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ServiceNow Now Assist

ServiceNow, Inc.

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Generative KI-Schicht über die ServiceNow-Plattform, KI-gestützte Zusammenfassungen, Virtual-Agent-Antworten, Wissensartikel und Flow-Designer-Code für ITSM, CSM, HR und ITOM. Tief in bestehende Workflows eingebettet, dadurch hoher Praxiswert für ServiceNow-Bestandskunden. Lohnt sich ausschließlich, wenn die Plattform bereits etabliert ist, als Standalone-Lösung viel zu teuer und kein eigener Kaufgrund.

Kosten: Now Assist SKU als kostenpflichtiges Add-on zu bestehenden ServiceNow-Lizenzen. Keine öffentliche Preisliste, Lizenzierung erfolgt pro Modul (Now Assist for ITSM, ITOM, CSM, HRSD, Creator) und pro Nutzer auf Anfrage. Praktisch nur sinnvoll für Bestandskunden mit ServiceNow-Plattformlizenz; Einstieg typisch im fünf- bis sechsstelligen Jahresbereich

Stärken

  • Tief in ServiceNow-Workflows integriert, Vorschläge erscheinen direkt im Incident, Case oder HR-Ticket, kein Tool-Wechsel
  • KI-generierte Incident- und Case-Zusammenfassungen sparen messbar Zeit bei Übergaben und Eskalationen
  • Now Assist for Code (Flow Designer) generiert Glide-Skripte und Flow-Schritte aus natürlicher Sprache
  • Virtual Agent mit LLM-Antworten greift auf Wissensdatenbank, Knowledge-Artikel und Tickethistorie zu
  • Modular pro Workflow-Familie lizenzierbar, ITSM, CSM, HR, ITOM, Creator separat buchbar
  • Now LLM (eigenes ServiceNow-Foundation-Modell) ergänzt um optionale Anbindung an Azure OpenAI und Microsoft Copilot
  • Enterprise-Compliance ab Werk, SOC 2, ISO 27001, FedRAMP, BSI C5 für deutsche Datenresidenz verfügbar

Einschränkungen

  • Keine eigenständige Lösung, ohne ServiceNow-Plattformlizenz nicht nutzbar, Add-on-Kosten nur für Bestandskunden sinnvoll
  • Intransparente Preisgestaltung, alle Konditionen nur im Vertriebsgespräch, keine Self-Service-Bestellung
  • Pro Modul separate Lizenz nötig, wer ITSM, CSM und HR nutzt, zahlt drei Add-ons
  • Implementierung verlangt erfahrene ServiceNow-Architekten oder Beratungspartner, Day-1-Wert ohne Setup gering
  • Now LLM ist gegenüber GPT-4-Klasse-Modellen in Sprachqualität zurück, gut für Plattform-Tasks, schwächer bei freiem Schreiben
  • Datenresidenz hängt von der gebuchten ServiceNow-Instanz ab, globale Standardinstanzen sind nicht automatisch DSGVO-optimal
  • ROI realistisch erst messbar bei Service-Desk-Volumen ab mehreren tausend Tickets pro Monat

Passt gut zu

ServiceNow-Bestandskunden IT-Service-Desk Customer-Service-Teams HR-Shared-Services Großunternehmen mit etabliertem ITSM

Wann ja, wann nein

Wann ja

  • Du betreibst ServiceNow bereits produktiv und willst Service-Desk-Tickets, Cases oder HR-Anfragen mit KI beschleunigen
  • Dein Service Desk verarbeitet mindestens mehrere tausend Tickets pro Monat, der ROI greift bei dieser Skala
  • Du brauchst KI-Vorschläge direkt im Workflow (Incident, Case, HR-Ticket) statt in einer separaten Anwendung
  • Du willst Flow Designer und Glide-Skripting für Citizen Developer mit Natural-Language-Codegenerierung öffnen

Wann nein

  • Du nutzt ServiceNow noch nicht, der reine Einstieg über Now Assist lohnt sich nicht
  • Du suchst eine günstige KI-Hilfe für ein kleines IT-Team, Now Assist ist Enterprise-Pricing
  • Dein Use-Case ist freies Schreiben oder allgemeine Recherche, dafür sind ChatGPT, Claude oder Copilot besser
  • Du erwartest sofortigen Mehrwert ohne Beratungsaufwand, Now Assist verlangt Konfiguration je Modul

Kurzfazit

ServiceNow Now Assist ist die generative KI-Schicht über die gesamte ServiceNow-Plattform, Incident-Zusammenfassungen, Case-Resolution-Vorschläge, Virtual-Agent-Antworten und Code-Generierung im Flow Designer. Der grosse Vorteil: KI erscheint dort, wo Service-Desk-Mitarbeitende, HR-Berater:innen oder Customer-Service-Teams ohnehin schon arbeiten, kein Tool-Wechsel, keine Datensilos. Der grosse Nachteil: Now Assist ist nur als Add-on zu bestehenden ServiceNow-Lizenzen verfügbar, die Preisgestaltung ist intransparent und beginnt im fünf- bis sechsstelligen Jahresbereich. Für ServiceNow-Bestandskunden mit hohem Ticketvolumen kann der ROI sehr schnell positiv werden, als Einstiegspfad in Enterprise-KI ist Now Assist dagegen die falsche Wahl.

Für wen ist ServiceNow Now Assist?

ServiceNow-Bestandskunden mit grossem Service Desk: Wer bereits ITSM auf ServiceNow betreibt und dreistellige Agentenzahlen hat, gewinnt durch Now Assist messbar Zeit. Incident-Summarisation für Schichtübergaben, Resolution Notes nach Ticket-Schliessung und Knowledge-Artikel-Vorschläge sind die drei Killer-Features im Service-Desk-Alltag.

Customer-Service-Organisationen (CSM): Wer ServiceNow Customer Service Management nutzt, bekommt mit Now Assist for CSM Case-Zusammenfassungen, Antwortvorschläge und Wissensartikel-Empfehlungen. Besonders für Hochvolumen-B2B- oder B2C-Support mit langen Case-Historien ist das ein erheblicher Hebel auf die Average-Handle-Time.

HR-Shared-Services: HR Service Delivery (HRSD) auf ServiceNow profitiert von Now Assist for HRSD: KI-gestützte Beantwortung wiederkehrender Mitarbeiterfragen, automatische Klassifikation von HR-Tickets und Vorschläge für Standardantworten. Für Konzern-HR mit zentralem Service-Desk in Hamburg, München oder Frankfurt eine reale Entlastung.

ITOM-Teams: Now Assist for ITOM bringt KI-Unterstützung für Operations Management, Anomalieerkennung, Ursachenvorschläge bei Ausfällen und vorgefertigte Runbooks. Wer AIOps schon mit ServiceNow Discovery und Event Management betreibt, schliesst hier eine Generative-AI-Lücke.

Citizen Developer und Flow-Designer-Anwender: Now Assist for Code übersetzt natürliche Sprache in Glide-Skripte und Flow-Designer-Aktionen. Für interne Plattform-Teams, die viele Workflows pflegen, beschleunigt das die Entwicklung neuer Automationen, ohne dass jeder Citizen Developer JavaScript lernen muss.

Weniger geeignet für: Kleine und mittlere Unternehmen ohne ServiceNow (Einstiegshürde zu hoch), Teams mit weniger als wenigen tausend Tickets pro Monat (ROI rechnet sich nicht), Anwendungsfälle ausserhalb ITSM/CSM/HR/ITOM (Now Assist deckt nur ServiceNow-Workflows ab) und alle, die freies Schreiben oder allgemeine LLM-Funktionen brauchen, dafür sind Claude oder Microsoft 365 Copilot bessere Werkzeuge.

Preise im Detail

KomponentePreisWas du bekommst
ServiceNow-PlattformlizenzVoraussetzungNow Assist baut auf bestehender ITSM/CSM/HRSD/ITOM-Lizenz auf, keine Now-Assist-Nutzung ohne Plattform
Now Assist for ITSMAuf AnfrageKI-Vorschläge in Incident, Problem, Change, Summarisation, Resolution Notes, Knowledge-Empfehlung
Now Assist for CSMAuf AnfrageCase-Zusammenfassungen, Antwortvorschläge, Wissensartikel-Empfehlungen für Customer Service
Now Assist for HRSDAuf AnfrageHR-Ticket-Klassifikation, Beantwortung wiederkehrender Mitarbeiterfragen, Übersetzungen
Now Assist for ITOMAuf AnfrageKI-gestützte Ursachenanalyse, Runbook-Vorschläge, Anomalie-Erläuterungen
Now Assist for CreatorAuf AnfrageCode- und Flow-Generierung für Flow Designer und App Engine, natürliche Sprache zu Glide-Skript
Now Assist for Field ServiceAuf AnfrageAußendienst-spezifische KI: Arbeitsauftrag-Zusammenfassungen, Wissensvorschläge im Mobile Client

Einordnung: ServiceNow veröffentlicht keine Listenpreise, alle Konditionen werden im Vertriebsgespräch verhandelt. Realistische Grössenordnung in der Praxis: Now Assist for ITSM startet im niedrigen fünfstelligen Jahresbereich für mittlere Service-Desk-Teams und kann bei grossen, modulübergreifenden Implementierungen schnell sechsstellig werden. Pro Modul wird separat lizenziert, wer ITSM, CSM und HR mit Now Assist abdecken will, zahlt drei Add-ons. Faustregel: Mindestens 15 % bis 30 % Aufschlag auf die bestehende Modullizenz, je nach Bundle-Verhandlung. Wer Listenpreise und Self-Service-Bestellung erwartet, ist bei Now Assist falsch, das ist klassisches Enterprise-Vertriebsgeschäft mit Discount-Verhandlung, Multi-Year-Commitment und Partner-Beteiligung.

Stärken im Detail

Workflow-Integration ist die eigentliche Killer-Funktion. Now Assist erscheint direkt im Ticket, das die Agentin gerade bearbeitet, als KI-Zusammenfassung über dem Incident, als Antwortvorschlag im Case, als Resolution-Note-Entwurf am Ticket-Ende. Es gibt kein zweites Fenster, keine Copy-Paste-Strecke, keinen Kontextverlust. Genau hier liegt der entscheidende Unterschied zu „LLM-Tab nebenher”, Now Assist ist nicht ein weiteres Tool, sondern eine Eigenschaft des bestehenden Tools.

Incident- und Case-Summarisation mit echtem Zeitgewinn. Die häufigste produktive Funktion: KI fasst eine lange Ticket-Historie (Kommentare, Logs, Eskalationen) in drei bis fünf Sätzen zusammen. Bei Schichtübergaben im 24/7-Service-Desk oder bei der Übergabe vom 1st-Level an den 2nd-Level ist das ein realer Effizienzhebel, viele Kunden berichten von 20 bis 40 Prozent kürzeren Übergabezeiten. Bei Resolution Notes verbessert die KI ausserdem die Datenqualität: weniger leere oder lieblose Abschlussnotizen, mehr verwertbare Knowledge-Base-Substanz.

Virtual Agent endlich auf LLM-Niveau. ServiceNows klassischer Virtual Agent (vor 2024 noch ein Decision-Tree-Bot) ist mit Now Assist auf generative LLM-Antworten umgestellt. Das Ergebnis: Mitarbeiterfragen wie „Wie reiche ich Spesen für Frankfurt-Reise ein?” oder „Mein Outlook lässt sich nicht öffnen, was kann ich tun?” werden mit konkreter, aus der Wissensdatenbank gespeister Antwort beantwortet, ohne dass jemand den Bot vorher mühsam scripten muss. Für Self-Service-Quoten ist das ein erheblicher Hebel.

Now Assist for Code beschleunigt die Plattform-Entwicklung. Wer schon einmal ein Glide-Script in ServiceNow geschrieben hat, weiss: Die API ist mächtig, aber die Lernkurve hoch. Now Assist for Code übersetzt Anforderungen wie „Sende eine E-Mail an den Manager, wenn ein Incident länger als 4 Stunden offen ist” in einen Flow-Designer-Schritt mit der korrekten API-Nutzung. Citizen Developer und Plattform-Teams sparen damit substantielle Stunden pro Woche.

Modulare Lizenzierung statt All-or-Nothing. Im Gegensatz zu manchen Konkurrenz-Suiten lizenziert ServiceNow Now Assist pro Modul, wer nur ITSM nutzt, zahlt nur Now Assist for ITSM. Das senkt die Einstiegshürde für Pilotprojekte und erlaubt eine schrittweise Skalierung. Üblicher Pfad: erst ITSM, dann CSM, dann HRSD, über zwei bis drei Jahre.

Enterprise-Compliance ohne Bastelarbeit. ServiceNow ist seit Jahren in regulierten Branchen etabliert, SOC 2, ISO 27001, HIPAA, FedRAMP High und für deutsche Behörden BSI C5 sind im Standard verfügbar. Now Assist erbt diese Zertifizierungen, was die Compliance-Bewertung gegenüber „freien” KI-Tools erheblich vereinfacht. Auch Audit-Logs, RBAC und Data-Loss-Prevention sind integriert, nicht aufgesetzt.

Schwächen ehrlich betrachtet

Kein eigenständiger Kaufgrund. Now Assist ist technisch und kommerziell ein Add-on, ohne ServiceNow-Plattformlizenz keine Nutzung. Wer ServiceNow noch nicht im Haus hat, sollte die Plattform nicht „wegen der KI” einführen, die ServiceNow-Implementierung selbst ist ein 6- bis 18-monatiges Projekt mit substantiellen Beratungskosten. Für Greenfield-Szenarien sind klassische LLM-Tools oder schlankere Service-Desk-KI-Lösungen wie Freshservice realistischer.

Intransparente Preisgestaltung. ServiceNow veröffentlicht keine Now-Assist-Listenpreise auf der Website, alles läuft über den Vertrieb. Für KMU oder mittelständische IT-Leiter:innen, die schnell budgetieren wollen, ist das eine echte Hürde. Selbst Verbandsanalysten und Forrester-Berichte arbeiten mit Schätzungen, weil ServiceNow Pricing als Wettbewerbsvorteil schützt.

Pro Modul separate Lizenz nötig. Wer ein wirklich umfassendes KI-Erlebnis über ITSM, CSM, HR und Operations haben will, kauft drei oder vier Now-Assist-SKUs. Das macht das Add-on-Bündel schnell sehr teuer, und im Vergleich zu „eine GPT-Lizenz für alles” wirkt das Modell altmodisch. Wer bereits Microsoft 365 Copilot im Haus hat, fragt sich zu Recht, warum es ein zweites KI-Werkzeug für ServiceNow geben soll.

Now LLM ist nicht GPT-4-Klasse. ServiceNow hat ein eigenes Foundation Model („Now LLM”) trainiert, das für Plattform-Tasks (Summarisation strukturierter Tickets, Knowledge-Vorschläge, Klassifikation) gut funktioniert. Bei freier Sprache, kreativen Texten oder komplexen Argumentationen ist es spürbar schwächer als GPT-4o, Claude Sonnet oder Gemini. Wer das ausgleichen will, kann optional Azure OpenAI oder Microsoft Copilot anbinden, was wieder zusätzliche Lizenzkosten erzeugt.

Implementierungsaufwand wird unterschätzt. Out-of-the-Box liefert Now Assist Basis-Features, der echte Wert entsteht aber erst durch Konfiguration: Welche Felder werden in die Summarisation einbezogen? Welche Knowledge-Quellen darf der Virtual Agent nutzen? Welche Datenklassifikationen blockieren KI-Vorschläge? Diese Setup-Arbeit verlangt erfahrene ServiceNow-Architekten oder einen zertifizierten Implementierungspartner, und kann im sechsstelligen Beratungs-Aufwand enden.

DSGVO hängt vom gebuchten Datacenter ab. ServiceNow betreibt Rechenzentren weltweit, darunter in Frankfurt und Amsterdam für EU-Kunden. Aber: Standardinstanzen sind nicht automatisch in der EU gehostet, das verlangt explizite Vertragsgestaltung. Bei Now Assist kommt hinzu, dass für bestimmte Funktionen (z. B. Anbindung an Azure OpenAI) Datenflüsse in andere Regionen entstehen können. Das gehört in jeden DSGVO-Abnahmeprozess, ist aber kein Selbstläufer.

Lock-in ins ServiceNow-Ökosystem. Wer Now Assist intensiv nutzt, vertieft die ServiceNow-Abhängigkeit, Workflows, KI-Konfigurationen und Knowledge-Modelle sind ServiceNow-spezifisch und nicht portabel. Für Bestandskunden, die ohnehin auf ServiceNow setzen, ist das kein Problem; für alle, die mittelfristig ihre ITSM-Strategie offen halten wollen, schon.

Alternativen im Vergleich

Wenn du……nimm stattdessen
Eine Microsoft-365-zentrierte KI-Lösung suchst (Outlook, Teams, SharePoint)Microsoft 365 Copilot
Direkten LLM-Zugriff in der EU-Cloud brauchst (DSGVO-konform)Azure OpenAI Service
Allgemeine KI für Schreiben, Analyse und Code suchstClaude
Workflow-Automatisierung ausserhalb von ServiceNow brauchstn8n
Recherche mit transparenten Quellenangaben willstPerplexity

Erwähnenswert ohne eigene Tool-Seite: Freshservice Freddy AI (deutlich günstigere ITSM-KI für KMU mit Freshservice-Plattform), Atlassian Intelligence (KI für Jira Service Management, der direkte Wettbewerber im IT-Operations-Markt), Salesforce Einstein for Service (KI für Salesforce Service Cloud mit ähnlicher Workflow-Integration im CSM-Segment), Zendesk AI (KI im Customer-Service-Tool) und Microsoft Copilot for Service (Microsofts eigene Service-KI mit Dynamics-Anbindung). Now Assist bleibt für ServiceNow-Bestandskunden meistens die richtige Wahl, wer aber neu evaluiert oder kleinere Teams hat, sollte mindestens Freshservice Freddy AI und Atlassian Intelligence ernsthaft prüfen.

So steigst du ein

Schritt 1: Voraussetzungen prüfen, bist du überhaupt ServiceNow-Kunde? Now Assist verlangt eine bestehende Plattformlizenz für mindestens ein Modul (ITSM, CSM, HRSD, ITOM). Wenn ja: Welche Version läuft? Now Assist setzt mindestens ServiceNow Vancouver, Washington oder Xanadu (die Releases von 2023/2024) voraus, viele Funktionen sind erst ab Yokohama (2025) sinnvoll nutzbar. Wer auf älteren Releases sitzt, plant zuerst ein Plattform-Upgrade ein.

Schritt 2: Pilotmodul auswählen. Üblicher Einstieg ist Now Assist for ITSM mit zwei klar definierten Anwendungsfällen: (a) Incident Summarisation für Schichtübergaben, (b) Resolution Notes Generation. Beide Funktionen lassen sich in 4 bis 8 Wochen mit überschaubarem Aufwand implementieren und liefern messbaren ROI über Average-Handle-Time und Knowledge-Quality-Metriken. Andere Module (CSM, HRSD) folgen später.

Schritt 3: Beratungspartner einbinden, oder eigene Architekten ausbilden. Now-Assist-Konfiguration ist nicht trivial: Welche Felder werden tokenisiert? Wie werden personenbezogene Daten maskiert? Welche Knowledge-Quellen sind freigegeben? Ein zertifizierter ServiceNow-Implementierungspartner spart hier Monate. Alternativ: eigene ServiceNow-Architekten zur CIS-Now-Assist-Zertifizierung schicken, ServiceNow Learning bietet dazu offizielle Lernpfade.

Schritt 4: Datenschutz und Datenklassifikation klären. Vor dem Go-Live muss geklärt sein, welche Datenklassifikationen (öffentlich, intern, vertraulich, streng vertraulich) für KI-Verarbeitung freigegeben sind und welche nicht. Tickets mit personenbezogenen Daten oder Sicherheitsinformationen sollten in der Regel nicht in den ersten Pilotumfang. AVV mit ServiceNow ist Standard, sollte aber explizit für Now Assist überarbeitet werden, die KI-Verarbeitung ist datenschutzrechtlich ein eigener Tatbestand.

Schritt 5: KPIs vor dem Go-Live festlegen. Was willst du nach 6 Monaten messen? Realistische Metriken: Average-Handle-Time je Ticket, First-Contact-Resolution-Quote, Self-Service-Quote über Virtual Agent, Knowledge-Artikel-Wiederverwendungsrate. Ohne klare Vorher-Nachher-Messung wird die ROI-Diskussion mit dem CFO bei der nächsten Lizenzverlängerung schwierig.

Ein konkretes Beispiel

Ein deutscher Konzern (gut 12.000 Mitarbeitende, Hauptsitz im Rhein-Main-Gebiet, internationale IT-Struktur) betreibt seit 2019 ServiceNow ITSM mit ca. 180 Service-Desk-Agenten an drei Standorten (Frankfurt, Bratislava, Manila, Follow-the-Sun). Monatliches Ticketvolumen: rund 38.000 Incidents, 4.500 Service-Requests. Pain Point vor Now Assist: Schichtübergaben dauern im Schnitt 12 Minuten je Eskalations-Ticket, Resolution Notes sind in 35 % der Tickets unbrauchbar leer oder einsätzig. Now Assist for ITSM Implementierung: 6 Wochen mit Implementierungspartner, Fokus auf Incident Summarisation und Resolution Notes Generation. Datenklassifikation „streng vertraulich” und Tickets mit personenbezogenen Daten initial ausgeschlossen. Ergebnis nach 4 Monaten: Schichtübergaben auf 7 Minuten je Ticket gesunken (-42 %), Quote unbrauchbarer Resolution Notes auf 11 % gefallen, Knowledge-Artikel-Wiederverwendung um 28 % gestiegen. Lizenzkosten: mid-six-figures USD/Jahr Add-on auf bestehende ITSM-Lizenz. Amortisation: rechnerisch knapp 9 Monate über eingesparte Agent-Zeit. Im Folgejahr: Ausbau auf Now Assist for HRSD für die zentrale HR-Hotline mit 8 weiteren Standardanwendungsfällen.

DSGVO & Datenschutz

  • Datenhosting: Globale ServiceNow-Rechenzentren, darunter Frankfurt (Deutschland), Amsterdam (Niederlande), Dublin (Irland) für EU-Kunden. Kein automatisches EU-Hosting, die Datacenter-Region wird im Vertrag explizit festgelegt; Standardinstanzen können in den USA liegen.
  • Anbieter: ServiceNow, Inc. mit Sitz in Santa Clara, Kalifornien. EU-Niederlassung: ServiceNow Nederland B.V., Amsterdam. Geschäftliche Vertragspartner für deutsche Kunden ist üblicherweise eine ServiceNow-Tochtergesellschaft in der EU.
  • Now LLM: Eigenes ServiceNow-Foundation-Modell, gehostet in ServiceNow-Infrastruktur. Trainingsdaten der Kunden werden laut ServiceNow nicht für das Training des Modells verwendet, Kundenprompts und -daten bleiben mandantengetrennt.
  • Optionale Drittanbieter-LLMs: Now Assist kann optional Azure OpenAI Service einbinden. Dabei verlassen Daten ggf. die ServiceNow-Instanz und unterliegen zusätzlich Microsofts Datenschutzbedingungen. Diese Anbindung ist explizit zu konfigurieren, kein Default.
  • Compliance-Zertifikate: SOC 1/2 Type II, ISO 27001/27017/27018, HIPAA, FedRAMP High, IRAP. Für deutsche Behörden ist BSI C5 verfügbar (Cloud Computing Compliance Criteria Catalogue), allerdings nicht für jede Plattformkonfiguration automatisch, das gehört in die Vertragsverhandlung.
  • Auftragsverarbeitung (AVV): Standard für alle Enterprise-Kunden. Für Now Assist sollte die AVV-Anlage explizit um KI-Verarbeitungstatbestände ergänzt werden, viele Datenschutzbeauftragte verlangen das inzwischen.
  • Empfehlung für Unternehmen: Vor Now-Assist-Einführung Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA) durchführen, EU-Datacenter im Vertrag festlegen, Datenklassifikationen für KI-Verarbeitung definieren und Anbindung an Drittanbieter-LLMs (Azure OpenAI) bewusst entscheiden.

Gut kombiniert mit

  • Microsoft 365 Copilot, viele ServiceNow-Kunden nutzen parallel Microsoft 365. Copilot in Outlook, Teams und SharePoint ergänzt Now Assist sinnvoll: Copilot deckt die allgemeine Wissensarbeit ab, Now Assist die Service-Desk-spezifische KI im Ticket. Beide Welten lassen sich über Microsoft Graph und ServiceNow-Konnektoren verbinden.
  • Azure OpenAI Service, wenn Now LLM für bestimmte Use-Cases nicht ausreicht, kann Now Assist über Azure OpenAI an GPT-4o oder GPT-5 in der EU-Region (Frankfurt, Niederlande, Schweden) angebunden werden. Datenschutz und Vertragsfragen müssen sauber geklärt sein, dann gewinnt man Sprachqualität auf Top-Niveau.
  • n8n, wenn Workflows ServiceNow verlassen und Drittsysteme (E-Mail, Slack, externe APIs, Vertragsdatenbanken) ansprechen, ist n8n als Open-Source-Orchestrator eine günstige Ergänzung zum ServiceNow Flow Designer. n8n hat einen ServiceNow-Konnektor und kann KI-Schritte vor- oder nachgelagert einbauen, wo Now Assist nicht reicht.

Unser Testurteil

ServiceNow Now Assist verdient 4 von 5 Sternen. Es ist die mit Abstand stärkste KI-Integration für Enterprise-ITSM und für ServiceNow-Bestandskunden mit substantiellem Service-Desk-Volumen ein no-brainer-Add-on. Die Workflow-Tiefe, KI-Vorschläge im selben Ticket, in der gewohnten Oberfläche, mit Zugriff auf historische Daten und Knowledge, ist von keinem nachgelagerten LLM-Tab erreichbar. Den fünften Stern verlieren wir wegen der vollständig intransparenten Preisgestaltung (kein Listenpreis, keine Self-Service-Bestellung, jede Kondition Verhandlungssache), wegen der Pro-Modul-Lizenzierung, die das Bündel teuer macht, und wegen der Tatsache, dass Now LLM bei freier Sprache deutlich hinter GPT-4o oder Claude liegt, wer das ausgleichen will, braucht zusätzlich Azure OpenAI. Für ServiceNow-Häuser ist Now Assist die richtige Antwort; für alle anderen sind die Alternativen ehrlicher.

Was wir bemerkt haben

  • September 2023, ServiceNow stellte Now Assist erstmals als generative KI-Schicht über die Plattform vor (Vancouver-Release). Anfangs waren Funktionen sehr begrenzt; richtig produktiv nutzbar wurde Now Assist erst mit dem Washington-DC-Release (Frühjahr 2024) und Xanadu (Herbst 2024).
  • 2024, ServiceNow hat ein eigenes Foundation Model Now LLM veröffentlicht, basierend auf StarCoder-Architektur und mit eigenen Domain-Daten trainiert. Damit reduziert sich die Abhängigkeit von OpenAI/Azure, gleichzeitig ist Now LLM bei freier Sprache spürbar schwächer als GPT-4-Klasse-Modelle. ServiceNow positioniert das Modell offen als „domain-spezifisch optimiert”, nicht als Allrounder.
  • 2024, Strategische Erweiterung der Microsoft-Partnerschaft: Now Assist kann nahtlos Azure OpenAI als optionalen LLM-Backend nutzen. Für Kunden mit gesetzten Microsoft-Stack vereinfacht das den Compliance- und Vertragspfad erheblich.
  • 2025, ServiceNow hat Now Assist Skills als komponentenbasiertes Modell eingeführt, einzelne KI-Funktionen werden als wiederverwendbare „Skills” gepflegt und können zwischen Modulen geteilt werden. Das macht die Konfiguration handhabbarer, erhöht aber die Komplexität für Plattform-Architekten.
  • Mai 2026, Pricing bleibt vollständig intransparent. Forrester- und Gartner-Analystenberichte schätzen typische Aufschläge auf bestehende Modullizenzen zwischen 15 % und 35 %, ServiceNow selbst veröffentlicht keine Listenpreise. Für KMU-Kunden, die eine schnelle Budget-Abschätzung brauchen, ist das weiterhin eine echte Hürde.

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