SEAMCAT
European Communications Office (ECO / CEPT)
SEAMCAT (Spectrum Engineering Advanced Monte Carlo Analysis Tool) ist das offizielle, kostenlose Interferenzanalyse-Werkzeug der CEPT (European Conference of Postal and Telecommunications Administrations). Es berechnet mithilfe der Monte-Carlo-Methode die statistische Wahrscheinlichkeit von Funkstörungen zwischen verschiedenen Funksystemen — und ist das Standardwerkzeug für Kompatibilitätsstudien in der Frequenzplanung.
Kosten: Vollständig kostenlos und Open Source. Keine Lizenz erforderlich. Verfügbar als Desktop-Anwendung für Windows, macOS und Linux.
Stärken
- Offizielles Werkzeug der CEPT / ECO — Ergebnisse sind von Regulierungsbehörden wie BNetzA anerkannt
- Vollständig kostenlos und Open Source — keine Lizenzkosten
- Monte-Carlo-Simulation für statistisch belastbare Interferenzabschätzungen
- Unterstützt alle gängigen Funksysteme: Mobilfunk, Satelliten, Richtfunk, Radar
- Umfangreiche Plugin-Bibliothek und Nutzercommunity
Einschränkungen
- Steile Lernkurve — erfordert fundierte HF-Kenntnisse (Ausbreitungsmodelle, Leistungsgrößen, Koordinationsabstände)
- Keine grafische Kartenansicht — Ergebnisse sind statistisch, nicht geographisch visualisiert
- Keine direkte BNetzA-Antragsanbindung — Export und manuelle Übernahme ins Antragsdokument erforderlich
- Benutzeroberfläche technisch anspruchsvoll — keine Low-Code-Bedienung möglich
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So steigst du ein
Schritt 1: Lade SEAMCAT kostenlos von der offiziellen CEPT-Seite herunter: cept.org/eco/eco-tools-and-services/seamcat. Starte mit dem mitgelieferten SEAMCAT Handbook — es führt Schritt für Schritt durch die Bedienung und enthält fertige Beispielszenarien.
Schritt 2: Definiere dein Szenario: Eingabe deiner Sendeanlage (Victim System) und der potenziellen Störquelle (Interfering System). Gib Frequenz, Sendeleistung (EIRP), Antennengewinn, Antennenhöhe und den räumlichen Abstand ein. Wähle das passende Ausbreitungsmodell (für industrielle Umgebungen häufig Extended Hata oder Winner II).
Schritt 3: Führe die Monte-Carlo-Simulation mit typisch 1.000–10.000 Iterationen durch. SEAMCAT liefert als Ergebnis die Wahrscheinlichkeit, mit der das Signal-zu-Interferenz-Verhältnis (SIR) unter den definierten Schutzschwellenwert fällt — dieser Wert ist die Grundlage für den Schutzabstand im Frequenzzuteilungsantrag.
Ein konkretes Beispiel
Ein Ingenieurteam plant ein 5G-NR-Campusnetz im Frequenzbereich 3.750–3.800 MHz für ein Automobilwerk in Ingolstadt. In einem Radius von 12 km gibt es drei weitere zugeteilte 3.7-GHz-Frequenznutzer. Mit SEAMCAT wird für jeden der drei Nachbarn ein separates Interferenzszenario berechnet: EIRP der eigenen Basisstation (43 dBm), Antennengewinn (17 dBi), mittlere Gebäudedämpfung im Industriegelände (15 dB), Winner-II-Ausbreitungsmodell. Das Ergebnis zeigt, dass bei einem Koordinationsabstand von 800 m die Interferenzwahrscheinlichkeit unter 5 % bleibt — dem Schwellenwert, den die BNetzA für die Zuteilung akzeptiert. Ohne SEAMCAT hätte das Team die Koordinationsdistanz nur grob abschätzen können.
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Telekommunikation
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