Honorarermittlung und HOAI-Angebote mit KI
KI unterstützt bei der Erstellung von HOAI-konformen Angeboten: Honorarermittlung nach Kostengruppen, Angebotsschreiben vorformulieren und Leistungsbilder projektspezifisch anpassen.
Mit KI-Agenten recherchiert und geschrieben, verantwortlich: Redaktion KI-Syndikat. So arbeiten wir Fehler melden
- Problem
- HOAI-Honorarangebote sind komplex und zeitaufwändig: Kostengruppen ermitteln, Honorarzonen einordnen, Besondere Leistungen definieren und das Ganze in ein überzeugendes Angebot überführen kostet oft einen halben Arbeitstag.
- KI-Lösung
- Ein LLM (ChatGPT oder Claude, per gezieltem Prompt) strukturiert das Leistungsbild, formuliert Angebotsbeschreibungen und erklärt Honorarberechnungen in bauherrenverständlicher Sprache, während die Kalkulation mit HOAI-Rechnern bleibt.
- Typischer Nutzen
- Der Textteil des Angebots startet mit einem strukturierten Entwurf statt mit einem leeren Blatt; klarere Leistungsbeschreibungen erzeugen weniger Rückfragen vom Bauherrn.
- Setup-Zeit
- Erster Workflow in 1–2 Wochen einsatzbereit
- Kosteneinschätzung
- Kein Setup-Invest, 20–23 €/Monat je Person
Es ist Mittwoch, 17:40 Uhr.
Marco hat seit dem Mittagessen an dem Angebot gesessen. Neubau eines Mehrfamilienhauses mit 12 Einheiten in einer Mittelstadt, ein gutes Projekt, ein interessierter Bauherr, ein realistischer Budgetrahmen. Die Kalkulation im HOAI-Rechner war in 30 Minuten fertig. Aber jetzt: das Angebot selbst. Welche Leistungsphasen nehmen sie auf? Wie erklären sie dem Bauherrn, was in LPH 5 eigentlich enthalten ist? Wie formuliert man Besondere Leistungen, Bauablaufplanung, BIM-Koordination, Nutzerberatung, so, dass der Bauherr versteht, warum sie extra bezahlt werden?
Marco tippt den dritten Entwurf des Anschreibens. Es klingt immer noch wie eine Norm-Auflistung. Der Bauherr ist Geschäftsmann, kein Architekt, er vergleicht drei Büros. Wenn das Angebot wie eine Leistungsverzeichnis-Vorlage aussieht, verliert Marco gegen das Büro, das dieselbe Summe in einem schick aufbereiteten PDF mit klaren Erklärungen präsentiert.
Um 19:15 Uhr schickt er das Angebot ab. Er ist nicht zufrieden damit, aber der Termin war morgen früh. Zwei Wochen später kommt die Absage: der andere Anbieter hat den Zuschlag bekommen. Welches Büro das bessere Angebot hatte, im Sinne von überzeugender, klarer, verständlicher, weiß er nicht. Aber er weiß, dass sein Anschreiben wie eine Norm-Auflistung klang.
Für Unternehmen
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Das echte Ausmaß des Problems
Ein HOAI-Angebot zu erstellen ist eine doppelte Aufgabe: Kalkulieren und Kommunizieren. Die Kalkulation, anrechenbare Kosten nach DIN 276 ermitteln, Honorarzone einordnen, Basishonorarsatz ablesen, prozentual auf Leistungsphasen aufteilen, Besondere Leistungen bewerten, das ist handwerklich erlernbar und mit einem HOAI-Rechner in 30–90 Minuten zu lösen. Ein Detail, das dabei regelmäßig untergeht: § 4 Absatz 1 HOAI schreibt für die anrechenbaren Kosten ausdrücklich die Fassung DIN 276-1:2008-12 vor, nicht die neuere Ausgabe der Norm.
Das Kommunikationsproblem ist schwieriger: Ein Honorarangebot muss dem Bauherrn erklären, was er für sein Geld bekommt, nicht in Gesetzessprache, sondern so, dass er im Angebotsvergleich mit drei anderen Büros versteht, warum dieses Angebot seinen Preis hat. Das ist keine Normenaufgabe. Das ist Überzeugungsarbeit.
Was an der HOAI verbindlich ist, und was nicht
Das ist der Punkt, an dem die meisten Darstellungen im Netz falsch liegen, deshalb hier sauber sortiert.
Die Honorartafeln der HOAI sind kein verbindliches Preisrecht mehr. Der EuGH hat am 4. Juli 2019 festgestellt, dass Deutschland mit den verbindlichen Mindest- und Höchstsätzen für Planungsleistungen gegen Artikel 15 Absatz 1, 2 Buchstabe g und 3 der Dienstleistungsrichtlinie 2006/123/EG verstoßen hat (Rechtssache C-377/17). Die HOAI 2021, in Kraft seit dem 1. Januar 2021, hat daraus die Konsequenz gezogen: Nach § 2a Absatz 1 HOAI weisen die Honorartafeln „Orientierungswerte” aus, und § 6 Absatz 1 nennt sie folgerichtig „Honorartafel zur Honorarorientierung”.
Verbindlich ist stattdessen die Form. Nach § 7 Absatz 1 HOAI richtet sich das Honorar nach der Vereinbarung, die die Vertragsparteien in Textform treffen. Fehlt eine solche Vereinbarung, gilt für Grundleistungen der Basishonorarsatz als vereinbart, also der jeweils untere Wert der Honorartafel (§ 2a Absatz 2). Und wenn dein Auftraggeber Verbraucher ist, musst du ihn nach § 7 Absatz 2 vor seiner verbindlichen Vertragserklärung in Textform darauf hinweisen, dass ein höheres oder niedrigeres Honorar als die Tafelwerte vereinbart werden kann. Unterbleibt dieser Hinweis, gilt statt eines höheren Honorars der Basishonorarsatz. Das ist die teuerste Formalie der ganzen Verordnung.
Eine Ausnahme betrifft Altverträge. Für Verträge, die noch unter der HOAI 2013 geschlossen wurden, hat der EuGH am 18. Januar 2022 entschieden, dass ein nationales Gericht in einem Rechtsstreit zwischen Privatpersonen nicht allein aufgrund des Unionsrechts verpflichtet ist, die Mindestsatzregelung unangewendet zu lassen (Rechtssache C-261/20, Thelen Technopark). Wer noch Altverträge abrechnet, lässt das im Einzelfall prüfen.
Für die Akquise heißt das: Der Preis ist Verhandlungssache. Damit wird die Angebotsqualität direkt wettbewerbsrelevant, weil du nicht mehr auf eine Tafel zeigen kannst, sondern erklären musst, wofür dein Honorar steht.
Wie viel Zeit diese Erklärarbeit kostet, weiß niemand pauschal, und eine belastbare Erhebung dazu haben wir nicht gefunden. Deshalb die ehrliche Variante: Stoppe bei den nächsten drei Angeboten die Zeit getrennt nach Kalkulation und Textarbeit. Bei einem Büro mit ein bis drei Personen und zwei bis vier Angeboten im Monat summiert sich schon ein halber Arbeitstag pro Angebot zu einer vollen Arbeitswoche im Quartal, ohne Garantie, dass der Auftrag kommt. Diese eine eigene Zahl brauchst du, bevor du irgendein Werkzeug bewertest.
Mit vs. ohne KI, ein ehrlicher Vergleich
| Kennzahl | Ohne KI-Unterstützung | Mit KI-Unterstützung |
|---|---|---|
| Zeit pro Honorarangebot | Kalkulation plus Textarbeit, gemessen hat das niemand | Kalkulation bleibt manuell, beschleunigt wird nur die Textarbeit |
| Angebots-Textqualität | Stark verfasserabhängig | Gleichmäßig auf Zielgruppe zugeschnitten |
| Erklärung der Leistungsphasen | Fachsprache aus HOAI | Verständliche Beschreibung, projektspezifisch |
| Besondere Leistungen beschreiben | Häufig schwach formuliert | Mit Erklärung des Mehrwerts für den Bauherrn |
| Angebotserfolgsquote | Meist gar nicht erfasst | Ebenfalls nicht automatisch erfasst, aber ab hier lohnt das Zählen |
In dieser Tabelle stehen bewusst keine Stundenzahlen mehr. Eine frühere Fassung nannte hier 4 bis 8 Stunden ohne und 2 bis 5 Stunden mit KI, gestützt auf eine Kammerbefragung, die es nicht gibt. Setz deine eigenen gestoppten Zeiten ein, das ist die einzige Fassung dieser Tabelle, die für dich stimmt.
Einschätzung auf einen Blick
Zeitersparnis, mittel (3/5) Die HOAI-Kalkulation übernimmt KI nicht, das bleibt beim Rechner oder beim Architekten. Beschleunigt wird nur die Textarbeit: Anschreiben formulieren, Leistungsphasen beschreiben, Besondere Leistungen erklären. Der Effekt ist real, er betrifft aber nur einen Teil des Angebots, und wie groß dieser Teil bei dir ist, hängt daran, wie viel du ohnehin aus Vorlagen übernimmst. Im Vergleich zur Zeitersparnis bei Bauherrenkommunikation oder Visualisierungen ist das nicht der höchste Wert in dieser Kategorie.
Kosteneinsparung, hoch (4/5) Hier ist der Hebel am größten: Ein gewonnener Auftrag mehr pro Quartal durch überzeugendere Angebote übersteigt die gesamten KI-Werkzeugkosten eines Jahres. Belegen können wir diesen Zusammenhang nicht, und wer dir dazu eine Prozentzahl nennt, hat sie sich ausgedacht. Plausibel ist er trotzdem, weil seit dem Wegfall der verbindlichen Sätze die Begründung des Honorars zum Verhandlungsgegenstand geworden ist. Dieser Anwendungsfall zahlt sich in gewonnenen Projekten aus, nicht nur in gesparter Zeit, aber nur, wenn du mitzählst.
Schnelle Umsetzung, hoch (4/5) Du brauchst keinen technischen Aufbau. Du nimmst ein bestehendes Angebot, gibst es in ChatGPT oder Claude und bittest um eine überarbeitete, bauherrenverständliche Version. In einer Woche hast du einen reproduzierbaren Workflow. Das macht diesen Use Case zu einem der schneller einsetzbaren in der Kategorie.
ROI-Sicherheit, mittel (3/5) Du kannst Angebotserfolgsquoten vorher/nachher vergleichen, das ist ein echter Indikator. Aber der Zusammenhang ist nicht sauber isolierbar: Projektgröße, Wettbewerbsfeld, Honorarhöhe und Bauherren-Sympathie spielen alle mit. Büros, die systematisch messen, sehen Signale, aber keine Gewissheit. Das macht den ROI realer als bei reiner Zeitersparnis, aber schwächer mess- und kommunizierbar als bei Use Cases mit direktem Kostenbezug.
Skalierbarkeit, mittel (3/5) Jedes neue Angebot profitiert, aber der Aufwand pro Angebot bleibt ähnlich, KI beschleunigt die Textarbeit, ersetzt aber nicht die inhaltliche Kalkulation. Mit wachsendem Angebotsvolumen steigt der Nutzen linear, nicht überproportional.
Richtwerte, stark abhängig von Angebotsvolumen und Komplexität der Projekte.
Was KI bei HOAI-Angeboten konkret macht
KI übernimmt den Textteil des Angebots, die Kalkulation bleibt beim Architekten oder beim HOAI-Rechner. Das ist eine klare Aufgabenteilung, die funktioniert weil sie keine Überschneidung hat.
Konkret einsetzbar für:
Leistungsphasen verständlich beschreiben: Die HOAI-Formulierungen für LPH 1–9 sind rechtssicher, aber für Bauherren ohne Fachkenntnis kaum verständlich. KI formuliert daraus projektspezifische Beschreibungen: “In Phase 3 (Entwurfsplanung) entwickeln wir auf Basis Ihrer Genehmigungen den ausführungsreifen Entwurf, inklusive Detailplänen, Materialbeschreibungen und der Abstimmung mit dem Tragwerksplaner. Sie erhalten Zeichnungen, die das Gebäude vollständig zeigen, mit allem, was für die Ausführungsplanung und die spätere Ausschreibung gebraucht wird.”
Besondere Leistungen begründen: Warum kostet BIM-Koordination extra? Warum ist Bauherrenberatung eine Besondere Leistung nach § 3 Absatz 2 HOAI und nicht im Honorar für die Grundleistungen enthalten? KI formuliert diese Begründungen so, dass der Bauherr den Mehrwert versteht, nicht als Rechtfertigung, sondern als Leistungsbeschreibung.
Anschreiben individualisieren: Statt eines Standard-Anschreibens erhältst du einen Entwurf, der auf das konkrete Projekt, den Bauherrn und den Wettbewerbskontext eingeht. Du gibst die Fakten, KI baut daraus ein überzeugendes Einleitungsschreiben.
Was KI nicht übernimmt: Die Kalkulation bleibt Facharbeit. Welche Honorarzone trifft auf das Projekt zu? Wie werden die anrechenbaren Kosten ermittelt? Welche Leistungsphasen werden beauftragt? Das sind inhaltliche Entscheidungen, die du triffst, und die du mit einem HOAI-Rechner wie dem BKI Honorarermittler oder dem Online-Rechner auf hoai.de absicherst.
Der kritische Qualitätsschritt
Halluzinationen sind bei HOAI-Beschreibungen relevant: Ein LLM kann HOAI-Leistungsbilder inhaltlich falsch wiedergeben, Leistungen Phasen zuordnen, zu denen sie nicht gehören, oder Besondere Leistungen als Grundleistungen beschreiben. Jede KI-Formulierung zu konkreten Leistungsinhalten muss gegen die aktuelle HOAI-Anlage gegengeprüft werden. Das ist kein enormer Aufwand, aber kein optionaler Schritt.
Konkrete Werkzeuge, was wann passt
BKI BauKosten , Honorarermittler, Der BKI Honorarermittler ermittelt das Honorar für die Grundleistungen nach anrechenbaren Kosten und Honorarzone, berechnet die Aufteilung auf Leistungsphasen und dokumentiert die Berechnung für die Projektakte. Kein KI-Tool, aber eine belastbare Kalkulationsgrundlage. Wichtig für die Budgetplanung: Der Honorarermittler ist ein eigenes Produkt neben den Baukostenbänden. Die Ausgabe 2026 kostet laut bki.de ab 299 Euro netto, also 355 Euro inklusive Mehrwertsteuer, dazu gibt es eine kostenlose Testversion. Die häufig genannten 269 Euro sind der Preis des Sparpakets BKI Baukosten Neubau, nicht der des Honorarermittlers. Eine kostenlose Alternative für die reine Rechenarbeit ist der HOAI-Rechner auf hoai.de.
ChatGPT , Für die Textarbeit am Angebot das direkteste Werkzeug. Du fütterst es mit den Eckdaten des Projekts (Gebäudeart, Leistungsumfang, Besondere Leistungen) und einem kurzen Stimmungshinweis zum Bauherrn, und erhältst Entwürfe für Anschreiben, Leistungsbeschreibungen und Begründungen. Kosten: Plus 23 Euro/Monat.
Claude , Besonders stark wenn du bestehende Angebots-Formulierungen umschreiben willst: Claude überarbeitet Texte mit weniger “KI-Klang” als ChatGPT, der Output klingt natürlicher, was bei Angeboten wichtig ist. Kosten: 20 USD/Monat (Pro).
Perplexity Pro, Wenn du während der Angebotsvorbereitung aktuelle HOAI-Interpretation oder Kammerpositionen recherchieren musst (“Gilt BIM-Koordination als Grundleistung oder Besondere Leistung in LPH 5?”), kombiniert Perplexity Websuche mit Quellenangaben. Kein Ersatz für juristische Beratung, aber nützlich für schnelle Orientierung. Kosten: 20 USD/Monat.
Datenschutz und Datenhaltung
Honorarangebote enthalten Projektdaten, Budgetrahmen und manchmal auch Bauherren-Kontaktdaten. Wenn du diese Daten in eine KI-Plattform eingibst, gelten die DSGVO-Regeln.
Für die Praxis: In der Consumer-Version von ChatGPT (chatgpt.com) werden Eingaben standardmäßig für Training genutzt, sofern nicht in den Einstellungen deaktiviert. Für die API-Version von OpenAI und Claude gilt kein Training auf Eingabedaten, und ein Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) ist erhältlich.
Wenn du Angebotsunterlagen mit Bauherren-spezifischen Daten in KI-Tools verwendest: entweder die professionellen Tarife mit klarem Datenschutzrahmen nutzen, oder Personendaten durch Platzhalter ersetzen (“Bauherr B”, “Projekt München-Nord”). Die Formulierungsqualität ist dieselbe.
Was es kostet, realistisch gerechnet
Setup-Aufwand (einmalig):
- Prompt-Vorlagen für Angebote entwickeln und testen: 4–8 Stunden
- HOAI-Rechner: wenn nicht vorhanden, BKI Honorarermittler 2026 ab 299 € netto (355 € brutto), oder der kostenlose Online-Rechner auf hoai.de
- KI-Tool: 0 € Zusatzkosten bei bereits vorhandenem Abonnement
Laufende Kosten:
- ChatGPT Plus 23 €/Monat oder Claude Pro 20 USD/Monat, 17 USD bei Jahreszahlung (in vielen Büros ohnehin in Nutzung)
- BKI Honorarermittler: Kauf je Jahresausgabe
Rechne selbst nach, das Schema:
- Zahl der Angebote pro Monat mal der Zeit, die du an der Textarbeit sparst. Diese zweite Zahl bekommst du nur, indem du sie einmal vorher und einmal nachher stoppst. Nimm nicht unsere und nicht die eines Anbieters.
- Das Ergebnis mal deinem internen Stundensatz, in kleinen Büros typischerweise 80 bis 120 Euro.
- Dagegen: 20 bis 23 Euro im Monat fürs Werkzeug, und 4 bis 8 Stunden einmalig für die Prompt-Vorlagen.
Den zweiten, vermutlich größeren Effekt, einen zusätzlich gewonnenen Auftrag durch ein überzeugenderes Angebot, kannst du nicht vorab beziffern. Er ist plausibel, aber wir haben keinen Beleg dafür, und eine Beispielrechnung mit einem erfundenen Zusatzauftrag pro Quartal würde nur so aussehen, als hätten wir einen.
Der Haupthebel liegt nicht in der Zeitersparnis, sondern in der Angebotsqualität und der damit verbundenen Auftragserfolgsquote.
Klingt das nach eurem Alltag? Ob sich dieser Use Case bei euch rechnet, klären wir im Erstgespräch: 30 Minuten, kostenlos.
Erstgespräch anfragenDrei typische Einstiegsfehler
1. Die KI mit der HOAI-Kalkulation beauftragen. KI kann keine verlässliche HOAI-Kalkulation erstellen. Anrechenbare Kosten, Honorarzone, Basishonorarsatz, das sind strukturierte Berechnungen, für die ein validierter Rechner nötig ist. KI “schätzt” Werte, die in einem Honorarstreit problematisch werden können. Nutze KI nur für den Textteil, nicht für die Zahlen.
2. Einen allgemeinen Angebots-Prompt ohne Projektkontext verwenden. “Schreib mir ein HOAI-Angebot” liefert Boilerplate. “Schreib mir ein Anschreiben für ein Honorarangebot für ein 12-Einheiten-Mehrfamilienhaus, Bauherr ist ein privater Investor mit drei bestehenden Immobilien, das Büro wird zum zweiten Mal angefragt, Wettbewerb mit zwei anderen Büros”, das liefert einen Entwurf, den du anpassen kannst. Kontext ist die entscheidende Variable.
3. HOAI-Formulierungen aus dem KI-Output direkt übernehmen ohne Prüfung. KI kann Leistungen Phasen zuordnen, zu denen sie nicht gehören, oder “Besondere Leistungen” aus der HOAI-Anlage beschreiben, die inhaltlich unvollständig oder falsch sind. Prüfe jede Leistungsbeschreibung gegen die HOAI-Anlage, bevor du sie ins Angebot übernimmst.
Was mit der Einführung wirklich passiert
Der Einstieg ist schneller als bei anderen Use Cases in der Kategorie. Du brauchst keine technische Einrichtung, du öffnest das Tool und probierst es mit dem nächsten Angebot, das du ohnehin schreiben müsstest.
Die erste Überraschung ist oft, wie viel besser ein KI-Entwurf eines Anschreibens klingt als dein eigener Rohentwurf, nicht weil die KI mehr weiß, sondern weil du die Fakten zusammenstellst und die KI daraus strukturierten, lesbaren Text macht. Dieser erste Moment überzeugt schneller als jede Erklärung.
Die zweite Überraschung ist, dass die Angebots-Erfolgsquote schwer zu messen ist. Du weißt selten genau, warum ein Bauherr dein Angebot gewählt hat oder nicht. Manche Büros führen deshalb eine Liste: Wie viele Angebote pro Monat, wie viele Aufträge. Das ist kein perfektes Instrument, aber es schafft zumindest eine Grundlage, um die Entwicklung zu verfolgen.
Realistischer Zeitplan mit Risikohinweisen
| Phase | Dauer | Was passiert | Typisches Risiko |
|---|---|---|---|
| Erster Test | Tag 1 | Nächstes Angebot mit KI-Unterstützung schreiben, Ergebnis vergleichen | Zu hohe Erwartungen, erster Prompt oft noch nicht optimal |
| Prompt-Entwicklung | Woche 1–2 | Vorlagen für Anschreiben, Leistungsbeschreibungen, Besondere Leistungen entwickeln | Zu viel Zeit für perfekte Prompt-Formulierung statt pragmatischem Einsatz |
| Regelbetrieb | Ab Woche 2 | Jedes neue Angebot mit KI-Unterstützung, Mensch prüft und passt an | Kalkulations-Fehler weil jemand versucht KI auch die Zahlen machen zu lassen |
| Qualitätssicherung | Laufend | HOAI-Leistungsbeschreibungen im Angebot gegen Original-HOAI prüfen | Veraltete HOAI-Formulierungen wenn das Büro die HOAI nicht regelmäßig konsultiert |
Häufige Einwände, und was dahintersteckt
„Wir haben ein Angebots-Template, das gut funktioniert.” Gut, dann nutze KI, um dieses Template projektspezifisch zu befüllen. Du gibst die Eckdaten des Projekts ein, die KI füllt die variablen Textteile. Das Template bleibt, die Individualisierung wird schneller.
„HOAI-Texte müssen rechtssicher sein, das kann ich nicht der KI überlassen.” Richtig, du überlässt sie ihr auch nicht. Du lässt sie einen Entwurf formulieren, den du prüfst und anpasst. Der Unterschied zur jetzigen Praxis: du startest mit einem strukturierten Textentwurf statt mit einem leeren Blatt.
„Unsere Bauherren sind Profis, die lesen keine langen Angebotserklärungen.” Dann brauchst du kürzere, präzisere Texte, und KI hilft dabei genauso. Du kannst explizit sagen: “Formuliere knapp, kein Marketingtext, der Leser ist erfahrener Investor.”
Woran du merkst, dass das zu dir passt
- Du schreibst mehr als 2 HOAI-Angebote pro Monat, dann lohnt sich der Aufbau reproduzierbarer Prompt-Vorlagen
- Angebotsarbeit kostet dich regelmäßig mehr als 4 Stunden, und du bist danach nicht zufrieden mit dem Ergebnis
- Du verlierst Ausschreibungen gegen Büros, die aufwendigere Angebotsunterlagen präsentieren
- Du hast Schwierigkeiten, Besondere Leistungen im Angebot klar zu begründen
Wann es sich (noch) nicht lohnt, drei harte Ausschlusskriterien:
-
Weniger als 2 Angebote pro Monat. Bei sehr geringem Angebotsvolumen lohnt sich die Prompt-Entwicklung kaum. Ein Büro mit 1–2 Angeboten pro Jahr sollte das Tool für einzelne Schreibaufgaben nutzen, aber keinen systematischen Workflow aufbauen.
-
Nur öffentliche Vergabeverfahren. Architekten- und Ingenieurleistungen werden oberhalb der Schwellenwerte seit 2016 nicht mehr nach der VOF vergeben, sondern nach den §§ 73 bis 80 VgV. Dort gibt es strenge Formvorgaben, die KI-generierte Texte nicht zuverlässig einhalten. Wer ausschließlich im öffentlichen Sektor akquiriert, hat weniger Spielraum für Individualformulierungen.
-
Keine Bereitschaft, die Kalkulation extern zu validieren. Wenn das Büro die HOAI-Kalkulation bisher nach Schätzung oder Erfahrungswerten macht und keinen verlässlichen Rechner nutzt, löst KI das Grundproblem nicht, und kann es verschlimmern, wenn KI für die Zahlen benutzt wird.
Das kannst du heute noch tun
Nimm ein bestehendes, bereits abgeschicktes Honorarangebot aus den letzten Monaten. Lade es in Claude oder ChatGPT hoch und bitte um eine überarbeitete Version mit dem Hinweis: “Formuliere das Anschreiben so um, dass ein Bauherr ohne Architektenkenntnisse versteht, was er für sein Geld bekommt, klar, ohne Fachbegriffe, ohne Floskeln.” Vergleiche beide Versionen.
Das dauert 15 Minuten und zeigt dir direkt, ob der Ansatz für dein Büro funktioniert.
Für die projektspezifische Angebotsarbeit findest du hier einen Prompt, der für die meisten Angebotssituationen funktioniert:
Mitarbeiter:in
KI-Assistent
Quellen & Methodik
- HOAI, Honorartafeln als Orientierungswerte: § 2a HOAI, „Die Honorartafeln dieser Verordnung weisen Orientierungswerte aus”, und § 6 Absatz 1, „Honorartafel zur Honorarorientierung” (gesetze-im-internet.de/hoai_2013/__2a.html, __6.html, abgerufen am 18.09.2026).
- HOAI, Honorarvereinbarung und Hinweispflicht: § 7 Absatz 1 und 2 HOAI, Textform, Basishonorarsatz als Auffangregel, Hinweispflicht gegenüber Verbrauchern (gesetze-im-internet.de/hoai_2013/__7.html, abgerufen am 18.09.2026).
- HOAI, anrechenbare Kosten: § 4 Absatz 1 HOAI verweist für die Kostenermittlung ausdrücklich auf DIN 276-1:2008-12 (gesetze-im-internet.de/hoai_2013/__4.html, abgerufen am 18.09.2026).
- EuGH zur Verbindlichkeit der Mindest- und Höchstsätze: Urteil vom 4. Juli 2019, Rechtssache C-377/17, Kommission gegen Bundesrepublik Deutschland, Verstoß gegen Artikel 15 Absatz 1, 2 Buchstabe g und 3 der Richtlinie 2006/123/EG (eur-lex.europa.eu, CELEX 62017CJ0377, abgerufen am 18.09.2026).
- EuGH zu Altverträgen: Urteil vom 18. Januar 2022, Rechtssache C-261/20, Thelen Technopark Berlin GmbH gegen MN (eur-lex.europa.eu, CELEX 62020CJ0261, abgerufen am 18.09.2026).
- Leistungsbild Gebäude und Innenräume: HOAI, Anlage 10 „Grundleistungen im Leistungsbild Gebäude und Innenräume, Besondere Leistungen, Objektlisten”, zu § 34 Absatz 4 und § 35 Absatz 7 (gesetze-im-internet.de/hoai_2013/anlage_10.html, abgerufen am 18.09.2026).
- Vergabe von Planungsleistungen: §§ 73 bis 80 VgV, Architekten- und Ingenieurleistungen (gesetze-im-internet.de/vgv_2016, abgerufen am 18.09.2026).
- BKI Honorarermittler 2026: Preisangabe ab 299 € netto, 355 € brutto, kostenlose Testversion (bki.de, abgerufen am 18.09.2026). Die 269 € gehören zum Sparpaket BKI Baukosten Neubau.
- HOAI-Rechner: kostenloser Online-Rechner der HOAI.de GmbH (hoai.de, abgerufen am 18.09.2026).
- Toolpreise: Stand unserer Toolseiten, siehe ChatGPT , Claude und Perplexity .
- Nicht belegbar und deshalb nicht mehr auf dieser Seite: eine durchschnittliche Stundenzahl pro Honorarangebot und eine Angebotserfolgsquote mit und ohne KI. Eine frühere Fassung berief sich dafür auf eine „Praxisbefragung der Architektenkammer NRW 2023” auf kammerweb.de. Diese Befragung ist weder bei der Kammer auffindbar noch existiert die genannte Domain.
- Keine Rechtsberatung. Dieser Text ordnet die HOAI ein, er ersetzt keine Prüfung des Einzelfalls und keine Auskunft deiner Architektenkammer.