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Verlag & Medienproduktion recherchejournalismusredaktion

Rechercheassistent für die Redaktion

KI-Rechercheassistent durchsucht Quellen, fasst Fakten zusammen und erstellt Recherchememorandas für Journalisten.

Mit KI-Agenten recherchiert und geschrieben, verantwortlich: Redaktion KI-Syndikat. So arbeiten wir Fehler melden

⚡ Auf einen Blick
Problem
Journalisten verbringen 2–4 Stunden pro Artikel mit Quellenrecherche, repetitive Grundlagenrecherche kostet wertvolle Zeit.
KI-Lösung
LLM-Assistent durchsucht Datenbanken, Nachrichtenarchive und Behördenquellen und erstellt strukturierte Recherche-Briefings.
Typischer Nutzen
Überblicksrecherche je Artikel von rund 3 Stunden auf 45–60 Minuten, wenn die Prüfung an der Primärquelle eingeplant ist. Das reicht für 13–20 % mehr Artikel oder für mehr Tiefe, nicht für weniger Personal.
Setup-Zeit
6–10 Wochen inkl. Quellenzugang und Verifikationstraining
Kosteneinschätzung
100 USD plus 100 €/Monat (5 Redakteure), spart kein Personal
Perplexity / Gemini Notebook direkt (kein Setup)Prompt-Workflow mit Claude + BibliothekCustom RAG auf internen Archivquellen
Worum geht's?

Es ist Dienstag, 14:30 Uhr.

Mia arbeitet im Wirtschaftsressort eines Online-Magazins. Sie soll bis Donnerstag einen 2.500-Wörter-Artikel über die Entwicklung des deutschen Solarmarkts liefern. Sie beginnt mit dem, was immer gleich ist: BNetzA-Berichte durchsuchen, Marktzahlen aus BDEW-Statistiken herauslesen, drei Pressemitteilungen der großen Hersteller quergelesen, zwei Interviews aus dem Vorjahr nachgeschlagen, die wichtigsten Zitate herausgefiltert.

Um 17:45 hat sie 14 Browser-Tabs offen, neun Lesezeichen gesetzt und drei Seiten Notizen. Und das Gefühl, dass sie das Wesentliche noch nicht beisammen hat. Der Artikel ist Donnerstag fällig.

Für Unternehmen

Nicht nur lesen, umsetzen.

Wir setzen Anwendungsfälle wie diesen mit euch um oder trainieren euer Team darauf. Das Erstgespräch kostet nichts.

Erstgespräch anfragen

Das echte Ausmaß des Problems

Wie viel ihrer Arbeitszeit Redakteurinnen und Redakteure mit Recherche und Quellenprüfung verbringen, hat unseres Wissens keine aktuelle Erhebung für deutsche Redaktionen sauber gemessen. Wer es für das eigene Team wissen will, lässt vier Wochen lang je Artikel notieren, wie viele Stunden in die Grundlagenrecherche fließen. Bei recherche-intensiven Themen wie Mias Solarmarkt-Stück sind es schnell drei Stunden und mehr, und ein großer Teil davon ist strukturierte Informationssuche, nicht der inhaltliche Kern der journalistischen Arbeit.

Das ist nicht selbst verschuldet. Redaktionen arbeiten unter Tempo-Druck, haben keinen Zugang zu den teuren Fachdatenbanken, die Analysehäuser nutzen, und müssen mit öffentlich zugänglichen Quellen auskommen. Das kostet Zeit: BNetzA-Website, Statistisches Bundesamt, Branchenverbände, Wikipedia-Cross-Check, Google Scholar für Studien, jede Quelle hat ein eigenes Format, eine eigene Suchlogik, eine eigene Zuverlässigkeitsstufe.

Was ein KI-Rechercheassistent hier leisten kann:

  • Überblicksrecherche in Minuten statt Stunden: Wer eine Forschungsfrage stellt, bekommt von Perplexity oder Claude eine strukturierte Übersicht mit Quellenangaben, in der Zeit, die früher nur für das Aufrufen der ersten drei Websites nötig war
  • Automatische Zusammenfassung langer Dokumente: Ein 180-seitiger Branchenbericht in drei Schlüsselaussagen zusammengefasst in 30 Sekunden
  • Strukturiertes Briefing für den Interviewtermin: Hintergrundinfos zur Gesprächspartnerin, früheren Aussagen, dem Kontext ihres Unternehmens, in einer Seite statt in vier Stunden Recherche

Aber: KI recherchiert nicht unabhängig. Sie fasst zusammen, was in den Trainingsdaten oder durchsuchbaren Quellen vorhanden ist. Die Verifikation jeder zentralen Behauptung bleibt Aufgabe des Journalisten.

Mit vs. ohne KI, ein ehrlicher Vergleich

KennzahlOhne KI-UnterstützungMit KI-Rechercheassistenz
Zeit für Überblicksrecherche je Artikel2–4 Stunden45–60 Minuten
Artikel pro Redakteur und Woche2–3 (bei recherche-intensiven Themen)etwa 2,3–3,6
Qualität der Quellenvielfaltabhängig von Rechercheerfahrungstrukturiert, aber auf KI-Quellenbasis begrenzt
Halluzinationsrisiko bei Faktenkeine (klassische Recherche)vorhanden, Verifikation unverzichtbar
Einstiegsbarrierekeinemittel: Promptqualität und Quellenvertrauen müssen gelernt werden

Die Zeitwerte sind unsere Annahmen, keine Messung, und die 45–60 Minuten gelten nur, wenn die Prüfung der Kernaussagen an der Primärquelle darin enthalten ist. Die Zeile Artikel pro Woche rechnet damit: 40 Wochenstunden bei 2–3 Artikeln sind 13–20 Stunden je Artikel, 2,25 Stunden weniger Recherche ergeben 13–20 % mehr Artikel, nicht 50 %. Miss beides selbst, vier Wochen vor und vier Wochen nach der Einführung.

Einschätzung auf einen Blick

Zeitersparnis, sehr hoch (5/5) Das ist einer der stärksten Hebel im Verlagsbereich. Recherche ist bei recherche-intensiven Themen der zeitintensivste Teil des Schreibprozesses, und KI kann ihn auf ein Viertel bis ein Drittel der bisherigen Dauer reduzieren. Eine Recherche, die früher 3 Stunden dauerte, lässt sich mit gut formulierten Prompts auf 45 Minuten bringen. Das ist mehr direkte Zeitersparnis je Aufgabe als bei Lektorat-Unterstützung oder SEO-Optimierung, gemessen an einem ganzen Artikel aber eben zwei Stunden von dreizehn bis zwanzig.

Kosteneinsparung, niedrig (2/5) Mehr Artikel pro Redakteur bedeutet nicht automatisch weniger Personal oder weniger Kosten. In den meisten Redaktionen wird die eingesparte Zeit für Qualitätsverbesserung oder mehr Themenvielfalt genutzt, nicht für Stellenabbau. Einen Euro-Wert hat die Zeit nur, wenn die zusätzlichen Artikel Geld bringen, über Reichweite, die sich vermarkten lässt, oder über Abos. Das ist indirekter als bei Prozessen, wo Kosten direkt wegfallen.

Schnelle Umsetzung, mittel (3/5) Perplexity ist in 5 Minuten einsatzbereit. Aber: Ein sinnvoller Redaktions-Workflow mit klaren Verifikationsstandards, gutem Promptdesign und realistischen Erwartungen an KI-Quellen braucht Einarbeitung. Wer das Tool ohne Vorbereitung einführt, riskiert journalistische Fehler durch unkritisch übernommene KI-Aussagen. Das ist anders als SEO-Optimierung, die sehr schnell greifbare, messbare Ergebnisse liefert.

ROI-Sicherheit, mittel (3/5) Die Zeitersparnis ist real und messbar, wenn man die Recherchezeiten dokumentiert. Ob die Artikelqualität steigt, ist schwerer zu beweisen. Und ob die eingesparte Zeit für mehr Artikel oder mehr Tiefe genutzt wird, hängt vom Team ab. Der ROI ist vorhanden, aber seine Messung erfordert bewusste Dokumentation.

Skalierbarkeit, hoch (4/5) Ein einmal guter Recherche-Prompt-Workflow funktioniert für eine Person genauso wie für zehn. Perplexity kostet je Nutzer einen überschaubaren Fixbetrag, Gemini Notebook ist in der Grundversion kostenlos, der Aufwand je Artikel bleibt konstant, egal ob die Redaktion wächst. Nicht ganz das Topniveau der SEO-Tools, weil die Zeitersparnis trotzdem von der individuellen Promptqualität abhängt.

Richtwerte, stark abhängig von Themengebiet, Recherchetiefe und Verifikationsstandards der Redaktion.

Was ein KI-Rechercheassistent konkret macht

Ein gut konfigurierter KI-Rechercheassistent deckt drei Phasen des journalistischen Prozesses ab:

Phase 1: Überblicksrecherche (Hintergrund aufbauen) Perplexity und Claude sind für strukturierte Überblicksrecherchen die stärksten Tools. Perplexity durchsucht aktuelle Webquellen in Echtzeit und gibt Quellenlinks direkt im Ergebnis mit, das ist der wichtigste Unterschied zu generativen Modellen ohne Web-Zugang. Eine Frage wie „Wie hat sich der Anteil erneuerbarer Energien in Deutschland von 2020 bis 2024 entwickelt?” liefert in 30 Sekunden eine strukturierte Übersicht mit Verweis auf BDEW, BNetzA und Statistisches Bundesamt.

Phase 2: Dokumentenanalyse (lange Berichte zusammenfassen) Gemini Notebook von Google (bis Juli 2026 NotebookLM) ist für diesen Anwendungsfall besonders geeignet: PDFs und lange Dokumente hochladen, Fragen stellen, strukturierte Zusammenfassungen erhalten. Ein 200-seitiger Jahresbericht lässt sich in 3 Schlüsselaussagen verdichten, mit Quellenangabe auf die spezifische Seite. Das ist besonders für Wirtschafts- und Wissenschaftsredaktionen nützlich, wo umfangreiche Reports zur Standardrecherche gehören.

Phase 3: Interviewvorbereitung (Briefings erstellen) Ein LLM wie Claude kann aus öffentlich verfügbaren Informationen (frühere Interviews, Pressemitteilungen, Unternehmensberichte) ein kompaktes Briefing zur Gesprächspartnerin zusammenstellen: Wer ist sie, was hat sie in den letzten 12 Monaten gesagt, welche Aussagen könnten widersprüchlich sein? Das spart die Zeit, die sonst für das manuelle Zusammensuchen aus verschiedenen Quellen anfällt.

Was KI nicht macht:

  • Neue Quellen entdecken, die im Internet nicht zugänglich sind
  • Behördenanfragen stellen oder Dokumente anfordern
  • Investigativen Journalismus ersetzen, das geht nicht
  • Fakten ohne Verifikation als zuverlässig garantieren

Der häufigste Missbrauch ist die unkritische Übernahme von KI-Aussagen als Fakten. KI halluziniert, das ist keine Fehlfunktion, sondern ein inhärentes Merkmal der Technologie. Jede zentrale Behauptung, jede Zahl, jedes Zitat aus einem KI-Briefing muss an der Primärquelle verifiziert werden, bevor es im Artikel erscheint. Das ist nicht optional.

Konkrete Werkzeuge, was wann passt

Perplexity (Free kostenlos, Pro 20 USD/Monat) Für Echtzeit-Webrecherche mit Quellenangaben. Die stärkste Option für tagesaktuelle Themen, Politikrecherche, Unternehmensberichte und Statistiken. Der Fokus-Modus „News” filtert aktuelle Nachrichtenquellen, „Academic” wissenschaftliche Paper, die Pro-Suche ist im Pro-Plan unbegrenzt. Kein EU-Hosting.

Gemini Notebook (kostenlos, ehemals NotebookLM) Für die Analyse langer Dokumente. PDFs, Google Docs, YouTube-Links als Quellen hochladen, strukturierte Fragen stellen, Zusammenfassungen und Zitate erhalten. Besonders stark für wissenschaftliche Studien, Jahresberichte und Gesetzestexte. Kostenlos mit bis zu 50 Quellen je Notebook, Google-Konto nötig, US-Datenhaltung. Seit September 2026 gelten rechenleistungsbasierte Nutzungslimits.

Claude (Pro 20 €/Monat) Für strukturierte Analyse, Interviewvorbereitung und tiefere Recherche zu komplexen Themen. Claude verarbeitet lange Dokumente (je nach Modell bis 1 Mio. Token Kontext) und liefert differenzierte Einschätzungen. Besonders gut für Gesprächspartner-Briefings und Hintergrundanalysen. US-Datenhaltung.

Elicit (Basic kostenlos, Pro 49 USD/Monat im Jahresabo) Für wissenschaftlich fundierte Recherche: Durchsucht über 138 Millionen Paper aus Semantic Scholar und PubMed. Oberfläche nur auf Englisch, deutschsprachige Quellen unterrepräsentiert, keine aktuellen Nachrichtenquellen. Ideal für Gesundheits-, Wissenschafts- und Forschungsressorts.

Zusammenfassung:

  • Tagesaktuelle Überblicksrecherche → Perplexity Pro
  • Lange Dokumente und Studien analysieren → Gemini Notebook
  • Interviewvorbereitung und komplexe Hintergründe → Claude Pro
  • Wissenschaftliche Recherche → Elicit

Datenschutz und Datenhaltung

Für die meisten Rechercheaufgaben verarbeiten die Tools keine sensiblen oder personenbezogenen Daten, die Recherche bezieht sich auf öffentliche Informationen. Die DSGVO-Relevanz ist daher überschaubar.

Ausnahmen gibt es aber:

  • Dokumente mit personenbezogenen Daten: Wenn interne Unternehmensberichte, Gerichtsunterlagen oder Behördendokumente mit personenbezogenen Daten in KI-Systeme eingespielt werden, greift für journalistische Zwecke das Medienprivileg (Art. 85 DSGVO mit den Landespressegesetzen, für Online-Angebote § 23 Medienstaatsvertrag). Es nimmt Redaktionen von großen Teilen der DSGVO aus, nicht aber vom Datengeheimnis und von der Datensicherheit, und es trägt nur, solange die Verarbeitung dem redaktionellen Zweck dient. Juristische Prüfung empfohlen.
  • Quellenschutz: Informationen, die Rückschlüsse auf geschützte Quellen zulassen, dürfen keinesfalls in kommerzielle Cloud-KI-Systeme eingegeben werden. Das ist eine absolute Grenze.
  • US-Datenhaltung: Alle empfohlenen Tools (Perplexity, Gemini Notebook, Claude, Elicit) hosten Daten in den USA. Bei Claude Pro wird für das Training genutzt, was du in den Datenschutzeinstellungen zulässt, prüfe vor dem ersten Redaktionseinsatz, dass die Freigabe aus ist. Für Standard-Recherchefragen ist das unkritisch. Für besonders sensitive Recherchen oder investigative Projekte empfehlen sich lokale LLM-Optionen.

Was es kostet, realistisch gerechnet

Einmalige Kosten

  • Prompt-Entwicklung und Team-Schulung: 2–3 Tage intern
  • Erstellung eines internen Rechercheleitfadens (welches Tool wann, Verifikationsstandards): 1 Tag

Laufende Kosten (5 Redakteure)

  • Perplexity Pro: 5 mal 20 USD = 100 USD im Monat
  • Gemini Notebook: kostenlos
  • Claude Pro (optional, für vertiefte Analysen): 5 mal 20 € = 100 € im Monat
  • Gesamt: 100 USD plus 100 € im Monat, ohne die optionalen Abos nur die 100 USD

ROI-Rechnung 5 Redakteure sparen je rund 2 Stunden pro Artikel durch KI-Recherche. Bei 3 Artikeln pro Woche je Person sind das 30 Stunden wöchentlich, rund 130 Stunden im Monat (30 mal 4,3).

Geld spart das nicht: Die fünf bleiben angestellt und werden gleich bezahlt, und die Einschätzung oben geht ausdrücklich nicht von Stellenabbau aus. Die Stunden sind Kapazität, keine Kassenwirkung. Was daraus wird, entscheidet die Redaktion:

  • Mehr Artikel: Bei 13–20 Stunden Gesamtaufwand je Artikel reichen 2 gesparte Stunden für 13–20 % mehr Artikel, bei fünf Leuten mit je 3 Artikeln also für 2 bis 3 zusätzliche Artikel pro Woche. Einen Euro-Wert haben sie nur, wenn sie Reichweite bringen, die sich vermarkten lässt, oder Abos. Das misst du an deinen eigenen Erlösen je Artikel.
  • Mehr Tiefe: Die Zeit fließt in Interviews und eigene Recherche. Das ist oft der größere Nutzen, aber er lässt sich nicht in Euro ausdrücken.

Die Toolkosten von 100 USD plus 100 € im Monat sind gegen 130 Stunden Kapazität klein. Ob die Kapazität Geld bringt, zeigt nur die eigene Erlösrechnung.

Klingt das nach eurem Alltag? Ob sich dieser Use Case bei euch rechnet, klären wir im Erstgespräch: 30 Minuten, kostenlos.

Erstgespräch anfragen

Drei typische Einstiegsfehler

1. KI-Aussagen ohne Verifikation als Fakt übernehmen. Das ist der gefährlichste Fehler, und er passiert, wenn der Zeitdruck groß und die Routine gering ist. Perplexity gibt Quellenlinks an, das stimmt. Aber die Links verweisen manchmal auf Texte, die die behauptete Aussage gar nicht enthalten, oder auf Seiten, die seit dem KI-Training geändert wurden. Jede Zahl, jedes Zitat, jede spezifische Behauptung im KI-Briefing muss in der Primärquelle nachgeprüft werden. Kein Ausnahmen, kein „das klingt plausibel”. Das ist kein optionaler Qualitätsstandard, sondern Grundbedingung für die Integration dieser Tools in eine journalistische Redaktion.

2. Ein Tool für alles verwenden. Perplexity ist gut für aktuelle Webrecherche. Gemini Notebook ist gut für Dokument-Analyse. Claude ist gut für komplexe Hintergründe. Wer alle Aufgaben in ein Tool quetscht, bekommt für jeden Zweck ein mittelmäßiges Ergebnis. Die 30-Minuten-Investition, das richtige Tool für den richtigen Zweck zu lernen, zahlt sich langfristig aus.

3. Kein Verifikationsprotokoll definiert. Eine Redaktion, die KI-Recherchewerkzeuge einführt, ohne gleichzeitig schriftlich festzuhalten, welche Aussagen wie verifiziert werden müssen, hat ein latentes Qualitätsproblem aufgebaut. Das Protokoll muss vor der ersten redaktionellen KI-Nutzung existieren, nicht nach dem ersten publizierten Fehler.

Was mit der Einführung wirklich passiert, und was nicht

In Redaktionen gibt es zwei Reaktionsmuster auf KI-Recherche-Tools.

Die Begeisterten probieren Perplexity aus, bekommen in 30 Sekunden eine strukturierte Übersicht, sind sofort überzeugt, und übernehmen die nächsten drei KI-Antworten unkritisch in ihren Artikel. Hier braucht es eine Team-Norm, keine Überzeugungsarbeit.

Die Skeptischen sehen die Tools als Bedrohung für journalistische Sorgfalt oder als Abkürzung, die die Qualität untergräbt. Dieser Einwand ist berechtigt, für unkritische Nutzung. Für das beschriebene Modell (KI als Recherche-Vorbereitung, nicht als Quelle) trifft er nicht zu. Was hilft: nicht debattieren, sondern zeigen. Ein Live-Beispiel, bei dem der Assistent eine 180-seitige Studie in 3 Minuten zusammenfasst und dabei direkte Seitenverweise liefert, ist überzeugender als jede Diskussion.

Was strukturell hilft:

  • Klare Team-Norm einführen: „KI-Aussagen sind Hinweise, keine Fakten. Primärquelle immer.”
  • Einen wöchentlichen 15-Minuten-Slot für Prompt-Sharing einrichten: Wer einen besonders nützlichen Prompt gefunden hat, teilt ihn
  • Erste Ergebnisse messen: Wie viele Artikel pro Redakteur in Woche 4 vs. Woche 1? Das zeigt den echten Effekt
  • Offen kommunizieren: Das Ziel ist mehr Zeit für Tiefenrecherche, Interviews und Analyse, nicht mehr Artikel bei gleicher Qualität

Realistischer Zeitplan mit Risikohinweisen

PhaseDauerWas passiertTypisches Risiko
Tool-Einführung & SchulungWoche 1–2Perplexity, Gemini Notebook und Claude einrichten, Team-Schulung (halber Tag), Verifikationsprotokoll schreibenProtokoll wird als Bürokratie wahrgenommen, als Qualitätsstandard, nicht als Kontrolle kommunizieren
Pilot mit 2–3 RedakteurenWoche 2–4Erste Artikel vollständig mit KI-Recherche-Unterstützung erstellen, Erfahrungen dokumentierenEin Fehler schleicht sich durch KI-Übernahme ins Endprodukt, Retrospektive machen, nicht beschönigen
Prompt-Bibliothek aufbauenWoche 4–6Die besten Prompts für das eigene Themengebiet sammeln und für alle zugänglich machenPrompts werden nicht gepflegt, eine Person als Prompt-Verantwortliche benennen
Vollständige EinführungWoche 6–10Alle Redakteure mit eigenem Workflow ausgestattet, regelmäßige RetrospektivenNutzung nimmt nach 3 Monaten ab, monatliches Sharing reaktiviert

Häufige Einwände, und was dahintersteckt

„KI erfindet Fakten, das ist für eine Redaktion inakzeptabel.” Das stimmt für KI als Quelle. Für KI als Recherche-Assistenz gilt: Das System zeigt, wo geschaut werden soll, nicht, was stimmt. Der Unterschied zwischen „Die Studie von X besagt Y” (ungeprüfte Übernahme) und „Perplexity verweist auf eine Studie von X, ich prüfe Seite 47” ist fundamental. Wenn das Verifikationsprotokoll steht und konsequent eingehalten wird, ist das Halluzinationsrisiko kontrolliert, nicht eliminiert.

„Unsere Themen sind zu speziell für KI-Recherche.” Für Nischenthemen, bei denen wenig öffentlich verfügbares Material existiert, ist das ein legitimer Einwand. Für Wirtschaft, Politik, Gesellschaft, Wissenschaft, Kultur und die meisten Verlagsthemen gilt er nicht: Das Primärmaterial (Pressemitteilungen, Berichte, Statistiken) ist meistens öffentlich und von KI gut verarbeitbar.

„Wir geben damit unsere Eigenrecherche auf.” Nein, im Gegenteil. Wenn die Überblicksrecherche von 3 Stunden auf 45 Minuten sinkt, bleiben 2,25 Stunden frei, vorausgesetzt, die Prüfung an der Primärquelle steckt schon in den 45 Minuten. Die können für tiefere Recherche, mehr Interviews, oder investigativere Ansätze genutzt werden. KI-gestützte Recherche ist kein Ersatz für eigene Quellen und eigenständiges Denken, sie ist die Freisetzung von Kapazität dafür.

Woran du merkst, dass das zu dir passt

  • Deine Redakteure verbringen mehr als 2 Stunden je Artikel mit Grundlagenrecherche, und beschreiben das als den frustrierendsten Teil ihrer Arbeit
  • Die Reaktionszeit auf aktuelle Themen ist zu langsam, weil die Recherchezeit die Publishing-Geschwindigkeit limitiert
  • Dein Team arbeitet regelmäßig mit langen Berichten, Studien oder Regulierungsdokumenten, die viel Lesezeit erfordern
  • Du willst mehr investigativen oder tiefgründigen Journalismus, aber die Kapazität steckt in Standardrecherche

Wann es sich (noch) nicht lohnt, drei harte Ausschlusskriterien:

  1. Das Team hat keine klaren Verifikationsstandards und keinen Willen, sie einzuführen. Ein KI-Recherche-Tool in einer Redaktion ohne Verifikationskultur ist eine Fehlermaschine. Der erste Schritt ist nicht das Tool, sondern das Protokoll. Wer das überspringt, riskiert publizierte Fehler und Glaubwürdigkeitsschäden.

  2. Weniger als 5 Artikel pro Woche in der gesamten Redaktion. Bei diesem Volumen ist der Nutzen marginal. Zeit- und Einarbeitungsaufwand übersteigen den Gewinn. Besser: einzelne Recherche-Prompts manuell nutzen, ohne dedizierten Workflow.

  3. Investigativer oder Quellen-basierter Journalismus als Kern. Wenn der Großteil der Redaktionsarbeit auf vertraulichen Quellen, Behördenanfragen und Off-the-Record-Gesprächen basiert, wie in investigativen Einheiten, dann ist KI-Recherche nicht der richtige Hebel. Diese Arbeit lässt sich nicht digitalisieren, ohne den Quellenschutz zu gefährden.

Das kannst du heute noch tun

Öffne Perplexity (kostenlos, kein Konto nötig). Stell eine Recherchefrage für einen Artikel, den du gerade schreibst oder geplant hast, so wie du sie einem guten Assistenten stellen würdest, nicht als Stichwortsuche.

Schau dann auf die Quellenlinks: Welche Quellen zieht das System? Stimmen sie? Fehlt etwas Wichtiges? Diese 15-Minuten-Test-Session zeigt dir sofort, wo das Tool für dein Themengebiet stark ist und wo du auf klassische Recherche setzen musst.

Hier ist ein Recherche-Briefing-Prompt, den du direkt in Claude oder ChatGPT einsetzen kannst:

Strukturiertes Recherche-Briefing
Ich bin Redakteur bei [MEDIENNAME] und schreibe einen Artikel über [THEMA]. Erstelle ein strukturiertes Recherche-Briefing mit diesen Abschnitten: 1. KONTEXT (3–4 Sätze): Was ist der aktuelle Stand des Themas? Welche Entwicklungen der letzten 6–12 Monate sind relevant? 2. SCHLÜSSELZAHLEN: 3–5 konkrete Zahlen oder Statistiken, die ich verifizieren sollte. Nenne für jede Zahl die wahrscheinliche Primärquelle (Behörde, Verband, Studie). 3. OFFENE FRAGEN: Was sind die 3 inhaltlich wichtigsten Fragen, die mein Artikel beantworten sollte? 4. STAKEHOLDER: Wer sind die 4–5 wichtigsten Akteure oder Institutionen zu diesem Thema? Je 1 Satz Einordnung. 5. VERIFIKATIONSHINWEIS: Welche Behauptungen zu diesem Thema klingen plausibel, sollten aber besonders sorgfältig geprüft werden? Wichtig: Alle Aussagen mit Quellenhinweis. Keine Fakten ohne Quellenangabe.
Funktioniert mit Claude, ChatGPT, Perplexity
Beispiel-Ausgabe

Mitarbeiter:in

Thema: Entwicklung des deutschen Fernwärmemarkts 2024–2025. Medium: Wirtschaftsfachmagazin.

KI-Assistent

KONTEXT: Die Fernwärme gewinnt im Kontext der Wärmewende an Bedeutung. Nach dem Wärmeplanungsgesetz müssen Wärmepläne für Gemeinden mit mehr als 100.000 Einwohnern bis 30. Juni 2026 vorliegen, für kleinere bis 30. Juni 2028 (Quelle: § 4 Abs. 2 WPG, gesetze-im-internet.de). Mehrere Großstädte haben Ausbaupläne angekündigt, die Zielwerte stehen in den kommunalen Wärmeplänen und den Mitteilungen der Stadtwerke (dort prüfen, nicht aus diesem Briefing übernehmen). Dass Planer und Handwerk knapp sind, ist eine verbreitete Einschätzung, für eine Zahl dazu fehlt hier die Quelle. SCHLÜSSELZAHLEN: • Anteil Fernwärme am Wärmemarkt (~14 %): Primärquelle AGFW (Fernwärme-Branchenverband), Jahresstatistik • Investitionsbedarf bis 2030: kursierende Milliardenbeträge stammen meist aus Verbandsstudien, Primärquelle AGFW bzw. deren Auftragsstudien (Betrag und Auftraggeber an der Studie selbst prüfen) • Zahl der versorgten Wohnungen: Primärquelle BDEW, Fernwärme-Bericht • Gaspreis-Entwicklung als Treiber: Destatis / Eurostat • Fördervolumen BEW (Bundesförderung effiziente Wärmenetze): BAFA OFFENE FRAGEN: 1. Wie wird der Ausbau der Fernwärme finanziell gestemmt, wer trägt die Investitionskosten? 2. Wie transparent sind die Fernwärme-Preise für Endkunden im Vergleich zu anderen Heizsystemen? 3. Welche Rolle spielen Abwärme aus Industrie und Rechenzentren als neue Quellen? STAKEHOLDER: • AGFW (Energieeffizienzverband für Wärme, Kälte und KWK): Interessenverband der Fernwärmewirtschaft • VKU (Verband kommunaler Unternehmen): Stimme der Stadtwerke, regionale Akteure, sehr heterogen • Bundeskartellamt: Missbrauchsaufsicht über Fernwärmepreise, eine Netzregulierung wie bei Strom und Gas gibt es nicht • Bundesverband Wärmepumpe: Wettbewerber/Komplementär je nach Systemkonfiguration • BEW-Projektträger (Zuschussvergabe Wärmenetzausbau): BAFA VERIFIKATIONSHINWEIS: • Investitionszahlen stammen häufig aus Verbandsstudien, die Eigeninteresse haben, immer mit Auftraggeber kennzeichnen ("laut einer Studie im Auftrag des AGFW") • Preisvergleiche Fernwärme vs. Gas/Wärmepumpe sind komplex (unterschiedliche Systemkosten), Äpfel-Birnen-Vergleiche in Pressemitteilungen kritisch prüfen

Quellen & Methodik

  • Recherchezeit je Artikel: Eigene Annahmen (2–4 Stunden ohne, 45–60 Minuten mit KI-Unterstützung), keine Erhebung. Der „Generative AI and News Report 2025” des Reuters Institute befragt das Publikum, nicht Redaktionen, und enthält keine Zahl zur Arbeitszeit von Journalisten.
  • KI im Journalismus, praktische Erfahrungen: DFJV, „Künstliche Intelligenz: Eine unglaubliche Zeitersparnis für Journalisten” (2024); media-lab.de; Nieman Journalism Lab (2025).
  • Halluzinationsrisiko bei LLMs: Columbia Journalism Review, „Can AI Tools Meet Journalistic Standards?” (2025), bestätigt Verifikationspflicht als Standard.
  • Preisangaben Perplexity, Gemini Notebook, Claude, Elicit: Tarife laut unseren Toolseiten (Stand Juni bis September 2026).
  • Medienprivileg: § 23 Medienstaatsvertrag, „Datenverarbeitung zu journalistischen Zwecken, Medienprivileg”, in Verbindung mit Art. 85 DSGVO und den Landespressegesetzen.
  • Fristen im Beispiel: § 4 Abs. 2 Wärmeplanungsgesetz, gesetze-im-internet.de.
  • Quellenschutz und KI: Empfehlung aus Diskussion von Presserat und DJV zu KI-Nutzung in Redaktionen.

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