Du hast das Kickoff-Meeting morgen früh. Die Präsentation ist halb fertig, die Kernbotschaft ist noch unklar, und das Design sieht aus wie 2014. Gleichzeitig hast du drei andere Baustellen.
Kennst du das? Präsentationen erstellen gehört zu den Tätigkeiten, die fast jeder macht, aber kaum jemand liebt. Sie brauchen Zeit, Konzentration und ein Gespür dafür, was beim Publikum ankommt — und das alles unter Zeitdruck.
KI verändert drei Dinge an diesem Prozess: wie du anfängst, wie die Präsentation aussieht, und wie du sicherstellst, dass die Argumentation hält. Lass uns das konkret durchgehen.
Der Anfang: Struktur ist alles
Das größte Problem beim Erstellen einer Präsentation ist nicht das Design. Es ist die leere erste Folie.
Genau hier hilft KI am schnellsten. Du gibst ChatGPT oder Claude eine kurze Beschreibung dessen, was du präsentieren willst — Thema, Publikum, Ziel, ungefähre Länge — und bekommst innerhalb von Sekunden einen strukturierten Gliederungsvorschlag zurück.
Ein konkreter Prompt für einen Investor-Pitch: “Erstelle eine Gliederung für einen 10-minütigen Investor-Pitch für eine B2B-SaaS-Lösung zur Personalplanung. Zielgruppe: deutsche Mittelstandsinvestoren. Ziel: Interesse für eine Seed-Runde wecken. Umfang: 12 Folien.”
Was zurückkommt, ist kein Meisterwerk — aber es ist ein Gerüst. Du siehst sofort, was fehlt, was in der falschen Reihenfolge steht, welcher Abschnitt zu viel Platz bekommt. Diese Auseinandersetzung mit einem konkreten Vorschlag ist schneller und produktiver als das Starren auf eine leere Seite.
Geh den Entwurf durch und markiere, was dir nicht passt. Dann verfeinere den Prompt: “Der Abschnitt zur Wettbewerbslandschaft ist zu früh. Verschiebe ihn nach dem Traction-Slide. Füge einen Slide über das Team hinzu.” In zwei, drei Runden hast du eine Struktur, die du wirklich nutzen kannst.
Das Design: Wenn KI die Folien selbst baut
Bis vor Kurzem war Präsentationsdesign entweder zeitaufwändig (selbst machen), teuer (Designer beauftragen) oder mittelmäßig (PowerPoint-Vorlage). Jetzt gibt es eine vierte Option.
Gamma ist das bekannteste Tool in diesem Bereich. Du gibst einen Text oder eine Gliederung ein, und Gamma generiert eine vollständige Präsentation mit Folien, Layout und visuellen Elementen. Das Ergebnis ist konsistent, modern und deutlich besser als die meisten selbst erstellten Decks. Ein erstes Ergebnis liegt in drei Minuten vor.
Beautiful.ai funktioniert ähnlich, setzt aber mehr auf intelligentes Layout: Die Folien passen sich automatisch an, wenn du Inhalte änderst. Du musst keine Elemente mehr manuell ausrichten.
Wer bereits in PowerPoint oder Google Slides arbeitet, kann Microsoft 365 Copilot direkt in den bekannten Tools nutzen — Folien generieren, Texte kürzen, Designs vorschlagen. Für visuelle Elemente und individuelle Grafiken bietet Canva eine einsteigerfreundliche KI-Bildbearbeitung, die kein Designstudium voraussetzt.
Der Vorteil: Geschwindigkeit. Ein Entwurf in 10 Minuten statt in 2 Stunden. Das gibt dir Zeit, dich auf das Inhaltliche zu konzentrieren, statt mit Ausrichtung und Farbpaletten zu kämpfen.
Argumente schärfen und Einwände vorwegnehmen
Design und Struktur sind das Eine. Aber was wirklich über den Erfolg eines Pitches oder einer Präsentation entscheidet, ist die Stärke der Argumentation.
Hier gibt es einen unterschätzten KI-Einsatz: Einwandvorwegnahme. Du beschreibst deine Präsentation und fragst: “Welche kritischen Fragen wird dieses Publikum stellen? Welche Schwachstellen in meiner Argumentation werden auffallen?”
Ein gutes Modell denkt das durch und nennt dir die Punkte, die du noch nicht ausreichend adressiert hast. Das ist unangenehm zu lesen — aber besser, du hörst es von der KI als von einem Investor im echten Meeting.
Du kannst auch einzelne Slides zur KI geben und fragen: “Dieser Slide soll zeigen, dass wir den Markt verstehen. Überzeugt das Argument? Was fehlt?” Die Antworten sind manchmal zu allgemein, manchmal sehr treffend. Aber der Denkprozess, den sie anstoßen, ist fast immer wertvoll.
Für Talking Points — die Stichpunkte, nach denen du frei sprichst — lohnt es sich, die KI die Kernaussage jeder Folie in einem Satz zusammenfassen zu lassen. Wenn das nicht klappt, ist die Folie wahrscheinlich zu vollgestopft oder die Botschaft noch unklar.
Das ehrliche Problem: KI-Präsentationen sehen aus wie KI-Präsentationen
Es gibt einen Haken, den du kennen solltest.
KI-generierte Präsentationen — besonders aus Gamma — haben einen erkennbaren Stil. Stock-Foto-ähnliche Illustrationen, Farbpaletten, die sicher und generisch sind, Formulierungen, die glatt klingen, aber keine Persönlichkeit haben. Wer viele Präsentationen sieht, erkennt das.
Das bedeutet nicht, dass KI-Tools nichts taugen. Es bedeutet, dass sie ein Ausgangspunkt sind, kein Endprodukt.
Die eigene Schicht, die du hinzufügen musst: dein spezifisches Datenmaterial (echte Zahlen, echte Kundenstimmen, echte Beispiele), deine Bildsprache (Fotos aus deinem Unternehmen statt Stock-Bilder), deine Sprache (Formulierungen, die nach dir klingen, nicht nach einem Textgenerator) und deine Argumente (nicht die generischen Punkte, die die KI kennt, sondern der Einblick, den nur du hast).
Die Regel, die sich bewährt hat: KI gibt dir die Form, du gibst ihr den Inhalt. Je mehr echten, spezifischen Kontext du einbringst, desto besser wird das Ergebnis.
Wann KI-Unterstützung sinnvoll ist — und wann nicht
Für interne Updates, regelmäßige Status-Präsentationen und erste Entwürfe für Kunden-Workshops: fast immer sinnvoll. Der Zeitgewinn ist erheblich, die Qualitätsschwelle ist niedrig.
Für externe, hochwertige Pitches — potenzielle Investoren, Kunden, die ihr Unternehmen wechseln — ist KI ein Werkzeug im Prozess, kein Ersatz für echte Vorbereitung. Hier musst du tiefer gehen, mehr personalisieren, und das Deck mehrfach überarbeiten. KI kann jeden dieser Schritte unterstützen, aber nicht ersetzen.
Und es gibt Präsentationen, die du von Anfang an selbst aufbauen solltest: Die, die deine Geschichte erzählen. Den Gründer-Pitch, der erklärt, warum genau du das machst. Die Keynote, die eine echte Haltung zu einem Thema vertreten soll. Hier ist KI als Struktur-Tool hilfreich, aber das Herzstück kommt von dir.
Der beste Einstieg heute: Nimm eine Präsentation, die du in den nächsten Wochen erstellen musst, und gib das Thema und das Publikum in Gamma ein. Schau, was rauskommt. Du wirst sofort ein Gefühl dafür entwickeln, was du übernehmen kannst und was du ersetzen musst.
Mehr zu produktiven KI-Workflows für den Arbeitsalltag und eine Übersicht der besten aktuellen Tools findest du auf unserer KI-Tools Seite. Wer KI nicht nur für Präsentationen, sondern systematisch für die gesamte Content-Produktion einsetzen will, findet dort auch realistische Kosten- und Zeitangaben.
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