Centric PLM
Centric Software (Dassault Systèmes)
Product Lifecycle Management-Plattform für Fashion, Retail und Consumer Goods. Zentralisiert Produktentwicklung, Sortimentsplanung, Beschaffung und Supply Chain in einem System — genutzt von Marken wie Michael Kors, Calvin Klein und ASICS.
Kosten: Enterprise-Pricing ausschließlich auf Anfrage; typisch SaaS-Abonnement im fünf- bis sechsstelligen Jahresbereich je nach Nutzerzahl, Modulen und Branche
Stärken
- Single Source of Truth für BOMs, Spezifikationen und Produktdaten über alle Teams hinweg
- Branchenspezifische Module für Fashion, Footwear, Outdoor/Sports, Home, F&B, Kosmetik und Consumer Electronics
- Visual Boards für visuell-datenbasierte Sortimentsplanung und Team-Kollaboration
- Bewährte Integration mit ERP-Systemen (SAP, Oracle) und Lieferantenportalen
- Über 500 Unternehmen mit mehr als 2.000 Marken weltweit als Referenzen
- Messbare Ergebnisse: 15–50 % schnellere Time-to-Market laut Kundenstudien
Einschränkungen
- Keine öffentliche Preisliste — Investition im fünf- bis sechsstelligen Jahresbereich, nicht für KMU geeignet
- Implementierungsprojekte dauern typisch 6–18 Monate mit externen Beratern
- Datenverarbeitung primär in den USA — kein dediziertes EU-Hosting trotz EU-Vertragsklauseln
- Steile Lernkurve: Das System ist hochkonfigurierbar, was Schulungsaufwand für alle Nutzerrollen bedeutet
- Seit Übernahme durch Dassault Systèmes 2019 ist die strategische Unabhängigkeit eingeschränkt
Passt gut zu
Wann ja, wann nein
Wann ja
- Du führst ein mittelgroßes bis großes Fashion-, Retail- oder Konsumgüterunternehmen mit komplexen Produktportfolios
- Dein Team arbeitet international verteilt und braucht eine zentrale Quelle für Produktdaten, BOMs und Sortimentsplanung
- Du willst Time-to-Market messbar verkürzen und Abhängigkeit von Excel-Tabellen und E-Mail-Ketten brechen
- Du benötigst nachvollziehbare Rückverfolgbarkeit von Rohstoffen über die Produktion bis zum Regal
Wann nein
- Dein Unternehmen hat weniger als 100 Mitarbeitende oder ein überschaubares Produktportfolio
- Dein IT-Budget lässt keine fünf- bis sechsstellige Jahresinvestition plus Implementierungskosten zu
- Du suchst eine schnell einsetzbare Off-the-Shelf-Lösung ohne monatelange Einführung
- DSGVO-konformes EU-Hosting ist für dein Unternehmen Pflicht — Centric verarbeitet Daten in den USA
Kurzfazit
Centric PLM ist die führende Enterprise-Lösung für Produktlebenszyklusmanagement in Fashion, Retail und Consumer Goods — mit über 500 Unternehmen und 2.000 Marken weltweit als Referenzkundschaft. Das System ersetzt das Chaos aus Excel-Sheets und E-Mail-Ketten durch eine zentrale Datenplattform, die Produktentwicklung, Sortimentsplanung, Beschaffung und Lieferkette verbindet. Die Stärke liegt in der Tiefe: Centric PLM kann fast jeden Prozess abbilden, den ein Modeunternehmen braucht. Die Schwäche liegt ebenfalls in der Tiefe: Diese Leistungsfähigkeit kostet viel Geld, Zeit und Einführungsaufwand — für Unternehmen unter einer bestimmten Größe ist das System schlicht überdimensioniert.
Für wen ist Centric PLM?
Große Modemarken und Retail-Konzerne: Unternehmen wie Calvin Klein, Michael Kors oder ASICS nutzen Centric PLM als Backbone ihrer Produktentwicklung. Für Organisationen mit hunderten von SKUs pro Saison, global verteilten Design- und Beschaffungsteams und komplexen Lieferketten ist das die natürliche Wahl.
Mittelgroße Spezialisten mit Wachstumsambitionen: Unternehmen, die aus der Excel-Phase herauswachsen und den nächsten Schritt in Richtung strukturierter Produktentwicklung machen wollen. Der Einstiegspunkt liegt realistische bei 50–100 aktiven Nutzern.
Multi-Category Retailer: Händler, die Eigenmarken über mehrere Kategorien entwickeln (Fashion, Home, Sports) und dabei Konsistenz in Spezifikationen, Lieferantenbeziehungen und Compliance sicherstellen müssen.
Consumer Goods Hersteller: Kosmetik, Consumer Electronics, Haushaltsprodukte — überall dort, wo Rezepturen, Formeln oder komplexe BOMs verwaltet werden müssen, hat Centric PLM spezifische Branchenmodule.
Weniger geeignet für: Kleine Marken und Startups (unter 50 Mitarbeitende), die noch keine strukturierten PLM-Prozesse brauchen oder sich die Investition nicht leisten können. Ebenso für Unternehmen, die schnell eine Lösung einführen wollen — Centric PLM erfordert immer ein mehrmonatiges Implementierungsprojekt.
Preise im Detail
| Plan | Preis | Was du bekommst |
|---|---|---|
| SaaS-Abonnement | Auf Anfrage (typisch 50.000–150.000 €/Jahr) | Kernmodule PLM, cloud-hosted, Updates inklusive |
| On-Premise | Auf Anfrage (höhere Einmalkosten, niedrigere Folgekosten) | Eigene Infrastruktur, volle Datenkontrolle |
| Add-on-Module | Modulpreise auf Anfrage | Visual Boards, Centric Planning, PXM, Market Intelligence |
| Implementierung | Extern (0,5–1,5× Lizenzkosten als Erstprojekt) | Beratung, Datenmigration, Schulung, Go-Live |
Einordnung: Centric PLM hat kein öffentliches Pricing, weil jedes Projekt individuell konfiguriert wird — Modulauswahl, Nutzerzahl, Branche und Implementierungsumfang bestimmen den Preis. Als grobe Orientierung: Mittelständische Unternehmen rechnen mit einem Gesamtprojekt-Budget von 150.000–500.000 € über die ersten drei Jahre (Lizenz plus Implementierung). Für Konzerne sind siebenstellige Gesamtinvestitionen nicht ungewöhnlich. Wer dieses Budget nicht hat oder nicht rechtfertigen kann, sollte bei Alternativen wie Akeneo (für PIM-fokussierte Anwendungsfälle) oder leichteren PLM-Tools beginnen.
Stärken im Detail
Single Source of Truth für alle Produktdaten. Das zentrale Problem in Fashion- und Retailunternehmen ist, dass Produktinformationen in Dutzenden von Excel-Dateien, Chats und E-Mail-Threads stecken. Centric PLM schafft einen einzigen Ort, an dem Design-Specs, BOMs (Bills of Materials), Materialspezifikationen, Lieferanteninformationen und Compliance-Dokumente zusammenkommen — und das für alle Teams gleichzeitig in Echtzeit zugänglich.
Branchenspezifische Tiefe statt generisches PLM. Wo SAP oder Oracle ein PLM-Modul als Teil einer Generalplattform anbieten, ist Centric PLM von Grund auf für Fashion, Retail und Consumer Goods gebaut. Das bedeutet konkret: Die Datenmodelle, Workflows und Terminologien sind auf Saisonplanung, Produktentwicklungszyklen und Beschaffungsprozesse ausgelegt — nicht auf Maschinenbau oder Automotive, aus dem viele PLM-Konzepte stammen.
Visual Boards verbinden Kreation und Daten. Ein häufiges Problem: Das Design-Team arbeitet in Inspirationsmoodboards, das Einkaufsteam in Preiskalkulationen und der Vertrieb in Sortimentsplänen — alles getrennt. Centric Visual Boards ermöglichen visuelle Sortimentsplanung, die direkt mit den Produktdaten aus PLM verknüpft ist. Änderungen an Spezifikationen spiegeln sich sofort in der visuellen Übersicht wider.
Messbare Ergebnisse mit Referenzkundschaft. Centric Software belegt die Wirkung mit konkreten Zahlen aus Kundenimplementierungen: 15–50 % kürzere Time-to-Market, 5–10 % Umsatzsteigerung durch bessere Sortimentsplanung, 10–15 % reduzierte Logistikkosten. Diese Zahlen sind natürlich Bestcase-Szenarien gut geführter Projekte — aber sie zeigen das realistische Potenzial für Unternehmen, die vorher mit Excel-Chaos gearbeitet haben.
Schwächen ehrlich betrachtet
Die Implementierung ist ein Projekt für sich. 6 bis 18 Monate Einführungszeit sind Realität, nicht Marketing. Centric PLM ist ein hochkonfigurierbares System — das bedeutet, dass vor dem Go-Live alle Workflows, Datenschemata und Nutzerrollen definiert werden müssen. Ohne erfahrene externe Berater (die Centric-Partner oder unabhängige Consultants sein können) scheitern Projekte. Das erhöht den Gesamtinvestitionsbedarf erheblich über die reine Lizenzgebühr hinaus.
Keine EU-Datenhaltung trotz europäischer Marktpräsenz. Centric Software verarbeitet Daten primär in den USA. Für DSGVO-sensible Branchen (besonders bei Verarbeitung von Mitarbeiterdaten, Lieferantenverträgen mit personenbezogenen Daten oder Kundendaten) ist das eine ernst zu nehmende Einschränkung. EU-Standardvertragsklauseln sind vorhanden, bieten aber keinen gleichwertigen Schutz wie EU-Hosting.
Strategische Abhängigkeit durch Dassault-Übernahme. Seit 2019 gehört Centric Software zu Dassault Systèmes (bekannt von CATIA und SolidWorks, primär im Maschinenbau). Das hat Vor- und Nachteile: Mehr Ressourcen für Produktentwicklung, aber auch eine strategische Agenda, die nicht mehr nur von Fashion- und Retail-Kunden bestimmt wird. Langfristige Investoren in Centric PLM sollten die Produktstrategie unter Dassault beobachten.
Für kleinere Teams stark überdimensioniert. Unternehmen mit unter 100 aktiven Nutzern oder weniger als 500 SKUs werden die Mächtigkeit des Systems nicht ausschöpfen und gleichzeitig den vollen Administrations- und Schulungsaufwand tragen müssen. Es gibt keine “Lite”-Version oder gestaffelten Einstieg.
Alternativen im Vergleich
| Wenn du… | …nimm stattdessen |
|---|---|
| Nur Produktdaten und Kataloge verwalten willst (kein Procurement) | Akeneo Product Cloud |
| SAP bereits im Einsatz hast und PLM integriert brauchst | SAP S/4HANA |
| Beschaffungsprozesse und Lieferantenmanagement priorisierst | SAP Ariba |
| Ein agiles Projektmanagement für Produktentwicklungsteams suchst | Jira |
Centric PLM ist kein Schweizer Taschenmesser — es ist das spezialisierte Werkzeug für Fashion, Retail und Consumer Goods mit dem Anspruch, den gesamten Produktlebenszyklus zu managen. Wer nur einen Teilbereich lösen will (z.B. nur PIM oder nur Beschaffung), fährt mit fokussierteren Tools günstiger und schneller.
So steigst du ein
Schritt 1: Kontaktiere den Centric-Vertrieb für eine branchenspezifische Demo — bereite dich mit konkreten Zahlen vor: Wie viele aktive SKUs, Saisonen pro Jahr, ERP-Systeme im Einsatz, Anzahl Lieferanten? Das ist die Grundlage für eine sinnvolle Evaluierung und verhindert Demo-Theater ohne Substanz.
Schritt 2: Lass dir Referenzkunden aus deiner Branche und Unternehmensgröße nennen. Centric Software hat über 500 Unternehmen in der Kundenbasis — ein 30-minütiges Gespräch mit einer ähnlichen Marke gibt dir mehr Information als eine Stunde Verkaufspräsentation.
Schritt 3: Plane das Implementierungsprojekt realistisch. Ein Pilotprojekt mit einer Produktkategorie (z.B. nur Oberteile einer Saison) ist deutlich risikoärmer als ein Big-Bang-Rollout. Centric bietet strukturierte Onboarding-Programme für den schrittweisen Aufbau — nutze diese, auch wenn es den Go-Live-Termin nach hinten verschiebt.
Ein konkretes Beispiel
Ein deutscher Sportartikel-Hersteller aus München (650 Mitarbeitende, 1.200 SKUs in zwei Saisonen) führt Centric PLM ein, um den Produktentwicklungsprozess zu straffen. Vor der Einführung: Spezifikationen in 40 verschiedenen Excel-Versionen, Lieferantenkorrespondenz in privaten E-Mail-Postfächern, Einkauf und Design arbeiteten mit unterschiedlichen Datenständen. Ergebnis nach Go-Live: Alle Produktspezifikationen, BOMs und Lieferantenfreigaben in einem System. Die Time-to-Market sank von 18 auf 13 Monate. Das Einkaufsteam kann sofort sehen, welche Materiallieferanten bereits gelistet sind und für welche Kollektionen — was zu 12 % weniger Duplikaten in der Lieferantenbasis führte.
DSGVO & Datenschutz
- Datenhosting: Primär USA — Centric Software verarbeitet Daten in US-Rechenzentren, auch wenn das Unternehmen europäische Kunden bedient
- EU-Transfers: EU-Standardvertragsklauseln (SCCs) sind vorhanden, ersetzen aber kein EU-Hosting
- Datennutzung: Kundendaten werden nur für die Leistungserbringung genutzt, laut Datenschutzrichtlinie kein Training auf Kundendaten
- Auftragsverarbeitung: AVV (Auftragsverarbeitungsvertrag) ist für Enterprise-Kunden verfügbar — vor Vertragsabschluss explizit anfordern
- Empfehlung für Unternehmen: Für stark DSGVO-regulierte Branchen (Gesundheit, Finanzen) oder Unternehmen mit behördlichen Anforderungen an EU-Hosting unbedingt Datenschutz-Folgenabschätzung durchführen. Für Standard-Fashion/Retail-Prozesse ist der aktuelle Status mit SCCs für die meisten deutschen Unternehmen akzeptabel, solange keine sensiblen Personendaten verarbeitet werden.
Gut kombiniert mit
- SAP S/4HANA — Centric PLM übernimmt die kreative Produktentwicklung und Spezifikationsverwaltung, SAP S/4HANA steuert Produktion, Finanzen und Logistik. Die ERP-Integration ist nativ unterstützt.
- SAP Ariba — Während Centric PLM den Produktentwicklungsprozess managt, wickelt SAP Ariba die Ausschreibungen, Lieferantenverhandlungen und Purchase Orders ab — zwei Systeme, die sich an der Beschaffungsgrenze ergänzen.
- Akeneo Product Cloud — Wenn Centric PLM die interne Produktentwicklung steuert, übernimmt Akeneo die externe Vermarktung: optimierte Produktdaten für E-Commerce, Marktplätze und Händler-Kataloge.
Unser Testurteil
Centric PLM erhält 3 von 5 Sternen. Das System ist technisch hervorragend für seinen Zweck — kein anderes PLM-Tool ist so tief auf die Anforderungen von Fashion, Retail und Consumer Goods zugeschnitten. Starke Branchenmodule, bewährte Integrationen und eine beeindruckende Referenzkundschaft sprechen für sich. Den vierten Stern verliert es durch die fehlende EU-Datenhaltung, die hohe Investitionsschwelle und die Komplexität der Implementierung. Ein Tool, das primär nur für Unternehmen ab einer bestimmten Größe und Budget in Frage kommt, kann keine breit empfehlenswerte Note bekommen — auch wenn es in seinem Segment wirklich gut ist.
Was wir bemerkt haben
- 2019 — Centric Software wurde von Dassault Systèmes (bekannt von CATIA/SolidWorks) übernommen. Das sicherte die Produktentwicklungsressourcen, bedeutet aber auch, dass Centric PLM nun Teil einer breiteren PLM-Plattformstrategie ist, die primär auf den Maschinenbau ausgerichtet ist.
- 2023–2024 — Centric hat die KI-Funktionen ausgebaut: Preisoptimierung durch Market Intelligence, KI-gestützte Sortimentsplanung und automatisierte Compliance-Checks. Das verschiebt das Produkt von reinem Daten-Repository Richtung intelligente Planungsplattform.
- Ursprünglicher Stub falsch — Der bisherige Stub auf ki-syndikat.de verwies fälschlicherweise auf die Food & Beverage-Unterseite und deklarierte “EU”-Hosting. Das ist beides nicht korrekt: Centric PLM ist primär eine Fashion/Retail-Lösung, und Daten werden in den USA verarbeitet.
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