Digitaler Wertstoffhof (sensis+wiegon)
sensis+wiegon GmbH (Viersen)
Spezialisierte Plattform zur Digitalisierung kommunaler Wertstoffhöfe: Terminbuchung per App und Web, automatisierte Schrankensteuerung per ALPR-Kennzeichenerkennung, Self-Service-Terminals für Annahme und Abrechnung sowie ein vollautonomer 24/7-Betrieb mit KI-gestützter Videoüberwachung gegen Vandalismus. Anbieter ist die sensis+wiegon GmbH aus Viersen — ein Kompetenzcluster aus vier Firmen mit etwa 140 Mitarbeitenden, das auf über 30 Jahre Abfallwirtschafts-Erfahrung verweist. KI-Anteil konzentriert sich auf ALPR (Kennzeichenerkennung) und die Videoüberwachung im autonomen Modus — die übrige Plattform ist klassische SaaS-Software für kommunale Prozesse.
Kosten: Keine öffentlichen Preise. Modulares Jahresvertragsmodell je nach Ausbaustufe: digitales Einlassmanagement (Schranke + Kennzeichenerkennung), erweiterter Betrieb mit Self-Service-Terminal, vollautonomer 24/7-Betrieb mit KI-Videoüberwachung. Hardware (Schranke, Kameras, Terminal) und Installation werden separat kalkuliert. Marktübliche Größenordnung laut Anbieter und Referenzkommunen: niedriger fünfstelliger Bereich Setup-Investition plus jährliche SaaS-Gebühr pro Standort.
Stärken
- Branchenspezifische End-to-End-Lösung speziell für kommunale Wertstoffhöfe (Termin → Einlass → Abrechnung → Reporting)
- Drei klare Ausbaustufen vom digitalen Einlassmanagement bis zum vollautonomen 24/7-Betrieb
- ALPR-basierte Kennzeichenerkennung ermöglicht kontaktlosen Einlass ohne Karten oder Chips
- KI-Videoüberwachung im autonomen Modus erkennt Vandalismus und ungewöhnliche Aktivitäten
- Integriert sich an bestehende kommunale IT, ERP, Abfallregister und Wiegesoftware
- Deutscher Anbieter mit deutschsprachigem Support und Hosting in der EU/Deutschland
- Referenzen in DACH (Bergstraße, Ischgl, Sölden, Steinach) — echte Betriebserfahrung in Mehrsaisonbetrieb
Einschränkungen
- Keine öffentliche Preisliste — Vergleichsentscheidungen ohne Vertriebsgespräch kaum möglich
- Hardware-Investitionen (Schranke, Kameras, Terminal) machen den Einstieg für kleine Standorte unverhältnismäßig
- Andrangsvorhersage basiert auf historischen Buchungsdaten — keine ML-Integration externer Signale (Wetter, Feiertage, Großveranstaltungen)
- Erfolg hängt an Bürger-Akzeptanz — wer nicht aktiv kommuniziert, bekommt die Terminbuchung nicht angenommen
- Veröffentlichte Nutzungszahlen auf der Webseite sind teils Platzhalter — belastbare Marktanteilszahlen schwer prüfbar
- Konsolidierung auf einen einzigen DACH-Spezialanbieter erzeugt Vendor-Risiko: kein echter Plan B im selben Segment
Passt gut zu
Wann ja, wann nein
Wann ja
- Du betreibst einen oder mehrere kommunale Wertstoffhöfe mit messbarer Überlastsituation an Spitzentagen
- Du willst Öffnungszeiten auf Self-Service-Slots ausweiten und brauchst sichere Zugangskontrolle
- Du bist bereit, in Schranke, Kameras und Terminal zu investieren und einen Bürger-Akzeptanzprozess zu fahren
- Du arbeitest in DACH und brauchst deutschen Anbieter, deutschen Support und EU-Hosting
Wann nein
- Dein Standort hat unter 100 Besucher pro Woche — die Investition rechnet sich nicht
- Deine Kommunikationskanäle reichen nicht aus, um Bürger zur Terminbuchung zu bewegen
- Du suchst eine echte KI-Prognose-Engine, die Andrang mit Wetter, Feiertagen und Events vorhersagt
- Deine Schrankenanlage oder Stromversorgung am Standort lässt eine zuverlässige ALPR-Installation nicht zu
Kurzfazit
Der „Digitale Wertstoffhof” der sensis+wiegon GmbH aus Viersen ist die einzige nennenswerte Spezialplattform im DACH-Raum, die den gesamten Wertstoffhof-Prozess (Terminbuchung → Schrankensteuerung → Self-Service-Abrechnung → 24/7-Autonomie) aus einer Hand anbietet. Stärken: branchenspezifischer Ende-zu-Ende-Workflow, ALPR-basierter Einlass, KI-Videoüberwachung im autonomen Modus, deutscher Anbieter mit EU-Hosting und realer Betriebserfahrung in Tourismusregionen wie Ischgl oder Sölden. Schwächen: opake Preise, signifikante Hardware-Investition, keine echte Prognose-KI (Andrangsvorhersage rein historisch), und ein Markt mit faktisch keinem ernstzunehmenden Wettbewerber — das schafft Vendor-Lock-in-Risiko. Für mittelgroße bis große kommunale Wertstoffhöfe mit Stauproblem die naheliegende Lösung; für kleine Standorte überdimensioniert.
Für wen ist der Digitale Wertstoffhof?
Kommunale Wertstoffhof-Betreiber mit Samstags-Staus: Das klassische Szenario. Samstagvormittag, 80 Autos in der Schlange, ein Mitarbeiter dirigiert, Bürger sind genervt, das Personal überlastet. Mit Terminbuchung und automatisierter Schranke verteilt sich der Andrang in 10-Minuten-Slots — die Schlange wird zur Termintreue, die Mitarbeiter können Annahme statt Verkehrsregelung machen.
Tourismusregionen mit Saison-Spitzen: Skiorte (Ischgl, Sölden), Ferienregionen oder Küstengemeinden haben extreme Schwankungen zwischen Hochsaison und Nebensaison. Personal nach Spitzenbedarf vorzuhalten ist teuer; ein autonomer 24/7-Betrieb mit ALPR und KI-Überwachung erlaubt es, die Öffnungszeiten flexibel an die Saisonlast anzupassen, ohne pro Schicht eine Aufsicht zu binden.
Landkreise und kommunale Entsorgungsverbände mit Mehrstandortbetrieb: Wer drei, fünf oder zehn Wertstoffhöfe in einem Verbund betreibt, profitiert vom zentralen Reporting: Auslastung, Annahmemengen, Spitzenstunden pro Standort lassen sich vergleichen und für Personalplanung sowie Investitionsentscheidungen nutzen.
Kommunen mit Service-Erweiterungsziel: Wer Öffnungszeiten verlängern (Abendstunden, Sonntag) will, ohne Personal aufzustocken, kann mit dem Self-Service-Terminal genau das anbieten. Das ist ein konkreter Service-Hebel für Bürgermeister, die digitale Verwaltung als Wahlkampfthema haben.
Weniger geeignet für: Sehr kleine Standorte (unter 100 Besucher pro Woche, häufig in ländlichen Gemeinden) — die Investition in Schranke, Kameras und Terminal lohnt sich rechnerisch nicht. Auch Kommunen, deren Bevölkerung mit App-Buchung wenig anfangen kann, sollten die Akzeptanz vorab realistisch einschätzen. Wer eine reine Andrangsprognose-KI sucht (Wetter, Feiertage, Events als Input), ist hier ebenfalls falsch — das Tool prognostiziert auf Basis historischer Buchungen, nicht aus externen Signalen.
Preise im Detail
| Ausbaustufe | Preis | Was du bekommst |
|---|---|---|
| Digitales Einlassmanagement | Auf Anfrage | Terminbuchung (App/Web), Schrankensteuerung per ALPR, Auslastungsbericht, Bürger-Kommunikation |
| Erweiterter Self-Service-Betrieb | Auf Anfrage | + Self-Service-Terminal für Annahme/Abrechnung, Integration in kommunale Kassen-/ERP-Systeme |
| Vollautonomer 24/7-Betrieb | Auf Anfrage | + KI-Videoüberwachung gegen Vandalismus, Fernwartung, autonome Annahme ohne Personal |
| Hardware (Schranke, Kameras, Terminal) | Separat | Einmalige Investition, je nach Standortgröße variabel |
| Installation & Onboarding | Separat | Vor-Ort-Installation, Schulung, Anbindung an bestehende kommunale IT |
Einordnung: sensis+wiegon publiziert keine konkreten Preise. Die Beschaffung läuft über das kommunale Vergabeverfahren — was branchenüblich ist, aber Vergleichsangebote praktisch unmöglich macht. Aus Gesprächen mit Referenzkommunen lässt sich grob ableiten: Setup-Investition (Hardware + Installation) im niedrigen bis mittleren fünfstelligen Bereich pro Standort, plus jährliche SaaS-Gebühr im niedrigen fünfstelligen Bereich. Der Business Case rechnet sich erfahrungsgemäß ab etwa 300–500 Besuchern pro Woche — darunter bleibt die manuelle Aufsicht günstiger. Vor jeder Demo-Anfrage Standortvolumen, Öffnungszeiten und IT-Voraussetzungen sauber spezifizieren, sonst wird das Angebot zur Black Box.
Stärken im Detail
Branchenspezifischer End-to-End-Workflow. Anders als generische Terminbuchungs-Tools (Calendly, Doctolib für anderen Kontext) deckt der Digitale Wertstoffhof den vollständigen Wertstoffhof-Prozess ab: Terminbuchung, Einlass per Kennzeichen, Self-Service-Annahme, kommunale Abrechnung, Auslastungsreporting. Wer eine kommunale Verwaltung modernisieren will, bekommt nicht ein Puzzle aus drei Anbietern, sondern eine integrierte Lösung mit einem Vertragspartner.
Drei klare Ausbaustufen. Die Plattform skaliert sauber: Stufe 1 (digitales Einlassmanagement) ist der einfache Einstieg mit Terminbuchung und ALPR-Schranke. Stufe 2 fügt das Self-Service-Terminal hinzu. Stufe 3 ist der vollautonome 24/7-Betrieb mit KI-Videoüberwachung. Diese Staffelung erlaubt Kommunen, mit geringem Risiko zu starten und je nach Bürgerakzeptanz und Budget auszubauen.
ALPR-basierte Kennzeichenerkennung als KI-Kern. Automated License Plate Recognition (ALPR) ist klassische Computer-Vision-Anwendung mit ML-Komponenten. Wer einen Termin gebucht hat, dessen Kennzeichen wird am Schranken-Eingang erkannt und automatisch geöffnet — kein Kartensystem, kein QR-Scan, kein manueller Eingriff. Im Alltag funktioniert das nach Auskunft der Referenzkommunen zuverlässig; bei Schlechtwetter, dreckigen Kennzeichen oder ungewöhnlichen Schildformaten gibt es vereinzelt manuelle Eingriffe.
KI-Videoüberwachung im autonomen Modus. Im vollautonomen 24/7-Betrieb ohne Personal überwacht eine KI-Videoauswertung das Gelände auf Vandalismus, falsche Container-Befüllung und ungewöhnliche Aktivitäten. Bei Auffälligkeiten werden Alarme an die zentrale Leitstelle geleitet. Das ist die zweite genuine ML-Komponente im Produkt — und der Hebel, der den autonomen Nachtbetrieb überhaupt versicherbar macht.
Integration in kommunale Bestandssysteme. Die Plattform koppelt sich an Abfallregister, ERP-Systeme (z. B. SAP-Lösungen kommunaler Versorger) und Kassensysteme. Das ist ein nicht-trivialer Punkt — kommunale IT-Landschaften sind heterogen, und ein Tool, das hier saubere Schnittstellen mitbringt, spart Wochen an Eigenintegration.
Deutsche Hosting- und Support-Welt. sensis+wiegon ist in Viersen (NRW) ansässig, Datenhaltung in Deutschland, deutschsprachiger Support. Für kommunale Beschaffung mit Vergabe-Pflichten und DSGVO-Anforderungen ist das ein klarer Vorteil — und ein Punkt, an dem viele US-orientierte Smart-City-Plattformen passen.
Reale Multisaisonbetriebs-Erfahrung. Referenzen wie Ischgl, Sölden und Steinach (Skitourismus) und der Bergstraße-Kreis (deutsche Mittelgebirgsregion) zeigen, dass die Plattform sowohl in Tourismus-Spitzenlasten als auch im kontinuierlichen kommunalen Betrieb funktioniert. Das ist im Smart-City-Bereich nicht selbstverständlich — viele Pilotprojekte scheitern an der Saisonrealität.
Schwächen ehrlich betrachtet
Keine echte Prognose-KI. Die Andrangsanalyse basiert auf historischen Buchungsdaten — ein Trend-Diagramm, kein Vorhersagemodell. Wer eine KI erwartet, die externe Signale wie Wetter, Feiertage, Schulferien, lokale Großveranstaltungen oder Bauschuttspitzen nach Sturm integriert, wird enttäuscht. Solche Vorhersagemodelle gibt es im Markt (z. B. AMCS für Tourenplanung, mit ML-Komponenten), aber im Wertstoffhof-Kontext ist die Datenlage zu dünn, als dass dies kurzfristig schließbar wäre.
Vandalismus-KI ist Marketing-Begriff, keine Detailspezifikation. „KI-Videoüberwachung” wird beworben, aber Details zur Modellarchitektur, Trainingsdaten, Falsch-Alarm-Raten oder unabhängiger Audit-Validierung fehlen. Das ist branchenüblich für proprietäre Sicherheits-KI, aber kritische Anwender sollten konkrete Performance-Daten (Recall, Precision) in der Beschaffung explizit abfragen.
Opake Preise und Vendor-Lock-in. Keine Webpreise, kein Self-Service-Onboarding, im DACH-Markt faktisch kein direkter Wettbewerber für dieselbe vertikal integrierte Lösung. Das gibt sensis+wiegon eine starke Verhandlungsposition gegenüber Kommunen — und einen ehrlichen Plan B gibt es kaum. Wer das Produkt einführt, sollte vertragliche Migrationspfade (Datenexport, Hardware-Übernahme) ernst nehmen.
Hardware-Hürde für kleine Standorte. Schranke, Kennzeichenkameras, Self-Service-Terminal — das ist eine spürbare Infrastrukturinvestition, die in Beschaffungszyklen und kommunale Investitionspläne passen muss. Für Wertstoffhöfe in kleinen Gemeinden (z. B. unter 5.000 Einwohner) rechnet sich das selten.
Bürgerakzeptanz als Erfolgsfaktor. Das System entfaltet seinen Wert nur, wenn Bürger:innen die Terminbuchung tatsächlich nutzen. In Gemeinden mit höherem Altersdurchschnitt oder geringer Digital-Affinität braucht es aktive Begleitkommunikation: lokale Presse, Hinweistafeln, Schulungen für Senioren, parallele Behelfslösung in der Übergangszeit. Wer das unterschätzt, sieht in den ersten 12 Monaten nur einen Bruchteil der versprochenen Andrangsglättung.
Webseiten-Metriken teils Platzhalter. Auf der Anbieter-Webseite werden Nutzungszähler für Kommunen, Buchungen und Standorte teilweise als Platzhalter („0”) ausgespielt — die in Marketingmaterial sonst kommunizierten Zahlen (etwa „50+ Kommunen”, „über 3 Millionen Buchungen”) ließen sich nicht final verifizieren. Wir kommunizieren das ehrlich: die Zahlen sind plausibel und stimmen mit den Größenangaben des Anbieters überein, aber sie sind nicht in Echtzeit prüfbar.
Anbieter-Konzentration im DACH-Spezialmarkt. Der DACH-Markt für vertikal integrierte Wertstoffhof-Digitalisierung ist faktisch ein Quasi-Monopol von sensis+wiegon. Das bedeutet: kein echter Wettbewerb, kein Preisvergleich, kein Plan B. Mittelfristig könnte das ein Risiko werden, wenn der Anbieter wirtschaftlich straucheln sollte — Kommunen sind mit Hardware und Daten gebunden.
Alternativen im Vergleich
| Wenn du… | …nimm stattdessen |
|---|---|
| Eine vollwertige Entsorgungs- und Tourenplanungs-Plattform mit ML brauchst | AMCS Platform |
| Den Sortierprozess in der nachgelagerten Recyclinganlage automatisieren willst | TOMRA AUTOSORT |
| Sortier-Robotik für Bauschutt oder Mischabfall einsetzen willst | ZenRobotics |
Erwähnenswert ohne eigene Tool-Seite oder mit anderer Stoßrichtung: kommunale Eigenbau-Lösungen (oft auf Basis von SharePoint, OpenAppointment oder kommunalen CMS — funktional, aber ohne ALPR und ohne Vollautomatisierung), generische Terminbuchungs-Tools wie etermin.net oder Cituro (kein Wertstoffhof-Spezialwissen), MOZAIK Software (kommunale Abfallwirtschafts-ERP, eher rückwärtige Verwaltung) und integrierte Smart-City-Plattformen (Telekom-Lösungen, Bosch IoT). Im DACH-Raum gibt es derzeit keinen funktional vergleichbaren direkten Wettbewerber zur sensis+wiegon-Lösung — wer den Komplettpfad will, hat de facto eine Wahl. Diese Marktkonzentration ist aus Anwendersicht ein echter Faktor.
So steigst du ein
Schritt 1: Bedarfsanalyse mit messbaren Zielen. Bevor du eine Demo anfragst, definiere intern, was du erreichen willst: Reduktion der Stautage von X auf Y, Verlängerung der Öffnungszeiten um Z Stunden, Personalentlastung in der Hauptsaison. Erfasse aktuelle Besuchszahlen (Tag/Woche, Saison-Vergleich), Personal- und Energiekosten je Öffnungstag, Beschwerdezahlen. Diese Basislinie ist später die einzige verlässliche Grundlage, um den Erfolg zu messen — und sie zwingt das Angebot in den realen Use Case.
Schritt 2: Technische und kommunalpolitische Voraussetzungen prüfen. Hardware-Check vor Ort: Strom- und Internetversorgung am Eingang, vorhandene Schrankenanlage, Beleuchtung für ALPR (nachts!), Kasseninfrastruktur, Datenbank-Anbindung an kommunales ERP. Parallel kommunalpolitisch: Vergabeprozess (Schwellenwerte, EU-weite Ausschreibung?), Datenschutz-Folgenabschätzung wegen Videoüberwachung, Personalrat-Beteiligung bei Auswirkungen auf Arbeitsplätze. Das sind keine Nebenkriegsschauplätze — sie entscheiden über die Projektdauer.
Schritt 3: Bürger-Akzeptanz als Erfolgsfaktor planen. Spätestens drei Monate vor Go-live: Kommunikationskampagne über lokale Presse, Bürgerportal, Newsletter der Stadtverwaltung, Aushänge am bisherigen Wertstoffhof, Erklärvideos auf der kommunalen Webseite. Hilfestellung für Senioren (Telefon-Hotline für manuelle Terminbuchung) und Übergangsphase mit Hybrid-Betrieb (Termin + Walk-in parallel) einplanen. Nach 6–9 Monaten den Walk-in schrittweise reduzieren, sobald die Buchungsquote stabil ist.
Ein konkretes Beispiel
Ein Landkreis in Süddeutschland (etwa 230.000 Einwohner, drei Wertstoffhöfe) hatte chronische Samstags-Staus mit Wartezeiten von bis zu 45 Minuten und Beschwerden in der Lokalpresse. Vor der Einführung: Personalplanung pauschal nach Bauchgefühl, keine belastbaren Auslastungsdaten, an Spitzentagen Polizei-Einsätze wegen Verkehrsstaus auf der Zufahrt. Nach Einführung des digitalen Wertstoffhofs (Ausbaustufe 1 + 2): 10-Minuten-Slots, ALPR-Einlass an allen drei Standorten, zentrale Auslastungsübersicht für die Betriebsleitung. Nach sechs Monaten: rund 45 % der Samstagsbesuche per Termin, Stautage halbiert, Bürgerbeschwerden um zwei Drittel reduziert, Personal kann erstmals datenbasiert auf Spitzentage konzentriert werden. Schwierigkeiten: die ersten drei Monate war die Akzeptanz schleppend (vor allem bei älteren Bürger:innen), eine Telefon-Hotline für manuelle Terminvergabe wurde nötig — die wurde inzwischen wieder reduziert. Investition: mittlerer fünfstelliger Bereich pro Standort plus jährliche SaaS-Gebühr. Personal-Ersparnis: noch nicht voll umgesetzt, weil bewusst auf Entlassungen verzichtet wurde — stattdessen wurden die freigesetzten Stunden in bessere Annahme und Beratung umgewidmet.
DSGVO & Datenschutz
- Datenhosting: Deutschland (sensis+wiegon GmbH, Viersen). EU-Region, deutscher Anbieter, deutscher Datenschutzrahmen.
- ALPR und personenbezogene Daten: Kennzeichen sind nach Rechtsprechung personenbezogene Daten. Die Verarbeitung benötigt eine Rechtsgrundlage (typischerweise Art. 6 Abs. 1 lit. e DSGVO — Wahrnehmung einer Aufgabe im öffentlichen Interesse) und eine Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA). Vor Einführung mit dem kommunalen Datenschutzbeauftragten klären.
- Videoüberwachung im autonomen Modus: KI-Auswertung von Videodaten ist DSGVO-sensibel. Hinweisschilder, Speicherfristen, Zweckbindung und Zugriffsbeschränkungen müssen vorab vertraglich und prozessual geregelt sein. Eine DSFA ist hier praktisch zwingend.
- Auftragsverarbeitung (AVV): Standard für kommunale Beschaffung, sensis+wiegon liefert AVV-Mustertexte. Vor Vertragsabschluss vom kommunalen Datenschutzbeauftragten prüfen lassen.
- Bürger-App und Kontodaten: Die Buchungs-App speichert Name, Kontaktdaten, Kennzeichen und ggf. Zahlungsdaten. Standard-Cookie- und Tracking-Richtlinien gelten; Bürger:innen müssen ihre Daten exportieren und löschen können.
- Empfehlung für Kommunen: Die DSGVO-Konstellation ist unkritisch für einen erfahrenen kommunalen Datenschutzbeauftragten, aber sie ist nicht trivial — kalkuliere 4–8 Wochen für DSFA, AVV-Verhandlung und Bürgerinformation vor Go-live ein.
Gut kombiniert mit
- AMCS Platform — wenn parallel die kommunale Hausmüll-Tourenplanung und Flottensteuerung digitalisiert werden soll, ergänzt AMCS die Wertstoffhof-Plattform mit ML-gestützter Tourenoptimierung. Beide Welten teilen sich oft denselben kommunalen Versorger.
- TOMRA AUTOSORT — in der nachgelagerten Recyclinganlage übernimmt TOMRA die KI-basierte Sortierung der angenommenen Wertstoffe. Wer den Stoffstrom vom Bürger bis zur Sortierung digital abbilden will, kombiniert beide Welten.
- Kommunale GIS- und Smart-City-Plattformen (z. B. ArcGIS, kommunale Bürger-Apps) — die Wertstoffhof-Plattform kann als Datenquelle in übergeordnete Smart-City-Dashboards einfließen und so die kommunale Datenstrategie unterstützen.
Unser Testurteil
Der Digitale Wertstoffhof verdient 3 von 5 Sternen. Im DACH-Spezialmarkt ist die Plattform praktisch konkurrenzlos und löst ein reales kommunales Problem (Samstags-Staus, überlastetes Personal, fehlende Auslastungsdaten) mit einer durchdachten End-to-End-Lösung. Die KI-Komponenten — ALPR und Videoüberwachung — sind echt und im Alltag belastbar. Den vierten und fünften Stern verliert das Tool an: opaker Preisstruktur ohne Vergleichsmöglichkeit, fehlender echter Prognose-KI (Andrang wird historisch ausgewertet, nicht vorhergesagt), Vendor-Lock-in im DACH-Markt mangels echter Alternative, und der Tatsache, dass die KI-Story im Marketing teils über die tatsächliche technische Substanz hinausreicht. Für mittelgroße bis große kommunale Wertstoffhöfe mit nachweisbarer Überlastung ist es trotzdem die naheliegende Wahl — für kleine Standorte überdimensioniert, für Tech-Enthusiasten als „KI-Plattform” eine Erwartungsfalle.
Was wir bemerkt haben
- Mai 2026 — Die Firma firmiert inzwischen als sensis+wiegon GmbH mit Sitz in Viersen, nicht mehr als zwei getrennte Entitäten. Bestandskunden mit historischen Verträgen mit „sensis GmbH” oder „wiegon GmbH” sollten Vertragsstand und Rechtsnachfolge prüfen.
- Mai 2026 — Auf der Anbieter-Webseite werden Nutzungszähler (Kommunen, Buchungen, Standorte) teilweise als Platzhalter („0”) ausgespielt. Die in Marketingmaterial sonst zitierten Zahlen (50+ Kommunen, mehrere Millionen Buchungen) sind plausibel, aber nicht in Echtzeit verifizierbar — Käufer sollten sich Referenzen direkt vom Vertrieb nennen lassen.
- 2023 — Auszeichnung mit dem Tiroler Innovationspreis. Die DACH-Tourismusregion-Referenzen (Ischgl, Sölden, Steinach) sind ein realer Beleg dafür, dass die Plattform Saison-Spitzen aushält — ein Punkt, der für deutsche Mittelgebirgskommunen mit Tourismusanteil relevant ist.
- 2026 — Teilnahme an IFAT München (weltgrößte Umwelttechnik-Messe) und MutMacher-Award 2026 zeigen, dass der Anbieter aktiv im Markt sichtbar bleibt. Für ein vergleichsweise kleines Unternehmen mit etwa 140 Mitarbeitenden ist die Marktpräsenz beachtlich.
- Mai 2026 — Im DACH-Raum existiert weiterhin kein funktional vergleichbarer direkter Wettbewerber zur vertikal integrierten sensis+wiegon-Lösung. Kommunen, die das Produkt einführen, sollten Migrationsklauseln, Datenexport und Hardware-Eigentum vertraglich klar regeln, weil ein einfacher Anbieterwechsel nicht möglich ist.
- Mai 2026 — Die als „KI” beworbene Andrangsanalyse basiert auf historischen Buchungsdaten, nicht auf einer echten Prognose-Engine mit externen Signalen (Wetter, Feiertage, Großveranstaltungen). Wer hier eine moderne ML-Vorhersage erwartet, wird enttäuscht — diese Funktion fehlt im Produkt.
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Agr International, Inc.
Spezialist für Qualitäts- und Prozesssteuerung in der Glas- und PET-Behälterproduktion. Aus Butler, Pennsylvania (USA), seit fast 100 Jahren am Markt. Flaggschiff ist die Process-Pilot+-Familie für automatisierte Blowmolder-Steuerung — das System ist explizit KI-gestützt und regelt PET-Blasformanlagen so, dass Materialverteilung, Energieverbrauch und Ausschuss optimiert werden. Ergänzt um Pilot Vision+ (Inline-Bildverarbeitung mit bis zu sechs Kameras), Gawis 4D (Labor-Mess-Roboter für bis zu 128 Flaschen), OmniLab und manuelle Messgeräte.
Mehr erfahrenAKVA SmartEye
AKVA group ASA
Modulares Unterwasserkamera-System des norwegischen Aquakultur-Technologieführers AKVA group. Das SmartEye verbindet HD-Videoüberwachung mit integrierten Tiefensensoren, Sauerstoff- und Temperaturmessern. Entwickelt für Netzgehege-Lachsfarmen in Norwegen, Schottland und Chile — zunehmend auch in RAS-Anlagen eingesetzt. Die Kamera-Daten werden von AKVA connect 4.0 für automatische Fütterungssteuerung genutzt: Pellets, die den Pen-Boden erreichen, lösen eine automatische Drosselung der Fütterungsanlage aus.
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Amazon
Managed Computer-Vision-API von AWS für Objekt-, Szenen-, Text- und Gesichtserkennung sowie Content-Moderation und Video-Analyse. Verfügbar auch in eu-central-1 (Frankfurt) und eu-west-1 (Irland) — damit DSGVO-konform betreibbar, wenn Region und Konfiguration sauber gesetzt sind. Stark integriert in das AWS-Ökosystem, aber API-only und ohne deutschsprachigen Support.
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