Microsoft Power BI
Microsoft
Microsofts Business-Intelligence-Plattform für interaktive Dashboards, Reporting und KI-gestützte Datenanalyse. Marktführer im BI-Segment mit tiefer Integration in Microsoft 365, Excel und Azure. Copilot, Q&A in natürlicher Sprache, Anomalieerkennung und AutoML sind verfügbar, die mächtigsten KI-Features setzen aber Fabric- oder Premium-Kapazität voraus.
Kosten: Power BI Desktop kostenlos (Windows), Pro 12,10 €/Nutzer/Monat (jährlich), Premium Per User 20,80 €/Nutzer/Monat (jährlich). Copilot benötigt zusätzlich Fabric F2+ oder Premium P1+ Kapazität (ab ca. 200 €/Monat aufwärts).
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Stärken
- Power BI Desktop ist vollständig kostenlos, vollwertige Berichtserstellung ohne Lizenzkosten
- Tiefe M365-Integration: Excel, Teams, SharePoint, OneDrive, Azure als native Datenquellen
- Copilot generiert Visualisierungen, DAX-Formeln und Berichts-Zusammenfassungen aus natürlichsprachigen Prompts
- Q&A-Funktion versteht deutsche Fachfragen und antwortet mit passenden Diagrammen
- Über 100 Datenkonnektoren: SAP, Salesforce, Snowflake, SQL Server, REST-APIs, Google Analytics
- Günstigster Einstieg in Enterprise-BI: Pro-Lizenz für 12,10 € unterbietet Tableau und Qlik deutlich
- EU-Datenresidenz über Microsoft Cloud Deutschland verfügbar (M365 EU Data Boundary)
Einschränkungen
- Power BI Desktop läuft ausschließlich auf Windows, kein nativer Mac- oder Linux-Client
- Copilot benötigt Fabric F2+ oder Premium P1+ Kapazität, für KMU oft unrealistisch teuer
- Lizenzmodell ist komplex: Pro, PPU, Fabric-Kapazitäten, M365-E5-Bundles überlappen sich
- DAX (die Formelsprache) hat eine steile Lernkurve und verhält sich oft kontraintuitiv
- Sharing erfordert Pro-Lizenz für alle Beteiligten, nicht nur die Ersteller
- Microsoft Fabric-Konsolidierung schafft Unsicherheit über die Zukunft eigenständiger Power-BI-Pläne
- Copilot in Sovereign-Clouds (z.B. Microsoft Cloud Deutschland) nicht verfügbar, wegen GPU-Knappheit
Passt gut zu
Wann ja, wann nein
Wann ja
- Dein Unternehmen nutzt Microsoft 365, SharePoint oder Azure produktiv
- Du brauchst interaktive Dashboards aus Excel-, SQL- oder SAP-Daten ohne Programmierung
- Du willst Berichte direkt in Microsoft Teams oder SharePoint einbetten
- Du suchst die kostengünstigste Enterprise-BI-Plattform mit professionellem Funktionsumfang
- Du brauchst eine BI-Plattform mit EU-Datenresidenz-Option
Wann nein
- Du arbeitest auf Mac oder Linux ohne Windows-VM oder Citrix-Umgebung
- Du willst Copilot in Power BI nutzen, aber kein Fabric-Capacity-Budget bereitstellen
- Du analysierst primär Google-Daten (Analytics, Ads, Sheets), Looker Studio ist günstiger
- Du brauchst tiefste Visualisierungstiefe für komplexe explorative Analysen, Tableau bietet mehr
- Dein Unternehmen verlangt Sovereign-Cloud-Hosting (Microsoft Cloud Deutschland) mit Copilot
Kurzfazit
Microsoft Power BI ist der De-facto-Standard für Business Intelligence in Microsoft-Umgebungen, und für Controlling, Finanzen und Management-Reporting in den meisten deutschen Unternehmen die naheliegende Wahl. Die kostenlose Desktop-Version ist vollwertig, die Pro-Lizenz für 12,10 €/Monat unterbietet alle ernsthaften Konkurrenten, und die Integration in Microsoft 365 ist konkurrenzlos. Die KI-Funktionen, Copilot, Q&A, Anomalieerkennung, sind real und nützlich, aber die mächtigsten davon (besonders Copilot) verlangen eine Fabric- oder Premium-Kapazität, die für viele KMU außer Reichweite bleibt. Wer das versteht, bekommt hier das beste Preis-Leistungs-Verhältnis im BI-Markt. Wer Copilot-Marketing für die Realität hält, wird beim Einkauf überrascht.
Für wen ist Microsoft Power BI?
Controller und Finanzteams: Der Kern-Anwendungsfall. SAP, Excel, ERP, CRM zusammenführen, monatliche Management-Berichte automatisieren, KPIs in Echtzeit darstellen. Was früher ein Tag manuelle Excel-Arbeit war, läuft mit Power BI als tägliche Routine, und der CFO bekommt das Dashboard direkt in Teams angezeigt, ohne Power BI je zu öffnen.
Bauunternehmen und Projektgeschäft: Baustellen-Reporting, Soll/Ist-Vergleiche aus dem ERP, Margen-Tracking pro Projekt. Power BI verbindet sich mit RIB iTWO, Sage, BRZ und anderen Bau-spezifischen ERP-Systemen, die Bauleitung sieht morgens die Vortagskosten ohne Excel-Export.
Maschinenbau und Industrie: Produktions-KPIs, OEE-Dashboards, Predictive Maintenance auf Basis historischer Sensordaten. Mit AutoML in Power BI Premium lassen sich einfache Vorhersagemodelle (Ausschussquote, Liefertermine) trainieren, ohne dass Data Scientists ins Spiel kommen müssen.
Textil- und Konsumgüterhersteller: Verkaufsanalysen, Lagerumschlag, Saisonvergleiche. Die DAX-Formelsprache erlaubt Zeitintelligenz-Berechnungen wie “rollierender 12-Monats-Umsatz nach Warengruppe”, die in Excel kaum noch wartbar sind.
KMU mit Microsoft-365-Lizenzen: Der wirtschaftlich beste Hebel. Power BI Pro ist in M365 E5 bereits enthalten, Power BI Desktop kostet niemanden etwas extra. Wer ohnehin im Microsoft-Stack arbeitet, sollte BI gar nicht erst anderswo suchen.
Weniger geeignet für: Mac- und Linux-Teams ohne Windows-Infrastruktur, Marketing-Teams die nur Google-Tools auswerten (Looker Studio ist dort kostenlos und tiefer integriert), und Unternehmen, die Copilot-KI in Power BI brauchen, aber kein Fabric-Capacity-Budget haben, das Marketing verspricht hier mehr als die Lizenzrealität liefert.
Preise im Detail
| Plan | Preis | Was du bekommst |
|---|---|---|
| Free (Power BI Desktop) | 0 € | Vollwertige Windows-Anwendung, lokale Berichtserstellung, alle Visualisierungen, Verbindung zu allen Datenquellen |
| Power BI Pro | 12,10 €/Nutzer/Monat (jährlich) | Berichte teilen und kollaborativ bearbeiten, Power BI Service in der Cloud, automatische Datenaktualisierung, 10 GB Speicher pro Nutzer, in M365 E5 enthalten |
| Premium Per User (PPU) | 20,80 €/Nutzer/Monat (jährlich) | Alle Pro-Funktionen plus größere Modelle (100 GB), 48 Aktualisierungen pro Tag (statt 8), Deployment-Pipelines, paginierte Berichte, AI-Insights |
| Microsoft Fabric F-Kapazitäten | Ab ca. 200 €/Monat (F2 reserviert) bis ~8.000 €/Monat (F64) | Kapazitätsbasierte Lizenzierung für ganze Organisationen, Copilot-fähig ab F2, unbegrenzte Free-Viewer, vereinheitlichte Daten- und Analyseplattform |
| Power BI Premium P1+ | Auf Anfrage (nur Enterprise Agreements) | Klassische dedizierte Kapazität, wird langfristig in Fabric überführt |
Alle Preise zzgl. MwSt., bei jährlicher Vorauszahlung. M365 E5-Lizenzen enthalten Power BI Pro bereits ohne Aufpreis.
Einordnung: Für die meisten deutschen KMU funktioniert das Modell „kostenloser Desktop für Ersteller plus wenige Pro-Lizenzen für die Sharing-Verantwortlichen”. Ein Team aus drei Controllern (Pro, je 12,10 €) und 25 Berichts-Konsumenten (sehen Berichte über kostenlose Viewer, sofern diese auf Premium-Workspaces liegen, sonst auch Pro-Lizenz nötig) bleibt unter 50 €/Monat. Wer dagegen Copilot in Power BI ernsthaft einsetzen will, landet zwingend bei Fabric F2+: Das sind reservierte Kosten ab ca. 200 €/Monat, plus Pro-Lizenzen für die Nutzer. Diese Schwelle ist die unterschätzte Hürde für Copilot-Begeisterte. Premium Per User für 20,80 € hilft hier nicht, PPU schaltet Copilot nicht frei, das geht nur über Fabric- oder Premium-Kapazität.
Stärken im Detail
Die Datenkonnektivität ist der eigentliche USP. Power BI verbindet sich mit über 100 Datenquellen direkt aus dem Power Query Editor, Excel, SQL Server, Oracle, SAP HANA, Salesforce, Snowflake, BigQuery, REST APIs, SharePoint-Listen, Dynamics 365 und vielen mehr. Was in anderen Tools eine separate ETL-Pipeline wäre, ist hier eine Klick-Konfiguration. Power Query als Bereinigungs- und Transformationsschicht ist seit Jahren das wohl ausgereifteste No-Code-ETL-Werkzeug am Markt, und kostenlos in jedem Power BI Desktop enthalten.
Copilot ist real, aber an Bedingungen geknüpft. Wenn die Voraussetzungen (Fabric-Kapazität, freigeschaltete Tenant-Einstellungen, vorbereitetes semantisches Modell) erfüllt sind, kann Copilot in Power BI tatsächlich Berichtsseiten aus Prompts erzeugen, DAX-Formeln vorschlagen, Dashboards zusammenfassen und Erzählvisualisierungen generieren. Wer beispielsweise „Erstelle eine Berichtsseite mit Umsatz nach Region als Karte und Top-10-Produkten als Tabelle” eingibt, bekommt ein verwertbares Ergebnis. Die Qualität der Antworten hängt allerdings stark davon ab, wie sauber das semantische Modell vorbereitet ist, Microsoft beschreibt das offen in der Dokumentation.
Q&A funktioniert auf Deutsch und ohne Setup. Die natürlichsprachige Abfrage existiert in Power BI seit Jahren und ist nicht an Fabric-Kapazität gebunden, sie ist im normalen Pro-Plan enthalten. Geschäftsanwender können „Umsatz nach Vertriebsregion im letzten Quartal als Säulendiagramm” eintippen und bekommen die passende Visualisierung. Für viele Anwendungsfälle ist das die wichtigere KI-Funktion als Copilot, und sie ist breit verfügbar.
Tiefe Integration in Microsoft Teams und SharePoint. Power-BI-Berichte können direkt als Teams-Tab eingebettet werden. Der CFO sieht den Liquiditätsstatus morgens in Teams, ohne Power BI zu öffnen. Diese Integration ist nahtlos und kein anderes BI-Tool kommt bei Microsoft-Kunden auch nur in die Nähe.
Preis-Leistungs-Verhältnis im BI-Markt unschlagbar. Tableau Creator-Lizenzen kosten rund 75 USD/Monat, Qlik Sense Business etwa 30 USD/Monat, Power BI Pro liegt bei 12,10 €. Für Unternehmen mit Microsoft-365-Investment ist Power BI faktisch kostenlos im Bundle. Diese Preisstruktur hat den globalen BI-Markt in den letzten Jahren verändert.
EU-Datenresidenz über Microsoft Cloud Deutschland möglich. Power BI Service kann in europäischen Microsoft-Rechenzentren betrieben werden, M365 EU Data Boundary stellt sicher, dass Kundeninhaltsdaten in der EU verbleiben. Für DSGVO-sensible Branchen (Gesundheit, Recht, Finanzen) ist das ein Stein, der bei vielen Konkurrenten fehlt.
Schwächen ehrlich betrachtet
Copilot ohne Fabric ist eine Marketing-Falle. Microsoft bewirbt Copilot in Power BI prominent, aber die Voraussetzungen werden klein gedruckt: Es braucht eine bezahlte Fabric-Kapazität ab F2 oder Power BI Premium ab P1. Eine Pro-Lizenz reicht nicht, eine Premium-Per-User-Lizenz reicht nicht. Für KMU mit drei Controllern bedeutet Copilot also: zusätzlich mindestens 200 € pro Monat für eine F2-Kapazität, und das nur, um die KI-Funktion zu testen. Diese Hürde wird in der Marketing-Kommunikation systematisch verschwiegen.
Windows-Only ist 2026 ein echtes Problem. Power BI Desktop läuft nur auf Windows. Es gibt einen browserbasierten Editor im Power BI Service, aber er kann weniger als die Desktop-App und reicht für ernsthafte Modellierung nicht aus. Mac-Teams müssen entweder Parallels/VMware betreiben, eine Citrix-Umgebung pflegen oder auf ein anderes Tool ausweichen. In Designagenturen, Architekturbüros und Tech-Startups, wo Macs Standard sind, ist das ein Ausschlussfaktor.
Das Lizenzmodell ist verwirrend. Pro, Premium Per User, Premium Capacity (P-Skus), Fabric Capacity (F-Skus), M365-Bundle-Optionen, Microsoft hat im Power-BI-Lizenzdschungel eine Komplexität geschaffen, die selbst erfahrene IT-Einkäufer fordert. Die Frage „Welche Lizenz brauche ich für Anwendungsfall X?” hat selten eine eindeutige Antwort. Für Unternehmen mit klar definierten Anforderungen lohnt sich Beratung durch einen Microsoft-Partner, der das Modell durchschaut.
DAX bleibt eine Hürde. Einfache Berichte baut man in Power BI in einer Stunde. Aber sobald Zeitintelligenz (Vorjahresvergleich, rollierende Summen), berechnete Spalten mit Filterkontext oder komplexe Measures gefragt sind, kommt DAX ins Spiel, Microsofts Formelsprache. DAX hat Eigenheiten, die Excel-Anwender nicht intuitiv beherrschen. Realistisch braucht es 20–40 Stunden gezieltes Lernen, um DAX produktiv einzusetzen. Wer das Investment scheut, bleibt bei einfachen Visualisierungen stecken.
Microsoft Fabric schafft strategische Unsicherheit. Microsoft positioniert Fabric als Nachfolge-Plattform, in die Power BI langfristig integriert wird. Was das für Bestandskunden mit Pro-Lizenzen genau bedeutet, bleibt offen, die Roadmap-Kommunikation wechselt. Mittelfristig dürfte sich die Lizenzlandschaft erneut verändern, was Investitionsentscheidungen erschwert.
Copilot in der Microsoft Cloud Deutschland nicht verfügbar. Wer aus DSGVO-Gründen die deutsche Sovereign Cloud nutzt, hat kein Copilot. Microsoft begründet das mit GPU-Knappheit in den Sovereign-Cloud-Regionen. Für regulierte Branchen, die genau diese Cloud bewusst gewählt haben, ist das ein bitterer Widerspruch zur Marketing-Botschaft „KI für alle”.
Alternativen im Vergleich
| Wenn du… | …nimm stattdessen |
|---|---|
| Auf einem Mac arbeitest oder eine browserbasierte Lösung brauchst | Looker Studio |
| Tiefste Visualisierungstiefe und Enterprise-BI brauchst | Tableau |
| Daten-Pipelines mit visuellem No-Code-ETL bauen willst | Alteryx |
| KI-Assistenz im gesamten Office-Workflow willst, nicht nur in BI | Microsoft 365 Copilot |
| Skalierbare Datenplattform mit ML-Diensten brauchst | Microsoft Azure |
Erwähnenswert ohne eigenen Eintrag in unserer Top-5-Auswahl: Qlik Sense (assoziatives Datenmodell, starkes Self-Service), SAP Analytics Cloud (Pflicht für SAP-zentrierte Konzerne), Sigma Computing (Cloud-Data-Warehouse-nativer Konkurrent), Domo (Mid-Market-fokussiert) und MicroStrategy (Enterprise-Klassiker). Power BI bleibt im Mittelstand das pragmatische Standardprodukt, Konkurrenten gewinnen Punkte in spezifischen Nischen, aber kaum jemand schlägt Microsoft beim Preis-Leistungs-Verhältnis für M365-Kunden.
So steigst du ein
Schritt 1: Power BI Desktop installieren und mit echten Daten starten. Lade Power BI Desktop kostenlos für Windows herunter. Verbinde keine Demo-Datei, sondern eine echte Excel-Tabelle aus deinem Arbeitsalltag, eine Verkaufsliste, ein Projekt-Controlling, ein Lagerbestand. In zwei Stunden hast du dein erstes Dashboard mit drei Visualisierungen. Das gibt ein realistisches Gefühl, wo Power BI hilft und wo nicht.
Schritt 2: Im Team mit Pro-Lizenz teilen. Sobald die ersten Berichte stehen, veröffentliche sie über „Publish” im Power BI Service. Mit Microsoft 365 E5 ist Pro bereits enthalten, sonst kostet die Lizenz 12,10 €/Monat. Lade Kolleginnen ein, beobachte, wie sie mit Filtern interagieren, und sammle Feedback. Erst jetzt zeigt sich, ob deine Datenmodelle die richtigen Fragen beantworten.
Schritt 3: Q&A nutzen, DAX nur bei Bedarf lernen. Aktiviere die Q&A-Funktion und probiere natürlichsprachige Abfragen auf Deutsch („Umsatz nach Region letztes Quartal”). Für die meisten Standard-Reports reicht das. DAX lernst du erst, wenn ein konkreter Anwendungsfall (z.B. Vorjahresvergleich, rollierende Summen) es zwingend verlangt, die kostenlosen Tutorials von Guy in a Cube auf YouTube sind die beste Einstiegsressource.
Schritt 4 (Enterprise): Copilot-Anforderungen sauber kalkulieren. Wenn Copilot in Power BI ernsthaft erwogen wird, prüfe vorab die Lizenzkosten: Fabric F2-Kapazität startet reserviert bei rund 200 €/Monat, F4 doppelt so viel, und produktive Workloads landen oft bei F8 oder höher. Plane diese Kosten zusätzlich zu den Pro-Lizenzen. Eine 14-Tage-Trial-Kapazität von Microsoft erlaubt das Testen ohne Commitment.
Ein konkretes Beispiel
Ein mittelständisches Bauunternehmen aus Nordrhein-Westfalen mit 180 Mitarbeitenden hat Power BI für das Baustellen-Controlling eingeführt. Vorher: Die Bauleitung exportierte jeden Freitag manuell Daten aus dem RIB-iTWO-ERP, kopierte sie in eine Master-Excel-Tabelle und mailte den Status-PDF an die Geschäftsführung, Aufwand pro Woche: rund vier Stunden, zeitversetzt um sieben Tage. Heute zieht Power BI die ERP-Daten täglich automatisch über Power Query, berechnet Soll/Ist-Abweichungen pro Projekt mit DAX-Formeln und stellt das Dashboard direkt in Microsoft Teams bereit. Die Geschäftsführung sieht jeden Morgen die aktuellen Baustellen-Margen, drohende Kostenüberschreitungen erscheinen rot markiert. Q&A wird genutzt, damit Projektleiter selbst Fragen stellen können wie „Welche Baustelle hat in den letzten 14 Tagen die größte Kostensteigerung?”. Investition: drei Pro-Lizenzen (rund 36 €/Monat) plus zwei Wochen Einarbeitung durch eine externe Beratung. Zeitersparnis pro Woche: vier Stunden Controlling-Arbeit, plus deutlich schnellere Reaktion auf Kostenrisiken, das hat im ersten Jahr nachweisbar zwei Projekte vor Verlust bewahrt. Copilot wurde geprüft, aber wegen der Fabric-Kapazitätskosten bewusst zurückgestellt.
DSGVO & Datenschutz
- Datenhosting: Power BI Service läuft in Microsoft-Azure-Rechenzentren weltweit; die EU-Region (West Europe / North Europe) und die deutsche Sovereign Cloud (Microsoft Cloud Deutschland) sind verfügbar
- EU Data Boundary: Microsoft 365-Kunden können EU Data Boundary aktivieren, Kundeninhaltsdaten verbleiben dann in europäischen Datenzentren
- Datenverarbeitung: Inhaltsdaten werden in Microsoft-Datenzentren gespeichert, sensible Daten sollten vor Veröffentlichung anonymisiert oder über Row-Level Security geschützt werden
- Auftragsverarbeitung (AVV): Microsoft Online Services Data Protection Addendum (DPA) ist Standard für alle kommerziellen Kunden, M365-Verträge enthalten den DPA bereits
- Row-Level Security: Pro und höher unterstützen RLS, Nutzer sehen nur die Datensätze, für die sie berechtigt sind, wichtig für abteilungsübergreifende Berichte
- Copilot-Datenschutz: Copilot-Eingaben werden nicht zum Training der OpenAI-Modelle verwendet; Copilot in Sovereign Clouds (Microsoft Cloud Deutschland) ist aktuell nicht verfügbar
- Zertifizierungen: ISO 27001, ISO 27018, SOC 1/2/3, BSI C5, HIPAA, FedRAMP, die wohl umfassendste Compliance-Zertifizierung im BI-Markt
- Empfehlung für Unternehmen: Power BI Service in EU-Region betreiben, EU Data Boundary aktivieren, RLS für sensible Datensätze konfigurieren, AVV ist über M365-Vertrag bereits abgedeckt
Gut kombiniert mit
- Microsoft 365 Copilot, KI-Assistenz im gesamten Office-Stack, Power-BI-Berichte werden in Teams-Chats automatisch zusammengefasst und mit Kontext aus E-Mails und Dokumenten verknüpft
- Microsoft Azure, als Datenplattform unter Power BI: Azure SQL, Synapse Analytics oder Data Lake speisen die Berichte mit unternehmenskritischen Datenmengen, Fabric Capacity ist nativ in Azure integriert
- Alteryx, visuelle Daten-Pipelines vor dem Import in Power BI, besonders nützlich wenn die Datenvorbereitung komplexer wird als Power Query allein bewältigt
Unser Testurteil
Microsoft Power BI verdient 4 von 5 Sternen. Es ist die pragmatischste BI-Wahl für deutsche Unternehmen mit Microsoft-365-Investment, günstig, tief integriert, mit sinnvollen KI-Funktionen wie Q&A und (wo bezahlbar) Copilot. Den fünften Stern kosten drei Dinge: die Windows-Only-Beschränkung der Desktop-App (ein echter Ausschluss für Mac-Teams), die zunehmend verwirrende Lizenzlandschaft mit Pro/PPU/Fabric-Überschneidungen, und die ehrliche Wahrheit, dass die spannendsten KI-Features (Copilot in Power BI) eine Fabric- oder Premium-Kapazität voraussetzen, die für viele KMU außer Reichweite bleibt. Wer das nüchtern bewertet und nicht jedem Marketing-Versprechen folgt, bekommt mit Power BI das beste verfügbare BI-Werkzeug für die meisten deutschen Anwendungsfälle.
Was wir bemerkt haben
- April 2025, Microsoft hat die USD-Preise für Power BI Pro um 40 % von 10 auf 14 USD/Monat angehoben, Premium Per User von 20 auf 24 USD. Die EUR-Preise (12,10 € bzw. 20,80 €) blieben weitgehend stabil, europäische Kunden sind dadurch im internationalen Vergleich aktuell besser gestellt.
- August 2025, Die 32-Bit-Version von Power BI Desktop wurde eingestellt. Wer auf älteren 32-Bit-Systemen arbeitet, erhält keine Updates mehr und muss auf 64-Bit-Hardware migrieren.
- März 2025, Power BI Desktop setzt seitdem einen Prozessor mit AVX-Unterstützung (Advanced Vector Extensions) voraus. Sehr alte Hardware ohne AVX läuft seitdem in Fehler, ein unerwartetes Problem für Unternehmen mit altem Rechnerpool.
- Laufend 2025/2026, Microsoft konsolidiert Power BI in das Microsoft Fabric Ökosystem. Die Marke „Power BI” bleibt für Endanwender bestehen, aber strategisch laufen Investitionen in Richtung Fabric. Bestehende Pro-Lizenzen sind weiterhin nutzbar, aber Premium Capacity (P-SKUs) werden langfristig auf Fabric-Kapazitäten (F-SKUs) migriert.
- 2024–2026, Copilot in Power BI wurde mehrfach erweitert (Standalone-Erfahrung, App-Scope, Erzählvisualisierungen), bleibt aber an Fabric F2+ oder Premium P1+ Kapazität gebunden. Eine Pro- oder PPU-Lizenz reicht für Copilot nicht aus, diese Anforderung wird im Marketing systematisch unterbetont.
- Mai 2026, Copilot in Power BI ist in Sovereign Clouds (Microsoft Cloud Deutschland) weiterhin nicht verfügbar, Microsoft verweist auf GPU-Knappheit. Für regulierte Branchen, die bewusst die Sovereign Cloud gewählt haben, bleibt KI im BI-Tool damit ein offenes Versprechen.
- Dezember 2026, Die klassische Q&A-Funktion (natürlichsprachige Abfragen ohne Fabric) wird laut Roadmap zugunsten von Copilot abgeschaltet. Wer Q&A produktiv einsetzt und keine Fabric-Kapazität plant, sollte rechtzeitig Alternativen prüfen, diese Migration könnte für Pro-only-Kunden zum Funktionsverlust werden.
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