Infront
Infront Financial Technology GmbH (ehem. vwd)
Infront ist Europas führendes professionelles Finanzdaten-Terminal für Banken, Vermögensverwalter und Broker — entstanden aus der Übernahme der deutschen vwd Group. Die Plattform liefert Echtzeit-Marktdaten, Research, Portfolioanalyse und Trading-Werkzeuge für über 90.000 professionelle Nutzer bei mehr als 3.600 Kunden.
Kosten: Lizenzen pro Nutzer/Monat zzgl. Börsendatengebühren der Handelsplätze; Preise auf Anfrage
Stärken
- Größte europäische Alternative zu Bloomberg und Refinitiv mit starker DACH-Marktabdeckung
- Breite Datenangebot: Aktien, Anleihen, Derivate, Fonds inkl. tiefer DACH-Markttiefe
- Deutsche Wurzeln (vwd) mit lokalem DACH-Support, deutschem Interface und regulatorischer Expertise
- Modulare Plattform: Trading, Portfolio Management, APIs, Valuation & Risk nach Bedarf kombinierbar
- EU-Datenhosting — wichtig für DSGVO-konforme Finanzinstitute in Deutschland und Europa
Einschränkungen
- Ausschließlich B2B — kein Produkt für Privatanleger
- Preise auf Anfrage, Börsendatengebühren kommen on top und können erheblich sein
- Komplexer Funktionsumfang erfordert Einarbeitung und Onboarding-Unterstützung
- Globale Markttiefe außerhalb Europas schwächer als bei Bloomberg Terminal
Passt gut zu
Wann ja, wann nein
Wann ja
- Du leitest ein Finanzinstitut in der DACH-Region und suchst eine kosteneffizientere Bloomberg-Alternative
- Dein Team braucht Echtzeit-Marktdaten, Portfolioanalyse und Research in einer integrierten Lösung
- Europäisches Datenhosting und DSGVO-Konformität sind für dein Haus nicht verhandelbar
- Du willst Marktdaten-Feeds über API in eigene Systeme integrieren
Wann nein
- Du bist Privatanleger — Infront ist ausschließlich ein B2B-Produkt
- Du brauchst primär globale Emerging-Markets-Daten oder spezialisierte US-Markttiefe
- Dein Budget erlaubt keine professionelle Finanzdaten-Lizenz mit Börsendatengebühren
- Du suchst ein Tool ohne Einarbeitungsaufwand für gelegentliche Recherche
Kurzfazit
Infront ist die stärkste europäische Alternative zum Bloomberg Terminal — besonders für Häuser, die auf DACH-Markttiefe, EU-Datenhosting und lokalen Support angewiesen sind. Was Bloomberg an globaler Abdeckung und Bekanntheit hat, kompensiert Infront durch deutlich günstigere Konditionen und tiefe Verwurzelung im deutschsprachigen Finanzmarkt. Für Privatanleger oder Gelegenheitsnutzer gibt es dieses Tool nicht — es ist ein reines Profi-Instrument für Banken, Vermögensverwalter und Broker. Wer primär globale Emerging-Markets-Daten oder tiefe US-Markttiefe braucht, bleibt beim Bloomberg Terminal.
Für wen ist Infront?
Banken und Vermögensverwalter im DACH-Raum: Infront ist der klassische Anwendungsfall für mittelständische Privatbanken, Sparkassen mit eigenem Anlagegeschäft und unabhängige Vermögensverwalter. Wer das Bloomberg Terminal nicht finanzieren kann oder will, aber dennoch professionelle Echtzeit-Daten braucht, findet in Infront eine vollwertige Alternative — häufig zu einem Viertel der Bloomberg-Kosten.
Portfolio-Manager und Research-Teams: Der Kernnutzen liegt in der kombinierten Verfügbarkeit von Echtzeit-Kursen, aggregierten Analystenempfehlungen, historischen Kursreihen und Nachrichtenfeeds in einer Oberfläche. Research-Teams sparen täglich Zeit durch den Wegfall manueller Datenexporte zwischen verschiedenen Systemen.
Compliance-Teams in Finanzinstituten: Historische Kursdaten in lückenloser Qualität sind für Aufsichtsberichte (MiFID II, EMIR) unerlässlich. Infront liefert diese Daten in der regulatorisch geforderten Form direkt aus dem Terminal heraus.
Trader und Brokerage-Desks: Für aktive Händler bietet Infront Order-Routing und Konnektivität zu Handelsplätzen sowie skalierbare Trading-Oberflächen. Die Plattform deckt Equities, Fixed Income, Derivate und Fonds ab.
Weniger geeignet für: Privatanleger (kein Endkundenprodukt), Start-ups ohne Budget für Börsendatengebühren, und Teams, die nur gelegentlich Finanzmarktdaten brauchen und für die Google Finance oder Yahoo Finance ausreichen.
Preise im Detail
| Komponente | Details |
|---|---|
| Nutzerlizenzen | Pro Nutzer/Monat — Preise auf Anfrage über infront.co |
| Börsendatengebühren | Je nach abonnierten Handelsplätzen zusätzlich; Xetra/Eurex typisch im professionellen Paket |
| API / Datenfeeds | Separate Konditionen für Systemintegration und Datenfeed-Anbindung |
| Onboarding & Support | Inklusive bei Enterprise-Verträgen, DACH-Support-Team vorhanden |
Einordnung: Infront kommuniziert keine Listenpreise — das Preismodell setzt sich zusammen aus Nutzerlizenzen und den Börsendatengebühren der abonnierten Handelsplätze (z. B. Xetra, Eurex, LSE). Für ein Team von 10 Nutzern mit DACH-Fokus liegen die Gesamtkosten typischerweise deutlich unter Bloomberg-Konditionen, aber deutlich über kostenlosen Alternativen wie Yahoo Finance. Eine Demo über das Kontaktformular auf infront.co ist der einzig sinnvolle Einstieg in die Preisverhandlung.
Stärken im Detail
DACH-Markttiefe ist der Kernvorteil. Infront stammt aus der deutschen vwd Group und hat jahrzehntelange Expertise bei deutschen Börsen (Xetra, Frankfurt, Hannover), dem deutschen Anleihemarkt und österreichischen sowie schweizer Handelsplätzen aufgebaut. Diese Tiefe an DACH-Daten ist der entscheidende Vorteil gegenüber angloamerikanischen Terminalen, die DACH oft nur als Randmarkt behandeln.
EU-Datenhosting ohne Abstriche. Alle Daten werden auf europäischen Servern verarbeitet. Das ist für deutsche Banken und Vermögensverwalter keine Nice-to-have-Eigenschaft, sondern eine regulatorische und datenschutzrechtliche Grundvoraussetzung. Bloomberg und Refinitiv können das in dieser Form nicht garantieren.
Modulare Plattformarchitektur. Infront ist keine monolithische Lösung: Trading & Connectivity, Portfolio Management, APIs & Data Feeds, Valuation & Risk Services und Data Display & Analytics können je nach Bedarf kombiniert werden. Kleine Häuser beginnen mit dem Kernterminal, größere Häuser bauen schrittweise aus.
Lokaler DACH-Support mit Fachkompetenz. Das Support-Team hat deutschsprachige Kapazitäten und kennt die regulatorischen Besonderheiten des deutschen Finanzmarkts. Gerade bei MiFID-II-bezogenen Datenfragen oder bei der Anbindung an deutsche Custodians ist das ein erheblicher Vorteil gegenüber internationalen Anbietern mit Call-Center-Support.
Schwächen ehrlich betrachtet
Globale Abdeckung ist nicht Bloomberg. Außerhalb Europas — insbesondere für US-Equities, Emerging Markets und exotischere Anlageklassen — ist die Markttiefe schwächer. Häuser mit globalem Investmentfokus müssen entweder akzeptieren oder einen zweiten Datenprovider supplementieren.
Preistransparenz fehlt. Die fehlende Listenpreispublizierung ist ein echter Kritikpunkt: Ohne Anfrage ist kein Budget-Benchmark möglich. Gerade für kleinere Häuser, die eruieren wollen ob Infront überhaupt in Budget-Reichweite liegt, ist das eine Hürde. Börsendatengebühren kommen zudem on top und können die Gesamtkosten erheblich in die Höhe treiben.
Einarbeitungsaufwand ist real. Das Terminal ist funktionsreich — und das bedeutet: Neue Nutzer brauchen strukturiertes Onboarding. Wer erwartet, nach einer Stunde produktiv zu sein, wird enttäuscht. Infront bietet Schulungen an, aber das kostet Zeit, die kleine Teams oft nicht haben. Workaround: Gezielte Einführungsschulungen für die wirklich genutzten Module statt Full-Platform-Training.
Keine Endkunden-Variante. Wer als Privatanleger professionelle Marktdaten sucht, wird bei Infront nicht fündig. Das Terminal richtet sich ausschließlich an institutionelle und professionelle Marktteilnehmer. Für Privatanleger gibt es keine Einstiegsvariante.
Alternativen im Vergleich
| Wenn du… | …nimm stattdessen |
|---|---|
| Das vollständigste globale Finanzdaten-Terminal ohne Kompromisse brauchst | Bloomberg |
| Portfoliodaten in Management-Dashboards visualisieren willst | Power BI |
| Interne Daten mit Marktdaten in einer BI-Oberfläche kombinieren willst | Tableau |
| CRM-Daten mit Marktdaten für Relationship Manager anreichern willst | Salesforce |
Infront ist die sinnvollste Bloomberg-Alternative für DACH-fokussierte Finanzinstitute, die EU-Hosting priorisieren und nicht die Kosten eines Bloomberg Terminals tragen können oder wollen. Für globale Investmentbanken mit internationalem Scope bleibt Bloomberg die Referenz.
So steigst du ein
Schritt 1: Kontaktiere Infront über infront.co und lass dir eine Demo mit dem für dich relevanten Datensatz konfigurieren — also z. B. Xetra, Eurex und DACH-Anleihen, plus den gewünschten Research- und Nachrichtenfeeds. Das Preismodell klärt sich erst im Gespräch, da Lizenz und Börsendatengebühren individuell zusammengestellt werden.
Schritt 2: Nutze die Onboarding-Unterstützung durch das DACH-Team für die initiale Konfiguration deiner Watchlists, Portfolios und Alert-Regeln. Plane bewusst Zeit für Einführungsschulungen ein — gezielte Modul-Trainings (z. B. nur Portfolio Management) sind effizienter als eine generelle Platform-Demo.
Schritt 3: Verbinde Infront über die API mit deinen internen Systemen. Portfolio-Management-Systeme, Compliance-Tools oder interne Reporting-Strecken lassen sich über Infront-Datenfeeds anbinden und reduzieren manuelle Datenexporte erheblich. Kläre bei der API-Integration frühzeitig, welche Lizenzrechte für die Weiternutzung von Börsendaten in eigenen Systemen gelten.
Ein konkretes Beispiel
Ein mittelständisches Vermögensverwaltungsunternehmen in München mit 30 Portfoliomanagern setzt Infront als primäres Terminal ein — statt Bloomberg. Die DACH-Markttiefe für Xetra-Aktien und den deutschen Anleihemarkt ist vergleichbar, bei rund einem Viertel der Bloomberg-Kosten. Das Compliance-Team nutzt die integrierten Kurshistorien direkt für MiFID-II-Aufsichtsberichte ohne manuelle Datenexporte. Das Research-Team arbeitet täglich mit aggregierten Analystenempfehlungen aus dem Terminal. Die Einsparung gegenüber Bloomberg: ca. 180.000 EUR pro Jahr bei gleichbleibender Datenqualität für den DACH-Kernfokus.
DSGVO & Datenschutz
- Datenhosting: Europa (EU) — Infront betreibt seine Infrastruktur in der EU, ohne US-Datentransfer für den Kernbetrieb
- Unternehmenssitz: Deutschland (ehem. vwd Group, Frankfurt) — reguliert nach deutschem und europäischem Recht
- Auftragsverarbeitung: AVV (Auftragsverarbeitungsvertrag) für B2B-Kunden verfügbar — für Finanzinstitute Standard
- Börsendaten: Die Weitergabe und Nutzung von Börsendaten unterliegt den Lizenzbedingungen der jeweiligen Handelsplätze (z. B. Deutsche Börse) — separat zu prüfen
- Empfehlung für Finanzinstitute: Infront ist datenschutzrechtlich gut positioniert für deutsche Finanzinstitute. Die EU-Hosting-Zusage und die deutsche Unternehmenshistorie sind Vorteile. Dennoch: Börsendaten-Lizenzierung und interne Compliance-Freigabe separat klären.
Gut kombiniert mit
- Bloomberg — In manchen Häusern ergänzend eingesetzt: Infront für den DACH-Alltag und Standardrecherche, Bloomberg für internationale Spezialanfragen und exotische Märkte
- Power BI — Infront-Marktdaten per Datenfeed in Power BI für Management-Dashboards und interne Reporting-Strecken weiterverarbeiten
- Salesforce — CRM-Integration für Relationship Manager, die Kundengespräche direkt mit aktuellen Marktdaten und Portfoliosichten anreichern wollen
Unser Testurteil
Infront verdient 4 von 5 Sternen. Als DACH-fokussierte Bloomberg-Alternative mit EU-Hosting ist es für europäische Finanzinstitute klar die beste Wahl in dieser Kategorie. Der fehlende fünfte Stern ergibt sich aus drei realen Einschränkungen: keine Preistransparenz ohne Anfrage, schwächere globale Markttiefe außerhalb Europas, und ein Einarbeitungsaufwand, der für kleine Teams mit beschränkter Trainingszeit eine echte Hürde darstellt. Für seinen Kernzweck — professionelle europäische Finanzdaten in einem DSGVO-konformen Terminal — gibt es keine bessere europäische Alternative.
Was wir bemerkt haben
- 2019 — Infront übernahm die deutsche vwd Group (vormals vwd Vereinigte Wirtschaftsdienste), einen der ältesten Finanzdaten-Anbieter Deutschlands. Damit wurde Infront zur führenden europäischen Alternative zu Bloomberg und Refinitiv — viele Nutzer kennen das Terminal noch unter dem vwd-Markennamen.
- 2021–2023 — Infront expandierte durch weitere Akquisitionen in Skandinavien und verstärkte seine Position in nordeuropäischen Märkten. Die Plattform heißt offiziell nun “Infront” und nicht mehr “vwd” — ältere Produktbezeichnungen wie “vwd portfolio manager” wurden umbenannt.
- 2024 — Neupositionierung als “WealthTech”-Plattform: Infront fokussiert stärker auf Wealth Management und Brokerage als Kernsegmente und hat sein Produktportfolio entsprechend umstrukturiert. Die Hauptwebsite ist von infrontfinance.com auf infront.co umgezogen.
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