Ticontract
Transporeon (Trimble)
Digitale Plattform für europaweite Transportausschreibungen und Carrier-Management als Teil der Transporeon-Suite. Verlader bündeln Transportvolumen in strukturierten Ausschreibungsprozessen und bewerten Spediteure anhand einheitlicher Kriterien.
Kosten: Auf Anfrage; modulare Enterprise-Lizenzierung nach Ausschreibungsvolumen und Nutzeranzahl; nutzungsbasiertes Preismodell ohne öffentliche Listenpreise
Stärken
- Spezialisiert auf Transportausschreibungen — strukturierter Vergabeprozess statt E-Mail-Verhandlung
- Anbindung an das Transporeon-Spediteurnetzwerk mit 180.000+ europäischen Carriern
- EU-Datenhaltung, deutschsprachige Oberfläche und Support
- Integration in die Transporeon-Suite (Echtzeit-Tracking, Zeitfenstermanagement, Freight Audit)
- AI-gestützte Empfehlungen für Carrier-Auswahl und Preisentscheidungen
Einschränkungen
- Fokus auf strategische Ausschreibungen — kein operatives Sendungstracking in Ticontract selbst
- Für kleine Verlader mit wenig Transportvolumen kaum rentabel
- Ticontract-Marke wird unter Transporeon konsolidiert — Roadmap abhängig von Trimble-Strategie
- Implementierungskosten und lange Onboarding-Dauer typisch für Enterprise-Logistiksoftware
- Keine öffentliche Preisliste — Budgetplanung ohne Vertriebsgespräch nicht möglich
Passt gut zu
Wann ja, wann nein
Wann ja
- Regelmäßige Transportausschreibungen (Jahreskontrakte, Spotmarkt-Tender) strukturiert digitalisieren
- Carrier-Bewertung und -Compliance mit tausenden europäischen Spediteuren über ein gemeinsames Netzwerk
- Bereits andere Transporeon-Module im Einsatz und Ausschreibungen integrieren
- Transparente Vergleichbarkeit von Frachtraten über mehrere Verkehrsträger hinweg gesucht
Wann nein
- Kleine Verlader mit wenig Transportvolumen — Invest und Onboarding kaum rentabel
- Einzelne Spot-Buchungen ohne wiederkehrende Tender-Prozesse
- Vollständiges TMS (Transport-Management-System) mit operativem Tracking gesucht — Ticontract ist strategisches Beschaffungstool
- Sofortige Implementierung erwartet — Enterprise-Logistikplattformen erfordern typisch 3–6 Monate Onboarding
Kurzfazit
Ticontract — heute offiziell Teil der Transporeon Freight-Marketplace-Plattform — digitalisiert das, was viele Logistikabteilungen noch mit Excel und E-Mail erledigen: strukturierte Transportausschreibungen mit definierten Bewertungskriterien, Carrier-Management und Kontraktvergabe. Das Werkzeug macht seinen Job gut, ist aber kein eigenständiges TMS und nicht für kleine Verlader geeignet. Die Übernahme von Transporeon durch Trimble in 2023 und die laufende Produktkonsolidierung erzeugen Unsicherheit über die künftige Positionierung der Ticontract-Marke — ein Aspekt, den Interessenten beim Kauf kritisch prüfen sollten.
Für wen ist Ticontract?
Große und mittelgroße Verlader mit hohem Transportvolumen: Wer 5.000+ Sendungen pro Jahr vergibt und regelmäßige Jahreskontrakte mit mehreren Dutzend Spediteuren aushandelt, findet in Ticontract den größten Nutzen. Die Standardisierung des Tender-Prozesses bringt hier messbare Zeit- und Kostenersparnisse.
Logistikleiter mit Compliance-Anforderungen: Branchen mit strengen Anforderungen an Carrier-Qualifikation (Gefahrgut, Pharma, Lebensmittel) profitieren von der strukturierten Carrier-Datenbank, in der Zertifizierungen, Versicherungsnachweise und Performance-KPIs hinterlegt und automatisch überwacht werden können.
Unternehmen im Transporeon-Ökosystem: Wer bereits Transporeon für Echtzeit-Tracking, Zeitfenstermanagement oder Freight Audit nutzt, profitiert von der nahtlosen Datenintegration: Carrier-Performance aus dem Tracking fließt direkt in die Ausschreibungsbewertung ein.
Einkaufsabteilungen mit Multi-Modus-Bedarf: Ticontract unterstützt FTL, LTL, Intermodal und Seefrachtausschreibungen — ideal für Unternehmen, die verschiedene Verkehrsträger in einem einheitlichen Prozess bündeln wollen.
Weniger geeignet für: Kleinere Verlader mit unter 1.000 Sendungen pro Jahr, Unternehmen, die ein vollständiges TMS mit operativem Tracking suchen, sowie Betriebe, die eine schnelle und günstige Einstiegslösung erwarten.
Preise im Detail
| Plan | Preis | Was du bekommst |
|---|---|---|
| Freight Marketplace (Basis) | Auf Anfrage | Zugang zur Transporeon-Plattform, Carrier-Netzwerk, Basis-Ausschreibungen |
| Freight Marketplace (Professional) | Auf Anfrage | Erweiterte Tender-Funktionen, KPI-Tracking, Carrier-Bewertungsmodule |
| Suite (inkl. Tracking, Freight Audit) | Auf Anfrage | Vollständige Transporeon-Suite mit allen Modulen kombiniert |
Einordnung: Transporeon (und damit Ticontract) veröffentlicht keine Listenpreise. Das Preismodell ist nutzungsbasiert und orientiert sich am Ausschreibungsvolumen und der Anzahl aktiver Nutzer. Für mittelständische Verlader (1.000–10.000 Sendungen/Jahr) sind typische Jahreskosten im fünfstelligen Bereich zu erwarten — ohne externe Implementierungskosten, die häufig noch einmal ähnlich hoch ausfallen. Für Großunternehmen mit komplexen Multi-Modus-Anforderungen steigen die Kosten entsprechend. Die Entscheidung für Ticontract/Transporeon ist eine mittelfristige Investition, keine kurzfristige Software-Subscription.
Stärken im Detail
Strukturierter Tender-Prozess statt E-Mail-Chaos. Traditionell laufen Transportausschreibungen über individuelle E-Mails, unterschiedliche Excel-Formate und manuellen Vergleich — ein fehleranfälliger, zeitintensiver Prozess. Ticontract standardisiert den gesamten Ablauf: Anforderungen, Angebotsstrukturen und Bewertungskriterien werden einmalig definiert, alle Carrier antworten im selben Format. Das macht Vergleiche objektiv und nachvollziehbar.
Zugang zu 180.000+ Carriern im Transporeon-Netzwerk. Kein anderer Anbieter im deutschen Markt hat ein so großes europäisches Carrier-Netzwerk. Für Verlader bedeutet das: Nicht nur die bestehenden Spediteure werden eingebunden, sondern neue Carrier auf bestimmten Relationen können direkt aus der Plattform eingeladen werden — besonders wertvoll für Kapazitätsengpässe oder neue Beschaffungsregionen.
KPI-gestützte Carrier-Bewertung über den Tender hinaus. Performance-Daten aus dem Transporeon-Tracking (Pünktlichkeitsquoten, Schadenquoten, Response-Zeiten) fließen in die Carrier-Bewertungsprofile ein. Damit wird die Ausschreibung nicht mehr nur vom Preis getrieben, sondern von echten Leistungsdaten aus der Praxis.
EU-Datenhaltung und deutschsprachige Oberfläche. Für deutsche Unternehmen ist das ein relevanter Vorteil: Die Plattform läuft auf deutschen/EU-Servern, die Oberfläche und der Support sind auf Deutsch verfügbar. Das erleichtert die interne Akzeptanz und die DSGVO-Compliance.
Schwächen ehrlich betrachtet
Kein operatives Sendungstracking im Tool selbst. Ticontract ist ein strategisches Beschaffungstool, kein TMS. Wer einen Auftrag vergeben hat, wechselt für das Sendungstracking in ein anderes Modul (Transporeon Visibility) oder ein externes System. Die nahtlose Integration innerhalb der Transporeon-Suite ist vorhanden, aber die Grenze zwischen strategischer Vergabe und operativem Betrieb ist trotzdem spürbar.
Für kleine Verlader wirtschaftlich kaum sinnvoll. Der Implementierungsaufwand (typisch 3–6 Monate), die Vertragskosten und die interne Ressourcenbindung für Carrier-Onboarding und Prozessdefinition lohnen sich erst ab einem relevanten Sendungsvolumen. Wer weniger als 1.000–2.000 Sendungen pro Jahr ausschreibt, erzielt mit Excel und direkten Verhandlungen oft ähnliche Ergebnisse zu deutlich geringeren Kosten.
Markenkonsolidierung schafft Planungsunsicherheit. Ticontract wird aktuell unter der Transporeon-Dachmarke konsolidiert. Die eigenständige Marke existiert zwar noch, aber die Roadmap und Weiterentwicklung sind vollständig abhängig von Trimbles Strategie für das Transporeon-Portfolio. Für langfristige Investitionsentscheidungen ist das ein Risikofaktor.
Keine öffentlichen Preise, lange Vertriebszyklen. Interessenten müssen mehrere Gespräche führen, bevor ein Angebot vorliegt. Das ist in der Enterprise-Logistiksoftware üblich, aber frustrierend für schnelle Budgetentscheidungen.
Alternativen im Vergleich
| Wenn du… | …nimm stattdessen |
|---|---|
| Gesamten Einkauf (nicht nur Transport) digitalisieren willst | SAP Ariba |
| Einkauf, Invoice-Management und Procurement bündeln willst | Coupa |
| Echtzeit-Sendungstracking als Primärbedürfnis hast | Project44 |
| Trimble-Produkte bereits im Einsatz hast | Trimble für die Gesamtintegration prüfen |
Ticontract / Transporeon Freight Marketplace ist dann erste Wahl, wenn strukturierte Transportausschreibungen und Carrier-Management im Zentrum stehen — und du das Transporeon-Netzwerk von 180.000+ Carriern nutzen willst. Für alle anderen Logistikbedürfnisse sind spezialisierte Tools oft besser geeignet.
So steigst du ein
Schritt 1: Kontaktiere Transporeon für ein Erstgespräch und schildere dein Transportvolumen: Anzahl Ausschreibungen pro Jahr, Anzahl aktiver Carrier, Transportmodi (FTL, LTL, Intermodal) und Länderumfang. Ticontract ist Teil der Transporeon-Suite — viele Kunden steigen über andere Module (z. B. Echtzeit-Tracking) ein und ergänzen Ausschreibungsfunktionen später.
Schritt 2: Definiere deine Ausschreibungsvorlage: Welche Strecken, Transportkriterien und Bewertungsparameter sind für dein Unternehmen relevant? Ticontract liefert standardisierte Templates für Stückgut, Komplettladungen und temperaturgeführte Transporte. Das Onboarding-Team unterstützt bei der Konfiguration des ersten Tenders.
Schritt 3: Lade deine Carrier-Basis in die Plattform ein: Bestehende Spediteure erhalten einen Zugang und können Angebote direkt einreichen. Über das Transporeon-Netzwerk kannst du den Kreis um bisher unbekannte Carrier auf bestimmten Relationen erweitern — besonders hilfreich bei Notfallkapazitäten oder neuen Beschaffungsregionen.
Ein konkretes Beispiel
Ein mittelständischer Möbelhersteller aus Ostwestfalen mit 45 aktiven Spediteuren führt seine Jahresausschreibung für 12.000 Sendungen bisher per Excel und E-Mail durch: individuelle Preisanfragen, unterschiedliche Tabellenformate, manuelle Vergleiche. Mit Ticontract wird der gesamte Tender digitalisiert: Spediteure geben Preise strukturiert in der Plattform ein, das System erstellt automatisch eine Vergabeempfehlung basierend auf Preis-Leistungs-Kriterien. Die Ausschreibungsdauer sinkt von 6 Wochen auf 3 Wochen, die Vergleichbarkeit der Angebote verbessert sich deutlich. Im Folgejahr werden Carrier zusätzlich nach KPI-Daten (Pünktlichkeit, Schadenquote) aus dem Transporeon-Tracking bewertet.
DSGVO & Datenschutz
- Datenhosting: Transporeon betreibt seine Plattform auf EU-Servern. Das Unternehmen hat seinen rechtlichen Sitz in Deutschland (Transporeon GmbH, Ulm) und verarbeitet Daten innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums.
- Konzernzugehörigkeit: Seit April 2023 ist Transporeon Teil des US-amerikanischen Konzerns Trimble Inc. Datentransfers in die USA unterliegen dem EU-US Data Privacy Framework. Für DSGVO-sensible Unternehmen sollte geprüft werden, welche Daten ggf. an die Muttergesellschaft übermittelt werden.
- AVV (Auftragsverarbeitungsvertrag): Für Enterprise-Kunden verfügbar. Wird im Rahmen des Vertragsabschlusses vereinbart.
- Zugriffskontrolle: Rollenbasiertes Berechtigungsmodell; Carrier sehen nur die für sie relevanten Ausschreibungen, keine fremden Angebotsdaten.
- Empfehlung für Unternehmen: Die EU-Datenhaltung und AVV-Möglichkeit machen Ticontract/Transporeon für deutsche Unternehmen DSGVO-tauglich. Der US-Konzern Trimble im Hintergrund sollte bei der Due Diligence jedoch berücksichtigt werden, insbesondere in regulierten Branchen (Pharma, Verteidigung).
Gut kombiniert mit
- Project44 — Ticontract vergibt Transportaufträge in der strategischen Ausschreibung, Project44 trackt die Sendungen danach in Echtzeit; beide Ebenen zusammen schließen die Sichtbarkeitslücke zwischen Vergabe und Ausführung
- SAP Ariba — Ticontract für Transport-spezifische Tender, SAP Ariba für die gesamte indirekte und direkte Beschaffung; Unternehmen mit SAP-Backbone nutzen oft beide parallel, da die Spezialisierung von Ticontract auf Frachtausschreibungen SAP Ariba überlegen ist
- Coupa — Coupa deckt den Einkauf und die Rechnungsverarbeitung ab, Ticontract optimiert den Transportausschreibungsprozess; Freight-Audit-Daten aus Transporeon lassen sich in Coupa für die Rechnungsprüfung nutzen
Unser Testurteil
Ticontract verdient 3 von 5 Sternen. Das Tool löst ein reales Problem — den chaotischen, E-Mail-basierten Transportausschreibungsprozess — und löst es für große Verlader gut. Das Carrier-Netzwerk von Transporeon ist ein echter Wettbewerbsvorteil, den kein anderer Anbieter in dieser Breite hat. Den vierten Stern verhindert die laufende Markenkonsolidierung unter Transporeon/Trimble, die Planungsunsicherheit erzeugt, sowie der hohe Investitionsaufwand und die fehlende Preistransparenz. Wer in ein Tool investiert, das möglicherweise in 2–3 Jahren vollständig in die Transporeon-Plattform aufgegangen ist, sollte das beim Kauf einkalkulieren.
Was wir bemerkt haben
- April 2023 — Trimble hat Transporeon für rund 1,88 Milliarden Euro übernommen. Ticontract war Teil dieser Übernahme. Die Ticontract-Marke existiert weiterhin, wird aber schrittweise in die Transporeon-Plattformmarke überführt. Interessenten sollten beim Kauf klären, welches Produkt sie tatsächlich lizenzieren.
- 2023–2024 — Transporeon konsolidiert sein Portfolio unter vier Hauptmodulen: Freight Marketplace, Execution & Visibility, Dock & Yard Management und Freight Audit. Ticontract-Funktionen sind im Modul “Freight Marketplace” aufgegangen. Separate Ticontract-Vermarktung läuft aus.
- Laufend — Das Transporeon-Karriere- und Produktnetzwerk wächst seit der Trimble-Übernahme, die Marke wird durch Trimbles globales Vertriebsnetz breiter positioniert. Gleichzeitig berichten einige langjährige Ticontract-Kunden von verlangsamten Produktupdates während der Integrationsphase.
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