Schweißnaht-Qualitätskontrolle mit KI
KI-Bildanalyse erkennt Schweißnahtfehler wie Poren, Risse und Einbrandkerben zuverlässiger und schneller als visuelle Kontrolle.
Mit KI-Agenten recherchiert und geschrieben, verantwortlich: Redaktion KI-Syndikat. So arbeiten wir Fehler melden
- Problem
- Visuelle Schweißnahtprüfung ist subjektiv und ermüdungsabhängig, Fehler werden übersehen, Reparaturkosten entstehen erst nach der Auslieferung.
- KI-Lösung
- Computer-Vision-System analysiert Schweißnähte mit hochauflösenden Kameras und klassifiziert Fehler nach Typ und Schwere in Echtzeit.
- Typischer Nutzen
- Jede Außennaht wird geprüft statt einer Stichprobe, Oberflächenfehler fallen an der Linie auf statt beim Kunden, die Prüfdokumentation mit Bild entsteht automatisch. Was das an Reklamationskosten spart, hängt allein von euren eigenen Reklamationen ab.
- Setup-Zeit
- 16–24 Wochen Kameraintegration + Modelltraining auf Fehlerbildern
- Kosteneinschätzung
- 25.000–80.000 € Einrichtung, 3.000–13.000 €/Jahr laufend
Es ist Donnerstag, 14:37 Uhr.
Andreas Brückner, Qualitätsleiter bei einem mittelständischen Stahlbauunternehmen in Sachsen, öffnet eine E-Mail mit dem Betreff: „Reklamation, Schweißnahtfehler, Charge 2024-11-04.” Der Auftraggeber, ein Anlagenbauer, hat an drei der ausgelieferten Träger Einbrandkerben entdeckt, gerade eben, beim Einbau auf der Baustelle. Der Lieferschein zeigt: 240 Teile aus derselben Charge. Wie viele davon haben denselben Fehler?
Brückner weiß, was jetzt kommt. Rückruf, Nachprüfung, Reparatur oder Neulieferung, Baustelle steht still, Vertragsstrafe droht. Und die Frage, die er eigentlich nicht laut stellen will: Wie ist das durch die Sichtprüfung durchgekommen?
Die Antwort kennt er. Die Frühschicht prüft mit frischen Augen, die Spätschicht nicht mehr ganz. Einbrandkerben bei einem bestimmten Nahttyp sehen bei ungünstiger Beleuchtung harmlos aus. Und wer in einer Schicht 1.200 Nähte prüft, macht zwangsläufig Fehler.
240 Teile. Keine Möglichkeit zu wissen, wie viele davon betroffen sind, ohne jedes einzelne Teil noch einmal anzufassen.
Für Unternehmen
Nicht nur lesen, umsetzen.
Wir setzen Anwendungsfälle wie diesen mit euch um oder trainieren euer Team darauf. Das Erstgespräch kostet nichts.
Das echte Ausmaß des Problems
Schweißfehler entstehen am Brenner, durch den Schweißer oder durch Prozessbedingungen. Eine Kamera ändert daran nichts: Sie findet den Fehler hinterher, an der Oberfläche, bevor das Teil die Fertigung verlässt. Das ist ihr ganzer Beitrag, und er reicht, wenn ein beim Kunden gefundener Fehler deutlich teurer ist als einer an der eigenen Linie.
Das Problem ist nicht, dass Menschen schlecht schweißen. Das Problem ist, dass manuelle Sichtprüfung von Natur aus begrenzt ist:
- Ermüdung: Nach drei Stunden kontinuierlicher Sichtprüfung sinkt die Erkennungsrate messbar, unabhängig von Qualifikation oder Motivation
- Subjektivität: Unterschiedliche Prüfer klassifizieren dieselbe Naht teils unterschiedlich, besonders bei Grenzfällen nach DIN EN ISO 5817 Bewertungsgruppe C
- Beleuchtungsabhängigkeit: Einbrandkerben, flache Poren oder feine Risse sind bei seitlichem Licht sichtbar, bei Frontallicht nicht, die Prüfumgebung in der Fertigung ist selten optimal
- Geschwindigkeit: Bei Serienfertigung mit hohem Durchsatz werden Nähte im Sekundentakt geprüft, zu schnell für zuverlässige manuelle Kontrolle
Wie viele Fehler eure Sichtprüfung heute übersieht, weiß niemand, der es nicht gemessen hat. Anbieter werben mit Erkennungsraten deutlich über 95 Prozent, gemessen auf ihren eigenen Testdaten. Was ein System an eurer Naht, unter eurem Licht und bei euren Fehlertypen erreicht, zeigt nur der Parallelbetrieb mit dem Prüfer (siehe Zeitplan unten).
Die wirtschaftliche Konsequenz eines übersehenen Fehlers ist erheblich: Reparaturschweißung, erneute Prüfung, mögliche Verzögerung, bei sicherheitsrelevanten Bauteilen im Anlagen- oder Fahrzeugbau kommen Haftungsfragen dazu. Eine belastbare Branchenzahl, was das im Jahr kostet, kennen wir nicht. Die Zahl, die zählt, steht in eurer Reklamationsliste.
Mit vs. ohne KI, ein ehrlicher Vergleich
| Kennzahl | Ohne KI | Mit KI-Sichtprüfung |
|---|---|---|
| Wo ein Oberflächenfehler auffällt | Bei der Stichprobe oder beim Kunden | An der Linie, vor dem Versand |
| Prüfungsabdeckung | Stichprobe oder 100 % manuell | 100 % aller Teile, automatisch |
| Prüfzeit je Naht | 3–10 Sekunden manuell | unter 200 Millisekunden |
| Dokumentation | Manuelles Prüfprotokoll | Automatisch mit Bild, Fehlertyp, Zeitstempel |
| Objektivität | Prüferabhängig, schichtabhängig | Reproduzierbar, trainiert auf die geforderte Bewertungsgruppe nach DIN EN ISO 5817 |
| Innere Fehler (Volumenporen, Bindefehler) | Nur mit Durchstrahlung oder Ultraschall | Weiterhin nur mit Durchstrahlung oder Ultraschall |
Die Kamera verschiebt den Fundort, sie verhindert keinen Fehler. Gespart ist deshalb nur die Differenz zwischen einem Fehler, der an der Linie auffällt und nachgeschweißt wird, und einem, der beim Kunden auffällt.
Einschätzung auf einen Blick
Zeitersparnis, mittel (3/5) Das System spart 20–30 Minuten manuelle Prüfzeit pro Schicht ein, real, aber kein dominanter Hebel, und kein Geld, solange die Prüfer bleiben (und das sollen sie, siehe unten). Wichtiger ist, dass die 100-Prozent-Kontrolle überhaupt erst möglich wird: Bisher war lückenlose Prüfung bei hohen Stückzahlen nicht realistisch.
Kosteneinsparung, mittel (3/5) Jeder Oberflächenfehler, der an der Linie statt beim Kunden auffällt, spart den Unterschied zwischen Nacharbeit im Haus und Reklamation, Rückruf, Baustellenstillstand. Nachgeschweißt wird er in beiden Fällen. Bei 25.000 bis 80.000 Euro Investition und laufenden Kosten trägt sich das nur, wenn eure Reklamationen teuer oder häufig sind, die Rechnung dazu steht unten.
Schnelle Umsetzung, sehr gering (1/5) Dies ist die aufwändigste Einführung in dieser Kategorie. Kameraintegration an der Fertigungslinie, Modelltraining auf produktionsspezifischen Fehlerbildern, SPS-Anbindung, Validierung der Erkennungsqualität gegen die zutreffende Prüfnorm, das dauert 16–24 Wochen, auch wenn alles nach Plan läuft. Wer drei Monate nach Bestellung live sein will, wird enttäuscht.
ROI-Sicherheit, gering (2/5) Messbar ist, wie viele Fehler das System findet. Unsicher ist, was das wert ist: Nicht jeder übersehene Fehler löst eine Reklamation aus, nicht jede Reklamation geht auf einen Oberflächenfehler zurück, den eine Kamera sieht, und Reklamationen sind selten genug, dass ein Jahr mit drei statt fünf Fällen auch Zufall sein kann. Selbst im günstigen Rechenbeispiel unten dauert die Amortisation mindestens zweieinhalb Jahre.
Skalierbarkeit, mittel (3/5) Jede neue Schweißposition, jeder neue Nahttyp oder jede neue Bauteilgeometrie braucht entweder ein eigenes Kamera-Setup oder Nachtraining des Modells. Das System skaliert gut innerhalb einer Prüfstelle, aber nicht kostenlos über den gesamten Maschinenpark. Wer fünf verschiedene Nahttypen prüfen will, braucht fünf konfigurierte Prüfstellen.
Richtwerte, stark abhängig von Nahtgeometrie, Stückzahl, Fehleraufkommen und gewähltem System.
Was KI-Schweißnahtprüfung konkret macht
Computer Vision in der Schweißnahtprüfung funktioniert im Kern so: Eine oder mehrere Industriekameras nehmen die fertige Schweißnaht auf, direkt an der Linie, meist kurz nach dem Schweißen, sobald das Teil abgekühlt ist. Ein trainiertes neuronales Netz analysiert das Bild in Millisekunden und klassifiziert, ob eine Unregelmäßigkeit vorliegt und wenn ja, welchem Fehlertyp nach DIN EN ISO 5817 sie entspricht: Pore, Einbrandkerbe, Kerbriss, fehlende Durchschweißung, unzulässige Nahtüberhöhung.
Was das System dabei leistet, was menschliche Prüfer nicht können:
- Konsistente Helligkeitsanalyse: Strukturiertes Licht (Streifenprojektion, Laserlinienscanner) erzeugt reproduzierbare Beleuchtung, unabhängig von der Umgebung
- Submillimeter-Auflösung: Aktuelle 2D-/3D-Kameras erkennen Fehlstellen ab 0,1 mm, unter der manuellen Wahrnehmungsgrenze unter Produktionsbedingungen
- Klassifikation nach Norm: Das Modell wird auf die geltende Bewertungsgruppe trainiert, was die Norm als Ausschuss definiert, lehrt man dem System explizit
- Lückenlose Dokumentation: Jede geprüfte Naht wird mit Bild, Ergebnis, Zeitstempel und Chargen-ID gespeichert, ohne manuelle Eingabe, jederzeit auditfähig
Was das System nicht kann
Wichtig: Optische Prüfung erkennt nur Oberflächenfehler. Innere Fehler, Volumenporen, Bindungsmängel im Nahtinneren, bleiben unsichtbar. Für diese Aufgabe braucht es Röntgen oder Ultraschall, für feine oberflächennahe Risse die Magnetpulverprüfung. KI-Sichtprüfung ersetzt nicht die zerstörungsfreie Prüfung, die euer Prüfplan oder euer Kunde vorschreibt, sie ergänzt sie um die 100-Prozent-Kontrolle aller Außenmerkmale.
Was ihr hardware-seitig braucht
Das ist der kritischste Aspekt dieser Lösung, und der, der am häufigsten unterschätzt wird.
Kamera und Beleuchtung sind nicht das Problem. Das Problem ist die Integration in die Fertigungslinie. Damit das System zuverlässig funktioniert, braucht ihr:
- Feste, reproduzierbare Kameraposition: Das Teil muss bei der Prüfung immer in derselben Position, aus demselben Abstand und Winkel geprüft werden. Freihändige Positionierung funktioniert nicht, die Prüfposition muss mechanisch definiert sein, mit Halterung oder Roboter
- Definierte Beleuchtung: Umgebungslicht aus Produktionshallen ist nicht kontrollierbar. Die Lösung: eigene LED-Beleuchtung im Prüfbereich, abgekapselt gegen Streulicht
- Integriertes Kühlprotokoll: Frisch geschweißte Teile müssen auf eine reproduzierbare Temperatur abkühlen, bevor die Kamera zuverlässig prüft, Wärmestrahlung überbelichtet sonst das Bild
- SPS-Anbindung: Das System muss wissen, wann ein Teil zur Prüfung bereit ist, und es muss das Ergebnis (Gut/Ausschuss) zurückmelden, typisch via OPC UA oder Digitalsignal an die Steuerung
Systeme, die ohne diese Voraussetzungen eingeführt werden, liefern nach drei Monaten unzuverlässige Ergebnisse und werden stillgelegt.
Konkrete Werkzeuge, was wann passt
Cognex Vision , Der Industriestandard für reproduzierbare Serienfertigung mit hohem Durchsatz. Cognex liefert Hardware und Software aus einer Hand, die Erkennung ist ausgereift und langlebig. Die In-Sight-Baureihe ist für viele Schweißnaht-Prüfaufgaben erste Wahl. Einschränkung: hohe Gesamtinvestition (typisch 15.000–80.000 Euro pro Prüfstelle inkl. Integration, Cognex nennt keine Listenpreise), proprietäres Ökosystem, spezialisierter Integrator nötig.
KEYENCE Vision , Direkter Wettbewerber zu Cognex mit ähnlichem Angebot, teils einfacherer GUI-Konfiguration. Vorteil: lokaler Vor-Ort-Support in Deutschland, kostenlose Leihgeräte für Tests an der eigenen Linie, kein Integrator-Zwang für Standardanwendungen. KEYENCE veröffentlicht keine Listenpreise, Marktwerte: Vision-Sensor ab etwa 2.000 Euro, Vision-System mit Controller 15.000–80.000 Euro, keine Software-Abonnements.
Landing AI , KI-nativer Ansatz für flexiblere Defekterkennung, besonders wenn Fehlerbilder variieren oder selten auftreten. Niedrigerer Einstiegspreis als Cognex/Keyence, keine proprietäre Hardware. Einschränkung: keine dokumentierte SPS- oder Industriekamera-Integration, für die Inline-Prüfung an der Linie braucht es also eigene Integrationsarbeit. US-gehostet (DSGVO-Prüfung nötig), Support auf Englisch.
Fraunhofer IDMT / Hochschulkooperationen, Für Betriebe, die eine akustische oder resonanzbasierte Prüfung als Ergänzung zur Sichtprüfung suchen: Das Fraunhofer IDMT hat in Zusammenarbeit mit der Industrie Systeme zur 100-Prozent-Qualitätsprüfung von Bolzenschweißverbindungen via Echtzeit-Akustikmonitoring entwickelt. Kein kommerzielles Produkt, sondern ein Forschungsprojekt, aber relevant als Hinweis, dass optische Prüfung nicht der einzige KI-Ansatz ist.
Zusammenfassung:
- Serienproduktion mit hohem Durchsatz, klare Fehlertypen, maximale Zuverlässigkeit → Cognex oder KEYENCE
- Variierende oder seltene Fehlerbilder, billiger Test vor der Investition, eigene Integrationskompetenz → Landing AI
- Bolzenschweißprüfung, akustischer Ansatz, Forschungskooperation → Fraunhofer IDMT
Datenschutz und Datenhaltung
Bildverarbeitungssysteme in der Schweißnahtprüfung verarbeiten in der Regel keine personenbezogenen Daten, sie prüfen Bauteile, nicht Menschen. Die DSGVO ist damit für den Kernbetrieb kein relevantes Thema. Ausnahmen:
- Arbeitszeitverfolgung via Kamera: Wenn Kamerabilder auch Mitarbeitende erfassen, gelten strenge Anforderungen, Betriebsrat einbinden, Zweckbindung definieren
- Fernwartung durch Systemintegratoren: Der Integrator greift bei Wartung typisch via VPN auf das System zu, das sollte vertraglich geregelt und protokolliert sein (AVV)
- Cloud-Anbindung: Cognex und Landing AI bieten optionale Cloud-Dienste für kollaboratives Modelltraining. Wer diese nutzt, muss Datentransfer und -verarbeitung mit dem Datenschutzbeauftragten klären
Grundsätzlich gilt: Lokale Verarbeitung ist in der Schweißnahtprüfung Standard und DSGVO-unkritisch. Die eigentliche Datenschutzfrage stellt sich erst, wenn Produktionsdaten an externe Clouds übertragen werden.
Klingt das nach eurem Alltag? Ob sich dieser Use Case bei euch rechnet, klären wir im Erstgespräch: 30 Minuten, kostenlos.
Erstgespräch anfragenWas es kostet, realistisch gerechnet
Einmalige Einrichtungskosten
| Komponente | Typische Kosten |
|---|---|
| Kamerahardware inkl. Beleuchtung (Cognex/Keyence) | 8.000–25.000 € |
| Mechanische Integration, Halterungen, Einhausung | 3.000–15.000 € |
| SPS-Anbindung und Steuerungsintegration | 5.000–20.000 € |
| Modelltraining auf betriebsspezifischen Fehlerbildern | 5.000–15.000 € |
| Systemintegrator-Leistungen gesamt | 5.000–50.000 € |
| Gesamtinvestition (typisch) | 25.000–80.000 € pro Prüfstelle |
Laufende Kosten
- Wartungsvertrag Systemintegrator: 2.000–8.000 €/Jahr
- Software-Updates und Nachtraining bei neuen Bauteiltypen: 1.000–5.000 €/Jahr
- Landing AI (SaaS): Team-Tarif 250 USD/Monat laut Preisseite, die sich vor allem auf die Dokumenten-APIs bezieht; Produktionsvolumen für die Bildprüfung nur auf Anfrage
Gegenrechnung, ein günstiges Szenario
Angenommen: 5 Reklamationen pro Jahr mit durchschnittlich 5.000 Euro Reparatur- und Folgekosten, also 5 mal 5.000 = 25.000 Euro im Jahr. Setz hier eure eigenen Zahlen ein. Diese 25.000 Euro sind die Obergrenze, nicht die Ersparnis: Sie gelten nur, wenn jeder dieser Fehler an der Oberfläche lag und die Kamera ihn gefunden hätte, und auch dann wird das Teil im Haus nachgeschweißt und erneut geprüft. Gespart ist die Differenz zur Reklamation.
Die 30 Minuten Prüfzeit je Schicht zählen hier nicht als Geld, weil die Prüfer bleiben und andere Aufgaben übernehmen.
Nach 5.000 Euro laufenden Kosten bleiben höchstens 20.000 Euro im Jahr. Bei 50.000 Euro Investition sind das mindestens zweieinhalb Jahre bis zur Amortisation. Bei zwei Reklamationen im Jahr bleiben nach laufenden Kosten höchstens 2 mal 5.000 minus 5.000 = 5.000 Euro, dann dauert es zehn Jahre oder länger. Das System rechnet sich, wenn eure Reklamationen deutlich teurer sind (Baustellenstillstand, Vertragsstrafe, Nachprüfung einer ganzen Charge wie im Beispiel oben) oder deutlich häufiger.
Wie du den Nutzen tatsächlich misst
Nicht in der Theorie, sondern in der Praxis: Vergleiche Nacharbeits- und Reklamationsquote für die erste volle Quartalsperiode nach Einführung mit dem Vorjahresquartal. Führe außerdem eine Zählung der durch das System erkannten Fehler, die die manuelle Prüfung übersehen hätte (über Stichproben-Nachprüfungen abschätzbar).
Typische Einstiegsfehler
1. Mit zu wenigen Trainingsbildern starten
Das häufigste technische Scheitern: Das Modell wurde mit 50–100 Fehlerbildern trainiert, weil im Projekt kein Ausschussmaterial vorhanden war. Das Ergebnis ist ein System mit hoher Falsch-positiv-Rate, es meldet Ausschuss, wo keiner ist, oder hoher Falsch-negativ-Rate, wo es echte Fehler übersieht. Für zuverlässige Ergebnisse braucht ein KI-Modell mindestens 200–500 Bilder je Fehlerklasse, und diese Bilder müssen aus der eigenen Produktion stammen, nicht aus Referenzdatenbanken.
2. Unterschätzte Mechanik-Anforderungen
Viele Projekte scheitern nicht an der Bildverarbeitung, sondern daran, dass die Prüfposition nicht reproduzierbar ist. Wenn ein Roboter das Teil mit ±2 mm Toleranz in den Prüfbereich legt, prüft das System jedes Mal eine leicht andere Nahtposition, und die Erkennungsqualität bricht ein. Die mechanische Präzision des Handling ist Voraussetzung, nicht Nachgedanke.
3. Das System wird eingeführt, aber nie nachtrainiert
Wenn das Unternehmen neue Bauteiltypen einführt, andere Schweißzusätze verwendet oder den Schweißprozess anpasst, ändert sich das Fehlerbild. Ein Modell, das nie aktualisiert wird, erkennt nach 18 Monaten zunehmend schlechter, weil die Realität von seinen Trainingsdaten abweicht. Wer ein KI-Sichtprüfsystem einführt, braucht eine namentlich benannte Person, die Modellpflege als laufende Aufgabe übernimmt, kein IT-Thema, sondern Qualitätsaufgabe.
Was mit der Einführung wirklich passiert, und was nicht
Die Technik ist komplex, aber lösbar. Das Schwierigere ist meistens die interne Diskussion darüber, was mit der Prüfertätigkeit passiert.
Zwei Widerstands-Muster tauchen immer wieder auf:
„Das ersetzt unsere Prüfer.” Der Reflex ist verständlich, und die Antwort ist nicht trivial. In der Praxis werden Prüfer nicht entlassen, weil das System Fehler findet. Sie werden umbesetzt: weg von der ermüdenden Sichtprüfung jeder Naht, hin zu Ausnahmebehandlung, Ursachenanalyse und Prozessoptimierung. Das ist ehrlicher Mehrwert, aber nur, wenn diese Umbesetzung auch wirklich geplant und kommuniziert wird.
„Das System vertraut man nicht.” Besonders in der Anlaufphase wird jede Falsch-positiv-Meldung als Beweis dafür gesehen, dass das System nicht funktioniert. Das ist normal. Die Reaktion: Nicht das System verteidigen, sondern zeigen, zusammen mit dem Prüfer das Bild anschauen, die Klassifikation erklären, die Fehlergrenze diskutieren. Wer das System mitgestaltet, vertraut ihm eher.
Was konkret hilft:
- Prüfer früh einbinden, sie kennen die typischen Fehlerbilder besser als jeder Integrator
- Den Piloten an einer Linie starten, wo der Prüfer zustimmt, mitzumachen
- Falsch-positiv-Rate transparent halten und gemeinsam optimieren
Realistischer Zeitplan mit Risikohinweisen
| Phase | Dauer | Was passiert | Typisches Risiko |
|---|---|---|---|
| Anforderungsanalyse & Auswahl | Woche 1–3 | Nahttypen definieren, Fehlerklassen festlegen, Anbieter auswählen, PoC vereinbaren | Prüfanforderungen unklar → falsches System bestellt |
| Proof of Concept | Woche 4–7 | Leihkamera an der Linie, erste Trainingsbilder, Erkennungsqualität validieren | Zu wenige Fehlerbilder → PoC nicht aussagekräftig |
| Hardware-Integration | Woche 8–14 | Kamera, Beleuchtung, Mechanik einbauen, SPS-Anbindung | Mechanik-Toleranzen zu groß → Bildqualität schwankend |
| Modelltraining & Validierung | Woche 12–18 | Produktionsspezifische Fehlerbilder sammeln, Modell trainieren, gegen Norm validieren | Zu wenige Ausschussteile für Training → Erkennungsrate zu niedrig |
| Pilotbetrieb & Abnahme | Woche 18–24 | Parallelbetrieb mit manueller Prüfung, Erkennungsrate dokumentieren, Abnahme | Falsch-positiv-Rate zu hoch → Linienunterbrechungen |
Häufige Einwände, und was dahintersteckt
„Wir brauchen das nicht, wir haben kaum Reklamationen.”
Das klingt gut, aber frag nach: Woher kommt diese Zahl? Reklamationen werden erfasst, übersehene Fehler nicht. Das eigentliche Maß ist nicht die Reklamationsquote, sondern wie viele Fehler die Fertigung verlassen, ohne erkannt zu werden. Das lässt sich nur durch eine Vergleichsprüfung einschätzen: Prüfer und System gleichzeitig, auf denselben Teilen. Was der Prüfer verpasst hat, zeigt das System, und umgekehrt.
„Das ist nur für die Automobilindustrie.”
Stimmt nicht mehr. Systeme wie Landing AI und KEYENCE sind heute auf Mittelstands-Budget kalibriert und laufen in Stahlbau, Anlagenbau und allgemeiner Metallverarbeitung. Der Einstieg mit einem auf eine Nahtposition fokussierten System ist realistisch für Betriebe mit 30+ Schweißarbeitsplätzen.
„Wir können die Einrichtungszeit nicht leisten.”
16–24 Wochen klingt viel, und bei seltenen, billigen Reklamationen ist Abwarten tatsächlich die günstigere Wahl. Bei teuren Reklamationen nicht. Die richtige Frage ist: Welche Schweißnahtposition hat das höchste Reklamationsrisiko? Dort anfangen, begrenzen auf eine Linie, Ergebnis messen. Danach weitersehen.
Woran du merkst, dass das zu dir passt
- Du schweißt täglich 200 oder mehr gleichartige Nähte, die alle geprüft werden müssten, aber 100-Prozent-Kontrolle ist manuell nicht realistisch
- Reklamationen wegen sichtbarer Schweißnahtfehler kosten euch mindestens 25.000 Euro im Jahr, gerechnet mit Nachprüfung, Reparatur und Folgekosten beim Kunden
- Deine Kunden fordern lückenlose Prüfdokumentation, und ihr erstellt sie heute manuell, was Zeit kostet und Lücken lässt
- Du hast wiederkehrende Nahtgeometrien (keine Unikate), bei denen ein trainiertes Modell stabil funktionieren kann
- Du kannst die Fertigung für 1–2 Wochen für die mechanische Integration der Kamera teilweise einschränken
Wann es sich (noch) nicht lohnt, drei harte Ausschlusskriterien:
-
Unter 100 Schweißnähten täglich an einer Prüfposition. Die Amortisationszeit wird bei geringem Volumen zu lang, das Reklamationsrisiko rechtfertigt die Investition von 25.000–80.000 Euro nicht.
-
Keine zwei gleichen Teile. KI-Bildverarbeitung braucht reproduzierbare Geometrie und reproduzierbare Kameraposition. Unikate im Stahlbau, Schweißkonstruktionen mit stark wechselnden Positionen oder wechselnden Nahttypen erfordern entweder sehr viele Modelle oder sind nicht automatisierbar.
-
Kein Budget für die Systemintegration. Das Kamerasystem allein ist nicht die Herausforderung. Wer keinen Systemintegrator finanzieren kann oder keine eigene Machine-Vision-Kompetenz im Haus hat, wird das Projekt nicht erfolgreich abschließen, unabhängig davon, wie gut die Kamera ist.
Das kannst du heute noch tun
Der schnellste erste Schritt kostet nichts und setzt keine Hardware voraus: Nimm 30 Fotos von typischen Schweißnähten deiner Produktion, gute Nähte und, wenn verfügbar, bekannte Ausschussteile. Lade sie in Landing AI hoch (kostenloser Einstieg verfügbar) und trainiere ein erstes Modell. Du siehst in 90 Minuten, ob das System eure Nähte grundsätzlich voneinander unterscheiden kann.
Das ist kein Produktionssystem und kein Beweis für die Linie, dafür braucht es 200 bis 500 Bilder je Fehlerklasse (siehe Einstiegsfehler). Aber es ist ein billiger erster Realitätstest, bevor du ein Angebot über 50.000 Euro anforderst. Nimm dafür Bilder ohne Kunden- oder Zeichnungsnummern, Landing AI speichert in den USA.
Für die Dokumentation erkannter Fehler durch das System kannst du heute schon einen strukturierten Prompt nutzen:
Mitarbeiter:in
KI-Assistent
Quellen & Methodik
- Erkennungsraten: Anbieterangaben industrieller Bildverarbeitung (Vitronic, elunic, jidoka-tech), gemessen auf Anbieter-Testdaten; eine unabhängige Vergleichszahl für Schweißnähte unter Produktionsbedingungen haben wir nicht gefunden
- Amortisationsrechnung: Rechenbeispiel dieser Seite mit angenommenen Reklamationskosten, keine gemessene Zahl
- Preise Cognex, KEYENCE, Landing AI: unsere Toolseiten (Stand Juli 2026); Cognex und KEYENCE veröffentlichen keine Listenpreise
- DIN EN ISO 5817: Deutsches Institut für Normung, aktuelle Fassung, Bewertungsgruppen B, C, D für Schmelzschweißverbindungen an Stahl
- Fraunhofer IDMT: Pressemitteilung „100-Prozent-Qualitätsprüfung von Bolzenschweißverbindungen mit Echtzeit-Monitoring”, 2024