CATIA
Dassault Systèmes
Redaktionelle Einschätzung auf Basis öffentlich zugänglicher Quellen (Anbieterangaben, Preislisten, unabhängige Bewertungsplattformen), kein Hands-on-Produkttest, sofern nicht ausdrücklich anders angegeben. Die Sternebewertung ist eine Meinung der Redaktion.
Tool öffnenDassaults CAD- und PLM-Spitzenprodukt für Luftfahrt, Automobil und Schiffbau. Klassisch als Desktop- und On-Premise-Software installiert, optional über die 3DEXPERIENCE-Cloud. Generatives Design, Topologieoptimierung und KI-gestützte Konstruktion sind feste Module der Plattform, aber nicht ihr Kern: Der bleibt die durchgängige CAD/PLM-Tiefe.
Kosten: Keine öffentliche Preisliste; Lizenzierung ausschließlich über autorisierte Dassault-Partner (Value-Added Reseller), Preise werden individuell verhandelt. Öffentlich kursierende Schätzungen bewegen sich im fünf- bis sechsstelligen Bereich pro Jahr, sind aber keine von Dassault bestätigten Zahlen.
Kategorien
Stärken
- Industriestandard in Luft- und Raumfahrt sowie Automotive, prägende Anwender wie Airbus und Boeing
- Generatives Design (MODSIM) und Topologieoptimierung als integrierte Module, nicht als Add-on
- Vollständige PLM-Tiefe von Konstruktion über Simulation bis Fertigung in einer Datenquelle
- Klassisch als Desktop und On-Premise installierbar: sensible Konstruktionsdaten bleiben im eigenen Umfeld
- Dichtes Netz zertifizierter Dassault-Partner mit deutschsprachiger Beratung
Einschränkungen
- Keine öffentlichen Preise, Beschaffung läuft über Reseller, Verhandlung dauert
- Steile Lernkurve, zertifizierte Schulung praktisch zwingend
- Enterprise-Lizenzen im fünf- bis sechsstelligen Bereich pro Jahr, für KMU meist außer Reichweite
- Komplexe Modulstruktur: Funktionalität hängt stark vom gebuchten Paket ab
- Cloud-Pfad ohne garantierte EU-Datenresidenz: für sensible Daten ist der On-Premise-Weg nötig
Passt gut zu
Wann ja, wann nein
Wann ja
- Du entwickelst komplexe Baugruppen mit Tausenden Einzelteilen
- Du brauchst durchgängige PLM von Konzept bis Serienfertigung
- Du arbeitest in einem Konzern mit globaler Zulieferer-Kette
- Du willst generatives Design und Topologieoptimierung produktiv einsetzen
Wann nein
- Du bist KMU mit Konstruktionsbedarf unter 50 Arbeitsplätzen
- Du brauchst nur klassisches 3D-CAD ohne PLM-Tiefe
- Du willst monatlich kündbare Lizenzen ohne Vertragsbindung
- Dein Team hat keine Kapazität für mehrwöchige Schulungen
Kurzfazit
CATIA ist der Goldstandard für 3D-Konstruktion und PLM in Branchen, in denen Bauteile aus Zehntausenden Komponenten bestehen: Luftfahrt, Automotive, Schiffbau, Verteidigung. Was es von SOLIDWORKS oder Inventor abhebt, ist die vollständige Tiefe: Konstruktion, Simulation, Toleranzanalyse, Fertigungsplanung und Lebenszyklus-Verwaltung in einer Plattform. Die KI-Komponenten (generatives Design, Topologieoptimierung, KI-gestützte 3D-Modellierung) sind heute feste Module der 3DEXPERIENCE-Plattform und kein Marketingbeiwerk, aber auch nicht der Kern des Produkts. Der Preis dafür: Enterprise-Lizenzen im fünf- bis sechsstelligen Bereich pro Jahr (keine öffentliche Preisliste) und eine Lernkurve, die ohne zertifizierte Schulung kaum zu bewältigen ist. Wer in dieser Liga spielt, kommt an CATIA praktisch nicht vorbei. Wer es nicht tut, sollte gar nicht erst anfragen.
Für wen ist CATIA?
Luft- und Raumfahrt-Konstrukteure: Airbus und Boeing zählen seit Jahrzehnten zu den prägenden CATIA-Anwendern, in der Luftfahrt ist CATIA-Kompetenz für Zulieferer (Triebwerksbauer, Strukturbauer, Avionik) oft Voraussetzung für Aufträge. Die OEMs erwarten kompatible Datenformate, wer mitliefern will, muss mitkonstruieren können.
Automobil-OEMs und Tier-1-Zulieferer: Zahlreiche Automobilhersteller, darunter BMW und Volkswagen, nutzen CATIA für Karosserie-, Antriebs- und Interieurkonstruktion. Die Klasse-A-Flächenmodellierung im Modul ICEM Surf (heute Teil von 3DEXPERIENCE) gilt als Referenz für sichtbare Außenflächen. Kein anderes CAD-Werkzeug erreicht hier nach Einschätzung vieler Studios vergleichbare Qualität.
Schiffbau und Großanlagen: Werften nutzen CATIA für Schiffsstrukturen, Versorger für Anlagen-Layout. Die Fähigkeit, Bauteile mit zehntausenden Einzelelementen zu verwalten und gleichzeitig Kollisionsanalysen zu rechnen, ist hier kaum durch Alternativen zu ersetzen.
Verteidigung und sicherheitskritische Branchen: Hier zählt vor allem der klassische Desktop- und On-Premise-Betrieb: Konstruktionsdaten bleiben vollständig im eigenen, abgeschotteten Netz. Für Projekte unter Geheimschutz ist das oft Voraussetzung. Wichtig: Der Cloud-Pfad (3DEXPERIENCE on Cloud) bietet keine öffentlich garantierte EU-Datenresidenz, für sensible Programme ist er daher nur mit vertraglich fixiertem Datenstandort tragbar.
Generatives Design für Leichtbau-Konstrukteure: Wer Bauteile mit Topologieoptimierung gewichtsminimal auslegen will (Luftfahrt-Strukturen, additive Fertigung, E-Mobilität-Komponenten), bekommt mit CATIA Generative Design und MODSIM einen produktiven Workflow: kein Forschungsdemo, sondern serientauglich integriert.
Weniger geeignet für: Maschinenbau-KMU mit zwei bis zehn Konstruktionsarbeitsplätzen (SOLIDWORKS oder Autodesk Inventor sind hier deutlich passender), Start-ups mit knappem Budget (CATIA-Lizenzen sprengen jeden Bootstrapping-Plan) und alle, die nur gelegentlich 3D-Modelle brauchen ohne PLM-Anbindung.
Preise im Detail
| Angebot | Beschaffung und Preis | Enthalten |
|---|---|---|
| CATIA V5 (Desktop) | Kein öffentlicher Preis, modulweise Lizenz über Value-Added Reseller (VAR), klassisch als Kauflizenz plus jährliche Wartung | Installierte Desktop-Software, modular (Mechanical Design, Surface, Assembly, Drafting …) |
| 3DEXPERIENCE CATIA (Cloud) | Kein öffentlicher Preis, Rollen-Subscription pro Nutzer und Monat über VAR | Cloud-basierte Rolle, abonnementbasiert |
| 3DEXPERIENCE (On-Premise) | Enterprise-Vertrag, individuell verhandelt | Vollständige Plattform mit ENOVIA (PLM), DELMIA (Fertigung), SIMULIA (Simulation) |
| Generative Design / Topologieoptimierung | Als zusätzliche Rolle innerhalb 3DEXPERIENCE buchbar | KI-gestützte Bauteiloptimierung, integriert in den Konstruktionsworkflow |
| Schulung und Zertifizierung | Über Dassault-Partner-Akademien, Preis je nach Kurs und Umfang | Grund- und Modulkurse |
Einordnung: Es gibt keine öffentliche Preisliste. Dassault lizenziert ausschließlich über autorisierte Reseller (sogenannte Value-Added Resellers, VAR). Wer einen belastbaren Preis will, muss eine konkrete Anfrage mit Nutzerzahl, Modulwunsch und Branche stellen. Öffentlich kursierende Schätzungen reichen von fünfstelligen Beträgen für kleine Installationen bis in den siebenstelligen Bereich für Konzernverträge, abhängig von Sitzplätzen, Modulumfang und Hosting-Modell. Das sind allerdings Marktschätzungen Dritter, keine von Dassault bestätigten Zahlen. Für KMU ist CATIA in jeder Variante deutlich teurer als SOLIDWORKS (ebenfalls Dassault), und das ist Absicht: Dassault positioniert die Produkte explizit für unterschiedliche Marktsegmente. Die Migration von V5 auf 3DEXPERIENCE ist ein eigenes, mehrjähriges Projekt, das du in der Budgetplanung separat ansetzen musst.
Stärken im Detail
Tiefe statt Breite, und beides gleichzeitig. CATIA deckt Konstruktion, Simulation, Fertigungsvorbereitung und Lebenszyklusverwaltung in einer durchgehenden Datenbasis ab. In SOLIDWORKS oder Inventor exportierst du Daten zwischen Werkzeugen; in CATIA bleibt alles im selben Modell. Für komplexe Baugruppen mit zehntausenden Komponenten, ein Verkehrsflugzeug, ein modernes Auto, ein Containerschiff, ist diese Durchgängigkeit der entscheidende Hebel.
Generatives Design als produktiver Workflow. Innerhalb von 3DEXPERIENCE definiert der Konstrukteur Lasten, Randbedingungen und Bauraum, der Algorithmus generiert organisch optimierte Geometrien. Dassault vermarktet das als “Performance-Driven Generative Design” in Verbindung mit MODSIM, also der Fusion aus Modellierung und Simulation. Die KI sitzt hier mitten im Konstruktionsworkflow, nicht als separates Werkzeug, das man parallel öffnen muss. Typische Einsatzfelder sind Leichtbau-Strukturen in Luftfahrt und Automotive sowie Bauteile für die additive Fertigung.
Klasse-A-Flächenmodellierung als Referenz. Sichtbare Außenflächen eines Autos verlangen mathematisch saubere Flächen ohne Mikroknicke, ICEM Surf und die nachfolgenden 3DEXPERIENCE-Module gelten hier seit Jahren als Branchenmaßstab. Studios, die für mehrere OEMs gleichzeitig arbeiten, betreiben CATIA oft schon allein deshalb, weil die Daten direkt weiterverarbeitet werden können.
Desktop und On-Premise als Datenschutz-Hebel. Der klassische CATIA-Weg ist installierte Software auf der eigenen Workstation, 3DEXPERIENCE On-Premise läuft im eigenen Rechenzentrum. Sensible Konstruktionsdaten verlassen dein Umfeld nicht, du behältst die volle Kontrolle über Speicherort und Zugriff. Für Verteidigungsprojekte und sicherheitskritische Infrastruktur ist genau diese Eigenkontrolle oft Voraussetzung, und sie ist datenschutzrechtlich der stärkste Weg.
Industrie-Ökosystem. In Deutschland gibt es ein dichtes Netz aus zertifizierten Dassault-Partnern (unter anderem CENIT mit Sitz in Stuttgart sowie TECHNIA), die Implementierung, Schulung und Customizing übernehmen. Wer CATIA einführt, bekommt Beratung in deutscher Sprache von Spezialisten, die die jeweilige Branchen-Kultur kennen, ein Vorteil, den reine US-Anbieter selten bieten.
Stabilität über Jahrzehnte. Die CATIA-Wurzeln reichen bis in die späten 1970er Jahre zurück, Dassault Systèmes selbst wurde 1981 gegründet, um die 3D-Software CATI (später CATIA) zu entwickeln und zu vermarkten. Für Programme mit Lebenszyklen von 30+ Jahren (Verkehrsflugzeuge, Militärtechnik) ist diese Langfristigkeit kein Komfort, sondern eine harte Anforderung, Zulieferer müssen Daten in 25 Jahren noch öffnen können. Dassault hat hier eine Bilanz, die kaum ein anderer CAD-Anbieter aufweisen kann.
Schwächen ehrlich betrachtet
Lizenzpreise sind eine Eintrittsbarriere. Selbst Einstiegspakete liegen im fünfstelligen Bereich pro Arbeitsplatz und Jahr. Für KMU mit zwei bis zehn Konstrukteuren sind die Gesamtkosten (Lizenzen, Wartung, Schulung, eventuell Hardware) schnell sechsstellig pro Jahr. Wer nicht mindestens mittelständische OEM-Zulieferung betreibt, fährt mit SOLIDWORKS oder Inventor schlicht günstiger und schneller.
Lernkurve ist brutal. CATIA hat eine über Jahrzehnte gewachsene Modulstruktur mit eigener Logik. Auch erfahrene CAD-Anwender brauchen Wochen, um produktiv zu werden, und Monate, um die fortgeschrittenen Module (Generative Shape Design, DMU Kinematics, Knowledgeware) wirklich zu beherrschen. Schulungen kosten extra, und ohne sie ist die Einführung praktisch zum Scheitern verurteilt.
Modulkauf ist undurchsichtig. “CATIA können” heißt wenig, entscheidend ist, welche Module lizenziert sind. Eine Konstruktionsabteilung kann perfekt mit CATIA arbeiten und trotzdem keine Toleranzanalyse durchführen, weil das jeweilige Modul nicht gebucht ist. Wer von außen kommt (Auditor, Zulieferer, Kunde), versteht oft nicht, welche Funktionalität verfügbar ist und welche nicht.
Migration V5 zu 3DEXPERIENCE ist ein Großprojekt. Viele Bestandskunden sitzen seit Jahren auf CATIA V5 und schieben den Wechsel zur 3DEXPERIENCE-Plattform vor sich her, die Migration ist datenseitig, prozessual und kulturell ein mehrjähriges Vorhaben. Dassault drängt zwar zur Cloud-Plattform, aber die V5-Pflege wird absehbar fortgeführt. Wer heute neu einsteigt, sollte direkt auf 3DEXPERIENCE setzen, wer Bestand hat, plant das als eigenes Programm.
KI-Features sind premium-preislich. Generatives Design, Topologieoptimierung und KI-gestützte Manufacturing-Planung sind keine Standardfunktionen, sondern eigene Rollen mit zusätzlichen Kosten. Wer das ausprobieren will, muss erst einen entsprechenden Vertrag aushandeln, einen frei zugänglichen Self-Service-Trial gibt es dafür nicht.
Vendor Lock-in ist real. Dassault-Datenformate (.CATPart, .CATProduct) sind zwar im Branchenökosystem verbreitet, aber technisch proprietär. Ein Wechsel zu Siemens NX oder PTC Creo ist machbar, kostet aber Datenkonvertierung, Mitarbeiterschulung und Prozessumstellung, in der Regel ein zwei- bis dreistelliges Mannjahres-Projekt. Wer einmal in CATIA ist, bleibt meist drin.
Alternativen im Vergleich
| Wenn du… | …nimm stattdessen |
|---|---|
| Eine durchgängige PLM-Plattform aus dem gleichen Haus willst | 3DEXPERIENCE (CATIA ist Teil davon) |
| PLM ohne CAD-Bindung an Dassault brauchst | Siemens Teamcenter |
| CAE und Crash-Simulation für Automotive in den Vordergrund stellen willst | Altair HyperWorks |
| Mittelstands-CAD ohne PLM-Overkill brauchst | SOLIDWORKS (ebenfalls Dassault, kleineres Marktsegment) oder Autodesk Inventor |
| Aus CATIA-Modellen technische Dokumentation und Animationen erzeugen willst | SOLIDWORKS Composer |
Im erweiterten Wettbewerb stehen vor allem Siemens NX (direkter Konkurrent in Automotive und Luftfahrt), PTC Creo (stark im Maschinenbau) und Autodesk Inventor / Fusion 360 (Mittelstand und Bildung). NX und Creo spielen technologisch in derselben Liga wie CATIA, die Wahl ist oft eine Frage von Branchenstandard und Bestandsdaten, nicht von Funktionalität. Wer im Airbus- oder BMW-Ökosystem arbeitet, hat die Entscheidung praktisch nicht in der Hand: Es wird CATIA, weil es das Mutterunternehmen so vorgibt.
So steigst du ein
Schritt 1: Anforderungen scharf definieren, bevor du einen Reseller anrufst. CATIA ohne klare Module-Anforderung anzufragen, ist eine Garantie für ein überdimensioniertes (und überteuertes) Angebot. Definiere vorab: Wie viele Konstruktionsarbeitsplätze? Welche Branche (Mechanical, Surface, Assembly)? Brauchst du PLM-Anbindung an ENOVIA? Brauchst du Simulation (SIMULIA) und Fertigungsplanung (DELMIA) im selben Vertrag? Eine vorbereitete Anforderungsliste verkürzt die Beschaffung um Monate.
Schritt 2: Mehrere Dassault-Partner einbeziehen. In Deutschland sind unter anderem CENIT (Stuttgart) und TECHNIA zertifizierte Dassault-VARs. Hol mindestens zwei Angebote ein, die Konditionen unterscheiden sich, und die Beratungskompetenz schwankt. Frag nach Referenzkunden in deiner eigenen Branche, nicht nur generell.
Schritt 3: Schulungsplan parallel zur Beschaffung aufsetzen. CATIA ohne Schulung ist verbranntes Geld. Plane mindestens einen mehrwöchigen Grundkurs pro Konstrukteur ein, plus Modulschulungen für die jeweiligen Spezialisierungen (Surface, Assembly, Drafting). Für KI-Module (Generative Design) gibt es separate Kurse, die solltest du gleich mitbuchen, wenn du das Feature produktiv einsetzen willst.
Schritt 4: Pilotprojekt mit klaren Erfolgskennzahlen. Statt CATIA gleich konzernweit auszurollen, beginne mit einem klar abgegrenzten Pilotprojekt (zum Beispiel eine Baugruppe, ein Produktbereich). Definiere vorab: Was ist nach sechs Monaten besser geworden? Konstruktionszeit? Fehlerquote? Wiederverwendung? Ohne diese Messgrößen wird die Investition politisch schwer zu verteidigen.
Ein konkretes Beispiel
Ein illustratives Rechenbeispiel (kein benannter Kunde, sondern ein typisches Szenario): Ein deutscher Tier-1-Zulieferer für die Luftfahrt stellt einen Strukturteile-Bereich auf CATIA Generative Design um. Konkrete Aufgabe: eine Familie von Halterungen für die Kabinenmontage. Bisher werden diese Teile klassisch konstruiert, ein erfahrener Konstrukteur braucht für eine Familie von rund zwölf Halterungen etwa vier Wochen. Mit dem generativen Design-Workflow definieren die Konstrukteure Lastfälle, Bauraum und Fertigungsverfahren (additiv), der Algorithmus erzeugt mehrere Topologie-Vorschläge in kurzer Zeit. Nach Auswahl, Glättung und Validierung sinkt der Zeitaufwand der kompletten Familie spürbar, gleichzeitig lässt sich durch die Topologieoptimierung Gewicht einsparen. Der Nutzenhebel liegt in zwei Dimensionen: kürzere Konstruktionszeit und leichtere Bauteile. Der ROI auf eine zusätzliche Generative-Design-Lizenz stellt sich in solchen Konstellationen typischerweise nach wenigen Programmen ein. Die genauen Werte hängen stark von Bauteil, Werkstoff und Fertigungsverfahren ab.
DSGVO & Datenschutz
- Klassisch Desktop und On-Premise (DSGVO-Stärke durch Eigenkontrolle): CATIA V5 und 3DEXPERIENCE On-Premise laufen auf der eigenen Workstation beziehungsweise im eigenen Rechenzentrum. Konstruktionsdaten verlassen dein Umfeld nicht, du behältst die volle Kontrolle über Speicherort und Zugriff. Datenschutzrechtlich ist das der stärkste Weg.
- Cloud (3DEXPERIENCE on Cloud): Dassault garantiert keine EU-Datenresidenz per Default. Das Trust Center des Anbieters nennt weder konkrete Hosting-Standorte noch einen öffentlich benannten Cloud-Provider. Wer EU-Verbleib der Daten braucht, muss den Datenstandort vertraglich mit dem Reseller oder Dassault klären, bevor der Vertrag steht.
- CLOUD Act und Nicht-EU-Cloud-Caveat: Läuft der Cloud-Dienst über einen US-Hyperscaler oder mit Datenverarbeitung außerhalb der EU, greift potenziell der US CLOUD Act. Ohne dokumentierte EU-Region solltest du bei sensiblen oder geheimhaltungsbedürftigen Daten den On-Premise-Weg wählen.
- Datennutzung: Konstruktionsdaten der Kunden werden vertraglich geschützt, ein AVV nach DSGVO wird für die Cloud-Nutzung über den Dassault-Partner verhandelt.
- Compliance-Zertifizierungen: Die 3DEXPERIENCE-Plattform auf der Cloud ist nach ISO 27001 (Informationssicherheit) und ISO 27701 (Datenschutz-Management) zertifiziert; Dassault weist zusätzlich ISO 9001 und GAMP 5 aus. Wichtig: Zertifizierungen belegen Prozessqualität, nicht den physischen Speicherort der Daten.
- Empfehlung für Unternehmen: Bei sicherheitskritischen oder personenbezogenen Konstruktionsdaten den On-Premise- oder Desktop-Weg wählen. Bei Cloud-Nutzung die Datenresidenz vor Vertragsschluss schriftlich fixieren. Eine Datenschutz-Folgenabschätzung ist bei Personenbezug (zum Beispiel Telemetrie- oder Nutzungsdaten) verpflichtend.
Gut kombiniert mit
- 3DEXPERIENCE, die Mutterplattform, die CATIA mit ENOVIA (PLM), DELMIA (Fertigung) und SIMULIA (Simulation) verbindet. Wer CATIA einführt, kommt strategisch fast immer auf die volle Plattform.
- SOLIDWORKS Composer, für die Erzeugung technischer Dokumentation, Servicehandbücher und Montageanleitungen direkt aus CATIA-Daten. Ebenfalls Dassault, daher datenseitig nahtlos.
- Altair HyperWorks, wenn ihr Crash-Simulation und CAE in einer dedizierten Umgebung fahren wollt, parallel zur CATIA-Konstruktion. Datenaustausch über Standardformate funktioniert zuverlässig.
Unser Fazit
CATIA verdient 4 von 5 Sternen. In seiner Liga, Luftfahrt, Automotive, Schiffbau, Verteidigung, ist es technologisch unangreifbar: keine Plattform deckt Konstruktion, Simulation und PLM mit vergleichbarer Tiefe ab, und die KI-Module für generatives Design sind serientauglich, nicht experimentell. Den fünften Stern verliert es durch die hohe Eintrittsbarriere (Preis, Schulung, Migration), die für die meisten KMU schlicht nicht passt, durch die intransparente Lizenzstruktur, die Beschaffung und Vergleich unnötig erschwert, und dadurch, dass der Cloud-Pfad keine garantierte EU-Datenresidenz mitbringt. Für die richtige Zielgruppe ist CATIA praktisch alternativlos; für die falsche ein Fehlinvest in sechsstelliger Höhe.
Was wir bemerkt haben
- Juli 2026: Wir haben die Datenhosting-Einstufung von “eu” auf “global” korrigiert. Dassaults Trust Center nennt weder konkrete Hosting-Standorte noch garantiert es eine EU-Datenresidenz per Default. Der französische Firmensitz (Vélizy-Villacoublay) ist keine EU-Hosting-Garantie. Frühere Formulierungen über “EU-Rechenzentren mit dokumentierter Datenresidenz” waren nicht belegbar und wurden entfernt. Der klassische Desktop- und On-Premise-Betrieb bleibt der datenschutzstärkste Weg, weil die Daten dabei im eigenen Umfeld liegen.
- Mai 2026: Dassault erweitert die KI-Komponenten in 3DEXPERIENCE CATIA kontinuierlich (unter anderem generatives Design mit MODSIM, KI-gestützte 3D-Modellierung, Virtual-Twin-Technologie im Release R2026x). Das ist kein Marketing-Lametta mehr, die Funktionen sind produktiv einsetzbare Module.
- 2024: Die Migration vieler Bestandskunden von CATIA V5 auf 3DEXPERIENCE läuft schleppend. Viele Konzerne planen mehrjährige Übergangsphasen mit parallelem Betrieb beider Plattformen, die V5-Pflege wird daher noch lange erhalten bleiben.
- 2023 bis 2025: Dassault hat die Cloud-Optionen (3DEXPERIENCE on Cloud) deutlich ausgebaut. Zur genauen Datenresidenz macht der Anbieter aber keine öffentlich dokumentierte Default-Zusage; wer EU-Verbleib braucht, muss ihn vertraglich mit dem VAR klären.
- Generelle Beobachtung: Es gibt nach wie vor keine öffentliche Preisliste. Diese Intransparenz ist im Enterprise-CAD-Markt branchenüblich, erschwert aber jeden Vergleich. Wer einen Marktüberblick will, muss mehrere VAR-Angebote einholen und untereinander abgleichen, das kostet Zeit und schreckt kleinere Anwender systematisch ab.
Quellen
- Dassault Systèmes - CATIA Produktseite. https://www.3ds.com/products/catia (abgerufen am 2026-07-23). Performance-Driven Generative Design mit MODSIM, KI-gestützte 3D-Modellierung und Virtual-Twin-Technologie als Teil der 3DEXPERIENCE-Plattform (Release R2026x); genannter Kunde Helix.
- Dassault Systèmes - Unternehmensseite. https://www.3ds.com/about/company (abgerufen am 2026-07-23). Rund 25.000 Mitarbeitende, 370.000+ Kunden, Paris Campus, weltweite Präsenz.
- Dassault Systèmes - Unternehmensprofil (Wikipedia). https://en.wikipedia.org/wiki/Dassault_Syst%C3%A8mes (abgerufen am 2026-07-23). Firmensitz Vélizy-Villacoublay (Frankreich), gegründet 1981, Muttergesellschaft Dassault Group, CEO Pascal Daloz (seit Januar 2024).
- Dassault Systèmes - Trust Center. https://www.3ds.com/trust-center (abgerufen am 2026-07-23). 3DEXPERIENCE-Plattform auf der Cloud nach ISO 27001 und ISO 27701 zertifiziert, zusätzlich ISO 9001 und GAMP 5; keine öffentliche Angabe zu Hosting-Standorten oder einer garantierten EU-Datenresidenz.
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