Pressemitteilungen für Messeankündigungen automatisieren
KI erstellt Pressemitteilungen-Rohlinge aus Aussteller-Briefings, passt Tonalität an Fachpresse, Wirtschaftspresse und Lokalpresse an und generiert Headline-Varianten, für 3–4 Stunden Zeitersparnis pro Mitteilung.
- Problem
- Messeveranstalter und Aussteller schreiben 3–8 Pressemitteilungen pro Messe individuell, Hintergrundrecherche, Zitate einpflegen, Stil für verschiedene Medientypen anpassen. Das kostet 4–6 Stunden pro Text.
- KI-Lösung
- Ein Large Language Model (LLM) verarbeitet strukturierte Briefing-Inputs (Aussteller-Info, Neuheiten, Zitate) und generiert einen redaktionell nachbearbeitbaren Rohling, inklusive Stilanpassung für verschiedene Medienformate und mehreren Headline-Varianten.
- Typischer Nutzen
- Erstellungszeit von 4–6 Stunden auf 60–90 Minuten reduziert. Konsistente Qualität über mehrere Messen. Externe PR-Agenturkosten von 1.000–3.000 € pro Pressemitteilung vermeidbar.
- Setup-Zeit
- Pilot in 1–2 Tagen möglich, kein Setup
- Kosteneinschätzung
- 0–500 € Einrichtung, 20–100 €/Monat laufend
Es ist Donnerstagabend, drei Wochen vor der Hannover Messe.
Sabine Kern, Pressesprecherin eines mittelständischen Werkzeugmaschinenbauers aus Bielefeld, sitzt vor fünf offenen Dateien. Aussteller-Info-Blatt vom Messeveranstalter. Interview-Transkript mit dem Entwicklungsleiter. Technische Datenblätter für zwei neue Bearbeitungszentren. Und die Liste der Zielmedien: VDI Nachrichten, MM MaschinenMarkt, Handelsblatt, die lokale Neue Westfälische.
Sie braucht vier verschiedene Pressemitteilungen. Eine zur Messeankündigung, eine für die Produktneuheit, eine für den Fachbesucher, eine für die Wirtschaftspresse. Jede einen anderen Ton, andere Schwerpunkte, andere Lead-Formulierungen. Bis Montag.
Allein für die erste PM, die zur Messebeteiligung, sitzt sie zweieinhalb Stunden. Hintergrundinfos sichten. Die richtigen Zitate aus dem Transkript herausarbeiten. Den Text für ein Fachpublikum formulieren, das keine Marketing-Phrasen mag. Dann nochmal für die Wirtschaftspresse umschreiben, wo die Marktposition und nicht die technischen Details zählen. Am Ende sind es sechs Stunden für drei Mitteilungen, und die vierte verschiebt sich auf Montag.
Das Ergebnis ist gut, aber das Verhältnis von Aufwand zu Nutzen ist für Sabine seit Jahren ein stiller Frustrationspunkt. Die eigentliche journalistische Arbeit, Recherche, Zitat-Auswahl, den richtigen Winkel finden, nimmt kaum 45 Minuten pro Text in Anspruch. Der Rest ist handwerkliche Formarbeit, die sich wiederholt.
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Das echte Ausmaß des Problems
Pressemitteilungen sind in der Messekommunikation kein Randthema. Der Ausstellungsverband AUMA empfiehlt Ausstellern, mindestens 10–15 Prozent des Messebudgets für Kommunikation und PR einzuplanen, bei durchschnittlichen Messebeteiligungskosten von 40.000 Euro sind das 4.000 bis 6.000 Euro pro Messe, allein für Kommunikationsmaßnahmen (AUMA, „Erfolgreiche Messebeteiligung – Grundlagen”, 2023).
Ein erheblicher Teil davon entfällt auf Pressemitteilungen. Eine externe PR-Agentur mit Messerfahrung berechnet für eine vollständige Pressemitteilung, Text, Medienliste, Verteilerservice, typisch 1.000 bis 3.000 Euro pro Mitteilung (laut Industrie-Contact AG, Preisübersicht PR-Kosten, 2024). In-House-Redakteure kosten das Unternehmen weniger direkt, aber 4–6 Stunden Arbeitszeit pro Text sind realistisch, wenn man Briefing-Lektüre, Zitat-Einpflege und Stilanpassung einrechnet.
Für mittelgroße Aussteller auf zwei bis drei Messen pro Jahr mit jeweils vier bis fünf Pressemitteilungen ergibt sich:
- Interner Aufwand: 80–120 Stunden PR-Redaktion pro Jahr
- Externe Kosten (falls ausgelagert): 8.000–30.000 Euro pro Jahr, allein für Texterstellung
- Typische Medientypen, die je eigene Versionen verlangen: Fachpresse, Wirtschaftspresse, regionale Medien, Online-Portale
Das strukturelle Problem dahinter: Jede Pressemitteilung besteht aus einem harten Kern (die Fakten, die Zitate, das Neue) und einer weichen Hülle (Tonalität, Aufbau, Lead-Formulierung, Länge), die für jedes Medium anders geformt sein muss. Den harten Kern zu erarbeiten ist die eigentliche intellektuelle Arbeit, die weiche Hülle immer wieder neu zu formen ist handwerkliche Routine. Und genau da greift KI-Unterstützung an.
Laut einer Studie der Stanford University (James Zou et al., Zeitschrift Patterns, Oktober 2025) waren bis Ende 2024 bereits rund 25 Prozent aller auf US-PR-Plattformen veröffentlichten Unternehmenspressemitteilungen KI-generiert. Der Anteil wächst schnell, und die Qualität der schlechten KI-PMs ist sichtbar, wie wir im Abschnitt zu den Einwänden noch besprechen.
Mit vs. ohne KI, ein ehrlicher Vergleich
| Kennzahl | Ohne KI | Mit KI-Unterstützung |
|---|---|---|
| Erstellungszeit pro Pressemitteilung | 4–6 Stunden | 60–90 Minuten |
| Anzahl Medienversionen einer PM | 1–2 (Zeit fehlt) | 3–4 (parallel generierbar) |
| Aufwand für Headline-Varianten | selten gemacht | 5–10 Varianten in Minuten |
| Agenturkosten pro PM (ausgelagert) | 1.000–3.000 € | 200–400 € (Redaktion statt Texterstellung) |
| Konsistenz über mehrere Messethemen | hängt von Redakteur ab | durch Prompt-Vorlage gleichmäßig |
| Zeit bis zur ersten Redaktionsversion | Tag 2–3 nach Briefing | Tag 1, innerhalb von 2 Stunden |
¹ Zeitwerte basieren auf Praxisberichten aus PR-Fachblogs (VOCATO PR, Echolot PR) und eigener Einschätzung für Messe-PM-Workflows; keine repräsentative Erhebung.
Der größte Unterschied zeigt sich in der Parallelisierung: Wer heute fünf Pressemitteilungen für fünf Aussteller schreibt, braucht eine Woche. Mit KI-Unterstützung und standardisierten Briefing-Templates können fünf Rohlinge in einem Tag entstehen, und Sabine Kern widmet ihre Zeit der Qualitätskontrolle, nicht der Rohtext-Produktion.
Einschätzung auf einen Blick
Zeitersparnis, hoch (4/5) Drei bis vier Stunden pro Pressemitteilung ist eine reale Einsparung für jeden, der regelmäßig Messe-PM schreibt. Der Effekt setzt sofort ein, schon die erste PM zeigt, dass die Briefing-zu-Rohling-Phase von zwei Stunden auf zwanzig Minuten schrumpft. Nicht 5/5, weil Faktenchecks, Zitat-Einpassung und Redaktionsschleifen nicht wegfallen: Eine PM, die direkt vom KI-Output rausgeht, ist kein guter Plan.
Kosteneinsparung, mittel (3/5) Wer PMs bisher extern beauftragt hat, kann pro Mitteilung 700–2.600 Euro einsparen (Texterstellung entfällt, Verteiler bleibt). Wer intern schreibt, spart Personalzeit, rechnerisch real, aber schwerer zu monetarisieren. Nicht 4/5, weil das Setup günstig ist und die laufenden Tool-Kosten überschaubar bleiben, der Hebel ist mittelgroß, nicht transformativ.
Schnelle Umsetzung, sehr schnell (5/5) Kein Tool-Kauf, kein Onboarding, kein Pilotprojekt mit IT. Du brauchst ein ChatGPT- oder Claude-Konto (beide haben kostenlose Einstiege), einen guten Prompt und ein strukturiertes Briefing-Template. Das dauert zwei Stunden. Damit ist dieser Anwendungsfall der schnellste Einstieg in der gesamten Messe-Kategorie.
ROI-Sicherheit, hoch (4/5) Der Nutzen ist direkt messbar: Stunden pro PM vorher und nachher. Das unterscheidet diesen Use Case von komplexeren KI-Projekten, bei denen Nutzen erst nach Monaten sichtbar wird. Einschränkung: Wer die gesparte Zeit nicht aktiv für andere Aufgaben nutzt, sieht den ROI nur auf dem Papier.
Skalierbarkeit, sehr hoch (5/5) Ein guter Prompt-Workflow skaliert ohne Mehraufwand. Fünf Messen statt einer, zwanzig Aussteller statt zwei, der Prozess bleibt identisch. Das Briefing-Template kann standardisiert werden; Redakteure reproduzieren den Workflow, ohne es neu lernen zu müssen.
Richtwerte, stark abhängig von Anzahl der Pressemitteilungen pro Jahr, bisheriger Erstellungsweise (intern vs. Agentur) und Komplexität der Messeneuheiten.
Was die KI konkret macht
Die technische Basis ist ein Large Language Model (LLM), also ein Generative KI-Modell, das auf großen Textkorpora trainiert wurde und Sprache auf hohem Niveau verarbeitet und erzeugen kann. Was im Hintergrund passiert, ist kein Verstehen im menschlichen Sinne, sondern hochentwickeltes Muster-Matching: Das Modell kennt aus tausenden Pressemitteilungen, wie eine PM für Fachmedien strukturiert ist, wie ein DACH-Wirtschaftsblatt-Lead klingt und was ein Redakteur in seiner VDI-Nachrichten-Inbox ignoriert.
Was du dem System gibst, der sogenannte Prompt, steuert das Ergebnis vollständig. Ein guter PM-Prompt enthält:
- Fakten-Block: Ausstellerdaten, Hallennummer, Produktname, Kernaussage der Neuheit, technische Spezifikationen
- Zitate: Wörtliche Originalzitate des Geschäftsführers oder Produktleiters (KI formt diese ein, erfindet sie nicht, das ist entscheidend)
- Zielmedium: „Schreibe für ein technisches Fachpublikum der Maschinenbaubranche” vs. „Schreibe für die Wirtschaftsredaktion eines überregionalen Blatts”
- Formale Vorgaben: Länge, Inversion-Stil oder klassischer News-Lead, Pressemitteilungs-Textbausteine (Boilerplate am Ende)
Das Ergebnis ist ein Rohling, den ein erfahrener Redakteur in 20–30 Minuten auf Publikationsreife bringt, nicht ein Fertigtext, der direkt rausgeht.
Wo KI gut ist und wo sie stolpert
Gut: Umformulierungen für verschiedene Zielgruppen. Headline-Varianten generieren. Boilerplate-Texte konsistent halten. Lead-Sätze anders formulieren. Absätze umstrukturieren.
Stolpert: Technische Spezifikationen korrekt darstellen (wenn unklar oder fehlerbereinigt im Prompt). Reale Messenummer korrekt ausgeben (muss im Prompt stehen). Zitate korrekt einbetten (muss im Prompt geliefert werden). Branchenspezifische Insider-Formulierungen, die nur ein Fachredakteur kennt.
Das bedeutet: Je strukturierter das Briefing, desto besser der Rohling. Wer dem System eine handgeschriebene E-Mail und die Hoffnung gibt, bekommt einen mittelmäßigen Text zurück. Wer ein klares Briefing-Template ausfüllt, bekommt einen soliden Rohling, der in 30 Minuten fertig ist.
Stil-Briefing: Wie KI die Sprache verschiedener Redaktionen lernt
Das ist die Stelle, an der KI wirklich nützlich wird, und die in vielen Beschreibungen dieses Anwendungsfalls fehlt. Denn “eine Pressemitteilung schreiben” ist zu einfach gedacht. Das Echte ist: dieselben Fakten in drei völlig andere Erzählformen verwandeln.
Für die Fachpresse (VDI Nachrichten, MM MaschinenMarkt, productronica-Magazin) gilt:
- Technische Spezifikationen zuerst, Unternehmenskontext danach
- Präzise Fachbegriffe, keine Marketing-Euphemismen
- Lead: Was ist das technisch Neue, und warum ist es ein Fortschritt?
Für die Wirtschaftspresse (Handelsblatt, WirtschaftsWoche, Branchen-IHK-Magazine):
- Marktposition und Wettbewerbskontext zuerst
- Investitionsvolumen, Wachstumspotenzial, strategische Bedeutung
- Lead: Welche Marktbewegung steckt dahinter?
Für Regionalmedien (Neue Westfälische, Ruhr Nachrichten, Stadtanzeiger):
- Lokaler Bezug zuerst, Mitarbeiterzahl, Standort, lokale Bedeutung
- Keine Insider-Terminologie, allgemein verständlich
- Lead: Was bedeutet das für den Standort und die Menschen dahinter?
In einem KI-Prompt bildest du das so ab: Du schreibst drei Varianten desselben Briefings, nur mit unterschiedlicher Zielmedien-Anweisung. Die Fakten bleiben identisch. Der Text, den du zurückbekommst, klingt wie von drei verschiedenen Redakteuren geschrieben, mit konsistentem Faktengerüst.
Diesen Mechanismus kannst du in einem Workflow-Dokument festhalten (z. B. in Notion): Drei Prompt-Vorlagen, eine je Medientyp, mit festen Platzhaltern für Fakten-Blöcke. Dein Team befüllt nur noch die Platzhalter, den Rest übernimmt das Modell.
Konkrete Werkzeuge, was wann passt
Für die meisten Messe-PR-Teams ist der Einstieg mit einem allgemeinen KI-Textgenerierungstool richtig, keine spezialisierte Lösung nötig, kein aufwendiges Setup.
ChatGPT (OpenAI), Der breiteste Einstieg. GPT-4o schreibt sehr solide Pressetexte auf Deutsch, auch für technische Themen. Mit dem Free-Plan bereits nutzbar, für intensive Nutzung lohnt ChatGPT Plus (20 €/Monat). Custom Instructions ermöglichen es, den typischen Stil deiner PM-Vorlage einmalig zu hinterlegen. Schwäche: Datenhaltung in den USA; für vertrauliche Produktdaten vor dem Launch relevant.
Claude (Anthropic), Besonders stark bei längeren, sprachlich differenzierten Texten. Claude schreibt auf Deutsch tendenziell natürlicher als ChatGPT, weniger “KI-Ton”, mehr journalistisches Gefühl. Claude Pro kostet 20 €/Monat. Die “Projects”-Funktion erlaubt es, Hintergrunddokumente (Produktunterlagen, Zitate, bisherige PMs als Stilreferenz) dauerhaft zu hinterlegen. Ebenfalls US-Hosting.
Notion AI, Ideal, wenn das PR-Team Briefings und PM-Entwürfe sowieso in Notion verwaltet. Notion AI kann direkt in der Briefing-Datenbank arbeiten: Text zusammenfassen, Rohlings-PM aus Notizen generieren, Headline-Varianten vorschlagen. Kein Toolwechsel nötig. Kosten: im Business-Tarif ab 20 €/Person/Monat enthalten.
Jasper, Lohnt sich, wenn du englischsprachige PM parallel zu deutschen schreibst (z. B. für internationale Fachmedien) und eine definierte Brand Voice über mehrere Aussteller hinweg halten willst. Für rein deutsche Kommunikation überdimensioniert und teurer als nötig (ab 59 USD/Monat). US-Hosting.
Wann welcher Ansatz:
- Einzelne PR-Verantwortliche oder kleine Teams → ChatGPT Plus oder Claude Pro
- PR-Team, das Briefings in Notion verwaltet → Notion AI
- Internationales Multi-Aussteller-Portfolio auf Englisch → Jasper
- Kein Tool-Budget vorhanden → ChatGPT Free-Tier (begrenzte Nutzung, aber Einstieg möglich)
Datenschutz und Datenhaltung
Pressemitteilungen enthalten typischerweise keine personenbezogenen Daten im DSGVO-Sinne, Zitate von Führungskräften und Produktinformationen fallen nicht unter den Schutz personenbezogener Daten. Relevanter ist ein anderer Aspekt: Produktankündigungen, die noch nicht öffentlich sind.
Wer KI-Tools für Messe-PM nutzt und dabei unveröffentlichte Produktdaten, nicht-öffentliche Preisstrategien oder Taktiken gegenüber Wettbewerbern eingibt, schickt diese Information an externe Server, typischerweise in den USA. Das ist kein rechtliches Problem im DSGVO-Sinne, aber ein Geschäftsgeheimnis-Risiko.
Empfehlung: Gib nur Informationen ein, die zum Zeitpunkt der Messe sowieso öffentlich werden. Verwende Platzhalter für vertrauliche Spezifikationen, die noch nicht kommuniziert werden dürfen (z. B. exakter Preis, genaues Release-Datum), und füge diese erst im Redaktionsdurchgang ein.
Für den Standardfall, Messe-PM-Erstellung mit Fakten, die ohnehin veröffentlicht werden sollen, ist kein formaler Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) nach Art. 28 DSGVO erforderlich, da keine personenbezogenen Daten verarbeitet werden. Ausnahme: Wenn Zitate von Privatpersonen (nicht Firmenpersönlichkeiten öffentlicher Rolle) oder interne Mitarbeiterdaten in den Prozess fließen.
ChatGPT und Claude bieten AVV-Optionen für Business-Tarife an, relevant, wenn euer Datenschutzbeauftragter grundsätzlich alle Cloud-Dienste absichern will.
Was es kostet, realistisch gerechnet
Einrichtungskosten Fast null. Du brauchst ein Konto bei einem der genannten Tools (teilweise kostenlos), eine Stunde Zeit für die Prompt-Entwicklung und ein strukturiertes Briefing-Template. Externe Einrichtungsunterstützung (ein Workshop zur Prompt-Entwicklung mit einem Fachkundigen) kostet 200–500 Euro einmalig, und ist für die meisten PR-Teams unnötig, die ohnehin schreiben können.
Laufende Kosten (monatlich)
- ChatGPT Free: 0 €/Monat (begrenzte Nutzung)
- ChatGPT Plus: 20 €/Monat
- Claude Pro: 20 €/Monat
- Notion AI (im Business-Tarif): 20 €/Person/Monat
Für ein typisches Messe-PR-Team mit einem bis drei Personen: 20–60 Euro monatlich.
Was du dagegen rechnest
Konservatives Szenario: eine Pressemitteilung pro Woche, Zeitersparnis drei Stunden je PM. Das sind 12 Stunden pro Monat. Bei einem internen Bruttostundensatz von 30–50 Euro (angelehnt an Destatis Verdienstdaten 2024, PR-nahe Tätigkeiten) macht das 360–600 Euro Personalkosten monatlich, die du für höherwertige Aufgaben nutzen kannst. Die Tool-Kosten amortisieren sich innerhalb der ersten PM.
Wer PMs bisher extern beauftragt hat: Eine PM bei einer Agentur kostet 1.000–3.000 Euro inklusive Verteilerservice. Wenn du die Texterstellung in-house überführst (mit KI-Unterstützung) und nur den Verteilerservice extern beauftragst, sparst du pro PM 700–2.600 Euro Agenturhonorar.
Wie du den Nutzen tatsächlich misst Miss die Erstellungszeit pro PM vorher (drei Wochen ausprobieren, Protokoll führen) und nachher. Zähle, wie viele Medienversionen du vorher und nachher pro PM produzierst. Zähle, wie viele PMs pro Messe du vorher und nachher schaffst. Das reicht.
Typische Einstiegsfehler
1. Den KI-Output direkt rausschicken. Das ist der häufigste und kostspieligste Fehler. KI-generierte Pressemitteilungen, die ohne Redaktions-Review versandt werden, haben ein erhöhtes Fehlerrisiko: falsche Produktspezifikationen, die aus schlecht strukturierten Briefings entstanden sind; Zitate, die minimal vom Original abweichen; Formulierungen, die für ein anderes Zielmedium optimiert wurden als das gewünschte. Journalisten merken es, und wenn ein Journalist einmal eine fehlerhafte PM von dir bekommen hat, ist das Vertrauen dauerhaft beschädigt. Die Medianet-Umfrage 2026 unter 800 Journalisten bestätigt: 75 Prozent erhalten regelmäßig erkennbare KI-PM, die Hälfte erkennt sie fast immer. Wer mit einem Journalisten zusammenarbeiten will, muss den Qualitätsanspruch sichtbar halten, das geht nur mit dem Vier-Augen-Prinzip.
2. Kein strukturiertes Briefing verwenden. Wer dem Modell eine formlose E-Mail und die Bitte “schreib mir eine Pressemitteilung daraus” gibt, bekommt eine mittelmäßige Pressemitteilung zurück. Der Unterschied zwischen einem 30-Minuten-Rohling und einem 90-Minuten-Rohling liegt fast ausschließlich in der Qualität des Inputs. Investiere eine Stunde in ein Briefing-Template, das alle Felder vorschreibt: Produktname, Kernaussage in einem Satz, drei wichtigste Features mit Spezifikation, Originalzitat, Messestand, Preisrahmen, Verfügbarkeitsdatum. Einmal gemacht, wiederholst du es bei jeder PM.
3. Das System nie kalibrieren, und nach einem halben Jahr unzufrieden sein. Ein Prompt, der im März gut funktioniert hat, muss nach der Sommerurlaubspause nicht mehr passen, weil die Modelle sich ändern, weil neue Medientypen dazugekommen sind, weil ein Zielmedium einen neuen Stil bevorzugt. Plane alle drei bis vier Messen eine Kalibrierungsrunde ein: Nimm eine alte PM, die du selbst als gut bewertest, und prüfe, ob das aktuelle Modell mit deinem Prompt etwas Vergleichbares produziert. Wenn nicht, pass den Prompt an.
4. Zitate erfinden lassen. Das ist eine harte rote Linie: Lass die KI niemals Zitate für Führungskräfte generieren, die du nicht vorher abgestimmt hast. Wörtliche Zitate in Pressemitteilungen sind Zitate, sie stehen für eine Person. Wenn ein Redakteur in der Lage ist, dieses Zitat zu verifizieren, und die Person es nicht so gesagt hat, ist das ein Glaubwürdigkeitsproblem. KI ist hervorragend darin, gelieferte Zitate stilistisch einzubetten, aber die Zitate selbst müssen von der realen Person kommen.
Was mit der Einführung wirklich passiert, und was nicht
Die Einführung von KI im PR-Workflow ist überraschend reibungslos, weil PR-Profis mit Sprache arbeiten und intuitiv verstehen, was das Modell tut und was nicht. Die typischen Widerstände, die man aus anderen KI-Projekten kennt (Angst vor Jobverlust, technische Überforderung), sind hier seltener, jedenfalls, wenn du den Einstieg richtig framt.
Was hilft: Zeige nicht “KI schreibt unsere PMs”. Zeige “KI macht den Rohling, wir machen das, was Journalisten eigentlich lesen wollen, die fundierte Einschätzung, den guten Winkel, das präzise Zitat”. Die Zeitersparnis ist keine Bedrohung für den Redakteur, der weiß, was gute Kommunikation ausmacht. Sie ist eine Entlastung von der Routine.
Was nicht funktioniert: KI-PM-Workflows, die als Kostensenkungsprojekte kommuniziert werden. Wenn das Team das Gefühl bekommt, dass weniger Planstellen das Ziel sind, schaltet es auf Widerstand, und das zurecht. Der Nutzen liegt in besserer Qualität und mehr Output, nicht in weniger Menschen.
Erfahrungswert aus PR-Agenturen: Wer zwei oder drei Mitarbeitende hat, die intensiv Messe-PM schreiben, und den Workflow auf KI-gestützte Rohling-Produktion umstellt, stellt nach drei bis vier Monaten meist fest, dass die Kapazitäten nicht für Entlassungen, sondern für mehr PMs pro Messe genutzt werden, weil der Markt für gute Kommunikation immer größer ist als die Zeit, die vorher dafür da war.
Realistischer Zeitplan mit Risikohinweisen
| Phase | Dauer | Was passiert | Typisches Risiko |
|---|---|---|---|
| Prompt-Entwicklung | Tag 1 | Briefing-Template erstellen, ersten Prompt testen, anhand einer echten PM kalibrieren | Prompt zu unspezifisch, gibt generischen Text zurück; Lösung: mehr Kontext und Beispiele einbauen |
| Pilotlauf | Tag 2–5 | Zwei bis drei echte PMs mit KI-Unterstützung erstellen, Redaktionszeit messen | Erster Output überzeugt nicht, Briefing-Template nochmals überarbeiten, nicht das Tool wechseln |
| Team-Einführung | Woche 2 | Briefing-Template an alle PM-Schreibenden verteilen, gemeinsame Session zum Prompt-Umgang | Einzelne Kolleg:innen nutzen das Tool anders, Standardisierung des Templates wichtiger als einheitlicher Prompt |
| Routine-Betrieb | Ab Monat 2 | Regelmäßige PM-Erstellung mit Workflow; Prompt-Review alle 3–4 Messen | Prompt veraltet durch Modell-Updates, Kalibrierungsrunde einplanen |
Der gesamte Einstieg dauert weniger als eine Woche. Das ist der Unterschied zu fast allen anderen Use Cases in der Messekategorie: Kein IT-Ticket, kein Vendor, kein Pilotprojekt mit mehrwöchigem Vorlauf.
Häufige Einwände, und was dahintersteckt
„Journalisten merken sofort, dass das KI ist, und ignorieren die PM.” Das stimmt, wenn die PM unredigiert rausgeht. Die Medianet-Umfrage 2026 zeigt: 50 Prozent der Journalisten erkennen KI-generierte Mitteilungen fast immer. Aber sie erkennen sie an schlechter Qualität, generischen Formulierungen und fehlenden echten Zitaten, nicht daran, dass KI beteiligt war. Eine gut redigierte PM, die auf einem KI-Rohling basiert, ist von einer vollständig manuell geschriebenen nicht zu unterscheiden. Der Standard ist nicht “kein KI-Einsatz”, sondern “keine erkennbare KI-Qualität”. Wer den Feinschliff sorgfältig macht, hat das Problem nicht.
„Unsere Produkte sind zu komplex für KI.” Die Komplexität liegt im Briefing, nicht in der Textgenerierung. Ein Redakteur, der einen Zeilen-Scan-Laserscanner mit 1.000-Punkt-Matrixsensor für die PM beschreiben soll, recherchiert die technischen Details zuerst, und fügt sie dann strukturiert ein. Genau das machst du auch mit KI: Du lieferst die technisch korrekte Beschreibung im Briefing, das Modell verpackt sie in die richtige Form. Das Risiko liegt nicht im Thema, sondern in einem unvollständigen Briefing.
„Das spart kaum Zeit, weil wir ohnehin viel überarbeiten müssen.” Das ist ein echtes Risiko, und hängt direkt von der Briefing-Qualität ab. Wenn der erste Rohling schlechter als erwartet ist, überarbeitest du mehr. Aber: Selbst eine 60-prozentige Zeitersparnis auf den Rohling-Teil (bei 4 Stunden Gesamtaufwand zwei Stunden Rohling → 45 Minuten) macht einen echten Unterschied. Der Schlüssel ist nicht, sofort 80 Prozent zu sparen, sondern 30 Prozent zuverlässig zu sparen, und mit verbessertem Prompt mehr.
Woran du merkst, dass das zu dir passt
Dieser Workflow passt gut zu dir, wenn:
- Du oder dein Team mehr als eine Pressemitteilung pro Messe schreibt, ab zwei PMs lohnt sich die Prompt-Entwicklung
- Du regelmäßig verschiedene Medientypen bedienst (Fach, Wirtschaft, Regional) und jedes Mal neu formulierst
- Du Messeauftritte für mehrere Aussteller kommunizierst, PR-Agentur, Messeveranstalter oder Verbandsarbeit
- Die Erstellungszeit für PMs ein spürbarer Engpass ist, nicht die inhaltliche Substanz (die weißt du bereits)
- Du bereit bist, 15–30 Minuten pro PM für Redaktion und Faktencheck zu investieren, nachdem der Rohling steht
Wann es sich (noch) nicht lohnt, drei harte Ausschlusskriterien:
-
Kein internes PR-Knowhow vorhanden. Wenn niemand im Team in der Lage ist, eine schlechte PM von einer guten zu unterscheiden, ist KI das falsche Einstiegs-Tool. Dann fehlt das Korrektiv für den Rohling. Zuerst PR-Kompetenz aufbauen oder einen Profi hinzuziehen, dann KI als Beschleuniger einsetzen.
-
Krisenkommunikation oder vertrauliche Produktankündigungen unter Embargo. In Krisensituationen ist Tempo wichtig, aber Präzision und Abstimmung wichtiger. KI kann hier schnell eine Situation verschlimmern, wenn ein falsches Detail oder ein ungeprüftes Zitat in der ersten Stunde rausgeht. Gleiches gilt für Produkte unter NDA oder Embargo: Diese Daten gehören nicht in externe Cloud-Tools.
-
Messen mit hochreguliertem Fachkontext (Medizintechnik auf der MEDICA, Pharma, Luft- und Raumfahrt mit sicherheitsrelevanten Specs). Hier können Fehler in der PM-Formulierung regulatorische oder haftungsrechtliche Konsequenzen haben. KI-Rohlinge für diese Kontexte brauchen nicht nur einen Redakteur, sondern eine fachliche Freigabe, was den Zeitvorteil wieder aufhebt.
Das kannst du heute noch tun
Öffne ChatGPT kostenlos, kein Konto nötig für den ersten Test. Nimm eine echte Pressemitteilung, die du vor kurzem geschrieben hast. Gib dem Modell alle Fakten daraus (Produkt, Zitat, Messe, Datum), und bitte es, daraus eine Version für die Fachpresse und eine Version für die Wirtschaftspresse zu schreiben.
Das dauert fünf Minuten. Was du danach weißt: Wie gut das Modell mit deinen Fakten umgeht, ob der Ton passt, wo der Rohling noch Überarbeitungsbedarf hat. Das ist der ehrlichste Praxistest, ohne Kosten und ohne Commitment.
Für den strukturierten Workflow kannst du direkt mit folgendem Prompt starten:
Mitarbeiter:in
KI-Assistent
Quellen & Methodik
- AUMA (2023): AUMA „Erfolgreiche Messebeteiligung – Grundlagen”, aktualisierte Ausgabe 2023. Enthält Richtwerte zur Budgetallokation für Messekommunikation (10–15 % der Gesamtkosten) und durchschnittliche Messebeteiligungskosten. IHK Bonn/Rhein-Sieg, Dokumentenbibliothek International.
- Industrie-Contact AG (2024): „Was kostet PR?”, Preisübersicht für PR-Leistungen, inkl. Pressemitteilungskosten (1.000–3.000 € inklusive Verteilerservice). industrie-contact.de/blog/was-kostet-pr/
- James Zou et al. (2025): „AI-assisted writing is prevalent across sectors”, Stanford University, Zeitschrift Patterns (Cell Press), Oktober 2025. Enthält die Zahl von ~25 Prozent KI-generierten Unternehmens-PM auf US-Plattformen. Verfügbar via EurekAlert.
- Medianet (2026): „Media Landscape Report 2026”, Befragung von 800 Journalisten. Ergebnis: 75 % erhalten erkennbare KI-PM, 50 % erkennen sie fast immer, Journalisten beschreiben KI-PM als „lazy and untrustworthy”. Präsentation beim CommsCon Sydney. Quelle: LetsDatScience.com/news.
- VOCATO PR (2018): „PR-Arbeit für Messeauftritte: Zeitplan, Ressourcen und Checkliste”, Praxisleitfaden für Messe-PR-Planung. Enthält Timelines und Ressourcenplanung für den PM-Workflow. prblog-vocato.com.
- Preisangaben Tools: Veröffentlichte Tarife der jeweiligen Anbieter (Stand Mai 2026). ChatGPT Plus: 20 €/Monat. Claude Pro: 20 €/Monat. Notion AI: im Business-Tarif enthalten.
Du willst wissen, welcher Workflow für euren Messe-PR-Prozess konkret am meisten bringt, und wie ihr das Briefing-Template am besten aufbaut? Meld dich, das klären wir in einem kurzen Gespräch.
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Wissen ist der erste Schritt. Der zweite kostet Zeit.
Du kannst diesen Use Case selbst umsetzen. Realistisch sind das ein paar Wochen Einarbeitung, einige Fehlversuche bei Datenschutz und Toolauswahl und das Risiko, dass es im Alltag doch nicht greift. Oder wir gehen es gemeinsam an: kostenlos und unverbindlich im Erstgespräch.
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Konzeptentwicklerin
Ich frage nicht, was KI kann. Ich frage, was du in deinem Alltag damit anfängst. Erst wenn ich eine ehrliche Antwort habe, entsteht daraus ein konkreter Use Case. Fehlt ein Anwendungsfall, der zu dir passt? Schreib mir kurz.