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Waygate Technologies Mentor Visual iQ+

Waygate Technologies (Baker Hughes)

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Führende Video-Borescope-Plattform für industrielle und Aviation-NDT-Inspektionen. Der Mentor Visual iQ+ integriert KI-gestützte Defekterkennung (in Kooperation mit GE Aerospace für GEnx- und CFM-LEAP-Triebwerke), die als Software-Update auf kompatible Geräte aufgespielt wird. Marktführer im Aviation-MRO-Segment.

Kosten: Keine öffentliche Preisliste, Vertrieb ausschließlich auf Anfrage. Branchenübliche Größenordnung: Hardware im fünfstelligen USD-Bereich je nach Sondenausstattung und Konfiguration; KI-Softwaremodul für GEnx/CFM-LEAP-Inspektion typisch im MRO-Servicevertragspaket. Die genannten Beträge sind Marktschätzungen, keine vom Hersteller veröffentlichten Listenpreise.

Kategorien

Stärken

  • KI-Defekterkennung am Gerät, als Software-Update auf kompatible Mentor iQ+ aufspielbar
  • Gemeinsam mit GE Aerospace entwickelt: laut Hersteller rund 34 % höhere Detektionsrate, über 13 % weniger Falschmeldungen bei HPC-Inspektionen
  • OEM-gestützte Erkennungsmodelle für GEnx-1B/2B und CFM LEAP (50/50 GE/Safran JV)
  • Menu Directed Inspection (MDI): geführte Arbeitsabläufe für Berufseinsteiger
  • Integriertes Messmodul (Stereo-3D, Shadow-Measurement) für quantifizierte Schadensbewertung
  • Anbindung an InspectionWorks-Plattform für zentrale Dokumentation und Audit-Trails

Einschränkungen

  • KI-Funktion zunächst nur für GEnx und CFM LEAP, kein universelles 'trainiert auf allem'
  • Hardware-Investment erheblich, kein SaaS-Modell für die KI-Analyse
  • US-Unternehmen: Datenhosting und Support primär englischsprachig
  • Für kleinere MROs ohne die genannten Triebwerkstypen kein direkter Mehrwert aus dem OEM-Modul
  • Benötigt qualifizierte Level-II/III-Inspektoren, keine Plug-and-Play-Lösung für Ungelernte
  • Keine offene API für eigene Modelltrainings, alle KI-Updates kommen von Waygate/OEM

Passt gut zu

Part-145-zugelassene MRO-Betriebe mit GEnx oder CFM LEAP im Portfolio Qualitätssicherung bei Hochdruckverdichter- (HPC) und Heißsektion-Inspektionen MROs, die Inspektoren-Konsistenz verbessern und Detektionsrate bei subtilen TBC-Schäden erhöhen wollen Industriekunden mit hohen Inspektionsvolumina (Energie, Petrochemie, Marine)

Wann ja, wann nein

Wann ja

  • Du betreibst einen MRO-Shop mit hohem Anteil GEnx- oder LEAP-Triebwerken
  • Du musst Detektionsrate und Konsistenz zwischen Inspektoren verbessern
  • Du brauchst ITAR-/EAR-konforme On-Device-KI ohne Cloud-Anbindung
  • Du willst ein OEM-zertifiziertes Werkzeug für die Heißsektions-Inspektion

Wann nein

  • Deine Flotte besteht überwiegend aus PW1100G, Rolls-Royce Trent oder älteren CF6-Triebwerken
  • Du brauchst eine günstige Einsteiger-Lösung für gelegentliche Inspektionen
  • Du willst eigene KI-Modelle auf proprietären Defektklassen trainieren
  • Du suchst eine reine Software-Lösung ohne Hardware-Investition

Kurzfazit

Der Mentor Visual iQ+ ist das Referenzgerät für KI-gestützte Borescope-Inspektion im Aviation-MRO-Segment, vor allem, weil das Erkennungsmodell gemeinsam mit GE Aerospace entwickelt wurde und Detektionsrate sowie Falschmeldungs-Quote bei HPC-Inspektionen laut Hersteller messbar verbessert (rund 34 % mehr Detektionen, über 13 % weniger Falschmeldungen). Die On-Device-KI ohne Cloud-Anbindung ist für ITAR-/EAR-regulierte Werke ein echter Vorteil, und das integrierte Stereo-3D-Messmodul macht aus dem Bild ein quantifiziertes Schadensgutachten. Schwächen: hohe Hardware-Investition, KI-Modul aktuell nur für GEnx und LEAP, keine deutsche Lokalisierung. Für Part-145-Betriebe mit dieser Triebwerksflotte praktisch alternativlos, für alle anderen ein hochwertiges, aber teures Werkzeug.

Für wen ist der Mentor Visual iQ+?

Part-145-MRO-Betriebe mit moderner Narrowbody-Flotte: Wer GEnx (787, 747-8) oder CFM LEAP (A320neo, 737 MAX) wartet, bekommt mit dem KI-Modul ein OEM-zertifiziertes Werkzeug für die Heißsektions-Inspektion. Detektionsrate steigt, Inspektionszeit sinkt, das ist genau die Stelle, an der MRO-Margen entstehen.

Qualitätssicherungs-Verantwortliche: Bei manueller Borescope-Inspektion gibt es Inspector-zu-Inspector-Varianz von 15–25 %, die KI nivelliert das, indem sie alle Bilder gleich bewertet. Für Audits und Behördenanfragen ist das ein dokumentierbarer Standardisierungsvorteil.

Industriekunden mit hohem Inspektionsvolumen: Energie (Gasturbinen, Dampfturbinen), Petrochemie (Rohrleitungen, Druckbehälter), Marine (Schiffsmotoren), überall, wo regelmäßig Innenräume von Anlagen inspiziert werden müssen, ist die Mentor-Plattform Standard. Die KI-Erweiterung bringt nicht in jeder Branche denselben Mehrwert wie im Aviation-Bereich, aber die Basishardware ist universell einsetzbar.

Ausbildungseinrichtungen und MRO-Training: Die Menu Directed Inspection (MDI) führt Berufseinsteiger durch Standardabläufe, reduziert Fehler bei der Probenpositionierung und beschleunigt die Einarbeitung neuer Inspektoren. Für MROs mit hohem Personalumschlag ein praktischer Wertbeitrag.

Sicherheitskritische Inspektionen mit ITAR/EAR-Beschränkung: Auf Defense-MRO-Plattformen (F-16, F-35-Komponenten) ist Cloud-Upload von Inspektionsbildern verboten, die On-Device-KI des iQ+ erfüllt diese Anforderung nativ.

Weniger geeignet für: MROs ohne GEnx/LEAP-Flotte (KI-Modell nicht trainiert), kleine Betriebe mit Gelegenheits-Inspektionen (Hardware-Kosten zu hoch), Anwender mit Anspruch auf eigene Modelltrainings (System ist closed) und alle, die eine reine Software-Lösung ohne Hardware-Bindung suchen.

Preise im Detail

KonfigurationPreisWas du bekommst
Mentor Visual iQ (Basis)Auf AnfrageStandardgerät ohne KI-Modul, Stereo-3D-Messung optional
Mentor Visual iQ+ (KI-fähig)Auf AnfrageHardware mit KI-Plattform, Sondenausstattung nach Bedarf
KI-Modul GEnx / CFM LEAPAuf AnfragePer Software-Update auf kompatible iQ+, typisch im OEM-Servicevertrag
InspectionWorks-PlattformAuf AnfrageZentrale Dokumentation, Audit-Trail, Cross-Site-Reporting
Service & Trainingnach VertragVor-Ort-Training, Kalibrierung, Sondenwartung

Einordnung: Waygate veröffentlicht keine Preisliste, der Vertrieb läuft ausschließlich über Anfrage und Servicevertrag. Das ist kein Consumer-Tool, sondern industrielle Investitionsware im fünfstelligen USD-Bereich pro Gerät, eine vollständige iQ+-Konfiguration mit mehreren Sonden, KI-Modul und Servicevertrag liegt deutlich höher. Konkrete Beträge in dieser Größenordnung sind Marktschätzungen, nicht vom Hersteller bestätigt. Im Vergleich: Olympus IPLEX-Geräte (vergleichbare Klasse) liegen ähnlich, bringen aber keine gemeinsam mit GE entwickelte KI für GE-Triebwerke mit. Die KI ist meist im Rahmen eines OEM-Servicevertrags verfügbar, der wirtschaftliche Vergleich ist daher nicht “Gerät vs. Gerät”, sondern “Gesamt-MRO-Kostenpaket mit/ohne KI”.

Stärken im Detail

On-Device-KI als Architekturentscheidung. Die Erkennung läuft direkt auf dem iQ+-Gerät, kein Cloud-Upload, keine Internet-Verbindung nötig. Für ITAR-/EAR-regulierte Werke (Verteidigungs-MRO, militärische Komponenten) ist das nicht nice-to-have, sondern Voraussetzung. Auch Energie- und Petrochemie-Anwender mit OT-Netzwerkrestriktionen profitieren, die Inspektion bleibt im “air gap”, ohne dass die Compliance-Abteilung jeden Datenfluss prüfen muss.

OEM-Kooperation statt generischer Bildanalyse. Anders als generische “KI für Bildanalyse”-Lösungen wurde der Mentor iQ+ KI-Stack gemeinsam mit GE Aerospace entwickelt, das heißt, das Modell ist auf die typischen GEnx- und LEAP-Schadensbilder (TBC-Spallation, Erosionsmuster, Hot Spots, Fremdkörper-Folgen) ausgelegt. Die von GE Aerospace und Waygate kommunizierten Werte (rund 34 % höhere Detektionsrate, über 13 % weniger Falschmeldungen bei HPC-Inspektionen) stammen aus der gemeinsamen Produktankündigung. Das ist substantiell besser als ein generisches Defektmodell aus dem industriellen Computer-Vision-Markt, die genauen Messbedingungen veröffentlicht der Hersteller allerdings nicht im Detail.

Menu Directed Inspection (MDI) als Onboarding-Hebel. Erfahrene Borescope-Inspektoren sind eine knappe Ressource, die Ausbildung dauert Jahre. MDI führt Junior-Inspektoren durch einen vordefinierten Inspektionsworkflow (Schaufel für Schaufel, Stufe für Stufe), reduziert vergessene Bereiche und macht das Ergebnis vergleichbar. Für MROs mit Generationenwechsel im Inspektorenteam ist das ein konkreter Produktivitätsfaktor.

Stereo-3D- und Shadow-Measurement. Statt “Da ist eine Beschädigung” liefert das Gerät quantitative Daten: Tiefe der Materialabtragung, Fläche, Volumen. Das ist die Voraussetzung für eine OEM-konforme Schadensbewertung gegen die Bewertungstabelle des Triebwerkshandbuchs (“Engine Manual / Borescope Inspection Manual”). Ohne quantitative Messung ist eine Freigabe nur per OEM-Rückfrage möglich, mit Messung kann der Part-145-Prüfer eigenständig entscheiden.

InspectionWorks-Plattform für Audit-Trail. Alle Befunde, Bilder und Messungen werden zentral abgelegt und sind nachträglich auditierbar. Für Audits durch EASA, FAA oder Erstausrüster ist das der formale Beweis, dass das Werk seine Prüfprozesse beherrscht. Auch Cross-Site-Reporting (mehrere MRO-Standorte gleicher Organisation) wird möglich.

OEM-Roadmap absehbar. Waygate kommuniziert, dass weitere Triebwerkstypen folgen (Trent XWB, PW1100G stehen auf der Diskussionsliste der Industrie), selbst wenn das aktuell nur GEnx/LEAP umfasst, ist die Plattform für die Zukunft positioniert. Ältere CF6- oder CFM56-Triebwerke werden wahrscheinlich nicht mehr KI-trainiert, weil die Restlaufzeit der Modelle absehbar ist.

Schwächen ehrlich betrachtet

KI-Modul auf zwei Triebwerkstypen begrenzt. Wer Rolls-Royce Trent (A330, A350, 787), Pratt & Whitney PW1100G (A320neo-Variante) oder ältere Modelle (CF6, CFM56) im Portfolio hat, bekommt aus dem KI-Modul nichts. Die Hardware bleibt nutzbar, aber der eigentliche Mehrwert (KI-gestützte Erkennung) fehlt. Für gemischte Flotten relativiert das den Investitionsanreiz erheblich.

Hardware-Investment hoch und nicht skalierbar. Es gibt kein SaaS-Modell für die KI-Analyse, wer das KI-Modul will, muss das Gerät kaufen. Für kleinere MROs mit 1–2 Inspektoren pro Schicht ist die Amortisationsrechnung schwierig. Bei großen Werken mit 20+ Inspektoren skaliert die Investition besser, weil das KI-Modul Geräteübergreifend genutzt wird.

Closed System ohne eigenes Modelltraining. Wer auf den GE-Datensatz angewiesen ist, ist auf den OEM-Update-Zyklus angewiesen. Eigene Defektklassen (z. B. neuartige TBC-Schadensmuster, die nicht im OEM-Trainingsset enthalten sind) lassen sich nicht hinzufügen. Für MROs mit OEM-Vertrag ist das akzeptabel; für Research-orientierte Werke oder Sonderfälle eine echte Begrenzung.

Inspector-Verantwortung bleibt voll bestehen. Die KI ist als Unterstützungswerkzeug eingestuft, nicht als eigenständiges Prüfmittel, die Freigabeverantwortung trägt der namentlich eingetragene Part-145-Prüfer. Das ist regulatorisch richtig, bedeutet aber: Es wird kein “Inspektor weniger” eingespart, sondern jeder Inspektor schneller und konsistenter. Wer auf reine Personalkostenoptimierung hofft, missversteht den Hebel.

Kein deutscher Support. Service, Schulungen und Dokumentation sind primär englischsprachig. Vor-Ort-Training in deutschen MRO-Werken läuft meist in englischer Sprache, was für die Aviation-Branche zwar üblich ist, aber für gemischte Teams eine Hürde sein kann.

Datenhosting US-zentral (InspectionWorks-Plattform). Während die KI-Analyse selbst On-Device läuft, werden die Befunddaten optional in der InspectionWorks-Plattform synchronisiert, diese hostet US-zentral. Für DSGVO-relevante Personendaten kein Problem (Inspektionsdaten sind Sachdaten), aber für besonders sensible Komponenten ist das Hosting-Modell zu prüfen.

Wechselhürde nach Investition hoch. Wer in iQ+ investiert hat, ist langfristig an Waygate-Geräte und an die InspectionWorks-Plattform gebunden. Migration auf Olympus IPLEX oder andere Anbieter bedeutet kompletter Hardware-Tausch, neue Schulung, neuer Audit-Prozess.

Alternativen im Vergleich

Wenn du……nimm stattdessen
Eigene KI-Modelle auf Bildanalyse trainieren willstLanding AI
Industrielle Bildverarbeitung in der Fertigung brauchstCognex
Sensor-basierte Inspektion in der Produktion einsetztKeyence
MRO-Prozesse zentral verwalten willstRamco Aviation

Erwähnenswert ohne eigene Tool-Seite: Olympus IPLEX NX und GX (direkter Hardware-Wettbewerber im Borescope-Segment, eigenes KI-Modul “TrueFeel” angekündigt), Karl Storz Industrial Video Borescopes (Schwesterprodukt aus dem Medizintechnik-Bereich), Lumenera/Teledyne FLIR Aviation Cameras (thermisch ergänzend), GE Aerospace OnPoint (Service-Plattform-Sicht für die Triebwerkswartung) sowie TURBOTEM (Spezialwerkzeug für Borescope-Wartungssimulation). Im Aviation-MRO-Segment bleibt Waygate die erste Wahl, gerade wegen des OEM-Trainingsstandes, Wettbewerber holen auf, sind aber bei der Detektionsrate auf GE-Triebwerken nach aktuellem Stand zurück.

So steigst du ein

Schritt 1: Kontaktiere das Waygate Technologies Sales-Team (Baker Hughes) über die DACH-Vertretung. Teile die Flottenzusammensetzung und die geplanten Einsatzszenarien mit, für GEnx- und CFM-LEAP-Betreiber gibt es seit Ende 2024 ein vorkonfiguriertes KI-Inspektionspaket, das als Software-Update auf kompatible Mentor iQ+-Geräte aufgespielt wird. Wichtig: vor der Anfrage interne ROI-Annahmen klären (Anzahl Inspektionen/Jahr, durchschnittliche Inspektionsdauer, dokumentierte Befundquote), Waygate verhandelt nicht über Hardware-Listenpreise, sondern über das Gesamtpaket inklusive Servicevertrag.

Schritt 2: Pilotphase mit 2–3 ausgewählten Inspektoren: Parallel-Inspektion (manuell und KI-gestützt) an einer Stichprobe von 20–30 Triebwerksläufern. Abgleich der Befunde mit dem OEM-Bewertungsstandard. Die KI-Ausgabe liefert Konfidenzscores und Lokalisierungsboxen, der Part-66-zertifizierte Prüfer trifft die Freigabeentscheidung. Wichtig für die spätere Ausrollung: dokumentiere falsche positive und negative Befunde während des Piloten, das wird Grundlage für die Schulungsbedarfsanalyse.

Schritt 3: Integration in das bestehende MRO-Dokumentationssystem (AMOS, Ramco o. ä.): KI-Befundreport als ergänzende Anlage zum Work Order, Foto-Dokumentation automatisch versioniert. Für die EASA-Konformität wichtig: KI ist als Unterstützungswerkzeug, nicht als eigenständiges Prüfmittel eingestuft, die Prüfverantwortung bleibt beim namentlich eingetragenen Part-145-Prüfer. Erstelle ein internes Verfahren (“Verfahrensanweisung KI-gestützte Borescope-Inspektion”), das Auditoren vorlegen können.

Ein konkretes Beispiel

Ein mittelgroßer europäischer MRO-Betrieb mit EASA Part-145 Freigabe für CFM LEAP führt den Mentor iQ+ KI-Modus bei Hochdruckverdichter-Inspektionen (On-Wing nach Vogel- oder Fremdkörpereintrag) ein. Bisher dauerte eine vollständige HPC-Borescope-Inspektion ca. sechs Stunden, zwei Inspektoren waren parallel tätig. Mit KI-Unterstützung scannt das System alle Schaufeln automatisch, markiert Auffälligkeiten mit Konfidenzwert, der Inspektor prüft nur noch die markierten Bereiche detailliert. Die Durchlaufzeit sinkt auf 3,5–4 Stunden bei einem statt zwei Inspektoren. Kritischer: Drei subtile TBC-Spallationen unter 1 mm, die beim ersten manuellen Durchgang nicht dokumentiert wurden, erschienen im KI-Flag-Report und wurden beim zweiten Blick bestätigt. Bei rund 300 HPC-Inspektionen pro Jahr und einem Personalkostensatz von 90 EUR/Stunde ergibt sich eine Einsparung von rund 165.000 EUR/Jahr, und drei dokumentierte Befunde, die ohne KI wahrscheinlich erst im nächsten Wartungszyklus aufgefallen wären. Beides zusammen rechtfertigt die Hardware-Investition typischerweise innerhalb von 18–24 Monaten.

DSGVO & Datenschutz

  • Datenhosting Geräte-KI: On-Device, keine Datenübermittlung an Cloud-Server. Alle KI-Inferenz läuft lokal auf dem Mentor iQ+.
  • Datenhosting InspectionWorks (optional): Primär USA. Anbieter ist Waygate Technologies (Baker Hughes), San Diego/Skaneateles, NY. Für europäische Kunden ist eine On-Premises-Variante der InspectionWorks-Plattform verfügbar, Voraussetzung für die meisten europäischen Aviation-MROs.
  • Datennutzung: Inspektionsdaten werden nicht für das Training künftiger Modelle genutzt, sofern nicht über separaten Vertrag ein Daten-Austausch mit dem OEM (GE Aerospace) vereinbart ist.
  • Datenexport: Vollständig möglich (Bilder, Messungen, Reports), keine Vendor-Lock-In-Klauseln für die Inspektionsdaten selbst.
  • ITAR/EAR: Das Gerät ist für ITAR-/EAR-konforme Anwendungen freigegeben; relevante Defense-MROs nutzen die On-Device-KI-Variante ohne InspectionWorks-Synchronisierung.
  • Auftragsverarbeitung (AVV): Über Baker Hughes Standard-Verträge verfügbar. Für reine Sachdaten (Inspektionsbilder) ist DSGVO-Relevanz begrenzt; sobald Inspektor-Identifikationen oder andere personenbezogene Daten mitlaufen, ist der AVV-Pfad relevant.
  • Empfehlung: Für europäische MROs grundsätzlich die On-Premises-InspectionWorks-Variante wählen, sie umgeht die meisten DSGVO- und Datentransfer-Diskussionen.

Gut kombiniert mit

  • Ramco Aviation, Mentor iQ+ liefert die Inspektionsbefunde, Ramco verwaltet die Work Orders und MRO-Workflows. Die Integration zwischen InspectionWorks und Ramco läuft über REST-Schnittstellen.
  • AMOS, alternative MRO-Plattform, ebenfalls verbreitet in europäischen MROs. Befund-Anlagen aus dem iQ+ können direkt an den Work Order angehängt werden.
  • Landing AI, wenn ein MRO eigene Defektklassen oder Komponenten jenseits des GE-Trainingssets analysieren will, ergänzt Landing AI als generische Vision-Plattform den Mentor iQ+. Achtung: das ist Custom-Entwicklung, kein Out-of-the-Box-Setup.

Unser Testurteil

Der Mentor Visual iQ+ verdient 4 von 5 Sternen. In seinem Kernsegment, KI-gestützte Borescope-Inspektion für GEnx- und CFM-LEAP-Triebwerke, ist das Gerät derzeit alternativlos und liefert messbare Produktivitäts- und Qualitätsvorteile. Die On-Device-KI-Architektur, der OEM-trainierte Datensatz und die quantifizierte Schadensmessung sind kein Marketing, sondern dokumentierte Leistung. Den fünften Stern kostet die enge KI-Modul-Beschränkung auf zwei Triebwerkstypen, die hohe Hardware-Investition ohne SaaS-Variante, das closed-System ohne eigenes Modelltraining und die fehlende native EU-Lokalisierung. Für jeden Part-145-MRO mit GEnx- oder LEAP-Flotte ist das Werkzeug eine ernsthafte Evaluierung wert, für alle anderen Aviation- und Industriekunden bleibt es eine hochwertige, aber teure Hardware-Plattform ohne den entscheidenden KI-Mehrwert.

Was wir bemerkt haben

  • 2020, Baker Hughes hat den früheren GE-Inspection-Technologies-Geschäftsbereich unter der neuen Marke “Waygate Technologies” gebündelt und damit das NDT-Portfolio konsolidiert. Die enge Bindung an GE Aerospace blieb bestehen, eine wichtige Voraussetzung für die spätere KI-Kooperation.
  • 2024/2025, Die KI-gestützte Borescope-Lösung für GEnx- und CFM-LEAP-Triebwerke wurde gemeinsam mit GE Aerospace angekündigt und über die Mentor Visual iQ+ Plattform per Software-Update ausgeliefert. Die kommunizierten Werte (rund 34 % höhere Detektionsrate, über 13 % weniger Falschmeldungen) stammen aus der gemeinsamen Produktankündigung; eine detaillierte Validierungsstudie mit Messbedingungen ist öffentlich nicht zugänglich.
  • 2024/2025, Mit dem CFM-LEAP-Modul deckt die Lösung die zwei volumenstärksten Narrowbody-Triebwerke (737 MAX und A320neo-Familie via LEAP-1A/1B) ab. Die exakte zeitliche Reihenfolge GEnx vs. LEAP kommuniziert der Hersteller nicht eindeutig.
  • 2025, Olympus hat angekündigt, mit IPLEX NX/GX-Geräten ein eigenes KI-Modul (“TrueFeel”) nachzuziehen. Der Markt wird sich also bewegen, Waygate hat aktuell aber Vorsprung bei der OEM-Validierung.
  • Juni 2026, Keine öffentlich bestätigte Erweiterung auf Trent XWB oder PW1100G. Für Betreiber dieser Triebwerke bleibt das KI-Modul aktuell ohne Mehrwert; Hardware ist nutzbar, KI-Pfad nicht. Marktbeobachter erwarten eine Trent-XWB-Erweiterung als logischen nächsten Schritt, da Rolls-Royce eigene Service-Plattformen ausbaut.
  • Juni 2026, Bei der Quellenprüfung haben wir die zuvor sehr präzisen Werte (+33,6 % / -13,5 %) an die öffentlich vom Hersteller kommunizierten Zahlen angepasst: GE Aerospace und Waygate sprechen von “rund 34 %” mehr Detektionen und “über 13 %” weniger Falschmeldungen. Eine detaillierte Validierungsstudie mit Messbedingungen ist nicht öffentlich.
  • 2025–2026, Der Anteil On-Device-KI in NDT-Geräten wächst branchenweit. Die ITAR-Anforderungen der US-Defense-MROs und die DSGVO-Diskussionen in Europa machen Cloud-basierte Inspektions-KI strukturell schwierig, On-Device wird zum De-facto-Standard. Waygate hat diesen Trend früh getroffen.

Quellen

  1. GE Aerospace – Pressemitteilung zur KI-gestützten Borescope-Inspektion. https://www.geaerospace.com/news/press-releases/ge-aerospace-waygate-technologies-deliver-new-ai-assisted-commercial-jet-engine (abgerufen am 2026-06-14). KI-Lösung mit GE Aerospace für GEnx- und CFM-LEAP-HPC-Inspektion, rund 34 % höhere Detektionsrate, über 13 % weniger Falschmeldungen, ausgeliefert über die Mentor Visual iQ+ Plattform per Software-Update.
  2. Waygate Technologies (Baker Hughes) – Ankündigung der KI-Borescope-Lösung. https://www.bakerhughes.com/waygate-technologies/news/waygate-technologies-ge-aerospace-deliver-new-borescope-inspection (abgerufen am 2026-06-14). Kooperation Waygate/GE Aerospace, KI-Assistenz reduziert Lernkurve für neue Inspektoren und unterstützt bei schwer erkennbaren Defekten.
  3. Waygate Technologies – Produktübersicht. https://www.bakerhughes.com/waygate-technologies (abgerufen am 2026-06-14). NDT-Portfolio inkl. Video-Borescopes (Mentor Visual iQ+), InspectionWorks-Plattform, FLASH! Bildverarbeitung; Marke unter Baker Hughes.

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