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Freemium 🇺🇸 US-Server Zuletzt geprüft: Juni 2026

Tomorrow.io

Tomorrow.io, Inc.

4/5
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KI-gestützte Wetter-Intelligence-Plattform aus Boston (vormals ClimaCell) mit eigenen ML-Modellen für hyperlokale Vorhersagen, Nowcasting im 15-Minuten-Raster und operative Risikobewertung. Stark in Logistik, Luftfahrt, Versicherung, Bauwesen und Landwirtschaft, überall dort, wo Wetterereignisse Geld kosten. Free-Tier reicht für Prototypen, ernsthafte Produktivnutzung läuft über Enterprise-Verträge.

Kosten: Free-Plan kostenlos (5-Tage-Vorhersage, 24h Historie, 1 überwachte Location, 1 Wetter-Alert, begrenzte API-Calls). Enterprise-Plan auf Anfrage (14-Tage-Vorhersage, Premium-Layer wie Luftqualität, Pollen, Blitz, Strahlung, Routen-Wetter, minutengenaue Auflösung, SAML-SSO, SLAs). Bisherige Self-Service-Stufen wie Basic und Growth (~250 USD/Monat) wurden weitgehend in den Enterprise-Vertrieb überführt, Self-Service-Tarife bestehen aktuell faktisch aus Free und Custom Enterprise.

Stärken

  • Eigene ML-Wettermodelle (proprietäres GFS-Backbone plus Radar- und Satelliten-Fusion), nicht nur Repackaging öffentlicher Daten
  • Hyperlokales Nowcasting im 15-Minuten-Raster, Genauigkeit auf wenige Kilometer und Minuten
  • Operational Insights: vorgefertigte Branchen-Templates (Logistik, Luftfahrt, Bau, Energie) mit Wirkungsschwellen statt nur Rohdaten
  • Premium-Layer für Luftqualität, Pollen, Blitzschlag, Solarstrahlung und Wegfeuchtigkeit
  • Custom Weather Alerts und Routen-Wetter (entlang Polylinien), gezielt für Flotten- und Lieferketten
  • Sauber dokumentierte REST-API mit SDKs für JavaScript, Python und Java

Einschränkungen

  • Datenhosting in den USA, keine native EU-Region für Tomorrow.io selbst
  • Mittlere Self-Service-Stufen wurden 2024/2025 weitgehend abgeschafft, der Sprung Free → Enterprise ist hoch
  • Genauigkeit in Mitteleuropa solide, aber DWD-Modelle sind in Deutschland regional teils präziser
  • Free-Tier ist eng (1 Location, 1 Alert, 5-Tage-Vorhersage), produktiv nicht nutzbar
  • Branchen-Insights sind US-zentriert, manche Schwellenwerte (Schneehöhe, Frost-Definition) müssen für DACH justiert werden
  • Keine deutschsprachige Oberfläche, kein deutschsprachiger Support

Passt gut zu

Logistikunternehmen Versicherer Bauunternehmen Energieversorger Landwirtschaft Drohnen-Operationen Veranstalter Luftfahrt

Wann ja, wann nein

Wann ja

  • Du brauchst hyperlokale Wettervorhersagen mit 15-Minuten-Auflösung und Nowcasting für Operations
  • Du willst Wetterrisiken automatisch in Geschäftsentscheidungen einspeisen (Routen, Wartung, Ernte, Baustopp)
  • Du baust eine eigene Software, die Wetterdaten als Layer braucht, und willst nicht selbst meteorologische Modelle pflegen
  • Du brauchst Premium-Layer wie Luftqualität, Pollenflug, Solarstrahlung oder Blitz-Tracking

Wann nein

  • Du brauchst nur eine Wetter-Anzeige im Frontend, der DWD-OpenData-Service oder Open-Meteo reichen meist und sind kostenlos
  • Du hast strikte DSGVO-Anforderungen ohne US-Datentransfer-Konstrukt
  • Dein Use-Case ist primär in DACH und du brauchst die Modellgüte des DWD am Boden
  • Du hast kein Entwickler-Team, das eine REST-API anbinden kann

Kurzfazit

Tomorrow.io ist die bekannteste KI-Wetter-Intelligence-Plattform der Welt, gegründet 2016 als ClimaCell, 2021 umbenannt, mit Sitz in Boston und einer eigenen Satelliten-Konstellation in Vorbereitung. Statt nur frei verfügbare Wettermodelle (GFS, ECMWF) durchzureichen, fusioniert Tomorrow.io diese mit Radar, Satellitenbildern, IoT-Sensoren und proprietären ML-Modellen zu hyperlokalen Vorhersagen im 15-Minuten-Raster und liefert vorgefertigte Operational Insights für Branchen, in denen Wetter direkt Geld bedeutet. Der Free-Plan eignet sich für Prototypen, ernsthafte Produktivnutzung läuft praktisch ausschließlich über den Enterprise-Vertrieb, die früher beworbene mittlere Self-Service-Stufe ist 2024/2025 weitgehend verschwunden. Für DACH-Anwender mit harten DSGVO-Anforderungen ist das US-Hosting die zentrale Hürde; wer die rechtlich verhandeln kann, bekommt eine der ausgereiftesten Wetter-APIs am Markt.

Für wen ist Tomorrow.io?

Logistik- und Lieferketten-Teams: Wetter ist die Nummer-Eins-Ursache für Verspätungen im Straßen-, See- und Luftgüterverkehr. Tomorrow.io liefert Routen-Wetter entlang Polylinien (Zeit-getriggert), automatische Alerts auf Schwellenwerten (Glatteis, Sturm, Überschwemmung) und Operational Insights, die direkt Disposition und ETA-Berechnung beeinflussen können.

Versicherer und Schadenregulierer: Für Sturm-, Hagel- und Flutschäden ist die exakte Lokalisierung des Ereignisses kritisch. Tomorrow.io kombiniert Radarhistorie mit ML-basierter Schadenwahrscheinlichkeit, eine Schadensmeldung „Hagel am Standort X um 16:42 Uhr” lässt sich gegen die tatsächliche Wettersituation prüfen.

Bauunternehmen und Generalunternehmer: Beton, Estrich, Asphalt und Hochbau-Tätigkeiten haben enge Wetterfenster. Wer 24-Stunden-Vorhersagen mit Wirkungsbewertung („Frost-Risiko Klasse 2: nicht betonieren”) in die Tagesplanung integriert, vermeidet Schadensfälle und verschwendete Logistik.

Energieversorger und Netzbetreiber: Solar- und Wind-Erzeugungsprognosen, Lastspitzenvorhersagen und Vegetations-Risiko an Stromleitungen profitieren von höher aufgelöster Wetterdaten als sie öffentliche Quellen bieten. Insbesondere Solarstrahlungs-Layer und Wind-Modelle sind deutlich detaillierter als der DWD-Standard.

Landwirtschaft und Agrar-Software: Saat, Ernte, Spritzfenster und Bewässerungssteuerung lassen sich auf 15-Minuten-Niveau planen. Bodenfeuchtigkeit, Verdunstung und Frost-Risiken sind als eigene Layer abrufbar, ein Vorteil für agrar-software-as-a-service-Anbieter wie xarvio oder Climate FieldView-Konkurrenten.

Drohnen- und UAV-Operationen: Wind in 30 m Höhe, Sichtweite, Niederschlag und Vereisungsrisiko entscheiden über Flugfreigabe. Tomorrow.io liefert mehrere Höhen-Layer und Mikro-Wetter, die für BVLOS-Operations (Beyond Visual Line of Sight) zwingend benötigt werden.

Weniger geeignet für: Reine Endnutzer-Wetter-Apps (überdimensioniert und teuer, dann lieber Open-Meteo oder DWD), kleine Webseiten mit Wetter-Widget (kostenlose Alternativen reichen), Behörden mit harten Souveränitätsanforderungen (US-Hosting kollidiert mit Anforderungen) und Teams ohne Entwicklerkapazität.

Preise im Detail

PlanPreis (USD)Was du bekommst
Free05-Tage-Vorhersage, 24h historische Daten, 1 überwachte Location, 1 Wetter-Alert, Branchen-Templates, begrenztes API-Call-Kontingent
EnterpriseAuf Anfrage14-Tage-Vorhersage, alle Premium-Layer (Luftqualität, Pollen, Solar, Blitz, Wegfeuchtigkeit u. a.), Routen-Wetter, minutengenaue Auflösung, mehrere Location-Typen (Punkt, Polygon, Polyline), Custom Alerts, SAML-SSO, dedizierter Support, SLAs

Einordnung: Tomorrow.io ist 2024/2025 von einem klassischen Stufen-Modell (Free → Basic → Growth → Enterprise) auf einen bipolaren Ansatz umgeschwenkt: Free für Evaluierung, alles andere via Sales. Frühere Growth-Plans um 250 USD/Monat existieren noch in einigen Bestandsverträgen, werden öffentlich aber nicht mehr beworben. Reale Enterprise-Verträge liegen, abhängig von API-Volumen, Locations und Premium-Layern, typischerweise im mittleren vier- bis fünfstelligen USD-Bereich pro Monat. Für Startups mit kleinem Budget gibt es informell ein „Startup Program” mit reduzierten Tarifen, danach fragen lohnt sich. Wer das Budget nicht hat oder ihn nicht braucht, kommt mit Open-Meteo (kostenlos, EU-gehostet) oder DWD OpenData in vielen DACH-Use-Cases erstaunlich weit.

Stärken im Detail

Eigenes ML-Modell, nicht nur Repackaging. Viele Wetter-APIs am Markt sind im Kern Re-Distributoren öffentlicher Modelle (NOAA GFS, ECMWF). Tomorrow.io fährt einen anderen Ansatz: Eigene Modelle, die GFS und ECMWF mit Radar, Satelliten, IoT-Stationen und proprietären Beobachtungsdaten fusionieren, zusätzlich angereichert um ML-basierte Korrekturen. Das Resultat ist insbesondere bei kurzen Vorhersagehorizonten (Nowcasting bis 6 Stunden) messbar präziser als reine GFS-Re-Distributionen.

Nowcasting im 15-Minuten-Raster. Klassische Wettervorhersagen liefern stündliche Werte. Tomorrow.io geht deutlich feiner: 15-Minuten-Auflösung für die nächsten Stunden, in einigen Premium-Tiers sogar minutengenau. Für Disposition (Lieferfahrer in 20 Minuten am Ziel, regnet’s da?), Logistik-Cutoffs und kurzlebige Events (Outdoor-Veranstaltung, Drohnenflug) ist das ein qualitativer Unterschied.

Operational Insights mit Branchen-Templates. Statt Rohdaten („18 °C, 4 mm Regen”) liefert Tomorrow.io fertig interpretierte Klassifikationen: „Bauarbeiten: Risiko niedrig”, „Solarproduktion: 85 % der Kapazität”, „Wind-Drohnen: Operations gestoppt”. Diese Insights sparen erhebliche Implementierungsarbeit, Schwellenwerte und Wirkungslogik sind branchenüblich vor-modelliert.

Premium-Layer jenseits von Standard-Wetter. Luftqualität (PM2.5, PM10, Ozon), Pollenflug nach Pflanzenart, Blitz-Tracking in Echtzeit, Solarstrahlung (GHI, DNI, DHI), Wegfeuchtigkeit für Straßenmanagement, marine Wetter, Sicht, die Layer-Tiefe übertrifft die meisten Konkurrenten. Wer eine spezialisierte Anwendung baut, findet die meisten benötigten Daten unter einem Dach.

Routen-Wetter als Differenzierungsmerkmal. Klassische APIs antworten auf einen Punkt. Tomorrow.io kann eine gesamte Polyline (Lkw-Route, Flugkorridor, Schiffsroute) als Anfrage entgegennehmen und das Wetter entlang der Route zeit-synchron zurückgeben, also wirklich „Was erwartet uns, wenn wir diese Strecke jetzt starten?”. Für Flotten-Anwendungen ist das ein erheblicher Hebel.

Sauberer Developer-Stack. REST-API mit klarer JSON-Struktur, offizielle Client-SDKs für JavaScript/Node, Python und Java, gute API-Doku mit interaktivem Playground, OpenAPI-Spezifikation und Beispiel-Repos auf GitHub. Wer Schnittstellen-Anbindungen kennt, integriert die Plattform in einem Tag.

Schwächen ehrlich betrachtet

US-Hosting als DSGVO-Hürde. Tomorrow.io ist ein US-Unternehmen und betreibt seine Infrastruktur in US-Cloudregionen. Eine native EU-Region wird seit Jahren in Aussicht gestellt, wird aber Stand Juni 2026 öffentlich nicht beworben. Für DSGVO-relevante Workloads (Personendaten in Anfragen, Lokalisierung von Mitarbeitenden, behördliche Anwendungen) bedeutet das Standardvertragsklauseln, Transfer Impact Assessment und ggf. Verzicht. Der Sprung in einen Enterprise-Vertrag bringt zwar AVV, aber löst die Hosting-Frage nicht.

Self-Service-Mittelschicht ist faktisch verschwunden. Wer 2022 auf einen 250-USD-Growth-Plan setzte, wurde 2024/2025 zunehmend in Enterprise-Sales-Gespräche gedrängt. Heute ist die öffentliche Pricing-Seite bipolar: Free oder Enterprise, und Enterprise-Verträge starten je nach Volumen typischerweise im mittleren vier- bis fünfstelligen USD-Bereich pro Monat. Für KMU mit 50 €/Monat-Budget ist die Plattform damit häufig schlicht zu teuer.

Modellgüte in Mitteleuropa vs. DWD. Das proprietäre Modell von Tomorrow.io ist global stark, für Deutschland aber konkurriert es gegen den Deutschen Wetterdienst (ICON-D2 mit 2 km Auflösung), der mit lokalem Stations-Netz, Wetterradar und langer Erfahrung in spezifischen Regionen oft präziser ist. Studien zeigen: Für reine Niederschlags-Vorhersagen in DACH liegt der DWD häufig vorne. Tomorrow.ios Vorteile spielen sich vor allem aus, wo DWD-Daten nicht verfügbar sind (anderswo) oder Branchen-Insights gefragt sind.

US-zentrierte Schwellen in den Operational Insights. Die fertigen Branchen-Insights sind in den USA kalibriert. „Frost-Risiko” verwendet andere Schwellen als in DACH üblich, „Schneefall-Schwere” basiert auf US-amerikanischer Klassifikation. Für ernsthafte Anwendungen müssen Schwellenwerte angepasst werden, das geht (über Custom Insights), aber kostet Zeit und ist nicht trivial.

Free-Plan ist real eng. 1 überwachte Location, 1 Alert, 5-Tage-Vorhersage und ein bescheidenes API-Call-Kontingent reichen kaum für eine seriöse Evaluation. Wer ein Konzept-PoC bauen will, stößt schnell an Limits, und der nächste Schritt ist direkt der Vertriebsanruf.

Keine deutschsprachige Unterstützung. Oberfläche, Dokumentation und Support laufen ausschließlich auf Englisch. Für Entwickler kein Hindernis; für Fachabteilungen, die Operational Insights direkt nutzen wollen, kann es einer sein. Branchen-Spezifika auf deutsch-spezifischen Begrifflichkeiten (Forst, Fischerei, deutsches Bauwesen) sind nicht vor-modelliert.

Alternativen im Vergleich

Wenn du……nimm stattdessen
Eine kostenfreie, EU-gehostete Wetter-API für PoCs willstOpen-Meteo
Mit deutschen DWD-Stations-Daten und DWD-Modellen arbeitestDWD OpenData
Generelle Workflow-Automation mit Wetter-Trigger brauchstn8n
Cloud-Backend-Wetterdaten in Azure verarbeiten willstAzure OpenAI Service
Eine schnelle No-Code-Anbindung suchstZapier

Erwähnenswert ohne eigene Tool-Seite: OpenWeatherMap (Generalist mit großzügigem Free-Tier, schwächeres Nowcasting), Visual Crossing (gute Historie und faires Pricing), AccuWeather Enterprise (US-Marktführer im Premium-Segment), Meteomatics (Schweizer Anbieter mit starker EU-Positionierung und API-Zugang zu zahlreichen Modellen), Weather Company API (IBM, an Enterprise gerichtet) und MeteoBlue (deutschsprachige Schweizer Alternative mit guter Modellauswahl). Für reine DACH-Anwendungen ist die Kombination DWD + Meteomatics oder Open-Meteo häufig kostengünstiger und DSGVO-näher als Tomorrow.io, Tomorrow.ios Stärke spielt sich primär bei globalem Geschäft, hyperlokalem Nowcasting und Branchen-Insights aus.

So steigst du ein

Schritt 1: Free-Account anlegen und API-Key holen. Auf tomorrow.io registrieren, im Developer-Bereich einen API-Key erzeugen und mit dem interaktiven Playground den ersten Aufruf abschicken. Eine simple Anfrage (location=lat,lon&fields=temperature,precipitationIntensity&timesteps=15m) liefert sofort verwertbares JSON. So erkennst du in zehn Minuten, ob Datenstruktur und Layer-Tiefe für deinen Use-Case passen.

Schritt 2: Branchen-Insight in Sandbox testen. Statt Rohdaten zu interpretieren, lass dir direkt einen Operational Insight liefern, z. B. „Construction Insight” oder „Logistics Insight” für eine Beispiel-Location. Vergleiche das Ergebnis mit deiner eigenen Erwartung. Wenn die Klassifikation für deinen Anwendungsfall überzeugt, sparst du erhebliche Implementierungsarbeit. Wenn nicht, brauchst du Custom Insights, das ist ein Enterprise-Feature.

Schritt 3: PoC mit echtem Daten-Set bauen. Lade z. B. 30 Tage historische Routen oder Standorte deines Geschäfts und vergleiche Tomorrow.io-Daten mit deinen tatsächlichen Ereignissen (Verspätungen, Schäden, Ausfällen). Erst dieser Backtest zeigt, ob die Modellgüte für deine Region tatsächlich Mehrwert liefert. Plane dafür 1 bis 2 Entwickler-Wochen ein.

Schritt 4: Enterprise-Gespräch mit klaren Zahlen führen. Erst wenn du PoC-Ergebnisse hast (Volumen pro Tag, benötigte Layer, kritische Locations), gehst du in den Sales-Prozess. Tomorrow.io verhandelt deutlich besser, wenn du ein konkretes Volumen und einen Business-Case darstellen kannst, und das Startup Program ist ein Verhandlungshebel, falls du qualifizierst.

Ein konkretes Beispiel

Ein KEP-Dienstleister in Düsseldorf (Kurier-, Express- und Paketdienst, ca. 900 Fahrer im Rheinland) integriert Tomorrow.io in seine Disposition-Software. Workflow: Jede Tour, die morgens disponiert wird, schickt ihre Polyline an die Tomorrow.io-Routen-API; das Backend bekommt entlang der Strecke eine 15-Minuten-aufgelöste Wetterprognose plus „Logistics Insight” mit Risiko-Klassifikation. Bei Klassifikation „Glätte hoch” werden Touren automatisch um 30 Minuten verzögert oder umgeroutet (Autobahn statt Bundesstraße). Bei Sturm-Warnung gehen Push-Nachrichten an die Fahrer. Spürbarer Effekt nach 6 Monaten: Wetterbedingte Schäden an Fahrzeugen sanken um 22 %, ETA-Genauigkeit der Sendungen verbesserte sich um 8 Prozentpunkte, Krankschreibungen nach Glätteunfällen fielen messbar. Kosten: Enterprise-Vertrag im niedrigen vierstelligen Eurobereich pro Monat. Caveat: Für Niederschlagsmenge im Rheinland kalibrierte das Team intern die Schwellen nach, die US-Defaults waren zu lax für die Anforderungen des deutschen Verkehrs.

DSGVO & Datenschutz

  • Datenhosting: USA (US-amerikanisches Unternehmen, Sitz Boston). Eine native EU-Region wird Stand Juni 2026 öffentlich nicht beworben, frühere Ankündigungen wurden mehrfach verschoben.
  • Datenfluss: Anfragen an die API enthalten in der Regel keine personenbezogenen Daten, sondern Geo-Koordinaten und Zeitstempel. Sofern Locations Mitarbeitende oder Kunden identifizieren (z. B. Hausadressen in einer Lieferroute), sind sie aber DSGVO-relevant.
  • Auftragsverarbeitung (AVV): Für Enterprise-Kunden verfügbar. Im Free-Plan steht keine AVV-Vereinbarung zur Verfügung, produktive Nutzung mit personenbezogenen Daten ist im Free-Plan rechtlich kaum tragfähig.
  • Standardvertragsklauseln und TIA: Für DSGVO-konforme Nutzung mit personenbezogenen Daten erforderlich. Tomorrow.io stellt SCC und Hilfestellung für Transfer Impact Assessments zur Verfügung, das verhandelte Niveau ist marktüblich, aber kein Ersatz für EU-Hosting.
  • Zertifizierungen: Tomorrow.io wirbt mit Sicherheits-Zertifizierungen (u. a. SOC 2). Die genaue Liste und der jeweils aktuelle Stand sollten vor Vertragsabschluss direkt beim Anbieter im Trust Center bestätigt werden, da wir den Stand nicht aus einer öffentlich abrufbaren Quelle gegenprüfen konnten. Für Compliance-getriebene Branchen (Finanzen, kritische Infrastruktur) ist dieser Nachweis ein wichtiger Baustein.
  • Datennutzung für Modelltraining: Anfragen werden grundsätzlich nicht zur Modellverbesserung verwendet, Aggregat-Telemetrie aber zu Performance-Zwecken genutzt. Im Enterprise-Vertrag verhandelbar.
  • Empfehlung für Unternehmen: Für nicht-personenbezogene Geo-Anfragen (Standortwetter ohne Personenbezug) unproblematisch nutzbar mit Enterprise-AVV. Für Workflows, die personenbezogene Daten enthalten, sollte zusätzlich geprüft werden, ob eine EU-Alternative (Meteomatics, Open-Meteo, DWD) ausreichend ist.

Gut kombiniert mit

  • n8n, Wetter-Trigger als Workflow-Auslöser für Logistik, Marketing oder Operations. Wenn Tomorrow.io „Sturm in Region X” meldet, startet n8n ein automatisches Disposition-Update, eine Kundenkommunikation oder eine ERP-Aktualisierung. Native HTTP-Knoten machen die Anbindung trivial.
  • Azure OpenAI Service, Wetterdaten kombiniert mit Sprachmodell für natürlichsprachige Erklärungen oder Lageberichte. „Erkläre dem Disponenten in zwei Sätzen, warum Tour 47 verschoben wird”, die Daten kommen von Tomorrow.io, der Text von einem LLM in EU-Region.
  • Zapier, schneller No-Code-Pfad für kleine Use-Cases: Wetter-Alert in Slack, automatische E-Mail an Außendienst-Mitarbeitende, Update einer Google-Sheet-Übersicht. Für Prototypen und Fachabteilungen ohne Entwicklerkapazität sinnvoll.

Unser Testurteil

Tomorrow.io verdient 4 von 5 Sternen. Es ist eine technisch ausgereifte, breit aufgestellte und tatsächlich KI-getriebene Wetter-Intelligence-Plattform mit echten Differenzierungsmerkmalen (Nowcasting, Operational Insights, Routen-Wetter, Premium-Layer). Den fünften Stern verlieren wir aus drei Gründen: Das US-Hosting ist für DSGVO-Anwender eine wiederkehrende Hürde und wird seit Jahren nicht gelöst. Die bipolare Preisstruktur (Free oder Enterprise) lässt KMU und Mittelstand ohne sinnvollen Self-Service-Pfad zurück. Und für rein DACH-fokussierte Use-Cases ist die Modellgüte gegenüber DWD-basierten Lösungen kein automatischer Gewinner. Trotzdem: Wer eine globale, hyperlokale, branchenintegrierte Wetter-Plattform braucht, gerade in Logistik, Versicherung und Energie, sollte Tomorrow.io ernsthaft evaluieren. Es ist die Plattform mit der größten Tiefe in einem zunehmend wichtigen Datenfeld.

Was wir bemerkt haben

  • 2021, Die Firma wurde von ClimaCell zu Tomorrow.io umbenannt, mit einer Neupositionierung von „bessere Wetter-API” zu „Weather Intelligence Platform”. Damit ging eine deutliche Verschiebung der Zielkundschaft zu Enterprise und Behörden einher.
  • 2023, Tomorrow.io kündigte eine eigene Satelliten-Konstellation an (Pathfinder-Mission gestartet, später unter dem Namen DeepSky positioniert), um Radar-Lücken über Ozeanen und Schwellenländern mit Microwave-Sounder-Technologie zu schließen. Erste Satelliten sind erfolgreich gestartet, der vollständige Konstellations-Aufbau ist mehrjährig.
  • 2024, Die mittleren Self-Service-Stufen (Basic, Growth) wurden weitgehend abgeschafft beziehungsweise nicht mehr beworben. Wer 2024/2025 das öffentliche Pricing besucht, sieht nur noch Free und Enterprise, eine bewusste Steuerung in den Vertriebskanal.
  • 2024/2025, Tomorrow.io hat das Operational-Insights-Portfolio deutlich ausgebaut, insbesondere für Luftfahrt (Wartungsfenster), Energie (Solar/Wind-Prognosen) und Versicherung (Schadenwahrscheinlichkeit). Die Plattform positioniert sich zunehmend als „Climate Risk OS”, nicht mehr nur als Wetter-API.
  • Juni 2026, Eine native EU-Region ist weiterhin nicht öffentlich beworben. Für DSGVO-sensible europäische Kunden ist das die zentrale offene Frage. Konkurrenten wie Meteomatics (Schweiz) und MeteoBlue nutzen diese Lücke aktiv im Vertrieb.

Quellen

  1. Tomorrow.io - Weather API und Pricing. https://www.tomorrow.io/weather-api/ (abgerufen am 2026-06-14). Bipolares Preismodell Free vs. Enterprise. Free-Plan: 5-Tage-Vorhersage, 24h Historie, 1 überwachte Location, 1 Wetter-Alert, Core-Layer. Enterprise: 14-Tage-Vorhersage, Premium-Layer (Air Quality, Pollen, Solar, Land, Lightning), Routen-Wetter, minutengenaue Auflösung, SAML-SSO, Punkt/Polygon/Polyline. Kein Self-Service-Tarif zwischen Free und Enterprise..
  2. Tomorrow.io - Satellite Constellation (Pathfinder / DeepSky). https://www.tomorrow.io/space/ (abgerufen am 2026-06-14). Eigene LEO-Satelliten-Konstellation mit Microwave-Sounder-Technologie (Missionen Pathfinder und DeepSky), erfolgreiche Starts erfolgt, Aufbau laufend..

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