Connected Papers
Connected Papers Ltd.
Visualisiert Zitationsnetzwerke wissenschaftlicher Paper als interaktive Graphen. Ausgehend von einem bekannten Paper werden ähnliche und verwandte Arbeiten sichtbar gemacht, ideal zum Aufspüren von wichtigen Vorläuferarbeiten und aktuellen Ableitungen, die eine klassische Stichwortsuche übersieht.
Kosten: Kostenlos (5 Graphen/Monat); Academic 3 USD/Monat (unbegrenzte Graphen); Pro 6 USD/Monat (mehrere Workspaces, Priority-Processing)
Kategorien
Stärken
- Visualisierung von Zitationsnetzwerken, Forschungslandschaft auf einen Blick erkennbar
- Findet Paper, die nicht denselben Stichwörtern auftauchen, aber thematisch eng verwandt sind
- Unterscheidet zwischen Prior Works (Fundament) und Derivative Works (Ableitungen)
- Integration mit Semantic Scholar, Zugriff auf 200+ Millionen Paper
Einschränkungen
- Stark limitierter kostenloser Plan (5 Graphen/Monat)
- Keine direkte Volltextsuche, immer ein Ausgangspaper nötig
- Geisteswissenschaften und weniger zitationsreiche Felder schlechter abgedeckt
- Datenhaltung in den USA
Passt gut zu
Kurzfazit
Connected Papers ist kein klassisches Suchwerkzeug, sondern ein Kartograph für Forschungslandschaften. Wer bereits ein Schlüsselpaper kennt, bekommt in Sekunden einen visuellen Graphen aller thematisch eng verwandten Arbeiten, inklusive Fundamentalpapern und aktuellen Weiterentwicklungen. Stark in zitationsdichten Feldern wie Informatik, Biomedizin oder Physik, schwächer in Geisteswissenschaften und Nischenthemen. Der kostenlose Plan ist mit fünf Graphen pro Monat kalkuliert restriktiv, der Academic-Tarif für drei US-Dollar pro Monat aber fair.
Für wen ist Connected Papers?
Doktorandinnen und Doktoranden in der Einarbeitungsphase Wer ein neues Forschungsfeld erschließt, kennt typischerweise zwei oder drei Ausgangspaper aus der Empfehlung der Betreuung. Connected Papers verwandelt diese Punkte in eine Karte und macht sichtbar, welche Arbeiten ein Cluster bilden, welche Schule sie repräsentieren und welche Vorläuferpaper man unbedingt zitieren sollte.
Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim Literaturreview Für systematische Reviews ist Connected Papers das Werkzeug, das die typische Stichwortsuche in Scopus oder Web of Science ergänzt. Es findet Arbeiten, die andere Begriffe verwenden, aber strukturell zum gleichen Diskurs gehören, eine bekannte Schwachstelle keyword-basierter Datenbanken.
Forschungsgruppen beim Onboarding neuer Mitglieder Statt einer Leseliste mit 40 PDFs bekommen neue Teammitglieder einen Graphen, in dem sie Cluster, Schlüsselautoren und zentrale Arbeiten visuell einordnen können. Das beschleunigt das Verständnis der eigenen Forschungstradition deutlich.
Praktiker in Innovationsabteilungen F&E-Teams, die Stand der Technik recherchieren oder Patentvorrecherchen ergänzen, finden über ein einzelnes Schlüsselpaper schnell den umliegenden Forschungsraum, ohne tief in akademische Datenbanken einsteigen zu müssen.
Weniger geeignet für: Reine Geisteswissenschaftlerinnen und Geisteswissenschaftler (Zitationsnetzwerke sind dort dünn), Personen ohne Ausgangspaper (Connected Papers braucht immer einen Seed), Recherchen zu sehr aktuellen Preprints (Indexierung dauert Wochen) und alle, die einen Volltext-Ersatz für Google Scholar suchen.
Preise im Detail
| Plan | Preis | Was du bekommst |
|---|---|---|
| Free | 0 USD | 5 Graphen pro Monat, vollständige Funktionalität, BibTeX- und Zotero-Export |
| Academic | 3 USD/Monat | Unbegrenzte Graphen, persönliche Bibliothek, keine Wartezeiten |
| Pro | 6 USD/Monat | Mehrere Workspaces, Priority-Processing, ideal für Teams oder mehrere Projekte |
Einordnung: Der Preis ist im Vergleich zu wissenschaftlichen Tools wie Web of Science oder Scopus, die institutionell oft im fünfstelligen Bereich kosten, vernachlässigbar. Drei US-Dollar pro Monat sind weniger als ein Café-Kaffee, wer Connected Papers regelmäßig im Literaturreview einsetzt, kommt mit dem Free-Plan praktisch nicht aus. Es gibt keine institutionellen Lizenzen oder Lehrstuhl-Pakete; jede Person zahlt einzeln.
Stärken im Detail
Visuelle Forschungslandkarte statt Listenansicht. Wo Datenbanken wie PubMed Treffer in Listen ausgeben, zeigt Connected Papers einen Graphen: Knoten sind Paper, Größe entspricht Zitationen, Nähe entspricht thematischer Verwandtschaft. Diese Form macht es trivial, Cluster zu erkennen, die in einer Listendarstellung unsichtbar bleiben.
Co-Citation und Bibliographic Coupling als Algorithmus. Connected Papers verwendet keine reine Stichwortsuche, sondern berechnet Ähnlichkeit über geteilte Referenzen und gemeinsam zitierte Quellen. Zwei Paper, die häufig von denselben dritten Arbeiten zitiert werden, gelten als verwandt, auch wenn sie sich nie direkt gegenseitig zitieren. Das fängt thematische Nähe oft besser ein als Begriffe.
Prior Works und Derivative Works in einer Ansicht. Neben dem Hauptgraphen liefert Connected Papers zwei flankierende Listen: die wichtigsten Vorläuferpaper, auf denen das Feld aufbaut, und die jüngsten Ableitungen, die das Ausgangspaper aufgreifen. Beides zusammen gibt schnell einen Eindruck, wo man im historischen Verlauf eines Diskurses steht.
Semantic-Scholar-Datenbasis. Die zugrundeliegenden Metadaten und Zitationsbeziehungen kommen von Semantic Scholar, derselbe Korpus mit über 200 Millionen Paper, der auch Tools wie Elicit oder Scite speist. Das bedeutet vergleichsweise gute Abdeckung in Informatik, Lebenswissenschaften und Physik.
Null Setup, sofort nutzbar. Kein Account nötig für den ersten Graphen, kein Plugin, keine Installation. Wer einen Doi oder Titel hat, ist binnen 30 Sekunden bei einer brauchbaren Visualisierung.
Schwächen ehrlich betrachtet
Der Free-Plan ist eng gestrickt. Fünf Graphen pro Monat klingen wenig restriktiv, sind in einer aktiven Recherchephase aber schnell verbraucht. Wer Connected Papers ernsthaft einsetzt, kommt um den Academic-Tarif kaum herum, was angesichts der drei Dollar verschmerzbar ist, aber die Option “kostenlos auf Dauer” faktisch ausschließt.
Kein Einstieg ohne Seed-Paper. Connected Papers ist kein Suchwerkzeug. Wer noch keine konkrete Arbeit als Ausgangspunkt hat, muss erst woanders recherchieren, etwa bei Google Scholar oder Semantic Scholar. Das macht das Tool zur zweiten Station im Workflow, nicht zur ersten.
Geisteswissenschaften unterrepräsentiert. Felder mit dünnen Zitationsnetzwerken (Literaturwissenschaft, Geschichte, Philosophie) profitieren wenig vom Co-Citation-Algorithmus. Buchpublikationen, die in diesen Disziplinen dominieren, sind in Semantic Scholar zudem schwächer erfasst.
Aktuelle Preprints fehlen oft. Bis ein Paper im Connected-Papers-Index auftaucht, vergehen Wochen bis Monate. Wer auf bleeding-edge-Arbeiten in schnellen Feldern wie KI-Forschung angewiesen ist, sollte parallel arXiv durchsuchen.
Kein semantisches Verständnis der Inhalte. Connected Papers analysiert Beziehungsmuster, aber keine Volltexte oder Argumentationsstrukturen. Für inhaltliche Synthesen ist Elicit besser, für Zitationskontext-Analyse Scite.
Englische Oberfläche. Keine deutsche Version verfügbar. Für die Zielgruppe (akademisch, englischsprachige Literatur als Standard) selten ein Problem, aber erwähnenswert.
Alternativen im Vergleich
| Wenn du willst… | …nimm |
|---|---|
| Volltextsuche und semantisches Verständnis | Elicit |
| Direkte Suche statt graphbasierter Exploration | Semantic Scholar |
| Zitationskontext (wurde positiv oder negativ zitiert?) | Scite |
Research Rabbit und Litmaps decken ähnliche Use-Cases wie Connected Papers ab und sind ergänzend lesenswert, beide arbeiten ebenfalls graphbasiert, mit anderen Schwerpunkten in der Visualisierung. Für eine ernsthafte Literaturrecherche ist die Kombination aus einem Such-Tool (Elicit oder Semantic Scholar) und einem Explorations-Tool (Connected Papers) deutlich produktiver als nur eines davon.
So steigst du ein
Schritt 1: Auf connectedpapers.com ein bekanntes Ausgangspaper eingeben, entweder den Titel oder die Doi. Connected Papers baut daraus einen Graphen, in dem jeder Knoten ein Paper ist und die Nähe zwischen Knoten thematische Verwandtschaft darstellt.
Schritt 2: Den Graphen explorieren: Eng zusammenliegende Cluster zeigen thematisch verwandte Arbeiten. Die Liste “Prior Works” zeigt Fundamentalpaper des Felds, auf die viele andere aufbauen; “Derivative Works” zeigt aktuelle Weiterentwicklungen des Ausgangspapers.
Schritt 3: Interessante Paper direkt nach Zotero oder als BibTeX exportieren. Für eine systematische Literaturrecherche empfiehlt sich der Einsatz als ergänzendes Tool neben einem Such-Werkzeug, Connected Papers findet die Paper, die eine reine Stichwortsuche übersieht.
Ein konkretes Beispiel
Eine Doktorandin der Kognitionswissenschaft an der Universität Hamburg startet ihr drittes Promotionskapitel und kennt aus den Lektüreseminaren des Lehrstuhls zwei Schlüsselpaper zu ihrem Thema. Sie gibt das aktuellere der beiden in Connected Papers ein. Der Graph zeigt drei Cluster: einen mit Arbeiten aus dem eigenen Forschungslabor, einen mit verwandten europäischen Gruppen, und überraschend einen dritten Cluster aus der theoretischen Linguistik, von dem sie noch nie gehört hatte.
Aus den Prior Works sortiert sie fünf Fundamentalarbeiten aus den 1990ern in ihre Zotero-Bibliothek; aus den Derivative Works sieben aktuelle Paper der letzten zwei Jahre. Insgesamt spart sie schätzungsweise zwei Wochen unsystematischer Schneeball-Recherche und entdeckt dabei einen interdisziplinären Anschlusspunkt, der ihre Argumentation später um ein ganzes Kapitel erweitert.
DSGVO & Datenschutz
- Hosting: Server in den USA (AWS); Connected Papers Ltd. mit Sitz in Tel Aviv, Israel
- Datenbasis: Öffentlich publizierte Paper-Metadaten von Semantic Scholar, keine sensiblen Personendaten
- Account-Daten: E-Mail-Adresse und (bei zahlenden Plänen) Zahlungsinformationen über Stripe verarbeitet
- Suchhistorie: Eingegebene Paper-Titel und Dois werden gespeichert; Pro-Plan ermöglicht persönliche Bibliothek
- AVV: Keine standardisierten Auftragsverarbeitungsverträge auf der Website verlinkt, für institutionelle Nutzung ggf. Einzelvereinbarung anfragen
- Praktische Einschätzung: Da nur öffentliche Publikationsdaten verarbeitet werden, ist das DSGVO-Risiko gering. Sensibler ist allenfalls die Nutzungshistorie (welche Themen recherchiert eine Person?), für die meisten akademischen Anwendungsfälle aber unkritisch.
Gut kombiniert mit
Elicit, Während Connected Papers den Forschungsraum visualisiert, beantwortet Elicit konkrete Fragen mit synthetisierten Auszügen aus mehreren Papern. Workflow: Mit Elicit eine Forschungsfrage stellen, eines der Top-Ergebnisse in Connected Papers werfen, um den Cluster zu erkunden.
Zotero, Connected Papers exportiert direkt in BibTeX und Zotero-Bibliotheken. Wer Zotero als Literaturverwaltung nutzt, kann Funde nahtlos übernehmen und mit Tags und Notizen weiterverarbeiten.
Semantic Scholar, Wenn der Connected-Papers-Graph eine interessante Arbeit zeigt, ist der Volltext oder der Zitationskontext oft direkt bei Semantic Scholar verfügbar, inklusive AI-generierter Zusammenfassung des Abstracts.
Unser Testurteil
Connected Papers verdient solide drei von fünf Sternen. Die visuelle Erschließung von Forschungsfeldern ist in dieser Form einzigartig und für die richtige Zielgruppe, promovierende und forschende Personen mit konkretem Ausgangspaper, ein echter Zeitsparer. Stark ist die Verbindung aus klarem Algorithmus (Co-Citation, Bibliographic Coupling), umfangreicher Datenbasis (Semantic Scholar) und niedriger Einstiegshürde.
Was den vierten Stern kostet: Connected Papers ist kein Allround-Tool. Ohne Seed-Paper ist es unbrauchbar; in Geisteswissenschaften liefert es dünne Ergebnisse; aktuelle Preprints fehlen oft. Wer regelmäßig akademisch recherchiert, sollte es im Werkzeugkasten haben, als zweite Station nach einer klassischen Suche, nicht als Ersatz dafür. Der Academic-Tarif für drei US-Dollar pro Monat ist eine vernünftige Investition, der Free-Plan eher Demo als Dauerlösung.
Was wir bemerkt haben
- Mai 2026, Pricing seit Verifikation unverändert (Free 5 Graphen/Monat, Academic 3 USD, Pro 6 USD). Keine angekündigten Tier-Änderungen.
- 2024, Einführung des Pro-Plans mit mehreren Workspaces; davor existierten nur Free und Academic.
- Anhaltend, Die Indexierungs-Latenz für neue Preprints (insbesondere arXiv-CS) bleibt eine bekannte Schwachstelle und wurde von Connected Papers bisher nicht öffentlich adressiert.
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