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Finanzwesen & Versicherung beratungsprotokollmifidfinanzberatung

KI-gestütztes Beratungsprotokoll in der Finanzberatung

KI erstellt automatisch MiFID-konforme Beratungsprotokolle aus dem Beratungsgespräch, Berater können sich auf den Kunden konzentrieren statt auf die Dokumentation.

⚡ Auf einen Blick
Problem
Finanzberater verbringen einen großen Teil ihrer Zeit mit regulatorisch vorgeschriebener Dokumentation. Das Beratungsprotokoll entsteht oft nach dem Gespräch aus dem Gedächtnis.
KI-Lösung
Whisper (automatische Spracherkennung) transkribiert das Beratungsgespräch, ein LLM strukturiert das Transkript automatisch ins vorgeschriebene Protokollformat, vollständig, revisionssicher und MiFID-konform.
Typischer Nutzen
Protokollierungszeit von 30–45 auf 5–10 Minuten pro Gespräch reduzieren, Compliance-Risiken durch lückenhafte Dokumentation deutlich senken.
Setup-Zeit
Pilotbetrieb nach 5–9 Wochen möglich
Kosteneinschätzung
Transkription ab 10 USD/Nutzer/Monat; Integration laut Angebot
ChatGPT / Claude per Prompt (kein Setup)Fertiglösung (Fireflies, Otter.ai + Formatanpassung)Custom-Integration: Whisper lokal + LLM + CRM-Anbindung
Worum geht's?

Es ist Freitagnachmittag, 17:10 Uhr. Thomas hat heute fünf Beratungsgespräche geführt. Das letzte war mit einem Ehepaar, das in den nächsten drei Jahren in Rente gehen und ihr Depot umschichten möchte. Ein gutes Gespräch, er hat richtig zugehört, Fragen gestellt, das Thema Nachhaltigkeit angesprochen, das der Mann so wichtig findet.

Jetzt sitzt Thomas vor seinem Rechner und soll das Protokoll schreiben. MiFID-II-Pflicht: Anlass des Gesprächs, Risikoprofil des Kunden, besprochene Finanzinstrumente mit ISIN, Empfehlung und Begründung, Kundenwunsch gegenüber Beraterempfehlung. Alles aus dem Gedächtnis, nach dem fünften Gespräch des Tages.

Er erinnert sich an den Anlagehorizont: zehn Jahre. Oder waren es zwölf? Und welche ISIN hat er zum nachhaltigen Mischfonds zitiert? Er öffnet sein CRM, sucht, tippt. Um 18:45 Uhr klickt er auf „Speichern”. Er ist nicht sicher, ob das Protokoll vollständig ist.

Das ist kein Einzelfall. Das ist Freitagabend in jedem deutschen Beratungshaus mit mehr als fünf Beratern.

Für Unternehmen

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Das echte Ausmaß des Problems

Seit der Umsetzung von MiFID II im Januar 2018 ersetzt die Geeignetheitserklärung das frühere Beratungsprotokoll: Sie muss dem Privatkunden vor Vertragsschluss auf einem dauerhaften Datenträger vorliegen und erläutern, wie die Empfehlung auf Präferenzen, Anlageziele und sonstige Merkmale des Kunden abgestimmt wurde (§ 64 Abs. 4 WpHG). Dazu kommen die Aufzeichnungspflichten aus § 83 WpHG. Wer das sauber erfüllen will, dokumentiert jede Beratung zu Wertpapieren, Fonds oder strukturierten Produkten: Anlass des Gesprächs, Risikoprofil des Kunden, besprochene Finanzinstrumente mit ISIN, Empfehlung und deren Begründung, Kundenwunsch gegenüber Beraterempfehlung und das abschließende Ergebnis.

In der Beratungspraxis sieht die Realität so aus: Wer während des Gesprächs tippt, verliert den Augenkontakt und den Gesprächsfluss. Wer das Protokoll danach schreibt, kämpft mit dem Gedächtnis. Bei vier bis sechs Beratungen pro Tag und 30 bis 45 Minuten Protokollzeit je Gespräch sind das zwei bis viereinhalb Stunden reine Schreibarbeit pro Berater und Tag.

Das ist nicht nur ein Effizienzproblem. Gedächtnisprotokolle sind inhärent unvollständig, nicht weil Berater schummeln, sondern weil das menschliche Gedächtnis nach dem fünften Gespräch des Tages Details verwischt. Jede Lücke im Protokoll ist ein potenzielles Compliance-Risiko: Beschwerden, die nicht widerlegbar sind, Schadensersatzforderungen, die nicht abgewehrt werden können.

Mit vs. ohne KI, ein ehrlicher Vergleich

KennzahlOhne KIMit KI
Zeit für Protokollerstellung pro Gespräch30–45 Minuten5–10 Minuten
Vollständigkeit der DokumentationLückenhaft (Gedächtnisprotokoll)Systematisch vollständig
Beratungen pro Tag (gleicher Zeitaufwand)4–56–8 möglich
Compliance-Risiko bei BaFin-PrüfungMittel bis hochDeutlich reduziert
Qualität bei Mehrfachberatungen (>4/Tag)Abnehmend (Ermüdung)Gleichbleibend

Für diese Werte gibt es keine veröffentlichte Erhebung, es sind Annahmen. Die linke Spalte kannst du in einer Woche selbst messen: Jeder Berater stoppt fünf Protokolle mit, vom Gesprächsende bis zur Freigabe. Erst dieser Wert macht den Vergleich belastbar, und er hängt stark an der Qualität der Transkription und an der Bereitschaft der Berater ab, das System anzunehmen.

Einschätzung auf einen Blick

Zeitersparnis, hoch (4/5) 35 Minuten weniger Protokollarbeit pro Gespräch sind direkt spürbar, jeden Tag, für jeden Berater. Bei fünf Gesprächen täglich entspricht das fast drei Stunden gewonnener Zeit pro Person. Das ist kein indirekter Effekt, sondern eine tägliche Entlastung. Nur die vollautomatische Schadenbearbeitung erzielt in dieser Kategorie höhere absolute Einsparungen, weil sie ganze Arbeitsprozesse übernimmt statt nur beschleunigt.

Kosteneinsparung, mittel (3/5) Der Nutzen entsteht überwiegend als Kapazitätsgewinn: Berater können mehr Gespräche führen oder weniger Überstunden machen, beides ist wertvoll, aber schwerer direkt zu verbuchen als eingesparte Sachbearbeiterstunden in der Schadenbearbeitung. Der indirekte Wert über Compliance-Risikoreduktion (weniger Beschwerden, keine BaFin-Bußgelder) ist real, aber schwerer zu beziffern.

Schnelle Umsetzung, hoch (4/5) Fertiglösungen für MiFID-II-Protokollierung sind innerhalb von fünf bis neun Wochen produktiv einsetzbar, Compliance-Freigabe einkalkuliert. Das ist deutlich schneller als Systeme mit Kernbankintegration oder ML-Modellentwicklung. Der Hauptaufwand liegt in der Compliance-Prüfung und der Einwilligungslogik für Gesprächsaufzeichnungen, nicht in der Technologie.

ROI-Sicherheit, hoch (4/5) Die Zeitersparnis ist messbar und direkt zurechenbar. Kein anderer Anwendungsfall in dieser Kategorie bietet eine so direkte Rechnung: Anzahl der Berater × Gespräche pro Tag × eingesparte Minuten = Stundengewinn. Die Compliance-Risikokomponente kommt on top.

Skalierbarkeit, mittel (3/5) Das System skaliert proportional mit der Beraterzahl, kein überproportionaler Mehraufwand, aber auch kein echtes “skaliert von selbst ohne Mehrkosten”. Jeder neue Berater braucht eine Lizenz, jeder neue Berater muss eingearbeitet werden. Wachstum im Beratungsvolumen ohne Neueinstellungen ist der wirkliche Skalierungsgewinn.

Richtwerte, stark abhängig von Gesprächsvolumen, Qualität der CRM-Daten und Compliance-Anforderungen des Instituts.

Was KI bei der Protokollerstellung konkret macht

Der Prozess beginnt im Gespräch selbst, ohne dass der Kunde das als störend wahrnimmt. Nach der Einwilligung des Kunden läuft eine Aufzeichnung mit, die im Hintergrund transkribiert wird.

Schritt 1: Transkription in Echtzeit Moderne Spracherkennungssysteme wie Whisper transkribieren deutsche Beratungsgespräche in ruhiger Umgebung zuverlässig, auch bei branchenspezifischen Begriffen wie Fondsbezeichnungen, ISINs oder Risikoklassen. Wie zuverlässig genau, entscheiden Mikrofon, Raum und Dialekt. Das prüfst du in einer Stunde selbst: drei aufgezeichnete Testgespräche transkribieren und die Fehler zählen, die ein Protokoll inhaltlich verändern würden. Beide Gesprächsseiten werden transkribiert, nicht nur der Berater. Das ist für MiFID II relevant, weil der Kundenwunsch explizit dokumentiert werden muss.

Schritt 2: Strukturierung ins Protokollformat Das Transkript landet bei einem LLM wie Claude oder ChatGPT , das mit dem spezifischen Protokollformat des Instituts konfiguriert ist. Das Modell extrahiert: Gesprächsanlass, Risikoprofil-Angaben des Kunden, besprochene Produkte, Empfehlung mit Begründung, Kundenreaktion, Ergebnis. Es erfindet nichts, es strukturiert, was gesagt wurde. Wenn das Modell eine Information nicht aus dem Gespräch extrahieren kann, markiert es das als offen.

Schritt 3: CRM-Abgleich und Datenanreicherung Daten, die bereits im CRM vorhanden sind, Anlageziel, bisheriges Portfolio, Risikoklasse aus dem letzten WpHG-Bogen, werden automatisch eingebunden. Das Protokoll kennt bereits, wer der Kunde ist.

Schritt 4: Beraterprüfung und Freigabe Der Berater sieht das vorbereitete Protokoll, in der Regel innerhalb von fünf Minuten nach Gesprächsende. Er liest durch, ergänzt Nuancen, die sprachlich mehrdeutig waren, und gibt frei. Die digitale Freigabe ist zeitgestempelt und revisionssicher.

Rechtliche Besonderheiten

Beratungsaufzeichnungen berühren mehrere regulatorische Ebenen gleichzeitig.

§ 83 WpHG verlangt zweierlei: Telefongespräche und elektronische Kommunikation, die sich auf Kundenaufträge beziehen, werden aufgezeichnet (Abs. 3); erteilt der Kunde einen Auftrag im persönlichen Gespräch, wird das auf einem dauerhaften Datenträger dokumentiert, schriftliche Protokolle oder Vermerke sind dafür ausdrücklich erlaubt (Abs. 6). Dazu kommt die Geeignetheitserklärung vor Vertragsschluss (§ 64 Abs. 4 WpHG). KI-gestützte Protokollierung ist regulatorisch nicht explizit verboten, entscheidend ist, dass das finale Protokoll vollständig, korrekt und menschlich geprüft ist.

Für die Aufnahme eines persönlichen Gesprächs, die das Gesetz nicht vorschreibt, braucht es eine informierte, freiwillige Einwilligung des Kunden (DSGVO Art. 6 Abs. 1 lit. a); ohne sie wäre die Aufnahme des nichtöffentlich gesprochenen Wortes nach § 201 StGB strafbar. Diese Einwilligung muss dokumentiert sein, schriftlich oder per Klick. Mündliche Einwilligungen sind schwer nachweisbar. Bei Telefonaufzeichnungen nach § 83 Abs. 3 ist die gesetzliche Pflicht die Grundlage, Kunden müssen aber vorab informiert werden (Abs. 5).

Aufzeichnungen nach § 83 Abs. 3 und 6 WpHG sind fünf Jahre aufzubewahren und danach zu löschen (Abs. 8). Bei Telefon- und Videoberatung zu Aufträgen ist die Aufzeichnung selbst aufbewahrungspflichtig. Bei persönlichen Gesprächen nicht: Dort sollte die Audiodatei aus Datensparsamkeitsgründen nach Protokollerstellung gelöscht werden, ob die Transkription als Aufzeichnung gilt, klärt die Compliance-Abteilung.

Der EU AI Act stuft automatisierte Dokumentationssysteme, die zur Compliance genutzt werden, je nach Ausgestaltung unterschiedlich ein. Ein System, das Berater bei der Dokumentation unterstützt, ist in der Regel kein Hochrisiko-System, aber die Einschätzung sollte mit der Rechtsabteilung abgestimmt werden.

Die Ausführungen in diesem Abschnitt sind allgemeine Orientierungshilfen, keine Rechtsberatung. Für verbindliche Einschätzungen zu MiFID II, DSGVO oder EU AI Act im konkreten Anwendungsfall ist juristische Beratung erforderlich.

Konkrete Werkzeuge, was wann passt

Whisper , OpenAIs Spracherkennungsmodell ist eines der genauesten für Deutsch und kann lokal oder über API betrieben werden. Für den Einsatz in der Finanzberatung ist der lokale Betrieb aus Datenschutzgründen oft vorzuziehen: Die Audiodaten verlassen das Institut nicht. Kein eigenes Frontend, braucht Integration in einen Gesamtworkflow. API-Kosten laut unserer Toolseite: whisper-1 0,006 USD pro Minute Audio bis zur Abschaltung am 26. Februar 2027, das Nachfolgemodell GPT-Transcribe 0,0045 USD; lokal kostenlos.

Fireflies.ai , Fertige Lösung für Meeting-Transkription, die auch für Beratungsgespräche genutzt werden kann. Einfachere Integration als eine Eigenlösung, gute CRM-Anbindungen (u. a. Salesforce ). Für den Finanzbereich muss die Datenlokation geprüft werden, unsere Toolseite führt Fireflies mit US-Hosting. Kosten: Pro 10 USD je Nutzer und Monat bei jährlicher, 18 USD bei monatlicher Zahlung. Nicht speziell für MiFID-II-Formate gebaut, erfordert Anpassung des Output-Formats.

Otter.ai , Ähnliches Profil wie die Lösung oben, stärker auf kollaborative Nutzung ausgelegt. Gute Echtzeit-Transkription, bearbeitbares Transkript, einfache Bedienung. Datenlokation und DSGVO-Konformität prüfen, AVV abschließen. Kosten: Pro 16,99 USD/Monat, 8,33 USD bei jährlicher Zahlung.

Microsoft 365 Copilot , Wenn das Institut bereits auf Microsoft-Infrastruktur setzt und Teams für Gespräche nutzt. Copilot kann Teams-Transkriptionen automatisch zusammenfassen und in vordefinierte Formate strukturieren. Gut für Institute, die keine neue Software einführen wollen. Kosten: 18,20 Euro/Nutzer/Monat im Jahresabo, 21,84 Euro bei monatlicher Zahlung, zusätzlich zur M365-Lizenz.

Was es kostet, realistisch gerechnet

Speziallösung (Fertiganbieter) Auf den Finanzbereich spezialisierte Protokollierungslösungen nennen ihre Preise auf Anfrage, abhängig von Funktionsumfang und CRM-Integration; hol zwei Angebote ein und rechne sie gegen die Rechnung unten. Der Vorteil: Das MiFID-II-Protokollformat ist bereits eingebaut.

Custom-Entwicklung (eigene Integration) Die einmaligen Entwicklungskosten nennt das Angebot, je nach Komplexität der CRM-Integration. Laufende Kosten: Annahme 500 bis 2.000 Euro/Monat für API-Nutzung, Hosting und Wartung. Wie viel die Entwicklung höchstens kosten darf, steht in der Rechnung unten.

ROI-Rechnung, konkret gerechnet Zehn Berater, je 5 Beratungen pro Tag, je 35 Minuten Protokollzeitersparnis. Das sind täglich 35 × 10 × 5 ÷ 60 = 29 Stunden eingesparte Dokumentationszeit. Bei einem Stundensatz des Beraters von 50 Euro entspricht das 1.450 Euro Tageskapazitätsgewinn. Monatlich: rund 30.000 Euro. Dieser Betrag ist Kapazität, kein Kassenbestand. Er wird erst zu Geld, wenn die frei gewordene Zeit tatsächlich in zusätzliche Beratungen oder in weniger Überstunden fließt. Welchen Anteil du davon realisierst, ist die Annahme, die du selbst setzen musst, und sie entscheidet, wie viel die Integration kosten darf. Bei der Hälfte, rund 15.000 Euro im Monat, minus 500 bis 2.000 Euro laufend, darf eine Custom-Integration für zehn Berater höchstens 78.000 bis 87.000 Euro kosten, um sich in sechs Monaten zu tragen (sechs mal 13.000 bis 14.500 Euro). Bei einem Zehntel, rund 3.000 Euro im Monat, trägt sich in einem Jahr nur eine Integration bis 12.000 bis 30.000 Euro (zwölf mal 1.000 bis 2.500 Euro).

Klingt das nach eurem Alltag? Ob sich dieser Use Case bei euch rechnet, klären wir im Erstgespräch: 30 Minuten, kostenlos.

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Typische Einstiegsfehler

1. Kundeneinwilligung als Formalität behandeln. Die Aufzeichnung eines Beratungsgesprächs ist kein neutraler Akt. Kunden müssen aktiv einwilligen, informiert, vor dem Gespräch und ohne Druck. Was dann passiert: Kunden, die sich nicht erinnern, eingewilligt zu haben, oder die das Gefühl haben, belauscht worden zu sein. Lösung: Einwilligung als eigenen, kurzen Schritt etablieren, mit Erklärung, warum aufgezeichnet wird, und dem Hinweis, dass der Kunde das Protokoll vor Versand erhält.

2. KI-Protokoll ohne Beraterprüfung einreichen. Auch wenn das Protokoll weitgehend korrekt ist: Die wenigen Stellen, an denen es danebenliegt, können entscheidend sein, besonders bei Aussagen zum Risikoappetit. Ein Berater, der das Protokoll durchwinkt ohne es zu lesen, delegiert seine regulatorische Verantwortung an eine Maschine. Das ist rechtlich nicht zulässig. Prüfung und Freigabe als fester Prozessschritt, fünf Minuten Lesezeit sind vertretbar.

3. Tool-Auswahl ohne Compliance-Abteilung und Datenschutzbeauftragten. Welche Audiodaten dürfen in welche Cloud? Welche Transkriptionsdienste haben einen gültigen AVV? Ist das generierte Protokoll im BaFin-Prüffall als vollständige Dokumentation anerkannt? Wer das Tool erst einführt und die Compliance-Prüfung danach macht, riskiert einen kostspieligen Rückbau.

4. Den Wartungsbedarf des Protokollformats vergessen. MiFID II ändert sich regelmäßig, und das Protokollformat muss mit sich ändern. Wer dafür keine interne Verantwortung und keinen Review-Rhythmus festlegt, hat nach zwei Jahren ein System, das veraltete Felder befüllt.

Was mit der Einführung wirklich passiert, und was nicht

Unterschätze die erfahrenen Berater nicht, die zuerst skeptisch sind: Sie haben die Dokumentationsarbeit am längsten gespürt, jahrelange Abendarbeit an Protokollen, und haben am meisten davon. Für die Einwilligungslogik und den neuen Workflow plane zwei bis drei Wochen Eingewöhnung ein.

Was nicht passiert: Das System macht Berater nicht überflüssig. Die Beratungsleistung selbst, Vertrauen aufbauen, Ziele verstehen, Empfehlungen formulieren, bleibt vollständig beim Menschen. Was sich ändert: Der Berater kommt nach dem Gespräch nicht mehr in Zeitdruck.

Realistischer Zeitplan mit Risikohinweisen

PhaseDauerWas passiertTypisches Risiko
Anforderungsanalyse & Compliance-KlärungWoche 1–3Protokollformat definieren, Datenschutzkonzept, CRM-Anbindung bewertenCompliance-Freigabe dauert länger als geplant, interner Abstimmungsstau
Tool-Auswahl & PilotgruppeWoche 3–52–3 Anbieter testen, Pilotberater auswählen, Einwilligungsformular erstellenBerater lehnen Aufzeichnung ab, fehlende interne Kommunikation
PilotbetriebWoche 5–95–10 Berater im produktiven Einsatz, wöchentliches Feedback, Protokollqualität prüfenTranskriptionsqualität bei Dialekt oder Hintergrundrauschen schlechter als erwartet
Auswertung & AnpassungWoche 9–11Fehleranalyse, Formatanpassungen, CRM-Integration finalisierenZweite Runde Compliance-Freigabe nötig bei substantiellen Anpassungen
Roll-outAb Woche 11Alle Berater, Schulung, internes Support-KonzeptÄltere Berater brauchen mehr Eingewöhnungszeit, Schulungsaufwand unterschätzt

Häufige Einwände, und was dahintersteckt

„Unsere Kunden wollen nicht aufgezeichnet werden.” Das ist ein verbreitetes Vorurteil. Wie oft Kunden ablehnen, weiß niemand vorab, und es hängt spürbar daran, wie gefragt wird. Miss es an den ersten fünfzig Gesprächen, bevor du das Projekt an dieser Quote aufhängst. Wer fragt: „Darf ich das Gespräch aufzeichnen, damit ich Ihnen ein vollständiges Protokoll geben kann?”, bekommt meistens Zustimmung.

„Das BaFin akzeptiert KI-generierte Protokolle nicht.” Es gibt keine BaFin-Regulierung, die KI-gestützte Protokollierung explizit untersagt. Was gefordert wird: vollständige, korrekte, zeitnahe Dokumentation und menschliche Verantwortung für den Inhalt. Ein KI-generiertes Protokoll, das vom Berater geprüft und freigegeben wurde, erfüllt diese Anforderungen.

Woran du merkst, dass das zu dir passt

  • Deine Berater verbringen mehr als 25 Prozent ihrer Arbeitszeit mit Dokumentationsaufgaben, die keine Beratungsleistung erfordern.
  • Protokolle werden regelmäßig am nächsten Werktag aus dem Gedächtnis rekonstruiert.
  • BaFin-Prüfungen oder interne Compliance-Reviews haben auf Protokollmängel hingewiesen.
  • Die Zahl der Beratungen pro Berater ist durch Kapazitätsengpässe gedeckelt.
  • Deine CRM-Daten sind strukturiert und aktuell gepflegt.

Das passt noch nicht, wenn:

  • Euer Protokollformat ist nicht standardisiert, einzelne Berater verwenden unterschiedliche Strukturen, es gibt kein einheitliches Template.
  • Es gibt keine CRM-Anbindung für Kundenstammdaten, ohne strukturierte Basisdaten gibt es keinen Datenanreicherungseffekt.
  • Das Institut führt hauptsächlich Telefonberatungen ohne Videokomponente, reine Audiotranskription erfordert andere Einwilligungslogik und Qualitätsprüfung.

Das kannst du heute noch tun

Schreibe nach deinem nächsten Beratungsgespräch die zentralen Gesprächspunkte als Stichpunkte in ein Textfeld, ersetze Namen, Kontodaten und Depotwerte durch erfundene, und nutze diesen Prompt in Claude oder ChatGPT. Echte Kundendaten gehören erst in einen Tarif mit Auftragsverarbeitungsvertrag, den eure Compliance freigegeben hat:

MiFID-II-Protokoll aus Gesprächsnotizen
Du bist ein erfahrener MiFID-II-Compliance-Experte. Strukturiere die folgenden Gesprächsnotizen in ein vollständiges MiFID-II-Beratungsprotokoll. Gesprächsnotizen: [HIER STICHPUNKTE ODER TRANSKRIPTAUSZÜGE EINFÜGEN] Kundenprofil aus CRM: - Name: [NAME] - Risikoklasse: [RISIKOKLASSE] - Anlageziel: [ZIEL] - Bestehendes Portfolio: [PORTFOLIOZUSAMMENFASSUNG] Das Protokoll muss enthalten: 1. Anlass und Inhalt des Gesprächs 2. Risikoprofil des Kunden (inkl. Änderungen gegenüber letztem Gespräch) 3. Empfohlene Finanzinstrumente mit ISIN (nur wenn genannt) 4. Begründung der Empfehlung 5. Kundenwunsch vs. Beraterempfehlung (wenn abweichend) 6. Ergebnis des Gesprächs / Transaktion oder Abschluss Fehlende Informationen als "[OFFEN: ...]" markieren, nichts erfinden.
Funktioniert mit ChatGPT, Claude
Beispiel-Ausgabe

Mitarbeiter:in

Gespräch mit Ehepaar Weber, 60 Min. Wollen in 3 Jahren in Rente. Depot aktuell 80% Aktien, 20% Anleihen. Zu risikoreich für Rentenphase. Nachhaltigkeit wichtig (Mann). Empfohlen: schrittweise Umschichtung auf 50/50 über 18 Monate. ETF auf Eurozone-Aktien + grüner Mischfonds. Kunden einverstanden.

KI-Assistent

MiFID-II-Beratungsprotokoll Datum: [DATUM] Berater: [BERATERNAME] Kunden: Ehepaar Weber 1. Anlass: Überprüfung der Depotstruktur im Hinblick auf bevorstehenden Renteneintritt (ca. 3 Jahre) 2. Risikoprofil: Risikoklasse [OFFEN: aus letztem WpHG-Bogen]. Anlagehorizont wird auf defensiver umgestellt. Nachhaltigkeitspräferenz: Herr Weber wünscht explizit nachhaltige Investments (Art. 8/9 nach SFDR). 3. Empfohlene Instrumente: - ETF Eurozone Aktien: [OFFEN: ISIN] - Nachhaltiger Mischfonds: [OFFEN: ISIN und Anbieter] 4. Begründung: Schrittweise Reduktion Aktienquote von 80 auf 50 % über 18 Monate zur Risikoreduzierung vor Renteneintritt. Nachhaltiger Fonds entspricht Kundenwunsch und Risikoklasse. 5. Kundenwunsch vs. Empfehlung: Übereinstimmung. Kunden wünschen defensivere Struktur, Berater empfiehlt dieselbe Richtung. 6. Ergebnis: Umschichtungsplan vereinbart. Erste Tranche [OFFEN: Zeitpunkt und Betrag] nach Kundenzustimmung per E-Mail. Hinweis: ISINs und exakter Umschichtungsplan vor Versand ergänzen.

Das zeigt in 10 Minuten, was KI liefert, und welche Informationen ihr in eurem aktuellen Prozess systematisch nicht erfasst (und die das System dann als „offen” markiert).

Quellen & Methodik

  • MiFID II (Richtlinie 2014/65/EU), umgesetzt im WpHG: Geeignetheitserklärung nach § 64 Abs. 4 WpHG (gesetze-im-internet.de/wphg/__64.html); Aufzeichnungs- und Aufbewahrungspflicht nach § 83 Abs. 3, 5, 6 und 8 WpHG (gesetze-im-internet.de/wphg/__83.html), beide abgerufen am 03.10.2026
  • BaFin Merkblatt zur Aufzeichnungspflicht: Anforderungen an Dokumentation von Anlageberatungsgesprächen
  • DSGVO Art. 6 Abs. 1 lit. a: Einwilligung als Rechtsgrundlage für Gesprächsaufzeichnungen
  • Zeit- und ROI-Angaben: keine veröffentlichte Erhebung gefunden; die Seite rechnet damit als Annahmen. Die Rechnung im Abschnitt „Was es kostet“ funktioniert nur mit deinen eigenen Protokollzeiten. Kostenangaben zu Werkzeugen: unsere Toolseiten, Stand Oktober 2026. Regulatorische Einschätzungen sind allgemeine Orientierungshilfen, keine Rechtsberatung.

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Frieda Funke

Konzeptentwicklerin

Ich frage nicht, was KI kann. Ich frage, was du in deinem Alltag damit anfängst. Erst wenn ich eine ehrliche Antwort habe, entsteht daraus ein konkreter Use Case. Fehlt ein Anwendungsfall, der zu dir passt? Schreib mir kurz.

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