Entwurfskonzepte und Erläuterungsberichte formulieren
KI formuliert Erläuterungsberichte, Entwurfskonzepte und Wettbewerbstexte aus strukturierten Planungsnotizen — in architektonisch angemessener Sprache ohne generischen Marketington.
- Problem
- Erläuterungsberichte und Wettbewerbstexte kosten Architekten unverhältnismäßig viel Zeit — obwohl die Planungsidee klar ist, kostet das Formulieren oft 3–6 Stunden pro Dokument.
- KI-Lösung
- Ein LLM (Claude oder ChatGPT) wandelt strukturierte Planungsnotizen per Prompt in einen Erläuterungsentwurf um — mit Stilanleitung aus eigenen Archivtexten als Kontext, den der Architekt verfeinert und autorisiert.
- Typischer Nutzen
- Texterstellung von 3–6 Stunden auf 45–90 Minuten reduziert, konsistentere Darstellung über alle Projektphasen, bessere Grundlage für Wettbewerbsunterlagen.
- Setup-Zeit
- Erste verwertbare Texte in Stunden — kein Setup nötig
- Kosteneinschätzung
- 18–22 €/Monat Werkzeugkosten (Claude Pro oder ChatGPT Plus), kein Setup-Aufwand
Es ist Donnerstagabend, kurz nach 19 Uhr.
Architektin Vera Schulz sitzt in ihrem kleinen Büro in Freiburg und starrt auf drei DIN-A4-Seiten voller Handnotizen. Der Wettbewerb muss übermorgen eingereicht werden. Der Entwurf steht — Lageplan, Grundrisse, Schnitte, alles fertig. Was fehlt, ist der Erläuterungsbericht: vier Seiten, die das Konzept in Worte kleiden, die städtebauliche Einordnung erläutern, die Materialwahl begründen und die Freiraumentscheidungen rechtfertigen. Vera weiß genau, was sie sagen will. Das Problem ist nur: Es vom Kopf aufs Papier zu bringen, dauert erfahrungsgemäß vier bis fünf Stunden.
Das ist der dritte Abend diese Woche, an dem sie nach 22 Uhr im Büro sitzt. Letzten Monat hat sie einen Wettbewerb abgelehnt — nicht weil der Entwurfsgedanke fehlte, sondern weil keine Kapazität mehr war, ihn zu verschriftlichen. Für ein Dreimannbüro, das drei bis fünf Wettbewerbe im Jahr einreicht, summiert sich das schnell: 60 bis 80 Stunden jährlich nur für das Formulieren von Texten, deren inhaltliche Substanz längst in Notizen und Skizzen steckt.
Das ist kein Einzelfall. Erläuterungsberichte und Wettbewerbstexte sind die unsichtbare Zeitfalle in Architekturbüros — die Arbeit, die zwischen fertigem Entwurf und abgegebener Einreichung liegt und kaum jemand einkalkuliert.
Das echte Ausmaß des Problems
Wer noch nie einen Erläuterungsbericht für einen Architekturwettbewerb geschrieben hat, unterschätzt den Aufwand erheblich. Es geht nicht darum, ein paar Sätze zu formulieren. Es geht darum, ein komplexes räumliches Konzept in einen flüssigen, kohärenten Text zu überführen, der gleichzeitig technisch präzise, inhaltlich überzeugend und stilistisch auf dem Niveau eines professionellen Wettbewerbsbeitrags ist.
Erläuterungsberichte nach HOAI-Leistungsphase 2 (Vorplanung) und LPH 3 (Entwurfsplanung) sind feste Pflichtleistungen — keine optionalen Zugaben. Wettbewerbsbeiträge verlangen zusätzliche Konzepttexte: zur städtebaulichen Einordnung, zum Entwurfsgedanken, zur Materialität, zur Freiflächen- und Nutzungskonzeption, zum Energiekonzept. In Summe reden wir oft von vier bis acht Seiten strukturierten Textes pro Einreichung.
Eine europäische Erhebung unter 1.076 Architekturbüros (davon 125 aus Deutschland) zeigt: Ein Drittel der deutschen Architektinnen und Architekten berichtet, dass Dokumentationsaufgaben durch KI-Unterstützung „deutlich schneller” erledigt werden — ein weiteres starkes Drittel meldet zumindest teilweise Beschleunigung. Das deckt sich mit dem, was Büros erleben: Das Formulieren ist nicht das Denken — es ist das Übersetzen des Denkens in Text. Und genau dort liegt das Potenzial.
Ein kleines Büro mit drei Architekten, das vier Wettbewerbe im Jahr einreicht, investiert allein für die Texterstellung jedes Mal fünf bis zehn Stunden. Dazu kommen Erläuterungsberichte für laufende LPH-2-Projekte, Akquisetexte, Projektbeschreibungen für die Website und Pressetexte. In der Summe landen manche Büros bei 80 bis 120 Stunden pro Jahr, die ausschließlich damit verbracht werden, Dinge zu formulieren, die inhaltlich längst klar sind.
Mit vs. ohne KI — ein ehrlicher Vergleich
| Kennzahl | Ohne KI | Mit KI-Unterstützung |
|---|---|---|
| Zeitaufwand Erläuterungsbericht (LPH 2–3) | 3–6 Stunden | 45–90 Minuten (Rohentwurf + Überarbeitung) |
| Wettbewerbstexte (4 Seiten) | 5–8 Stunden | 1,5–2,5 Stunden |
| Konsistenz über mehrere Dokumente | Variiert stark je nach Verfasser | Einheitlicher Ausgangston |
| Kosten für Wettbewerbstexterstellung | 80–160 € Stundensatz × Aufwand | 18–22 €/Monat Werkzeugkosten |
| Mentale Belastung abends/Wochenende | Hoch bei Terminengpässen | Niedrig — Rohentwurf steht schnell |
Die Zeitangaben basieren auf Erfahrungswerten aus Architekturbüros, die KI-gestützte Texterstellung eingeführt haben. Das rechnerische Einsparpotenzial hängt stark vom Qualitätsniveau der Planungsnotizen ab, die als Input dienen.
Einschätzung auf einen Blick
Zeitersparnis — hoch (4/5) Mit 2–4 Stunden Einsparung pro Erläuterungsbericht oder Wettbewerbstext ist das der stärkste direkte Produktivitätshebel in dieser Kategorie — vergleichbar mit dem Gewinn bei Ausschreibungstexten. Die Einschränkung: Der Effekt setzt voraus, dass die Planungsnotizen ausreichend strukturiert vorliegen. Wer fragmentierte Stichwörter eingibt, bekommt fragmentierte Rohentwürfe zurück, die länger zu überarbeiten sind.
Kosteneinsparung — mittel (3/5) Die direkten Werkzeugkosten sind mit 18–22 Euro pro Monat für eine Claude- oder ChatGPT-Lizenz minimal. Der eigentliche Kosteneffekt entsteht indirekt: Die eingesparte Formulierungsarbeit ermöglicht es, mehr Wettbewerbe zu bearbeiten oder Akquiseunterlagen systematischer zu pflegen. Dieser Effekt ist real, aber schwer in eine genaue Zahl zu übersetzen.
Schnelle Umsetzung — sehr hoch (5/5) Kein technisches Setup, keine Integration, keine Lernkurve im technischen Sinne. ChatGPT oder Claude im Browser öffnen, Planungsnotizen einfügen, Prompt absenden — fertig. Das ist das Einstiegsprofil eines kostenlosen SaaS-Tools, aber mit sofortigem praxistauglichem Output. Kein Anwendungsfall in dieser Branche lässt sich schneller pilotieren.
ROI-Sicherheit — mittel (3/5) Der Zeitgewinn ist direkt messbar — du zählst einfach die Minuten, bevor und nachdem du KI nutzt. Was nicht messbar ist: ob die bessere oder schnellere Texterstellung zu mehr Wettbewerbserfolgen führt. Jurytexte hängen von vielen Faktoren ab, die KI nicht beeinflusst. Die Sicherheit liegt auf dem messbaren Teil (Zeit), nicht auf dem erhofften Teil (Wettbewerbsgewinn).
Skalierbarkeit — mittel (3/5) Das Modell skaliert gut mit der Projektanzahl — mehr Projekte bedeuten mehr Texte, und jeder profitiert vom gleichen Prompt-Setup. Was aber wächst: der Pflegeaufwand für die Prompt-Bibliothek. Wer zehn verschiedene Projekttypen bearbeitet, braucht zehn verschiedene Kontext-Templates. Das ist handhabbar, aber kein Zero-Maintenance-Ansatz.
Richtwerte — stark abhängig von der Qualität der Planungsnotizen und der Pflege der Prompt-Vorlagen.
Was die KI konkret macht
Das Grundprinzip ist einfacher als es klingt: Du gibst strukturierte Planungsinformationen in ein LLM (Sprachmodell) ein, das daraus einen zusammenhängenden Text produziert. Kein Bildverständnis, keine Plananalyse, keine Autonomie — nur hochqualifizierte Textarbeit aus dem, was du einspeist.
Was du typischerweise eingibst:
- Kurze Beschreibung des Projektyps (Neubau, Sanierung, öffentlicher Bau)
- Städtebauliche Rahmenbedingungen und Leitgedanken (3–5 Stichwortzeilen)
- Entwurfliche Hauptentscheidungen: Kubatur, Erschließung, Materialwahl
- Nutzungskonzept und Raumstruktur in Stichworten
- Besonderheiten: Freiflächen, Nachhaltigkeit, Denkmalschutzkontext
Was die KI daraus macht:
- Fließender, kohärenter Erläuterungstext mit der richtigen Abschnittsstruktur
- Übergänge zwischen Themen, die im Stichwortformat fehlen
- Architektonisch angemessene Formulierungen statt technischer Schlagworte
- Konsistenter Ton über das gesamte Dokument
Was die KI nicht macht:
- Inhaltliche Planung ersetzen — sie formuliert nur, was du ihr gibst
- Fachspezifische Normzitate automatisch einbauen — das prüfst du selbst
- Den architektonischen Charakter des Büros kennen — den musst du aktiv einbringen
- Prüfen, ob Aussagen zur aktuellen Planung stimmen — das bleibt deine Aufgabe
Wie du deinen Bürostil in Prompts überträgst
Das ist der entscheidende Unterschied zwischen einem generischen KI-Text und einem Erläuterungsbericht, der klingt wie von eurem Büro. Ohne Stilanleitung produziert die KI einen freundlichen, akademischen Ton — funktional, aber austauschbar. Mit Stilanleitung beginnt der Text zu klingen wie ihr.
Was Stil-Vorgaben im Prompt leisten:
Architekturbüros haben oft unausgesprochene Textcharaktere: manche formulieren knapp und technisch präzise, andere poetisch und atmosphärisch, wieder andere bevorzugen den strukturierten Berichtsstil mit klaren Absatzüberschriften. Diese Unterschiede bilden sich in allen Texten ab — und können als Prompt-Anweisung explizit gemacht werden.
So destillierst du euren Bürostil:
- Such in euren Archiven drei bis fünf Wettbewerbstexte oder Erläuterungsberichte, die ihr intern für besonders gelungen haltet.
- Kopiere je einen repräsentativen Absatz in ein neues Dokument — nicht den gesamten Text, nur die Passagen, die euren Ton am besten zeigen.
- Füge diese Beispieltexte in den Prompt ein mit der Anweisung: “Schreib im Stil dieser Beispiele.”
- Ergänze explizite Verbote: “Keine Formulierungen wie ‘modern und nachhaltig’, kein Einsatz von ‘harmonisch’, keinen Marketington.”
Das dauert einmalig 30–45 Minuten. Den gewonnenen Stil-Kontext kannst du dann als dauerhafte Vorlage in einem Claude-Projekt oder als Custom GPT in ChatGPT speichern — und bei jedem neuen Auftrag direkt aufrufen.
Typische Stilfallen vermeiden:
- “Nachhaltig und innovativ” — nichts sagt weniger als das; ersetzen durch konkrete Maßnahmen
- “Fügt sich harmonisch in die Umgebung ein” — entweder stimmt das und du erklärst wie, oder es stimmt nicht
- “Das Konzept verbindet…” — jeder Erläuterungsbericht verbindet irgendetwas; sei spezifischer
- Passivkonstruktionen ohne Subjekt (“Es wird ermöglicht…”) — direkte Formulierungen sind stärker
Konkrete Werkzeuge — was wann passt
Claude — erste Wahl für qualitativ anspruchsvolle Texte Claude produziert das natürlichste und kohärenteste Deutsch der gängigen Assistenten. Bei längeren Erläuterungsberichten (mehr als zwei Seiten) hält Claude den Stil konsistenter als ChatGPT. Mit einem “Project” kannst du dauerhaften Bürokontext, Stilbeispiele und Formulierungsverbote hinterlegen — einmal eingerichtet, gilt das für jeden neuen Wettbewerbstext. Kosten: Claude Free reicht für gelegentliche Nutzung; Claude Pro (ca. 18 EUR/Monat) lohnt sich ab wöchentlichem Einsatz.
ChatGPT — stark für iterative Überarbeitung und Custom GPTs ChatGPT eignet sich gut, wenn du viele kleine Formulierungsschritte durchläufst — Varianten ausprobieren, Absätze umformulieren, verschiedene Längen testen. Custom GPTs ermöglichen es, einen “Büro-Stil-Assistenten” mit festen Anweisungen einzurichten und im ganzen Team zu teilen. Für Büros, die mit mehreren Personen an Texten arbeiten, ist das ein Vorteil. Kosten: Free für erste Tests; ChatGPT Plus (ca. 22 EUR/Monat) für regelmäßige Nutzung empfohlen.
Beide kostenlos testen: Beide Tools haben kostenlose Pläne, die für erste Erläuterungsberichte ausreichen. Teste zunächst mit einem Dokument aus einem abgeschlossenen Projekt — so kannst du die Qualität beurteilen, ohne aktuelle Kundendaten einzuspielen.
Wann welcher Ansatz:
- Einzelner Erläuterungsbericht, höchste Textqualität → Claude mit Projekt-Setup
- Mehrere Mitarbeitende, gemeinsam gepflegter Bürostil → ChatGPT Custom GPT
- Erste Gehversuche ohne Commitment → beide kostenlos ausprobieren
Datenschutz und Datenhaltung
Erläuterungsberichte enthalten häufig noch unveröffentlichte Entwurfskonzepte, Angaben zu Bauherren und Grundstücksdaten. Das ist für Architekten kein triviales Datenschutzthema.
Was personenbezogen ist und was nicht: Die architektonischen Konzeptinhalte selbst — Raumkonzepte, Materialwahl, Erschließungsideen — sind in der Regel keine personenbezogenen Daten im Sinne der DSGVO. Problematisch wird es, wenn du Bauherrnamen, Grundstücksadressen oder spezifische Kundendaten in den Prompt einbringst.
Empfehlung für die Praxis:
- Entwurfskonzepte ohne personenbezogene Kundendaten → ChatGPT Free oder Claude Free für Tests akzeptabel
- Für professionelle Nutzung mit Kundendaten → Claude Team oder ChatGPT Business (ca. 25 EUR/Nutzer/Monat) — nur dort werden keine Gesprächsdaten für das Modell-Training genutzt
- Kein AVV erforderlich für rein technisch-konzeptionelle Texte ohne Personenbezug; sobald Kundendaten enthalten, AVV beim Anbieter einfordern
EU-Datenhosting: Beide Tools verarbeiten Daten standardmäßig auf US-Servern. Für die meisten Erläuterungsberichte ist das vertretbar — da keine besonders schützenswerten Daten enthalten sind. Wer grundsätzlich EU-seitig bleiben will, kann Claude über AWS Bedrock (Frankfurt) nutzen, was technisches Setup erfordert.
Was es kostet — realistisch gerechnet
Laufende Kosten:
- Claude Free: 0 EUR — reicht für 2–3 Erläuterungsberichte pro Monat
- Claude Pro: ca. 18 EUR/Monat — für wöchentlichen Einsatz
- ChatGPT Plus: ca. 22 EUR/Monat — ähnlicher Preispunkt
- Kein Setup, keine Implementierungskosten, keine IT-Begleitung nötig
Was du dagegenrechnest: Ein Architekt mit 80 EUR Stundensatz, der einen Erläuterungsbericht in 4 Stunden schreibt, erzeugt 320 EUR Opportunitätskosten. Mit KI-Unterstützung (45–90 Minuten) sind es 60–120 EUR. Differenz: 200–260 EUR pro Bericht.
Bei einem Büro, das 12 Berichte pro Jahr produziert, macht das 2.400–3.120 EUR eingesparte Formulierungszeit — für ein Werkzeug, das 18–22 EUR im Monat kostet (216–264 EUR/Jahr). Der Hebel ist eindeutig.
Konservatives Szenario: Wer nur einen halben der Zeitersparnis realisiert (weil Überarbeitung länger dauert als erwartet oder Notizen nicht ausreichend strukturiert sind), kommt immer noch auf eine Einsparung von 1.200–1.500 EUR pro Jahr bei einem 12-Berichte-Büro. Der Break-even liegt nach dem zweiten verwendeten Dokument.
Wie du den Nutzen misst: Stoppe die Zeit bei den ersten fünf Dokumenten: einmal vor Prompt-Absenden, einmal beim Abschluss der Überarbeitung. Das ist deine persönliche Baseline für die Entscheidung, ob sich der Ansatz für euer Büro lohnt.
Vier typische Einstiegsfehler
1. Unstrukturierte Stichwörter eingeben. “Bitte schreib einen Erläuterungsbericht über unser Schulprojekt in Karlsruhe” — das ist kein nützlicher Input. Die KI produziert irgendeinen Text über Schulgebäude, der mit eurem Projekt nichts zu tun hat. Lösung: Gib immer konkrete Angaben zur Gebäudeart, zur städtebaulichen Situation, zu euren Entwurfsentscheidungen und zum gewünschten Ton. Je strukturierter der Input, desto verwertbarer der Output.
2. Den Rohentwurf ungeprüft übernehmen. Eine Studie bei deutschen Architekturbüros zeigt: 95 Prozent sehen Risiken in ungeprüften KI-Texten, und 52 Prozent fühlen sich noch unzureichend kompetent, KI-Outputs zu beurteilen. Dieser Befund ist ernst zu nehmen. Ein KI-Erläuterungsbericht kann halluzinieren: falsche Beziehungen zwischen Entwurfselementen herstellen, normative Behauptungen aufstellen, die nicht stimmen, oder Formulierungen verwenden, die beim genauen Hinschauen inhaltlich leer sind. Jeder KI-Text muss vom Architekten fachlich durchgelesen und autorisiert werden — das ist keine optionale Qualitätsstufe, sondern Bedingung für die Nutzung.
3. Keinen Bürostil vorgeben. Ohne Stilanweisung schreibt die KI Sätze wie „Das Gebäude fügt sich harmonisch in die umgebende Bebauungsstruktur ein und verbindet moderne Ansprüche mit historischen Bezügen.” Kein Juror liest weiter. Lösung: Drei repräsentative Absätze aus eigenen Archivtexten in den Prompt kopieren und explizit verbieten, was ihr nie schreiben würdet — zum Beispiel „harmonisch”, „modern und nachhaltig” oder „verbindet”.
4. Prompt-Vorlagen nicht pflegen. Das funktioniert fantastisch für den ersten Wettbewerb. Sechs Monate später hat sich euer Projektschwerpunkt verschoben — neue Typen, neuer Standort, neues Büroprofil. Wer die Prompt-Vorlagen nicht nachführt, arbeitet mit zunehmend schlechter passendem Kontext und wundert sich über schlechtere Outputs. Lösung: Prompt-Bibliothek einmal pro Quartal mit dem aktuellen Büroprofil abgleichen. Das dauert 30 Minuten und hält die Qualität konstant.
Was mit der Einführung wirklich passiert — und was nicht
Die meisten Büros, die KI-gestützte Texterstellung einführen, erleben eine typische Kurve: Die ersten Resultate überraschen positiv — das Werkzeug kann tatsächlich Erläuterungsberichte auf brauchbarem Niveau. Die zweite Reaktion ist oft Ernüchterung: Der Text klingt nicht wie wir. Die dritte Phase (wenn man sie durchläuft) ist die produktive: Man lernt, was man eingeben muss, damit der Output wirklich nützlich ist.
Dieser Lernprozess dauert drei bis sechs Nutzungsrunden — danach werden die meisten Büros ihren Workflow dauerhaft umstellen.
Was typischerweise Widerstand erzeugt: “Das klingt nicht wie wir” ist die häufigste erste Reaktion. Das stimmt — und es ist lösbar (siehe Stilabschnitt). Der Widerstand ist produktiv: Er zwingt das Büro dazu, den eigenen Sprachcharakter zu artikulieren, was für viele Büros zum ersten Mal überhaupt passiert.
“Was, wenn die Jury merkt, dass wir KI benutzt haben?” ist die zweite häufige Frage. Das Risiko ist real, aber kein anderes als beim Einsatz von Ghostwritern oder professionellen Textern — die in der Branche seit Jahrzehnten genutzt werden. Wer einen KI-Rohentwurf so überarbeitet, dass er seinem inhaltlichen Konzept entspricht und nach dem eigenen Bürostil klingt, ist Autor des Textes. Wer den Rohentwurf unverändert abgibt, hat ein anderes Problem.
Was konkret hilft:
- Mit einem abgeschlossenen Projekt starten — kein Druck, kein Zeitlimit, nur Lerneffekt
- Die ersten drei Outputs nebeneinander mit dem eigenen handgeschriebenen Text vergleichen
- Explizit aufschreiben, was am Output gut war und was nicht — das ist das Material für die verbesserte Prompt-Vorlage
Realistischer Zeitplan mit Risikohinweisen
| Phase | Dauer | Was passiert | Typisches Risiko |
|---|---|---|---|
| Erster Test | Tag 1 | Ein abgeschlossenes Projekt als Probetext — Claude oder ChatGPT ohne Setup testen | Output klingt generisch → Ursache: zu wenig spezifischer Input |
| Stil-Setup | Woche 1 | Drei Musterparagrafen aus Archivtexten extrahieren, Prompt-Vorlage mit Stilanweisung erstellen | Bürostil schwer zu verbalisieren → Einen Kollegen fragen: “Was klingt nach uns?” |
| Erster Echtfall | Woche 2 | Nächster Erläuterungsbericht oder Wettbewerbstext mit KI-Unterstützung — Zeit stoppen | Zeitaufwand für Überarbeitung höher als erwartet → Input-Notizen nachstrukturieren |
| Routine | Monat 2–3 | Prompt-Vorlage verfeinert, Workflow eingespielt, Zeitersparnis messbar | Stil-Drift nach Projekttyp-Wechsel → Vorlage monatlich kurz prüfen |
Der gesamte Zeitplan bis zur routinierten Nutzung: 4–6 Wochen. Das ist der schnellste Rollout in der Architektur-KI-Kategorie.
Häufige Einwände — und was dahintersteckt
“Erläuterungsberichte sind zu individuell für KI.” Das stimmt — und ist gleichzeitig das Argument für KI: Die individuelle architektonische Idee sitzt in deinem Kopf. Die KI nimmt nicht die Idee ab, sondern die Formulierungsarbeit. Der Rohentwurf ist das Skelett; du gibst ihm Fleisch und Ton. Wer das Werkzeug so versteht, findet keinen Widerspruch zwischen individueller Architektur und KI-Texthilfe.
“Das ist doch nur Ghostwriting.” Ja — und? Ghostwriting ist in der Branche seit Jahrzehnten verbreitet. Pressemitteilungen von Architekturbüros werden von PR-Agenturen formuliert, Wettbewerbsunterlagen werden von Büros mit Textprofis perfektioniert. KI demokratisiert diesen Prozess für kleinere Büros, die sich keine externe Textbegleitung leisten. Der entscheidende Unterschied zu schlechtem Ghostwriting: Du kennst das Projekt, du weißt, was stimmt, und du trägst die fachliche Verantwortung für den Inhalt.
“Was, wenn die KI fachlich falsch liegt?” Das kann passieren. KI kann Beziehungen zwischen Entwurfselementen erfinden, die nicht stimmen, oder Normaussagen treffen, die sie nicht belegen kann. Das ist der Grund, warum der Prüfschritt durch den Architekten nicht optional ist. Lies den Rohentwurf mit der gleichen Sorgfalt, mit der du einen Textentwurf eines Praktikanten prüfen würdest — kein blindes Vertrauen, aber auch keine irrationale Skepsis.
Woran du merkst, dass das zu dir passt
Das passt:
- Du schreibst mindestens vier Erläuterungsberichte oder Konzepttexte pro Jahr
- Du weißt beim Schreiben immer genau, was du sagen willst — das Formulieren ist das Problem
- Du hast Archivtexte aus Bestandsprojekten, die euren Bürostil zeigen
- Terminengpässe durch parallele Wettbewerbe oder Projekte sind bei euch kein Einzelfall
Drei harte Ausschlusskriterien — wann es sich (noch) nicht lohnt:
-
Kleinstes Büro mit weniger als drei bis vier Wettbewerben oder Projekten pro Jahr. Der einmalige Aufwand für eine gute Prompt-Vorlage ist vertretbar; unter einer gewissen Häufigkeit lohnt sich das Einarbeiten aber nicht gegenüber einem strukturierten eigenen Schreibprozess.
-
Kein Archiv eigener Texte vorhanden oder Bürostil noch nicht gefunden. Büros, die sehr jung sind oder deren Schreibcharakter sich noch im Aufbau befindet, bekommen von der KI zuverlässig einen generischen Mittelton — der weniger befriedigend ist als ein echter eigener Text. Erst wenn ihr drei bis fünf Texte habt, mit denen ihr selbst zufrieden seid, lohnt der Stil-Transfer.
-
Planungsnotizen sind ausschließlich in Köpfen, nicht auf Papier. KI formuliert nur, was eingegeben wird. Ein Büro, dessen Planungsdiskussionen nicht in strukturierten Stichwörtern enden (sondern nur als Erinnerungen im Gespräch), bekommt schlechte KI-Outputs — weil der Input fehlt. Die Einführung von KI-Texthilfe setzt voraus, dass Planungsgespräche zumindest in Stichwörtern dokumentiert werden.
Das kannst du heute noch tun
Suche in eurem Archiv einen abgeschlossenen Wettbewerbsbeitrag oder einen LPH-2-Erläuterungsbericht. Öffne Claude oder ChatGPT — beide kostenlos, kein Account nötig für erste Tests — und füge die wichtigsten Planungsnotizen oder die Kurzbeschreibung des damaligen Entwurfs ein. Dann schick den folgenden Prompt ab:
Mitarbeiter:in
KI-Assistent
Quellen & Methodik
- Europäische Architekturbüro-Erhebung zu KI-Zeitersparnis: Architekturblatt.de, „KI in der Architektur: Effizienzgewinne und Grenzen in der Planung” (2024), basierend auf einer Studie mit 1.076 Telefoninterviews in Deutschland, Österreich und der Schweiz, davon 125 deutsche Büros. Kernbefund: Ein Drittel der deutschen Architekt:innen berichtet deutliche Zeitersparnis bei Dokumentationsaufgaben durch KI.
- Praxisleitfaden KI im Architekturbüro: Phase0.com (ehemals Compa), „Künstliche Intelligenz im Architekturbüro 2026”, abgerufen Mai 2026. Empfiehlt explizit einen “fester Prüfprozess” für alle KI-generierten Architekturtexte.
- Claude-Workflows für Architekten: ArchSmarter.com, „Claude Workflows for Architects” (2025), abgerufen Mai 2026. Beschreibt den “Project Narrative Generator” als erste praktische KI-Anwendung für Architekturbüros.
- Preisangaben Claude und ChatGPT: Veröffentlichte Tarife von Anthropic (claude.ai) und OpenAI (chat.openai.com), Stand Mai 2026: Claude Pro ca. 18 EUR/Monat, ChatGPT Plus ca. 22 EUR/Monat.
- Risikowahrnehmung unter Architektinnen und Architekten: Deutsches Architektenblatt / dabonline.de, „Künstliche Intelligenz in der Architektur — Wie weit ist die Praxis wirklich?” (2024). Kernbefund: 95 Prozent der befragten Architekt:innen sehen Risiken in ungeprüften KI-Texten; 52 Prozent fühlen sich noch unzureichend kompetent, KI-Outputs fachlich zu beurteilen.
- HOAI Leistungsphasen 2 und 3: Honorarordnung für Architekten und Ingenieure, aktuelle Fassung. Erläuterungsberichte sind in LPH 2 und 3 als Grundleistungen vorgesehen.
Du willst wissen, ob sich der KI-Einsatz für eure spezifische Bürosituation lohnt und welche Prompt-Vorlage zu eurem Projektschwerpunkt passt? Meld dich — das können wir gemeinsam in einem kurzen Gespräch klären.
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