X-Rite Autura Ink
X-Rite Incorporated
X-Rite Autura Ink ist eine cloudbasierte Plattform für KI-gestützte Tinten- und Farbrezeptierung in der Druckindustrie. Sie berechnet automatisch Startrezepturen für Sonder- und Prozessfarben auf Basis von Spektralmessungen und einer lernenden Farb-Datenbank — und reduziert damit den Rüstaufwand beim Einrichten von Sonderfarben erheblich.
Kosten: Cloud-basiertes Subscription-Modell; Preise auf Anfrage; Autura Ink ersetzt die klassische InkFormulation-Software und bietet modulare Pakete für Drucker und Farbhersteller
Stärken
- KI-Farbrezeptierung berechnet Startrezepturen direkt aus Spektralmessdaten — erheblich genauer als manuelle Annäherung
- Cloud-basiert: Farb-Datenbank wächst mit jeder neuen Messung und verbessert kontinuierlich die Trefferquote
- Kompatibel mit X-Rite-Spektralphotometern (eXact, SpectroEye) — direkter Messgeräte-Workflow ohne manuelle Dateneingabe
- Abdeckung verschiedener Substrate und Druckprozesse: Offset, Flexo, Tiefdruck
- Erstellt erstmalig präzise Rezepturen aus CIELab-Werten ohne physische Farbstandards (SmartInk-Engine, 2026)
Einschränkungen
- US-Datenhostung — für DSGVO-sensible Produktionsdaten relevant; AVV verfügbar, aber keine EU-Region
- Erfordert X-Rite-kompatible Spektralphotometer — Investition in Hardware nötig, falls nicht vorhanden
- Englischsprachige Oberfläche — kein Deutsch verfügbar
- Vollständiger Nutzen erst nach einer Lernphase mit Messdaten der eigenen Druckmaschinen und Substrate
- Preise nicht transparent — Angebotsprozess über Vertrieb
Passt gut zu
Kurzfazit
X-Rite Autura Ink ist die konsequente Weiterentwicklung der bewährten InkFormulation-Software in die Cloud — mit KI-Optimierung, die kontinuierlich aus Messungen lernt. Für Verpackungsdruckereien und Etikettendrucker, die regelmäßig Sonderfarben einrichten, ist es die direkteste Möglichkeit, Rüstversuche und Farbverschnitt deutlich zu reduzieren. Die US-Datenhaltung und die fehlende deutsche Oberfläche sind bei europäischen Druckereien die relevanten Einschränkungen.
Für wen ist X-Rite Autura Ink?
Verpackungsdruckereien: Wer täglich neue Sonderfarben für verschiedene Substrat-Auftraggeber-Kombinationen einrichten muss, hat den höchsten Nutzen — jeder eingesparte Rüstversuch rechnet sich bei den Farbkosten schnell.
Etikettendrucker und Flexo-Betriebe: Häufige Farbwechsel, knappe Rüstzeiten, teure Sonderfarben — Autura Ink ist für diesen Anwendungsfall entwickelt.
Betriebe mit eigenem Farblabor: Ohne X-Rite-kompatibles Spektralphotometer fehlt die Grundlage für die KI-Rezeptierung. Wer bereits eines hat, kann sofort einsteigen.
Wer anderswo schauen sollte: Offset-Druckereien, die hauptsächlich Vierfarbdruck ohne Sonderfarben machen, haben wenig Nutzen. Betriebe ohne Spektralphotometer müssen zuerst in Hardware investieren.
Preise im Detail
| Paket | Zielgruppe | Hinweis |
|---|---|---|
| Autura Ink — Drucker-Edition | Druckereien, Etikettendrucker | Preise auf Anfrage, Subscription |
| Autura Ink — Farbhersteller-Edition | Farbmischereien, Lieferanten | Erweiterte Rezeptur-DB, Preise auf Anfrage |
| InkFormulation PrinterBasic (Legacy) | Kleine Druckereien | Günstigerer Einstieg, ohne KI-Lernfunktion |
Einordnung: Für aktuelle Preise direkt bei X-Rite oder einem autorisierten Distributor anfragen. Autura Ink wurde auf der drupa 2024 lanciert und ist noch nicht in allen Märkten verfügbar.
Stärken im Detail
KI-Rezeptiergenauigkeit. Das System lernt aus den Messungen deiner spezifischen Maschinen und Substrate. Je mehr Messdaten vorliegen, desto genauer trifft die erste berechnete Startrezeptur das Ziel — in der Praxis können damit 3–5 Rüstversuche auf 1–2 reduziert werden.
Spektralmessung als Grundlage. Statt visueller Annäherung und Erfahrungswerten arbeitet Autura Ink mit messbaren Delta-E-Werten. Damit ist der Prozess dokumentierbar und reproduzierbar — wichtig für Brand-Color-Konsistenz über mehrere Produktionen hinweg.
CIELab-zu-Rezeptur ohne Referenzprobe. Die neue SmartInk-Funktion (2026) berechnet Rezepturen direkt aus Lab-Vorgaben, ohne dass eine physische Referenzprobe vorliegen muss. Das beschleunigt den Workflow für neue Aufträge erheblich.
Schwächen ehrlich betrachtet
US-Datenhaltung. Autura Ink ist cloudbasiert und verarbeitet Daten auf US-Servern. Für Verpackungsdruckereien, die für Kunden aus regulierten Branchen (Lebensmittel, Pharma) produzieren, kann das DSGVO-relevant sein. X-Rite bietet einen AVV, aber keine EU-Region.
Lernphase nötig. Der volle KI-Nutzen entfaltet sich erst nach einer Einlernphase mit Messdaten der eigenen Produktion. Neu eingeführt liefert das System Standardrezepturen — nicht schlechter als bisherige Methoden, aber noch nicht besser.
Alternativen im Vergleich
| Wenn du … willst | Nimm stattdessen |
|---|---|
| Günstigeren Einstieg ohne Cloud | X-Rite InkFormulation Desktop (Legacy) |
| EU-Datenhaltung für Farbmanagement | Datacolor Match Pigment (prüfen) |
| Grundlegendes Farbmanagement ohne Sonderfarben-Fokus | ICC-Profilsoftware wie ColorThink |
So steigst du ein
Schritt 1: Prüfe, ob deine Spektralphotometer X-Rite-kompatibel sind (eXact, SpectroEye, SpectroDens). Wenn ja, kann die Messdaten-Migration direkt beginnen. Wenn nein, kalkuliere die Hardware-Investition als Teil des Projekts.
Schritt 2: Starte mit einer definierten Sonderfarben-Kategorie (z.B. Pantone-Farben auf eurem häufigsten Substrat). Miss alle historischen Aufträge nach und lade die Daten in Autura Ink — das ist die Grundlage für das KI-Training.
Schritt 3: Bei den nächsten 10–20 neuen Sonderfarben-Aufträgen: Erstrezeptur aus Autura berechnen, Messung nach erstem Druck, Ergebnis zurückfliessen lassen. Nach dieser Einlernphase ist die Trefferquote der Startrezeptur deutlich höher als beim Start.
Ein konkretes Beispiel
Eine Verpackungsdruckerei in der Schweiz mit Fokus auf Lebensmittel-Etiketten stellt auf Autura Ink um. Sonderfarben-Einrichtung: Vorher 4–6 Rüstversuche à 15 Minuten pro neue Farbe, nachher im Durchschnitt 1–2 Versuche. Farbverschnitt reduziert um ca. 60 %. Rüstzeit für Sonderfarben-Aufträge insgesamt um ca. 40 % gesunken. Amortisation der Softwarekosten nach ca. 6 Monaten durch eingesparten Farbverbrauch.
DSGVO & Datenschutz
- Cloud-Hosting: US-basiert (X-Rite, Instrument Systems) — kein EU-Rechenzentrum verfügbar
- AVV: X-Rite stellt Auftragsverarbeitungsvertrag auf Anfrage bereit
- Empfehlung: Für Verpackungsdruck mit sensiblen Kundendaten (z.B. pharmazeutische Etiketten) DSGVO-Bewertung mit Datenschutzbeauftragten vor Einführung durchführen
Gut kombiniert mit
- callas pdfToolbox — Farbprofil-Prüfung der Druckdaten vor Produktion, komplementär zur Farbrezeptierung
- Enfocus Switch — Workflow-Integration, die Sonderfarben-Aufträge automatisch zur Rezeptierungsprüfung routet
Unser Testurteil
3 von 5 Sternen. X-Rite Autura Ink ist die überzeugendste KI-Lösung für Sonderfarben-Rezeptierung — aber die US-Datenhaltung und die fehlende Preistransparenz sind für europäische Druckereien echte Hürden. Für Verpackungsdruckereien mit hohem Sonderfarbenanteil, eigenem Spektralphotometer und unkritischer DSGVO-Situation ist es eine starke Investition.
Was wir bemerkt haben
- drupa 2024 — Autura Ink-Plattform erstmals öffentlich vorgestellt; löst die klassische Desktop-Software InkFormulation ab.
- Februar 2026 — SmartInk-Engine erweitert: Präzise Rezepturen direkt aus CIELab-Werten ohne physische Referenzprobe möglich.
- Preisstruktur für Autura Ink bisher nicht öffentlich — nur auf Anfrage verfügbar.
Diesen Inhalt teilen:
Empfohlen in 1 Use Cases
Druckerei & Medienservice
Redaktionell bewertet · Preise und Funktionen können sich ändern.
Stimmt etwas nicht?
Preise geändert, Feature veraltet oder etwas fehlt? Wir freuen uns über Hinweise und Ergänzungen.
Weitere Tools
callas pdfToolbox
callas software GmbH
callas pdfToolbox ist die führende Preflight- und PDF-Korrektur-Software für Druckereien und Druckvorstufen-Teams. Sie prüft PDFs automatisch auf über 200 Druckfehler und korrigiert viele davon selbstständig — von falschen Farbprofilen über Auflösungsprobleme bis zu fehlenden Beschnittzugaben.
Mehr erfahrenSNAG TAL
TAL Unternehmensgruppe
Digitale Protokoll- und Abnahmelosung spezialisiert auf Möbel- und Innenausbau-Branche. Automatisiert Reklamationserfassung und Dokumentation auf der Baustelle per Tablet oder Smartphone.
Mehr erfahrenSolibri
Solibri Oy
Solibri ist die führende BIM-Model-Checking-Software für Qualitätssicherung, Koordination und Normenprüfung im Bauwesen. Die Plattform prüft IFC-Modelle auf Kollisionen, Barrierefreiheit, Brandschutz und Regelkonformität — und ist seit über zwei Jahrzehnten Standard bei komplexen Bauprojekten in Europa.
Mehr erfahren