Google Lens
Google LLC
KI-gestützte visuelle Suche von Google: Pflanzen, Tiere, Produkte und Sehenswürdigkeiten erkennen, Texte aus Fotos extrahieren und live übersetzen, Hausaufgaben lösen. Vollständig kostenlos und als Funktion in Google-App, Chrome und Android-Kamera integriert. Stärkste Bilderkennungs-KI im Endkunden-Markt, für den professionellen, programmatischen Einsatz im Unternehmen ist allerdings die Google Cloud Vision API der richtige Pfad, nicht Google Lens.
Kosten: Vollständig kostenlos für Endnutzer. Verfügbar in der Google-App (iOS/Android), als integrierte Funktion in Chrome (Desktop und Mobile), in Google Fotos und in der Google-Suche. Keine Registrierung über das normale Google-Konto hinaus erforderlich. Für kommerziellen, programmatischen Einsatz: Google Cloud Vision API ist die separate, kostenpflichtige Enterprise-Variante (ab 1,50 USD pro 1.000 Bilder, eigenes Tool).
Kategorien
Stärken
- Best-in-class Bilderkennung, riesige Trainingsdatenbasis aus Google Bilder, Maps und Shopping
- Vollständig kostenlos und ohne Setup, direkt in Google-App, Chrome und Android-Kamera integriert
- Texterkennung (OCR) in über 100 Sprachen, inklusive Handschrift und schwer lesbarer Druckfonts
- Live-Kameraübersetzung, Schilder, Speisekarten, Beipackzettel werden in Echtzeit übersetzt eingeblendet
- Pflanzen-, Tier-, Produkt- und Sehenswürdigkeiten-Erkennung mit hoher Trefferquote
- Tiefe Integration ins Google-Ökosystem, Treffer landen direkt in Google Shopping, Maps oder Suche
Einschränkungen
- Kein Enterprise-Pfad und keine API, für programmatische Nutzung ist Google Cloud Vision API erforderlich
- Datenverarbeitung läuft über Google-Server in den USA, DSGVO-relevant bei Personen- oder Geschäftsbildern
- Trefferqualität schwankt je nach Domäne, bei Industrieteilen, Spezialwerkzeugen oder Nischenprodukten oft schwach
- Keine Batch-Verarbeitung, pro Foto eine manuelle Anfrage
- Keine Qualitätsgarantie und keine SLAs, was heute funktioniert, kann morgen anders aussehen
- Eingeschränkte Kontrolle: Welches Modell antwortet, mit welcher Konfidenz, ist intransparent
Passt gut zu
Wann ja, wann nein
Wann ja
- Du willst auf Reisen Schilder, Speisekarten oder Beipackzettel übersetzen
- Du erkennst eine Pflanze, ein Tier oder eine Sehenswürdigkeit nicht und brauchst eine schnelle Antwort
- Du willst Text aus einem Foto, Whiteboard oder gedruckten Dokument digital übernehmen
- Du willst ein Produkt aus dem Schaufenster oder einem Magazin online wiederfinden
Wann nein
- Du willst Bilderkennung programmatisch in eigene Anwendungen einbauen, nimm Google Cloud Vision API
- Du verarbeitest DSGVO-relevante Personen- oder Geschäftsbilder im professionellen Rahmen
- Du brauchst stabile, dokumentierte Modell-Outputs für regulierte Branchen
- Du willst Fachdomänen-spezifische Erkennung (medizinische Bilder, Industrieteile, Schaltpläne)
Kurzfazit
Google Lens ist die stärkste Bilderkennungs-KI im Endkunden-Markt, und das vollständig kostenlos. Ein Foto vom Pflanzenblatt, vom fremdsprachigen Schild, vom unbekannten Produkt: Lens erkennt, übersetzt, sucht und liefert Folgekontext in der Google-Suche. Möglich ist das, weil Google jahrzehntelang Trainingsdaten für Computer Vision aufgebaut hat, über Google Bilder, Maps Street View, Shopping und Fotos. Im professionellen Einsatz im Unternehmen ist Lens dagegen das falsche Werkzeug: Es gibt keine API, keine SLAs, keine Batch-Verarbeitung und keine DSGVO-konforme Konfiguration. Wer Bilderkennung in eigene Anwendungen einbauen will, geht zur Google Cloud Vision API, das ist ein separates, kostenpflichtiges Produkt mit dokumentierten Modellen und EU-Hosting-Optionen. Lens selbst gewinnt vier Sterne als Consumer-Tool, das im Alltag oft Minuten an Sucharbeit spart.
Für wen ist Google Lens?
Privatpersonen mit Wissensdurst: Wer beim Spaziergang eine unbekannte Pflanze, einen Pilz oder einen Vogel sieht, bekommt mit Lens innerhalb von Sekunden eine Bestimmung, meist mit Wikipedia-Verweis und ergänzenden Suchergebnissen. Für Hobbyisten, Gärtner, Wanderer und Eltern, die Kindern Naturwelt erklären, ist das ein verblüffend nützliches Werkzeug.
Reisende und Sprachenlerner: Die Live-Kameraübersetzung von Lens ist im Alltag oft praktischer als ein klassischer Übersetzer: Du richtest die Kamera auf die japanische Speisekarte, das chinesische Beipackzettel oder das polnische Hinweisschild, und der übersetzte Text wird im selben Layout über das Original eingeblendet. Über 100 Sprachen werden unterstützt, viele auch offline.
Texterfassung im Alltag: Whiteboards nach einem Meeting abfotografieren, gedruckte Bedienungsanleitungen digitalisieren, handschriftliche Notizen in editierbaren Text verwandeln, Lens hat eine OCR-Qualität, die mit dedizierten Scanner-Apps mithält. Der erfasste Text lässt sich direkt in andere Apps kopieren oder vorlesen lassen.
Shopper und Produktrechercheure: Du siehst ein Möbelstück, eine Lampe, ein Kleidungsstück und willst wissen, wo du es kaufst, Lens findet visuell ähnliche Produkte über Google Shopping. Treffergenauigkeit ist bei Markenartikeln hoch, bei Nischen- und No-Name-Produkten niedriger.
Lehrer:innen und Schüler:innen: Lens kann Mathematikaufgaben aus dem Schulbuch fotografieren und Schritt-für-Schritt-Lösungen anzeigen, vom Bruchrechnen bis zu einfacher Differentialrechnung. Pädagogisch zweischneidig (Hausaufgaben-Hilfe vs. Auswendig-Hinkopieren), aber als Verständnis-Hilfe wertvoll.
Weniger geeignet für: Unternehmen mit professionellen Bilderkennungs-Anforderungen (API fehlt, nutze Google Cloud Vision API, AWS Rekognition oder Azure Computer Vision), DSGVO-sensible Workflows (Bilder gehen an US-Server), Fachdomänen wie Medizin, Recht oder Industriefertigung (Modelle nicht für diese Spezialfälle trainiert) und alle Anwendungsfälle, in denen reproduzierbare, dokumentierte Modell-Outputs erforderlich sind.
Preise im Detail
| Komponente | Preis | Was du bekommst |
|---|---|---|
| Google Lens (Consumer) | 0 € | Vollständig kostenlos, unbegrenzte Anfragen, alle Erkennungs-Funktionen, Live-Übersetzung, OCR |
| Voraussetzung | Google-Konto | Standard-Google-Konto reicht, keine separate Anmeldung |
| Verfügbarkeit | Google-App, Chrome, Android, Google Fotos | iOS und Android, Desktop über Chrome-Rechtsklick auf Bilder |
| Google Cloud Vision API (separates Produkt) | erste 1.000 Einheiten/Monat kostenlos, danach ab 1,50 USD pro 1.000 Bilder | Kommerzielle, programmatische Bilderkennung mit SLAs, AVV und EU-Region, siehe eigene Tool-Seite |
Einordnung: Lens ist und bleibt vollständig kostenlos für Endnutzer, Google finanziert das Tool über die Datenintegration mit Google Suche und Shopping. Das ist ein bewusster Strategie-Schritt: Lens treibt Suchanfragen und Produktklicks ins Google-Ökosystem. Wer das Tool im Alltag nutzt, bezahlt mit Aufmerksamkeit und Suchanfragen, nicht mit Geld. Für den professionellen, kommerziellen Einsatz ist das aber kein passendes Modell, Unternehmen brauchen API-Stabilität, AVV, dokumentierte Modelle und EU-Hosting. Für diese Anforderungen ist die Google Cloud Vision API der saubere Pfad: ab 1,50 USD pro 1.000 Bilder, mit AVV, mit Region-Lock auf europe-west und mit dokumentierten Modell-Versionen. Lens und Vision API sind technologisch verwandt, kommerziell aber zwei unterschiedliche Produkte.
Stärken im Detail
Breiteste Trainingsdatenbasis im Markt. Google hat über 25 Jahre den größten Bilderbestand der Welt indexiert, Google Bilder, Street View, Google Shopping, Google Fotos. Diese Datenbasis ist für Computer-Vision-Modelle, was eine riesige Webcrawl-Datenbank für LLMs ist: Niemand sonst hat vergleichbare Tiefe und Breite. Das Ergebnis: Lens erkennt verlässlich Pflanzen, Tiere, Sehenswürdigkeiten, Markenartikel und Druckschriften, bei denen kleinere Anbieter mit den Schultern zucken.
Zero-Setup-Erlebnis. Es gibt nichts zu installieren, nichts zu konfigurieren, kein zweites Konto. Auf Android ist Lens in der Kamera-App. Auf iOS ist es Teil der Google-App. Im Chrome-Browser klickst du mit der rechten Maustaste auf ein Bild und wählst „Mit Google Lens suchen”. In Google Fotos ist es ein Symbol unter jedem Bild. Diese Allgegenwärtigkeit ist eine echte Stärke, Lens ist da, wenn du es brauchst, ohne Vorbereitung.
OCR auf Industriestandard-Niveau. Die Texterkennung in Lens ist nicht nur funktional, sondern in vielen Sprachen erstklassig. Handschriftliche Notizen, gedruckte Verträge, fremdsprachige Schilder, halbverwischter Text auf alten Schildern, alles wird mit hoher Trefferrate erfasst. Über 100 Sprachen werden unterstützt, einige davon offline. Wer früher OCR-Software gekauft hat, kann sich oft die Lizenzkosten sparen.
Live-Kameraübersetzung als Reise-Killer-Feature. Du richtest die Kamera auf die fremdsprachige Speisekarte und siehst die Übersetzung im selben Layout, im selben Schriftbild, fast in Echtzeit. Funktioniert für Schilder, Beipackzettel, Briefe, Verträge, Anweisungen. Das ist Augmented Reality, die unauffällig, schnell und vor allem zuverlässig funktioniert, und es ist die Funktion, an die Reisende sich am ehesten gewöhnen.
Tiefe Google-Suche-Integration. Sobald Lens etwas erkannt hat, sind Folge-Suchanfragen einen Klick entfernt: Wikipedia-Artikel zum Vogel, Online-Shop für die Lampe, Wikipedia über die Sehenswürdigkeit, Rezensionen für das Restaurant. Lens ist nicht nur Erkennung, sondern Ein-Klick-Eintritt in den Recherche-Workflow.
Vielseitige Multimodalität. Pflanzen, Tiere, Produkte, Sehenswürdigkeiten, Texte, Codes, Mathematikaufgaben, Hausaufgaben, Möbel, Mode, Tiere, sogar Insekten, Lens deckt eine ungewöhnlich breite Domänenpalette ab. Andere Bilderkennungs-Apps spezialisieren sich (PlantNet für Pflanzen, Shazam für Musik, BarcodeScanner für Codes), Lens kann alles auf akzeptablem Niveau in einer App.
Schwächen ehrlich betrachtet
Keine API, keine programmatische Nutzung. Lens ist ausschließlich ein Endkunden-Produkt. Wer Bilderkennung in eigene Apps, Website-Backends, Industriesoftware oder ERP-Systeme einbinden will, muss zur Google Cloud Vision API wechseln, das ist ein separates, kostenpflichtiges Produkt mit eigenem Pricing, eigener Dokumentation und eigenem Service-Level. Die Verwechslung „Google Lens für Unternehmen” passiert oft, ist aber falsch. Lens hat keine Schnittstelle, keine Batch-Verarbeitung, keine programmierbaren Filter.
Datenverarbeitung in den USA. Wenn du ein Bild an Lens schickst, wird es zur Verarbeitung an Google-Server gesendet, primär in den USA. Für Privatfotos im Alltag akzeptabel; für Geschäftsdokumente, Personenfotos, medizinische Aufnahmen oder schützenswerte Geschäftsgeheimnisse ist das DSGVO-rechtlich problematisch. Es gibt keinen offiziellen Auftragsverarbeitungsvertrag, keine EU-Region-Garantie und keine Datenflusskontrolle für Lens als Consumer-Produkt.
Trefferqualität ist domänenabhängig. Im Mainstream, bekannte Pflanzen, Markenartikel, Sehenswürdigkeiten, gedruckter Text, ist Lens stark. In Spezialdomänen schwächt es ab: Industrieteile (Schrauben, Werkzeuge, Maschinenteile), seltene Tierarten, regionale Pflanzenarten, alte Münzen, technische Schaltpläne, hier sind Treffer oft falsch oder generisch. Wer Lens mit einer fachlichen Erwartung nutzt, sollte verifizieren.
Keine Stabilitätsgarantie. Das Modell hinter Lens ist ein Black Box, der ohne Vorankündigung aktualisiert wird. Was heute eine Pflanze X identifiziert, kann morgen Y zurückgeben. Für Hobby-Nutzung kein Problem, für jeden Workflow, der Reproduzierbarkeit verlangt (Forschung, Berichterstattung, Beweismittel, Compliance), ist Lens schlicht nicht geeignet.
Keine Batch-Verarbeitung. Pro Foto eine manuelle Anfrage, eine manuelle Auswahl, eine manuelle Antwort. Wer 200 Produktfotos klassifizieren oder 1.000 Belege OCR-verarbeiten will, sitzt wochenlang. Auch hier: Cloud Vision API liefert das, Lens nicht.
Intransparenz über Konfidenz und Quelle. Lens zeigt dir Treffer, aber selten ein Konfidenz-Niveau („92 % sicher, dass es sich um Quercus robur handelt”). Auch die Quelle der Erkennung, welches Modell, welche Trainingsdaten, welche Version, bleibt verborgen. In Anwendungen, in denen die Begründbarkeit einer KI-Antwort wichtig ist, ist das ein hartes Ausschlusskriterium.
Alternativen im Vergleich
| Wenn du… | …nimm stattdessen |
|---|---|
| Eine multimodale KI für komplexe Bildanalyse mit Konversation brauchst | Gemini |
| Ein multimodales Modell mit Bildverständnis und Dialog suchst | ChatGPT |
| Übersetzung ohne Bild-Aufnahme, mit höchster Qualität, willst | DeepL |
| OCR speziell für Geschäftsdokumente und Rechnungen brauchst | Konfuzio |
| Eine deutsche, DSGVO-konforme KI-Alternative willst | Aleph Alpha |
Erwähnenswert ohne eigene Tool-Seite: Google Cloud Vision API ist die kostenpflichtige, professionelle Schwester von Lens, mit programmierbarer Schnittstelle, AVV und EU-Region (wer Bilderkennung in eigene Anwendungen einbauen will, geht hier hin). PlantNet (spezialisierte Pflanzenbestimmung mit wissenschaftlichem Anspruch und EU-Hosting), iNaturalist (Citizen-Science-Plattform für Tier- und Pflanzenbeobachtung), Microsoft Lens (Office-365-integrierter Dokumentenscanner mit OCR), Apple Visual Intelligence (Apple-Pendant in iOS 18+), sowie AWS Rekognition und Azure Computer Vision als Enterprise-Cloud-Alternativen. Google Lens bleibt im Consumer-Bereich der Marktführer, wer aber DSGVO-Konformität, API-Zugang oder Fachdomäne braucht, sollte gezielt prüfen.
So steigst du ein
Schritt 1: Wo Lens schon installiert ist, herausfinden. Auf Android-Geräten ist Lens meist Teil der Kamera-App (in vielen Pixel-, Samsung- und Xiaomi-Modellen direkt im Sucher als Symbol). Auf iOS musst du die Google-App aus dem App Store laden, dort ist Lens als Kamerasymbol in der Suchleiste integriert. Im Chrome-Browser auf Desktop und Mobil: Rechtsklick auf ein beliebiges Bild → „Mit Google Lens suchen”. In Google Fotos: Wische nach oben oder tippe das Lens-Symbol unter dem Foto an. Die App ist also bereits da, du musst sie nur finden.
Schritt 2: Mit drei Alltagsaufgaben vertraut machen. Probiere Lens zuerst an drei realistischen Aufgaben aus, um ein Gefühl für Stärken und Grenzen zu bekommen: (1) eine Pflanze in deinem Umfeld bestimmen, (2) ein gedrucktes Dokument oder eine Visitenkarte fotografieren und den Text in eine Notiz übernehmen, (3) eine fremdsprachige Speisekarte oder Verpackungsbeschriftung übersetzen. Nach diesen drei Übungen weißt du, wann Lens hilft und wann du besser ein anderes Werkzeug nimmst.
Schritt 3: Den Reise- und Recherche-Workflow integrieren. Lege Lens als festes Werkzeug für zwei Situationen an: Reise (Übersetzung, Sehenswürdigkeiten, lokale Produkte) und Online-Recherche (Bildersuche, Produkt-Identifikation, Quelle eines Bildes). Wer einmal die Gewohnheit aufbaut, bei jedem unbekannten Objekt erst Lens zu fragen, spart über die Wochen erstaunlich viel Zeit.
Schritt 4 für Unternehmen: Pfad zur Cloud Vision API klären. Wenn aus dem privaten Lens-Erlebnis ein Geschäftsbedarf wird (Bilderkennung in einer App, OCR für Rechnungen, Produkt-Klassifikation in einem Shop), liegt der nächste Schritt nicht in „mehr Lens”, sondern in der Google Cloud Vision API. Plane mindestens einen halben Tag für die Evaluierung ein, Pricing, AVV, EU-Region und SDK-Sprache sind die zu klärenden Punkte.
Ein konkretes Beispiel
Eine Reiseleiterin aus Köln (selbstständig, 12 Gruppen pro Jahr nach Italien, Spanien und Marokko) nutzt Google Lens als festen Bestandteil ihrer Reise-Werkzeuge. Konkreter Workflow auf einer Marokko-Reise: Bei einem Marktbesuch in Marrakesch fotografieren Teilnehmer:innen mit ihren eigenen Handys arabische Schilder, Speisekarten und Beipackzettel, Lens übersetzt live ins Deutsche oder Englische. Die Reiseleiterin selbst nutzt Lens, um unbekannte Gewürze, lokale Pflanzen und historische Inschriften an Sehenswürdigkeiten zu identifizieren und der Gruppe in 30 Sekunden Hintergrundwissen zu liefern. Spürbarer Effekt: Die Gruppe stellt 30 % weniger „Was ist das?”-Fragen, weil sie selbst Antworten findet, die Reiseleiterin kann sich auf Erzählung und Kultur konzentrieren, statt jedes Schild zu übersetzen. Kosten für das gesamte Setup: 0 €. Hätte die Reiseleiterin denselben Service mit klassischen Übersetzer-Apps und Wörterbüchern aufbauen wollen, wäre der Aufwand pro Reisetag deutlich höher.
DSGVO & Datenschutz
- Datenhosting: Bilder werden zur Verarbeitung an Google-Server primär in den USA übertragen. Eine native EU-Region-Garantie für Lens existiert nicht. Anbieter ist Google LLC, Mountain View, mit Konzernmutter Alphabet Inc.
- Datennutzung: Bilder, die du an Lens schickst, können nach Googles Datenschutzbestimmungen für Produktverbesserung verwendet werden, die genauen Modalitäten richten sich nach den Einstellungen deines Google-Kontos (Web- und App-Aktivität).
- Aufbewahrung: Lens-Anfragen erscheinen in deiner Google-Aktivität und können dort eingesehen und gelöscht werden. Standard-Aufbewahrungsfristen folgen den allgemeinen Google-Konto-Einstellungen (3, 18 oder 36 Monate, automatisch).
- Auftragsverarbeitung (AVV): Für Lens als Consumer-Produkt nicht verfügbar. Wer geschäftlichen oder regulierten Bedarf hat, muss zur Google Cloud Vision API wechseln, dort ist AVV Standardbestandteil des Cloud-Vertrags.
- Empfehlung für Unternehmen: Google Lens als Consumer-App nicht für Geschäftsbilder, Personenaufnahmen, medizinische Bilder oder schützenswerte Dokumente verwenden. Für solche Anforderungen ist die Cloud Vision API mit Region-Lock auf europe-west, AVV und dokumentierten Modellen der einzige saubere Pfad. Privat ist Lens DSGVO-rechtlich unproblematisch, solange keine Personenfotos Dritter ohne Einwilligung verarbeitet werden.
- Kontrolle deaktivieren: In den Google-Konto-Einstellungen unter „Daten und Datenschutz” → „Web- und App-Aktivität” lässt sich die Speicherung von Lens-Anfragen reduzieren oder ausschalten.
Gut kombiniert mit
- Gemini, Lens identifiziert das Objekt, Gemini schreibt die Geschichte dahinter. Nach der Erkennung übergibst du das Ergebnis an Gemini für tiefere Recherche, Texterstellung oder Erklärungen für Kinder. Beide laufen im Google-Konto und teilen den Kontext.
- Google Fotos, Wer seine Fotos bei Google Fotos speichert, hat Lens direkt unter jedem Bild verfügbar. Spätes Erkennen funktioniert: Ein Foto vom letzten Sommer kann ein Jahr später noch durchsucht werden („Welche Pflanze war das im Garten?”).
- ChatGPT, Wenn Lens ein Objekt erkannt, aber den Kontext schwach beleuchtet hat, übernimmt ein multimodales Modell wie ChatGPT die Folgekonversation: Lade das Foto, stelle differenzierte Fragen, lass Lösungen oder Bedienungsschritte erklären. Lens ist Erkennung, ChatGPT ist Dialog.
Unser Testurteil
Google Lens verdient 4 von 5 Sternen. Es ist im Consumer-Markt unschlagbar verfügbar, unschlagbar günstig und unschlagbar gut trainiert, und für Privatpersonen, Reisende und Hobby-Anwender oft das nützlichste KI-Tool, das sie ohnehin schon besitzen. Den fünften Stern verlieren wir, weil Lens als Werkzeug für professionelle und unternehmerische Anwendungen schlicht nicht gemacht ist: Keine API, keine Batch-Verarbeitung, keine DSGVO-Konformität, keine SLAs, keine Reproduzierbarkeit. Wer das Tool im richtigen Kontext einsetzt, schnell, neugierig, alltagsnah, wird es lieben. Wer Lens als Unternehmens-Werkzeug missversteht, läuft in Datenschutz- und Stabilitätsprobleme. Die Empfehlung lautet daher: Privat ja, geschäftlich nur über Cloud Vision API.
Was wir bemerkt haben
- 2018, Google Lens wurde als eigenständige App veröffentlicht, nachdem es zuvor nur Teil von Google Assistant und Pixel-Kameras war. Inzwischen ist die App in den meisten Google-Produkten integriert und die separate App weniger relevant.
- 2022, Multisearch eingeführt: Du kannst jetzt ein Bild mit einem Textzusatz kombinieren („dieses Kleid in Blau”, „diese Pflanze für Schatten geeignet?”). Das hat Lens von reiner Erkennung zur dialogfähigen Bildsuche erweitert.
- 2024, Lens wurde stärker mit Gemini integriert. Nach einer Bilderkennung kannst du in vielen Fällen direkt zu Gemini wechseln, um eine ausführliche Erklärung oder Folgeantwort zu erhalten, die Grenze zwischen Lens und Gemini wird damit fließend.
- 2025, Lens-Funktionen sind tiefer in die Google-Suche integriert worden. „AI Overviews” können visuelle Treffer mit textuellen Antworten verschmelzen. Für die Zukunft deutet sich an, dass „Lens” als Markenname zugunsten einer einheitlichen multimodalen Google-Suche zurücktreten könnte.
- Mai 2026, Eine native API für Google Lens (Consumer-Modell) wurde nicht angekündigt. Für programmatische Bilderkennung bleibt die Google Cloud Vision API der einzige offizielle Pfad, und das bleibt ein eigenständiges, kostenpflichtiges Produkt mit eigener Roadmap.
Quellen
- Google Lens – Offizielle Produktseite. https://lens.google/ (abgerufen am 2026-06-13). Kostenlos nutzbar; Funktionen Suchen, Shoppen, Übersetzen (über 100 Sprachen, in Echtzeit), Pflanzen- und Tiererkennung sowie Hausaufgabenhilfe; verfügbar in Google-App, Chrome, Google Fotos, Google-Kamera und Google Bilder.
- Google Cloud Vision API – Preise. https://cloud.google.com/vision/pricing (abgerufen am 2026-06-13). Erste 1.000 Einheiten pro Monat kostenlos; danach Label-, Text- und Document-Text-Detection je 1,50 USD pro 1.000 Einheiten; Web Detection 3,50 USD, Object Localization 2,25 USD.
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