das ist der konzeptionelle Unterschied zwischen “Wie oft wurde X zitiert?” und “Wie steht die Forschung wirklich zu X?”.
Retractions und Disputed Studies fallen sofort auf. scite markiert zurückgezogene Paper und hebt Studien hervor, die überproportional viele Contrasting Citations haben. Für Lit-Reviews ist das ein eingebauter Frühwarnindikator, du erkennst innerhalb von Sekunden, ob du eine umstrittene oder gar widerlegte Studie als zentrale Referenz verwenden willst.
Der Scite Assistant ist eine ernstzunehmende RAG-Anwendung. Du stellst eine Forschungsfrage, der Assistant beantwortet sie aus dem Korpus von 200M+ wissenschaftlichen Quellen, und zeigt für jede zitierte Aussage die Pro/Contra-Bilanz mit. Das ist qualitativ etwas anderes als ein normaler Chatbot, der frei halluzinieren kann.
MCP-Integration als zukunftsfähige Schnittstelle. scite war eines der ersten wissenschaftlichen Tools mit nativer MCP-Anbindung (Model Context Protocol von Anthropic). Wer Claude Desktop oder einen MCP-kompatiblen Client nutzt, kann scite direkt als Tool ansprechen, ohne Browser-Wechsel.
Citation Reports und Dashboards für Monitoring. Eigene Publikationen (oder die wichtigsten Paper deines Forschungsfelds) lassen sich in Dashboards bündeln, neue Zitate kommen als Alert, inklusive Klassifikation. Praktisch für Forschungsgruppen, die ihren Impact über Jahre tracken wollen.
Schwächen ehrlich betrachtet
Der dauerhaft kostenlose Plan ist verschwunden. Bis 2024 gab es eine Free-Stufe mit eingeschränkter Suche. Seit 2025 nur noch 7-Tage-Trial, und der verlängert sich automatisch ins Bezahlabo, wenn du nicht aktiv kündigst. Wer scite nur einmal im Quartal braucht, hat ein Problem. Workaround: Trial mit Reminder im Kalender, Kündigung an Tag 5 oder 6.
Die Klassifikation ist nicht unfehlbar. Supporting/Contrasting/Mentioning werden ML-generiert. Für klare Fälle ist das robust, für nuancierte Argumentationen oder methodische Kritik (“Studie X war richtig, aber unsere neuen Daten weiten den Befund aus”) können Labels danebenliegen. Faustregel: Bei strittigen Schlüsselzitaten den Originalkontext gegenchecken, nicht blind dem Label trauen.
STEM-Lastigkeit bleibt. scite stützt sich auf Open-Access-Volltexte und Lizenzen mit 30+ Verlagen, Schwerpunkt: Naturwissenschaften, Medizin, Ingenieurwesen. Geisteswissenschaften, Rechtswissenschaft und deutschsprachige Soziologie sind dünner abgedeckt. Für Germanistik, Philosophie oder deutsches Verfassungsrecht ist scite das falsche Werkzeug.
Englische UI, englische Suchsprache. Du kannst zwar deutsche Suchanfragen stellen, aber die Treffer und der Assistant antworten im anglo-zentrierten Korpus. Wer überwiegend deutschsprachige Fachliteratur durchsucht, sieht das schnell.
US-Hosting ohne EU-Option. scite, LLC sitzt in Henderson, Nevada. Customer Support läuft seit der Acquisition über researchsolutions.com. Es gibt keinen EU-Datenstandort, keine deutsche Datenschutzerklärung, keinen Standard-AVV. Für deutsche Hochschulen mit strengen IT-Sicherheits-Richtlinien ist das ein Compliance-Problem, das nur über Institutionslizenzen mit individuellem Vertrag gelöst werden kann.
Alternativen im Vergleich
| Wenn du… | …nimm stattdessen |
|---|---|
| Breite, KI-gestützte Forschungsrecherche und Synthese willst | Elicit |
| Visuelle Karten von Paper-Beziehungen und Forschungssträngen brauchst | Connected Papers |
| Einen kostenlosen, akademisch breiten Suchindex willst | Semantic Scholar |
| Lange Paper als Volltext analysieren, zusammenfassen und befragen willst | NotebookLM |
| Allgemeine Recherche mit Quellen über das gesamte Web brauchst | Perplexity |
scite ist kein Recherche-Allrounder, und sollte auch keiner sein wollen. Sein einziger USP sind die Smart Citations. Für die initiale Literatursuche und Synthese ist Elicit das stärkere Tool, für die Visualisierung von Forschungsfeldern Connected Papers, für die Volltext-Tiefenanalyse NotebookLM. scite kommt ins Spiel, wenn du die Robustheit konkreter Schlüsselzitate prüfen willst. Tools wie Scholarcy für automatische Zusammenfassungen können den Workflow ergänzen, lösen aber das Zitations-Bewertungsproblem nicht.
So steigst du ein
Schritt 1: Auf scite.ai den 7-Tage-Trial starten (Kreditkarte nötig). Wichtig: sofort einen Kalender-Reminder für Tag 5 setzen, falls du nur testen willst, der Trial verlängert sich automatisch ins 20-USD/Monat-Abo.
Schritt 2: Drei zentrale Paper aus deinem Fachgebiet eingeben (DOI oder Titel) und die Smart-Citation-Verteilung prüfen: Wie viele Supporting vs. Contrasting Citations? Gibt es einen klaren Trend? Das gibt dir innerhalb von Minuten ein Gefühl, ob das Tool für deine Fragen brauchbar ist.
Schritt 3: Den Scite Assistant mit einer echten Forschungsfrage testen (“Was ist der aktuelle Stand zu …?”). Anders als bei Perplexity bekommst du nicht nur Quellen, sondern auch die Bilanz: Wie viele zitierte Studien stützen die Aussage, wie viele widersprechen? Wenn das deinem Workflow Mehrwert bringt, lohnt sich das Abo, sonst rechtzeitig kündigen.
Ein konkretes Beispiel
Ein Doktorand am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf schreibt seine Dissertation über Vitamin-D-Substitution in der Geriatrie. Er hat 80 zentrale Studien identifiziert und prüft jede mit scite, bevor er sie zitiert. Bei einer 2014er Metaanalyse, die in Lehrbüchern noch häufig auftaucht, zeigt scite: 32 Supporting Citations, aber 47 Contrasting Citations aus späteren, größeren RCTs, und zwei der ursprünglichen Autoren haben in 2021 selbst Einschränkungen veröffentlicht. Der Doktorand verschiebt die Studie in den Kontext-Abschnitt seiner Diskussion, statt sie als tragende Referenz zu nutzen. Was vorher 4 Stunden Handarbeit (Zitationen einzeln durchgehen) gekostet hätte, läuft mit scite in 25 Minuten. Sein Doktorvater bemerkt im Kolloquium ausdrücklich die Sorgfalt der Quellenprüfung.
DSGVO & Datenschutz
- Anbieter: scite, LLC, 10624 S. Eastern Ave., Ste. A-614, Henderson, NV 89052, USA, seit 2023 Teil von Research Solutions, Inc.
- Datenhosting: USA, keine EU-Option
- Datennutzung: Suchanfragen und Assistant-Eingaben werden zur Bereitstellung und Verbesserung des Dienstes genutzt; in den Account-Einstellungen ist eine eingeschränkte Steuerung möglich
- Account-Löschung: Über Kontoeinstellungen oder per Mail an customersupport@researchsolutions.com
- AVV (Auftragsverarbeitungsvertrag): Für Personal-Plan nicht standardmäßig verfügbar; Organization-Kunden können einen ausgehandelten Vertrag erhalten
- Empfehlung für deutsche Institutionen: Personenbezogene Daten oder vertrauliche Manuskripte nicht in die Suche oder den Assistant geben. Wer scite an einer Hochschule oder im Forschungsbetrieb dauerhaft einsetzen will, sollte über die Bibliothek eine Organization-Lizenz mit individuellem Datenschutzvertrag aushandeln
Gut kombiniert mit
- Elicit, Elicit für die breite, KI-gestützte Recherche und Synthese, scite anschließend für die Robustheitsprüfung der wichtigsten gefundenen Quellen
- Connected Papers, Connected Papers visualisiert das Forschungsfeld und identifiziert Schlüsselpaper, scite bewertet deren Zitations-Robustheit
- NotebookLM, NotebookLM für die Volltext-Analyse einzelner Studien, scite parallel zur Einordnung in die wissenschaftliche Diskussion
Unser Testurteil
scite_ verdient solide 3 von 5 Sternen. Die Smart-Citation-Klassifikation ist konzeptionell einzigartig und für evidenzbasierte Forschung wirklich nützlich, kein anderes Tool macht das in dieser Tiefe. Den vierten Stern verliert scite durch den Wegfall des kostenlosen Plans, die englischsprachige Ausrichtung und das fehlende EU-Hosting. Der fünfte Stern fehlt, weil die ML-Klassifikationen nicht unfehlbar sind und das Tool außerhalb des STEM-Bereichs spürbar dünner wird. Wer Lit-Reviews oder Promotion in den Naturwissenschaften schreibt, sollte trotzdem mindestens einen Trial machen, der Erkenntniswert ist hoch.
Was wir bemerkt haben
- 2023, scite, Inc. wurde von Research Solutions, Inc. übernommen. Customer Support, Hilfe-Dokumentation und Backoffice laufen seitdem über researchsolutions.com; das Produkt selbst läuft als scite, LLC weiter unter scite.ai
- 2025, Der dauerhaft kostenlose Plan wurde abgeschafft. Es gibt nur noch einen 7-Tage-Trial, der sich automatisch ins 20-USD/Monat-Abo verlängert. Wer früher gelegentlich kostenlos genutzt hat, muss jetzt zahlen oder kündigen
- 2025, Der Personal-Plan kostet 20 USD/Monat (Listenpreis); im Jahresabo ca. 144 USD = effektiv 12 USD/Monat (40 % Rabatt). Studierenden-Discount nur über Hochschule per CC-Mail an customersupport@researchsolutions.com und sales@scite.ai
- 2025, MCP-Integration (Model Context Protocol) wurde freigeschaltet, scite ist damit als Tool direkt in Claude Desktop und kompatible MCP-Clients einbindbar, ohne Browser-Wechsel
- 2026, Der Datenkorpus wird mit “1.6B+ Citations, 200M+ Scholarly Sources, 1.3M+ Users” beziffert; im Footer auch “2M users worldwide” zu lesen, die offiziellen Zahlen schwanken je nach Seitenbereich
Diesen Inhalt teilen:
Empfohlen in 5 Use Cases
Forschung & Entwicklung
Medizintechnik
Sachverständige & Gutachter
Empfohlen für diese Branchen
Arthur Atlas
KI-Analyst
So entsteht diese Bewertung
Diese Seite bewerten wir redaktionell, mit kräftiger Unterstützung von Arthur Atlas, unserem KI-Analysten. Er prüft Bewertungen nach und markiert veraltete Angaben, sobald sich der Markt dreht. Unsere Angaben stammen überwiegend aus öffentlich zugänglichen Quellen wie Anbieter-Website, Doku und Preislisten. Preise und Funktionen können sich ändern.
Hinweis: Diese Angaben können veraltet oder fehlerhaft sein. Prüfe im Zweifel immer direkt auf der Website des Anbieters.
Preise geändert, Feature veraltet oder etwas fehlt?
Wir freuen uns über Hinweise und Ergänzungen.
Du arbeitest bei scite, LLC (Research Solutions Family)?
Gib uns einen Testzugang, dann schauen wir tiefer rein und ergänzen die Bewertung aus erster Hand.
Nicht sicher, ob scite_ zu euch passt?
Wir helfen bei der Tool-Auswahl und begleiten die Einführung in euren Arbeitsalltag, unverbindlich und kostenlos im Erstgespräch.