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Ansys STK

Ansys (Synopsys-Tochter, ehemals AGI / Analytical Graphics)

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Ansys STK (Systems Tool Kit) ist die Branchen-Standardplattform für Missionsanalyse und Systemsimulation in Raumfahrt und Verteidigung. Physikbasierte Modellierung von Satellitenbahnen, Sensor-Coverage, Radar-Sichtbarkeiten, Kollisionsvermeidung, probabilistische Risikoanalysen und Multi-Domain-Operationen (Boden, See, Luft, Weltraum) in einer integrierten Umgebung. Kunden sind NASA, ESA, CNES, DLR, JAXA, Boeing, Lockheed Martin, Airbus und das US-DoD.

Kosten: Preise ausschließlich auf Anfrage; Enterprise-Lizenzen typisch im fünf- bis sechsstelligen Bereich jährlich pro Sitz; kostenlose Community-Version (STK Free) mit eingeschränktem Funktionsumfang verfügbar. Spezialmodule (Astrogator, Analyzer, Coverage, Communications, Radar) werden einzeln lizenziert.

Kategorien

Stärken

  • Physikbasierte Bahnmechanik und Sensormodellierung für alle Missionstypen (LEO, MEO, GEO, Deep Space)
  • Astrogator-Modul für interplanetare Missionsplanung und Manöver-Design
  • Probabilistische Analyse und Monte-Carlo-Integration für Missionsrisikoabschätzungen
  • Multidomain: Boden, Luft, See, Weltraum in einer einheitlichen Simulationsumgebung
  • Sprachunabhängige Connect-API: C, C++, C#, Python, Java, MATLAB anbindbar
  • Etablierte Referenzen bei NASA, ESA, JAXA und allen führenden Luft- und Raumfahrtkonzernen

Einschränkungen

  • Kein öffentlich einsehbares Pricing, Lizenzkosten nur auf Anfrage, Enterprise-Niveau
  • Steile Lernkurve: Vollständige Nutzung erfordert Spezialausbildung in Bahnmechanik und Systemmodellierung
  • US-Datenhosting und ITAR-Sensibilität, für europäische Kunden ein zusätzlicher Compliance-Aufwand
  • Keine deutschsprachige Oberfläche oder Support
  • Für orbitale Kernanwendungen auf Agentur-/Großkonzernniveau ausgelegt, kein KMU-Einstieg
  • KI-/ML-Funktionen sind ergänzend (Connect-API zu externen Frameworks), nicht nativ integriert

Passt gut zu

Raumfahrtagenturen und Großkonzerne mit Missionsanalyse-Teams Satellitenkonstellation-Operatoren für Coverage- und Kollisionsvermeidungsanalysen Verteidigungs- und Aufklärungsprogramme mit Multi-Domain-Anforderungen Hochschulen und Forschungseinrichtungen mit eigener Raumfahrtforschung

Wann ja, wann nein

Wann ja

  • Du planst, betreibst oder analysierst Satellitenmissionen auf Agentur- oder Konzernniveau
  • Du brauchst Multi-Domain-Simulationen (Weltraum, Luft, See, Boden) in einer Umgebung
  • Du benötigst probabilistische Bahnanalysen, Coverage-Berechnungen oder Kollisionsvermeidung
  • Du arbeitest in einer Organisation, die ITAR-/EAR-Anforderungen managen kann

Wann nein

  • Dein Projekt ist eine Forschungs- oder Studierendenarbeit ohne Mission-Engineering-Hintergrund
  • Du suchst eine Low-Code- oder Browser-basierte Lösung
  • Du brauchst eine native KI-Plattform mit Reinforcement Learning oder LLM-Integration
  • Dein Budget liegt unter 50.000 USD/Jahr

Kurzfazit

Ansys STK ist die unangefochtene Standardplattform für Missionsanalyse und Systemsimulation in der Raumfahrt, wenn NASA, ESA und Lockheed Martin damit arbeiten, ist die Frage „taugt das?” beantwortet. Physikbasierte Bahnmechanik, Multi-Domain-Operationen, probabilistische Analyse und ein vollständig skriptbares Connect-API machen STK zur ersten Wahl für Mission Engineering vom LEO-Smallsat bis zur interplanetaren Sonde. Schwächen sind dieselben wie bei jeder Industrie-Standardlösung: intransparente Lizenzkosten im fünf- bis sechsstelligen Bereich, steile Lernkurve, US-Hosting mit ITAR-Sensibilität, und KI-/ML-Funktionen bleiben primär ergänzend über externe Frameworks, nicht nativ in der Plattform. Für die Zielgruppe (Agenturen, Konzerne, Verteidigung) trotzdem ohne ernstzunehmende Alternative.

Für wen ist Ansys STK?

Raumfahrtagenturen: NASA, ESA, CNES, DLR und JAXA nutzen STK seit Jahren als Standardwerkzeug für Missionsplanung und -betrieb. Wer in oder mit einer Agentur arbeitet, kommt an STK praktisch nicht vorbei, die Modelle, Workflows und Referenzdaten sind über Jahrzehnte aufgebaut.

Satellitenkonstellation-Operatoren: Coverage-Analysen, Bahnkollisionen, Bodenstationskontakte und Linkbudgets, STK liefert die Werkzeuge, mit denen LEO-Konstellationen wie OneWeb, Iridium oder kleinere Smallsat-Schwärme geplant und betrieben werden. Mit zunehmender Verdichtung des LEO-Orbits werden Kollisionsvermeidungsanalysen immer kritischer.

Verteidigung und Aufklärung: Multi-Domain-Operationen (Weltraum, Luft, Boden, See in einer Simulation), Radar-Sichtbarkeiten, Sensorkegel, Tarnkappen-Analysen, STKs Stärke ist die Integration aller Domänen. Für nationale Sicherheits-Programme ist STK in den USA quasi gesetzt; in Europa wachsen NATO-Anwender stetig.

Luft- und Raumfahrtkonzerne: Boeing, Lockheed Martin, Airbus und Northrop Grumman nutzen STK in der Konzept- und Designphase. Hochschul-Absolventen, die diese Konzerne ansteuern, profitieren davon, STK schon zu kennen, die kostenlose Community-Version macht das möglich.

Hochschulen und Forschungsgruppen: Mit der STK-Free-Version und akademischen Lizenzen können Studierende und Forscher orbitale Mechanik praktisch lernen. Viele europäische TU- und ETH-Lehrstühle nutzen STK in der Lehre für Mission Engineering und Bahnmechanik-Übungen.

Weniger geeignet für: Startups mit kleinem Budget (zu teuer, Open-Source-Alternativen wie GMAT oder Orekit reichen oft), reine Software-Teams ohne Missionsexpertise (zu komplex), Anwender, die nur einfache Coverage-Maps brauchen (zu mächtig), und alle, die eine KI-First-Plattform suchen (STKs KI-Pfad ist nicht nativ).

Preise im Detail

PlanPreisWas du bekommst
STK Free0 USDBahnpropagation (2-Body, J2), grundlegende Coverage- und Access-Analysen, 3D-Visualisierung, Demo-Modus für viele Module
STK ProAuf Anfrage (typisch hoch fünfstellig USD/Jahr)Volle Bahnmechanik, erweiterte Propagatoren (HPOP), umfangreiche Sensor- und Plattform-Bibliotheken, Connect-API
STK Premium Space/Air/CommunicationsAuf Anfrage (jeweils Aufpreis)Domänen-spezifische Module, Comm-Link-Budgets, Radar-Modelle, Luftverkehrs-Modellierung
AstrogatorAuf Anfrage (Zusatzmodul)Interplanetare Missionsplanung, Manöverdesign, optimierte Treibstoffbahnen
AnalyzerAuf Anfrage (Zusatzmodul)Monte-Carlo-Analysen, parametrische Studien, automatisierte Sensitivitätsanalysen
Enterprise/Floating-LicensesVerhandlungsbasisKonzernweite Sitzkontingente, kombinierte Modulbundle, Floating Licenses, Schulungspakete

Einordnung: STK Free ist erstaunlich umfangreich und reicht für Lehre, einfache Konzeptstudien und Praktikanten-Projekte vollständig aus, eine der besseren kostenlosen Versionen im Mission-Engineering-Markt. Sobald es operationell wird, ist STK Enterprise-Software mit Enterprise-Pricing: Vollausgestattete Sitze mit Astrogator und Analyzer kosten leicht sechsstellig pro Jahr und Lizenz. Mengen- und Konzernrabatte werden individuell verhandelt; Floating Licenses sind die übliche Lösung für Teams mit unregelmäßiger Nutzung. Wer nur gelegentlich Bahnanalysen braucht, ist mit Open-Source-Alternativen (GMAT von NASA, Orekit) oder einer Beratungspartnerschaft mit einem STK-erfahrenen Ingenieurbüro oft besser bedient.

Stärken im Detail

Industrie-Standard mit Jahrzehnten Validierung. STK wird seit den 1990ern entwickelt und ist in tausenden Missionen verifiziert. Die Bahnmodelle, Propagatoren und Sensor-Bibliotheken sind durch reale Missionen kalibriert, das ist ein Vertrauenswert, den junge Konkurrenz-Plattformen nicht ersetzen können. Für Sicherheitsanalysen, regulatorische Nachweise und Investorenpräsentationen ist „in STK simuliert” ein Qualitätsmerkmal.

Multi-Domain als Alleinstellungsmerkmal. Die meisten Plattformen sind orbit-zentriert oder air-zentriert. STK integriert alle Domänen, ein Satellit kann mit einem Flugzeug-, Schiff- und Bodensensor in einer Simulation interagieren. Für Verteidigungs- und multikomplexe zivile Anwendungen (Such- und Rettungs-Operationen, Katastrophenmanagement, Grenzschutz) ist das ein Hebel, den kaum eine Alternative bietet.

Astrogator für interplanetare Missionen. Wer interplanetare Bahnen (Mond, Mars, Asteroiden, Deep-Space-Sonden) plant, braucht Trajectory-Design-Werkzeuge mit Lambert-Lösungen, Patched-Conics, gravitativen Manövern und Iterations-Solvern. Astrogator ist seit Jahrzehnten der Industriestandard für genau diese Aufgaben, alternativ kommt nur NASAs Open-Source-GMAT in Frage.

Probabilistische Analyse mit Analyzer. Statt deterministisch eine Bahn zu propagieren, kombiniert STK Analyzer Tausende Monte-Carlo-Läufe mit variierenden Eingangsparametern (atmosphärische Dichte, Startfehler, Komponenten-Toleranzen). Das Ergebnis: realistische Risikoabschätzungen statt Punktschätzungen, entscheidend für Sicherheits- und Genehmigungsanalysen.

Sprachunabhängige Connect-API. STK lässt sich aus C, C++, C#, Python, Java, JavaScript, Perl, MATLAB und Visual Basic skripten. Damit fügt es sich in beliebige Toolchains ein, ML-Modelle in Python, Optimierungspipelines in MATLAB, Test-Frameworks in Java. Diese Offenheit ist seltener, als sie klingt: Viele Wettbewerber zwingen ihre eigenen Skriptsprachen auf.

Hochwertige 3D-Visualisierung. STK rendert orbitale Szenen, Sensorkegel und Bodenspuren in einer Qualität, die für Stakeholder-Präsentationen direkt verwendbar ist. Für Vorstand, Regierung und Genehmigungsbehörden ist die Visualisierung oft entscheidend für die Akzeptanz der Simulationsergebnisse.

Tiefe Integration in den Ansys-Stack. Seit der Akquisition durch Ansys (2020) wächst STK in den breiteren Ansys-Multiphysics-Workflow hinein, gekoppelt mit Strukturanalyse (Mechanical), Strömung (Fluent) und Antennen-Simulation (HFSS). Für Konzerne, die bereits Ansys einsetzen, ist das ein Vereinfachungs-Hebel.

Schwächen ehrlich betrachtet

Pricing intransparent und im Enterprise-Bereich. STK veröffentlicht keine Preise. Anekdotisch liegen Vollausstattungen (STK Pro plus Astrogator plus Analyzer plus Comm/Radar) leicht im hohen fünf- bis sechsstelligen Bereich pro Sitz und Jahr. Für Startups, KMU und Hochschulen mit knappem Budget ist das eine echte Schwelle, Sales-Prozesse können sich über Monate ziehen, was Projektplanung erschwert.

Steile Lernkurve mit Domänenwissen vorausgesetzt. Wer STK ohne Bahnmechanik-Vorkenntnisse öffnet, wird verloren sein. Begriffe wie Keplerian Elements, ECI-Frame, Lambert Targeting oder J2-Perturbation sind unverzichtbares Grundvokabular. Ohne formale Ausbildung in Astrodynamik und Mission Engineering ist ein produktiver Einsatz unrealistisch.

ITAR- und EAR-Sensibilität. STK fällt in den USA unter Export-Kontrollen (EAR), bestimmte Module unter ITAR. Für europäische Kunden bedeutet das zusätzlichen Compliance-Aufwand: Endnutzer-Erklärungen, Lizenzanträge, kontrollierte Modul-Verfügbarkeit. Manche fortgeschrittenen Funktionen sind außerhalb der USA gar nicht oder nur mit Genehmigung verfügbar.

US-Hosting und Cloud-Schwäche. STK ist primär eine Desktop-Anwendung. Cloud- und SaaS-Workflows sind 2025/26 ausgebaut worden (Ansys Cloud), aber Hosting bleibt US-zentral. Für DSGVO-relevante Inhalte oder als gehosteter Mehrnutzer-Workflow nicht die erste Wahl.

KI-/ML-Integration bleibt ergänzend. Anders als bei AnyLogic oder MATLAB ist KI/ML keine native Plattform-Funktion, sondern wird über die Connect-API mit externen Frameworks (TensorFlow, PyTorch, Scikit-learn) realisiert. Das funktioniert, fühlt sich aber wie ein angebauter Pfad an, und limitiert, was sich „in STK” direkt machen lässt. Reine ML-Workflows starten oft besser außerhalb und integrieren STK als Simulationskomponente.

Keine deutsche Lokalisierung. Oberfläche, Dokumentation und Support komplett englisch. Für die typische Zielgruppe (Raumfahrt-Ingenieure, Verteidigungs-Analysten) ist das kein Hindernis, aber für gemischte Projektteams und Behördenpräsentationen manchmal hinderlich.

Performance bei sehr großen Konstellationen. STK kann tausende Satelliten parallel propagieren, aber die Skalierung auf zehntausende (Starlink-Größenordnung) wird zur Performance-Frage. Für sehr große Mega-Konstellationen werden spezialisierte Hochskalierungs-Pipelines (eigene C++-Propagatoren, GPU-Beschleunigung) oft die bessere Wahl.

Alternativen im Vergleich

Wenn du……nimm stattdessen
MATLAB-zentriert mit Aerospace Toolbox arbeitest
Eine kostenlose Mission-Engineering-Plattform suchst (NASA-Open-Source)GMAT (General Mission Analysis Tool)
Eine offene Java-Bibliothek für orbitale Berechnungen brauchstOrekit
Visualisierungsfokus mit Web-Anbindung willstCesiumJS oder NASA Eyes
Reine Konstellations-Coverage-Analyse ohne Vollplattform brauchstKSAT Lens oder spezialisierte SaaS-Tools

Erwähnenswert ohne eigene Tool-Seite: FreeFlyer von a.i. solutions (Hauptkonkurrent von STK im Defense-/Agentur-Markt), SOCRATES (Free-Tier von Celestrak für Kollisionsvermeidungswarnungen), STK-Komplementäre wie Systema (Thermalanalyse) und ESA-eigene Werkzeuge (ESATAN, DRAMA). STK ist im Markt für integriertes Mission Engineering ohne echten 1:1-Konkurrenten, nur die Kombination aus Open-Source-GMAT plus Orekit plus eigenen Visualisierungs-Pipelines kommt in die Nähe, kostet dann aber viel Eigenentwicklung.

So steigst du ein

Schritt 1: Lade STK Free von der Ansys-Website herunter, Account-Registrierung ist erforderlich, Inhalte unterliegen EAR-Compliance-Erklärung. Die Free-Version reicht für Lehrübungen, einfache Coverage-Analysen und 3D-Visualisierungen vollständig. Astrogator, Analyzer, Comm und Radar laufen im Demo-Modus mit Einschränkungen.

Schritt 2: Arbeite ein Tutorial-Szenario durch. Klassiker: Satellite Access to a Ground Station, in 30 Minuten verstehst Du Object-Hierarchien, Propagatoren, Constraint-basierte Analyse und Reportgenerierung. Erst danach den eigenen Use Case angehen. Ohne Tutorial-Grundlage ist die Lernkurve frustrierend.

Schritt 3: Für Monte-Carlo- und Risiko-Analysen ist STK Analyzer erforderlich. Nimm Sales-Kontakt auf und verhandele eine Evaluations-Lizenz für eine konkrete Missionsstudie, Ansys bietet typischerweise 30–90 Tage Evaluation für qualifizierte Anfragen aus Agentur-, Konzern- oder Defense-Umfeld.

Schritt 4: Skripte Deine Standard-Analysen über die Connect-API (Python ist meist die produktivste Wahl). Damit lassen sich Routinen automatisieren, Ergebnisse in interne Reporting-Pipelines übernehmen und Sensitivitätsstudien parallelisieren. Wer STK nur über die GUI nutzt, lässt 50 % des Wertes liegen.

Ein konkretes Beispiel

Ein deutscher Satellitenoperator plant eine LEO-Konstellation mit 12 Smallsats für IoT-Konnektivität. Mit STK Pro plus Analyzer werden 50.000 Monte-Carlo-Szenarien für Bahnstörungen durch atmosphärischen Drag unter variierenden Sonnenaktivitätswerten simuliert. Coverage-Analysen prüfen die Erfüllung der vertraglichen Latenz-Garantien über alle Zielregionen (DACH, BeNeLux, Skandinavien). Astrogator dimensioniert die Stationhalter-Manöver und den Deorbiting-Pfad nach Missionsende. Ergebnis: Eine Treibstoffreserve von 8 % statt der ursprünglich geplanten 5 % ist notwendig, um mit 99 % Wahrscheinlichkeit IADC-konforme Deorbiting-Compliance zu erreichen. Diese Erkenntnis vor dem Satellitenbau spart ca. 2,3 Mio. USD Nachrüstungskosten, und macht die regulatorische Genehmigung in Deutschland (BNetzA-Frequenzkoordinierung) deutlich glatter. Lizenzkosten: ca. 250.000 USD/Jahr für drei Vollsitze über die Missionsdauer.

DSGVO & Datenschutz

  • Datenhosting: Primär Desktop-Anwendung, Modelle und Daten bleiben lokal beim Anwender. Keine automatische Datenübertragung an Ansys.
  • Cloud-Komponenten: Ansys Cloud läuft auf US-Servern (AWS-basiert). Für DSGVO-sensible Inhalte nicht empfohlen.
  • ITAR-/EAR-Compliance: STK fällt unter US-Exportkontrolle. Bestimmte Module und Datenbestände sind außerhalb der USA reglementiert; Endnutzer-Erklärungen und ggf. Lizenzanträge sind erforderlich. Für deutsche/europäische Kunden meist verfügbar, aber mit Compliance-Aufwand.
  • Lizenzaktivierung: Online-Aktivierung übermittelt Maschinen-Identifier und Lizenzdaten, keine Modellinhalte.
  • Auftragsverarbeitung (AVV): Für Cloud-Komponenten und Support-Verträge auf Anfrage; für reine Desktop-Lizenzen mit lokaler Datenhaltung nicht erforderlich.
  • Empfehlung für Unternehmen: Desktop-Installation mit interner Modellverwaltung ist der pragmatische Pfad. Sensible Missions-Daten (Trajektorien, Sensor-Capabilities, militärisch relevante Inhalte) niemals in Cloud-Komponenten verarbeiten, und bei ITAR-relevanten Modulen Compliance-Beratung einholen.

Gut kombiniert mit

  • , MATLAB mit Aerospace Toolbox ergänzt STK für Reglerentwurf, Signalverarbeitung und Sensordatenanalyse. STK liefert die Bahn- und Umgebungssimulation, MATLAB die Algorithmen, beide kommunizieren nativ über die STK-Connect-API.
  • , Python ist die produktivste Sprache für STK-Automatisierung. Connect-API plus PyEphem/Astropy plus ML-Bibliotheken bauen eine vollständige Mission-Analytics-Pipeline. Praktisch in jeder Raumfahrt-Organisation Standard für Skript-Workflows.
  • Ansys HFSS, für Antennen-Simulation und elektromagnetische Sichtbarkeitsanalysen. STK liefert die Geometrie und Bewegungsdaten, HFSS die detaillierte Funkfeldanalyse. Seit der STK-Akquisition durch Ansys ist diese Kopplung deutlich enger geworden.

Unser Testurteil

Ansys STK verdient 4 von 5 Sternen. In seinem Kerngebiet, Mission Engineering, Bahnanalyse und Multi-Domain-Simulation, ist STK weiterhin die unangefochtene Branchenstandard-Plattform. Die Bahnmechanik-Modelle sind über Jahrzehnte validiert, die Multi-Domain-Integration einzigartig, und die Connect-API macht STK in jede beliebige Software-Architektur einbindbar. Den fünften Stern verliert es durch die intransparente und für KMU prohibitive Preisstruktur, die ITAR-/EAR-Sensibilität für europäische Anwender, den schwachen Cloud-Pfad und die Tatsache, dass KI-/ML-Integration nicht nativ, sondern angebaut ist. Für seine Zielgruppe (Raumfahrtagenturen, Großkonzerne, Verteidigungs-Operatoren) bleibt es trotz aller Kritik die erste Wahl, und in vielen Fällen schlicht alternativlos.

Was wir bemerkt haben

  • 2020, Ansys hat AGI (Analytical Graphics, Inc.) für 700 Mio. USD übernommen. Damit wurde STK Teil des Ansys-Multiphysics-Portfolios; die Integration mit Mechanical, Fluent und HFSS hat über 2022–2025 spürbar zugenommen. Für bestehende Ansys-Kunden ein Hebel, für Standalone-AGI-Kunden eine Konsolidierungsphase.
  • 2020, Mit Version 12.1 wurde aus „Satellite Tool Kit” das „Systems Tool Kit”. Die Umbenennung spiegelte die längst existierende Multi-Domain-Realität, STK war seit Jahren nicht mehr nur ein Satelliten-Tool.
  • 2024–2025, Cloud-Workflows über Ansys Cloud wurden ausgebaut, aber Hosting bleibt US-zentral. Eine echte EU-Region für sensible Missions-Daten existiert nicht; europäische Kunden bleiben auf lokalen Desktop-Installationen.
  • Seit Jahren konstant, Pricing wird nicht öffentlich kommuniziert. Sales-Zyklen ziehen sich über Monate, gerade für europäische und nicht-US-Kunden mit zusätzlicher EAR-Compliance-Prüfung. Das ist Industriestandard im Defense-/Aerospace-Markt, aber für agile Teams ein echter Reibungspunkt.
  • 2025–2026, Wachsende Konkurrenz durch Open-Source-Plattformen (NASA GMAT, Orekit) und kommerzielle Newcomer wie spezialisierte SaaS-Lösungen für Konstellations-Coverage. STK bleibt führend, aber die Frage „brauchen wir wirklich STK oder reichen freie Bibliotheken?” wird in vielen Smallsat-Startups ernsthaft diskutiert.
  • Juli 2025, Die Übernahme von Ansys durch Synopsys ist abgeschlossen (Closing am 17. Juli 2025). Ansys und damit STK sind nun Teil von Synopsys; das Produkt wird weiterhin unter der Marke Ansys STK geführt. Für Bestandskunden ändert sich kurzfristig nichts, mittelfristig ist eine engere Verzahnung mit dem Synopsys-Portfolio zu erwarten. Erste kombinierte Funktionen sind laut Synopsys für das erste Halbjahr 2026 angekündigt.

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Arthur Atlas

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