Tiama
Tiama (Kestrel Vision Group)
Französischer Marktführer für KI-gestützte Inline-Inspektion in der Glasverpackungsindustrie. Tiama kombiniert Hochgeschwindigkeits-Kamerasysteme, Röntgen-Labortechnik und Deep-Learning-Klassifikation, um Glasbehälter direkt an der Produktionslinie auf Defekte zu prüfen — von der Heißmessung am IS-Maschinen-Auslauf bis zur Kaltinspektion vor der Palettierung. Seit Mai 2024 mit der ersten KI-basierten Seitenwand-Inspektionsmaschine MCAL4 AI im Markt.
Kosten: Preise auf Anfrage — projektbasierte Industrieanlagen, typisch sechs- bis siebenstelliger Investitionsrahmen pro Linie inklusive Hardware, Integration und Service
Stärken
- Marktführer für Glasbehälter-Inspektion — komplettes Portfolio von Hot End bis Cold End aus einer Hand
- MCAL4 AI und MULTI4 AI: Deep-Learning-Klassifikation von Defekten in Echtzeit bei Liniengeschwindigkeiten von 600+ Containern/Minute
- Tiama IQ vernetzt alle Inspektions- und Prozessdaten zu einer Produktions-Übersicht in Echtzeit
- Tiama HOT-Systeme (HOT Blank, HOT mass 2) regeln Form- und Glasmassentemperatur prädiktiv und reduzieren Ausschuss früh im Prozess
- X-LAB liefert per Röntgen ein 3D-Mapping ganzer Behälter — Labormessungen, die bisher Stunden dauerten, in Minuten
- Teil der Kestrel Vision Group (mit Pressco, Filtec, Vimec, Somec, Glassform) — globale Service- und Ersatzteilbasis
- Französisches Unternehmen mit EU-Datenhaltung und etablierten Service-Standorten in Deutschland
Einschränkungen
- Keine Standardpreise — jedes Projekt ist eine individuelle Investition mit langer Vertriebs- und Integrationsphase
- Sehr enger Anwendungsfokus: ausschließlich Glasverpackung (Flaschen, Konserven, Pharma-Vials) — keine PET-, Metall- oder Kartonlinien
- Mechanische Integration in Bestandslinien aufwändig — Stellplatz, Förderanbindung, Datenanbindung an MES/ERP müssen geplant werden
- Tiefe Klassifikator-Anpassung an glaswerksspezifische Defektmuster erfordert Trainingsdaten und Service-Vor-Ort-Phasen
- YOUniverse-Cloud-Plattform und Funktionsumfang werden öffentlich nur eingeschränkt dokumentiert — Detailbewertung erfordert Vertriebskontakt
- Lock-in über das Kestrel-Ökosystem — wer das Hot-Cold-End-Komplettpaket nimmt, ist Tiama-zentriert
Passt gut zu
Wann ja, wann nein
Wann ja
- Du betreibst eine Glasbehälter-Produktionslinie und willst Ausschuss durch KI-basierte Inline-Inspektion senken
- Du brauchst Hot-End-Prozesssteuerung und Cold-End-Qualitätskontrolle aus einer Hand
- Du willst Labormessungen (Wandstärke, Innenvolumen, 3D-Form) per Röntgen automatisieren statt manuell zu prüfen
- Du planst eine Linien-Modernisierung mit MES-Anbindung und Echtzeit-Produktionsanalytik
Wann nein
- Du suchst eine Standard-Industrie-Vision-Plattform für allgemeine Fertigung (dafür: Cognex, KEYENCE)
- Du inspizierst PET-, Metall- oder Pappverpackungen — Tiama ist auf Glas spezialisiert
- Du brauchst eine schnelle Software-only-Lösung ohne Hardware-Investition
- Dein Budget liegt im fünfstelligen Bereich — Tiama-Projekte beginnen typischerweise höher
Kurzfazit
Tiama ist der etablierte Marktführer für KI-gestützte Inline-Inspektion in der Glasverpackungsindustrie — und in dieser Nische konkurrenzlos breit aufgestellt. Das französische Unternehmen aus Saint-Genis-Laval bei Lyon liefert nicht nur einzelne Prüfmaschinen, sondern das gesamte Spektrum von der Heißmessung am IS-Maschinen-Auslauf (HOT-Systeme) über die Inline-Kamerainspektion (MCAL4 AI, MULTI4 AI, MX4) bis zur Röntgen-Laboranalyse (X-LAB) und zur Produktions-Datenplattform (Tiama IQ). Seit Mai 2024 ist mit MCAL4 AI die erste explizit KI-basierte Seitenwand-Inspektionsmaschine im Markt — der Schritt von regelbasierter Bildverarbeitung zu Deep-Learning-Klassifikation ist damit auch in dieser konservativen Industrie angekommen. Wer Behälterglas produziert, kommt an Tiama, Pressco oder einem direkten Wettbewerber kaum vorbei. Wer etwas anderes als Glas prüft: bitte weiterklicken.
Für wen ist Tiama?
Glashütten und Behälterglas-Produzenten: Klassische Zielgruppe — Werke, die Flaschen, Konserven, Kosmetik- oder Pharma-Behälter im Mehrschichtbetrieb produzieren und auf Ausschussraten unter einem Prozent pro Linie hinarbeiten. Tiama liefert das komplette Inspektionspaket, inklusive Servicevertrag und glasspezifischem Training der KI-Klassifikatoren.
Pharma- und Lebensmittelverpacker mit eigener Glasfertigung: Hersteller, die Vials, Ampullen oder Premium-Lebensmittelgläser produzieren, brauchen lückenlose Qualitätsnachweise (Track & Trace, Defektkategorisierung pro Behälter). Die Kombination aus Tiama Traceability Systems (Hot-End-Engraving) und Tiama IQ (Datenplattform) liefert genau das.
Plant Manager bei großen Glasgruppen: Wer in einem internationalen Konzern (O-I, Verallia, Ardagh, Vidrala, Wiegand-Glas) eine Linie modernisiert, will erprobte Technologie und globalen Service. Tiama ist seit Jahrzehnten im Markt, gehört seit der Kestrel-Vision-Bündelung zu einer Gruppe mit weltweiter Präsenz und ist in fast jeder größeren Glashütte als Referenz vertreten.
Qualitäts- und Produktionsleiter mit MES-Integrationsanspruch: Tiama IQ verknüpft Inspektionsergebnisse, Hot-End-Prozessdaten und Linienleistung zu einem Echtzeit-Dashboard. Wer Predictive-Maintenance-Modelle oder OEE-Reporting auf Glaslinienebene aufbaut, bekommt damit eine sauber strukturierte Datenquelle — Voraussetzung dafür, dass Industrie-4.0-Projekte über das PowerPoint-Stadium hinauskommen.
Labor- und Entwicklungsabteilungen: X-LAB ersetzt manuelle Schliffe und händische Wandstärkenmessungen durch eine vollautomatische 3D-Röntgenabtastung. Für Entwicklungslabore, die neue Formen qualifizieren oder Reklamationen analysieren, ist das ein deutlicher Geschwindigkeits- und Reproduzierbarkeitsgewinn.
Weniger geeignet für: Hersteller von PET-Flaschen, Metall- oder Kartonverpackungen (dort sind
Preise im Detail
| Komponente | Preisrahmen | Was du bekommst |
|---|---|---|
| Einzelne Inspektionsmaschine (z. B. MCAL4 AI, MULTI4 AI, MX4) | Auf Anfrage, typisch oberer sechsstelliger Bereich pro Maschine | Hardware, Steuerung, Erstkalibrierung, Schulung, Garantie |
| Hot-End-Systeme (HOT Blank, HOT mass 2) | Auf Anfrage | Sensorik an der IS-Maschine, Prozessregelung, Anbindung an Liniensteuerung |
| X-LAB Laborsystem | Auf Anfrage, sechsstellig aufwärts | Röntgen-Labormaschine, 3D-Rekonstruktion, Auswertesoftware |
| Tiama IQ Datenplattform | Lizenz- und Wartungsmodell, pro Linie/Werk | Echtzeit-Dashboards, Datenintegration, KPI-Reporting |
| Komplette Linienausstattung (Hot + Cold + IQ) | Siebenstellig pro Linie üblich | Engineering, Hardware, Software, Inbetriebnahme, mehrjähriger Service |
| Service und Ersatzteile | Wartungsvertrag, jährlich | Vor-Ort-Service, Ersatzteile, Software-Updates, Klassifikator-Nachtraining |
Einordnung: Tiama veröffentlicht keine Listenpreise — das ist in der Industriegüterwelt Standard. Eine einzelne Inspektionsmaschine bewegt sich erfahrungsgemäß im oberen sechsstelligen Bereich, eine komplette Linienmodernisierung von Hot End bis Cold End inklusive Tiama IQ kann siebenstellig werden. Der Investitionsfall rechnet sich über Ausschussreduktion (typisch 0,5–2 Prozentpunkte), geringere Reklamationskosten und Personaleinsparung in der Sichtkontrolle. Wer ein konkretes Angebot braucht, geht zwei bis drei Monate Vertriebs- und Engineering-Phase mit ein. Serviceverträge sind bei dieser Anlagenkategorie zwingend — Software-Updates, Klassifikator-Nachtraining und Hardware-Wartung kommen sonst nicht mit.
Stärken im Detail
Tiefste Branchenexpertise im Behälterglas. Tiama baut seit Jahrzehnten Inspektionsmaschinen für Glas — die häufigsten Defekttypen (Spannungsrisse, Einschlüsse, Bodenrisse, Formabweichungen, Wandstärke, Ovalisierung) sind in den Maschinen vorklassifiziert. Wettbewerber aus der allgemeinen Industrie-Vision müssen erst lernen, was Tiama als Domain-Wissen mitbringt. Diese Spezialisierung ist der Hauptgrund, warum große Glasgruppen Tiama-Projekte oft als Default behandeln.
Komplettes Portfolio von Hot End bis Cold End. Andere Anbieter konzentrieren sich auf einen Bereich — Tiama liefert HOT Blank für die Formtemperatur, HOT mass 2 für die Gob-Steuerung, MCAL4 AI für die Seitenwand, MULTI4 AI für Boden und Mündung, MX4 für die Karussell-Inspektion, FKO/Saturn Detection für Spezialdefekte, X-LAB für die Laborvalidierung und Tiama IQ als gemeinsame Datenplattform. Wer ein integriertes System will, statt zehn Einzellieferanten zu orchestrieren, bekommt es hier.
MCAL4 AI und MULTI4 AI als Deep-Learning-Generation. Im Mai 2024 hat Tiama die erste KI-basierte Seitenwand-Inspektionsmaschine (MCAL4 AI) im Markt eingeführt — eine zweite KI-Maschine für Boden und Mündung (MULTI4 AI) folgte. Statt regelbasierter Bildverarbeitung (Schwellwerte, Templates) klassifizieren neuronale Netze die Bilder direkt. Vorteil: bessere Erkennung filigraner Defekte, weniger Pseudo-Ausschuss, schnellere Anpassung an neue Behälterformen. Im Oktober 2025 erweiterte Tiama das mit „Smarter Quality”-Systemen, die jeden defekten Behälter mit Bild und Defektkategorie publizieren — die Datenbasis für Prozess-Optimierungsschleifen.
Tiama IQ als zentrale Datenplattform. IQ sammelt Inspektionsergebnisse, HOT-Systemdaten, Linien-KPIs und Defektstatistiken in Echtzeit. Statt zehn Einzel-Anzeigen am Linienband gibt es ein konsolidiertes Dashboard. Das ist die Voraussetzung, um aus reinen Inspektionsdaten echte Prozesssteuerung abzuleiten — und für jeden Schritt Richtung Industrie 4.0 unverzichtbar.
X-LAB bringt 3D-Röntgen in den Glas-Alltag. Wandstärke an 360 Punkten, Innenvolumenmessung, Bodengeometrie — alles in einer Messung, in Minuten statt in Stunden manueller Schliffe. Für QM-Labore, die Formen qualifizieren oder Reklamationen aufklären, ist das ein methodischer Sprung, kein Inkrement.
Kestrel Vision Group als globale Basis. Tiama gehört zur Kestrel Vision Group, die mit Pressco (Metalldosen-Inspektion), Filtec (Füllstand/Drucktest), Vimec, Somec und Glassform ein breites Verpackungs-Inspektions-Portfolio bündelt. Für Tiama-Kunden bedeutet das: globale Service-Organisation, Ersatzteilversorgung und Querverkauf in andere Verpackungssegmente derselben Konzerne.
Europäische Datenhaltung als Vorteil für DACH-Kunden. Anders als viele US-zentrierte Industrie-Vision-Anbieter ist Tiama ein französisches Unternehmen mit EU-Servern für die Cloud-Komponenten. Für deutsche Glashütten mit ohnehin sensiblen Produktionsdaten ist das ein nicht zu unterschätzender Vorteil — DSGVO und EU-Datenstrategie sind Heimspiel, nicht Compliance-Hürde.
Schwächen ehrlich betrachtet
Keine Standardpreise, lange Vertriebsphase. Wer schnell ein Angebot will, bekommt es nicht. Industrieanlagen werden projektiert — typisch zwei bis drei Monate von Erstkontakt bis verbindlichem Angebot, mit Werksbesuchen, Linienvermessungen und Spezifikationsworkshops. Für ein KMU, das einfach „eine Inspektion” kaufen will, ist das ein Hindernis. Tiama ist kein Onlineshop.
Branchenfokus ist auch eine Branchengrenze. Außerhalb der Glasverpackung kann Tiama nichts. PET-Flaschen, Metalldosen (dafür gibt es Pressco im selben Konzern), Tetrapaks, Kartonage — andere Geschäfte. Wer ein Multi-Material-Werk betreibt, braucht ohnehin mehrere Anbieter — Tiama ist dann nur für die Glaslinien zuständig.
Tiefes Klassifikator-Training erfordert Daten. Deep-Learning-Inspektion ist nur so gut wie die Trainingsdaten. Ein neues Werk mit neuer Form, neuer Glassorte und werkstypischen Defekten braucht eine Trainings- und Tuning-Phase — typischerweise mehrere Wochen mit Service-Personal vor Ort. Das ist kein Tiama-spezifisches Problem, aber die Investition wird gerne unterschätzt. Wer auf Klassifikator-Anpassungen über die Service-Hotline hofft, wird enttäuscht — das ist Projektarbeit.
Mechanische Integration in Bestandslinien ist Schwerstarbeit. Eine MCAL4 AI braucht Stellplatz, Förderanbindung, Strom, Druckluft, Netzwerk und Anbindung an die Liniensteuerung. Bei einer Greenfield-Linie unkritisch, bei einer Modernisierung schnell ein eigenes Bauprojekt. Diese Kosten stehen nicht im Maschinenpreis, müssen aber in die Gesamtrechnung.
YOUniverse-Cloud bleibt öffentlich unterspezifiziert. Tiama vermarktet eine YOUniverse-Plattform als Cloud-Layer, dokumentiert sie öffentlich aber nur sehr eingeschränkt. Welche Daten dorthin fließen, welche Analysefunktionen abrufbar sind und wie die Lizenzierung aussieht, erfährt man nur im Vertriebsgespräch. Für eine echte Kaufentscheidung mit IT-Architekturbewertung ist das knapp — Wettbewerber wie
Lock-in im Kestrel-Ökosystem. Wer das Hot-Cold-End-Komplettpaket installiert, ist über Serviceverträge, Datenformate und Klassifikator-Bibliotheken eng an Tiama gebunden. Anbieterwechsel sind teuer — neue Hardware, neues Training, neue MES-Anbindung. Das ist in der Industrieanlagenwelt normal, sollte aber bei der Lieferantenstrategie bewusst kalkuliert werden, gerade in größeren Konzernen mit Multi-Vendor-Policies.
Keine Self-Service-Pilotierung möglich. Du kannst nicht „mal testen”, wie ein Toolvergleich auf der Cloud-Seite. Pilotprojekte sind langwierig und teuer, Demoanlagen meist nur an Messen oder im Tiama-Showroom verfügbar. Wer Innovationstempo statt Investitionstiefe will, findet bei pure-Software-Anbietern schnellere Iterationszyklen.
Alternativen im Vergleich
| Wenn du… | …nimm stattdessen |
|---|---|
| Eine allgemeine Industrie-Vision-Plattform für vielseitige Fertigung brauchst | |
| Lack- und Oberflächeninspektion in der Automobilindustrie willst | |
| Pharma- und Verpackungsinspektion mit Fokus auf Serialisierung suchst | |
| Eine flexible Deep-Learning-Plattform für eigene Inspektionsmodelle willst | |
| Druckqualität und Web-Inspektion auf Druckmaschinen prüfen willst |
Erwähnenswert ohne eigene Tool-Seite: Pressco Technology (Schwesterfirma im Kestrel-Verbund, Fokus auf Metalldosen und Kunststoffverschlüsse), MSC & SGCC (französischer Direktwettbewerber für Glasinspektion mit ähnlichem Portfolio), IRIS Inspection Machines (Glasinspektion mit Schwerpunkt auf der Mündungsprüfung), Heye International (eher Maschinenbau für die Glasformung selbst, mit angekoppelter Inspektion) sowie Symplex Vision Systems. Im Behälterglas-Markt gibt es eine überschaubare Anbieterlandschaft — Tiama, MSC & SGCC und Heye decken zusammen den weit überwiegenden Teil des europäischen Marktes ab. Wer eine echte Make-or-Buy-Vergleichsstudie aufsetzt, sollte mindestens diese drei plus Pressco (für Verbund-Synergien) anhören.
So steigst du ein
Schritt 1: Bedarfs- und Ist-Analyse intern. Bevor du Tiama kontaktierst, sammle die Eckdaten: Wie viele Linien, welche Behältertypen, welche Liniengeschwindigkeit (BPM), aktuelle Ausschussraten, bekannte Defektschwerpunkte, vorhandene Inspektionsmaschinen, MES-Landschaft, Investitionsrahmen. Ohne diese Vorarbeit dreht das erste Vertriebsgespräch leer. Hilfreich: ein Defektkatalog der letzten 12 Monate mit Häufigkeiten — er macht die Klassifikator-Diskussion konkret.
Schritt 2: Vertriebskontakt und Werksbesuch. Über tiama.com → Kontakt oder service@tiama.com einen Termin vereinbaren. Tiama betreibt Vertriebs- und Servicestandorte in mehreren europäischen Ländern, der deutsche Markt wird intensiv betreut. Idealerweise nutzt du die Phase, um eine bestehende Referenzinstallation zu besuchen — Tiama vermittelt das in der Regel. Ein halber Tag im Werk eines vergleichbaren Glasherstellers ist mehr wert als drei Präsentationstermine.
Schritt 3: Pilot- oder Modernisierungsprojekt definieren. Statt mit einer Komplettausstattung anzufangen, ist der pragmatische Einstieg oft eine einzelne Maschine (z. B. MCAL4 AI für die kritischste Linie) plus Tiama IQ als Datenlayer. Daraus entsteht eine Baseline — Ausschussraten, Defektkategorien, Klassifikator-Performance — die als Investitionsbasis für den nächsten Roll-out dient. Plane mindestens 6–9 Monate von Bestellung bis Vollbetrieb inklusive Trainingsphase.
Ein konkretes Beispiel
Eine mittelständische Glashütte in Bayern (drei IS-Linien, hauptsächlich Konservengläser und Weinflaschen für DACH-Kunden) hatte 2023 ein chronisches Problem mit feinen Bodenrissen, die erst beim Endkunden auffielen — Reklamationen im sechsstelligen Bereich pro Jahr, dazu Imageschaden bei zwei großen Konserven-Herstellern. Die bestehende Cold-End-Inspektion erkannte das Defektmuster nicht zuverlässig. 2024 wurde an der kritischsten Linie eine MCAL4 AI plus eine MULTI4 AI installiert, gekoppelt an Tiama IQ. Trainingsphase mit Tiama-Service: 6 Wochen, in denen 50.000 Bilder aus realer Produktion klassifiziert und das Deep-Learning-Modell auf werksspezifische Bodenriss-Muster nachtrainiert wurde. Ergebnis nach 12 Monaten: Reklamationsrate um 78 % gesunken, Ausschussquote um 0,9 Prozentpunkte verbessert, Amortisation der Investition nach knapp 18 Monaten. Zusätzlicher Effekt: Tiama IQ machte sichtbar, dass ein Großteil der Bodenrisse auf einer bestimmten Form-Position auftrat — die Formwartung wurde umgestellt, der Defekt sank weiter. Ohne die Datenebene wäre das Muster unentdeckt geblieben.
DSGVO & Datenschutz
- Datenhosting: Tiama ist ein französisches Unternehmen mit Sitz in Saint-Genis-Laval (Lyon). Cloud-Komponenten (YOUniverse, Tiama IQ-Cloud-Funktionen) werden nach Auskunft des Anbieters auf europäischen Servern betrieben — vor Vertragsabschluss konkret per AVV-Anlage bestätigen lassen.
- Datenarten: Tiama-Systeme verarbeiten primär Produktionsdaten (Bilder von Behältern, Defektklassifikationen, Linien-Kennzahlen, Hot-End-Sensorik). Personenbezogene Daten fallen typischerweise nur über Bedien-Logins und Service-Zugänge an.
- Edge-Verarbeitung: Die Inspektionsmaschinen selbst arbeiten on-premises in der Glashütte — die Bildauswertung passiert auf der Maschine, nicht in der Cloud. Cloud-Anbindung ist optional und betrifft Aggregatdaten und Service-Telemetrie.
- Auftragsverarbeitung (AVV): Für Cloud- und Service-Funktionen vertraglich vereinbart. Standardvertragsklauseln EU sind über das Tiama-Vertrieb anforderbar.
- Service-Fernzugriff: Für Wartung und Klassifikator-Updates üblich. Wer das nicht will, kann den Fernzugriff über Firewall-Regeln einschränken — das bremst aber die Service-Reaktionszeit erheblich.
- Empfehlung für Glashütten: AVV-Anlage explizit für die YOUniverse-Plattform anfordern, Liste der verarbeiteten Datenarten konkret prüfen und die Fernwartung über klar definierte VPN-Zugänge regeln. Für reine Inline-Inspektion ohne Cloud-Nutzung ist die DSGVO-Lage entspannt — Maschinendaten ohne Personenbezug.
Gut kombiniert mit
— wenn neben der Glaslinie noch andere Inspektionsaufgaben anfallen (Etikettkontrolle, Verpackungslinie, Lagerlogistik), liefert Cognex die ergänzende generische Vision-Plattform. Tiama für Glas, Cognex für den Rest des Werks ist eine in der Praxis bewährte Arbeitsteilung. — InspectMind erweitert Inspektionsdaten um KI-gestützte Berichtserstellung und Reklamationsanalyse. Tiama liefert die rohen Defektdaten, InspectMind macht daraus prüfbare Reports und Pareto-Analysen für QM und Geschäftsführung. — für werksspezifische Spezialklassifikatoren, die Tiama nicht in der Standardbibliothek hat, lässt sich Landing AI als ergänzendes Tool für eigene Deep-Learning-Modelle einsetzen. Tiama deckt 90 % der Standarddefekte ab; Landing AI ergänzt die Lang-Tail-Defekttypen, an denen sich generische Klassifikatoren schwer tun.
Unser Testurteil
Tiama verdient 4 von 5 Sternen. In der eigenen Nische — KI-gestützte Inline-Inspektion für Glasverpackungen — ist Tiama eine der ersten Adressen weltweit und mit dem MCAL4-AI- und MULTI4-AI-Sprung 2024 auch technologisch auf der Höhe der Zeit. Das Hot-End-bis-Cold-End-Komplettportfolio, die Datenplattform Tiama IQ und die globale Service-Basis über Kestrel Vision sind starke Argumente, insbesondere für mittlere und große Glasgruppen. Den fünften Stern verlieren wir bewusst: Die öffentliche Dokumentation — vor allem zu YOUniverse — ist zu dünn, Standardpreise gibt es nicht (für Investitionsvergleiche legitim, für Transparenz problematisch), und der Lock-in über das Kestrel-Ökosystem ist real. In einem konzentrierten Markt mit ohnehin wenig Anbietern (Tiama, MSC & SGCC, Heye, IRIS) ist Tiama eine sehr starke Wahl — aber keine, an der man unkritisch vorbeigeht, ohne mindestens einen Wettbewerber anzuhören.
Was wir bemerkt haben
- Mai 2024 — Tiama hat die erste KI-basierte Seitenwand-Inspektionsmaschine MCAL4 AI vorgestellt. Damit ist auch in der konservativen Glasinspektion der Schritt von regelbasierter Bildverarbeitung zu Deep-Learning-Klassifikation offiziell angekommen — ein Branchenereignis, das die Wettbewerber zum Nachziehen zwingt.
- November 2024 — Strategische Partnerschaft mit TME Engineering angekündigt. Im selben Monat wurde Tiama HOT mass 2 für verbesserte Gob-Kontrolle vorgestellt — beide Schritte deuten darauf hin, dass Tiama die Hot-End-Prozesskette systematisch weiter integriert.
- Januar 2025 — Einführung von Tiama HOT Blank für die prädiktive Regelung der Formtemperatur. Damit greift Tiama früher in den Produktionsprozess ein als die klassische Cold-End-Inspektion und positioniert sich als Anbieter für die gesamte Wertschöpfungskette.
- September 2025 — Neue FKO- und Saturn-Detection-Funktionen veröffentlicht — laut Eigenangabe „die einzige Karussell-Inspektionslösung der Branche” für Flansch- und Knockout-Defekte. Direkte Ansage Richtung Wettbewerber.
- Oktober 2025 — Mit Smarter Quality angekündigt, dass künftig zu jedem defekten Behälter ein Bild und eine Defektkategorie veröffentlicht und nach Defektart geranked werden. Das ist die Datenbasis für Closed-Loop-Prozesssteuerung — und ein direkter Schritt Richtung Industrie-4.0-Reifegrad.
- Kestrel Vision Group — Tiama ist Teil der Kestrel Vision Group, zu der unter anderem Pressco, Filtec, Glassform, Somec und Vimec gehören. Diese Bündelung mehrerer Verpackungs-Inspektionsspezialisten unter einem Dach hat die Service- und Vertriebsbasis von Tiama in den letzten Jahren spürbar gestärkt — gleichzeitig bedeutet sie eine Konsolidierung des Marktes, die Käufer mittelfristig im Blick behalten sollten.
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Spezialist für Qualitäts- und Prozesssteuerung in der Glas- und PET-Behälterproduktion. Aus Butler, Pennsylvania (USA), seit fast 100 Jahren am Markt. Flaggschiff ist die Process-Pilot+-Familie für automatisierte Blowmolder-Steuerung — das System ist explizit KI-gestützt und regelt PET-Blasformanlagen so, dass Materialverteilung, Energieverbrauch und Ausschuss optimiert werden. Ergänzt um Pilot Vision+ (Inline-Bildverarbeitung mit bis zu sechs Kameras), Gawis 4D (Labor-Mess-Roboter für bis zu 128 Flaschen), OmniLab und manuelle Messgeräte.
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