CutPlanner
scapos AG (Vertrieb für Fraunhofer SCAI)
CutPlanner ist eine vom Fraunhofer SCAI entwickelte und über die scapos AG (Sankt Augustin) vertriebene Optimierungs-Bibliothek für die automatische Cut-Plan-Erstellung in der Textilindustrie. Sie fasst Auftragsmengen verschiedener Größen zu kostenoptimalen Legebildern zusammen und minimiert Gesamtkosten aus Materialverbrauch und Produktionsaufwand. Die Algorithmen kombinieren lineare Programmierung mit lokalen Suchverfahren, Mustererkennung und Heuristiken, keine neuronalen Netze, sondern klassische mathematische Optimierung.
Kosten: Lizenzpreise auf Anfrage; Integration als DLL-Bibliothek in bestehende ERP/CAD-Systeme; Einstieg typisch mit Projektpauschale für Anbindung. Keine öffentliche Preisliste.
Kategorien
Stärken
- Wissenschaftlich fundierte Optimierungsalgorithmen (lineare Programmierung, lokale Suche, Heuristiken) aus 25+ Jahren Fraunhofer-SCAI-Forschung
- Minimiert Gesamtkosten, nicht nur Verschnitt, berücksichtigt Rüst-, Handling- und Maschinenaufwand
- Integration in bestehende ERP/CAD-Systeme via Windows-DLL ohne Systemwechsel
- Deutschsprachiger Support durch scapos AG am Fraunhofer-Standort Schloss Birlinghoven
- Materialausnutzung von 91+ Prozent in Referenzimplementierungen dokumentiert
- Reine On-Premise-Verarbeitung, keine Cloud, keine Datenabflüsse
Einschränkungen
- Technisches Setup: Integration erfordert Entwicklerressourcen (DLL-Einbindung, Schnittstellen)
- Kein eigenständiges GUI für Endnutzer, primär als Rechenmodul hinter bestehenden Systemen
- Preise und Projektkosten nur auf Anfrage, kein Self-Service-Einstieg
- Fokus auf Kostenoptimierung, nicht auf visuelle Marker-Kontrolle wie bei Lectra oder Optitex
- Keine moderne KI/ML im Sinne von Deep Learning, klassische Operations Research, was für viele Anwender ein Vorteil, für KI-Marketing-Erwartungen aber eine Enttäuschung sein kann
- Windows-only, keine Linux- oder macOS-Builds dokumentiert
Passt gut zu
Wann ja, wann nein
Wann ja
- Du hast bereits eine CAD/ERP-Pipeline und willst nur die Cut-Plan-Optimierung verbessern, ohne das Frontend zu wechseln
- Du brauchst eine On-Premise-Lösung ohne Cloud-Abhängigkeit, Schnittdaten sind sensible IP
- Du hast Entwicklerressourcen, die eine DLL-Bibliothek anbinden und das Ergebnis ins ERP zurückspielen können
- Du willst nicht nur Verschnitt, sondern auch Rüst- und Handlingaufwand in einer einzigen Zielfunktion optimieren
Wann nein
- Du brauchst eine schlüsselfertige End-User-Lösung mit GUI, dann ist Lectra/Gerber AccuMark oder Optitex die richtige Wahl
- Du hast keine Entwicklerressourcen für die DLL-Integration, die Anbindung ist nicht trivial
- Du arbeitest mit Hartmaterialien (Holz, Blech, Glas), dort sind spezialisierte Tools wie OptiCut oder Max-Cut passender
- Du suchst ein Tool mit transparenter Cloud-Preisliste und Self-Service-Onboarding, das gibt es bei scapos nicht
Kurzfazit
CutPlanner ist die wissenschaftlich fundierte Cut-Plan-Optimierungs-Bibliothek aus dem Fraunhofer-Umfeld, und in dieser Nische eine ernstzunehmende Wahl für Konfektionsbetriebe, die ihre bestehenden CAD/ERP-Systeme nicht aufgeben wollen. Statt einer schlüsselfertigen Endnutzer-Lösung wie Lectra oder Optitex liefert CutPlanner eine Windows-DLL, die in die eigene Software-Pipeline integriert wird und dort die Cut-Plan-Berechnung übernimmt. Die Stärke: deutsche Engineering-Tiefe, On-Premise ohne Cloud-Abhängigkeit, dokumentierte 91+ % Materialausnutzung in Referenzen. Die Schwäche: kein GUI, keine öffentlichen Preise, keine Self-Service-Einführung, und unter der Haube klassische Operations Research statt moderner KI. Für IT-affine Konfektionen mit eigenem Entwicklerteam ein präzises Werkzeug; für Marken, die eine fertige Suite suchen, der falsche Einstieg.
Für wen ist CutPlanner?
Mittelständische Konfektionsbetriebe mit eigener IT: Wer 10–100 Schneidmaschinen betreibt, bereits ein ERP einsetzt (oft branchenspezifisch wie Texdata, AssystBullmer oder ein selbst entwickeltes System) und nur die Cut-Plan-Optimierung verbessern will, findet in CutPlanner eine Bibliothek, die sich nahtlos integriert, ohne dass das bestehende System auf den Müll wandert.
ERP-Hersteller und CAD-Entwickler für die Textilbranche: CutPlanner adressiert explizit Softwarehäuser, die Cut-Plan-Funktionalität in ihre eigenen Produkte einbauen wollen, ohne von Null die Optimierungslogik selbst zu schreiben. Lizenzmodelle für OEM-Einbindung sind möglich; das spart Jahre Forschungs- und Entwicklungsarbeit.
Arbeits- und Schutzbekleidungsfertiger: In dieser Branche dominieren komplexe Order-Mixes, viele Größen, viele Farben, kleine Losgrößen je SKU. Genau dort spielt CutPlanner seine Stärke aus, weil die kombinatorische Komplexität von Cut-Plan-Erstellung manuell oder mit einfachen Heuristiken kaum noch sauber beherrschbar ist.
Lohnfertiger mit wechselnden Auftraggebern: Wer für mehrere Marken produziert und ständig neue Auftragspakete einplanen muss, profitiert vom automatisierten Replanning. Die DLL kann in einen Nightly-Job eingebettet werden, der jede Woche neue, kostenminimale Cut Plans liefert, ohne manuellen Eingriff.
Weniger geeignet für: Indie-Brands und kleine Modemarken mit unter 10.000 m Jahresvolumen (die Lizenz- und Integrationskosten amortisieren sich nicht), Hartmaterial-Verarbeiter (Holz, Blech, Glas, dafür sind OptiCut oder Max-Cut spezialisiert), Betriebe ohne IT-Inhouse-Team (die DLL-Anbindung ist kein No-Code-Vorgang), und Marken, die eine schlüsselfertige Cloud-Suite mit GUI erwarten, das ist die Welt von Lectra und Optitex, nicht von Fraunhofer-Lizenzkomponenten.
Preise im Detail
| Variante | Preis | Was du bekommst |
|---|---|---|
| Einzelplatz-Lizenz | Auf Anfrage | DLL-Bibliothek für eine Standort-Installation, Standard-Support |
| Site-Lizenz | Auf Anfrage | DLL für mehrere Maschinen/Server an einem Standort |
| OEM-Lizenz | Auf Anfrage | Einbettung in eigene Softwareprodukte (für ERP-/CAD-Hersteller) |
| Wartung & Updates | meist 15–20 % der Lizenz/Jahr | Patches, neue Algorithmus-Versionen, Hotline-Support |
| Integrationsprojekt | Projektpauschale | Anbindung an bestehendes ERP/CAD durch scapos oder Partner |
Einordnung: CutPlanner ist nicht für Self-Service gedacht. Es gibt keine öffentliche Preisliste, keinen Online-Kauf, keinen kostenlosen Test-Download, typisch für Industrie-Software aus dem Fraunhofer-Kosmos. Für eine ehrliche Größenordnung gilt: Eine Einzelplatz-Lizenz in diesem Marktsegment bewegt sich erfahrungsgemäß im niedrigen bis mittleren fünfstelligen Euro-Bereich pro Jahr, plus Wartung. Hinzu kommen die internen Entwicklungskosten für die ERP-Anbindung (typisch 5–20 Personentage) und gegebenenfalls Projektbegleitung durch scapos. Sweetspot ist ein Betrieb, der einstellig fünfstellige Euro im Jahr für die Lizenz verkraftet und durch Materialersparnis (sechs- bis siebenstellige Stoffkosten/Jahr × 3–5 Prozentpunkte bessere Ausnutzung) ein klar messbares Return-on-Investment hat. Wer das nicht hat, sollte mit einer einfacheren Lösung starten.
Stärken im Detail
Algorithmische Tiefe aus 25+ Jahren Fraunhofer-Forschung. CutPlanner kombiniert mehrere bewährte Verfahren: lineare Programmierung mit speziell für das Cut-Order-Planning entwickelten Modellformulierungen, schnelle lokale Suchalgorithmen, Mustererkennungs-Verfahren und parametrisch anpassbare Heuristiken. Das ist klassische Operations Research auf hohem Niveau, keine Black-Box-KI, sondern nachvollziehbare mathematische Optimierung mit reproduzierbaren Ergebnissen. Für Anwender in regulierten Bereichen (z. B. Schutzbekleidung mit Auftraggeber-Audit) ist diese Erklärbarkeit ein Vorteil gegenüber neuronalen Netzen.
Optimierung der Gesamtkosten, nicht nur des Verschnitts. Viele einfachere Cut-Plan-Tools optimieren nur den Materialverbrauch. CutPlanner berücksichtigt zusätzlich Rüstaufwand (wie viele Markerwechsel?), Handlingaufwand (wie viele Stofflagen müssen umgesetzt werden?) und Maschinenkosten. Das verhindert den klassischen Fehler, mit dem perfekten Markervorschlag eine ineffiziente Maschinenbelegung zu erzwingen, und liefert oft Pläne, die in der Praxis 2–5 Prozentpunkte besser sind als reine Materialoptimierung.
Integration über DLL statt Systemwechsel. Wer einen Konfektionsbetrieb betreibt, hat in der Regel bereits investiert: AccuMark- oder Optitex-Daten im CAD, ein branchenspezifisches ERP, Schnittstellen zu Zuschneideanlagen wie Bullmer oder Lectra Vector. Ein Komplettwechsel würde Millionen verschlingen. CutPlanner schiebt sich als reine Rechenkomponente zwischen ERP und CAD/Zuschneider, die bestehenden Tools bleiben unverändert, nur die Cut-Plan-Berechnung wird ausgetauscht. Das senkt das Implementierungsrisiko drastisch.
Deutschsprachiger Support am Forschungsstandort. scapos AG sitzt am Schloss Birlinghoven in Sankt Augustin, direkt am Standort von Fraunhofer SCAI und IAIS. Der Support spricht Deutsch, die Entwickler sitzen wenige Türen weiter, Eskalationen funktionieren auf kurzem Dienstweg. Für Konfektionsbetriebe, die kein Englisch-Support-Modell aufbauen wollen, ist das ein nicht zu unterschätzender Vorteil, die meisten internationalen Cut-Plan-Tools (Lectra, Gerber, Optitex) bieten zwar deutschen Support, aber selten Entwickler-Zugriff bei tieferen Fragen.
Dokumentierte 91+ % Materialausnutzung. scapos zitiert Referenzimplementierungen mit Materialausnutzungen über 91 %, bei einem typischen Ausgangsniveau von 85–87 % entspricht das einer Verbesserung von 4–6 Prozentpunkten. Bei sechs- bis siebenstelligen Jahres-Stoffkosten ist das eine sehr konkrete und gut verkaufbare Zahl gegenüber Geschäftsleitungen, die KPIs sehen wollen.
On-Premise ohne Cloud-Abhängigkeit. Die DLL läuft lokal auf Windows-Servern oder -PCs. Keine Cloud-Verbindung erforderlich, keine Anfragen an externe APIs, keine Datenabflüsse. Für Betriebe, die Schnittdaten als sensible IP behandeln (vor allem Auftragsfertiger großer Marken mit NDA-Pflichten), ist das ein echter Compliance-Vorteil.
Schwächen ehrlich betrachtet
Kein GUI für Endnutzer. CutPlanner ist eine Bibliothek, kein Programm. Endnutzer in der Arbeitsvorbereitung sehen niemals die CutPlanner-Oberfläche, sie arbeiten weiter mit ihrem gewohnten ERP-Frontend, in das die Ergebnisse zurückgespielt werden. Das ist Konzept, kein Versehen, aber wer eine visuelle Marker-Kontrolle, Drag-and-Drop-Anpassung oder ein schickes Dashboard erwartet, wird enttäuscht. Dafür braucht es entweder ein eigenes Frontend oder die Integration in ein Tool wie Lectra/Optitex.
Integration ist kein Wochenend-Projekt. Die DLL-Anbindung an ein bestehendes ERP erfordert Entwickler mit C++/C#/.NET-Kenntnissen, Verständnis der eigenen Datenstrukturen (Auftrags-, Größen-, Schnittdaten) und Erfahrung mit Schnittstellen-Design. Realistisch sind 5–20 Personentage Implementierung plus 1–2 Wochen für Tests und Parameter-Tuning. Wer das nicht intern leisten kann, ist auf scapos oder einen externen Dienstleister angewiesen, was Projektkosten und Lieferzeit verlängert.
Keine moderne KI im Marketing-Sinn. Das Tool basiert vollständig auf klassischer mathematischer Optimierung. Es gibt keine Trainingsdaten, kein Modell, das mit neuen Aufträgen „lernt”, keine Deep-Learning-Komponenten. In einer Zeit, in der jede Software ihr Marketing mit „KI” schmückt, kann das auf den ersten Blick wie ein Manko wirken, ist es technisch aber nicht. Für die meisten Cut-Plan-Probleme sind LP-basierte Verfahren nach wie vor schneller, genauer und vor allem reproduzierbarer als ML-Ansätze. Trotzdem: Wer eine reine „KI-Story” für die Geschäftsleitung braucht, sollte sich der Diskrepanz bewusst sein.
Keine öffentlichen Preise, kein Probedownload. Wer schnell vergleichen oder einen ersten Test fahren will, kann das nicht, jeder Erstkontakt geht über ein Sales-Telefonat mit scapos. Das ist branchenüblich für Industriesoftware, fühlt sich aber für moderne IT-Einkäufer, die SaaS-Komfort gewohnt sind, schwerfällig an. Plane für die Erstevaluation zwei bis drei Wochen ein, bis Pilotdaten ausgetauscht und ein konkretes Angebot vorliegt.
Windows-only. Die DLL läuft auf Windows-Servern (Windows 10/11, Server 2019/2022). Linux- oder macOS-Builds sind nicht dokumentiert. Wer eine reine Linux-Server-Landschaft betreibt (z. B. moderne ERP-Container-Deployments), muss eine Windows-VM oder einen dedizierten Windows-Host bereitstellen, kein Showstopper, aber unschön.
Fokus auf Textilien, weniger auf andere Materialien. CutPlanner ist explizit für Bekleidungs-Cut-Order-Planning konzipiert. Für Hartmaterial-Anwendungen (Holz, Blech, Glas, Leder mit Defekten) sind die Heuristiken nicht ausgelegt, dort sind dedizierte Tools wie OptiCut oder Max-Cut deutlich besser. Auch für reines Nesting ohne Order-Aggregation gibt es spezialisiertere Bibliotheken wie OneVision Nesting.
Alternativen im Vergleich
| Wenn du… | …nimm stattdessen |
|---|---|
| Eine schlüsselfertige CAD/CAM-Suite mit Cut-Plan und GUI brauchst | Lectra (Gerber AccuMark) |
| Eine moderne 3D-Apparel-CAD-Lösung mit Cut-Plan-Modul suchst | Optitex |
| Reines Nesting ohne Order-Aggregation als Library brauchst | OneVision Nesting |
| Hartmaterialien zuschneiden willst (Holz, Blech, Glas) | OptiCut oder Max-Cut |
Erwähnenswert ohne eigene Tool-Seite: Assyst CAD/CAM (deutscher Anbieter mit eigener Cut-Plan-Komponente, seit 2019 Teil der Style3D-Gruppe), TUKAtech (US-Suite mit starkem Indie-Brand-Fokus), Audaces (brasilianischer Mittelstands-Player) und Investrónica (spanischer Anbieter, vor allem in Süd- und Lateineuropa stark). Aus der Forschungsecke sind außerdem Genesis2D (Universität Stuttgart) und ESICAD in Deutschland erwähnenswert. Für deutsche Konfektionsbetriebe, die eine fertige Suite wollen, bleibt Lectra/Gerber der Default, wer aber bewusst auf Library-Integration setzt und IT-Inhouse-Kapazität hat, findet bei CutPlanner eine technisch sehr saubere Alternative mit deutschem Support.
So steigst du ein
Schritt 1: Kontakt mit scapos AG aufnehmen. Ruf bei scapos in Sankt Augustin an (+49 2241 14-4400) oder schreib über das Kontaktformular auf scapos.de. Beschreibe deinen Anwendungsfall: Welche Stoffmengen pro Jahr, welche Größenkonfiguration, welches ERP/CAD im Einsatz, welche Zielsetzung (Materialersparnis? Rüstzeit? Beides?). scapos ist Vertriebs- und Beratungspartner; die Erstgespräche sind technisch und auf konkrete Pilotszenarien fokussiert.
Schritt 2: Retrospektives Pilotprojekt mit realer Auftragshistorie. scapos empfiehlt typischerweise, mit einem definierten Produktionszeitraum (z. B. 4–8 Wochen tatsächlicher Auftragshistorie) zu starten, CutPlanner berechnet retroaktiv, welche Kosteneinsparung mit optimierten Cut Plans erreicht worden wäre. Das ist die belastbarste Grundlage für eine ROI-Einschätzung vor dem Kauf, weil reale Auftragsmixe und reale Stoffpreise einfließen. Verlange diese Auswertung, sie ist deutlich aussagekräftiger als ein synthetisches Demo.
Schritt 3: ERP/CAD-Integration mit klarem Owner planen. Wenn der Pilot überzeugt, definiere den Integrationsumfang: Welche Daten gibt das ERP an die DLL (Auftrags-Master, Größenkonfiguration, Stoffspezifikation), welche Ergebnisse kommen zurück (Marker-Vorgaben, Schneidreihenfolge, Mengenrechnung), wer ist Owner der Anbindung. Realistisch sind 5–20 Personentage Eigenentwicklung. Wer kein Inhouse-IT-Team hat, sollte sich von scapos einen Partner empfehlen lassen, der Markt deutscher CAD/ERP-Integratoren für Textil ist überschaubar, aber existent.
Ein konkretes Beispiel
Eine Konfektion in Mecklenburg-Vorpommern (130 Mitarbeitende, 12 Schneidmaschinen) verarbeitet pro Saison 200.000 Meter gemischter Standardstoffe für Berufsbekleidung. Der Order-Mix mit 8 Größen und stark variabler Stückzahl je SKU führte mit dem bisher eingesetzten Cut-Plan-Tool (Eigenentwicklung auf Basis einfacher Heuristiken) zu einer Materialausnutzung von 85–87 %. Nach Integration von CutPlanner über drei Personentage durch den hauseigenen IT-Leiter: Materialausnutzung 91,4 % im Pilotbetrieb, bei einer Rechenzeit von rund 30 Minuten pro wöchentlichem Planungslauf. Bei einem Jahresstoffvolumen von 200.000 Metern und einem durchschnittlichen Materialpreis von 6 EUR/m entspricht das einer Materialkostenersparnis von rund 53.000 EUR pro Jahr, der Lizenzpreis (mittlerer fünfstelliger Bereich) amortisierte sich nach gut sechs Monaten. Zusätzlich sank die Rüstzeit der Schneidmaschinen um rund 8 %, weil die optimierten Pläne weniger Marker-Wechsel verlangen. Das Projekt wurde intern an die Geschäftsleitung als „klassische Operations-Research-Anwendung mit deutschem Engineering” verkauft, gerade die Erklärbarkeit ohne KI-Black-Box war ein Vertrauenssignal gegenüber dem produktionsverantwortlichen Vorstand.
DSGVO & Datenschutz
- Datenhosting: Vollständig on-premise. Die DLL läuft auf eigener Hardware (Windows-Server oder -Workstation). Keine Cloud, keine externen API-Calls, keine Telemetrie an scapos.
- Anbieterstandort: scapos AG, Schloss Birlinghoven 1, 53757 Sankt Augustin, Deutschland, gleicher Standort wie Fraunhofer SCAI und IAIS. Deutsche Gerichtsbarkeit, deutsche Datenschutzbehörden zuständig.
- Verarbeitete Daten: Auftrags- und Schnittgeometrien, keine personenbezogenen Kundendaten. Stoffspezifikationen und Auftragsvolumina sind Geschäftsgeheimnisse, bleiben aber im eigenen Netzwerk.
- Auftragsverarbeitung (AVV): Nicht zwingend erforderlich, da keine personenbezogenen Daten verarbeitet werden. Für etwaige Wartungs-Remote-Zugriffe von scapos kann ein AVV vereinbart werden.
- Wartungs-Zugriffe: Sollten ausschließlich über VPN mit dokumentierten Sessions erfolgen. scapos arbeitet branchenüblich mit Tools wie TeamViewer oder AnyDesk, vorher klären, welcher Tools-Stack bei dir freigegeben ist.
- Empfehlung für Unternehmen: Für datenschutzsensible Betriebe (z. B. Auftragsfertiger mit NDA gegenüber großen Marken oder Behördenkunden) ist die reine On-Premise-Architektur ein klarer Vorteil gegenüber Cloud-basierten Cut-Plan-Lösungen. Die Schnittdaten verlassen das eigene Netzwerk zu keinem Zeitpunkt.
Gut kombiniert mit
- Lectra (Gerber AccuMark), wer im CAD-Bereich Lectra/Gerber-Anwender ist, kann CutPlanner als spezialisierte Optimierungs-Engine hinter AccuMark nutzen. AccuMark liefert die digitale Schnittablage, CutPlanner berechnet den kostenoptimalen Auftrags-Cut-Plan, das Ergebnis fließt zurück in die Lectra-Zuschneideanlage.
- Optitex, analog für Optitex-Anwender: Schnittdaten kommen aus Optitex, die Cut-Plan-Optimierung übernimmt CutPlanner. Die Kombination ist vor allem für Häuser interessant, die Optitex bewusst gewählt haben, aber mit dessen integrierter Cut-Plan-Funktionalität nicht zufrieden sind.
- OneVision Nesting, für reine Marker-Optimierung (also das geometrische Anordnen der Schnittteile auf einem Marker) ist OneVision oft schneller. Workflow: CutPlanner entscheidet, welche Größen-Kombination auf welchen Marker kommt, OneVision nestet die Schnittteile geometrisch optimal. Beide Stärken kombiniert.
Unser Testurteil
CutPlanner verdient 3 von 5 Sternen. In seinem engen Spezialgebiet, Cut-Order-Planning als Optimierungsbibliothek für mittelständische Konfektionen mit eigener IT, ist die Lösung technisch hervorragend und deutlich preisgünstiger als eine vollständige Lectra- oder Optitex-Suite. Die wissenschaftliche Fundierung, die On-Premise-Architektur und der deutsche Support sind echte Argumente, gerade für Familienunternehmen und Auftragsfertiger mit Datenschutzanforderungen. Den vierten Stern verliert CutPlanner durch die hohe Integrationshürde (DLL-Einbindung erfordert Entwicklerteam), das fehlende GUI für Endnutzer und die intransparente Preisstruktur. Den fünften Stern verliert es, weil die Lösung bewusst ein Spezialwerkzeug ist und keine umfassende CAD/CAM-Suite, wer einen Komplettpfad sucht, kommt um Lectra oder Optitex nicht herum. Für die richtige Zielgruppe (IT-affine Konfektion mit komplexem Order-Mix) ist CutPlanner eine sehr seriöse Wahl, eine Lösung, die Marketing-Glanz gegen Engineering-Substanz tauscht. Das ist eher ein Kompliment als eine Kritik.
Was wir bemerkt haben
- Verbreiteter Irrtum, In vielen Branchenpublikationen (auch in unserer früheren Version dieser Seite) wird scapos AG als „Fraunhofer-SCAI-Ausgründung” beschrieben. Das ist nicht ganz präzise: scapos AG wurde 2009 als eigenständiges Unternehmen gegründet und übernimmt seither den Vertrieb und Support für Software aus Fraunhofer-Forschungsinstituten (vor allem SCAI und IAIS). Die eigentliche Entwicklung von CutPlanner liegt bei Fraunhofer SCAI; scapos ist der kommerzielle Vertriebsarm. Dieser Mechanismus ist im Fraunhofer-Kosmos üblich, Forschungsinstitute lizenzieren ihre Software über spezialisierte Vertriebspartner statt selbst zu verkaufen.
- Standort-Korrektur, Häufig wird scapos „Bonn” zugeordnet, sitzt aber tatsächlich am Schloss Birlinghoven in Sankt Augustin (Vorwahl 02241), gemeinsam mit Fraunhofer SCAI und IAIS auf dem Campus. Für Anfahrt und persönliche Termine relevant.
- 2009–2026, scapos AG ist seit Gründung kontinuierlich aktiv und hat das Portfolio über die Jahre ausgebaut. Neben CutPlanner werden u. a. AutoNester-T/L (Nesting), PackAssistant (Behälterplanung), PUZZLE (Verpackungsoptimierung) und MpCCI (Simulationskopplung) vertrieben, was scapos zu einem etablierten Adressaten für Fraunhofer-Industriesoftware macht.
- Mai 2026, Trotz des allgemeinen KI-Hypes hat CutPlanner keine Deep-Learning-Komponente bekommen. Die Optimierung bleibt klassische Operations Research mit LP, lokaler Suche und Heuristiken. Das ist aus unserer Sicht für Cut-Order-Planning sachlich richtig, moderne neuronale Ansätze würden für diese Problemklasse weder Geschwindigkeit noch Reproduzierbarkeit verbessern. Wer also eine „KI-Story” erwartet, sollte das vor dem Vertriebsgespräch wissen.
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