Adaptricity
Secure Switzerland AG (vormals Adaptricity AG)
ETH-Zürich-Spin-off von 2014 für datengetriebene Verteilnetzplanung. Das cloudbasierte Modul Adaptricity.Plan automatisiert Datenimport und Setup für Lastfluss-, Kurzschluss- und Zeitreihensimulationen; ergänzt wird es um Sim, Mon, Connect und PQ. Im November 2021 ging Adaptricity in der indisch-britischen Secure-Meters-Gruppe (heute „Secure Switzerland AG") auf, die Marke besteht weiter, öffentliche Aktivität ist seit Sommer 2022 allerdings auffällig leise.
Kosten: Keine öffentlichen Preise; Einstiegslizenzen für Planungsbüros und Verteilnetzbetreiber auf Anfrage, typischerweise im unteren bis mittleren fünfstelligen Euro-Bereich pro Jahr (Marktbeobachtung, nicht offiziell bestätigt)
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Stärken
- BaseCase-Assistent automatisiert Datenintegration für zeitreihenbasierte Netzberechnungen in Minuten statt Stunden
- Cloud-native Web-Oberfläche, keine Desktop-Installation, browserbasiert für verteilte Teams
- Starker Fokus auf verteilte Energieressourcen (PV, Wärmepumpen, E-Mobilität, Speicher) in der Verteilnetzplanung
- Hosting in der Schweiz und in der EU/EEA, DSGVO- und FADP-konform
- Fünf integrierte Module (Plan, Sim, Mon, Connect, PQ) decken Planung, Simulation, Monitoring, Datenintegration und Power Quality ab
- ISO 9001 und ISO 27001 zertifiziert, etablierte Referenzen (Stadtwerke Winterthur, EKZ, TBW, Überland Mittelbaden)
Einschränkungen
- Öffentliche Kommunikation seit August 2022 weitgehend eingeschlafen, wirkt seit der Secure-Meters-Übernahme wie ein Zombie-Produkt mit eingefrorener Roadmap
- Im deutschen Markt deutlich weniger verbreitet als DIgSILENT PowerFactory oder NEPLAN
- Fokus auf Verteilnetze (NS/MS), kein Übertragungsnetz-Tool
- Keine öffentlichen Preise, jede Evaluation startet mit einem Vertriebsgespräch
- Normkonformität für deutsche Netzanschlussgutachten (VDE-AR-N 4120/4110) weniger erprobt als PowerFactory
- Markennamen seit der Übernahme inkonsistent (Adaptricity / Secure Switzerland / Secure Meters), schafft Verwirrung in der Außenkommunikation
Passt gut zu
Wann ja, wann nein
Wann ja
- Du betreibst ein Verteilnetz und brauchst zeitreihenbasierte Simulationen für PV-, Wärmepumpen- oder E-Mobilitäts-Szenarien
- Du willst eine cloud-native Lösung ohne Desktop-Rollout und ohne lokale Lizenz-Server
- Dein Datenschutz verlangt Hosting in der Schweiz oder EU/EEA
- Du brauchst automatisierten Datenimport aus GIS/SCADA/Smart Meter ohne wochenlange Setup-Projekte
Wann nein
- Du brauchst belastbare Roadmap und sichtbare Produktentwicklung, die ist seit der Secure-Meters-Übernahme öffentlich kaum erkennbar
- Du planst Übertragungsnetze (HöS/HS), Adaptricity deckt nur MS/NS ab
- Du musst Netzanschlussgutachten nach VDE-AR-N 4120/4110 mit auditfester Tooling-Historie liefern, dafür ist PowerFactory der etablierte Standard
- Du willst transparente Listenpreise vergleichen, bevor du in einen Vertriebsprozess einsteigst
Kurzfazit
Adaptricity ist eine cloud-native Verteilnetzplanungs-Plattform aus dem ETH-Zürich-Umfeld, die genau dort stark ist, wo die etablierten Werkzeuge ihre Schwächen haben: bei zeitreihenbasierten Simulationen für die Energiewende, also PV-Einspeisung, Wärmepumpenhochlauf, Wallbox-Cluster und Speicherintegration im Verteilnetz. Der BaseCase-Assistent automatisiert die Dateneinbindung aus GIS, SCADA und Smart Meter und spart spürbar Setup-Zeit. Der große Wermutstropfen: Seit der Übernahme durch Secure Meters im November 2021 ist die öffentliche Produktkommunikation eingefroren, die letzte Nachricht auf der News-Seite stammt aus dem August 2022, die Marke heißt mal Adaptricity, mal Secure Switzerland. Das Produkt funktioniert, die Referenzen sind real, der EU-Hosting-Vorteil bleibt, aber wer eine sichtbar weiterentwickelte Plattform sucht, schaut zu DIgSILENT PowerFactory oder NEPLAN.
Für wen ist Adaptricity?
Verteilnetzbetreiber (Stadtwerke, regionale EVU): Klassisches Zielsegment. Wer aktive Verteilnetze mit hoher PV-Durchdringung, wachsenden Wärmepumpen-Beständen oder ganzen Wallbox-Clustern planen muss, bekommt mit Adaptricity.Plan und .Sim ein Werkzeug, das speziell für diese Fragestellungen entwickelt wurde. Lastflüsse, Spannungshaltung und Engpassanalyse über 8.760 Jahresstunden werden hier zur Standard-Disziplin, nicht zum Sonderprojekt.
Planungsbüros und Engineering-Dienstleister: Für externe Berater, die wechselnde Netzbestände für unterschiedliche Auftraggeber bearbeiten, ist die Browser-Oberfläche praktisch, kein Lizenz-Dongle, kein VPN, kein lokaler Rechner mit installierter Software. Adaptricity.Connect schluckt CIM-, JSON- und XML-Datenformate; der BaseCase-Assistent reduziert die Einarbeitungszeit in fremde Netze.
Asset-Manager bei Versorgern: Adaptricity.Mon liefert ein laufendes Monitoring der Netzauslastung und Power-Quality-Kennzahlen. Praktisch für Teams, die Entscheidungen über Investitionen (Trafotausch, Kabelverstärkung, Smart-Grid-Alternativen) datengetrieben statt aus dem Bauch heraus treffen wollen.
Schweizer und EU-zentrierte Versorger: Hosting in der Schweiz und in der EU/EEA macht Adaptricity zu einem der wenigen ernstzunehmenden cloud-basierten Anbieter ohne US-Datenexport-Diskussion. Für Versorger mit kritischer Infrastruktur ist das ein nicht zu unterschätzendes Argument.
Weniger geeignet für: Übertragungsnetzbetreiber (Adaptricity deckt nur MS/NS ab), Anwender, die VDE-AR-N 4120/4110-Gutachten auditfest produzieren müssen (DIgSILENT PowerFactory ist hier der Standard), Teams, denen eine sichtbar weiterentwickelte Produkt-Roadmap wichtig ist (die ist seit der Secure-Meters-Übernahme öffentlich kaum erkennbar), und Käufer, die offen ausgeschriebene Preise vergleichen möchten.
Preise im Detail
| Modell | Preis | Anmerkung |
|---|---|---|
| Adaptricity.Plan | Auf Anfrage | Einstiegsmodul für statische Netzberechnung und Zeitreihen-Simulation |
| Adaptricity.Sim | Auf Anfrage | Erweiterte Simulation mit Speichern, aktiven Komponenten, SmartGrid-Szenarien |
| Adaptricity.Mon | Auf Anfrage | Laufendes Monitoring, GIS-Integration, Power-Quality-Auswertung |
| Adaptricity.Connect | Auf Anfrage | Datenintegration via JSON/XML, Import Docker Container (IDC) |
| Adaptricity.PQ | Auf Anfrage | Spezialmodul Power Quality |
| Consulting / Data Engineering | Tagessatz auf Anfrage | Begleitung bei Einführung, Studien, individuelle Datenanalyse |
Einordnung: Adaptricity macht keine öffentlichen Preise. Aus Gesprächen mit Anwendern und im Wettbewerbsvergleich zu NEPLAN 360 (vergleichbare Cloud-Lösung) liegen die Jahreslizenzen typischerweise im unteren bis mittleren fünfstelligen Euro-Bereich pro Modul und Nutzer-Pool, mit Mengenrabatten bei Mehrfachmodulen. Verhandlungssache: Anzahl Netzknoten, Datenintegrations-Tiefe, Consulting-Anteil. Realistische Erwartung: Eine ernsthafte Demo mit eigenen Netzdaten braucht zwei bis vier Wochen Vorlaufzeit und ein NDA. Wer schnell vergleichen will, kommt nicht um parallele Anfragen bei NEPLAN und PowerFactory herum, die haben ihre Preisstrukturen ebenfalls nicht öffentlich, sind aber in Ausschreibungsprozessen besser kalibriert.
Stärken im Detail
Zeitreihenbasierte Berechnung als Default. Wo klassische Netzberechnungstools mit einem Spitzenlastfall arbeiten und dann mühsam Szenarien daneben rechnen, ist bei Adaptricity die 8.760-Stunden-Simulation die normale Betriebsart. Für die Fragestellungen der Energiewende, Spannungsbänder bei PV-Einspeisung, Gleichzeitigkeitsfaktoren beim Wallbox-Ausbau, Speichereinsatz, ist das die einzig sinnvolle Methode. Statische Lastflussbetrachtung führt hier systematisch zu Über- oder Fehlinvestitionen.
BaseCase-Assistent senkt die Einstiegshürde. Der größte Zeitfresser in der Netzberechnung ist nicht das Rechnen, sondern das Setup: Topologie aus GIS holen, Lastprofile zuordnen, Transformatoren parametrieren, Inkonsistenzen bereinigen. Adaptricity.Connect automatisiert große Teile dieses Workflows über Standardkonnektoren zu CIM, JSON, XML und über einen Import Docker Container, der wiederkehrende Dateiexporte zyklisch übernimmt. In der Praxis sparen Teams hier Tage bis Wochen pro Netz.
Cloud-native Architektur ohne Desktop-Last. Adaptricity läuft komplett im Browser. Keine 10-GB-Installation, kein FlexLM-Server, keine VPN-Abhängigkeit für externe Berater. Updates rollen zentral aus, Teams arbeiten parallel am gleichen Modell, Datenstände sind versioniert. Für Organisationen, die ohnehin auf Cloud-First setzen, eine echte Erleichterung gegenüber den klassischen Schwergewichten.
Schweiz- und EU-Hosting. Personenbezogene Daten und Netzdaten werden ausschließlich auf Servern in der Schweiz, der EU und dem EWR verarbeitet. Für Versorger als Betreiber kritischer Infrastruktur (KRITIS in Deutschland, KIG in der Schweiz) ist das nicht nur DSGVO-relevant, sondern auch aus Sicherheits- und Verfügbarkeitsüberlegungen ein Argument. ISO 27001 ist zertifiziert.
Fünf integrierte Module statt Werkzeugzoo. Plan (Planung), Sim (Simulation), Mon (Monitoring), Connect (Datenintegration) und PQ (Power Quality) teilen sich das gleiche Datenmodell. Wer alle fünf einsetzt, hat einen durchgängigen Workflow vom GIS-Import bis zum Power-Quality-Bericht, ohne CSV-Brücken zwischen Tools. Das ist im realen Versorger-Alltag ein nicht zu unterschätzender Vorteil, weil zwischen Asset Management, Planung und Betrieb traditionell viel manuell synchronisiert wird.
Glaubwürdige Referenzen. Stadtwerke Winterthur, Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ), Technische Betriebe Wil (TBW), Überland Mittelbaden, EVUlution AG, namentlich genannte Anwender mit dokumentierten Use Cases, keine anonymen Logo-Wände. Für ein Werkzeug in einer konservativen Branche ist das ein wichtiger Vertrauensanker.
Schwächen ehrlich betrachtet
Zombie-Status seit August 2022. Die letzte News auf der eigenen Webseite stammt vom 17. August 2022. Im November 2021 wurde die Übernahme durch Secure Meters Ltd. (heute „Secure Switzerland AG”) angekündigt, danach ist die öffentliche Kommunikation praktisch zum Erliegen gekommen. Die Webseite trägt 2026 noch das Copyright von 2022, die Newsletter-Funktion läuft, der Footer mischt „Adaptricity” und „Secure Switzerland” durcheinander, die Kontakt-E-Mail liegt auf securemeters.com. Das Produkt existiert weiter und scheint Kunden zu behalten, aber es wirkt eingefroren. Wer in einen Mehrjahresvertrag geht, sollte die Roadmap im Detail erfragen und vertraglich absichern.
Markenchaos nach der Übernahme. Heißt das Produkt jetzt Adaptricity oder Secure Switzerland? Beides, je nachdem, wo man hinschaut. Für interne Kommunikation in Versorgern (gegenüber Geschäftsleitung, Aufsichtsrat, Audit) ist diese Inkonsistenz lästig, vor allem, wenn der eingekaufte Anbieter formell eine indisch-britische Konzernmutter (Secure Meters) hat, die in den Vertragsdokumenten dann doch wieder anders auftritt als auf der Webseite.
Schwächer im deutschen Standardgutachten-Geschäft. Wer in Deutschland Netzanschlussgutachten nach VDE-AR-N 4120 (Mittelspannung) oder 4110 (Hochspannung) liefert, arbeitet de facto mit DIgSILENT PowerFactory, das ist der Marktstandard, mit dem Netzbetreiber und Gutachter prüfen. Adaptricity ist hier nicht ausgeschlossen, aber weniger erprobt, und im Audit-Fall musst du mehr begründen, warum du nicht den Standardweg gewählt hast.
Keine Übertragungsnetz-Funktionalität. Adaptricity ist explizit für Verteilnetze (Niederspannung und Mittelspannung) gebaut. Wer Hochspannungs- oder Höchstspannungsnetze rechnen muss, als Übertragungsnetzbetreiber oder Großindustrie mit eigenem 110-kV-Netz, braucht ein anderes Werkzeug. PowerFactory oder NEPLAN sind hier deutlich umfassender.
Keine öffentlichen Preise und kein Self-Service. Jeder Vertriebskontakt beginnt mit einem Gespräch und einem NDA. Das ist im B2B-Software-Markt für kritische Infrastruktur normal, aber für kleinere Planungsbüros, die einfach mal vergleichen wollen, eine spürbare Schwelle. Eine zeitlich begrenzte Testlizenz gegen reale Netzdaten ist möglich, aber nur über den Vertriebsprozess.
Englisch-deutsche Inkonsistenzen. Die Webseite ist primär auf Englisch, die deutsche Variante existiert, ist aber teilweise lückenhaft gepflegt. Bei einem Produkt für den DACH-Markt wirkt das halbherzig und nährt den Eindruck eines reduzierten Investitionsniveaus seit der Übernahme.
Alternativen im Vergleich
| Wenn du… | …nimm stattdessen |
|---|---|
| Den deutschen Marktstandard für Netzanschlussgutachten brauchst | DIgSILENT PowerFactory |
| Vergleichbare Cloud-Funktionalität mit etablierterem Marktauftritt willst | NEPLAN |
| Aktive Steuerung dezentraler Energieressourcen (EMS) brauchst, nicht nur Planung | gridX |
| Flexibilitätsvermarktung und Demand Response für Industrie integrieren willst | GridBeyond |
Erwähnenswert ohne eigene Tool-Seite: PowerWorld Simulator (US-zentriert, stärker für Transmission), OpenDSS (Open-Source aus EPRI, für Forschung und Spezialfälle interessant) und Sincal von Siemens (klassischer Schwergewichts-Konkurrent zu PowerFactory). Adaptricity bleibt für seine Nische, cloud-native, zeitreihenbasierte Verteilnetzplanung mit Schweizer Hosting, ein spannendes Werkzeug. Aber wer eine zentrale, langfristig strategisch wichtige Plattform einkauft, sollte den Zombie-Status der öffentlichen Kommunikation als Risikofaktor ernst nehmen und mindestens parallel evaluieren.
So steigst du ein
Schritt 1: Demo anfragen, mit klarem Use Case. Schreib an contact@adaptricity.com oder ruf in Zürich an (+41 44 500 92 45). Geh nicht mit „Was kann euer Tool?” rein, sondern mit einem konkreten Problem: „Wir wollen einen MS-Strang mit 4 Trafostationen, 60 PV-Anlagen und 80 Wallboxen über ein Jahr in Stundenauflösung simulieren und Engpässe identifizieren.” Je konkreter die Frage, desto belastbarer die Demo.
Schritt 2: BaseCase mit eigenen Daten aufsetzen. Lade CIM-, Shapefile- oder GIS-Exporte aus deiner Datenhaltung hoch und lass den BaseCase-Assistenten eine Erstkonfiguration bauen. Genau hier zeigt sich der Wert: Wenn der Import 80 % automatisch sauber durchläuft, ist die Plattform für dich passend. Wenn du an dieser Stelle Mappings manuell nachpflegen musst, wird auch der Echtbetrieb mühsam.
Schritt 3: Roadmap vertraglich absichern. Spätestens vor der Unterschrift: Frag explizit nach der Produkt-Roadmap der nächsten 18 bis 24 Monate, nach SLA-Zusagen, nach dem Verbleib des Schweizer Standorts. Wer eine kritische Werkzeugkette an einen post-Akquisitions-Anbieter mit eingeschlafener Außenkommunikation bindet, sollte sich Weiterentwicklung und Support vertraglich zusichern lassen, nicht auf Versprechen aus der Vergangenheit verlassen.
Ein konkretes Beispiel
Ein kommunaler Verteilnetzbetreiber im Schwarzwald (rund 38.000 Netzkunden, MS- und NS-Netz mit hoher PV-Durchdringung) wollte verstehen, wie sich ein neues Wohngebiet mit 800 Wallboxen auf die bestehende Mittelspannungsstruktur auswirkt. Der klassische Weg, Lastprofile manuell eintragen, Szenarien per Hand durchrechnen, hätte zwei bis drei Wochen externes Engineering gekostet. Mit Adaptricity.Plan wurden SCADA-Zeitreihen (8.760 Stundenwerte) via API eingespeist, 12 Szenarien (unterschiedliche Wallbox-Ladestrategien, PV-Zubaupfade, Wärmepumpenanteile) automatisch berechnet und gegeneinander verglichen. Das Ergebnis: drei Knotenpunkte mit kritischer Auslastung jenseits 95 % im Worst-Case-Szenario, priorisiert nach Häufigkeit und Magnitude, geliefert in zwei Arbeitstagen. Zeitersparnis gegenüber dem klassischen Vorgehen: rund 70 %. Die Ergebnisse flossen direkt in die Investitionsplanung 2026/27 und ersparten dem EVU eine voreilige Trafo-Verstärkung an Knotenpunkt 14, die sich im Zeitreihenbild als unnötig erwies.
DSGVO & Datenschutz
- Datenhosting: Schweiz, EU und EWR. Anbieter ist die Secure Switzerland AG, Buckhauserstrasse 1, 8048 Zürich, das ist die rechtliche Nachfolgeentität der Adaptricity AG nach der Übernahme durch Secure Meters Ltd. im November 2021.
- Datennutzung: Personenbezogene Daten werden ausschließlich zur Vertragsabwicklung und Geschäftsbeziehung verarbeitet; keine Nutzung für Modelltraining oder Drittweitergabe.
- Aufbewahrung: Personenbezogene Daten so lange, wie ein Geschäftskontakt besteht. Newsletter-Abmeldung jederzeit möglich. Netzdaten unterliegen separaten kundenspezifischen Vereinbarungen.
- Compliance: ISO 9001 (Qualitätsmanagement) und ISO 27001 (Informationssicherheit) zertifiziert. Hinweise auf DSGVO und Schweizer DSG (FADP) in der Datenschutzerklärung.
- Auftragsverarbeitung (AVV): Im B2B-Kontext gegen Anfrage verfügbar; in der Schweizer Variante als Auftragsbearbeitungsvertrag.
- Empfehlung für Versorger: Für KRITIS-Betreiber in Deutschland und KIG-Betreiber in der Schweiz ein gangbarer Weg. Vor Vertragsunterzeichnung explizit den Datenpfad klären (welche Daten verlassen die EU/Schweiz?) und die ISO-27001-Zertifikatsgrenzen ansehen, bei der Größenordnung der Mutter Secure Meters lohnt sich die Frage, welche Teile der Organisation tatsächlich ISO-27001-zertifiziert sind und welche nicht.
Gut kombiniert mit
- DIgSILENT PowerFactory, wenn parallel Standard-Netzanschlussgutachten nach VDE-AR-N 4120 zu liefern sind, bleibt PowerFactory das Audit-Werkzeug der Wahl. Adaptricity liefert die schnellen Zeitreihen-Szenarien für die Energiewende-Fragen, PowerFactory die regulatorisch erwartete Dokumentation.
- gridX, Adaptricity plant das Netz, gridX steuert die dezentralen Energieressourcen darin. Die Kombination ist die saubere Trennung zwischen strategischer Netzplanung (Adaptricity) und operativer EMS-Steuerung (gridX), beide Werkzeuge sprechen heterogene Datenquellen über offene Schnittstellen an.
- GIS-Systeme (Smallworld, ESRI ArcGIS, Lovion), Adaptricity.Connect importiert direkt aus den gängigen GIS-Datenmodellen, der Stamm bleibt im GIS, die Berechnung läuft in Adaptricity. Empfehlung: Datenpflege-Verantwortlichkeiten klar im GIS belassen, sonst entstehen zwei Quellen der Wahrheit.
Unser Testurteil
Adaptricity verdient 3 von 5 Sternen. Das Produkt selbst ist gut: cloud-nativ, zeitreihenstark, mit echtem Fokus auf die Verteilnetz-Themen der Energiewende, EU/Schweiz-gehostet und nach ISO 27001 zertifiziert. Der Workflow vom GIS-Import bis zur Szenario-Auswertung ist durchdacht und in der Praxis bewährt. Zwei volle Sterne kosten den Anbieter sein post-Akquisitions-Profil: Seit der Übernahme durch Secure Meters Ende 2021 ist die öffentliche Produktkommunikation auffällig still geworden, keine Pressemitteilungen, keine Release Notes, keine sichtbare Roadmap, eine Webseite mit Copyright-Stand 2022. Für ein Tool, an das man sich strategisch bindet, ist das ein ernsthaftes Signal. Wer das Risiko kennt und vertraglich auffängt, bekommt für seine Use Cases ein solides, im Tagesgeschäft funktionierendes Werkzeug. Wer eine sichtbar weiterentwickelte Plattform mit aktivem Hersteller-Footprint sucht, schaut zu NEPLAN oder PowerFactory.
Was wir bemerkt haben
- November 2021, Adaptricity AG fusioniert mit Secure Meters Ltd. (Indien/UK). Aus der ETH-Spin-off-Story wird Tochter einer internationalen Smart-Metering-Gruppe. Rechtlich firmiert das Schweizer Geschäft seitdem als „Secure Switzerland AG”; die Marke Adaptricity bleibt für die Software-Produktlinie bestehen.
- August 2022, Letzte öffentliche News auf adaptricity.com. Seither: keine Pressemitteilungen, keine Produkt-Releases auf der Webseite, keine Eventankündigungen. Aus Sicht der Außenkommunikation ist Adaptricity seit diesem Zeitpunkt ein Zombie-Produkt, technisch betrieben, Kunden weiter bedient, aber öffentlich still.
- 2023–2026, Der Footer der Webseite trägt durchgehend „© 2022”, die News-Liste endet im August 2022, die Kontakt-E-Mail im Footer zeigt teilweise „contact@securemeters.com”, obwohl das Branding nominell „Adaptricity” bleibt. Kombination aus Marken-Inkonsistenz und ausbleibender Pflege deutet auf reduzierte Investitionsprioritäten der Konzernmutter im Bereich Außenkommunikation hin.
- Mai 2026, Produkt nach Anwenderberichten weiterhin verfügbar, Bestandskunden (Stadtwerke Winterthur, EKZ, TBW u. a.) nutzen die Plattform aktiv. Neue Funktionen werden in Anwendergesprächen erwähnt, aber nicht öffentlich kommuniziert. Wer evaluiert, sollte die Roadmap explizit erfragen und schriftlich festhalten, sich auf die öffentliche Kommunikation zu verlassen, wäre fahrlässig.
- Hinweis zur Preisangabe, Konkrete Lizenzkosten konnten nicht öffentlich verifiziert werden. Die Einordnung „unterer bis mittlerer fünfstelliger Euro-Bereich pro Jahr” basiert auf Marktbeobachtung und Anwenderberichten, nicht auf einer offiziellen Preisliste des Anbieters.
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