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Bezahlt 🇩🇪 Deutschsprachig ⚠️ Hybrid Zuletzt geprüft: 23. Juli 2026

Ansys Granta MI

Ansys

4/5

Redaktionelle Einschätzung auf Basis öffentlich zugänglicher Quellen (Anbieterangaben, Preislisten, unabhängige Bewertungsplattformen), kein Hands-on-Produkttest, sofern nicht ausdrücklich anders angegeben. Die Sternebewertung ist eine Meinung der Redaktion.

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Ansys Granta MI ist die Enterprise-Lösung für zentralisiertes Materialdatenmanagement in der Produktentwicklung. 25 Jahre Materials-Datenbank-Expertise, über 250.000 Werkstoffe in der Referenz-Datenbank, direkte Integration in Ansys-FEM-Tools und PLM-Systeme (NX, Teamcenter, ANSA, Hypermesh). Stärken: Material Informatics für KI-gestützte Eigenschaftsvorhersage, Risikoprüfung auf beschränkte Stoffe (REACH/RoHS), Versionierung von Spezifikationen. Anbieter ist die US-Firma Ansys (Canonsburg, Pennsylvania), seit Juli 2025 Teil von Synopsys. Zielgruppe: F&E-intensive Unternehmen und Konzerne, die Materialdaten firmenweit verwalten und in Simulations-Workflows integrieren wollen.

Kosten: Preise ausschließlich auf Anfrage (Ansys: 'Request an Assessment'). Ansys veröffentlicht keine Listenpreise für Granta MI. Granta Selector ist die günstigere Einstiegsvariante für die reine Materialvorauswahl. Implementierung, Datenmigration und Schulung kommen separat hinzu. Konkrete Zahlen nennt nur der Ansys-Vertrieb oder ein autorisierter Reseller (z. B. CADFEM in Deutschland).

Stärken

  • Integration von eigenem Firmenwissen und 250.000+ Referenzwerkstoffen in einer Plattform
  • Simulation-ready: direkte Anbindung an Ansys FEM-Werkzeuge (Mechanical, Fluent, Rocky) und CAD/PLM (NX, Teamcenter, ANSA, Hypermesh)
  • Risikoprüfung auf beschränkte Stoffe (Restricted Substances) mit Bezug zu REACH-SVHC und RoHS
  • Versionierung von Materialspezifikationen mit Änderungshistorie, ideal für regulierte Branchen
  • Material Informatics: ML-gestützte Vorhersage von Materialeigenschaften aus Testdaten (Honda-Fallstudie)
  • BoM Analyzer zur frühen Risikoanalyse auf Stücklistenebene
  • Granta Selector als leichtgewichtigere Einstiegsoption für Materialvorauswahl
  • Sustainability Add-on für produktbezogene CO2-Bilanzierung
  • On-Premise-Betrieb möglich: volle Datenhoheit im eigenen Rechenzentrum

Einschränkungen

  • Preis nur auf Anfrage (Request an Assessment), keine öffentlichen Listenpreise, Budgetplanung erfordert Vertriebs- oder Reseller-Kontakt
  • Implementierungsaufwand hoch: Datenmigration, Konfiguration und Schulung brauchen typischerweise mehrere Monate
  • Kein Self-Service-Einstieg, zwingend Sales-Kontakt und Evaluation
  • Komplexer als nötig für KMU ohne eigene Materialdatenstrategie
  • Vollständiger Nutzen erst bei Integration in bestehende PLM/PDM-Systeme (Teamcenter, Enovia)
  • KI-Funktionen sind Add-on, keine Standard-Eigenschaft des Systems
  • US-Mutterkonzern (Ansys/Synopsys): bei Cloud-Betrieb CLOUD-Act-Exposition, kein garantiertes EU-Hosting dokumentiert

Passt gut zu

Konzerne und F&E-intensive mittelständische Unternehmen mit eigenem Materialportfolio Unternehmen in regulierten Branchen (Automotive, Aerospace, Medizintechnik) mit Compliance-Pflichten zu beschränkten Stoffen Teams, die Ansys-FEM-Simulationen mit aktuellen Materialdaten versorgen wollen Unternehmen, die firmeneigene Prüfdaten und Herstellerdaten in einem System versionieren müssen

Wann ja, wann nein

Wann ja

  • Du hast ein eigenes Materialportfolio mit Prüfdaten, die strukturiert verwaltet werden müssen
  • Deine Branche verlangt Nachweise zu beschränkten Stoffen (REACH/SVHC, RoHS) auf Stücklistenebene
  • Du nutzt Ansys-Simulation oder baust einen Digital Thread auf
  • Du musst Materialspezifikationen versionieren und Audit-Trails für Zertifizierungen führen

Wann nein

  • Du brauchst nur eine Materialvorauswahl-Datenbank ohne Datenmanagement (dafür reicht Granta Selector)
  • Du hast kein eigenes Materialportfolio und arbeitest nur mit Katalogwaren
  • Du bist KMU ohne F&E-Tiefe und ohne PLM/PDM-System
  • Du willst planbare, öffentlich einsehbare Preise ohne Vertriebsprozess

Kurzfazit

Granta MI ist der De-facto-Standard für Material Information Management in regulierten Industrien wie Aerospace, Automotive und Medizintechnik. Mit 25 Jahren Datenbank-Expertise, über 250.000 referenzierten Werkstoffen und der nahtlosen Anbindung an Ansys-Simulation und gängige PLM-Systeme (NX, Teamcenter, ANSA, Hypermesh) hat das System im Enterprise-Segment kaum ernste Konkurrenz. Die Material-Informatics-Funktionen erlauben ML-basierte Eigenschaftsvorhersage aus Testdaten, Ansys weist bei Honda und Rolls-Royce messbare Multimillionen-Einsparungen aus. Den fünften Stern kosten die vollständig intransparente Preisgestaltung (kein Listenpreis, nur “Request an Assessment”), der hohe Implementierungsaufwand und die schlichte Tatsache, dass Granta MI für KMU ohne eigene Materialdatenstrategie deutlich überdimensioniert ist.

Für wen ist Granta MI?

Aerospace und Defense: Rolls-Royce ist die Vorzeige-Kundenreferenz, die Civil-, Defense- und Nuclear-Sparten arbeiten mit Granta MI als “Gold Source” für Materialdaten. Zertifizierungspflichten, lange Produktlebenszyklen (40+ Jahre) und der Bedarf an statistisch validen Eigenschaftsdaten machen Granta MI in dieser Branche praktisch alternativlos.

Automotive und Zulieferer: Werkstoffportfolios mit tausenden Kunststoff-Grades, Metallen und Verbundwerkstoffen müssen konform zu Stoffbeschränkungen geführt, mit Lieferantendaten verknüpft und in Simulationen einsetzbar sein. Granta MI verbindet das eigene Prüfwesen mit den Referenzdaten der Datenbank und vermeidet doppelte Prüfungen, die Honda-Fallstudie zeigt eine Halbierung der Prototypen-Tests.

Medizintechnik: Hier zählen lückenlose Audit-Trails, jedes implantierbare Material braucht eine nachverfolgbare Spezifikationshistorie. Granta MI versioniert jede Änderung, jede Quellenangabe und jede Prüfzertifizierung. Für FDA-Audits oder MDR-Konformität ist das ein erheblicher Compliance-Hebel.

Forschung & Entwicklung in der Industrie: Wer eigene Testreihen durchführt (Zug-, Druck-, Ermüdungsversuche, Korrosionstests), braucht ein System, das Rohdaten in strukturierte Materialmodelle überführt und für Folgeprojekte verfügbar macht. Granta MI ist hier nicht nur Ablage, sondern aktives Werkzeug für die Materialcharakterisierung.

Additive Manufacturing und Batterie-Entwicklung: Mit dem Release 2026 R1 stärkt Ansys den Additive-Manufacturing-Workflow und führt eine mehrskalige Batterie-Calendering-Simulation ein, die Synopsys QuantumATK, Granta MI und Ansys Rocky verbindet. Wer in zukunftskritischen Materialien (3D-Druck-Pulver, Festelektrolyte) arbeitet, profitiert von dieser Integration.

Weniger geeignet für: KMU ohne F&E-Tiefe, Konstrukteure, die nur Standard-Katalogwaren verarbeiten, Startups ohne PLM-Strategie und alle, die nur eine Materialauswahl-Datenbank für Studien brauchen, dafür ist Granta Selector die deutlich günstigere Einstiegsoption innerhalb des Ansys-Portfolios.

Preise im Detail

Produkt / StufePreisWas du bekommst
Granta Selectorauf AnfrageMaterialvorauswahl auf Referenzdaten-Basis, Ashby-Charts, keine eigene Datenverwaltung
Granta MI Enterpriseauf AnfrageZentrales Materialdatenmanagement, Versionierung, 250.000+ Referenzwerkstoffe, CAD/CAE/PLM-Integration, Risikoprüfung auf beschränkte Stoffe, BoM Analyzer, Sustainability Add-on, Material Informatics
Implementierung & Schulungauf AnfrageDatenmigration, Konfiguration, PLM-Anbindung, Ansys Learning Hub oder Reseller-Kurse

Einordnung: Ansys veröffentlicht für Granta MI keine Listenpreise. Der Einstieg läuft ausschließlich über “Request an Assessment”, also einen Vertriebs- oder Evaluationsprozess. Die Lizenzkosten sind dabei nur ein Teil, die Implementierung (Datenmigration aus Excel-Sheets, Spec-Sheets und Lieferantendatenbanken) ist oft das eigentliche Investment und zeitaufwendig. Belastbare Euro-Zahlen nennen wir hier bewusst nicht, weil Ansys keine öffentlichen Preise dokumentiert und jede kursierende Hausnummer Spekulation wäre. Wer Budget planen will, kommt am Ansys-Vertrieb oder an einem autorisierten deutschen Reseller (z. B. CADFEM) nicht vorbei, dort gibt es konkrete, projektbezogene Angebote. Dass sich die Investition lohnen kann, belegt Ansys mit Referenzen: Honda halbierte die Prototypen-Tests, Rolls-Royce weist zertifizierte Einsparungen von über 10 Mio. USD pro Jahr aus.

Stärken im Detail

Referenzdatenbank als Goldstandard. Die integrierte Referenzdatenbank umfasst über 250.000 Werkstoffe, Metalle, Polymere, Composite, Keramiken, Holzwerkstoffe, jeweils mit mechanischen, thermischen, elektrischen und Umwelt-Eigenschaften. Diese Datenbasis hat rund 25 Jahre Pflege hinter sich und ist im Markt ohne ernsten Konkurrenten. Wer einen Werkstoff auswählen will, hat hier in Minuten validierte Vergleichsdaten, statt Stunden in Datenblättern zu suchen.

Material Informatics mit ML-Eigenschaftsvorhersage. Granta MI erlaubt es, aus eigenen Testdaten ML-Modelle für Eigenschaftsvorhersagen zu bauen, Honda hat das genutzt, um die Anzahl der Prototypenmaterialien und der physischen Tests zu halbieren. Das System lernt aus den eigenen Prüfreihen Korrelationen zwischen Zusammensetzung, Verarbeitung und mechanischer Performance. Für Werkstoff-intensive Branchen ist das einer der wenigen echten KI-Hebel jenseits von Marketing.

Tiefe Simulation- und CAD/PLM-Integration. MI Gateway und Enterprise Connect verbinden Granta MI direkt mit Ansys Mechanical, Fluent, Rocky, NX, Teamcenter, ANSA und Hypermesh. Konkret: Konstrukteure wählen Materialien direkt im CAD aus Granta-Daten, FEM-Simulationen ziehen automatisch die aktuellen Materialmodelle, BoM-Analysen prüfen Stücklisten auf Risiken. Diese Integrationen sparen täglichen Reibungsverlust, Materialdaten “leben” einmal im System und werden überall konsistent verwendet.

Risikoprüfung auf beschränkte Stoffe auf Stücklistenebene. Der BoM Analyzer prüft eine komplette Stückliste auf Risiken durch beschränkte Stoffe, etwa mit Bezug zur REACH-SVHC-Kandidatenliste und zu RoHS. Für Aerospace, Medizintechnik und Automotive ist das nicht nice-to-have, sondern Bestandteil der Marktzulassung. Wer das manuell macht, baut nicht nur Risiken auf, sondern verliert auch Audit-Glaubwürdigkeit.

Versionierung als Audit-Grundlage. Jede Materialspezifikation hat eine vollständige Änderungshistorie, wer, wann, was geändert hat, mit welcher Begründung. Für DO-178/DO-254 (Aerospace), ISO 13485 (Medizintechnik) oder IATF 16949 (Automotive) ist diese Audit-Trail-Fähigkeit ein Killerargument. Excel oder reine PDM-Lösungen scheitern an dieser Tiefe regelmäßig.

Sustainability Add-on. Es gibt ein Add-on für produktbezogene CO2-Bilanzierung, die Materialdaten enthalten Embodied-Carbon-Werte, BoM-Analysen können CO2-Hot-Spots aufzeigen. Für Unternehmen, die parallel zu CSRD Material-Footprints reporten müssen, ein wertvoller Brückenschlag.

Release-Disziplin. Ansys liefert zwei Releases pro Jahr (R1, R2). Mit dem 2026-R1-Release sind Radar-Plots, farbcodierte Vergleichsansichten, Dark/Light-Themes und der erwähnte Batterie-Calendering-Workflow gekommen, ein Zeichen, dass das Produkt aktiv weiterentwickelt wird, nicht in den Wartungsmodus rutscht.

Schwächen ehrlich betrachtet

Preisintransparenz und Vertriebszwang. Es gibt keine öffentliche Preisliste. Jede Lizenz wird verhandelt, und in der Praxis bedeutet das, dass ein KMU mit fünf Konstrukteuren denselben Sales-Aufwand betreiben muss wie ein Konzern mit 5.000. Für die Sondierungsphase reichen oft die deutschen Reseller (CADFEM), die schneller realistische Hausnummern liefern als Ansys direkt. Trotzdem: Wer in vier Wochen eine Entscheidung treffen will, ist hier am falschen Anbieter.

Implementierungsaufwand erheblich. Eine ehrliche Granta-MI-Einführung dauert mehrere Monate, häufig ein halbes Jahr: Datenmigration aus Altsystemen (oft Excel, Word, PDM-Bestände), Konfiguration des Schemas, PLM-Anbindung, Schulung. Wer das unterschätzt, hat nach zwölf Monaten ein teures System mit halb gepflegten Daten, der Worst Case in jedem PLM-/PIM-Projekt. Realistische Projektplanung mit erfahrenen Beratern ist Pflicht.

Komplexität überfordert KMU. Das System ist für F&E-Tiefe gebaut. Ein Konstruktionsbüro mit 12 Mitarbeitenden, das vier Stahlsorten und zwei Kunststoffe nutzt, wird Granta MI nie ausreizen. Der Verwaltungsaufwand übersteigt schnell den Nutzen. Für solche Unternehmen ist Granta Selector, oder gar nichts, die richtige Wahl.

KI-Funktionen sind Add-on, nicht Kern. Material Informatics und ML-Vorhersagen sind separate Module oder erweiterte Lizenzbestandteile, keine Standardfunktionen. Wer auf diese Funktionen setzt, muss sie explizit lizenzieren und meist auch eigene Data-Science-Kompetenz im Haus haben, um sie sinnvoll zu nutzen.

Schulungsbedarf hoch. Granta MI ist kein selbsterklärendes Werkzeug. Konstrukteure, Material-Engineers und Daten-Administratoren brauchen je nach Rolle 2 bis 10 Tage Schulung. Ansys bietet entsprechende Kurse (Ansys Learning Hub), die Lernkurve ist real und nicht kostenlos.

PLM-Abhängigkeit schmälert den Nutzen ohne Vorinvestition. Der volle Wert von Granta MI entfaltet sich erst in der Integration mit Teamcenter, Enovia, Aras oder ähnlichen PLM-Systemen. Wer kein PLM hat, betreibt Granta MI als Insel, was funktioniert, aber einen Großteil der Wertschöpfung verschenkt.

Alternativen im Vergleich

Wenn du……nimm stattdessen
Komplettes PLM mit Materialmodul aus einer Hand willstSiemens Teamcenter
Im Dassault-Ökosystem (CATIA, SOLIDWORKS) arbeitestEnovia
Multi-CAD-Konstruktion mit integriertem Material-Setup brauchstCATIA
Schlankes Cloud-PLM für KMU mit Materialverwaltung suchstArena PLM
Konsumgüter und Mode-/Apparel-Materialien verwaltestCentric PLM

Erwähnenswert ohne eigene Tool-Seite: MatWeb (kostenlose Online-Materialdatenbank, gut für Vorrecherche, nicht für Enterprise), Total Materia (umfangreiche Norm- und Werkstoffdatenbank, Schwerpunkt Metalle), ASM Medical Materials Database (medizintechnik-spezifisch), Materialise Magics (für Additive Manufacturing) und Sphera (für LCA und Produkt-Footprints). Granta MI bleibt im Enterprise-Materialdatenmanagement der Klassenprimus, die genannten Alternativen sind PLM- oder Datenbank-Werkzeuge mit Material-Modulen, aber keine direkten Konkurrenten in dieser Tiefe und Breite.

So steigst du ein

Schritt 1: Starte mit einer Anfrage bei Ansys (“Request an Assessment”) oder einem deutschen Reseller wie CADFEM. Kläre vorab, ob Granta Selector (Vorauswahl-Tool, günstiger) oder Granta MI (Enterprise-Materialdatenmanagement) zu eurer Reife passt, das sind zwei unterschiedliche Produkte mit unterschiedlichem Preis und Aufwand. Reseller liefern oft schneller realistische Preisindikationen.

Schritt 2: Definiere euren Materialperimeter: Welche Materialklassen wollt ihr abdecken? Habt ihr eigene Prüfdaten, die migriert werden sollen? Gibt es bestehende PLM-/CAD-Systeme (Teamcenter, CATIA, SOLIDWORKS), in die Granta MI integriert werden soll? Diese Fragen bestimmen Projektgröße und Aufwand.

Schritt 3: Pilotiert mit einem abgegrenzten Materialsegment (z. B. nur PA-Grades für Motorraum-Anwendungen oder nur Titanlegierungen für Strukturteile), schafft messbare Ergebnisse in drei Monaten, bevor ihr den Roll-out auf das gesamte Materialportfolio ausdehnt. Pilot-Erfolge sind die beste Argumentation gegenüber Geschäftsführung und Controlling.

Schritt 4: Schulungsplan aufsetzen. Konstrukteure brauchen 2 bis 3 Tage Grundlagen, Materialdaten-Administratoren 5 bis 10 Tage Tiefenschulung. Ansys Learning Hub oder Reseller-Kurse einplanen. Parallel: eine Datenverantwortung etablieren, Granta MI lebt von gepflegten Daten, und ohne klare Owner-Rollen verkommt das System binnen 18 Monaten.

Ein konkretes Beispiel

Ein illustratives Rechenbeispiel, wie ein Einsatz aussehen kann: Ein mittelständischer Zulieferer für die Medizintechnik (320 Mitarbeitende) aus Tuttlingen migriert in Granta MI sein gesamtes Materialportfolio aus 15 Jahren Produktentwicklung: eigene Prüfdaten aus dem hausinternen Labor (Zug-, Druck-, Ermüdungs- und Biokompatibilitätstests an ca. 180 Edelstahl-, Titan- und Kunststoff-Grades), Herstellerdaten von 40 Lieferanten und die gültigen Materialspezifikationen aus dem PDM-System (Teamcenter). Die Implementierung dauert in diesem Szenario rund fünf Monate und umfasst Lizenz, Migration, Schulung und Teamcenter-Anbindung. Seit der Integration wird bei jeder neuen Bauteilspezifikation automatisch geprüft, ob das ausgewählte Material auf der SVHC-Kandidatenliste (REACH) steht und ob die letzte Prüfzertifizierung noch gültig ist. Material Informatics wird genutzt, um aus den hauseigenen Zugversuchen die Festigkeit neuer Legierungsvarianten vorherzusagen, das spart einen spürbaren Anteil der physischen Tests bei Neu-Materialeinführungen. Rückrufrisiko durch abgelaufene Materialzertifikate: deutlich reduziert. Amortisation: vor allem über vermiedene Compliance-Vorfälle und beschleunigte Materialfreigaben.

DSGVO & Datenschutz

  • Datenhosting: Granta MI wird klassisch On-Premise im Kundenrechenzentrum betrieben, alternativ als Cloud über “Ansys Gateway powered by AWS”. Ein garantiertes EU-Hosting oder eine EU-Default-Region dokumentiert Ansys nicht öffentlich. Beim On-Premise-Betrieb liegt die Datenhoheit vollständig beim Kunden, das ist der DSGVO-freundlichste Weg und die eigentliche Stärke des Produkts.
  • US-Mutterkonzern und CLOUD Act: Anbieter ist Ansys, Inc. mit Sitz in Canonsburg, Pennsylvania (USA), seit dem 17. Juli 2025 eine Tochter von Synopsys (USA). Bei Cloud-Betrieb über Ansys Gateway (AWS) besteht damit eine potenzielle Zugriffsexposition nach US-Recht (CLOUD Act). Wer das ausschließen will, betreibt Granta MI On-Premise.
  • Datennutzung: Materialdaten verbleiben im Kundensystem. Beim On-Premise-Betrieb hat Ansys keinen automatischen Zugriff, Support-Fälle laufen über explizite Datenübergabe. Material-Informatics-Modelle werden im Kundensystem trainiert.
  • AVV: Bei Cloud-Betrieb (Ansys Gateway) über Ansys zu vereinbaren. Bei On-Premise ist der Kunde alleiniger Verantwortlicher.
  • Personenbezogene Daten: Granta MI ist primär ein Materialdaten-System, enthält aber Benutzeraccounts (Konstrukteure, Engineers) und Audit-Logs. Diese fallen unter die normalen Mitarbeiter-DSGVO-Regelungen, bei aktiven Änderungsprotokollen ggf. Betriebsrat einbeziehen.
  • Empfehlung für Unternehmen: Für maximale Kontrolle On-Premise betreiben. Bei Cloud-Betrieb Datenschutz-Folgenabschätzung durchführen, AVV und Standardvertragsklauseln prüfen und die Serverregion (soweit wählbar) explizit vertraglich festhalten. Verlasse dich nicht auf ein pauschales “EU-Hosting”, das Ansys nicht garantiert.

Gut kombiniert mit

  • Siemens Teamcenter, Teamcenter verwaltet die Stückliste und den Produktlebenszyklus, Granta MI liefert die Material-Datenhoheit. Bei der Bauteilspezifikation wird Material direkt aus Granta gezogen, BoM-Compliance-Checks laufen automatisch. Klassisches PLM-PIM-Tandem in Automotive und Aerospace.
  • Enovia, im Dassault-Ökosystem (CATIA, SOLIDWORKS) übernimmt Enovia das PLM, Granta MI ergänzt das Materialdatenmanagement. Die Integration ist etablierter Standard für viele Automotive- und Aerospace-Konzerne.
  • CATIA, Konstrukteure wählen Materialien direkt im CAD-Modell aus Granta-Daten, FEM-Simulationen in CATIA-Analysis ziehen die aktuellen Materialmodelle. Vermeidet die berühmten Inkonsistenzen zwischen CAD-Material und Simulationsmaterial.

Unser Fazit

Granta MI verdient 4 von 5 Sternen. Im Enterprise-Materialdatenmanagement gibt es schlichtweg keinen ernstzunehmenden Konkurrenten mit dieser Tiefe und Reife, 25 Jahre Datenbankhistorie, über 250.000 referenzierte Werkstoffe, tiefe Integration in Ansys-Simulation und PLM-Systeme, Risikoprüfung auf beschränkte Stoffe auf BoM-Ebene und Material Informatics mit messbarem Business-Impact (Honda halbiert Prototypentests, Rolls-Royce spart über 10 Mio. USD/Jahr). Den fünften Stern kosten die intransparente Preisgestaltung, der hohe Implementierungsaufwand (mehrere Monate), die Komplexität, die KMU regelmäßig überfordert, und die Tatsache, dass KI-Funktionen Add-on bleiben statt Standard zu sein. Datenschutzseitig gilt: On-Premise ist der starke, EU-taugliche Weg, ein garantiertes EU-Cloud-Hosting dokumentiert der US-Anbieter jedoch nicht. Für regulierte Branchen mit eigenem Materialportfolio bleibt Granta MI die richtige Wahl, für alle anderen ist es entweder Granta Selector (günstiger Einstieg) oder gar nichts.

Was wir bemerkt haben

  • Juli 2026: Faktencheck gegen die Ansys-Quellen. Das dokumentierte Hosting (On-Premise beim Kunden oder Cloud über “Ansys Gateway powered by AWS”) rechtfertigt kein EU-Badge, wir haben es von “EU” auf “global” korrigiert. Ansys nennt keine öffentlichen Preise (“Request an Assessment”), frühere Euro-Hausnummern in dieser Bewertung waren Schätzungen und wurden entfernt.
  • Juli 2025: Synopsys hat die Übernahme von Ansys abgeschlossen (angekündigt Januar 2024, vollzogen am 17. Juli 2025, Volumen rund 35 Mrd. USD). Granta MI gehört damit zum US-Konzern Synopsys (Sunnyvale, Kalifornien). Für Cloud-Betrieb bleibt der US-Rechtsrahmen (CLOUD Act) relevant.
  • März 2026: Release 2026 R1 veröffentlicht. Neue Visualisierungen (Radar-Plots, farbcodierte Side-by-Side-Vergleiche, Record Tree Browsing, Dark/Light-Themes), Schema-Editor-Verbesserungen und ein verbundener Workflow aus Synopsys QuantumATK, Granta MI und Ansys Rocky für Batterie-Calendering-Simulation. Klares Signal für aktive Weiterentwicklung.
  • 2019: Ansys übernahm Granta Design, gegründet in Cambridge, Großbritannien. Seitdem ist Granta MI eng mit dem Ansys-Simulations-Portfolio verknüpft. Hinweis: UK-Hosting zählt seit dem Brexit nicht mehr als EU-Datenraum, ein “EU”-Signal darf daraus nicht abgeleitet werden.
  • Anhaltend: Preisintransparenz bleibt unverändert. Auch in der 2026-R1-Kommunikation gibt es keine öffentlichen Preise, wer Budget plant, kommt am Vertrieb oder deutschen Reseller (CADFEM) nicht vorbei. Bei einem Enterprise-Produkt branchenüblich, aber für Vergleichsbewertungen reibend.

Quellen

  1. Ansys: Granta MI Enterprise Produktseite. https://www.ansys.com/products/materials/granta-mi (abgerufen am 2026-07-24). Produktname 'Ansys Granta MI Enterprise', 25 Jahre Materials-Expertise, 250.000+ Werkstoffe Referenzdatenbank, MI Gateway und Enterprise Connect für CAD/CAE/PLM-Integration (NX, Teamcenter, ANSA, Hypermesh), BoM Analyzer, Additive-Manufacturing-Template, Sustainability Add-on, Restricted-Substance-Risikoprüfung, Version Control, Import aus Granta Selector; Rolls-Royce-Zitat 'Certified savings from the project were over $10M per annum'; Release 2026 R1 (März 2026) mit Radar-Plots, farbcodierten Vergleichen, Record Tree, Dark/Light-Themes und einem Workflow aus Synopsys QuantumATK, Granta MI und Ansys Rocky für Batterie-Calendering; Bezug nur über 'Request an Assessment' (keine öffentlichen Preise); Cloud-Option 'Ansys Gateway powered by AWS'; Copyright ANSYS, Inc.
  2. Wikipedia: Ansys (Unternehmensprofil). https://en.wikipedia.org/wiki/Ansys (abgerufen am 2026-07-24). Ansys, Inc. mit Hauptsitz in Canonsburg, Pennsylvania (USA), gegründet 1970 als Swanson Analysis Systems; Granta Design 2019 übernommen; Synopsys (USA) übernahm Ansys, angekündigt Januar 2024, abgeschlossen am 17. Juli 2025 (Volumen rund 35 Mrd. USD).
  3. Ansys: Fallstudie Honda Motors. https://www.ansys.com/resource-center/case-study/honda-motors-materials (abgerufen am 2026-06-13). Honda halbiert mit Granta MI und Material Informatics die Anzahl der Prototypen-Materialien und physischen Tests.
  4. Ansys: Fallstudie Rolls-Royce. https://www.ansys.com/resource-center/case-study/rolls-royce-materials-information (abgerufen am 2026-06-13). Rolls-Royce nutzt Granta MI als 'Gold Source' für Civil-, Defense- und Nuclear-Sparten, zertifizierte Einsparungen über 10 Mio. USD pro Jahr.

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