Dieses Tool wird nicht mehr empfohlen
Klassische Literaturverwaltung ohne nennenswerte KI-Funktionen, folgt redaktioneller Linie von LimeSurvey, OpenRefine, North Data. Wer KI-gestützte Literaturrecherche sucht, ist mit /tools/elicit/, /tools/scholarcy/ oder /tools/notebooklm/ besser bedient. Bleibt aus historischen Gründen erreichbar.
Citavi
Lumivero (vormals Swiss Academic Software)
Klassische Literaturverwaltung mit tiefer Verankerung an deutschsprachigen Hochschulen. Seit 2021 unter Lumivero (vormals QSR International), seit 2024 mit einem schmalen AI-Assistant für Artikel- und Absatz-Zusammenfassungen. Der Kern bleibt rule-basiertes Zitations-Management, wer KI-gestützte Recherche sucht, ist mit Elicit, NotebookLM oder Scholarcy besser bedient.
Kosten: Einzellizenzen über den Lumivero-Shop (Preise nicht öffentlich gelistet); Organisations- und Campuslizenzen auf Anfrage; viele deutsche Hochschulen stellen weiterhin Campuslizenzen kostenlos bereit
Stärken
- Tiefes Zitations-Know-how, generiert Bibliografien korrekt nach APA, Chicago, Harvard, MLA und vielen DACH-spezifischen Hochschulrichtlinien
- Word-Integration auf Windows, zitierte Quellen erscheinen direkt in Fuß- oder Endnoten, Bibliografie aktualisiert sich automatisch
- Hohe Hochschul-Durchdringung im DACH-Raum, viele Universitäten stellen Campuslizenzen kostenfrei bereit
- Daten liegen lokal oder im Citavi-Cloud-Server (deutsche Rechenzentren), DSGVO-konforme Speicherung
- Wissenstransfer von Quelle ins Manuskript, Zitate, Notizen und Gliederung in einem Tool
Einschränkungen
- AI-Funktionen sind aufgesetzt, nicht Kern, nur Zusammenfassungen einzelner Artikel/Absätze, keine semantische Suche, keine KI-gestützte Literaturrecherche
- Nur Windows-Desktop, kein nativer Mac-Client, Web-Version eingeschränkt
- Pricing intransparent, seit der Lumivero-Übernahme keine öffentlichen Preise mehr auf der Produktseite
- Domain citavi.com leitet auf lumivero.com um, die eigenständige Marke ist faktisch im Konzern aufgegangen
- Für reine Literaturverwaltung ist Zotero kostenlos und plattformübergreifend; für KI-gestützte Recherche sind Elicit oder NotebookLM die spezialisierteren Werkzeuge
Passt gut zu
Kurzfazit
Citavi ist ein solider, klassischer Literaturmanager mit jahrzehntelanger Tradition an deutschsprachigen Hochschulen, aber kein KI-Werkzeug im engeren Sinne. Seit der Übernahme durch Lumivero 2021 wurden zwar AI-Funktionen ergänzt (Artikel- und Absatz-Zusammenfassungen über einen integrierten Assistant), der Produktkern bleibt jedoch rule-basiertes Zitieren und Bibliografie-Generierung. Wir führen Citavi auf KI-Syndikat nicht mehr als aktive Empfehlung, wer reine Quellenverwaltung sucht, fährt mit dem kostenlosen Zotero meist besser; wer KI-gestützte Literaturrecherche braucht, nimmt Elicit, NotebookLM oder Scholarcy.
Warum wir Citavi deprecated haben
Wir kuratieren KI-Tools, keine generelle Forschungssoftware. Citavis Wert liegt fast vollständig in nicht-KI-Kompetenz: korrekte Zitate, Word-Plugin, Projektstruktur, Bibliografie-Generierung. Die 2024 ergänzten AI-Funktionen (“AI Key Insights” für Artikelübersichten, “AI Passage Summaries” für Absatz-Zusammenfassungen) sind nützlich, aber konzeptionell ein aufgesetztes Feature, kein Kernversprechen. Vergleichbare KI-Wrapper finden sich heute in praktisch jedem PDF-Reader.
Das gleiche redaktionelle Muster haben wir bereits auf LimeSurvey, OpenRefine und North Data angewendet: starke Werkzeuge ihrer Klasse, aber kein hinreichender KI-Anteil, um sie als KI-Tool zu führen.
Citavi bleibt aus historischen Gründen unter dieser URL erreichbar, taucht aber nicht mehr in unseren aktiven Empfehlungen, Sitemaps oder Vergleichstabellen auf.
Für wen Citavi trotzdem noch sinnvoll ist
Wenn deine Hochschule eine Citavi-Campuslizenz stellt: Dann ist Citavi schlicht das Werkzeug, mit dem dein Umfeld arbeitet, dein Lehrstuhl Vorlagen pflegt und der wissenschaftliche Support helfen kann. Pragmatisch: nutzen.
Wenn du bereits große Citavi-Projekte führst: Ein Migrationspfad zu Zotero existiert (Export als BibTeX oder RIS), kostet aber Zeit. Bestehende Projekte kannst du in Citavi unbedenklich zu Ende bringen, die Software wird weiter gepflegt.
Wenn du sehr spezifische deutschsprachige Zitierrichtlinien brauchst: Citavi hat hier traditionell die beste Abdeckung, die Hamburger Promotionsordnung, Schweizer Universitäts-Standards, deutsche Fachzeitschriften-Stile sind oft nur in Citavi vollständig sauber abgebildet.
Weniger geeignet für: Mac-Nutzer (kein nativer Client), KI-gestützte Literaturrecherche (Elicit, NotebookLM sind hier deutlich überlegen), kollaborative Recherche-Teams (Zotero und Paperpile sind hier ausgereifter), neue Projekte, bei denen Plattformfreiheit und Zukunftssicherheit wichtig sind.
Was Citavi tatsächlich kann (und was nicht)
Kann Citavi gut:
- Zitate in Word einfügen, Bibliografie automatisch generieren, Stile wechseln
- Quellen mit Tags, Kategorien und Notizen organisieren
- PDFs annotieren und Zitate aus Markierungen extrahieren
- Aufgaben und Wissensstand pro Quelle tracken (klassisches Citavi-Stärkefeld)
- Daten lokal speichern oder in deutsche Cloud syncen
Kann Citavi mit AI-Assistant (seit 2024):
- Einzelne PDF-Artikel zusammenfassen (“AI Key Insights”)
- Absätze und Textpassagen verkürzen (“AI Passage Summaries”)
Kann Citavi nicht (im Gegensatz zu spezialisierten KI-Tools):
- Semantische Suche über die eigene Bibliothek (NotebookLM, Elicit)
- KI-gestützte Literaturrecherche über externe Datenbanken (Elicit, Scite)
- Automatische Datenextraktion aus Studienpopulationen, Methoden, Ergebnissen (Elicit, Scholarcy)
- Citation-Smart-Search mit Kontext (Scite)
- Multi-Dokument-Cross-Referenzierung mit KI-Antworten (NotebookLM)
Bessere Alternativen, nach Anwendungsfall
Wenn du KI-gestützte Literaturrecherche willst
| Tool | Warum statt Citavi |
|---|---|
| Elicit | Semantische Suche über 125 Mio. Paper, automatische Datenextraktion (Methoden, Sample-Größen, Ergebnisse), das, was Citavi bewusst nicht macht |
| NotebookLM | Lade deine PDF-Sammlung hoch, stelle natürlichsprachliche Fragen über deinen gesamten Korpus, kostenlos, bessere KI-Tiefe als Citavis Assistant |
| Scite | KI-gestützte Citation-Analyse: zeigt, ob ein Paper unterstützend, kritisch oder neutral zitiert wird, Kontext, den Citavi nicht liefert |
Scholarcy bietet zudem schnelle Article-Cards mit KI-Zusammenfassungen, ähnlich Citavis AI Key Insights, aber als Kernprodukt statt Add-on.
Wenn du nur Literatur verwalten willst (ohne KI)
| Tool | Warum statt Citavi |
|---|---|
| Zotero | Kostenlos, Open-Source, plattformübergreifend (Mac/Win/Linux), aktive Community, große Stilbibliothek, der De-facto-Standard für klassische Zitationsverwaltung |
EndNote bleibt für sehr große medizinische Bibliotheken eine Option, ist aber teurer als Citavi und ohne KI-Mehrwert. Mendeley wird von Elsevier nur noch eingeschränkt gepflegt, keine echte Empfehlung mehr.
Migrationspfad weg von Citavi
Schritt 1: Exportiere dein Citavi-Projekt als BibTeX oder RIS-Datei (Datei → Exportieren → BibTeX). Beide Formate werden von Zotero, Elicit und den meisten Reference-Managern verstanden.
Schritt 2: Importiere in das Zielwerkzeug. Bei Zotero: “Datei → Importieren”. Bei Elicit/NotebookLM: lade die zugehörigen PDFs separat hoch, diese Tools arbeiten dokumentzentriert, nicht metadatenzentriert.
Schritt 3: Word-Integration neu aufbauen. Zotero hat ein eigenes Word-Plugin mit ähnlichem Funktionsumfang. Bei Wechsel mitten im Projekt: Citavi-Zitate über die Word-Funktion “Felder in Text umwandeln” einfrieren, dann mit dem neuen Tool weiterzitieren.
Datenschutz & Hosting
- Hosting: Citavi-Daten liegen lokal oder in der Citavi-Cloud auf Servern in Deutschland, das ist und bleibt eine Stärke gegenüber US-basierten Konkurrenten.
- AI-Features: Bei Nutzung des AI-Assistants werden Textinhalte an einen LLM-Anbieter weitergeleitet, Lumivero macht zur konkreten Implementierung wenig öffentlich. Für sensible unveröffentlichte Forschungsdaten Vorsicht angebracht.
- DSGVO: Auftragsverarbeitungsverträge sind über Lumivero erhältlich, bei Hochschullizenzen meist über die Universitätsverwaltung geregelt.
- Eigentümer: Lumivero (US-Unternehmen, vormals QSR International, Sitz Denver/Colorado). Die Schweizer Wurzeln (Swiss Academic Software) sind formell Geschichte.
Was wir bemerkt haben
- 2021, Swiss Academic Software (Citavi-Hersteller) wurde von QSR International übernommen, dem Anbieter der qualitativen Analyse-Software NVivo.
- 2022, QSR International firmiert in Lumivero um, Citavi wird Teil des Lumivero-Produktportfolios neben NVivo und XLSTAT.
- 2024, Einführung des Citavi AI Assistant mit “AI Key Insights” (Artikel-Zusammenfassungen) und “AI Passage Summaries” (Absatz-Zusammenfassungen). Erste echte KI-Features im Produkt, funktional, aber konzeptionell ein Add-on.
- Mai 2026, Die Domain
citavi.comleitet inzwischen per 301 auflumivero.com/products/citavi/um. Eigene Marken-Präsenz ist faktisch in den Konzern aufgegangen. - Mai 2026, Wir setzen Citavi auf
deprecated. Begründung: kein hinreichender KI-Anteil, parallele redaktionelle Linie zu LimeSurvey, OpenRefine, North Data. Bestehende Citavi-Nutzer werden weiterhin gut bedient, neue KI-orientierte Recherche-Workflows starten besser bei Elicit, NotebookLM oder Scholarcy.
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