KI-Underwriting-Unterstützung
KI analysiert Risikodaten, automatisiert Standardrisiken vollständig und bereitet komplexe Fälle strukturiert für Underwriter auf, für mehr Konsistenz und schnellere Angebotserstellung.
- Problem
- Risikoprüfung und Tarifierung sind zeitaufwändig und inkonsistent, weil einfache und komplexe Fälle im selben Posteingang landen.
- KI-Lösung
- Regelbasiertes Klassifikationsmodell mit LLM-Dokumentenanalyse automatisiert Straight-Through-Processing für Standardrisiken und bereitet komplexe Fälle mit strukturierter Risikoanalyse und Tarifvorschlag vor.
- Typischer Nutzen
- Standardanträge laufen vollautomatisch durch (die Rechnung nimmt 40 Prozent an, deine Antragsstatistik zeigt den echten Anteil), Angebote für Standardrisiken in Stunden statt Tagen, mehr Underwriting-Kapazität für komplexe Fälle.
- Setup-Zeit
- 5–20 Monate je nach Produktlinien-Komplexität
- Kosteneinschätzung
- 30.000–80.000 € Jahreslizenz (Zelros), 5.000 €/Monat Beispiel-Szenario
Es ist Freitagnachmittag, 15:45 Uhr. Underwriterin Hanna öffnet das 47. Ticket ihres Tages.
Betriebshaftpflicht für einen Reinigungsbetrieb, 12 Mitarbeitende, Jahresprämie voraussichtlich 380 Euro. Zehn Minuten Prüfung: Branche, Umsatz, Risikobeschreibung, Tarif nachschlagen, Angebot erstellen. Genau das hat sie heute schon 18-mal gemacht.
Das 48. Ticket ist eine Produkthaftpflicht für einen Chemiebetrieb, der neue Industriereiniger auf den Markt bringt. Zwei Stunden Prüfung mindestens: Produktspezifikationen lesen, Branchenvergleich, Schadenshistorie recherchieren, Rückfragen formulieren, Tarifabweichung begründen. Das ist die Arbeit, für die Hanna ausgebildet wurde.
Sie schafft es nicht mehr heute. Das Chemiebetrieb-Angebot geht am Montag raus, drei Tage später als versprochen. Der Makler hatte es für heute erwartet.
Für Unternehmen
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Das echte Ausmaß des Problems
Underwriting ist die Kernkompetenz jeder Versicherung, und gleichzeitig einer der engsten Flaschenhälse im Betrieb. Rechnet man mit 10 bis 20 Minuten je einfachem Risiko, eine Annahme, die du an deiner Zeiterfassung prüfen kannst, schafft ein Underwriter täglich 15 bis 25 davon. Für komplexe gewerbliche Risiken, ein Industriebetrieb, eine Produkthaftpflicht für ein neues Produkt, eine Bauherrenhaftpflicht für ein größeres Projekt, braucht er zwei bis vier Stunden pro Fall. Das ist keine Ineffizienz, das ist die nötige Sorgfalt.
Das Problem: Einfache und komplexe Fälle landen im selben Posteingang. Ein Handwerksbetrieb, der eine Betriebshaftpflicht für 320 Euro Jahresprämie beantragt, benötigt theoretisch dieselbe Prüfroutine wie ein mittelständischer Produktionsbetrieb mit 50.000 Euro Prämie. Wer in dieser Gleichung seine Underwriting-Kapazität einsetzt, entscheidet über die Rentabilität des Portfolios.
Dazu kommt das Konsistenzproblem: Zwei erfahrene Underwriter desselben Hauses können für dasselbe Risiko unterschiedliche Tarifentscheidungen treffen, abhängig von persönlicher Erfahrung, Risikoappetit und Tagesform. In einem streng regulierten Markt ist das ein echtes Problem: BaFin und Aktionäre erwarten konsistente Risikoentscheidungen, kein implizites Bauchgefühl.
Mit vs. ohne KI, ein ehrlicher Vergleich
| Kennzahl | Ohne KI | Mit KI-Underwriting-Unterstützung |
|---|---|---|
| Bearbeitungszeit Standardrisiko | 10–20 Minuten | <2 Minuten (vollautomatisch) |
| Konsistenz bei gleichen Risikomerkmalen | Abhängig von Sachbearbeitung und Tagesform | Konsistent nach definierten Regeln |
| Kapazität für komplexe Fälle | Begrenzt durch Standardfall-Overhead | Deutlich mehr Kapazität frei |
| Angebotsdauer für Standardrisiken | 1–3 Tage | Stunden bis sofort |
| Branchen-Research für neue Risiken | 45–90 Minuten manuell | 5–10 Minuten mit KI-Unterstützung |
Für diese Werte gibt es keine veröffentlichte Erhebung; es sind Annahmen. Die linke Spalte belegst du mit zwei Wochen Zeiterfassung und deiner Antragsstatistik, die rechte erst im Pilot mit denselben Messungen.
Einschätzung auf einen Blick
Zeitersparnis, hoch (4/5) Straight-Through-Processing für Standardrisiken eliminiert den Triage-Overhead fast vollständig. Wenn ein großer Teil der Standardanträge automatisch durchläuft, die Rechnung unten nimmt 40 Prozent an, gewinnt das Underwriting-Team entsprechend Kapazität für die Fälle, die wirklich Expertise brauchen. Die Entlastung trifft direkt den Kernprozess.
Kosteneinsparung, mittel (3/5) Die direkte Kosteneinsparung ist messbar: weniger Underwriting-Stunden für Standardfälle. Der Vorbehalt: Die Qualitätsverbesserung durch konsistentere Tarifierung, weniger Adverse Selection, bessere Risikoselektion, ist erheblich, aber schwerer zu isolieren und zuzuordnen. Der Gesamtnutzen liegt damit auf dem Niveau von Risikomodellierung, höher als reine Rechnungsautomatisierung.
Schnelle Umsetzung, niedrig (2/5) Automatisiertes Underwriting erfordert die Formalisierung von Tarifierungslogik, die in vielen Häusern noch implizit ist. Bevor das System konfiguriert werden kann, müssen Entscheidungsregeln explizit aufgeschrieben werden. Das ist oft aufwendiger als die Technologie selbst. Dazu kommt: Das Pilotprodukt muss sorgfältig gewählt werden, zu komplex und der Pilot scheitert, zu einfach und der Nutzen ist begrenzt. Realistische Zeitspanne: 5–20 Monate.
ROI-Sicherheit, mittel (3/5) Die Zeitersparnis bei Standardfällen ist direkt messbar: Tickets zählen, Bearbeitungszeiten vergleichen. Die Qualitätsverbesserung durch konsistentere Tarifierung, weniger Adverse Selection, bessere Combined Ratio, ist vorhanden, aber erfordert einen längeren Beobachtungszeitraum (12–24 Monate), um statistisch sauber nachgewiesen zu werden.
Skalierbarkeit, mittel (3/5) Das System skaliert mit dem Antragsvolumen ohne proportional steigenden Personalaufwand, das ist der Kernnutzen. Einschränkung: Wenn neue Produktlinien hinzukommen, muss die Tarifierungslogik neu formalisiert und konfiguriert werden. Das ist handhabbar, aber kein kostenloser Mehrwert.
Richtwerte, stark abhängig von Produktlinien-Komplexität, Automatisierungsgrad und vorhandener IT-Infrastruktur.
Was das System konkret macht
KI-Underwriting-Unterstützung funktioniert in zwei Modi, die sich ergänzen:
Modus 1, Straight-Through-Processing für Standardrisiken Für Standardrisiken (z.B. Hausrat bis 80.000 Euro Versicherungssumme, Kfz-Haftpflicht für Pkw unter 10 Jahren, Betriebshaftpflicht für definierte Branchen bis zu bestimmten Umsatzgrenzen) berechnet das System vollautomatisch einen Tarifvorschlag und erstellt den Vertragsentwurf, ohne menschliche Beteiligung. Die Underwriterin greift nur ein, wenn das System unsicher ist oder ein vordefinierter Schwellenwert überschritten wird.
Modus 2, KI-Entscheidungsassistenz für komplexe Risiken Das System liest den Antrag und alle verfügbaren Dokumente (Geschäftsberichte, technische Unterlagen, branchenspezifische Risikoindikatoren) und bereitet eine strukturierte Risikoanalyse vor. Der Underwriter öffnet den Fall und sieht:
- Branchenvergleich: Wie entwickeln sich Schadensquoten in dieser Branche?
- Anomalien im Antrag: ungeklärte Punkte, fehlende Angaben, Widersprüche
- Tarifvorschlag mit Begründung, welche Faktoren den Score beeinflusst haben
- Vergleichbare Fälle aus dem historischen Portfolio
Der Underwriter entscheidet, aber er entscheidet informierter und schneller, weil er die Vorarbeit nicht selbst leisten muss.
Der größte Effizienzgewinn liegt nicht im Tarifvorschlag, sondern in der Vorstrukturierung: Statt 45 Minuten Antrag lesen und Hintergrundinformationen recherchieren, öffnet der Underwriter eine bereits aufbereitete Akte.
Konkrete Werkzeuge, was wann passt
Claude als Document-Intelligence-Layer Für kleinere Versicherungen und Maklerbüros, die ohne technische Integration starten wollen: Claude kann einen Antrag als PDF aufnehmen und auf Befehl alle risikoerhöhenden Faktoren extrahieren, fehlende Angaben identifizieren und einen strukturierten Risiko-Steckbrief erstellen. Kein Tarif-Rechner, aber ein wirksamer Zeitsparer bei der Antragsprüfung. Pro 20 Euro/Monat für Tests mit Musteranträgen; für echte Antragsdaten braucht es einen Team-Tarif mit Auftragsverarbeitungsvertrag, ab zwei Plätzen.
ChatGPT für Branchen-Research Wenn ein Underwriter ein Risiko aus einer wenig bekannten Branche erhält, kann ChatGPT innerhalb von Minuten einen Überblick über typische Schadensursachen, regulatorische Anforderungen und Marktrends liefern. Kein Ersatz für Expertenwissen, aber deutlich schneller als Eigenrecherche. Plus 23 Euro/Monat, für Branchenrecherche ohne Antragsdaten ausreichend.
Zelros Spezialisiertes europäisches KI-Tool für Versicherungs-Underwriting mit Präsenz in der DACH-Region. Bietet Risikoscore, Tarifvorschlag und Portfolioanalyse. Integriert in bestehende Kernsysteme (Guidewire, SAP). Preise auf Anfrage, typisch ab 30.000 Euro Jahresvolumen.
Guidewire PolicyCenter mit KI-Modulen Für Unternehmen, die Guidewire PolicyCenter bereits als Kernsystem nutzen: Die KI-Module ermöglichen Straight-Through-Processing und Risikoanalyse direkt im bestehenden System. Enterprise-Preise, Integration durch zertifizierte Partner.
Microsoft 365 Copilot Wenn Underwriting-Unterlagen in Word und Excel vorliegen und Copilot für die strukturierte Aufbereitung genutzt werden soll: Copilot kann Dokumente zusammenfassen, Schlüsselinformationen extrahieren und Vergleichstabellen aus mehreren Anträgen erstellen. Kein vollständiges Underwriting-Tool, aber starke Ergänzung für Teams, die bereits im Microsoft-Ökosystem arbeiten. 18,20 Euro/Nutzer/Monat im Jahresabo, zusätzlich zur Microsoft-365-Lizenz.
EY Nexus for Insurance Enterprise-Plattform für vollständige Underwriting-Digitalisierung, besonders für große Versicherungen mit komplexen Portfolios. Implementierung durch EY-Berater.
Zusammenfassung: Wann welcher Ansatz:
- Einstieg ohne technische Integration → Claude als Dokumenten-Analyse-Tool
- Branchen-Research beschleunigen → ChatGPT
- Guidewire bereits im Einsatz → Guidewire KI-Module
- Spezialisierte Underwriting-KI, Europa-Anbieter → Zelros
- Enterprise-Transformation → EY Nexus
Rechtliche Besonderheiten
Underwriting-Entscheidungen mit KI-Unterstützung berühren mehrere regulatorische Anforderungen:
DSGVO Art. 22 und vollautomatisiertes Underwriting: Wenn das System vollautomatisch, ohne menschliche Prüfung, einen Vertrag annimmt oder ablehnt, handelt es sich um eine automatisierte Einzelentscheidung nach Art. 22 DSGVO. Das bedeutet: Der Versicherungsnehmer hat das Recht auf menschliche Überprüfung der Entscheidung, auf Erläuterung der Entscheidungslogik und auf Widerspruch. Für Ablehnungen ist das besonders relevant, sie dürfen nicht vollautomatisch erfolgen, wenn sie keine menschliche Prüfungsoption vorsehen. Die Lösung: Automatische Annahme ist technisch unbedenklich, automatische Ablehnung immer mit menschlichem Prüfschritt.
EU AI Act, die Einstufung hängt an der Sparte: Anhang III der KI-Verordnung zählt die Hochrisiko-Bereiche abschließend auf und nennt für die Versicherung genau eine Position: die Risikobewertung und Preisbildung in Bezug auf natürliche Personen bei Lebens- und Krankenversicherungen (Nr. 5 Buchstabe c). Nr. 5 Buchstabe b betrifft die Kreditwürdigkeitsprüfung natürlicher Personen, nicht das Versicherungswesen. Underwriting in der Sach-, Haftpflicht- oder Kfz-Sparte, also die Fälle aus diesem Anwendungsfall, fällt unter keine der beiden. Wer dagegen die Risikoprüfung in der Lebens- oder Krankenversicherung automatisiert, steht in Nr. 5 Buchstabe c: Risikomanagement, Daten-Governance, technische Dokumentation, menschliche Aufsicht und Konformitätsbewertung. Diese Pflichten aus Kapitel III Abschnitte 1 bis 3 gelten seit der Änderung durch die Verordnung (EU) 2026/1744 vom 8. Juli 2026 erst ab dem 2. Dezember 2027, ursprünglich war der 2. August 2026 vorgesehen. Die Registrierung nach Art. 49 und die Transparenzpflichten nach Art. 50 gelten dagegen seit dem 2. August 2026.
VAG und BaFin, Erklärbarkeit von Tarifentscheidungen: Die BaFin erwartet, dass Tarifierungsentscheidungen nachvollziehbar begründbar sind. KI-Systeme, die einen Tarif vorschlagen, müssen die wesentlichen Entscheidungsfaktoren erklären können (SHAP-Werte oder ähnliche Interpretierbarkeits-Methoden). Eine Black-Box-Tarifierungs-KI ist regulatorisch nicht akzeptabel.
IDD (Insurance Distribution Directive): Im Vertriebskontext, wenn KI-Empfehlungen direkten Einfluss auf die Produktempfehlung für den Kunden haben, sind zusätzliche Anforderungen an Interessenkonflikt-Dokumentation und Eignungsprüfung zu beachten.
Was es kostet, realistisch gerechnet
Einstieg mit Claude/ChatGPT als Dokumentenanalyse-Tool:
- Claude Pro: 20 Euro/Monat pro Nutzer, für Tests mit Musteranträgen
- ChatGPT Plus: 23 Euro/Monat pro Nutzer
- Für echte Antragsdaten: Team- bzw. Business-Tarif mit Auftragsverarbeitungsvertrag, jeweils erst ab zwei Plätzen
- Kein technisches Setup nötig
- Anwendungsfall: Antragsdokumente zusammenfassen, Risikofaktoren extrahieren, Branchen-Research
Spezialisierte Underwriting-KI (z.B. Zelros):
- Lizenz: ab ca. 30.000–80.000 Euro/Jahr je nach Volumen
- Integration: 2–4 Monate mit Integrationspartner
- Sinnvoll ab ca. 5.000 Anträgen/Jahr oder komplexem Gewerbeportfolio
ROI-Rechnung am Beispiel: Underwriting-Team mit 8 Personen, Durchschnittsgehalt 65.000 Euro (Vollkosten ca. 85.000 Euro = ca. 54 Euro/Stunde). Annahme: Durch Straight-Through-Processing werden 40 Prozent der Standardanträge automatisiert, bei einem Team, das 50 Prozent seiner Zeit mit Standardfällen verbringt, sind das rechnerisch gut anderthalb Stunden täglich pro Person. Rechne konservativ mit einer Stunde: Das ergibt ca. 170 Stunden/Monat im Team × 54 Euro = 9.180 Euro Zeitwert. Bei Lizenzkosten von 5.000 Euro/Monat: Nettovorteil 4.180 Euro/Monat, plus der schwerer zu beziffernde Wert durch konsistentere Risikoselektion. Der Begriff Zeitwert ist dabei wörtlich zu nehmen: Es wird niemand eingespart, die Stunden wandern in komplexe Fälle. Zu Geld wird das erst, wenn diese Fälle sonst nicht bearbeitet worden wären oder extern eingekauft werden mussten.
Wie du den Nutzen tatsächlich misst: Bearbeitungszeit pro Antrag vor und nach der Einführung. Anteil der Standardanträge, die vollautomatisch bearbeitet werden. Kundenfacing: Angebotsdauer (Zeit zwischen Antragseingang und Angebotszusendung).
Klingt das nach eurem Alltag? Ob sich dieser Use Case bei euch rechnet, klären wir im Erstgespräch: 30 Minuten, kostenlos.
Erstgespräch anfragenVier typische Einstiegsfehler
1. Mit einem zu komplexen Produkt als Piloten starten. Der Reflex: Das Produkt mit dem höchsten Volumen nimmt man zuerst. Wenn dieses Produkt aber viele Sonderfälle, Rückfragen und manuelle Eingriffe erfordert, scheitert der Pilot, und das KI-Projekt wird gestoppt. Besser: Das Produkt mit dem homogensten Risikoprofil und den klarsten Entscheidungsregeln wählen. Oft ist das nicht das größte Produkt, sondern das einfachste.
2. Die Entscheidungsregeln nicht vorher formalisieren. Underwriting-Entscheidungen, die als „das ist Erfahrungssache” beschrieben werden, lassen sich nicht automatisieren. Bevor ein System konfiguriert werden kann, müssen die Regeln explizit aufgeschrieben werden, welche Merkmale führen zu welchem Tarif-Ergebnis, welche Kombinationen eskalieren zur manuellen Prüfung? Diese Formalisierung ist oft der aufwendigste Teil des Projekts.
3. Das System als Effizienz-Instrument verkaufen, nicht als Qualitäts-Instrument. Underwriter, die das Gefühl haben, das System ersetzt ihre Expertise, werden es umgehen. Richtig: Das System übernimmt die Routine-Prüfung, damit Underwriter ihre Zeit für die Fälle nutzen können, die tatsächlich Urteilsvermögen erfordern. Das ist für die meisten erfahrenen Underwriter attraktiv, wenn es ehrlich kommuniziert wird.
4. Kalibrierung nach dem Start vergessen. Ein Tarifierungssystem, das sich nicht an Marktveränderungen anpasst, produziert nach 18–24 Monaten veraltete Tarifvorschläge. Die Kalibrierungsfrequenz (quarterly vs. jährlich) muss von Anfang an festgelegt werden.
Was mit der Einführung wirklich passiert, und was nicht
Der Widerstand der Experten. Erfahrene Underwriter, die seit Jahren auf Basis ihrer Intuition und Erfahrung entscheiden, sehen in automatisierten Tarifvorschlägen zunächst eine Bedrohung. Was tatsächlich passiert, wenn das System gut konfiguriert ist: Bei Standardfällen deckt sich der Vorschlag meist mit ihrer eigenen Einschätzung, und dort, wo er abweicht, ist das oft ein Signal für einen Sonderfall, den sie dann intensiver prüfen. Wie hoch die Übereinstimmung ist, lässt sich im Pilot einfach zählen: Underwriter und System bewerten dieselben fünfzig Anträge, die Abweichungen werden besprochen. Diese Liste überzeugt mehr als jede Anbieterzahl.
Das IT-Projekt-Problem. Underwriting-Automatisierung erfordert Integration in das Kernsystem, und das bedeutet fast immer IT-Kapazitäten, die intern priorisiert werden müssen. Die IT-Integration konkurriert mit anderen Projekten um dieselbe Kapazität, und genau dort, nicht in der KI-Technologie, entsteht der Verzug, wenn sie zu spät eingeplant wird. Frühzeitige Einbindung der IT ist entscheidend.
Was wirklich zählt: Underwriter, die nach 6 Monaten sagen, dass sie sich auf die wirklich interessanten Fälle konzentrieren können, weil der Routine-Overhead weggefallen ist, sind die überzeugendsten Fürsprecher.
Realistischer Zeitplan mit Risikohinweisen
| Phase | Dauer | Was passiert | Typisches Risiko |
|---|---|---|---|
| Portfolio-Analyse | Woche 1–4 | Antragsvolumen nach Risikotyp segmentieren, Automatisierungspotenzial schätzen, Datenverfügbarkeit prüfen | Daten liegen in Altsystemen ohne API, Extraktion aufwändig |
| Pilotprodukt auswählen | Woche 4–6 | Ein Produkt für den Pilot bestimmen, Entscheidungsregeln formalisieren | Zu komplexes Produkt als Startpunkt, Pilot scheitert, Projekt verliert Momentum |
| Modell & Integration | Woche 6–20 | KI-System einrichten, Tariflogik definieren, Schwellenwerte kalibrieren, Integration ins Kernsystem | IT priorisiert andere Projekte, Underwriting-KI wartet in der Queue |
| Produktivbetrieb & Ausbau | Ab Woche 20 | Pilot-Produkt im Echtbetrieb, weitere Produkte schrittweise onboarden | Underwriter vertrauen dem System nicht, manuelle Nachprüfung macht Zeitgewinn zunichte |
Häufige Einwände, und was dahintersteckt
„Tarifentscheidungen müssen nachvollziehbar begründbar sein, KI ist eine Black Box.” Das war ein legitimer Einwand vor drei Jahren. Heutige Underwriting-KI-Systeme sind auf Erklärbarkeit ausgelegt: Jeder Tarifvorschlag kommt mit einer Begründung, welche Faktoren haben den Score wie beeinflusst, wo liegt der Fall im Portfoliovergleich, welche Analogfälle waren ausschlaggebend. Das entspricht dem, was ein erfahrener Underwriter beim Aktenvermerk dokumentieren würde, nur schneller und konsistenter.
„Unsere Underwriter werden das nicht nutzen, wenn sie das Gefühl haben, ihre Expertise wird ersetzt.” Das ist die Einführungsfrage, keine Technologiefrage. Der entscheidende Rahmen: KI nimmt den Underwritern die langweiligen Teile ab, Dokumentenzusammenfassungen, Standardfallprüfungen, Branchen-Research, und lässt ihnen mehr Zeit für die Fälle, die wirklich Urteilsvermögen brauchen. Das ist für die meisten erfahrenen Underwriter attraktiv, keine Bedrohung. Problematisch wird es nur, wenn ihr die Botschaft so formuliert: „KI macht euren Job.”
„Die Integration ins Kernsystem wird ewig dauern.” Stimmt für vollständige Systemintegration. Der Einstieg mit Claude oder ChatGPT als Document-Intelligence-Layer benötigt keine Integration: Dokument hochladen, Analyse bekommen, Ergebnis ins System übertragen. Das ist ineffizient für große Volumina, aber als Pilotphase ohne IT-Aufwand sofort umsetzbar.
Woran du merkst, dass das zu dir passt
- Dein Underwriting-Team verbringt mehr als 50 Prozent der Zeit mit Standardfällen, die keine echte Expertise erfordern, während komplexe Fälle in der Queue warten
- Zwei verschiedene Underwriter kommen bei ähnlichen Risiken regelmäßig zu unterschiedlichen Tarifentscheidungen, Konsistenz ist ein offenes Thema
- Angebotserstellungszeiten von mehr als 2 Werktagen für Standardrisiken führen zu Beschwerden oder Verlust an Makler, die schnellere Anbieter vorziehen
- Dein Volumen liegt bei mehr als 3.000 Anträgen pro Jahr, darunter ist der Einrichtungsaufwand kaum gerechtfertigt
Wann es sich noch nicht lohnt: Wenn die gesamte Underwriting-Kapazität aus einer oder zwei Personen besteht und der Betrieb hochgradig individuell ist, dann ist die Formalisierung von Entscheidungsregeln schwieriger als der Nutzen. Außerdem: Wenn das Kernsystem-Altsystem keine API-Anbindung unterstützt, sind die Integrationskosten oft unverhältnismäßig hoch für den Nutzen.
Das kannst du heute noch tun
Öffne Claude und lade drei bis fünf Musteranträge hoch, die du nach dem Vorbild echter Fälle der letzten Monate nachbaust, mit erfundenen Namen, Anschriften und Vertragsnummern. Echte Anträge gehören erst in einen Tarif mit Auftragsverarbeitungsvertrag. Bitte Claude, für jeden Antrag alle risikoerhöhenden und -mindernden Faktoren zu extrahieren, fehlende Informationen zu identifizieren und eine Risikoeinschätzung zu formulieren.
Das dauert 30 Minuten. Was du danach weißt: Ob KI-Unterstützung für eure Antragstypen funktioniert, bevor du in technische Integration investierst.
Mitarbeiter:in
KI-Assistent
Quellen & Methodik
- Underwriting-Kapazitäten, Bearbeitungszeiten und Automatisierungsquote: keine veröffentlichte Erhebung gefunden; die Seite rechnet damit als Annahmen. Die belastbaren Werte stehen in der eigenen Antragsstatistik und Zeiterfassung.
- EU-KI-Verordnung (EU) 2024/1689, Anhang III Nummer 5 Buchstabe c: erfasst im Versicherungsbereich ausschließlich die Risikobewertung und Preisbildung bei Lebens- und Krankenversicherungen, nicht das Underwriting in Sach-, Haftpflicht- und Kfz-Sparten (artificialintelligenceact.eu/annex/3, abgerufen am 18.09.2026).
- EU-KI-Verordnung, Art. 113 in der Fassung der Verordnung (EU) 2026/1744: Pflichten aus Kapitel III Abschnitte 1 bis 3 für Anhang-III-Systeme ab 2. Dezember 2027 (artificialintelligenceact.eu/article/113, abgerufen am 18.09.2026).
- DSGVO Art. 22: Automatisierte Einzelentscheidungen, Anforderungen bei vollautomatisierter Antragsbearbeitung.
- IDD (Insurance Distribution Directive): Richtlinie 2016/97/EU, Anforderungen an den Versicherungsvertrieb.
- BaFin-Konsultationsdokument zu KI in der Versicherungsaufsicht (2024): Erklärbarkeitsanforderungen für algorithmengestützte Underwriting-Entscheidungen.
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Mehr erfahrenFrieda Funke
Konzeptentwicklerin
Ich frage nicht, was KI kann. Ich frage, was du in deinem Alltag damit anfängst. Erst wenn ich eine ehrliche Antwort habe, entsteht daraus ein konkreter Use Case. Fehlt ein Anwendungsfall, der zu dir passt? Schreib mir kurz.